HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

LAG Hes­sen, Be­schluss vom 18.04.2016, 16 TaBV 80/15

   
Schlagworte: Betriebsrat: Kosten, Betriebsrat
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hessen
Aktenzeichen: 16 TaBV 80/15
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 18.04.2016
   
Leitsätze:

1. Der Betriebsrat - für den von ihm beauftragten Rechtsanwalt gilt nichts anderes - darf bei der Wahl der Rechtsdurchsetzung unter mehreren gleich geeigneten Möglichkeiten nur die für den Arbeitgeber kostengünstigere Lösung für erforderlich halten. Wählt der Betriebsrat unter mehreren gleichermaßen in Betracht kommenden Möglichkeiten bei der Durchführung eines Beschlussverfahrens nicht den für den Arbeitgeber kostengünstigsten Weg, ist die gewählte Form der Rechtsdurchsetzung insoweit mutwillig. Dies kann zB dazu führen, dass der Betriebsrat bei der Einleitung eines Beschlussverfahrens anstelle von mehreren Einzelverfahren die Durchführung eines Musteroder Gruppenverfahrens in Betracht ziehen muss.

2. Die Kostentragungspflicht des Arbeitgebers entfällt bei einer offensichtlich aussichtslosen oder mutwilligen Rechtsverfolgung des Betriebsrats. Offensichtlich aussichtslos ist die Rechtsverfolgung, wenn die Rechtslage unzweifelhaft ist. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, die außergerichtlichen Kosten für unzulässige oder offensichtlich unbegründete Rechtsmittel bzw. Nichtzulassungsbeschwerden nach § 92a ArbGG zu tragen.

Vorinstanzen: ArbG Darmstadt, 18.03.2015, 5 BV 11/14
   

LAG Hes­sen, 18.04.2016 - 16 TaBV 80/15

 

Te­nor:

Auf die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2 wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Darm­stadt vom 18. März 2015 - 5 BV 11/14 - un­ter Zurück­wei­sung der Be­schwer­de im Übri­gen teil­wei­se ab­geändert:

Die Be­tei­lig­te zu 2 wird ver­pflich­tet, an den An­trag­stel­ler 1.176,67 EUR (in Wor­ten: Ein­tau­send­ein­hun­dert­sechs­und­sieb­zig und 67/100 Eu­ro) zu zah­len.

Die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Darm­stadt vom 18. März 2015 - 5 BV 11/14 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

Gründe

 

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I.

Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Er­stat­tung von Rechts­an­walts­kos­ten des Be­triebs­rats.

Die An­trag­stel­ler sind Rechts­anwälte und ma­chen aus ab­ge­tre­te­nem Recht Kos­ten­er­stat­tungs­ansprüche ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber (Be­tei­lig­ter zu 2) gel­tend. Die­ser ist die eu­ropäische Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft ei­nes ko­rea­ni­schen Au­to­mo­bil­kon­zerns und beschäftigt in sei­ner Nie­der­las­sung in A ca. 240 Ar­beit­neh­mer. Dort ist ein Be­triebs­rat ge­bil­det. Am schwar­zen Brett im Be­trieb hing vom 5. Ju­li 2012 bis 17. Au­gust 2012 ein Aus­hang, der sich kri­tisch mit der Be­triebs­rats­ar­beit aus­ein­an­der­setz­te und von ins­ge­samt 112 Mit­ar­bei­tern, dar­un­ter ei­ni­gen lei­ten­den An­ge­stell­ten, un­ter­zeich­net war. We­gen die­ses Aus­hangs ging der Be­triebs­rat in ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Darm­stadt ge­gen den Ar­beit­ge­ber vor (5 BV 43/12). Das Ar­beits­ge­richt gab den Anträgen am 13.2.2013 teil­wei­se statt. Ge­gen die­se Ent­schei­dung leg­ten der Ar­beit­ge­ber am 13. März 2013 Be­schwer­de und der Be­triebs­rat am 24. Ju­ni 2013 An­schluss­be­schwer­de ein, die beim Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt un­ter dem Ak­ten­zei­chen 16 TaBV 36/13 geführt wur­den. Mit Be­schluss vom 2. Sep­tem­ber 2013 änder­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Darm­stadt teil­wei­se ab und wies die Anträge des Be­triebs­rats ins­ge­samt zurück. Die da­ge­gen vom Be­triebs­rat beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­leg­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de (7 ABN 86/13), we­gen de­ren Be­gründung auf Bl. 410-441 der Ak­ten ver­wie­sen wird, wur­de als un­zulässig ver­wor­fen; in­so­weit wird auf Bl. 479-482 der Ak­ten Be­zug ge­nom­men.

Da­ne­ben führ­te der Be­triebs­rat Be­schluss­ver­fah­ren ge­gen ein­zel­ne Un­ter­zeich­ner des Aus­hangs auf Un­ter­las­sung bzw. Wi­der­ruf der in dem Schrei­ben ent­hal­te­nen Äußerun­gen (ArbG Darm­stadt 13.2.13, 5 BV 33/12 = Hess. LAG 2.9.13, 16 TaBV 44/13= BAG 7 ABN 80/13-B; ArbG Darm­stadt 13.2.13, 5 BV 36/12 = Hes­si­sches LAG 2.9.13, 16 TaBV 46/13 = BAG 7 ABN 81/13-C; ArbG Darm­stadt 13.2.13, 5 BV 32/12 = Hes­si­sches LAG 2.9.13, 16 TaBV 47/13 = BAG 7 ABN 82/13-D; ArbG Darm­stadt 13.2.13, 5 BV 40/12 = Hes­si­sches LAG 2.9.13, 16 TaBV 48/13 = BAG 7 ABN 83/13-E; ArbG Darm­stadt, 13.2.13, 5 BV 38/12 = Hes­si­sches LAG 2.9.13, 16 TaBV 49/13 = BAG 7 ABN 84/13-F; ArbG Darm­stadt 13.2.13, 5 BV 34/12 = Hess. LAG 2.9.13, 16 TaBV 50/13 = BAG 7 ABN 85/13-G; ArbG Darm­stadt 26.9.13, 5 BV 35/12 = Hes­si­sches LAG 30.6.13, 16 TaBV 166/13 -H; ArbG Darm­stadt 27.11.13, 5 BV 39/12 = Hes­si­sches LAG 9.2.15, 16 TaBV 14/14 -I; ArbG Darm­stadt 5 BV 37/12 = Hes­si­sches LAG 16 TaBV 54/14-J, in­so­weit Be­schwer­derück­nah­me sei­tens des Ar­beit­ge­bers we­gen ei­nes Form­m­an­gels). Die ge­gen die­se Ent­schei­dun­gen (mit Aus­nah­me der vom Ar­beit­ge­ber im Fall J zurück­ge­nom­me­nen Be­schwer­de) des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts ein­ge­leg­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den wur­den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt als un­zulässig ver­wor­fen.

Der Be­triebs­rat war in die­sen Ver­fah­ren zunächst von dem jetzt für die hie­si­gen

An­trag­stel­ler han­deln­den Rechts­an­walt Dr. K als Mit­glied der Kanz­lei "L Rechts­anwälte" ver­tre­ten wor­den. Die­ser hat­te hin­sicht­lich der am 13.2.2013 verkünde­ten Ur­tei­le des ArbG Darm­stadt auch mit Schrift­satz vom 24. Mai 2013 ge­genüber dem Hes­si­schen LAG sei­ne Ver­tre­tung an­ge­zeigt. In sei­ner Sit­zung vom 3. Ju­li 2013 fass­te der Be­triebs­rat den Be­schluss, das Man­dats­verhält­nis mit Rechts­an­walt L in den Ver­fah­ren 5 BV 35/12, 5 BV 39/12, 16 TaBV 36/13, 16 TaBV 44/13, 16 TaBV 46/13, 16 TaBV 47/13, 16 TaBV 48/13, 16 TaBV 49/13, 16 TaBV 50/13 und 16 TaBV 54/13 zu be­en­den und die

Rechts­an­walts­so­zietät M mit der Ver­tre­tung in die­sen Ver­fah­ren zu be­auf­tra­gen; in­so­weit wird auf das Pro­to­koll der Be­triebs­rats­sit­zung vom 3. Ju­li 2013, Bl. 245 bis 256 d.A. in 16 TaBV 81/15 Be­zug ge­nom­men. Dar­auf­hin leg­ten L Rechts­anwälte in den ge­nann­ten Ver­fah­ren die Ver­tre­tung nie­der und die An­trag­stel­ler mel­de­ten sich für die­se Be­schluss­ver­fah­ren.

In sei­ner Sit­zung vom 23. April 2014 be­schloss der Be­triebs­rat die Ab­tre­tung der Kos­ten­frei­stel­lungs­ansprüche des Be­triebs­rats ge­gen den Ar­beit­ge­ber aus der außer­ge­richt­li­chen und ge­richt­li­chen an­walt­li­chen Ver­tre­tung durch die Rechts­anwälte M in den Ver­fah­ren 5 BV 35/12, 5 BV 39/12, 16 TaBV 36/13, 16 TaBV 44/13, 16 TaBV 46/13, 16 TaBV 47/13, 16 TaBV 48/13, 16 TaBV 49/13, 16 TaBV 50/13, 16 TaBV 54/13 so­wie 7 ABN 80/13 bis 7 ABN 86/13; in­so­weit wird auf das Pro­to­koll der Be­triebs­rats­sit­zung vom 23. April 2014, Bl. 208-228 d.A., Be­zug ge­nom­men.


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Un­ter dem 4. No­vem­ber 2015 stell­ten die An­trag­stel­ler dem Be­triebs­rat für die Ver­fah­ren 16 TaBV 36/13 (Rech­nungs­num­mer 1300361, Bl. 406 d.A.), 7 ABN 86/13

(Rech­nungs­num­mer 1400182 (Bl. 374 der Ak­ten), 16 TaBV 44/13 (Rech­nungs­num­mer 1300355, Bl. 400 der Ak­ten), 7 ABN 80/13 (Rech­nungs­num­mer 1400183, Bl. 375 der Ak­ten), 16 TaBV 46/13 (Rech­nungs­num­mer 1300358, Bl. 403 der Ak­ten), 7 ABN 81/13 (Rech­nungs­num­mer 1400184, Bl. 376 der Ak­ten), 16 TaBV 47/13 (Rech­nungs­num­mer 1300357, Bl. 402 der Ak­ten), 7 ABN 82/13 (Rech­nungs­num­mer 1400185, Bl. 377 der Ak­ten, 16 TaBV 48/13 (Rech­nungs­num­mer 1300356, Bl. 401 der Ak­ten), 7 ABN 83/13 (Rech­nungs­num­mer 1400186, Bl. 378 der Ak­ten), 16 TaBV 49/13 (Rech­nungs­num­mer 1300360, Bl. 405 der Ak­ten), 7 ABN 84/13 (Rech­nungs­num­mer 1400187, Bl. 379 der Ak­ten), 16 TaBV 50/13 (Rech­nungs­num­mer 1300359, Bl. 404 der Ak­ten), 7 ABN 85/13 (Rech­nungs­num­mer 1400188, Bl. 380 d.A.), 16 TaBV 54/13 (Rech­nungs­num­mer 1300362, Bl. 407 der Ak­ten), 5 BV 35/12 (Rech­nungs­num­mer 1300414, Bl. 408 der Ak­ten), 16 TaBV 166/13 (Rech­nungs­num­mer 1400317, Bl. 398 der Ak­ten), 5 BV 39/12 (Rech­nungs­num­mer 1400025, Bl. 372 der Ak­ten), 16 TaBV 14/14 (Rech­nungs­num­mer 1400342, Bl. 399 der Ak­ten) Rech­nun­gen, auf de­ren In­halt Be­zug ge­nom­men wird. Fer­ner wird auf die von den An­trag­stel­lern mit Schrift­satz vom 15. Ok­to­ber 2014 vor­ge­leg­te Ver­fah­rensüber­sicht (Bl. 168, 169 d.A.) ver­wie­sen. Dort wird auch die für das Ver­fah­ren 9 TaBV 46/13 ge­stell­te Rech­nung Nr. 1400026 auf­geführt, die je­doch mit Be­schluss des Ar­beits­ge­richts vom 3. No­vem­ber 2014 (Bl. 189 d.A.) vom vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ab­ge­trennt wur­de.

Den Aus­gleich die­ser Rech­nun­gen be­geh­ren die An­trag­stel­ler im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren. Be­reits in dem Ver­fah­ren 5 BV 269/14 hat­ten die An­trag­stel­ler die streit­ge­genständ­li­chen Rech­nun­gen vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main gel­tend ge­macht. Die­ses Ver­fah­ren ha­ben sie zurück­ge­nom­men und das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren beim ört­lich zuständi­gen Ar­beits­ge­richt Darm­stadt ein­ge­reicht.

We­gen der Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten und der ge­stell­ten Anträge wird auf die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts im Be­schluss un­ter I (Bl. 257­258 d.A.) Be­zug ge­nom­men.

Das Ar­beits­ge­richt hat den Anträgen in Höhe von ins­ge­samt 4455,53 € nebst Zin­sen statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen zurück­ge­wie­sen. Er­stat­tungsfähig gem. § 40 Abs. 1 Be­trVG sei­en die Rech­nun­gen Nr. 1300356 (E) über 1033,57 €, die Rech­nung Nr. 1400187 (F) über 1086,23 €, die Rech­nung Nr. 1400025 (I, 5 BV 39/12) und die Rech­nung Nr. 1400342 (I, 16 TaBV 14/14). Da die Sach­ver­hal­te bei fast al­len Fällen iden­tisch ge­we­sen sei­en, hätte der Be­triebs­rat so­wohl ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber als auch ge­genüber dem von ihm in An­spruch ge­nom­me­nen An­ge­stell­ten auf ein ein­ver­nehm­li­ches Ab­war­ten ei­nes Mus­ter­pro­zes­ses hin­wir­ken müssen. Da­her be­ste­he nur ein An­spruch auf Be­glei­chung der Rech­nun­gen be­tref­fend die Mit­ar­bei­ter F und I. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung des Ar­beits­ge­richts wird auf die Ausführun­gen un­ter II. des Be­schlus­ses ver­wie­sen, Bl. 258R, 259 der Ak­ten).

Die­ser Be­schluss wur­de den Ver­tre­tern der Be­tei­lig­ten am 29. April 2015 (Bl. 261, 262 der Ak­ten) zu­ge­stellt. Die An­trag­stel­ler ha­ben da­ge­gen am 30. April 2015 Be­schwer­de

ein­ge­legt, der Ar­beit­ge­ber am 12. Mai 2015. Nach Verlänge­rung der Be­schwer­de­be­gründungs­frist für die An­trag­stel­ler bis 29. Ju­li 2015 ist de­ren Be­schwer­de­be­gründung am 29. Ju­li 2015 ein­ge­gan­gen. Die Be­schwer­de­be­gründung des Ar­beit­ge­bers ist am 29. Mai 2015 ein­ge­gan­gen.

Die An­trag­stel­ler sind der An­sicht, das Ar­beits­ge­richt ha­be ge­meint, we­gen der Möglich­keit ei­nes Mus­ter­pro­zes­ses be­ste­he ein An­spruch auf Kos­ten­er­stat­tung nur bezüglich der Ver­fah­ren ge­gen die An­ge­stell­ten F und I. In­so­weit ge­hen die An­trag­stel­ler da­von aus, dass in den Ent­schei­dungs­gründen nicht die Rech­nung Nr. 1300356 (E), son­dern die Rech­nung Nr. 1300360 (F) ge­meint ist. Im Ver­fah­ren F ha­be das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Ge­gen­stands­wert der an­walt­li­chen Tätig­keit auf 8000 € fest­ge­setzt, so dass

An­walts­gebühren in Höhe von 1590,02 € aus­zu­glei­chen sei­en. Wäre das Ver­fah­ren zu­dem ein Mus­ter­pro­zess ge­we­sen, hätte der Wert auf­grund der Be­deu­tung der An­ge­le­gen­heit bei 12 Be­tei­lig­ten min­des­tens das zwölf­fa­che des Aus­gangs­werts be­tra­gen. Der im Ver­fah­ren H zu Grun­de ge­leg­te Wert von 13.347,85 € sei zu­tref­fend. Der Grund­satz der Er­for­der­lich­keit ei­nes Mus­ter­pro­zes­ses sei ver­fehlt. Das Ar­beits­ge­richt ver­ken­ne, dass es sich nicht um iden­ti­sche Sach­ver­hal­te han­de­le. Bei dem Ver­fah­ren ge­gen den Ar­beit­ge­ber sei es nicht nur um die Un­ter­las­sung der Äußerun­gen im Aus­hang vom 4. Ju­li 2012, son­dern auch um die


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Un­ter­las­sung von 2 wei­te­ren an­ony­men Aushängen ge­gan­gen. Wei­ter sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es nicht nur auf die Äußerung als sol­che an­kom­me, son­dern auch dar­auf, wer die­se ge­tan hat und wel­che Stel­lung er hat. Ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund der persönli­chen Haf­tung der Be­triebs­rats­mit­glie­der über­span­ne das Ar­beits­ge­richt die An­for­de­run­gen an die Durchführung ei­nes Mus­ter­pro­zes­ses. Der Ar­beit­ge­ber ha­be da­von ge­wusst, dass der Be­triebs­rat in ge­trenn­ten Ver­fah­ren ge­gen die An­ge­stell­ten, die den Aus­hang un­ter­zeich­net hat­ten, vor­ging. Er ha­be zu kei­ner Zeit geäußert, dass er die­ses Vor­ge­hen für mut­wil­lig hält. Auch das Ar­beits­ge­richt und das Lan­des­ar­beits­ge­richt hätten kei­ne Zwei­fel an der Er­for­der­lich­keit gel­tend ge­macht. Der Ar­beit­ge­ber ha­be sämt­li­che Rech­nun­gen der L Rechts­anwälte für die erst­in­stanz­li­che Ver­tre­tung des Be­triebs­rats mit Aus­nah­me der erst im No­vem­ber 2013 erst­in­stanz­lich ab­ge­schlos­se­nen Ver­fah­ren ge­gen die An­ge­stell­ten I und H be­gli­chen. Erst nach­dem der Ar­beit­ge­ber am 2. Sep­tem­ber 2013 vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ob­siegt ha­be, ha­be er ei­ne Kos­tenüber­nah­me ab­ge­lehnt. Auch die Ausführun­gen des Ar­beit­ge­bers zur Er­for­der­lich­keit der an­walt­li­chen Ver­tre­tung vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main (5 BV 269/14) sei­en nicht über­zeu­gend. Die ört­li­che Un­zuständig­keit führe nicht zur Un­zulässig­keit des An­trags, son­dern zu ei­ner Ver­wei­sung an das zuständi­ge Ge­richt. Die An­trag­stel­ler be­haup­ten, Hin­ter­grund ih­rer Be­auf­tra­gung sei der Kanz­lei­wech­sel von Rechts­an­walt Dr. K ge­we­sen. Des­halb sei auch die Be­auf­tra­gung von Rechts­an­walt L be­en­det wor­den. Aus die­sem Grund ha­be er ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber und dem Be­triebs­rat auf die Ver­fah­rens­gebühr aus die­sen Ver­fah­ren ver­zich­tet und kei­ne Ver­fah­rens­gebühr gel­tend ge­macht. Die An­trag­stel­ler sind der An­sicht, die Mei­nung des Ge­richts, das Ver­fah­ren 16 TaBV 49/13 (F) sei das mit dem um­fas­sends­ten Streit­ge­gen­stand, sei nicht nach­voll­zieh­bar. Im Ver­fah­ren I (16 TaBV 14/14) sei ne­ben dem Aus­hang vom 5. Ju­li 2012 über ei­nen wei­te­ren, die

Be­triebs­rats­ar­beit be­hin­dern­den, Vor­gang ge­strit­ten wor­den. Die zweit­in­stanz­li­che Er­for­der­lich­keit der Ver­tre­tung des Be­triebs­rats er­ge­be sich dar­aus, dass die­ser

erst­in­stanz­lich teil­wei­se ob­siegt ha­be. Die Be­schwer­de­kam­mer sei im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht ord­nungs­gemäß be­setzt, da sie be­reits über die den strei­ti­gen Gebühren­rech­nun­gen zu Grun­de lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren ent­schie­den ha­be. Die Geschäfts­ver­tei­lung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts ver­s­toße ge­gen den Grund­satz fai­ren Ver­fah­rens und sei des­halb ver­fas­sungs­wid­rig. Die er­ho­be­nen Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den ge­gen die Ent­schei­dun­gen des Hes­si­schen

Lan­des­ar­beits­ge­richts sei­en nicht von vorn­her­ein oh­ne je­de Er­folgs­aus­sicht ge­we­sen. Auf der Grund­la­ge der dem Be­triebs­rat am 7. Ok­to­ber 2013 zu­ge­stell­ten Ent­schei­dun­gen des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts ha­be die­ser am 16. Ok­to­ber 2013 den Be­schluss ge­fasst, hier­ge­gen Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­zu­le­gen. Die recht­li­chen Ar­gu­men­te hierfür sei­en im We­sent­li­chen in den be­reits vor­ge­leg­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­gründun­gen do­ku­men­tiert.

Die An­trag­stel­ler be­an­tra­gen,

den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Darm­stadt vom 18. März 2015 - 5 BV 11/14 - teil­wei­se ab­zuändern und die Be­tei­lig­te zu 2) zu ver­pflich­ten,

1.

an die Be­tei­lig­ten zu 1) 9381,46 € (Rech­nun­gen Nr. 13000355 bis Nr. 1300362) nebst Zin­sen hier­auf in Höhe von 9 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 24. No­vem­ber 2013 zu zah­len,

2.

an die Be­tei­lig­ten zu 1) 752,68 € (Rech­nung Nr. 1300414) nebst Zin­sen hier­auf in Höhe von 9 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 4. Ja­nu­ar 2014 zu zah­len,

3.

an die Be­tei­lig­ten zu 1) 1249,50 € (Rech­nung Nr. 1400025) nebst Zin­sen hier­auf in Höhe von 9 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 21. Fe­bru­ar 2014 zu zah­len,


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4.

an die Be­tei­lig­ten zu 1) 5176,01 € (Rech­nung Nr. 1400182 bis Nr. 1400188) nebst Zin­sen hier­auf in Höhe von 9 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 12. April 2014 zu zah­len,

5.

an die Be­tei­lig­ten zu 1) 1555,93 € (Rech­nung Nr. 1400243) nebst Zin­sen hier­auf in Höhe von 9 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 25. Mai 2014 zu zah­len,

6.

an die Be­klag­ten zu 1) 1686,94 € (Rech­nun­gen Nr. 1400317 und Nr. 140342) nebst Zin­sen in Höhe von 9 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 30. Ju­li 2014 auf 600,71 € und seit dem 29. Au­gust 2014 auf 1686,94 € zu zah­len.

Der Ar­beit­ge­ber be­an­tragt,

den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Darm­stadt vom 18. März 2015 - 5 BV 11/14 - teil­wei­se ab­zuändern und die Anträge ins­ge­samt zurück­zu­wei­sen,

die Be­schwer­de der An­trag­stel­ler zurück­zu­wei­sen.

Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts wei­se 2 we­sent­li­che Feh­ler auf. Zum ei­nen be­ste­he ei­ne of­fen­kun­di­ge Dis­kre­panz zwi­schen dem An­trag zu 2 und dem ent­spre­chen­den

Be­schluss­te­nor. Aus den Ent­schei­dungs­gründen er­ge­be sich, dass die An­trag­stel­ler in­so­weit Zah­lun­gen in Höhe von 752,68 € ver­langt hätten, wie dies auch aus der Rech­nung zu er­se­hen sei. Zu­ge­spro­chen ha­be das Ar­beits­ge­richt je­doch 1086,23 €. Fer­ner ha­be das Ar­beits­ge­richt den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt le­dig­lich un­ter dem As­pekt ge­prüft, ob die Streit­fra­ge durch ei­nen Mus­ter­pro­zess zu klären war und darüber hin­aus­ge­hen­de Kos­ten nicht er­for­der­lich ge­we­sen sind. Un­berück­sich­tigt ge­las­sen ha­be das Ar­beits­ge­richt die Höhe der Kos­ten, so­weit der Ar­beit­ge­ber zu ent­spre­chen­den Zah­lun­gen ver­ur­teilt wur­de. So­wohl das Lan­des­ar­beits­ge­richt als auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt hätten in al­len Fällen, in de­nen es um Wi­der­ruf und Un­ter­las­sung von Mei­nungsäußerun­gen ging, nur den ein­fa­chen Re­gel­streit­wert fest­ge­setzt. Die An­trag­stel­ler hätten je­doch auf der Ba­sis des dop­pel­ten Wer­tes ab­ge­rech­net. Sch­ließlich sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Rech­nung vom 21. Ja­nu­ar 2014 (Rech­nung Nr. 1400025) das erst­in­stanz­li­che Ver­fah­ren 5 BV 39/12 be­tref­fe. Auch hier wäre ein Streit­wert von 5000 € maßgeb­lich, weil das LAG die­sen Wert für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren fest­ge­setzt hat (16 TaBV 14/14). Ei­ne Ver­zichts­erklärung bezüglich Ver­fah­rens­gebühren sei­tens Rechts­an­walt L ist dem Ar­beit­ge­ber nicht er­in­ner­lich.

Die An­trag­stel­ler be­an­tra­gen,

die Be­schwer­de des Ar­beit­ge­bers zurück­zu­wei­sen.

Die gel­tend ge­mach­te Dis­kre­panz zwi­schen Te­nor und Ent­schei­dungs­gründen sei nicht nach­voll­zieh­bar. Das Ar­beits­ge­richt ha­be den Ar­beit­ge­ber an­trags­gemäß für die Ver­tre­tung des Be­triebs­rats im Ver­fah­ren ge­gen die An­ge­stell­ten I und F vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt und Ar­beits­ge­richt ver­ur­teilt. Zu Grun­de ge­legt würden le­dig­lich an­de­re Ge­gen­stands­wer­te. Hin­sicht­lich des Ver­fah­rens ge­gen den An­ge­stell­ten I sei erst­in­stanz­lich der zwei­fa­che Aus­gangs­wert von da­mals noch 8000 € zu Grun­de ge­legt wor­den. Dem ha­be der

Ar­beit­ge­ber nie wi­der­spro­chen. Dass vor dem LAG für das zweit­in­stanz­li­che Ver­fah­ren der Wert auf 5000 € fest­ge­setzt wor­den sei, wer­de mit Nicht­wis­sen be­strit­ten. Je­den­falls ent­fal­te die­ser Be­schluss kei­ne Bin­dungs­wir­kun­gen ge­genüber dem An­trag­stel­ler. Das LAG ha­be über­se­hen, dass es in dem Ver­fah­ren ge­gen den An­ge­stell­ten F um 2 sich deut­lich un­ter­schei­den­de Ver­fah­rens­ge­genstände ge­he. Es sei nicht nur um den Aus­hang, son­dern auch Äußerun­gen auf ei­ner Team­sit­zung ge­gan­gen. So­weit die Ge­gen­stands­wer­te auch in an­de­ren Ver­fah­ren in Zwei­fel ge­zo­gen würden, be­ruh­ten die­se auf rechts­kräfti­gen Fest­set­zun­gen.


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We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie die Anhörungs­pro­to­kol­le Be­zug ge­nom­men.

II.

Die Be­schwer­den sind statt­haft, § 87 Abs. 1 ArbGG, und zulässig, da sie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wur­den, § 87 Abs. 2 S. 1, § 66 Abs. 1 S. 1, § 89 Abs. 1 und 2 ArbGG, § 594 ZPO.

Die Be­schwer­de des Ar­beit­ge­bers ist teil­wei­se be­gründet. Er ist ver­pflich­tet, (nur) 1176,65 € an die An­trag­stel­ler zu zah­len. Im Übri­gen ist die Be­schwer­de des Ar­beit­ge­bers

un­be­gründet. Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist nicht be­gründet.

Nach § 40 Abs. 1 Be­trVG trägt der Ar­beit­ge­ber die durch die Tätig­keit des Be­triebs­rats ent­ste­hen­den Kos­ten. Hier­zu gehören auch die Ho­no­rar­kos­ten für ei­nen Rechts­an­walt, des­sen Her­an­zie­hung der Be­triebs­rat in Wahr­neh­mung sei­ner

be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rech­te für er­for­der­lich hal­ten durf­te. Die Prüfung der Er­for­der­lich­keit hat der Be­triebs­rat nicht al­lein an­hand sei­ner sub­jek­ti­ven Bedürf­nis­se vor­zu­neh­men. Er ist viel­mehr ge­hal­ten, die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­amts ei­ner­seits und die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers an­de­rer­seits ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen. Der Be­triebs­rat darf bei der Wahl sei­ner Rechts­ver­fol­gung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht nicht miss­ach­ten. Er hat wie je­der, der auf Kos­ten ei­nes an­de­ren han­deln kann, die Maßstäbe ein­zu­hal­ten, die er an­wen­den würde, wenn er selbst bzw. sei­ne be­sch­ließen­den Mit­glie­der die Kos­ten tra­gen müss­te. Die Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers entfällt bei ei­ner of­fen­sicht­lich aus­sichts­lo­sen oder mut­wil­li­gen

Rechts­ver­fol­gung des Be­triebs­rats. Of­fen­sicht­lich aus­sichts­los ist die Rechts­ver­fol­gung, wenn die Rechts­la­ge un­zwei­fel­haft ist. Der Ar­beit­ge­ber ist nicht ver­pflich­tet, die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten für un­zulässi­ge oder of­fen­sicht­lich un­be­gründe­te Rechts­mit­tel bzw. Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den nach § 92a ArbGG zu tra­gen (Er­fur­ter Kom­men­tar-Koch, 16. Auf­la­ge, § 40 Rn. 3). Mut­wil­lig­keit kann vor­lie­gen, wenn das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht miss­ach­tet wird (Bun­des­ar­beits­ge­richt 18. März 2015 - 7 ABR 4/13 - Rn. 11). Dies ist ex an­te im Zeit­punkt des Be­schlus­ses zu be­ur­tei­len, in dem die Kos­ten aus­gelöst wor­den sind

(Bun­des­ar­beits­ge­richt 18. Ju­li 2012 - 7 ABR 23/11 - Rn. 37).

Der Be­triebs­rat -f ür den von ihm be­auf­trag­ten Rechts­an­walt gilt nichts an­de­res - darf bei der Wahl der Rechts­durch­set­zung un­ter meh­re­ren gleich ge­eig­ne­ten Möglich­kei­ten nur die für den Ar­beit­ge­ber kostengüns­ti­ge­re Lösung für er­for­der­lich hal­ten. Wählt der Be­triebs­rat un­ter meh­re­ren glei­cher­maßen in Be­tracht kom­men­den Möglich­kei­ten bei der

Durchführung ei­nes Be­schluss­ver­fah­rens nicht den für den Ar­beit­ge­ber kostengüns­tigs­ten Weg, ist die gewähl­te Form der Rechts­durch­set­zung in­so­weit mut­wil­lig. Dies kann zB da­zu führen, dass der Be­triebs­rat bei der Ein­lei­tung ei­nes Be­schluss­ver­fah­rens an­stel­le von meh­re­ren Ein­zel­ver­fah­ren die Durchführung ei­nes Mus­ter- oder Grup­pen­ver­fah­rens in Be­tracht zie­hen muss (Er­fur­ter Kom­men­tar-Koch, 16. Auf­la­ge, § 40 Rn. 4). Wählt der Be­triebs­rat mut­wil­lig ei­nen kos­tenträch­ti­ge­ren Weg, muss der Ar­beit­ge­ber nur die Kos­ten für die Rechts­ver­fol­gung bzw. -ver­tei­di­gung des Be­triebs­rats tra­gen, die die­ser für

er­for­der­lich hal­ten durf­te (Bun­des­ar­beits­ge­richt 29. Ju­li 2009 - 7 ABR 95/07 - Rn. 17).

Dar­aus er­gibt sich für die Anträge der An­trag­stel­ler fol­gen­des: An­trag zu 1

Die An­trag­stel­ler be­geh­ren die Er­stat­tung der Rech­nun­gen Num­mer 1300355 bis Nr. 1300362 (Bl. 400-407 d.A.) in Höhe von 9381,46 € nebst Zin­sen. Da­bei han­delt es sich um die Rech­nun­gen be­tref­fend die Be­schwer­de­ver­fah­ren des Be­triebs­rats ge­gen den Ar­beit­ge­ber (16 TaBV 36/13) so­wie ge­gen die An­ge­stell­ten B (16 TaBV 44/13), E (16 TaBV 48/13), D (16 TaBV 47/13), C (16 TaBV 46/13), G (16 TaBV 50/13), F (16 TaBV 49/13) und J (16 TaBV 54/13). Un­ter dem Ge­sichts­punkt der Kos­ten­scho­nung des Ar­beit­ge­bers war es dem Be­triebs­rat zu­mut­bar, sich auf 2 Mus­ter­ver­fah­ren zu be­schränken und im Übri­gen de­ren Aus­gang ab­zu­war­ten. Die ge­nann­ten Ver­fah­ren un­ter­schei­den sich zunächst dar­in, dass ei­nes da­von sich ge­gen den Ar­beit­ge­ber rich­te­te (16 TaBV 36/13) und die übri­gen ge­gen aus­gewähl­te An­ge­stell­te. Auf­grund der un­ter­schied­li­chen Stoßrich­tung er­scheint es ver­tret­bar, wenn der Be­triebs­rat in ei­nem Ver­fah­ren sich we­gen des am


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schwar­zen Brett be­find­li­chen Aus­hangs ge­gen den Ar­beit­ge­ber wand­te. Es er­sch­ließt sich je­doch nicht, war­um sich der Be­triebs­rat im Übri­gen nicht auf ein Ver­fah­ren ge­gen ei­nen der Un­ter­zeich­ner des Aus­hangs be­schränk­te. Der Be­triebs­rat hat nicht näher dar­ge­legt, aus wel­chen Gründen er ge­ra­de die­se Ar­beit­neh­mer in An­spruch ge­nom­men hat. Ge­nau­so gut hätte er al­le Un­ter­zeich­ner des Aus­hangs ver­kla­gen können. So­weit er vor­ge­tra­gen hat, es kom­me auf den Hin­ter­grund an, er­sch­ließt nicht, in­wie­fern die­ser in Be­zug auf die ein­zel­nen, in ge­trenn­ten Ver­fah­ren in An­spruch ge­nom­me­nen An­ge­stell­ten un­ter­schied­lich ist. Es kommt nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­ge­ber während der Ver­fah­ren, für die die An­trag­stel­ler Rechts­an­walts­gebühren gel­tend ma­chen, ge­genüber dem Be­triebs­rat oder den An­trag­stel­lern zum Aus­druck brach­te, dass er de­ren pro­zes­sua­le Vor­ge­hens­wei­se un­ter Kos­ten­ge­sichts­punk­ten für mut­wil­lig hält. Der Be­triebs­rat hat von sich aus die Kos­ten im Au­ge zu ha­ben. Dies würde er - wenn er wie ein Sons­ti­ger, der auf ei­ge­ne Kos­ten han­delt - auch ge­tan ha­ben. Das Ar­gu­ment der An­trag­stel­ler, die zweit­in­stanz­li­che Er­for­der­lich­keit der Ver­tre­tung des Be­triebs­rats er­ge­be sich dar­aus, dass die­ser erst­in­stanz­lich teil­wei­se ob­siegt ha­be, über­zeugt nicht. Der Be­triebs­rat hätte sich be­reits erst­in­stanz­lich auf das Ver­fah­ren ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber und ein wei­te­res Mus­ter­ver­fah­ren ge­genüber ei­nem der Un­ter­zeich­ner des Aus­hangs be­schränken müssen.

Aus­ge­hend von dem fest­ge­setz­ten Ge­gen­stands­wert von 8000 € hält die Kam­mer das Ver­fah­ren 16 TaBV 49/13 (F) für das­je­ni­ge mit dem wei­tes­ten Streit­ge­gen­stand. In den übri­gen Ver­fah­ren ge­gen an­de­re Ar­beit­neh­mer war auf­grund we­ni­ger um­fang­rei­cher Anträge le­dig­lich ein nied­ri­ge­rer Ge­gen­stands­wert (4000 €) an­ge­setzt wor­den. Dies gilt auch für das Ver­fah­ren 16 TaBV 14/14 (I), auf das sich die An­trag­stel­ler ins­be­son­de­re im Anhörungs­ter­min vom 18. April 2016 (Bl. 667, 668 d.A.) be­zo­gen ha­ben, wo­bei dort das Ak­ten­zei­chen feh­ler­haft mit 16 TaBV 16/16 statt 16 TaBV 14/14 an­ge­ge­ben wur­de. Selbst wenn es dort nicht al­lei­ne um die Un­ter­zeich­nung des Aus­hangs ging, son­dern auch um (be­haup­te­te) münd­li­che Äußerun­gen von Herrn I ge­genüber dem Mit­ar­bei­ter N (vgl. die Anträge im Ver­fah­ren 5 BV 39/12, Bl. 613, 614 d.A.), ste­hen die­se je­doch in ei­nem in­halt­lich un­trenn­ba­ren Zu­sam­men­hang zu dem Aus­hang. Denn auch in den münd­li­chen Äußerun­gen ging es (un­ter an­de­rem) dar­um, dass Be­triebs­rats­mit­glie­der sich be­rei­chern würden. In­so­weit war der zu be­ur­tei­len­de Sach­ver­halt in den recht­lich re­le­van­ten As­pek­ten der­sel­be, der sich in Be­zug auf den Aus­hang stell­te. Es ging um die Reich­wei­te der Mei­nungs­frei­heit, Art. 5 Abs. 1 Grund­ge­setz.

Für die bei­den Ver­fah­ren 16 TaBV 36/13 und 16 TaBV 49/13 steht den An­trag­stel­lern je­weils die Ter­min­gebühr in Höhe von 494,40 € zuzüglich Mehr­wert­steu­er, ins­ge­samt 1146,67 €, zu. Dies des­halb, weil Rechts­an­walt Dr. K vor dem Hes­si­schen

Lan­des­ar­beits­ge­richt für den Be­triebs­rat in den ge­nann­ten Ver­fah­ren auf­ge­tre­ten ist.

Ei­ne Ver­fah­rens­gebühr können sie in die­sen Ver­fah­ren nicht gel­tend ma­chen, weil sich in die­sem Ver­fah­ren be­reits die Rechts­anwälte L un­ter dem 24. Mai 2013 ge­genüber dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­mel­det hat­ten. Da­mit steht die­sen die

Ver­fah­rens­gebühr zu. Un­ter dem Ge­sichts­punkt der Kos­ten­scho­nung ist es dem

Ar­beit­ge­ber nicht zu­zu­mu­ten, auf­grund des Wech­sels von Rechts­an­walt Dr. K von der Kanz­lei L in die Kanz­lei der An­trag­stel­ler in den­sel­ben Ver­fah­ren ein wei­te­res Mal ei­ne Ver­fah­rens­gebühr zah­len zu müssen. Zwar mag es zunächst na­he lie­gend er­schei­nen, den bis­he­ri­gen Sach­be­ar­bei­ter bei ei­nem Kanz­lei­wech­sel be­hal­ten zu wol­len. Hätte der Be­triebs­rat je­doch auf ei­ge­ne Kos­ten han­deln müssen, hätte er im Kos­ten­in­ter­es­se an­ders agiert. Er hat­te sich ei­ne auf dem Ge­biet des Ar­beits­rechts aus­ge­wie­se­ne Kanz­lei

aus­ge­sucht. Auch nach dem Aus­schei­den von Rechts­an­walt Dr. K aus der Kanz­lei L war auf­grund der Fach­kom­pe­tenz des Kanz­lei­in­ha­bers bzw. der dort beschäftig­ten sons­ti­gen Anwälte gewähr­leis­tet, dass der Be­triebs­rat qua­li­fi­ziert ver­tre­ten wird. Die Be­haup­tung des Be­triebs­rats, Rechts­an­walt L ha­be ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber auf die be­tref­fen­den Ver­fah­rens­gebühren ver­zich­tet, ist in Be­zug auf Erklärungs­empfänger und -da­tum un­sub­stan­ti­iert.

Ein Zins­an­spruch be­steht nicht. Die An­trag­stel­ler ma­chen aus ab­ge­tre­te­nem Recht ei­nen Frei­stel­lungs­an­spruch des Be­triebs­rats gel­tend. Die­ser stellt kei­ne Geld­schuld dar, so dass §§ 288, 291 BGB kei­ne An­wen­dung fin­den (Ri­char­di-Thüsing, Be­trVG, 15. Aufl., § 40 Rn. 60).

Wei­ter­ge­hen­de Ansprüche ste­hen den An­trag­stel­lern nicht zu. In­so­weit liegt ei­ne mut­wil­li­ge Rechts­ver­fol­gung vor.


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Die wei­te­ren Ver­fah­ren 16 TaBV 44/13, 16 TaBV 46/13, 16 TaBV 47/13, 16 TaBV 48/13, 16 TaBV 50/13, 16 TaBV 54/13 wa­ren mut­wil­lig, weil der Be­triebs­rat sich auf die Durchführung des Ver­fah­rens 16 TaBV 49/13 als Mus­ter­ver­fah­ren hätte be­schränken müssen. Die hierfür ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­gebühren sind nicht er­stat­tungsfähig.

Der An­trag zu 2 ist un­be­gründet.

Gel­tend ge­macht wird in­so­weit die Rech­nung Nr. 1300414 (Bl. 408 der Ak­ten)-H be­tref­fend das Ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Darm­stadt 5 BV 35/12. Dort ging es eben­falls um den Aus­hang am schwar­zen Brett des Be­triebs. In­so­fern gilt, dass der Be­triebs­rat den Aus­gang der Mus­ter­ver­fah­ren aus Gründen der Kos­ten­scho­nung des Ar­beit­ge­bers ab­war­ten muss­te.

Der An­trag zu 3 ist un­be­gründet.

Gel­tend ge­macht wird die Rech­nung Nr. 1400025 (Bl. 372 der Ak­ten)-I be­tref­fend das Ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Darm­stadt 5 BV 39/12. Dort ging es (hauptsächlich) eben­falls um den Aus­hang am schwar­zen Brett des Be­triebs. So­weit da­ne­ben noch der Ar­beit­neh­mer I auf­grund münd­li­cher Äußerun­gen in An­spruch ge­nom­men wur­de, stan­den die in ei­nem der­art en­gen in­halt­li­chen Zu­sam­men­hang zu dem Aus­hang, dass auch in­so­weit ein Ab­war­ten des Mus­ter­ver­fah­rens für den Be­triebs­rat aus Kos­ten­ge­sichts­punk­ten zu­mut­bar war (sie­he oben zum An­trag zu 1).

Der An­trag zu 4 ist un­be­gründet.

Er be­trifft die Rech­nun­gen Nr. 1400182 bis Nr. 1400188, Bl. 374-380 der Ak­ten. Da­bei han­delt es sich um die An­walts­gebühren für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den 7 ABN 80/13 bis 7 ABN 86/13.

Nicht zu­letzt im Kos­ten­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers muss der Be­triebs­rat prüfen, ob und ge­ge­be­nen­falls mit wel­chen Ar­gu­men­ten ein Rechts­mit­tel ge­gen ei­ne zu sei­nen Las­ten er­gan­ge­ne Ent­schei­dung er­folg­ver­spre­chend ist. Ob das Ver­fah­ren in der nächs­ten In­stanz fort­ge­setzt wer­den soll, kann der Be­triebs­rat nicht be­reits bei der Ein­lei­tung des

Ver­fah­rens, son­dern erst dann be­ur­tei­len, wenn er die Gründe der an­zu­fech­ten­den Ent­schei­dung kennt und sich da­mit aus­ein­an­der­ge­setzt hat. Ei­ne Aus­nah­me von die­sem Grund­satz kann al­len­falls dann in Be­tracht kom­men, wenn es der Be­triebs­rat we­gen der be­son­de­ren Be­deu­tung der An­ge­le­gen­heit von vorn­her­ein für ge­bo­ten und

er­folg­ver­spre­chend hal­ten darf, ei­nen Rechts­streit durch al­le In­stan­zen zu führen oder wenn ge­gen ei­ne zu­guns­ten des Be­triebs­rats er­gan­ge­ne Ent­schei­dung vom Pro­zess­geg­ner ein Rechts­mit­tel ein­ge­legt wur­de (Bun­des­ar­beits­ge­richt 18. März 2015 - 7 ABR 4/13 - Rn. 12).

Dies war hier nicht der Fall.

Die An­trag­stel­ler ha­ben in­so­weit vor­ge­tra­gen, der Be­triebs­rat ha­be in sei­ner Sit­zung vom 16.10.2013 den Ent­schluss ge­fasst, ge­gen die ihm am 7.10.13 zu­ge­stell­ten

Ent­schei­dun­gen des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

ein­zu­le­gen. Die recht­li­chen Ar­gu­men­te, die den Be­triebs­rat be­weg­ten, sei­en im

We­sent­li­chen in den Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­gründun­gen do­ku­men­tiert. Hier­zu ha­be ins­be­son­de­re gehört, dass nach Auf­fas­sung des Be­triebs­rats das Lan­des­ar­beits­ge­richt ver­deck­te Rechts­fra­gen von grundsätz­li­cher Be­deu­tung bzw. di­ver­gie­ren­der Art auf­ge­stellt ha­be, nämlich das Ver­nei­nen be­son­de­rer Rück­sicht­nah­me­pflich­ten von lei­ten­den

An­ge­stell­ten und Ma­na­gern wie Herrn F bei Äußerun­gen ge­genüber dem Be­triebs­rat so­wie das Ver­nei­nen der Zu­re­chen­bar­keit von Äußerun­gen am Schwar­zen Brett des Ar­beit­ge­bers und dass be­reits im Zeit­punkt der Ent­schei­dun­gen ein be­fan­ge­ner Vor­sit­zen­der bei der Ent­schei­dungs­fin­dung mit­ge­wirkt ha­be, oh­ne dies of­fen zu le­gen, da er die be­reits

erwähn­ten Äußerun­gen ge­genüber der Pres­se un­mit­tel­bar da­nach getätigt ha­be

(Schrift­satz der An­trag­stel­ler vom 18.4.2016, Bl. 663ff d.A.).

Tatsächlich wur­den in den Ent­schei­dun­gen die­se Rechtssätze nicht auf­ge­stellt. In­so­weit wird auf die Be­schlüsse in den Ver­fah­ren 16 TaBV 36/13, 16 TaBV 44/13, 16 TaBV 46/13, 16 TaBV 47/13, 16 TaBV 48/13, 16 TaBV 49/13, 16 TaBV 50/1316 TaBV 14/14 Be­zug ge­nom­men.


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Die vom Be­triebs­rat ge­nann­ten Gründe für sei­ne Ent­schei­dung, Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ge­gen die ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen ein­zu­le­gen, la­gen da­her nicht vor. Die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den wa­ren von vorn­her­ein oh­ne Aus­sicht auf Er­folg. Rechts­an­walt Dr. K stell­te in sei­nen Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den (Bl. 410ff der Ak­ten) im We­sent­li­chen abs­trak­te Rechts­pro­ble­me dar, oh­ne aus­zuführen, ob be­zie­hungs­wei­se in­wie­weit die­se den an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen zu Grun­de lie­gen. Von der Be­schwer­de­kam­mer auf­ge­stell­te Rechtssätze grundsätz­li­cher Be­deu­tung oder Di­ver­gen­zen wer­den nicht auf­ge­zeigt. Dies reich­te of­fen­sicht­lich nicht aus. Dem­ent­spre­chend muss­ten die

Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den vom Bun­des­ar­beits­ge­richt als un­zulässig ver­wor­fen wer­den, was auch er­folgt ist (Bl. 479ff der Ak­ten).

Der An­trag zu 5 ist un­be­gründet.

Er be­trifft die Rech­nung Nr. 1400243, Bl. 381 der Ak­ten, be­tref­fend das Ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main 5 BV 269/14. Dort wur­den auch die im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nun­mehr ein­ge­klag­ten Rech­nun­gen gel­tend ge­macht. Dies tra­gen die

An­trag­stel­ler mit Schrift­satz vom 6.10.2014 auf Sei­te 2 (Bl. 70 d.A.) vor. Die­se

Vor­ge­hens­wei­se wi­der­spricht dem In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an ei­ner Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht. Ein nach­voll­zieh­ba­rer Grund für die Rück­nah­me des vor dem ört­lich un­zuständi­gen Ge­richt ein­ge­reich­ten Ver­fah­rens ist nicht er­kenn­bar. Das Ver­fah­ren 5 BV 269/14 wäre an das zuständi­ge Ar­beits­ge­richt Darm­stadt ver­wie­sen wor­den. Durch die Rück­nah­me des in Frank­furt am Main er­ho­be­nen Ver­fah­rens und die an­sch­ließen­de Ein­lei­tung ei­nes (neu­en) Ver­fah­rens mit dem­sel­ben Streit­ge­gen­stand vor dem ört­lich zuständi­gen Ar­beits­ge­richt Darm­stadt wur­den mut­wil­lig zusätz­li­che Rechts­an­walts­gebühren aus­gelöst.

Der An­trag zu 6 ist un­be­gründet.

Er be­trifft die Rech­nung Nr. 1400317, Bl. 398 der Ak­ten, be­tref­fend das Ver­fah­ren H vor dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt 16 TaBV 166/13 und die Rech­nung Nr. 1400342, Bl. 399 der Ak­ten, be­tref­fend das Ver­fah­ren I vor dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt 16 TaBV 14/14. In­so­weit hätte der Be­triebs­rat das Mus­ter­ver­fah­ren 16 TaBV 49/13 ab­war­ten müssen (sie­he oben zum An­trag zu 1).

III.

Gründe, die Rechts­be­schwer­de zu­zu­las­sen, lie­gen nicht vor, § 92 Abs. 2, 72 Abs. 2 ArbGG.

 

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