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LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 07.03.2016, 3 Sa 470/15

   
Schlagworte: Rückzahlung von Ausbildungskosten, Kündigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
Aktenzeichen: 3 Sa 470/15
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 07.03.2016
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Mainz - AK Bad Kreuznach, 5 Ca 266/15
   

Ak­ten­zei­chen:

3 Sa 470/15

5 Ca 266/15
ArbG Mainz
- AK Bad Kreuz­nach -
Verkündet am: 07.03.2016

 


Te­nor

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz - Auswärti­ge Kam­mern Bad Kreuz­nach - vom 06.08.2015, Az.: 5 Ca 266/15 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en des vor­lie­gen­den Rechts­streits strei­ten ei­ner­seits darüber, ob der Be­klag­te ge­genüber dem Kläger zur Rück­zah­lung von Aus­bil­dungs­kos­ten ver­pflich­tet ist, und an­de­rer­seits im Rah­men der Wi­der­kla­ge darüber, ob um­ge­kehrt dem Be­klag­ten ge­genüber dem Kläger noch ein Lohn­zah­lungs­an­spruch zu­steht.

Der Kläger be­treibt als Kfz-Sach­verständi­ger auf dem Gelände des X in S. ei­ne Kfz-Prüfstel­le und ein Kfz-Sach­verständi­genbüro. Er ist zu­gleich Prüfin­ge­nieur im Sin­ne der St­V­ZO der amt­lich an­er­kann­ten Prüf- und Über­wa­chungs­or­ga­ni­sa­ti­on für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr F. GmbH & Co. KG in Sch.. Die­se nimmt ih­re Tätig­keit als Über­wa­chungs­or­ga­ni­sa­ti­on gemäß der St­V­ZO wahr und führt bun­des­weit die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Un­ter­su­chun­gen an Kraft­fahr­zeu­gen durch.

Am 13.07.2011 hat der Be­klag­te mit der F. GmbH & Co. KG ei­nen so­ge­nann­ten Be­trau­ungs­ver­trag ab­ge­schlos­sen, um sich zum Kfz-Prüfin­ge­nieur aus­bil­den zu las­sen. Auf den In­halt die­ses schrift­lich ab­ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges wird Be­zug ge­nom­men (Bl. 6 ff. d. A.). Der Be­klag­te hat im April 2012 die Prüfung zum Prüfin­ge­nieur ei­ner amt­lich an­er­kann­ten Über­wa­chungs­or­ga­ni­sa­ti­on nicht be­stan­den.

Der Kläger war während der Aus­bil­dung des Be­klag­ten bei der F. GmbH & Co. KG des­sen Men­tor in der prak­ti­schen Aus­bil­dung. Am 21.06.2012 hat der Kläger mit der F. GmbH & Co. KG ei­nen so­ge­nann­ten Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag ab­ge­schlos­sen, der Re­ge­lun­gen zu Tätig­keit und Aus­bil­dung des Be­klag­ten be­trifft und aus dem sich Re­ge­lun­gen hin­sicht­lich der Aus­bil­dungs­kos­ten des Be­klag­ten zum Prüfin­ge­nieur er­ge­ben. Da­nach soll­te - zu­sam­men­ge­fasst - dem Kläger die Zah­lung der Aus­bil­dungs­kos­ten des Be­klag­ten nach er­folg­rei­chem Ab­schluss der Aus­bil­dung des Be­klag­ten zum Prüfin­ge­nieur für ei­nen Zeit­raum von 36 Mo­na­ten ge­stun­det wer­den, so­weit der Prüfin­ge­nieur ei­nen Be­trau­ungs­ver­trag mit der F. GmbH & Co.KG ab­sch­ließt und dem Kläger ein Be­trag von 1/36 der Aus­bil­dungs­kos­ten für je­den Mo­nat der Durchführung des Be­trau­ungs­ver­tra­ges er­las­sen wer­den, wenn der Prüfin­ge­nieur im Rah­men des Be­trau­ungs­ver­tra­ges tätig wird, je­doch vor Ab­lauf ei­nes Zeit­raum von drei Jah­ren aus­schei­det. Die ge­sam­ten Aus­bil­dungs­kos­ten wer­den mit 26.865,00 EUR an­ge­ge­ben. Hin­sicht­lich des wei­te­ren In­halts des Ko­ope­ra­ti­ons­ver­tra­ges nebst des­sen An­la­ge 1 zum Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag vom 21.06.2014 wird auf Bl. 13 ff. d. A., 17 f. d. A: Be­zug ge­nom­men. Am 12.07.2012 ha­ben die Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart, auf­grund des­sen der Be­klag­te als Prüfin­ge­nieur in die Diens­te des Klägers zum 02.07.2012 ein­trat und zum Prüfin­ge­nieur aus­ge­bil­det wer­den soll. Der Be­klag­te soll­te von der Pflicht zur Ar­beits­leis­tung un­ter Fort­zah­lung der Bezüge frei­ge­stellt wer­den, falls dies für die ex­ter­ne Aus­bil­dung zum Prüfin­ge­nieur not­wen­dig ist. Während der Aus­bil­dung sol­le der Kläger gemäß Zif­fer IX ei­ne mo­nat­li­che Brut­to­vergütung von 1.000,00 EUR und nach er­folg­rei­chem Ab­schluss der Aus­bil­dung in Höhe von 2.000,00 EUR er­hal­ten so­wie ein vom ef­fek­ti­ven Net­to­um­satz abhängi­ges va­ria­bles Ge­halt.

Un­ter XI mit der Über­schrift "Sons­ti­ge Be­stim­mung" wur­de bezüglich der Aus­bil­dungs­kos­ten fol­gen­de Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen:

"…..

Der Ar­beit­ge­ber über­nimmt die For­de­run­gen der F. GmbH & Co. KG, Sch., für die Aus­bil­dung des Ar­beit­neh­mers zum Prüfin­ge­nieur (An­la­ge 1). So­fern der Ar­beit­neh­mer die Prüfung nicht be­steht, erhöhen sich die in der An­la­ge 1 be­zif­fer­ten For­de­run­gen ent­spre­chend. Der Ar­beit­neh­mer erhält da­zu ei­ne Ergänzung zum An­stel­lungs­ver­trag.

Der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet sich, die­se Kos­ten an den Ar­beit­ge­ber zurück­zu­zah­len, wenn er in­ner­halb von drei Jah­ren, be­gin­nend ab er­folg­rei­chem Ab­schluss der Aus­bil­dung zum Prüfin­ge­nieur, das Ar­beits­verhält­nis kündigt oder der Ar­beit­ge­ber in­ner­halb des glei­chen Zeit­rau­mes das Ar­beits­verhält­nis aus von ihm nicht zu ver­tre­ten­den Gründen kündigt. Für je­den vol­len Ka­len­der­mo­nat der Beschäfti­gung, be­gin­nend ab er­folg­rei­chem Ab­schluss der Aus­bil­dung zum Prüfin­ge­nieur, wird 1/36 des Rück­zah­lungs­be­tra­ges er­las­sen.

Soll­te ei­ne Be­stim­mung die­ses An­stel­lungs­ver­tra­ges ganz oder teil­wei­se un­wirk­sam sein oder wer­den, so wird hier­von die Wirk­sam­keit der übri­gen Be­stim­mun­gen die­ses An­stel­lungs­ver­tra­ges nicht berührt. An die Stel­le der un­wirk­sa­men Be­stim­mun­gen tritt die ge­setz­lich zulässi­ge Be­stim­mung, die dem mit der un­wirk­sa­men Be­stim­mung ge­woll­ten wirt­schaft­lich am nächs­ten kommt. Das­sel­be gilt für den Fall ei­ner ver­trag­li­chen Lücke.

…"

Dem An­stel­lungs­ver­trag war als An­la­ge 1 sei­ne Auf­lis­tung der Aus­bil­dungs­kos­ten bei­gefügt. Am 31.03.2014 ha­ben die Par­tei­en ei­nen Nach­trag zum Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart, in dem Ände­run­gen beim va­ria­blen Ge­halt ge­re­gelt wur­den; hin­sicht­lich des In­halts die­ser Nach­trags­ver­ein­ba­rung im Ein­zel­nen wird auf Bl. 65 d. A. Be­zug ge­nom­men.

Hin­sicht­lich des An­stel­lungs­ver­tra­ges im Ein­zel­nen nebst An­la­gen wird auf Bl. 19 ff. d. A. Be­zug ge­nom­men.

Im De­zem­ber 2012 be­stand der Be­klag­te die Wie­der­ho­lungs­prüfung zum Prüfin­ge­nieur, so dass die Be­trau­ung durch die F. GmbH & Co. KG vom Mi­nis­te­ri­um des In­ne­ren, für Sport und In­fra­struk­tur Rhein­land-Pfalz bestätigt wer­den konn­te. Der Be­klag­ten konn­te dar­auf­hin im Na­men der F. GmbH & Co. KG tätig wer­den.

Mit Schrei­ben vom 30.09.2014 hat der Be­klag­te sein Ar­beits­verhält­nis bei dem Kläger zum 31.10.2014 gekündigt; hin­sicht­lich des wei­te­ren In­halts des Kündi­gungs­schrei­bens wird auf Bl. 26 d. A. Be­zug ge­nom­men. Er ist in­zwi­schen wie­der als Kfz-Prüfin­ge­nieur in ei­nem In­ge­nieurbüro in E. tätig.

Mit Schrei­ben vom 05.11.2014 hat der Kläger die Rück­zah­lung an­tei­li­ger Aus­bil­dungs­kos­ten in Höhe von 12.432,50 EUR an­ge­mahnt. Ei­ne Zah­lung durch den Be­klag­ten er­folg­te nicht.

Mit am 31.03.2015 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­ner Kla­ge macht der Kläger die­sen Be­trag nun­mehr ge­genüber dem Be­klag­ten gel­tend.

Der Kläger hat vor­ge­tra­gen,

in der Fol­ge der sich aus den Prüfungs­er­geb­nis­sen er­ge­ben­den De­fi­zi­te des Be­klag­ten sei die F. GmbH & Co. KG nicht be­reit ge­we­sen, mit dem Be­klag­ten ei­ne Ver­ein­ba­rung hin­sicht­lich der Fortführung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses und ei­ner Wie­der­ho­lungs­prüfung ab­zu­sch­ließen. Nur da­durch, dass er - der Kläger - dem Be­klag­ten zum 02.07.2012 als Prüfin­ge­nieur beschäftigt ha­be, ha­be die­ser sei­ne Aus­bil­dung zum Prüfin­ge­nieur in ei­ner amt­lich an­er­kann­ten Über­wa­chungs­or­ga­ni­sa­ti­on fort­set­zen und die Wie­der­ho­lungs­prüfung ab­le­gen können. Oh­ne ihn wäre der Be­klag­te heu­te kein Prüfin­ge­nieur ei­ner amt­lich an­er­kann­ten Über­wa­chungs­or­ga­ni­sa­ti­on. Er hätte an ei­ner Wie­der­ho­lungs­prüfung nicht teil­neh­men und sie auch ent­spre­chend nicht be­ste­hen können. Die kon­kre­te Rück­zah­lungs­ab­re­de sei zwi­schen ih­nen vor et­wai­gen Ver­ein­ba­run­gen des Be­klag­ten zur Wie­der­ho­lungs­prüfung zu­stan­de ge­kom­men und mit dem Be­klag­ten ha­be er auch ausführ­lich über den Zweck der Rück­zah­lungs­klau­sel ge­spro­chen.

Die Rück­zah­lungs­klau­sel sei klar und verständ­lich for­mu­liert und las­se ins­be­son­de­re er­ken­nen, wel­che fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen auf den Be­klag­ten zu­kom­men soll­ten für den Fall der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor dem ver­ein­bar­ten Zeit­punkt. Ei­ner ex­pli­zi­ten Dif­fe­ren­zie­rung da­hin­ge­hend, dass ei­ne Rück­zah­lung dann nicht er­fol­ge, wenn die Kündi­gung des Ar­beit­neh­mers auf ei­nem vom Ar­beit­ge­ber zu ver­tre­ten­den Grund be­ru­he oder die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses in­fol­ge vom Ar­beit­ge­ber ge­setz­ter Umstände un­zu­mut­bar wer­de, ha­be es nicht be­durft. Er, der Kläger, ha­be sich vor­lie­gend nicht ver­trags­wid­rig ver­hal­ten, so dass er auch die Kündi­gung des Be­klag­ten nicht zu ver­tre­ten ge­habt ha­be. Der Be­klag­te sei auch nicht durch ihn zur Kündi­gung ver­an­lasst wor­den.

Selbst wenn sich die Rück­zah­lungs­klau­sel aber als un­an­ge­mes­sen her­aus­stel­len soll­te, sei sie je­den­falls mit dem In­halt auf­recht­er­hal­ten, dass der Ar­beit­neh­mer nur bei ei­ner Ei­genkündi­gung aus Gründen, die sei­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich zu­zu­rech­nen sei­en, zur Rück­zah­lung der Aus­bil­dungs­kos­ten ver­pflich­tet sei. Dies fol­ge aus der Sal­va­to­ri­schen Klau­sel in Zif­fer XI Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 03.07.2012.

Zur wei­te­ren Dar­stel­lung des strei­ti­gen Vor­brin­gens des Klägers im erst­in­stanz-li­chen Rechts­zug wird zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf Sei­te 5 bis 7 der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung (Bl. 91 bis 93 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Der Kläger hat be­an­tragt,

den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 12.432,53 EUR nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 02.12.2014 zu zah­len.

Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Des Wei­te­ren hat der Be­klag­te wi­der­kla­gend be­an­tragt,

den Kläger zu ver­ur­tei­len, an den Be­klag­ten 391,36 EUR brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz aus dem sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag ab dem 01.11.2014 zu zah­len.

Der Kläger hat be­an­tragt,

die Wi­der­kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen,

es tref­fe nicht zu, dass sei­tens der F. GmbH & Co. KG die wie­der­hol­te Teil­nah­me an ei­ner Ab­schluss­prüfung ab­ge­lehnt wor­den sei. Es be­ste­he ein schwer­wie­gen­der for­ma­ler Man­gel der Rück­zah­lungs­ver­ein­ba­rung da­hin­ge­hend, dass die­sel­be nicht den Fall der be­rech­tig­ten Ei­genkündi­gung als Aus­schluss­tat­be­stand für ei­nen Rücker­stat­tungs­an­spruch aufführe. Ei­ner ex­pli­zi­ten Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ei­ner be­rech­tig­ten Ei­genkündi­gung und ei­ner sons­ti­gen Kündi­gung des Ar­beit­neh­mers sei sehr wohl er­for­der­lich ge­we­sen. Ei­ne gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on der streit­ge­genständ­li­chen Rück­zah­lungs­klau­sel oder ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung sei grundsätz­lich nicht möglich.

Auf­grund der im An­stel­lungs­ver­trag vom 03.07.2012 ent­hal­te­nen Um­satz­be­tei­li­gung ha­be er nach be­stan­de­ner Prüfung zusätz­lich zu sei­nem Brut­to­mo­nats­ge­halt von 2.000,00 EUR ei­nen durch­schnitt­li­chen Zu­satz­ver­dienst an Brut­to­pro­vi­sio­nen in Höhe von 1.226,86 EUR mo­nat­lich er­zielt. Der Kläger ha­be ihn ge­drängt, den Nach­trag vom 31.03.2014/01.04.2014 zu un­ter­zeich­nen mit der Be­gründung, er, der Kläger, würde, wenn er wei­ter­hin an den al­ten Ver­trag ge­bun­den sei, selbst zu we­nig ver­die­nen, weil der Ge­winn sei­ner Prüfstel­le zu ge­ring sei. Der Nach­trag stel­le ei­ne we­sent­li­che Verände­rung der bis­he­ri­gen Pro­vi­si­ons­ver­ein­ba­rung dar, da sie zu er­heb­li­chen Ein­kom­mens­ein­bußen geführt ha­be, da er da­nach nur noch 2.119,44 EUR brut­to mo­nat­lich ver­dient ha­be und dies nicht aus­rei­che, um ei­ne vierköpfi­ge Fa­mi­lie zu ernähren.

Die Lohn­ab­rech­nung für den Mo­nat No­vem­ber 2014 be­inhal­te die Um­satz­be­tei­li­gung so­wie den Fahrt­kos­ten­er­satz für den Mo­nat Ok­to­ber 2014. Wie der Lohn­ab­rech­nung zu ent­neh­men sei, schul­de der Kläger ihm für die­sen Mo­nat ei­ne Um­satz­be­tei­li­gung ei­nen Be­trag in Höhe von 91,36 EUR so­wie ei­nen Fahrt­kos­ten­er­satz in Höhe von 300,00 EUR brut­to. Der Kläger ha­be die­sen Be­trag bis­lang nicht be­zahlt.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren strei­ti­gen Vor­brin­gens des Be­klag­ten im erst­in­stanz-li­chen Rechts­zug wird zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf Sei­te 8, 9 der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung (= Bl. 94, 95 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Das Ar­beits­ge­richt Mainz - Auswärti­ge Kam­mern Bad Kreuz­nach - hat die Kla­ge dar­auf­hin durch Ur­teil vom 06.08.2015 - 5 Ca 266/15 - ab­ge­wie­sen und den Wi­der­be­klag­ten auf die Wi­der­kla­ge hin ver­ur­teilt, an den Wi­derkläger 391,36 EUR brut­to nebst Zin­sen zu zah­len. Hin­sicht­lich des In­halts von Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründen wird auf Bl. 88 bis 101 d. A. Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen das ihm am 09.09.2015 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger durch am 09.10.2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt. Er hat die Be­ru­fung durch am 09.12.2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet, nach­dem zu­vor auf sei­nen be­gründe­ten An­trag hin durch Be­schluss vom 05.11.2015 die Frist zur Ein­rei­chung der Be­ru­fungs­be­gründung bis zum 09.12.2015 ein­sch­ließlich verlängert wor­den war.

Der Kläger wie­der­holt sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen und hebt ins­be­son­de­re her­vor, die vom Ar­beits­ge­richt ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung, wo­nach ei­ne oh­ne Aus­nah­me for­mu­lier­te Rück­zah­lungs­pflicht im Fal­le ei­ner Ei­genkündi­gung un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gend sei, sei als deut­lich zu weit­ge­hend zu be­ur­tei­len. Denn der Wort­laut der Klau­sel dif­fe­ren­zie­re zwi­schen der vom Ar­beit­neh­mer aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung ei­ner­seits und der vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­de­rer­seits. Der Ver­zicht auf den vom Ar­beits­ge­richt ge­for­der­ten Zu­satz "oh­ne dass für die Kündi­gung ein wich­ti­ger Grund ge­ge­ben ist" bzw. "aus­ge­nom­men die vom Ar­beit­ge­ber (mit) zu ver­ant­wor­ten­de Kündi­gung des Ar­beit­neh­mers" ma­che die Klau­sel nicht un­wirk­sam, da die­se nicht al­le denk­ba­ren Fälle ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­nen­nen müsse. Sie dürfe sich da­mit be­gnügen, in ei­ner ty­pi­sier­ten Form zwi­schen Be­en­di­gungs­tat­beständen zu un­ter­schei­den, die in der Sphäre des Ar­beit­neh­mers ei­ner­seits und in der Sphäre des Ar­beit­ge­bers an­de­rer­seits wur­zel­ten. Der Kläger ha­be aber die Ei­genkündi­gung des Be­klag­ten vom 30.09.2014 nicht mit zu ver­tre­ten. Sie fal­le auch nicht in sei­ne Sphäre. Er sei­nen ver­trag­li­chen Pflich­ten ge­genüber dem Kläger stets nach­ge­kom­men und sei nicht ver­trags­brüchig ge­we­sen. Die Ver­tragsände­rung zum 31.03.2014 sei oh­ne Ausübung un­zulässi­gen Drucks auf den Be­klag­ten zu­stan­de ge­kom­men. Ein­kom­mens­ein­bußen beim Be­klag­ten sei­en nicht vor­her­seh­bar ge­we­sen. Im Übri­gen könne ein et­wai­ger über­schießen­der, von den Par­tei­en im Ein­zel­fall mit­un­ter gar nicht ge­woll­ter Re­ge­lungs­ge­halt im We­ge der Aus­le­gung ein­ge­schränkt wer­den mit der Fol­ge, dass die hier streit­ge­genständ­li­che Rück­zah­lungs­klau­sel ih­re Wirk­sam­keit nicht einbüße, so dass in die Prüfung ein­zu­tre­ten sei, ob der Be­klag­te zu Recht we­gen vom Kläger zu ver­ant­wor­ten­der Gründe gekündigt ha­be, bzw. der Kündi­gungs­grund aus­sch­ließlich in der Sphäre des Be­klag­ten ge­le­gen ge­we­sen sei. Bei­des sei je­doch zu ver­nei­nen.

Ins­ge­samt hal­te da­her die Rück­zah­lungs­klau­sel der In­halts­kon­trol­le stand. Sie sei ver­pflich­tend und ei­ne wirk­sa­me An­spruchs­grund­la­ge für den streit­ge­genständ­li­chen Er­stat­tungs­an­spruch von an­tei­li­gen Aus­bil­dungs­kos­ten.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens des Klägers im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift vom 09.12.2015 (Bl. 124 bis 127 d.A.) Be­zug ge­nom­men.

Der Kläger be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Mainz vom 06.08.2015, Ak­ten­zei­chen: 5 Ca 266/15, wird der Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger 12.432,53 EUR nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 02.12.2014 zu zah­len.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung des Klägers und Be­ru­fungsklägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mainz vom 06.08.2015 mit dem Ak­ten­zei­chen 5 Ca 266/15 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Der Be­klag­te wie­der­holt sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen und hebt ins­be­son­de­re her­vor, die streit­ge­genständ­li­che Klau­sel sei ins­ge­samt rechts­un­wirk­sam. Die un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Be­klag­ten be­ste­he dar­in, dass nach der streit­ge­genständ­li­chen Klau­sel der Be­klag­te die Aus­bil­dungs­kos­ten in je­dem Fal­le ei­ne durch ihn aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung zu er­stat­ten ha­be, un­abhängig da­von, ob sei­ne Ei­genkündi­gung vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lasst wor­den sei oder nicht. Un­er­heb­lich sei auch, ob der Kläger die Ei­genkündi­gung des Be­klag­ten vom 30.09.2014 mit zu ver­tre­ten ha­be oder nicht. Frei­lich sei dies vor­lie­gend der Fall, denn die Kündi­gung sei durch den Kläger zu ver­tre­ten, weil er den Be­klag­ten zu den ursprüng­li­chen ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen nicht mehr ha­be wei­ter­beschäfti­gen wol­len und ihm ei­ne Ver­tragsände­rung an­ge­bo­ten ha­be, die zu ei­nem er­heb­li­chen Ein­kom­mens­ver­lust beim Be­klag­ten geführt ha­be. Die­se Ein­kom­mens­ein­bußen beim Be­klag­ten sei­en auch vor­her­seh­bar ge­we­sen.

Ei­ne gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on der Rück­zah­lungs­klau­sel kom­me eben­so we­nig in Be­tracht wie ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung, weil dies letzt­lich zu ei­nem Un­ter­lau­fen der ge­setz­li­chen Wert­vor­stel­lun­gen des § 307 BGB führen würde. Ins­ge­samt hal­te die Rück­zah­lungs­klau­sel al­so ei­ner In­halts­kon­trol­le nicht stand und sei folg­lich auch kei­ne wirk­sa­me An­spruchs­grund­la­ge für den vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Er­stat­tungs­an­spruch von an­tei­li­gen Aus­bil­dungs­kos­ten.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens des Be­klag­ten im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­schrift vom 13.01.2016 (Bl. 135 bis 137 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der Schriftsätze der Par­tei­en, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, so­wie die zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftstücke ver­wie­sen.

Sch­ließlich wird Be­zug ge­nom­men auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 07.03.2016.

Ent­schei­dungs­gründe

I. Das Rechts­mit­tel der Be­ru­fung ist nach §§ 64 Abs. 1, 2 ArbGG statt­haft. Die Be­ru­fung ist auch gem. §§ 64 Abs. 6, 66 Abs. 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 518, 519 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II. Das Rechts­mit­tel der Be­ru­fung hat je­doch in der Sa­che kei­nen Er­folg.

Denn das Ar­beits­ge­richt ist im Er­geb­nis und in der Be­gründung zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass der Kläger vom Be­klag­ten nicht die Zah­lung von an­tei­li­gen Aus­bil­dungs­kos­ten in Höhe von 12.432,53 EUR nebst Zin­sen ver­lan­gen kann, so­wie des Wei­te­ren, dass der Kläger und Wi­der­be­klag­te ver­pflich­tet ist, an den Wi­derkläger und Be­klag­ten 391,36 EUR brut­to nebst Zin­sen zu zah­len.

Dem Kläger steht ge­gen den Be­klag­ten kein An­spruch auf Rück­zah­lung von Aus­bil­dungs­kos­ten in Höhe von 12.432,53 EUR nebst Zin­sen zu.

Als An­spruchs­grund­la­ge kommt vor­lie­gend, wo­von das Ar­beits­ge­richt eben­so zu­tref­fend aus­ge­gan­gen ist wie die Pro­zess­par­tei­en, nur Zif­fer 11 des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 03.07.2012 in Be­tracht. Die­se Re­ge­lun­gen über die Rück­zah­lung von Aus­bil­dungs­kos­ten sind aber rechts­un­wirk­sam.

Gemäß XI des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 03.07.2012 ist der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet, den in der An­la­ge be­zif­fer­ten Aus­bil­dungs­kos­ten an den Ar­beit­ge­ber zurück­zu­zah­len, wenn er in­ner­halb von drei Jah­ren, be­gin­nend ab er­folg­rei­chem Ab­schluss der Aus­bil­dung zum Prüfin­ge­nieur, das Ar­beits­verhält­nis kündigt oder der Ar­beit­ge­ber in­ner­halb des glei­chen Zeit­raums das Ar­beits­verhält­nis aus von ihm nicht zu ver­tre­ten­den Gründen kündigt. Für je­den vol­len Ka­len­der­mo­nat der Beschäfti­gung, be­gin­nend ab dem er­folg­rei­chen Ab­schluss der Aus­bil­dung zum Prüfin­ge­nieur, soll 1/36 des Rück­zah­lungs­be­tra­ges er­las­sen wer­den.

Die­se Rück­zah­lungs­klau­sel stellt ei­ne All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung im Sin­ne des § 305 Abs. 1 BGB dar. §§ 305 ff. BGB gel­ten nur für AGB, das sind Ver­trags­be­din­gun­gen, die für ei­ne Viel­zahl von Verträgen (BAG 25.05.2005 EzA § 307 BGB 2002 Nr. 3) vor­for­mu­liert sind und die der Ver­wen­der, in der Re­gel der Ar­beit­ge­ber, der an­de­ren Ver­trags­par­tei über Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oder des­sen Ände­rung stellt (§ 305 Abs.1 BGB; vgl. Dörner/Lucz­ak/Wildschütz/Ba­eck/Hoß, Hand­buch des Fach­an­walts Ar­beits­recht, 13. Auf­la­ge 2016, Kap. 1, Rn. 708 ff.). Aus dem äußeren Er­schei­nungs­bild und dem In­halt der bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen kann sich ein vom Ver­wen­der zu wi­der­le­gen­der An­schein für das Vor­lie­gen von AGB er­ge­ben (BAG 01.03.2006 EzA § 4 TVG Ta­rif­loh­nerhöhung Nr. 48). Für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­te Be­din­gun­gen lie­gen auch be­reits dann vor, wenn ei­ne Par­tei - ein­ma­lig - die von ei­nem an­de­ren vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen be­nutzt, selbst wenn die Par­tei ei­ne mehr­fa­che Ver­wen­dung nicht plant (vgl. BGH 16.11.1990 NJW 1991, 843; Dörner/Lucz­ak/Wildschütz/Ba­eck/Hoß, a. a. O., Rn. 708).

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend ge­ge­ben; da­von ist das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen.

Die da­mit ge­ge­be­ne All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung ist nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB un­wirk­sam, weil durch sie der Be­klag­te un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt wird.

Gemäß § 307 Abs.1 BGB sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nämlich dann rechts­un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen dem Ge­bot von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen.

Die streit­ge­genständ­li­che Rück­zah­lungs­klau­sel ist nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und Sinn­ge­halt mit dem Ar­beits­ge­richt so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wird, wo­bei die Verständ­nismöglich­kei­ten des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind (vgl. BAG 13.12.2011 EzA § 307 BGB 2002 Nr. 55). Völlig fern­lie­gen­de Aus­le­gungsmöglich­kei­ten ha­ben da­bei außer Be­tracht zu blei­ben.

Die streit­ge­genständ­li­che Rück­zah­lungs­klau­sel ist un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze da­hin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass der Be­klag­te die Aus­bil­dungs­kos­ten in je­dem Fal­le ei­ner durch ihn aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung zu er­stat­ten hat un­abhängig da­von, ob sei­ne Ei­genkündi­gung vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lasst wor­den ist oder nicht. In­so­weit stellt die Klau­sel al­lein dar­auf ab, dass der Ar­beit­neh­mer sich ver­pflich­tet, die Kos­ten an den Ar­beit­ge­ber zurück­zu­zah­len, wenn er das Ar­beits­verhält­nis kündigt. Gleich­zei­tig wird in der Rück­zah­lungs­klau­sel bei ei­nem Rück­zah­lungs­tat­be­stand durch ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung dif­fe­ren­ziert, weil ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung nur für den Fall an­ge­nom­men wird, dass das Ar­beits­verhält­nis aus von ihm - dem Ar­beit­ge­ber - nicht zu ver­tre­ten­den Gründen gekündigt wird. Die Klau­sel un­ter­schei­det so­mit zwi­schen zwei un­ter­schied­li­chen Be­en­di­gungs­tat­beständen, nämlich der ar­beit­neh­mer- so­wie der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gung und nur bei letz­ter wird noch­mals die Dif­fe­ren­zie­rung ge­trof­fen, dass die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung nur dann be­steht, wenn der Ar­beit­ge­ber die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung nicht zu ver­tre­ten hat.

So­weit der Kläger die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, dass die Rück­zah­lungs­klau­sel nicht al­le denk­ba­ren Fälle ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­nen­nen müsse, son­dern sich da­mit be­gnügen dürfe, in ei­ner ty­pi­sier­ten Form zwi­schen Be­en­di­gungs­tat­beständen zu un­ter­schei­den, die in der Sphäre des Ar­beit­neh­mers ei­ner­seits und in der Sphäre des Ar­beit­ge­bers an­de­rer­seits wur­zel­ten, ist dem nicht zu fol­gen. Die streit­ge­genständ­li­che Klau­sel be­nach­tei­ligt viel­mehr den Ar­beit­neh­mer un­an­ge­mes­sen und ist nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB rechts­un­wirk­sam. Denn Kündi­gun­gen des Ar­beit­neh­mers, die der Ver­ant­wor­tungs­sphäre des Ar­beit­ge­bers zu­zu­rech­nen sind, sind im Ar­beits­le­ben nicht der­art fern­lie­gend, als dass sie in ei­ner Rück­zah­lungs­klau­sel nicht in hin­rei­chend kla­rer For­mu­lie­rung ge­son­dert aus­ge­nom­men sein müss­ten (BAG 13.12.2011 EzA § 307 BGB 2002 Nr. 55; 28.05.2013 EzA § 307 BGB 2002 Nr. 62; 18.03.2014 EzA § 611 BGB 2002 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 16). Soll al­so die Rück­zah­lungs­klau­sel ge­ra­de die­se Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­neh­mer nicht er­fas­sen, so muss dies auch hin­rei­chend klar for­mu­liert sein, wor­an es vor­lie­gend fehlt.

Zwar können grundsätz­lich Ar­beit­neh­mer an den Kos­ten ei­ner vom Ar­beit­ge­ber fi­nan­zier­ten Aus­bil­dung be­tei­ligt wer­den, wenn sie den Ar­beit­neh­mer nicht ge­ne­rell un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen, die an ei­ne vom Ar­beit­neh­mer aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­knüpfen, können aber im Ein­zel­fall ge­gen Treu und Glau­ben ver­s­toßen, da sie ge­eig­net sind, das Grund­recht auf die freie Wahl des Ar­beits­plat­zes nach Ar­ti­kel 12 GG ein­zu­schränken. Des­halb muss die Rück­zah­lungs­pflicht im Fal­le ei­ner ar­beit­neh­mer­sei­ti­gen Kündi­gung ei­nem be­gründen­den und bil­li­gens­wer­ten In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers ent­spre­chen und die Er­stat­tungs­pflicht auch dem Um­fang nach dem Ar­beit­neh­mer nach Treu und Glau­ben zu­mut­bar sein. In­so­weit wird zur wei­te­ren Be­gründung auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts in der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung (S. 12 = Bl. 98 d. A.) zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen Be­zug ge­nom­men.

Die streit­ge­genständ­li­che Klau­sel ist da­mit hin­sicht­lich des die Rück­zah­lungs­pflicht auslösen­den Tat­be­stands zu weit ge­fasst und würde zur Über­nah­me der Aus­bil­dungs­kos­ten durch den Ar­beit­neh­mer auch dann führen, wenn die­ser sich zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch ein Fehl­ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers ver­an­lasst sieht, oder sei­ne Kündi­gung da­durch ver­ur­sacht wird, dass der Ar­beit­ge­ber nicht in der La­ge ist, dem Ar­beit­neh­mer ei­nen sei­nen ver­bes­ser­ten be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen und Fähig­kei­ten ent­spre­chen­den Ar­beits­platz zu­zu­wei­sen.

Vor­lie­gend be­ruft sich der Be­klag­te aus­drück­lich dar­auf, dass er durch das Drängen des Klägers, den Nach­trag zum An­stel­lungs­ver­trag ab­zu­sch­ließen, zur Ei­genkündi­gung genötigt wor­den sei; in­so­weit kann mit dem Ar­beits­ge­richt of­fen blei­ben, ob bei Ände­rung der Pro­vi­si­ons­ver­ein­ba­rung Druck auf den Be­klag­ten aus­geübt wur­de und die Ein­kom­mens­ein­bußen beim Be­klag­ten für den Kläger ab­seh­bar wa­ren, weil dies letzt­lich nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist. §§ 305 ff. BGB miss­bil­li­gen be­reits das Stel­len in­halt­lich un­an­ge­mes­se­ner All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen und nicht erst de­ren un­an­ge­mes­se­nen Ge­brauch im kon­kre­ten Ein­zel­fall. Dies hat zur Kon­se­quenz, dass auch sol­che Klau­seln un­wirk­sam sind, die in ih­rem Über­maß Teil in zu be­an­stan­den­der Wei­se ein Ri­si­ko re­geln, dass sich im kon­kre­ten Ent­schei­dungs­fall gar nicht rea­li­siert hat (BAG 13.12.2011, 28.05.2013, 18.03.2014, a.a.O.).

Die Rück­zah­lungs­klau­sel kann auch nicht mit dem In­halt auf­recht­er­hal­ten wer­den, dass der Be­klag­te nur dann bei Ei­genkündi­gung zur Rück­zah­lung der Aus­bil­dungs­kos­ten ver­pflich­tet ist, wenn die­se sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich zu­zu­rech­nen ist. Denn ei­ne gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on ist im Rah­men des Rechts der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht möglich, da § 306 BGB die­se Rechts­fol­ge nicht vor­sieht oder ei­ne Auf­recht­er­hal­tung mit ein­ge­schränk­tem In­halt nicht mehr mit dem Zweck der §§ 305 ff. BGB ver­ein­bar wäre (BAG a.a.O.).

Eben­so we­nig ist die Rück­zah­lungs­klau­sel teil­un­wirk­sam für Gründe, die in den Ri­si­ko- und Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ar­beit­ge­bers fal­len, da sie hin­sicht­lich des Be­en­di­gungs­tat­be­stan­des der Kündi­gung durch den Ar­beit­neh­mer nicht teil­bar ist, da sie kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung enthält. Durch die Strei­chung des den Rück­zah­lungs­an­spruchs auslösen­den Tat­be­stand der Kündi­gung des Ar­beit­neh­mers entfällt viel­mehr ins­ge­samt die An­spruchs­grund­la­ge.

Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung kommt eben­falls nicht in Be­tracht, da es an­dern­falls zu ei­nem Un­ter­lau­fen der ge­setz­li­chen Wert­vor­stel­lung des § 307 BGB kom­men würde (vgl. BAG a.a.O.). Dies gilt auch im Hin­blick auf die sal­va­to­ri­sche Klau­sel in Zif­fer 11, 5. Ab­satz im An­stel­lungs­ver­trag vom 03.07.2012. Im Übri­gen gibt es kei­ne ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen, die an die Stel­le der un­wirk­sa­men Re­ge­lung zur Rück­zah­lung der Aus­bil­dungs­kos­ten tre­ten könn­ten.

Ist ei­ne der­ar­ti­ge Rück­zah­lungs­klau­sel we­gen un­an­ge­mes­se­ner Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers - wie vor­lie­gend - nach § 307 Abs.1 BGB un­wirk­sam, kann der Ar­beit­ge­ber die Er­stat­tung der auf­ge­wand­ten Aus­bil­dungs­kos­ten re­gelmäßig auch nicht nach den Vor­schrif­ten der §§ 812 ff. BGB ver­lan­gen. Dem ste­hen Sinn und Zweck des Rechts­fol­gen­sys­tems des Rechts der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­ge­gen (BAG 28.05.2013 EzA § 307 BGB 2002 Nr. 62).

Auf die Wi­der­kla­ge war dem­ge­genüber der Kläger und Wi­der­be­klag­te an­trags­gemäß zu ver­ur­tei­len, den Be­klag­ten und Wi­derkläger 391,36 EUR brut­to zu zah­len. Zur wei­te­ren Be­gründung wird in­so­weit auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts in der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung (S. 14, 15 = Bl. 100, 101 d. A.) zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen Be­zug ge­nom­men; die­se Ausführun­gen wer­den von bei­den Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht in Ab­re­de ge­stellt.

Auch das Be­ru­fungs­vor­brin­gen des Klägers recht­fer­tigt kei­ne ab­wei­chen­de Be­ur­tei­lung des hier maßgeb­li­chen Le­bens­sach­ver­halts. Denn es enthält kei­ner­lei neue, nach In­halt, Ort, Zeit­punkt und be­tei­lig­ten Per­so­nen sub­stan­ti­ier­te Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen, die ein an­de­res Er­geb­nis recht­fer­ti­gen könn­ten. Glei­ches gilt für et­wai­ge Rechts­be­haup­tun­gen. Es macht viel­mehr le­dig­lich - wenn auch aus der Sicht des Klägers her­aus verständ­lich - deut­lich, dass der Kläger mit der tatsächli­chen und recht­li­chen Würdi­gung des tatsächli­chen und recht­li­chen Vor­brin­gens bei­der Par­tei­en im erst­in­stanz­li­chen Rechts­zug durch das Ar­beits­ge­richt, dem die Kam­mer voll in­halt­lich folgt, nicht ein­ver­stan­den ist. Wei­te­re Ausführun­gen sind folg­lich nicht ver­an­lasst.

Nach al­le­dem war die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs.1 ZPO.

Für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on war nach Maßga­be der ge­setz­li­chen Kri­te­ri­en kei­ne Ver­an­las­sung ge­ge­ben.

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