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BAG, Ur­teil vom 20.11.2012, 1 AZR 179/11

   
Schlagworte: Streik: Kirche, Streik, Kirchenarbeitsrecht
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 1 AZR 179/11
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 20.11.2012
   
Leitsätze: Verfügt eine Religionsgesellschaft über ein am Leitbild der Dienstgemeinschaft ausgerichtetes Arbeitsrechtsregelungsverfahren, bei dem die Dienstnehmerseite und die Dienstgeberseite in einer paritätisch besetzten Kommission die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten gemeinsam aushandeln und einen Konflikt durch den neutralen Vorsitzenden einer Schlichtungskommission lösen (sog. Dritter Weg), dürfen Gewerkschaften nicht zu einem Streik aufrufen. Das gilt jedoch nur, soweit Gewerkschaften in dieses Verfahren organisatorisch eingebunden sind und das Verhandlungsergebnis für die Dienstgeberseite als Mindestarbeitsbedingung verbindlich ist.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bielefeld, Urteil vom 03.03.2010, 3 Ca 2958/09
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 13.01.2011, 8 Sa 788/10
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 AZR 179/11
8 Sa 788/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
20. No­vem­ber 2012

UR­TEIL

Klapp, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

1.

Kläge­rin zu 1., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 1. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 1.,

2.

Kläger zu 2., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 2. und Re­vi­si­onskläger zu 2.,

3.


Kläge­rin zu 3., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 3. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 3.,

4.

Kläger zu 4., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 4., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 1. und Re­vi­si­onskläger zu 4.,

- 2 -


5.

Kläger zu 5., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 5., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 2. und Re­vi­si­onskläger zu 5.,

6.

Kläge­rin zu 6., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 6., An­schluss­be­ru­fungskläge­rin zu 3. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 6.,

7.

Kläger zu 7., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 7., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 4. und Re­vi­si­onskläger zu 7.,

8.

Kläger zu 8., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 8., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 5. und Re­vi­si­onskläger zu 8.,

9.

Kläge­rin zu 9., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 9., An­schluss­be­ru­fungskläge­rin zu 6. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 9.,

pp.
 

- 3 -

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin, An­schluss­be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20. No­vem­ber 2012 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Prof. Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schwit­zer und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Hann für Recht er­kannt:

1. Die Re­vi­sio­nen der Kläger ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 13. Ja­nu­ar 2011 - 8 Sa
788/10 - wer­den zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kläger ha­ben die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Zulässig­keit von Ar­beitskämp­fen in Ein­rich­tun­gen der Dia­ko­nie.

Die Kläge­rin zu 1), die Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus Bie­le­feld gGmbH, beschäftigt an ih­ren bei­den Stand­or­ten in Bie­le­feld ca. 4.200 Mit­ar­bei­ter. Sie ist Mit­glied beim Kläger zu 5), dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. Ge­sell­schaf­ter der Kläge­rin zu 1) sind ne­ben dem Kläger zu 2) die kirch­li­chen Stif­tun­gen Be­thel, Sa­rep­ta und Na­za­reth. Nach dem
 


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Ge­sell­schafts­ver­trag erfüllt sie Auf­ga­ben der Kran­ken­pfle­ge und an­de­re so­zia­le Auf­ga­ben in Wahr­neh­mung des kirch­lich-dia­ko­ni­schen Auf­trags.


Der Kläger zu 2), das Evan­ge­li­sche Jo­han­nes­werk, Bie­le­feld, ist ein Zu­sam­men­schluss von Trägern dia­ko­ni­scher An­stal­ten und Ein­rich­tun­gen in der Rechts­form ei­nes e. V. (im Fol­gen­den: Jo­han­nes­werk). In mehr als 70 Ein­rich­tun­gen beschäfti­gen die Mit­glie­der des Klägers zu 2) ca. 6.000 Ar­beit­neh­mer. Sei­nen ka­ri­ta­ti­ven Zweck ver­wirk­licht er nach sei­ner Sat­zung durch den Be­trieb von Kran­kenhäusern, Al­ten- und Pfle­ge­hei­men, Werkstätten für Be­hin­der­te so­wie in der pädago­gi­schen Ar­beit mit Kin­dern und Ju­gend­li­chen. Er ist Mit­glied beim Kläger zu 5). Dem Ver­wal­tungs­rat des Klägers zu 2) gehören Amts­träger der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len, der Kläge­rin zu 6), an.

Die Kläge­rin zu 3), die Evan­ge­li­sche Ju­gend­hil­fe Frie­dens­hort GmbH Hei­mat für Hei­mat­lo­se, beschäftigt bun­des­weit ca. 850 Mit­ar­bei­ter. Nach dem Ge­sell­schafts­ver­trag ist Zweck der Ge­sell­schaft, die Kin­der-, Ju­gend-, Al­ten-, und Fa­mi­li­en­hil­fe zu fördern. Sie ver­steht ih­re Ar­beit als Le­bens- und We­sensäußerung der evan­ge­li­schen Kir­che und als Auf­trag zur Ausübung christ­li­cher Nächs­ten­lie­be im Sin­ne der Dia­ko­nie in christ­lich-kirch­li­cher Ver­ant­wor­tung. Die Kläge­rin zu 3) ist Mit­glied beim Kläger zu 5).


Der Kläger zu 4), das Dia­ko­ni­sche Werk Chris­to­pho­rus, Göttin­gen, wid­met sich in der Rechts­form ei­nes e. V. der Förde­rung, Pfle­ge und Be­treu­ung von geis­tig, körper­lich und see­lisch be­hin­der­ten Kin­dern, Ju­gend­li­chen und Er­wach­se­nen so­wie der Pfle­ge älte­rer Men­schen. Er ist Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V., dem Kläger zu 8).


Der Kläger zu 5), Dia­ko­ni­sches Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V., bil­det den Zu­sam­men­schluss von ca. 1.250 Trägern dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Diens­te im Be­reich der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len. Er ver­wirk­licht sei­nen dia­ko­ni­schen Auf­trag durch recht­lich selbständi­ge Träger dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Ar­beit. Grund­la­ge sei­ner Ar­beit ist die Sat­zung vom 18. Ju­li 1977 idF vom 12. De­zem­ber 2011 so­wie das Kir­chen­ge-
 


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setz über die Ord­nung der dia­ko­ni­schen Ar­beit in der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len vom 13. No­vem­ber 2003 (Dia­ko­nieG-West­fa­len). Da­nach wird der dia­ko­ni­sche Auf­trag durch recht­lich selbständi­ge Träger dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Ar­beit wahr­ge­nom­men, die sich im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len als Lan­des­ver­band zu­sam­men­sch­ließen. Die­se sind teils pri­vat­recht­lich, teils öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­siert. Nach § 9 Nr. 1 Buchst. b Dia­ko­nieG-West­fa­len ist die Sat­zung des Klägers zu 5) durch die Kläge­rin zu 6), die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len, zu ge­neh­mi­gen.


Die Kläge­rin zu 6), die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len, ist die als Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts or­ga­ni­sier­te westfäli­sche Lan­des­kir­che. Die Ver­bin­dung zum Kläger zu 5) ist durch das Dia­ko­nieG-West­fa­len ge­re­gelt.

Der Kläger zu 7), der Dia­ko­nie Rhein­land-West­fa­len-Lip­pe e. V., ist der größte re­gio­na­le kirch­li­che So­zi­al­ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge in Deutsch­land. Zu sei­nen Gründungs­mit­glie­dern gehören ua. die Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe so­wie die­se drei Lan­des­kir­chen. In den Ein­rich­tun­gen der Mit­glie­der sind ca. 135.000 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Zweck des Ver­eins ist nach § 2 Abs. 1 der Sat­zung die „Be­schaf­fung von Mit­teln zur Förde­rung al­ler Ge­bie­te der Dia­ko­nie als Re­li­gi­ons­ausübung der Evan­ge­li­schen Kir­che“. Die­ser Zweck wird durch die Un­terstützung sei­ner Mit­glie­der, na­ment­lich der drei glied­kirch­li­chen Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe, so­wie de­ren Mit­glie­dern ver­wirk­licht. Der Ver­ein berät die­se in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Gemäß § 2 Abs. 2 der Sat­zung ist we­sent­li­che Auf­ga­be des Klägers zu 7), in überg­rei­fen­den Grund­satz­fra­gen der dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­schen Ar­beit und in Fra­gen der Zu­ord­nung zu den Kir­chen die Ab­stim­mung mit den drei Lan­des­kir­chen über de­ren drei Dia­ko­ni­sche Wer­ke nach dem glied­kirch­li­chen Recht zu gewähr­leis­ten.

Der Kläger zu 8), Dia­ko­ni­sches Werk der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V., un­terstützt und ko­or­di­niert als Dach­ver­band die ihm an­ge­schlos­se­nen Verbände und Ein­rich­tun­gen. In ih­nen wer­den et­wa 40.000 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Grund­la­ge der Tätig­keit ist das Kir­chen­ge­setz über die Ord­nung der dia­ko­ni­schen Ar­beit vom 19. Ju­li 1978 (Dia­ko­nieG-Han­no­vers)
 


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so­wie das Kir­chen­ge­setz der Konföde­ra­ti­on evan­ge­li­scher Kir­chen in Nie­der­sach­sen zur Re­ge­lung des Ar­beits­rechts für Ein­rich­tun­gen der Dia­ko­nie (Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz Dia­ko­nie, ARRGD-Nie­der­sach­sen) vom 11. Ok­to­ber 1997. Ände­run­gen der Sat­zung des Klägers zu 8) bedürfen des Ein­ver­neh­mens mit dem Kir­chen­se­nat der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers.


Die Kläge­rin zu 9), die Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers, ist ei­ne Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts.

Der Rat der Evan­ge­li­schen Kir­che Deutsch­lands (EKD) hat in ei­ner Richt­li­nie vom 8. Ok­to­ber 1976 emp­foh­len, die Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst auf der Grund­la­ge ei­nes von ihm ver­ab­schie­de­ten Mus­ter­ent­wurfs ei­nes Kir­chen­ge­set­zes über das Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst zu re­geln. Dem sind die meis­ten Lan­des­kir­chen ge­folgt, wo­bei die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der Kir­chen­ge­set­ze Un­ter­schie­de auf­weist. Die Syn­ode der EKD hat am 9. No­vem­ber 2011 das Kir­chen­ge­setz über die Grundsätze zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in der Dia­ko­nie (ARRG-Dia­ko­nie-EKD) be­schlos­sen. Die­ses gilt in den Glied­kir­chen der EKD nach de­ren Zu­stim­mung. Ar­beits­be­din­gun­gen für die Dienst­verhält­nis­se wer­den hier­nach in ei­ner pa­ritätisch ge­bil­de­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on und ei­ner Schieds­kom­mis­si­on fest­ge­legt (sog. Drit­ter Weg). Streik und Aus­sper­rung sind gemäß § 1 Abs. 3 Satz 5 ARRG-Dia­ko­nie-EKD aus­ge­schlos­sen.


Für die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len und ih­re Dia­ko­ni­schen Wer­ke wer­den die Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen nach dem Kir­chen­ge­setz über das Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst vom 15. No­vem­ber 2001 idF vom 17. No­vem­ber 2011 (Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz, ARRG-West­fa­len) durch ei­ne pa­ritätisch be­setz­te Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on und ei­ne Schieds­kom­mis­si­on ge­re­gelt. Vor­aus­set­zung der Mit­glied­schaft in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on ist die Befähi­gung zum Amt ei­nes Pres­by­ters oder ei­nes Kir­chenältes­ten in ei­ner Glied­kir­che der EKD bzw. ein ent­spre­chen­des Amt. Zwei Drit­tel der von
 


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Mit­ar­bei­ter­ver­ei­ni­gun­gen ent­sand­ten Ver­tre­ter - al­so ins­ge­samt sechs - müssen im kirch­li­chen Dienst tätig sein. Der un­par­tei­ische Vor­sit­zen­de der Schieds­kom­mis­si­on wird grundsätz­lich durch Be­schlüsse der ent­sen­den­den Stel­len be­stimmt. Persönli­che Vor­aus­set­zung ist die Befähi­gung zum Rich­ter­amt. Im We­sent­li­chen Ent­spre­chen­des gilt für den Be­reich der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers.


Die Kläger zu 1) bis 3) sind nach § 4 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. ver­pflich­tet, die Mit­ar­bei­ten­den nach Ar­beits­be­din­gun­gen zu beschäfti­gen, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Dienst­ge­ber- und der Dienst­neh­mer­sei­te be­ruht. Der Kläger zu 4) hat nach § 8 Abs. 2 Buchst. e Un­ter­punkt 5 der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers die Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en der Konföde­ra­ti­on evan­ge­li­scher Kir­chen in Nie­der­sach­sen für Ein­rich­tun­gen, die sich dem ARRGD-Nie­der­sach­sen an­ge­schlos­sen ha­ben, oder ein an­de­res kirch­li­ches Ar­beits­ver­trags­recht in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung an­zu­wen­den. Das Präsi­di­um kann auf An­trag ein Mit­glied von die­ser Ver­pflich­tung be­frei­en, wenn ein zwin­gen­der Grund vor­liegt.


Die be­klag­te Ge­werk­schaft ver.di hat­te im Jahr 2009 die Beschäftig­ten der Kläger zu 1) bis 3) zu Warn­streiks auf­ge­ru­fen. Des Wei­te­ren hat es bei der B Ju­gend­hil­fe gGmbH, Han­no­ver, die Mit­glied des Klägers zu 8) ist, am 4. Mai und am 24. Sep­tem­ber 2009 von der Be­klag­ten or­ga­ni­sier­te Streiks ge­ge­ben. Dem Kläger zu 4) teil­te die Be­klag­te am 7. Au­gust 2009 Fol­gen­des mit:


„...


da die Ver­hand­lun­gen der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD zu Vergütungs­fra­gen nach wie vor ge­schei­tert sind, möch­ten wir Sie darüber in­for­mie­ren, dass auch Sie als Ein­rich­tung der Dia­ko­nie die Möglich­keit ha­ben, mit uns als ei­ner in ih­rer Dienst­stel­le ver­tre­te­nen Ge­werk­schaft, Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­zu­neh­men. Un­ter Be­zug­nah­me auf un­ser Schrei­ben an den VdDD vom 29.08.2008 for­dern wir Sie hier­mit auf, mit uns den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen auf der Grund­la­ge des
 


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TVöD zu ver­han­deln.

Soll­ten Sie die Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen ab­leh­nen oder un­ser Schrei­ben bis Frei­tag, den 28. Au­gust 2009, 12.00 Uhr, nicht be­ant­wor­ten, muss ih­re Ein­rich­tung da­mit rech­nen, in Ar­beits­kampf­maßnah­men zur Durch­set­zung von Ta­rif­verträgen bei den Dia­ko­ni­schen Wer­ken ein­be­zo­gen zu wer­den.


...“

Zu den an­ge­streb­ten Ta­rif­ver­hand­lun­gen ist es nicht ge­kom­men. 


Die Kläger ha­ben gel­tend ge­macht, Streiks in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ver­letz­ten das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht aus Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV. Die­ses er­lau­be der ver­fass­ten Kir­che und ih­ren dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen, die pri­vat­recht­lich be­gründe­ten Rechts­verhält­nis­se am Leit­bild der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten. Die Dienst­ge­mein­schaft be­ru­he auf dem Be­kennt­nis, dass al­le in ei­ner dia­ko­ni­schen Ein­rich­tung beschäftig­ten Dienst­neh­mer ge­mein­sam mit dem dor­ti­gen Dienst­ge­ber den dia­ko­ni­schen Auf­trag der Kir­che erfüllen. Die­se ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung für den Dienst der Kir­che ver­pflich­te zu ei­ner ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit und ge­bie­te ei­ne kon­sen­sua­le Lösung ar­beits­recht­li­cher Kon­flik­te um den In­halt von Ar­beits­be­din­gun­gen. Das ver­lan­ge nach ei­nem kol­lek­ti­ven Re­ge­lungs­ver­fah­ren, das die von der Dienst­ge­mein­schaft ge­bo­te­nen Grundsätze der Part­ner­schaft und Ko­ope­ra­ti­on wah­re. Die­ses gewähr­leis­te der sog. Drit­te Weg, bei dem die Ar­beits­be­din­gun­gen in pa­ritätisch be­setz­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen ver­bind­lich aus­ge­han­delt und im Kon­flikt­fall durch ei­ne Sch­lich­tungs­kom­mis­si­on mit ei­nem neu­tra­len Vor­sit­zen­den fest­ge­setzt würden. Mit dem We­sen der Dienst­ge­mein­schaft sei­en Ver­hand­lun­gen um den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags, die sys­tem­not­wen­dig mit der Möglich­keit des Ar­beits­kamp­fes ver­bun­den sei­en, un­ver­ein­bar. Die­ser zerstöre die Dienst­ge­mein­schaft und hin­de­re die Kir­che für des­sen Dau­er an der Er­brin­gung des dia­ko­ni­schen Auf­trags. Die Erfüllung des re­li­giösen Auf­trags könne nicht un­ter dem Vor­be­halt ei­nes auf Kon­fron­ta­ti­on an­ge­leg­ten Ar­beits­kamp­fes ge­stellt wer­den. Ein Ar­beits­kampf in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ver­stieße auch ge­gen den Grund­satz der Kampf­pa­rität, da ein auf Kon­ti­nuität an­ge­leg­ter dia­ko­ni­scher Dienst sie
 


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an Be­triebs­still­le­gun­gen wie Aus­sper­run­gen hin­de­re. Streiks in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen sei­en dem­nach un­ge­ach­tet ih­res kon­kre­ten Ver­laufs rechts­wid­rig. Sie könn­ten da­her von der Be­klag­ten die Un­ter­las­sung von Ar­beitskämp­fen ver­lan­gen.


Die Kläger zu 1) bis 3) ha­ben be­an­tragt: 


1. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1) bis 3) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 1. a):

1. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1) bis 3) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1) bis 3) mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit¬ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 1. b):

1. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1) bis 3) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1) bis 3) mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a

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BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 1. a) bis 1. c):

1. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1), bzw. zu 2), bzw. zu 3), in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.


2. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 1. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.


Der Kläger zu 4) hat be­an­tragt:

3. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 3. a):

3. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4) mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh-

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mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart hat, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.


Hilfs­wei­se zu 3. b):

3. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4) mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart hat.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 3. a) und 3. c):

3. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4), in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.


4. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 3. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

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Die Kläger zu 5) und 6) ha­ben be­an­tragt:


5. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 5. a):

5. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 5. b):

5. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw.

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aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se zu 5. c):

5. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge 5. a) und 5. d):

5. e) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die

- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und

- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 5) ist und

- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist,

zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che

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Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

6. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 5. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

Der Kläger zu 7) hat be­an­tragt:

7. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 7. a):

7. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.
Hilfs­wei­se zu 7. b):

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7. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, wel­ches dem Kläger zu 7) an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, das dem Kläger zu 7) an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se zu 7. c):

7. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, wel­ches dem Kläger zu 7) an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, das dem Kläger zu 7) an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

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Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 7. a) und 7. d):


7. e) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die

- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und


- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks ist, wel­ches dem Kläger zu 7) an­gehört, und

- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/
MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

8. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 7. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.


Die Kläger zu 8) und 9) ha­ben be­an­tragt:

9. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 9. a):

9. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger

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zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 9. b):

9. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se zu 9. c):

9. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zufüh-


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ren, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 9. a) und 9. d):

9. e) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die

- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und

- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 8) ist und

- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der AVR-Konföde­ra­ti­on oder der Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on, je­weils in der gel­ten­den Fas­sung, ver­ein­bart ist,

zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik-auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. AVR-Konföde­ra­ti­on bzw. Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.


10. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 9. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.


Die Be­klag­te hat zur Be­gründung ih­res Ab­wei­sungs­an­trags aus­geführt, die Un­ter­las­sungs­anträge der Kläger zu 4) bis 9) sei­en schon des­halb un­be-
 


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gründet, weil es in­so­weit an ei­ner Wie­der­ho­lungs- oder Erst­be­ge­hungs­ge­fahr feh­le. Der Kläger zu 4) sei zwar zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­ge­for­dert wor­den, bei ihm sei es je­doch nicht zu Streiks oder kon­kre­ten Strei­kan­dro­hun­gen ge­kom­men. In Be­zug auf die Kläger zu 5) bis 9) ha­be es we­der ei­ne Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen noch Strei­kankündi­gun­gen ge­ge­ben. Im Übri­gen ste­he das Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft Ta­rif­ver­hand­lun­gen und Ar­beitskämp­fen in kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen nicht ent­ge­gen. Auch Ta­rif­ver­hand­lun­gen sei­en dar­auf ge­rich­tet, die un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te in ei­nem Ver­trag zu­sam­men­zuführen und zu be­frie­den. Der Drit­te Weg sei dem nicht ebenbürtig. Das zei­ge schon ein Ver­gleich mit Ar­beits­be­din­gun­gen, die in ver­gleich­ba­ren Ta­rif­verträgen wie den für den öffent­li­chen Dienst ge­re­gelt und für des­sen Beschäftig­ten durch­weg güns­ti­ger sei­en. In den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Sch­lich­tungs­ausschüssen würden die Ar­beit­neh­mer auch nicht gleich­be­rech­tigt be­tei­ligt, weil oh­ne die Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers Re­ge­lun­gen nicht ge­trof­fen wer­den und Vor­sit­zen­de nicht er­nannt wer­den könn­ten. Sch­ließlich sei das Streik­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG vor­be­halt­los gewähr­leis­tet. Als Teil des ord­re pu­blic set­ze es dem aus Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV her­ge­lei­te­ten kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht Gren­zen und ge­he die­sem vor, da die­ses nur in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes gewähr­leis­tet sei. Der Vor­rang des Streik­rechts fol­ge auch aus Art. 6 der Eu­ropäischen So­zi­al­char­ta (ESC), Art. 11 der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EM­RK) so­wie dem Übe­r­ein­kom­men Nr. 87 der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO-Übe­r­ein­kom­men Nr. 87). Im Rah­men ei­ner völker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes sei­en die­se völker­recht­li­chen Be­stim­mun­gen zu berück­sich­ti­gen. Sch­ließlich sei das Streik­recht auch durch Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (GRC) gewähr­leis­tet.


Das Ar­beits­ge­richt hat den Anträgen zu 1. a), 3. c), 5. d), 7. d) und 9. d) ent­spro­chen und im Übri­gen die Kla­gen ab­ge­wie­sen. Auf die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt un­ter Zurück­wei­sung der An­schluss­be­ru­fung der Kläger das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und die Kla­gen ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt


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zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­fol­gen die Kläger ihr Be­geh­ren un­ein­ge­schränkt wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­sio­nen sind un­be­gründet. 


A. In der ge­bo­te­nen Aus­le­gung sind die Anträge nur teil­wei­se zulässig. 


I. Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO sind Anträge, mit de­nen die Un­ter­las­sung von Hand­lun­gen ver­langt wird, so ge­nau zu be­zeich­nen, dass der In­an­spruch­ge­nom­me­ne im Fal­le ei­ner statt­ge­ben­den ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ein­deu­tig er­ken­nen kann, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen was von ihm ver­langt wird, um sich künf­tig rechtmäßig ver­hal­ten zu können (BAG 14. März 2012 - 7 ABR 67/10 - Rn. 9, EzA SGB IX § 95 Nr. 4). Der Un­ter­las­sungs­an­trag darf nicht der­art un­ge­nau ge­fasst sein, dass Ge­gen­stand und Um­fang der Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Ge­richts (§ 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO) nicht er­kenn­bar ab­ge­grenzt sind und letzt­lich die Ent­schei­dung darüber, was dem Be­klag­ten ver­bo­ten ist, dem Voll­stre­ckungs­ge­richt über­las­sen blie­be (vgl. BAG 14. Sep­tem­ber 2010 - 1 ABR 32/09 - Rn. 14, EzA ZPO 2002 § 253 Nr. 4). Des­sen Auf­ga­be ist es zu klären, ob der Schuld­ner ei­ner Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men ist, und nicht, wie die­se aus­sieht. Gleich­wohl sind bei Un­ter­las­sungs­anträgen bis­wei­len ge­ne­ra­li­sie­ren­de For­mu­lie­run­gen un­ver­meid­lich. An­dern­falls würde die Möglich­keit, ge­richt­li­chen Rechts­schutz zu er­lan­gen, durch pro­zes­sua­le An­for­de­run­gen un­zu­mut­bar er­schwert, wenn nicht gar be­sei­tigt. Dem­ent­spre­chend sind die Ge­rich­te auch ver­pflich­tet, Anträge nach Möglich­keit so aus­zu­le­gen, dass ei­ne Sach­ent­schei­dung er­ge­hen kann (vgl. BAG 22. Mai 2012 - 1 ABR 11/11 - Rn. 15 mwN, DB 2012, 2351). Die Ver­wen­dung aus­le­gungs­bedürf­ti­ger Be­grif­fe ist des­halb hin­nehm­bar und im In­ter­es­se ei­ner sach­ge­rech­ten Ver­ur­tei­lung zweckmäßig, wenn über den Sinn­ge­halt der ver­wen­de­ten Be­grif­fe kein Zwei­fel be­steht, so dass die Reich­wei­te von An­trag und Ur­teil fest­steht (BGH 22. No­vem­ber 2007 - I ZR 12/05 - Rn. 22, GRUR 2008, 357). Et­was an­de­res


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gilt je­doch, wenn zwi­schen den Par­tei­en Streit be­steht, ob das be­an­stan­de­te Ver­hal­ten un­ter den ver­wen­de­ten Be­griff fällt und des­sen Merk­ma­le auch im We­ge der Aus­le­gung nicht hin­rei­chend deut­lich fest­zu­stel­len sind. In die­sem Fall kann der Be­griff nicht in der Ur­teils­for­mel ver­wen­det wer­den, weil sonst der im Er­kennt­nis­ver­fah­ren bei­zu­le­gen­de Streit in das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert würde (vgl. BGH 1. De­zem­ber 1999 - I ZR 49/97 - zu I 1 der Gründe, BGHZ 143, 214).


II. Die­sen Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen wer­den die Anträge nur zum Teil ge­recht.

1. Der An­trag zu 1. a) der Kläger zu 1) bis 3) ist hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

a) Es han­delt sich um ei­nen Glo­balan­trag, der ei­ne un­be­stimm­te Viel­zahl mögli­cher zukünf­ti­ger Fall­ge­stal­tun­gen er­fasst. Dies steht sei­ner Be­stimmt­heit nicht ent­ge­gen, weil er auf aus­nahms­los al­le denk­ba­ren Fälle ge­rich­tet ist. Ob der An­trag für sämt­li­che Fälle be­rech­tigt ist, be­trifft die Be­gründet­heit und nicht des­sen Zulässig­keit (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 25, BA­GE 122, 134).

b) Was Streiks und Warn­streiks sind, ist im Ein­zel­fall oh­ne Wei­te­res fest­stell­bar. Hierüber be­steht zwi­schen den Par­tei­en auch kein Streit. Mit dem Merk­mal „sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen“ wol­len die Kläger er­kenn­bar sons­ti­ge Ar­beits­kampf­for­men in den An­trag ein­be­zie­hen, die von ei­nem ge­werk­schaft­li­chen Kampf­auf­ruf er­fasst sind.

c) Eben­so ist der Be­griff „Ein­rich­tung“ hin­rei­chend kon­kret. Hier­un­ter sind or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­hei­ten mit ka­ri­ta­ti­ver Ziel­set­zung in kirch­li­cher oder dia­ko­ni­scher Träger­schaft zu ver­ste­hen, in de­nen Mit­ar­bei­ter auf­grund von Dienst­verträgen tätig sind. Er er­fasst al­le Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten kirch­li­cher und ka­ri­ta­ti­ver Art, wie et­wa Kran­kenhäuser, Hei­me und Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen. Von ihm ist der Be­griff des „Recht­strägers“ zu un­ter­schei­den, der ei­ne oder meh­re­re Ein­rich­tun­gen ha­ben kann (BAG 9. Sep­tem­ber 2010 - 2 AZR 582/09 -
 


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Rn. 35, EzA BGB 2002 § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 16). Der Be­griff „Ein­rich­tung“ ent­spricht da­mit im We­sent­li­chen dem des Be­triebs. In Be­zug auf das Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus in Bi hat die Kläge­rin zu 1) den Be­griff „Ein­rich­tung“ im zwei­ten Rechts­zug wei­ter da­hin kon­kre­ti­siert, dass da­mit al­lein das Kran­ken­haus mit sei­nen bei­den dor­ti­gen Stand­or­ten und 28 Fach­ab­tei­lun­gen in Bi ge­meint sei. Der An­trag be­zieht sich da­ge­gen nicht auf die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten W GmbH, Z GmbH, M GmbH, S GmbH und K GmbH.

2. Die Anträge zu 1. b) und 1. c) genügen nicht den An­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

a) Das in die­sen Anträgen ent­hal­te­ne Merk­mal „re­gel­haft“ ist nicht hin­rei­chend be­stimmt. Nach Auf­fas­sung der Kläger soll mit die­sem Be­griff zum Aus­druck ge­bracht wer­den, dass das Ar­beits­kampf­ver­bot be­reits dann ein­grei­fe, wenn die ganz über­wie­gen­de Zahl der Ar­beit­neh­mer in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) nach Re­ge­lun­gen des Drit­ten Wegs beschäftigt wer­de. Auch mit die­ser Erläute­rung der Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat bleibt je­doch die Quan­ti­fi­zie­rung des Re­gel­haf­ten im Un­ge­wis­sen. Es ist nicht hin­rei­chend be­stimmt fest­stell­bar, wann kon­kret Ar­beit­neh­mer „re­gel­haft“ nach den auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Be­stim­mun­gen beschäftigt wer­den. Nach­dem zwi­schen den Par­tei­en über den In­halt des Be­griffs „re­gel­haft“ Streit be­steht und die­ser ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung der Anträge zu 1. b) und 1. c) dar­stellt, kann die Klärung der Fra­ge, ob die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­be­din­gun­gen „re­gel­haft“ ver­ein­bart sind, nicht dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger führt die­ses Verständ­nis nicht zu ei­ner Ver­let­zung des Ge­bots ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes. In­so­weit ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Kläger im Ein­zel­fall im­mer noch die Möglich­keit ha­ben, im We­ge des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ge­gen Ar­beits­kampf­maßnah­men der Be­klag­ten in Ein­rich­tun­gen vor­zu­ge­hen, in de­nen ih­rer Auf­fas­sung nach die An­wen­dung der auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen auf die Ar­beits­verhält­nis­se der Beschäftig­ten ver­ein­bart ist.


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b) Als nicht hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO er­weist sich des Wei­te­ren der in den Anträgen zu 1. b) und 1. c) ent­hal­te­ne Ein­schub „vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB)“.

aa) So­weit sich der Vor­be­halt bei­spiel­haft auf § 613a BGB be­zieht, genügt er al­ler­dings den Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen. Der Ver­weis auf § 613a BGB macht deut­lich, dass hier­von die Fälle ei­nes Be­triebsüber­gangs im Sin­ne der ge­setz­li­chen Be­stim­mung er­fasst sein sol­len. Auch wenn im Ein­zel­fall strei­tig sein mag, ob der Tat­be­stand des § 613a BGB erfüllt ist, führt das ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht zur Un­be­stimmt­heit des An­trags. Viel­mehr hat das Voll­stre­ckungs­ge­richt dann zu klären, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. In­so­weit gilt für den Rechts­be­griff „Be­triebsüber­gang“ nichts an­de­res als für den Be­griff „Be­triebsände­rung“ (vgl. da­zu BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 40, BA­GE 122, 134). Der Be­stimmt­heit die­ses Vor­be­halts steht je­doch ent­ge­gen, dass nicht klar ist, was die Kläger zu 1) bis 3) un­ter „an­ders-lau­ten­den ge­setz­li­chen Ver­pflich­tun­gen“ ver­ste­hen. Es ist schon nicht er­kenn-bar, ob hier­mit nur staat­lich ge­setz­te Be­stim­mun­gen oder auch kir­chen­ge­setz­li­che Vor­schrif­ten ge­meint sind.

bb) Un­klar ist fer­ner, was in dem An­trag zu 1. b) un­ter ei­nem „kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren“ zu ver­ste­hen ist, das auf „struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet“. Die­se For­mu­lie­rung knüpft of­fen­bar an § 4 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. an. Da­nach sind die Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks ver­pflich­tet, die Mit­ar­bei­ten­den nach Ar­beits­be­din­gun­gen zu beschäfti­gen, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Dienst­ge­ber- und der Dienst­neh­mer­sei­te be­ruht. Wann ein der­ar­ti­ges Ver­fah­ren vor­liegt und wel­che An­for­de­run­gen an die­ses zu stel­len sind, ist in­des­sen un­be­stimmt. Es gibt kei­ne abs­trak­ten Merk­ma­le, an­hand de­rer ge­prüft wer­den kann, ob ein kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­tes Ver­fah­ren vor­liegt, das auf „struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der
 


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Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet“. Hier­bei han­delt es sich - an­ders als beim Be­griff des „Be­triebsüber­gangs“ oder der „Be­triebsände­rung“ - auch nicht um ei­nen Ge­set­zes-be­griff, der durch die Recht­spre­chung näher aus­ge­formt wor­den ist. Die Klärung die­ser An­for­de­run­gen darf des­halb nicht in das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den.


3. Der An­trag zu 1. d) der Kläger zu 1) bis 3) genügt in der ge­bo­te­nen Aus­le­gung den Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO und ist des­halb zulässig.


a) So­weit der An­trag vor­aus­setzt, dass in den Ar­beits­verträgen die „voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD“ (AVR) ver­ein­bart ist, ist dies da­hin zu ver­ste­hen, dass da­mit die un­ein­ge­schränk­te Gel­tung die­ser AVR ge­meint ist und dem­zu­fol­ge Fälle ei­ner nur teil­wei­sen ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me hier­auf vom An­trag nicht er­fasst sein sol­len. Die­ser be­zieht sich al­ler­dings auch auf die Fälle, in de­nen die Kläger in den Ar­beits­verträgen auf die AVR ver­wei­sen und die­se da­mit voll­umfäng­lich gel­ten, ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer je­doch - wie et­wa die bei der Kläge­rin zu 1) beschäftig­ten Ärz­te - darüber hin­aus ei­ne Dif­fe­renz­zu­la­ge zu den Ta­bel­len­wer­ten des TVöD-K er­hal­ten. Ent­schei­dend ist in­so­weit, dass die AVR ins­ge­samt gel­ten. Darüber hin­aus gewähr­te zusätz­li­che Leis­tun­gen ste­hen dem nicht ent­ge­gen.


b) Der letz­te Satz­teil des An­trags zu 1. d), wo­nach die Be­klag­te ver­pflich­tet wer­den soll, es zu un­ter­las­sen, „Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten“, ist nach dem Vor­trag der Kläger zu 1) bis 3) so zu ver­ste­hen, dass jeg­li­che Streik­auf­ru­fe aus­drück­lich nur an sol­che Ar­beit­neh­mer ge­rich­tet wer­den dürfen, mit de­nen ar­beits­ver­trag­lich kei­ne voll­umfäng­li­che An­wen­dung der ge­nann­ten Re­ge­lun­gen des Drit­ten Wegs ver­ein­bart ist. Die­se An­for­de­rung ist ob­jek­tiv be­stimm­bar. Dass die Be­klag­te vor ei­nem Streik­auf­ruf nicht zu­verlässig fest­stel­len kann, wel­che Ar­beit­neh­mer der­ar­ti­ge ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fen ha­ben, führt nicht zur

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Un­zulässig­keit des An­trags. Die Durchführ­bar­keit die­ser Ver­pflich­tung be­trifft viel­mehr ei­ne Fra­ge der Be­gründet­heit des An­trags.


4. Der An­trag zu 3. a) des Klägers zu 4) ist zulässig. In­so­weit gilt das für die Kläger zu 1) bis 3) zum An­trag zu 1. a) Aus­geführ­te ent­spre­chend. Die Anträge zu 3. b) bis 3. c) sind aus den zu den Anträgen zu 1. b) und 1. c) aus­geführ­ten Gründen un­zulässig. Der An­trag zu 3. d) ist da­ge­gen aus den zum An­trag zu 1. d) aus­geführ­ten Gründen zulässig.

5. In der ge­bo­te­nen Aus­le­gung sind die Anträge zu 5. a) und 5. e) der Kläger zu 5) und 6) zulässig, die Anträge zu 5. b) bis 5. d) da­ge­gen un­zulässig.


a) Die Anträge zu 5. a) bis 5. d) sind auf­grund des pro­zes­sua­len Vor­brin­gens der Kläger teil­wei­se ein­schränkend aus­zu­le­gen.


aa) Die Anträge 5. a) bis 5. d) sind auf­grund der Ausführun­gen der Kläger im zwei­ten Rechts­zug zunächst da­hin aus­zu­le­gen, dass mit dem dort ver­wen­de­ten Be­griff „Mit­glie­der des Klägers zu 5)“ nur „Voll­mit­glie­der“ ge­meint sind. Hier­durch soll ei­ne Ab­gren­zung von Gast­mit­glie­dern (§ 5 der Sat­zung des Klägers zu 5)) und ru­hen­den Mit­glied­schaf­ten (§ 4 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 der Sat­zung des Klägers zu 5)) er­fol­gen, die vom An­trag nicht er­fasst sind.

bb) Nach dem Vor­trag der Kläger zu 5) und 6) ist in Be­zug auf die zu 5. a) bis 5. c) ge­stell­ten Anträge des Wei­te­ren die for­mel­le Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. maßgeb­lich. Dies er­gibt sich ins­be­son­de­re aus den Ausführun­gen im Schrift­satz vom 23. Fe­bru­ar 2010. Dort ha­ben die Kläger mit Blick auf den Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 5. De­zem­ber 2007 (- 7 ABR 72/06 - BA­GE 125, 100) gel­tend ge­macht, das vom Bun­des­ar­beits­ge­richt dort be­an­stan­de­te Feh­len von Per­so­nen, die auf­grund ei­nes kirch­li­chen Auf­trags in ent­schei­dungs­be­fug­ten Or­ga­nen der Ein­rich­tung mit­wirk­ten, ha­be ei­nen Son­der­fall be­trof­fen, der hier nicht vor­lie­ge. Die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on wer­de durch die wei­te­ren Hilfs­anträge Rech­nung ge­tra­gen. Da­mit er­fas­sen die Anträge zu 5. a) bis 5. c) als Glo­balanträge auch Recht­sträger von Ein­rich­tun­gen, in de­nen nicht si­cher­ge­stellt ist, dass die
 


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ver­fass­te Kir­che aus­rei­chen­de Ein­flussmöglich­kei­ten be­sitzt, um dau­er­haft ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit kirch­li­chen Zie­len si­cher­zu­stel­len. Nur bei ei­nem sol­chen An­trags­verständ­nis macht der im Schrift­satz vom 23. Fe­bru­ar 2010 an­ge­brach­te Hilfs­an­trag zu 5. d) Sinn.

cc) Die Anträge zu 5. a) bis 5. c) be­tref­fen nur Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 5), de­ren Recht­sträger Voll­mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks sind. Nicht er­fasst sind da­ge­gen Auf­ru­fe zu Ar­beits­kampf­maßnah­men bei den Klägern zu 5) und 6) selbst. Da­mit ist ein Streik­auf­ruf der Be­klag­ten beim Kläger zu 5), der als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein ei­ne ei­genständi­ge ju­ris­ti­sche Per­son dar­stellt und da­mit nach dem Verständ­nis der Be­klag­ten als Ar­beit­ge­ber ei­ne mögli­che Ta­rif­ver­trags­par­tei (§ 3 Abs. 1 TVG), nicht vom Un­ter­las­sungs­be­geh­ren um­fasst. Glei­ches gilt für die Kläge­rin zu 6) als Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts.

b) So ver­stan­den ist der An­trag zu 5. a) zulässig, ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

aa) Die for­mel­le Voll­mit­glied­schaft ei­nes Recht­strägers beim Kläger zu 5) ist hin­rei­chend be­stimm­bar. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen Gast- und Voll­mit­glie­dern ist zunächst grundsätz­lich nach außen sicht­bar. Die Mit­glie­der sind nach § 4 Abs. 3 der Sat­zung des Klägers zu 5) ge­hal­ten, das Kro­nen­kreuz als ein­geführ­tes Mar­ken­zei­chen der Dia­ko­nie zu führen. Gast­mit­glie­der sind dem­ge­genüber nach § 5 Abs. 3 der Sat­zung des Klägers zu 5) da­zu in der Re­gel eben­so we­nig be­rech­tigt wie den Be­zeich­nun­gen ih­rer Ein­rich­tun­gen ei­nen Ver­merk hin­zu­zufügen, aus dem sich die Zu­gehörig­keit zum Dia­ko­ni­schen Werk er­gibt. Ent­schei­dend ist je­doch, dass nach § 3 Abs. 2 der Sat­zung des Klägers zu 5) - ab­ge­se­hen von Kir­chen­ge­mein­den, Kir­chen­krei­sen so­wie Verbänden von Kir­chen­ge­mein­den und Kir­chen­krei­sen der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len - die Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. auf­grund ei­nes Auf­nah­me­an­trags er­wor­ben wird, der ge­genüber dem Vor­stand ab­zu­ge­ben ist und über den der Vor­stand ent­schei­det. Ei­ne ei­nem sol­chen An­trag statt­ge­ben­de Ent­schei­dung bestätigt die - for­mel­le - Mit­glied­schaft beim Kläger zu 5). Ob ei­ne der­ar­ti­ge Ent­sch­ei-
 


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dung ge­trof­fen wor­den ist, ist in der Zwangs­voll­stre­ckung fest­stell­bar. Ent­spre­chen­des gilt für die Ent­schei­dung des Vor­stands des Klägers zu 5) nach § 4 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 der Sat­zung des Klägers zu 5), die Mit­glied­schafts­rech­te ei­nes Mit­glieds ru­hen zu las­sen. In die­sem Fall darf im Übri­gen auch das Kro­nen­kreuz nicht mehr ver­wen­det wer­den.

bb) Der An­trag zu 5. a) ist in Be­zug auf die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ein­zel­ner Mit­glie­der hin­rei­chend be­stimmt. Ent­schei­dend ist auch in­so­weit al­lein, ob die­se for­mal Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks sind. Ob dies ma­te­ri­ell­recht­lich aus­rei­chend ist, ist ei­ne Fra­ge der Be­gründet­heit der Anträge.


cc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten be­ste­hen ge­gen die Be­stimmt­heit des Be­griffs „Recht­sträger“ kei­ne Be­den­ken. Die Kläger ha­ben die­sen Be­griff da­hin erläutert, dass hier­mit ge­kenn­zeich­net wer­de, wel­cher ju­ris­ti­schen Per­son ei­ne recht­lich selbständi­ge oder un­selbständi­ge Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit zu­ge­ord­net ist. Das genügt den Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.


c) Die Anträge zu 5. b) bis 5. d) sind un­zulässig. Wie be­reits zu den Anträgen zu 1. b) und 1. c) aus­geführt, sind der dar­in ent­hal­te­ne Be­griff „re­gel­haft“ so­wie der Ein­schub „vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen“ nicht hin­rei­chend be­stimmt.


d) Der An­trag zu 5. e) ist in der das pro­zes­sua­le Vor­brin­gen der Kläger zu 5) und 6) berück­sich­ti­gen­den Aus­le­gung hin­rei­chend be­stimmt und da­mit zulässig.


So­weit der An­trag vor­aus­setzt, dass Ar­beit­neh­mer in „kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG“ beschäftigt sind und de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 5) ist, be­zieht er sich auf ka­ri­ta­ti­ve und er­zie­he­ri­sche Ein­rich­tun­gen, die der Kläge­rin zu 6) in­sti­tu­tio­nell zu­ge­ord­net sind. Für die­ses An­trags­verständ­nis ist maßgeb­lich, dass die Kläger zu 5) und 6) die­se For­mu­lie­rung erst­mals im ers­ten Rechts­zug im Schrift­satz vom 23. Fe­bru­ar 2010 in den Hilfs­an­trag zu 5. d) auf­ge­nom­men und dann später im Hilfs­an­trag zu 5. e) wie­der­holt ha­ben, nach­dem die Be­klag­te zu­vor un­ter Hin­weis auf den


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Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 5. De­zem­ber 2007 (- 7 ABR 72/06 - BA­GE 125, 100) gerügt hat­te, al­lein aus der Zu­gehörig­keit zum Dia­ko­ni­schen Werk könne nicht ge­schlos­sen wer­den, dass es sich bei der je­wei­li­gen Ein­rich­tung um ei­ne sol­che der Evan­ge­li­schen Kir­che han­de­le. Hier­nach setzt die Zu­ord­nung zur Kir­che iSd. § 118 Abs. 2 Be­trVG ei­ne in­sti­tu­tio­nel­le Ver­bin­dung zwi­schen der Kir­che und der Ein­rich­tung vor­aus, auf­grund de­rer die Kir­che über ein Min­dest­maß an Ein­flussmöglich­kei­ten verfügt, um auf Dau­er ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit kirch­li­chen Vor­stel­lun­gen gewähr­leis­ten zu können. Die Kir­che muss in der La­ge sein, ei­nen et­wai­gen Dis­sens in re­li­giösen An­ge­le­gen­hei­ten zwi­schen ihr und der Ein­rich­tung zu un­ter­bin­den. Be­ste­hen da­nach aus­rei­chen­de in­halt­li­che und per­so­nel­le Ein­flussmöglich­kei­ten der Kir­che auf die re­li­giöse Tätig­keit der Ein­rich­tung, ist das tatsächli­che Maß der Ein­fluss­nah­me oder Kon­trol­le durch die Amts­kir­che oh­ne Be­deu­tung für die Zu­ord­nung iSd. § 118 Abs. 2 Be­trVG (BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 31 f., aaO un­ter Be­zug­nah­me auf BVerfG 11. Ok­to­ber 1977 - 2 BvR 209/76 - [Goch] zu B II 2 b aa bis kk der Gründe, BVerfGE 46, 73). Im Hin­blick dar­auf ist der An­trag zu 5. e) so zu ver­ste­hen, dass „kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG“ nur sol­che sind, die den dar­ge­stell­ten An­for­de­run­gen ge­recht wer­den. Auch wenn dies im Ein­zel­fall nicht ein­fach fest­stell­bar sein wird, führt dies nicht zur Un­be­stimmt­heit des An­trags (vgl. BAG 23. Ok­to­ber 2002 - 7 ABR 59/01 - zu B I 1 der Gründe, BA­GE 103, 163). In­so­weit gilt nichts an­de­res als für die im Ein­zel­fall schwie­ri­ge Fest­stel­lung der Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs oder ei­ner Be­triebsände­rung durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt.

6. Die Anträge zu 7. a) bis 7. e) des Klägers zu 7) ent­spre­chen im We­sent­li­chen de­nen der Kläger zu 5) und 6). Al­le Anträge set­zen je­doch zusätz­lich vor­aus, dass die Ar­beit­neh­mer in Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, „de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind“. Da­mit nimmt der Kläger zu 7) dar­auf Be­dacht, dass er ein von den Dia­ko­ni­schen Wer­ken des Rhein­lands, von West­fa­len und der Lip­pi­schen Lan­des­kir­che ge­bil­de­ter rechtsfähi­ger Ver­ein ist. Auch für die­sen An­trag gilt, dass von ihm Streik­auf­ru­fe beim Kläger zu 7) selbst nicht er­fasst sind. Aus den
 


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zum An­trag zu 5. a) aus­geführ­ten Gründen ist der An­trag zu 7. a) als Glo­balan­trag zulässig, die Anträge zu 7. b) bis 7. d) sind da­ge­gen we­gen des un­be­stimm­ten Be­griffs „re­gel­haft“ und des nicht hin­rei­chend be­stimm­ten Vor­be­halts an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen un­zulässig. Der An­trag zu 7. e) ist zulässig.

7. Die Anträge zu 9. a) bis 9. d) der Kläger zu 8) und 9) ent­spre­chen im We­sent­li­chen den Anträgen der Kläger zu 5) und 6). Dem­zu­fol­ge ist der An­trag zu 9. a) als Glo­balan­trag zulässig. Die Anträge zu 9. b) bis 9. d) sind al­ler­dings aus den in Be­zug auf die Kläger zu 5) und 6) dar­ge­leg­ten Gründen un­zulässig, der An­trag zu 9. e) ist da­ge­gen zulässig.

III. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass je­der der Kläger ge­gen die Be­klag­te ei­nen ei­ge­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch gel­tend macht und nicht et­wa - wie noch im ers­ten Rechts­zug erörtert - ei­nen ge­mein­sa­men, den be­tref­fen­den Klägern als Ge­samtgläubi­ger zu­ste­hen­den An­spruch im We­ge der sub­jek­ti­ven Kla­gehäufung ver­folgt. Da­mit er­wei­sen sich die Be­den­ken der Be­klag­ten ge­gen ei­ne un­zulässi­ge Mehr­fachti­tu­lie­rung als un­be­gründet. Die ört­li­che Zuständig­keit für die Anträge der Kläger zu 3), 4), 5), 7), 8) und 9) war in der Re­vi­si­on nicht zu prüfen (§ 73 Abs. 2, § 65 ArbGG).


B. Die Anträge sind - so­weit zulässig - un­be­gründet. Als An­spruchs­grund­la­ge für die von den Klägern gel­tend ge­mach­ten Un­ter­las­sungs­ansprüche kommt al­lein § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB in Be­tracht. In Be­zug auf den Kläger zu 7) fehlt schon die er­for­der­li­che Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on, weil er durch die Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten nicht in ei­nem ei­ge­nen ab­so­lu­ten Recht ver­letzt ist. Beim Kläger zu 4) so­wie den Klägern zu 8) und 9) be­steht nicht die Be­sorg­nis wei­te­rer Be­ein­träch­ti­gun­gen iSd. § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB durch Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten. Bezüglich der Kläger zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) fehlt es hin­sicht­lich der Glo­balanträge zu 1. a) und 5. a) an der Ge­fahr ei­ner aus­nahms­lo­sen Be­ein­träch­ti­gung ei­nes ab­so­lu­ten Rechts. Im Hin­blick auf die zulässi­gen Hilfs­anträge zu 1. d) und 5. e) be­steht nicht die Sor­ge wei­te­rer Be­ein­träch­ti­gun­gen durch die dort be­zeich­ne­ten Ver­let­zungs­hand­lun­gen.
 


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I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, in Be­zug auf die Kläger zu 1) bis 3) könn­te ein von der Be­klag­ten geführ­ter rechts­wid­ri­ger Streik ei­nen Ein­griff in de­ren ein­ge­rich­te­te und aus­geübte Ge­wer­be­be­trie­be dar­stel­len, der als „sons­ti­ges Recht“ iSd. § 823 Abs. 1 BGB geschützt sei. Ob dies im Hin­blick auf die Ge­meinnützig­keit die­ser Kläger zu­trifft, kann da­hin­ste­hen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird mit die­sem Verständ­nis des Pro­zess­vor­trags der Kläger de­ren Dar­le­gun­gen nicht ge­recht. Die­se ha­ben zur Be­gründung ih­rer Un­ter­las­sungs­anträge aus­sch­ließlich dar­auf ab­ge­stellt, durch Ar­beits­kampf­maßnah­men in ih­rem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht ver­letzt zu wer­den. Die­ses aus Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV fol­gen­de Recht ist ein de­liktsrecht­lich geschütz­tes sons­ti­ges Recht iSd. § 823 Abs. 1 BGB, zu des­sen Schutz § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB ana­log an­zu­wen­den ist.

1. Der An­wen­dungs­be­reich des § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB ist nicht auf Ei­gen­tums­be­ein­träch­ti­gun­gen be­schränkt, son­dern er­streckt sich auf al­le de­liktsrecht­lich geschütz­ten Rechtsgüter und er­fasst auch ab­so­lu­te Rech­te (BGH 13. März 1998 - V ZR 190/97 - zu II 2 a der Gründe, NJW 1998, 2058). Letz­te­res setzt vor­aus, dass es dem Gläubi­ger zu­ge­ord­net ist und ge­genüber je­der­mann un­abhängig von ei­ner rechts­geschäft­li­chen Ver­bun­den­heit wirkt (Münch­KommBGB/Wag­ner 5. Aufl. § 823 Rn. 142).


2. Das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht aus Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV erfüllt die An­for­de­run­gen ei­nes ab­so­lu­ten Rechts.


a) Die durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV gewähr­leis­te­te freie Ord­nung und Ver­wal­tung der ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ei­ne not­wen­di­ge, recht­lich selbständi­ge Gewähr­leis­tung, die der Frei­heit des re­li­giösen Le­bens und Wir­kens der Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten die zur Wahr­neh­mung die­ser Auf­ga­ben un­erläss­li­che Frei­heit der Be­stim­mung über Or­ga­ni­sa­ti­on, Norm­set­zung und Ver­wal­tung hin­zufügt (BVerfG 14. Mai 1986 - 2 BvL 19/84 - [Be­rufs­bil­dung] zu C 1 der Gründe, BVerfGE 72, 278). Bei­de Gewähr­leis­tun­gen ent­stam­men ei­nem vom Ver­fas-
 


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sungs­ge­ber an­er­kann­ten un­an­tast­ba­ren Frei­heits­raum, der nicht et­wa vom Staat zur Verfügung ge­stellt oder von ihm ab­ge­lei­tet ist (BVerfG 17. Fe­bru­ar 1981 - 2 BvR 384/78 - [Vol­marstein] zu C II 2 der Gründe, BVerfGE 57, 220). Sie kom­men nicht nur den Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und de­ren recht­lich selbständi­gen Tei­len zu­gu­te, son­dern al­len der ver­fass­ten Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (vgl. BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - [Kran­ken­hausG-NRW] zu C I 2 a der Gründe, BVerfGE 53, 366).


Die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten iSd. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV sind un­mit­tel­ba­re Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, die die­sen zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen lei­ten die­ses Recht von ih­nen ab. Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten ver­mit­teln es ih­nen, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 a der Gründe, BVerfGE 70, 138). Maßstab für das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen ist das Aus­maß der in­sti­tu­tio­nel­len Ver­bin­dung mit ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft oder die Art der mit der Ver­ei­ni­gung ver­folg­ten Zie­le (vgl. BVerfG 11. Ok­to­ber 1977 - 2 BvR 209/76 - [Goch] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 46, 73; 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - [Kran­ken­hausG-NRW] zu C I 2 a der Gründe, BVerfGE 53, 366).

b) Hier­nach erfüllt das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht aus Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV die An­for­de­run­gen, die an ein ab­so­lu­tes Recht iSd. § 823 Abs. 1 BGB ge­stellt wer­den (vgl. BGH 11. Fe­bru­ar 2000 - V ZR 271/99 - zu II 2 der Gründe, NJW 2000, 1555). Es ist Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und al­len ih­nen in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen und da­mit auch den Dia­ko­ni­schen Wer­ken und den die­sen zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen zu­ge­wie­sen. Die­se können sich hier­auf auch ge­genüber Drit­ten be­ru­fen.
 


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3. Die Kläger zu 1) bis 6) so­wie zu 8) und 9) sind Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts und des­halb ak­tiv­le­gi­ti­miert, ei­ne Ver­let­zung die­ses Rechts gel­tend zu ma­chen, nicht da­ge­gen der Kläger zu 7).

a) Das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht steht zunächst den Klägern zu 6) und 9) zu. Die Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che von West­fa­len und die Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers sind in der Rechts­form von Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts (Art. 4 der Kir­chen­ord­nung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len vom 1. De­zem­ber 1953 idF der Be­kannt­ma­chung vom 14. Ja­nu­ar 1999 und Art. 2 Abs. 2 der Ver­fas­sung der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers vom 1. Ju­li 1971) Teil der ver­fass­ten Kir­che und da­mit un­mit­tel­ba­re Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts.


b) Den wei­te­ren Klägern zu 1) bis 5) und zu 8) wird die­ses Recht durch die ver­fass­te Kir­che ver­mit­telt, da sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen.


aa) Die Zu­ord­nung des Klägers zu 5) zur Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len er­gibt sich zunächst aus der Kir­chen­ord­nung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len vom 1. De­zem­ber 1953 idF der Be­kannt­ma­chung vom 14. Ja­nu­ar 1999 (im Fol­gen­den: Kir­chen­ord­nung). Nach Art. 164 Kir­chen­ord­nung ge­schieht der Dienst der Verkündung und der Lie­be, zu dem al­le Glie­der der Kir­che ge­ru­fen sind, in be­son­de­rer Wei­se durch die mis­sio­na­risch-dia­ko­ni­schen Wer­ke der Kir­che. Die­se ha­ben gemäß Art. 165 Kir­chen­ord­nung in­ner­halb der kirch­li­chen Ord­nung die Frei­heit, ih­re Ar­beit so zu ge­stal­ten, wie es ih­rem be­son­de­ren Auf­trag und ih­rer Ge­schich­te ent­spricht. Die Ver­bin­dung der ein­zel­nen Wer­ke mit der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len ist ent­spre­chend Art. 166 Kir­chen­ord­nung durch das Dia­ko­nieG-West­fa­len vom 13. No­vem­ber 2003 ge­ord­net. Nach § 2 Dia­ko­nieG-West­fa­len wird der dia­ko­ni­sche Auf­trag durch die Kir­chen­ge­mein­den, durch recht­lich selbständi­ge Träger dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Ar­beit, die sich im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len als Lan­des­ver­band zu­sam­men­sch­ließen, und durch die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len in Ver­bin­dung mit dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen

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Kir­che von West­fa­len wahr­ge­nom­men. Da­bei hat die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len gemäß § 8 Abs. 1 Dia­ko­nieG-West­fa­len die Ver­ant­wor­tung für die dia­ko­ni­sche Aus­rich­tung der kirch­li­chen Ar­beit und für die Förde­rung dia­ko­ni­scher Ar­beit in ih­rem Be­reich. Nähe­res re­gelt die Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks. De­ren Er­lass, Ände­rung und Auf­he­bung kann wie­der­um nur im Ein­ver­neh­men mit der Kir­chen­lei­tung er­fol­gen (§ 9 Nr. 1 Buchst. b Dia­ko­nieG-West­fa­len). Eben­so er­folgt die Wahl des Vor­sit­zen­den des Ver­wal­tungs­rats des Dia­ko­ni­schen Werks im Ein­ver­neh­men mit der Kir­chen­lei­tung (§ 9 Nr. 1 Buchst. e Dia­ko­nieG-West­fa­len). Der Haupt­ver­samm­lung des Dia­ko­ni­schen Werks gehören gemäß § 10 Dia­ko­nieG-West­fa­len bis zu zehn von der Lan­des­syn­ode ent­sand­te Ver­tre­ter an. Da­ne­ben gehören dem Ver­wal­tungs­rat des Dia­ko­ni­schen Werks der Präses und ein Be­auf­trag­ter der Kir­chen­lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len an. In die­sen kir­chen­recht­li­chen Re­ge­lun­gen kommt ei­ne hin­rei­chen­de in­sti­tu­tio­nel­le Ver­bun­den­heit zwi­schen dem Dia­ko­ni­schen Werk und der Evan­ge­li­schen Kir­che zum Aus­druck (da­zu BVerfG 11. Ok­to­ber 1977 - 2 BvR 209/76 - [Goch] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 46, 73; BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 35, BA­GE 125, 100). Die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len ist in den Or­ga­nen des Klägers zu 5) ver­tre­ten. Sie hat da­mit aus­rei­chen­de Ein­flussmöglich­kei­ten, um auf Dau­er ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit den kirch­li­chen Vor­stel­lun­gen zu gewähr­leis­ten.


bb) Glei­ches gilt für das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers (Kläger zu 8)). Die in­sti­tu­tio­nel­le und per­so­nel­le Ver­bun­den­heit mit der Lan­des­kir­che folgt aus kir­chen­ge­setz­li­chen und sat­zungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen. Nach § 2 Dia­ko­nieG-Han­no­ver ist das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers mit den ihm an­gehören­den Ein­rich­tun­gen, Wer­ken, Verbänden und sons­ti­gen Diens­ten auf der Grund­la­ge sei­ner Sat­zung gemäß Art. 118 Abs. 1 der Kir­chen­ver­fas­sung als lan­des­kirch­li­ches Werk an­er­kannt. Es erfüllt sei­ne Auf­ga­ben in Bin­dung an die Kir­chen­ver­fas­sung und un­ter Mit­wir­kung der kir­chen­lei­ten­den Or­ga­ne der Lan­des­kir­che. Nach § 10 Abs. 1 Dia­ko­nieG-Han­no­ver ach­ten die­se im Rah­men ih­rer Auf­ga­ben dar­auf, dass die Ar­beit des Dia­ko­ni­schen Werks auf der Grund-


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la­ge die­ses Kir­chen­ge­set­zes ge­schieht. Gemäß § 2 Abs. 1 der Sat­zung des Klägers zu 8) nimmt das Dia­ko­ni­sche Werk dia­ko­ni­sche Auf­ga­ben der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers wahr und sorgt für die Aus­rich­tung kirch­li­cher Ar­beit in dia­ko­ni­scher Ver­ant­wor­tung. Gemäß § 13 Abs. 1 und Abs. 2 der Sat­zung des Klägers zu 8) müssen die Mit­glie­der des Präsi­di­ums evan­ge­li­schen Be­kennt­nis­ses sein. Zwei Mit­glie­der des Präsi­di­ums wer­den da­bei vom Lan­des­kir­chen­amt ent­sandt. Der Lan­des­bi­schof ist nach § 13 Abs. 5 der Sat­zung des Klägers zu 8) zu den Sit­zun­gen des Präsi­di­ums ein­zu­la­den. Er kann da­bei je­der­zeit das Wort er­grei­fen und Anträge stel­len. Nach § 18 Abs. 3 der Sat­zung des Klägers zu 8) fällt bei Auflösung oder Auf­he­bung des Dia­ko­ni­schen Werks des­sen Vermögen der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers zu (vgl. da­zu BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 35 mwN, BA­GE 125, 100).


cc) Des Wei­te­ren kann sich die Kläge­rin zu 1) auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen.

(1) Sie ist Mit­glied im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. Auf­grund der Re­ge­lun­gen des Ge­sell­schafts­ver­trags hat die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len hin­rei­chen­de in­sti­tu­tio­nel­le und per­so­nel­le Möglich­kei­ten, um ei­ne Übe­rein­stim­mung der Betäti­gung der Kläge­rin zu 1) mit kirch­li­chen Vor­stel­lun­gen si­cher­zu­stel­len.

(a) Nach § 6 Abs. 2 des Ge­sell­schafts­ver­trags sind die An­stalt Be­thel, kirch­li­che Stif­tung des pri­va­ten Rechts, die Westfäli­sche Dia­ko­nis­sen­an­stalt Sa­rep­ta, kirch­li­che Stif­tung des pri­va­ten Rechts, die Westfäli­sche Dia­ko­nen­an­stalt Na­za­reth, kirch­li­che Stif­tung des pri­va­ten Rechts und das Jo­han­nes­werk Ge­sell­schaf­ter der Kläge­rin zu 1). Nach § 2 der Sat­zung der Stif­tung Be­thel ist Zweck die­ser Stif­tung die Un­terstützung hilfs­bedürf­ti­ger Per­so­nen, die Förde­rung der Wohl­fahrts­pfle­ge, des öffent­li­chen Ge­sund­heits­we­sens, der Ju­gend-und Al­ten­hil­fe, der Bil­dung und Er­zie­hung, der Wis­sen­schaft und For­schung. Die Stif­tung ver­folgt aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Sie ist Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. Nach § 7 Nr. 2 der Sat­zung der Stif­tung Be­thel sol­len im Ver­wal­tungs­rat in an­ge­mes­se-
 


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ner Wei­se die Ver­bin­dung der Stif­tung mit Kir­che und Dia­ko­nie, die Zu­sam­men­ar­beit mit Re­präsen­tan­ten des öffent­li­chen und wirt­schaft­li­chen Le­bens, fach­li­che Be­ra­tungsmöglich­kei­ten des Vor­stands so­wie Mit­ver­ant­wor­tung und Mit­ar­beit zum Aus­druck kom­men. Der Ver­wal­tungs­rat be­stellt nach § 8 Nr. 1 der Sat­zung der Stif­tung Be­thel die ein­zel­nen Vor­stands­mit­glie­der und auch den Vor­stands­vor­sit­zen­den. Die­ser soll Pas­tor sein. Ent­spre­chen­des gilt für die Sat­zun­gen der Stif­tun­gen Na­za­reth und Sa­rep­ta. Auch die­se ver­fol­gen aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke und gehören der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len und dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. an. Eben­so wie bei der Stif­tung Be­thel soll auch in die­sen bei­den Stif­tun­gen der Vor­stands­vor­sit­zen­de ein Pas­tor sein.

(b) Der vier­te Ge­sell­schaf­ter der Kläge­rin zu 1), das Jo­han­nes­werk, will nach sei­ner Sat­zung als ka­ri­ta­ti­ve und er­zie­he­ri­sche Ein­rich­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len Men­schen in leib­li­cher Not, see­li­scher Be­dräng­nis und in so­zi­al be­las­te­ten Verhält­nis­sen hel­fen. Die­ser Sat­zungs­zweck wird ins­be­son­de­re ver­wirk­licht durch den Be­trieb von Kran­kenhäusern, Wohn­hei­men, Wohn- und Pfle­ge­hei­men so­wie Werkstätten für Be­hin­der­te. Das Jo­han­nes­werk ver­folgt ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Den Or­ga­nen des Ver­eins, Mit­glie­der­ver­samm­lung und Ver­wal­tungs­rat, können nach § 5 Abs. 2 der Sat­zung des Jo­han­nes­werks nur Per­so­nen an­gehören, die Mit­glied der Evan­ge­li­schen Kir­che oder ei­ner an­de­ren der in der Ar­beits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen in der Bun­des­re­pu­blik e. V. ver­tre­te­nen evan­ge­li­schen Kir­che sind. Der Vor­stand des Jo­han­nes­werks be­steht aus bis zu fünf Mit­glie­dern, die vom Ver­wal­tungs­rat be­ru­fen wer­den. Der Vor­sit­zen­de oder sein Stell­ver­tre­ter muss or­di­nier­ter Theo­lo­ge sein. Die Be­ru­fung oder Ab­be­ru­fung der ein­zel­nen Mit­glie­der des Vor­stands er­folgt nach Be­ra­tung mit dem Vor­sit­zen­den Geschäftsführer des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. und im Be­neh­men mit der Lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len (§ 8 Abs. 1 und Abs. 2 der Sat­zung des Jo­han­nes­werks).


(c) Dem Auf­sichts­rat der Kläge­rin zu 1) ob­liegt nach § 18 Abs. 1 des Ge­sell­schafts­ver­trags die Über­wa­chung der Geschäftsführung. Er ist zuständig



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für die Be­stel­lung, Ab­be­ru­fung und Ent­las­tung der Geschäftsführung. Die­se benötigt im In­nen­verhält­nis für al­le Geschäfte, die über den gewöhn­li­chen Be­trieb des Un­ter­neh­mens hin­aus­ge­hen, die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des Auf­sichts­rats. Die­ser hat ein Ve­to­recht bei der Ein­stel­lung und Ent­las­sung lei­ten­der Ärz­te ein­sch­ließlich späte­rer Ände­run­gen ih­rer An­stel­lungs­verträge (§ 18 Abs. 3 Buchst. b des Ge­sell­schafts­ver­trags). Gemäß § 16 Abs. 2 des Ge­sell­schafts­ver­trags wer­den drei Auf­sichts­rats­mit­glie­der von den Stif­tun­gen Be­thel, Na­za­reth und Sa­rep­ta no­mi­niert und zwei wei­te­re Auf­sichts­rats­mit­glie­der vom Jo­han­nes­werk. Dem Han­dels­re­gis­ter ist zu ent­neh­men, dass der­zeit drei Pas­to­ren, ein Di­plom-Kauf­mann und ein Ju­rist dem Auf­sichts­rat an­gehören.


(2) Auf­grund die­ser Ge­sell­schaf­ter­struk­tur und Be­set­zung des Auf­sichts­rats ist ein aus­rei­chen­der per­so­nel­ler Ein­fluss der Kir­che auf die Ar­beit der Kläge­rin zu 1) si­cher­ge­stellt. An­ders als in dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt am 5. De­zem­ber 2007 (- 7 ABR 72/06 - BA­GE 125, 100) ent­schie­de­nen Fall, in dem ei­ne nicht kirch­li­che Stif­tung Al­lein­ge­sell­schaf­te­rin ei­nes Kran­ken­hau­ses war und ei­ne Be­tei­li­gung von Ver­tre­tern der Evan­ge­li­schen Kir­che oder ih­res Dia­ko­ni­schen Werks in den ent­schei­dungs­be­fug­ten Or­ga­nen der Ar­beit­ge­be­rin nicht vor­ge­se­hen war, ist hier auf­grund der Ge­sell­schaf­ter­struk­tur und der Vor­schrif­ten über die Be­stel­lung des Auf­sichts­rats be­reits ei­ne aus­rei­chen­de Ein­fluss­nah­me der Kir­che si­cher­ge­stellt. Darüber hin­aus ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei der Kläge­rin zu 1) um ei­ne his­to­risch mit der Evan­ge­li­schen Kir­che ver­bun­de­ne Ein­rich­tung han­delt. Die­se ist im Jah­re 2005 nach ei­ner Fu­si­on des evan­ge­li­schen Kran­ken­hau­ses Gi­lead und des Jo­han­nes-Kran­ken­hau­ses ent­stan­den. Bei die­sen bei­den han­delt es sich um evan­ge­li­sche Kran­kenhäuser mit ei­ner zum Teil über hun­dertjähri­gen kirch­li­chen Tra­di­ti­on.

dd) Auch der Kläger zu 2) (Jo­han­nes­werk) kann sich auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen. Er gehört dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. an. Wie be­reits aus­geführt, er­gibt sich aus sei­ner Sat­zung ei­ne hin­rei­chen­de Ein­flussmöglich­keit der Lan­des­kir­che auf die Ar­beit die­ses Ver­eins.
 


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ee) Sch­ließlich können sich auch die Kläger zu 3) und 4) auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen.

(1) Die Kläge­rin zu 3) (Evan­ge­li­sche Ju­gend­hil­fe Frie­dens­hort GmbH Hei­mat für Hei­mat­lo­se) ver­folgt nach ih­rem Ge­sell­schafts­ver­trag den Zweck, die Kin­der-, Ju­gend-, Al­ten- und Fa­mi­li­en­hil­fe zu fördern. Die Ge­sell­schaft ver­steht ih­re Ar­beit als Le­bens- und We­sensäußerung der evan­ge­li­schen Kir­che und als Auf­trag zur Ausübung christ­li­cher Nächs­ten­lie­be im Sin­ne der Dia­ko­nie in christ­lich-kirch­li­cher Ver­ant­wor­tung (§ 2 des Ge­sell­schafts­ver­trags). Die Stamm­ein­la­ge wird nach § 3 des Ge­sell­schafts­ver­trags der Kläge­rin zu 3) von der Dia­ko­nis­sen­mut­ter­haus Stif­tung Frie­dens­hort ge­hal­ten. Die Ge­sell­schaft ver­folgt nach § 4 ih­res Ge­sell­schafts­ver­trags aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung gehören nach § 6 des Ge­sell­schafts­ver­trags der Kläge­rin zu 3) ne­ben dem Vor­stand der Dia­ko­nis­sen­mut­ter­haus Stif­tung Frie­dens­hort die Mit­glie­der ih­res Ku­ra­to­ri­ums an. Nach § 9 des Ge­sell­schafts­ver­trags wer­den zu Geschäftsführern die­je­ni­gen Per­so­nen be­stellt, die dem Vor­stand der Dia­ko­nis­sen­mut­ter­haus Stif­tung Frie­dens­hort an­gehören. Da­mit ist so­wohl per­so­nell wie in­sti­tu­tio­nell ein aus­rei­chen­der Ein­fluss der Kir­che auf die Ar­beit der Ge­sell­schaft gewähr­leis­tet.

(2) Der Kläger zu 4) (Dia­ko­ni­sches Werk Chris­to­pho­rus e. V.) wid­met sich nach § 2 sei­ner Sat­zung der Förde­rung, Pfle­ge und Be­treu­ung von geis­tig, körper­lich, see­lisch und mehr­fach be­hin­der­ten Kin­dern, Ju­gend­li­chen und Er­wach­se­nen mit dem Ziel, ein Höchst­maß an Selbständig­keit und Le­bens­qua­lität zu ver­mit­teln. Der Ver­ein ist nach § 3 Nr. 2 sei­ner Sat­zung Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. und ver­folgt nach § 4 Nr. 1 der Sat­zung aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Die Mit­glie­der des Auf­sichts­rats müssen nach § 8 Nr. 1 der Sat­zung des Klägers zu 4) ei­ner christ­li­chen Kir­che an­gehören und in ih­rer Mehr­heit Mit­glie­der der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers sein. Ein Mit­glied des Auf­sichts­rats soll Pas­tor und In­ha­ber ei­ner Pfarr­stel­le sein. Nach § 10 Nr. 1 der Sat­zung des Klägers zu 4) fällt das Vermögen im Fal­le der Auflösung oder Auf­he­bung des Ver­eins oder bei Weg­fall sei­nes bis­he­ri­gen
 


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Zwecks an ei­nen an­de­ren dia­ko­ni­schen oder kirch­li­chen Recht­sträger, der die Ver­eins­zwe­cke wei­ter­ver­folgt. Auf­grund die­ser Sat­zungs­be­stim­mun­gen ist in­sti­tu­tio­nell und per­so­nell ein hin­rei­chen­der kirch­li­cher Ein­fluss auf die Ver-eins­ar­beit gewähr­leis­tet.


c) Der Kläger zu 7) (Dia­ko­nie Rhein­land-West­fa­len-Lip­pe e. V.) kann sich nicht auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen. Der Sat­zung ist nicht zu ent­neh­men, dass er die Auf­ga­be hat, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen.


aa) Nach der Präam­bel der Sat­zung des Klägers zu 7) sind das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land e. V., das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. und das Dia­ko­ni­sche Werk der Lip­pi­schen Lan­des­kir­che e. V. auf­grund der so­zia­len, öko­no­mi­schen und fi­nan­zi­el­len Ent­wick­lung überein­ge­kom­men, den Kläger zu 7) zu bil­den (da­zu im Ein­zel­nen Linz­bach KuR 2008, 155, 156 ff.). Nach § 2 der Sat­zung des Klägers zu 7) ist Zweck des Ver­eins ins­be­son­de­re die Be­schaf­fung von Mit­teln zur Förde­rung al­ler Ge­bie­te der Dia­ko­nie als Re­li­gi­ons­ausübung der Evan­ge­li­schen Kir­che, na­ment­lich zur Förde­rung der Re­li­gi­on, der Ju­gend- und Al­ten­hil­fe, des öffent­li­chen Ge­sund­heits­we­sens und der öffent­li­chen Ge­sund­heits­pfle­ge, der Bil­dung und Er­zie­hung, des Wohl­fahrts­we­sens und des Schut­zes der Fa­mi­lie. Die­ser Zweck wird sat­zungs­gemäß ins­be­son­de­re ver­wirk­licht durch die Un­terstützung der Mit­glie­der des Ver­eins, na­ment­lich der drei glied­kirch­li­chen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe. Da­zu berät der Ver­ein in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. In Grund­satz­fra­gen der dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­schen Ar­beit und in Fra­gen der Zu­ord­nung zu den Kir­chen or­ga­ni­siert der Ver­ein die Ab­stim­mung mit den drei Lan­des­kir­chen über de­ren Dia­ko­ni­sche Wer­ke nach glied­kirch­li­chem Recht. Der Ver­ein ist gemäß § 3 sei­ner Sat­zung aus­sch­ließlich ge­meinnützig tätig. Der Vor­stand be­steht nach § 12 der Sat­zung des Klägers zu 7) aus min­des­tens zwei Per­so­nen, von de­nen je­weils ei­ne vom Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land e. V. und ei­ne vom Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. vor­ge­schla­gen wird. Der Spre­cher muss or­di­nier­ter Theo­lo­ge sein. Dem Ver­wal­tungs­rat


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gehören nach § 9 Abs. 1 der Sat­zung des Klägers zu 7) der je­wei­li­ge Vor­sitz und der stell­ver­tre­ten­de Vor­sitz des Dia­ko­ni­schen Rats des Dia­ko­ni­schen Werks Rhein­land und des Ver­wal­tungs­rats des Dia­ko­ni­schen Werks West­fa­len an so­wie zwei wei­te­re Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Rats des Dia­ko­ni­schen Werks Rhein­land und des Ver­wal­tungs­rats des Dia­ko­ni­schen Werks West­fa­len so­wie ein Mit­glied der Kir­chen­lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land, das wie­der­um dem Dia­ko­ni­schen Rat des Dia­ko­ni­schen Werks an­gehört.

bb) Auf­grund die­ser Sat­zungs­be­stim­mun­gen ist zwar da­von aus­zu­ge­hen, dass ein per­so­nel­ler Ein­fluss der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len auf den Kläger zu 7) gewähr­leis­tet ist. Dem in § 2 der Sat­zung des Klägers zu 7) be­schrie­be­nen Ver­eins­zweck ist je­doch nicht zu ent­neh­men, dass der Kläger zu 7) da­zu be­ru­fen ist, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men oder zu erfüllen. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehört ge­ra­de nicht ein ka­ri­ta­ti­ves Wir­ken im Sin­ne täti­ger Nächs­ten­lie­be, son­dern die Be­ra­tung na­ment­lich der drei glied­kirch­li­chen Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Des Wei­te­ren ko­or­di­niert er die Ab­stim­mung mit den drei Lan­des­kir­chen. Auf­ga­be des Klägers zu 7) ist dem­zu­fol­ge nicht, sich der Men­schen in leib­li­cher Not, see­li­scher Be­dräng­nis und in so­zi­al un­ge­rech­ten Verhält­nis­sen an­zu­neh­men und die Ur­sa­che die­ser Nöte zu be­he­ben, wie es nach § 1 Dia­ko­nieG-West­fa­len Auf­trag der Dia­ko­nie ist. Die­ser voll­zieht sich nach die­ser Be­stim­mung in Wort und Tat als ganz­heit­li­cher Dienst mit und an den Men­schen. Er rich­tet sich an Ein­zel­ne und Grup­pen un­ge­ach­tet des Ge­schlechts, der Ab­stam­mung, der Her­kunft oder der Re­li­gi­on. Mit al­len die­sen Ziel­set­zun­gen der Dia­ko­nie hat der Kläger zu 7) nichts ge­mein. Es han­delt sich bei ihm letzt­lich um ei­ne Art „Un­ter­neh­mens­be­ra­tung“ in der Rechts­form ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins, des­sen Auf­ga­be die Be­ra­tung der drei glied­kirch­li­chen Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht ist (§ 2 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 der Sat­zung des Klägers zu 7)).

cc) Ist der Kläger zu 7) da­nach nicht Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, ist sei­ne Kla­ge un­be­gründet und schon des­halb im vol­len Um­fang



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ab­zu­wei­sen, weil die Ver­let­zung die­ses ab­so­lu­ten Rechts nicht zu be­sor­gen ist. Ei­ne Be­ein­träch­ti­gung durch Ver­let­zung an­de­rer ab­so­lu­ter Rech­te hat der Kläger zu 7) nicht be­haup­tet. Im Übri­gen ist die Kla­ge aus den­sel­ben Gründen ab­zu­wei­sen wie die der Kläger zu 5) und 6) (da­zu un­ten zu B III 11 a dd und ee der Gründe).

II. Wei­te­re Auf­ru­fe zu Ar­beits­kampf­maßnah­men und dar­aus nach Auf­fas­sung der Kläger fol­gen­de wei­te­re Be­ein­träch­ti­gun­gen des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts (§ 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB) ha­ben nur die Kläger zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) zu be­sor­gen, nicht da­ge­gen die Kläger zu 4), 8) und 9).

1. Künf­ti­ge Be­ein­träch­ti­gun­gen ei­nes geschütz­ten Rechts sind grundsätz­lich zu be­sor­gen, wenn sie auf ei­ner be­reits er­folg­ten Ver­let­zungs­hand­lung be­ru­hen (Wie­der­ho­lungs­ge­fahr) oder ei­ne sol­che ernst­haft zu befürch­ten ist (Erst­be­ge­hungs­ge­fahr).


a) Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist die ob­jek­ti­ve Ge­fahr der er­neu­ten Be­ge­hung ei­ner kon­kre­ten Ver­let­zungs­hand­lung. Sie ist nicht auf die iden­ti­sche Ver­let­zungs­form be­schränkt, son­dern um­fasst al­le im Kern gleich­ar­ti­gen Ver­let­zungs­for­men (st. Rspr., vgl. BGH 9. Sep­tem­ber 2004 - I ZR 93/02 - zu II 4 b der Gründe, GRUR 2005, 443).


b) Ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr be­steht, wenn ein rechts­wid­ri­ger Ein­griff in ein ab­so­lu­tes Recht oder ein sonst vom Recht geschütz­tes Gut oder In­ter­es­se un­mit­tel­bar be­vor­steht. Dafür muss die Be­ein­träch­ti­gung ei­nes geschütz­ten Rechts kon­kret dro­hen (vgl. BGH 18. Sep­tem­ber 2009 - V ZR 75/08 - Rn. 12, NJW 2009, 3787), sie muss ernst­haft und greif­bar zu befürch­ten sein (BGH 15. April 1999 - I ZR 83/97 - zu II 2 b der Gründe, NJW-RR 1999, 1563). Berühmt sich ei­ne Par­tei ei­nes Rechts, be­gründet dies ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr, wenn den Erklärun­gen bei Würdi­gung der Ein­zel­umstände des Fal­les auch die Be­reit­schaft zu ent­neh­men ist, sich un­mit­tel­bar oder in na­her Zu­kunft in die­ser Wei­se zu ver­hal­ten (BGH 4. De­zem­ber 2008 - I ZR 94/06 - Rn. 14, GRUR-RR 2009, 299). An­ders als bei der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr spricht für das Vor­lie­gen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr kei­ne Ver­mu­tung, so dass der­je­ni­ge, der sie gel­tend
 


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macht, al­le Umstände dar­le­gen und be­wei­sen muss, aus de­nen sie sich im kon­kre­ten Fall er­ge­ben soll (Te­plitz­ky Wett­be­werbs­recht­li­che Ansprüche und Ver­fah­ren 10. Aufl. Kap. 10 Rn. 8 mwN).

2. Bei der Erst­be­ge­hungs- und der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr han­delt es sich um ma­te­ri­el­le An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des Un­ter­las­sungs­an­spruchs (vgl. BGH 19. Ok­to­ber 2004 - VI ZR 292/03 - zu II 3 a der Gründe, NJW 2005, 594). Stützt der Kläger sein Un­ter­las­sungs­be­geh­ren so­wohl auf ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr we­gen ei­ner be­haup­te­ten Ver­let­zungs­hand­lung als auch auf ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr we­gen be­stimm­ter Erklärun­gen des Be­klag­ten, han­delt es sich um zwei ver­schie­de­ne Streit­ge­genstände, da die ein­heit­li­che Rechts­fol­ge aus un­ter­schied­li­chen Le­bens­sach­ver­hal­ten her­ge­lei­tet wird (BGH 23. Fe­bru­ar 2006 - I ZR 272/02 - Rn. 25, BGHZ 166, 253). Hat der Kläger sein Un­ter­las­sungs­be­geh­ren zunächst nur mit ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­gründet, kann er sich in der Re­vi­si­on nicht auf ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr stützen, da in das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren kein neu­er Streit­ge­gen­stand ein­geführt wer­den kann (vgl. BGH 30. April 2009 - I ZR 191/05 - Rn. 58, NJW-RR 2009, 1558).


3. Die Be­ur­tei­lung der Erst­be­ge­hungs­ge­fahr eben­so wie die ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist im We­sent­li­chen tatsäch­li­cher Na­tur und in der Re­vi­si­ons­in­stanz nur be­schränkt dar­auf nach­prüfbar, ob das Be­ru­fungs­ge­richt von rich­ti­gen recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten aus­ge­gan­gen ist und kei­ne we­sent­li­chen Tat­umstände außer Acht ge­las­sen hat (BGH 24. April 1986 - I ZR 56/84 - zu B II 1 b der Gründe, GRUR 1987, 45).


4. Nach die­sen Grundsätzen be­steht bei den Klägern zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) hin­sicht­lich der in den Anträgen zu 1. a) und 5. a) be­zeich­ne­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men we­gen in der Ver­gan­gen­heit be­reits durch­geführ­ten Streiks die Ge­fahr, dass die Be­klag­te zu der­ar­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen er­neut auf­ru­fen wird. Für die in den Anträgen zu 1. d) und 5. e) be­schrie­be­nen Streiks be­steht ei­ne der­ar­ti­ge Ge­fahr da­ge­gen nicht.


a) In Be­zug auf den An­trag zu 1. a) der Kläge­rin zu 1) ist von ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr aus­zu­ge­hen. De­ren Beschäftig­te wur­den im Ok­to­ber 2008



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und im Mai 2009 von der Be­klag­ten zu ei­nem be­fris­te­ten Warn­streik auf­ge­ru­fen. Dies be­gründet die Ver­mu­tung, dass es zukünf­tig zu wei­te­ren Streik­auf­ru­fen kom­men kann, da die Be­klag­te nicht erklärt hat, künf­tig kei­ne Streiks mehr durchführen zu wol­len. Von der Ver­mu­tung er­fasst wer­den nicht nur be­fris­te­te Warn­streiks, son­dern auch die wei­te­ren im An­trag be­zeich­ne­ten Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten. Im Hin­blick auf die Ver­let­zung des Selbst­be­stim­mungs­rechts han­delt es sich hier­bei um im Kern glei­che Ver­let­zungs­hand­lun­gen. Ent­spre­chen­des gilt für den Kläger zu 2) und die Kläge­rin zu 3). De­ren Beschäftig­te hat die Be­klag­te im Mai und Sep­tem­ber 2009 zu Warn­streiks auf­ge­ru­fen. Da die Kläger zu 1) bis 3) ihr Selbst­be­stim­mungs­recht von der ver­fass­ten Kir­che ab­lei­ten, be­gründet die bei ih­nen be­ste­hen­de Wie­der­ho­lungs­ge­fahr zu­gleich in Be­zug auf den An­trag zu 5. a) ei­ne Be­ge­hungs­ge­fahr bei den Klägern zu 5) und 6), da die­se den Klägern zu 1) bis 3) auf­grund de­ren Zu­ord­nung zur Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len die­se Rechts­po­si­ti­on ab­ge­stuft ver­mit­teln.

b) Bezüglich der Anträge zu 1. d) und 5. e) be­steht da­ge­gen kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr. Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten, die sich nur an sol­che Ar­beit­neh­mer rich­ten, die ar­beits­ver­trag­lich die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der im An­trag ge­nann­ten Re­ge­lun­gen des Drit­ten Wegs ver­ein­bart ha­ben, hat es in der Ver­gan­gen­heit nicht ge­ge­ben. Hier­bei han­delt es sich auch nicht um Streik­auf­ru­fe, die mit den be­reits er­folg­ten im Kern gleich­ar­tig sind. Während sich die­se - wie üblich - auf al­le Beschäftig­ten der Kläger zu 1) bis 3) be­zo­gen ha­ben, würde ein den Anträgen zu 1. d) und 5. e) ent­spre­chen­der Auf­ruf ei­ne Per­so­nen­grup­pe er­fas­sen, de­ren Größe die Be­klag­te im Vor­aus nicht ein­mal annähernd be­stim­men kann, weil sie die ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Beschäftig­ten nicht kennt und auch nicht rechts­si­cher in Er­fah­rung brin­gen kann. Der in die­sem An­trag for­mu­lier­te Streik­auf­ruf weicht des­halb von den ty­pi­schen Auf­ru­fen zu Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ganz er­heb­lich ab und ist letzt­lich wirk­lich­keits­fremd. Für das Be­ste­hen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr ha­ben die Kläger nichts vor­ge­tra­gen.
 


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5. Für den Kläger zu 4) hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­ne Wie­der­ho­lungs- und Erst­be­ge­hungs­ge­fahr in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se ver­neint.


a) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat zur Be­gründung aus­geführt, es ha­be bis­lang beim Kläger zu 4) noch kei­ne Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ge­ge­ben. Ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­ste­he des­halb nicht. Auch ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr sei nicht fest­stell­bar. Die­se set­ze ei­nen ak­tu­ell dro­hen­den Ein­griff vor­aus, was sich aus be­reits be­gon­ne­nen Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen er­ge­ben könne. Die Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen könne je­doch nicht als Vor­be­rei­tungs­hand­lung zu Streik­maßnah­men ver­stan­den wer­den. Zwar könne sich ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr im Ein­zel­fall auch schon dar­aus er­ge­ben, dass der Geg­ner sich ei­ner dies­bezügli­chen Be­rech­ti­gung berühme. Vor­aus­set­zung für ei­ne aus der bloßen Berühmung fol­gen­de Be­ge­hungs­ge­fahr sei je­doch, dass der ab­zu­weh­ren­de An­griff al­lein vom Wil­len des Geg­ners abhänge. An­dern­falls feh­le es trotz des Berühmens an ei­ner ak­tu­el­len Be­ge­hungs­ge­fahr. Die­se Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 7. Au­gust 2009 nicht ent­neh­men können. Dies ent­hal­te ei­ne Auf­for­de­rung zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen ver­bun­den mit der ganz all­ge­mein ge­hal­te­nen An­dro­hung von Ar­beits­kampf­maßnah­men. Auch wenn es für die Durchführung von Warn­streiks kei­ner Ur­ab­stim­mung bedürfe und im Übri­gen die Rechtmäßig­keit von Streiks im Verhält­nis zum Geg­ner nicht von der Ein­hal­tung sat­zungsmäßiger Re­ge­lun­gen der Ge­werk­schaft abhänge, bedürfe es doch vor Durchführung ei­nes Streiks zu­min­dest der Klärung, ob tatsächlich in der Be­leg­schaft ei­ne aus­rei­chen­de Zahl von Per­so­nen vor­han­den ist, wel­che zu of­fen be­kun­de­tem Pro­test be­reit sei­en und Kamp­fes­wil­len be­ken­nen woll­ten. An­ders als bei über­wie­gend ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Be­trie­ben könne dies bei Ein­rich­tun­gen in kirch­li­cher Träger­schaft nicht als selbst­verständ­lich an­ge­se­hen wer­den. Dem­ent­spre­chend fol­ge aus der Ver­knüpfung zwi­schen der Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen und der all­ge­mei­nen An­dro­hung von Maßnah­men ei­nes Ar­beits­kamp­fes noch kei­ne ak­tu­el­le Be­ge­hungs­ge­fahr. An­de­res käme in Be­tracht, wenn die Ge­werk­schaft nach Zurück­wei­sung der

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Ver­hand­lungs­auf­for­de­rung „nun­mehr“ mit Kampf­maßnah­men dro­he und ih­re in der Ein­rich­tung täti­gen Mit­glie­der zur Teil­nah­me auf­for­de­re.


b) Die hier­ge­gen von der Re­vi­si­on er­ho­be­nen Rügen sind un­be­gründet. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist in sei­nen Obersätzen von rich­ti­gen recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten aus­ge­gan­gen und hat kei­ne we­sent­li­chen Tat­umstände außer Acht ge­las­sen. So­weit der Kläger zu 4) un­ter Be­zug auf die Se­nats­recht­spre­chung ver­sucht, ei­nen Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf­zu­zei­gen, über­sieht er, dass es in den von ihm hier­bei an­geführ­ten Fällen in der Ver­gan­gen­heit ent­we­der ei­nen kon­kre­ten Streik­auf­ruf ge­ge­ben hat oder so­gar Streik­ak­tio­nen statt­ge­fun­den ha­ben. Dies war je­doch beim Kläger zu 4) nach den in­so­weit nicht an­ge­grif­fe­nen und da­mit nach § 559 Abs. 1 ZPO bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts ge­ra­de nicht der Fall. So­weit die Re­vi­si­on ausführt, bei le­bens­na­her Be­trach­tung des Schrei­bens vom 7. Au­gust 2009 ha­be ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber da­von aus­ge­hen können, dass nach frucht­lo­sem Ab­lauf des Ul­ti­ma­tums Streik­maßnah­men fol­gen, setzt sie le­dig­lich ih­re Auf­fas­sung an die Stel­le der Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts. Dies genügt nicht, weil nicht auf­ge­zeigt wird, aus wel­chen kon­kre­ten Gründen die vom Be­ru­fungs­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Sach­ver­haltswürdi­gung feh­ler­haft sein soll. Die Rüge der Re­vi­si­on, die Be­gründung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, auf­grund des nied­ri­gen Or­ga­ni­sa­ti­ons­grads beim Kläger zu 4) sei auch die Streik­be­reit­schaft ge­ring, sei nicht nach­voll­zieh­bar und bloße Spe­ku­la­ti­on, viel na­he-lie­gen­der sei viel­mehr die An­nah­me, die Be­klag­te ha­be ge­ra­de den Kläger zu 4) zum Op­fer von Streik­maßnah­men aus­er­ko­ren, weil dort sämt­li­che Mit­glie­der der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung zu­gleich Mit­glie­der der Be­klag­ten sei­en, genügt nicht zur Be­gründung ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr. Auch wenn man die­se An­nah­me als zu­tref­fend un­ter­stellt, er­gibt sich dar­aus noch kein hin­rei­chend kon­kre­ter An­halts­punkt für ei­nen un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den, greif­bar na­hen Streik. Die bloße Mit­glied­schaft der Mit­glie­der ei­ner Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung bei der Be­klag­ten ist auch in der Zu­sam­men­schau mit dem Schrei­ben vom 7. Au­gust 2009 nicht ge­eig­net, ei­nen sol­chen zu be­gründen.
 


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6. Da es in Be­zug auf den Kläger zu 4) an ei­ner Be­ge­hungs­ge­fahr fehlt, kann er sie auch nicht den Klägern zu 8) und 9) (Dia­ko­ni­sches Werk der Ev.-luth. Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. und Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers) ver­mit­teln. In Be­zug auf die­se ist auch aus an­de­ren Gründen nicht von ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr aus­zu­ge­hen.

a) Nach dem Vor­trag bei­der Par­tei­en hat es im Be­reich der B Ju­gend­hil­fe gGmbH, Han­no­ver, im Mai und Sep­tem­ber 2009 Streiks ge­ge­ben. Hier­auf ha­ben sich die Kläger auch aus­drück­lich be­ru­fen. Die­se Streiks sind zwar an sich ge­eig­net, die tatsächli­che Ver­mu­tung ei­ner er­neu­ten Be­ein­träch­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts zu be­gründen. Die Kläger ha­ben je­doch nicht dar­ge­legt, dass es sich bei die­ser Ge­sell­schaft um ei­ne der Kir­che zu­ge­ord­ne­te Ein­rich­tung han­delt, die nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck und ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen ist, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men oder zu erfüllen. Hier­zu fehlt jeg­li­cher Vor­trag. Die bloße Mit­glied­schaft der B Ju­gend­hil­fe gGmbH beim Kläger zu 8) genügt hierfür nicht. Die Kläger hätten viel­mehr auf­zei­gen müssen, dass der Kir­che ein hin­rei­chen­der in­sti­tu­tio­nel­ler und per­so­nel­ler Ein­fluss auf die B Ju­gend­hil­fe gGmbH ermöglicht ist. Dies ist in­des nicht er­folgt.


b) Ein Hin­weis an die Kläger nach § 139 Abs. 2 ZPO war nicht ge­bo­ten. Die­sen ist nach dem ge­sam­ten Ak­ten­in­halt be­kannt, dass nach der ein­schlägi­gen Rech­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­ar­beits­ge­richts die bloße Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk kei­ne hin­rei­chen­de Be­din­gung für die Zu­ord­nung ei­ner Ein­rich­tung zur Kir­che dar­stellt. Des Wei­te­ren be­stand für die Kläger zu 4), 8) und 9) auf­grund der im zwei­ten Rechts­zug ge­wech­sel­ten Schriftsätze hin­rei­chen­de Ver­an­las­sung, hier­zu wei­te­ren Vor­trag zu hal­ten. Es lag da­mit an ih­nen, den Vor­trag zu ver­vollständi­gen.


III. Die von den Klägern zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) zu be­sor­gen­den wei­te­ren Auf­ru­fe der Be­klag­ten zu Ar­beits­kampf­maßnah­men im Sin­ne der als Glo­balanträge ge­stell­ten Un­ter­las­sungs­anträge zu 1. a) und 5. a) führen nicht aus­nahms­los zu ei­ner rechts­wid­ri­gen Be­ein­träch­ti­gung des kirch­li­chen Selbst-be­stim­mungs­rechts. Zwar ist die Ent­schei­dung der be­trof­fe­nen Kir­chen, ih­re

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kol­lek­ti­ve Ar­beits­rechts­ord­nung nicht mit Ge­werk­schaf­ten durch er­streik­ba­re Ta­rif­verträge zu ge­stal­ten, son­dern pa­ritätisch be­setz­ten, am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­ge­rich­te­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Schieds­kom­mis­sio­nen zu über­las­sen (sog. Drit­ter Weg), von ih­rem Selbst­be­stim­mungs­recht um­fasst. Doch führt ein Ar­beits­kampf in ih­ren dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen zur Durch­set­zung von Ta­rif­for­de­run­gen nur dann zu ei­ner rechts­wid­ri­gen Be­ein­träch­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, wenn in den je­wei­li­gen Ein­rich­tun­gen die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen ver­bind­lich sind und Ge­werk­schaf­ten in die­ses Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ver­fah­ren or­ga­ni­sa­to­risch ein­ge­bun­den wer­den.

1. Der Schutz­be­reich des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts er­fasst die in­di­vi­du­al­recht­li­che wie kol­lek­tiv­recht­li­che Aus­ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen der in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer.

a) Nach Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV ord­net und ver­wal­tet je­de Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken der für al­le gel­ten­den Ge­set­ze. Hier­zu gehören al­le Maßnah­men, die in Ver­fol­gung der vom kirch­li­chen Grund­auf­trag her be­stimm­ten Auf­ga­ben zu tref­fen sind, wie zB Vor­ga­ben struk­tu­rel­ler Art, aber auch die Per­so­nal­aus­wahl und die mit die­sen Ent­schei­dun­gen un­trenn­bar ver­bun­de­ne Vor­sor­ge zur Si­cher­stel­lung der „re­li­giösen Di­men­si­on“ des Wir­kens im Sin­ne kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses. Dies schließt die recht­li­che Vor­sor­ge für die Wahr­neh­mung kirch­li­cher Diens­te durch den Ab­schluss pri­vat­recht­li­cher Ar­beits­verträge ein (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 b bis c der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt de­ren Zu­gehörig­keit zu den „ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten“ der Kir­che nicht auf. Sie darf des­halb die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ei­gen­art des kirch­li­chen Diens­tes, das kirch­li­che Pro­pri­um, nicht in Fra­ge stel­len. Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­be­stim­mungs­rechts bleibt da­her für die Ge­stal­tung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se we­sent­lich (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 d der Gründe, aaO).
 


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b) Er­streckt sich der Schutz­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts auf die Ent­schei­dung, die Ar­beits­verhält­nis­se kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer ein­heit­lich aus­zu­ge­stal­ten, al­so das „Ob“, kann die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft auch das „Wie“ der Aus­ge­stal­tung be­stim­men. Da­zu gehört die Ent­schei­dung über die Art und Wei­se der kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung, al­so der Ge­stal­tungs­mit­tel. Da­nach kann ei­ne Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft grundsätz­lich darüber be­fin­den, ob sie die Ar­beits­be­din­gun­gen durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen re­gelt oder in Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Schieds­kom­mis­sio­nen ver­ein­bart (von Cam­pen­hau­sen/de Wall Staats­kir­chen­recht 4. Aufl. S. 184; Käst­ner in Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 Rn. 326; Ko­rioth in Maunz/Dürig Komm. z. GG Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 GG/Art. 137 WRV Rn. 42; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 27 ff.; Schu­bert RdA 2011, 270, 274).


2. Ent­schei­det sich ei­ne christ­li­che Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft da­zu, das Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten, wird auch die­se Ent­schei­dung vom Selbst­be­stim­mungs­recht um­fasst. Das gilt un­abhängig da­von, ob die­ser Be­griff in sei­nem theo­lo­gi­schen Ur­sprung völlig geklärt oder im Be­reich der Evan­ge­li­schen Kir­che völlig ein­heit­lich ist oder nicht (vgl. da­zu Ju­ri­na Zev­KR 1984, 171 ff.; Hei­nig Zev­KR 2009, 62 f., 72; Jous­sen RdA 2007, 328, 331; Lührs Die Zu­kunft der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen S. 115 ff.; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 34 ff.).


a) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gehört zu den ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten der Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, dass die­se der Ge­stal­tung des kirch­li­chen Diens­tes auch dann, wenn sie ihn auf der Grund­la­ge von Ar­beits­verträgen re­geln, das Leit­bild ei­ner christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft ih­rer Mit­ar­bei­ter zu­grun­de le­gen können (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 d der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die Dienst­ge­mein­schaft wur­zelt nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­che ei­ner­seits im Pries­ter­tum al­ler Gläubi­gen, in dem mit der Tau­fe ein­her­ge­hen­den Auf­trag, Gott in geis­ti­ger Ein­kehr und Zu­wen­dung an die Welt zu die­nen, an­de­rer­seits knüpft sie funk­tio­nal an den Mis­si­ons­auf­trag der Kir­che an (Hei­nig Zev­KR 2009,
 


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62, 73; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 35). Sie ver­bin­det al­le am kirch­li­chen Auf­trag Teil­neh­men­den un­abhängig da­von, auf wel­cher ver­trag­li­chen Grund­la­ge und in wel­cher Ein­rich­tung sie tätig sind (Jous­sen RdA 2007, 328, 333). Mit Dienst­ge­mein­schaft wird da­mit das theo­lo­gisch ge­prägte Selbst­verständ­nis des Diens­tes der Gläubi­gen in der Kir­che und durch die Kir­che an der Welt um­schrie­ben, nach dem je­de Ar­beits­leis­tung ein Stück kirch­li­chen Auf­trags in der Welt ver­wirk­licht. Aus­fluss des­sen ist ei­ne ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung der je­wei­li­gen Dienst­ge­ber und der Dienst­neh­mer für das ge­deih­li­che Wir­ken der Kir­che und ih­rer Dia­ko­nie (vgl. KGH-EKD 9. Ok­to­ber 2006 - II-0124/M35-06 - Rn. 58, NZA 2007, 761).


b) Da­nach ver­langt das Be­ste­hen ei­ner Dienst­ge­mein­schaft kei­ne kon­fes­sio­nel­le Ge­bun­den­heit al­ler Beschäftig­ten zu ei­ner christ­li­chen - hier zur evan­ge­li­schen - Kir­che. Es ist viel­mehr Aus­druck des kirch­li­chen Diens­tes selbst, der durch den Auf­trag be­stimmt wird, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu verkünden. Hier­an wir­ken al­le Beschäftig­ten durch ih­re Tätig­keit und dem­nach un­ge­ach­tet ih­res in­di­vi­du­el­len Glau­bens oder ih­rer welt­an­schau­li­chen Über­zeu­gun­gen mit (vgl. Ham­mer Kirch­li­ches Ar­beits­recht S. 175; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 4 Rn. 24). Die Dienst­ge­mein­schaft hängt des­halb nicht da­von ab, ob oder in wel­chem Um­fang nicht evan­ge­li­sche Chris­ten oder Nicht­chris­ten in ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung beschäftigt sind. Eben­so we­nig kommt es dar­auf an, ob die je­wei­li­gen Ar­beits­verhält­nis­se verkündi­gungs­na­he oder verkündi­gungs­fer­ne Tätig­kei­ten be­tref­fen. Auch in­so­weit ent­schei­det die Kir­che darüber, was Teil ih­res Be­kennt­nis­ses ist, ob ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rung ih­rem Be­kennt­nis ent­spricht und sich auf die Dienst­ge­mein­schaft aus­wirkt (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138).


c) Die Aus­rich­tung des kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ver­fah­rens am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft be­zweckt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht die Si­che­rung ei­ner sog. haus­haltsmäßigen Be­weg­lich­keit, al­so die Förde­rung wirt­schaft­li­cher Be­lan­ge (da­zu BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 4 a der Gründe, BVerfGE 70, 138). Es ist
 


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sei­ner Zweck­set­zung nach auf das Ge­gen­teil ge­rich­tet, nämlich ei­ner al­lein an wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen der Dienst­ge­ber­sei­te ori­en­tier­ten Fest­set­zung der Ar­beits­be­din­gun­gen und der ein­sei­ti­gen Ent­gelt­fin­dung ent­ge­gen­zu­wir­ken.

3. Das Selbst­be­stim­mungs­recht er­fasst auch die Er­stre­ckung des Drit­ten Wegs auf die Ar­beit­neh­mer dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen. Zu den ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten iSd. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV gehört nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis das dia­ko­ni­sche Wir­ken als Aus­druck des christ­li­chen Be­kennt­nis­ses (vgl. BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - [Kran­ken­hausG-NRW] zu C I 3 der Gründe, BVerfGE 53, 366). Da­bei kommt es nicht dar­auf an, in wel­cher Wei­se ei­ne Ein­rich­tung ih­ren dia­ko­ni­schen Auf­trag wahr­nimmt. Er­fasst sind viel­mehr al­le der Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 a der Gründe mwN, BVerfGE 70, 138). Oh­ne Be­deu­tung ist des­halb, ob sich der Be­trieb ei­ner dia­ko­ni­schen Ein­rich­tung sub­stan­zi­ell von dem nicht­kirch­li­cher Träger un­ter­schei­det. Die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft hat grundsätz­lich die Kom­pe­tenz zur Qua­li­fi­zie­rung ei­ner An­ge­le­gen­heit als ei­ge­ne (Hes­se in HdbSt­Kir­chR 2. Aufl. Bd. 1 S. 521, 541 f.; Käst­ner in Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 Rn. 304). Sie ent­schei­det darüber, wie sie ihr Glau­bens­be­kennt­nis lebt. Da sie ihr Wir­ken in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen als täti­ge Nächs­ten­lie­be und so­zia­len Dienst am Men­schen be­greift, ist dies zu­gleich Aus­druck ih­res Glau­bens­be­kennt­nis­ses (Schu­bert RdA 2011, 270, 273). Dies gilt auch dann, wenn die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft beim Be­trieb dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen im Wett­be­werb mit nicht­kirch­li­chen Trägern steht.


Der Ein­wand der Be­klag­ten, die Kir­che be­die­ne sich wie die Pri­vat­wirt­schaft der In­stru­men­te der Aus­glie­de­rung und der Leih­ar­beit durch ei­ge­ne Per­so­nal­ser­vice­ge­sell­schaf­ten, be­trifft nicht den Um­fang des Schutz­be­reichs, son­dern ist bei der Prüfung zu berück­sich­ti­gen, ob sol­che Ein­rich­tun­gen Träger des Selbst­be­stim­mungs­rechts sein können, al­so ih­rer Zweck­set­zung nach der
 


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Glau­bens­ver­wirk­li­chung die­nen. Nach der Recht­spre­chung des Kir­chen­ge­richts­hofs der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land steht sub­sti­tu­ie­ren­de Leih­ar­beit dem We­sen der Dienst­ge­mein­schaft ent­ge­gen (KGH-EKD 9. Ok­to­ber 2006 - II-0124/M35-06 - Rn. 58, NZA 2007, 761). Ist Ge­gen­stand ei­ner Ein­rich­tung das Ver­lei­hen von Ar­beit­neh­mern für dia­ko­ni­sche Ein­rich­tun­gen (Ser­vice­ge­sell­schaf­ten) oder set­zen Ein­rich­tun­gen Leih­ar­beit­neh­mer dau­er­haft ein, kann die­se Form der Per­so­nal­ge­stel­lung oder des Per­so­nal­ein­sat­zes Aus­wir­kun­gen auf das Be­ste­hen ei­ner Dienst­ge­mein­schaft ha­ben oder die Ein­ord­nung als dia­ko­ni­sche Ein­rich­tung in Fra­ge stel­len. Auf die In­halts­be­stim­mung der grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung des Selbst­be­stim­mungs­rechts hat das je­doch kei­nen Ein­fluss.

4. Die Aus­rich­tung der kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­ord­nung am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den.


a) Die Be­haup­tung ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft, ei­ne An­ge­le­gen­heit sei ih­re ei­ge­ne, un­ter­liegt ei­ner ein­ge­schränk­ten ge­richt­li­chen Plau­si­bi­litätskon­trol­le. Genügen die ein­zel­nen Vor­ga­ben ei­ner der­ar­ti­gen Kon­trol­le, sind staat­li­che Ge­rich­te hier­an ge­bun­den, es sei denn, sie begäben sich da­durch in Wi­der­spruch zu Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung, wie sie im all­ge­mei­nen Willkürver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG), so­wie den gu­ten Sit­ten iSd. § 138 BGB oder dem sog. ord­re pu­blic ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138).


b) Da­nach be­trifft die Ent­schei­dung der Kir­che, ih­re kol­lek­ti­ve Ar­beits­rechts­ord­nung auf dem Drit­ten Weg zu re­geln, ei­ne ei­ge­ne An­ge­le­gen­heit iSd. Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV. Es ist nach­voll­zieh­bar, dass es nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis Auf­trag des kirch­li­chen Diens­tes ist, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu verkünden, hier­bei Dienst­ge­ber und Dienst­neh­mer ei­ne Dienst­ge­mein­schaft bil­den und dar­in ver­su­chen, die nicht zu leug­nen­den In­ter­es­sen­kon­flik­te ko­ope­ra­tiv und nicht kon­fron­ta­tiv zu lösen. Das Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft und sei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­ord­nung ste­hen auch
 


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nicht im Wi­der­spruch zu sons­ti­gen Prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten sind grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen und da­mit auch Art. 9 Abs. 3 GG nicht oh­ne Wei­te­res Teil des ord­re pu­blic (so aber Kühling AuR 2001, 241, 243 f.). Ein sol­ches Verständ­nis führ­te zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Grund­rechts­bin­dung der Kir­chen. Die­se könn­ten ihr Selbst­be­stim­mungs­recht nur in­so­weit in An­spruch neh­men, wie an­de­re grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen hier­von nicht be­ein­träch­tigt wer­den. Ei­ne der­ar­ti­ge Grund­rechts­bin­dung käme ei­ner von Art. 1 Abs. 3 GG für die staat­li­che Ge­walt an­ge­ord­ne­ten Grund­rechts­bin­dung weit­ge­hend gleich und gin­ge darüber hin­aus, als sie be­reits den Schutz­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts be­grenz­te. Kon­flik­te des Selbst­be­stim­mungs­rechts mit an­de­ren grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen be­tref­fen je­doch nicht den Schutz­be­reich, son­dern des­sen Be­schränk­bar­keit (da­zu BVerfG 19. De­zem­ber 2000 - 2 BvR 1500/97 - [Zeu­gen Je­ho­vas] zu C V 1 b der Gründe, BVerfGE 102, 370).

5. Die Ent­schei­dung der be­tei­lig­ten Kir­chen, das Ver­fah­ren ih­rer kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung am be­kennt­nismäßigen Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten und nach den Grundsätzen ei­ner part­ner­schaft­li­chen Lösung von In­ter­es­sen­ge­gensätzen aus­zu­ge­stal­ten, schließt den Ar­beits­kampf zur Ge­stal­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen durch Ta­rif­ver­trag aus.


a) Nach der am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ori­en­tier­ten Ver­fah­rens­kon­zep­ti­on des Drit­ten Wegs ob­liegt es Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen, Re­ge­lun­gen zu schaf­fen, die den Ab­schluss, den In­halt und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen be­tref­fen. Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­sio­nen sind pa­ritätisch mit Ver­tre­tern der Dienst­neh­mer- und der Dienst­ge­ber­sei­te be­setzt und können von bei­den Sei­ten an­ge­ru­fen wer­den. Kommt es zu kei­ner Ei­ni­gung, kann je­de Sei­te ei­ne eben­falls pa­ritätisch be­setz­te Schieds­stel­le (Sch­lich­tungs­kom­mis­si­on) mit der strei­ti­gen An­ge­le­gen­heit be­fas­sen. Die­ser sitzt ein neu­tra­ler Drit­ter vor. Die in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Sch­lich­tungs­kom­mis­sio­nen ge­fun­de­nen Re­ge­lun­gen wir­ken zwar nicht nor­ma­tiv (st. Rspr., vgl. BAG 24. Fe­bru­ar 2011 - 6 AZR 634/09 - Rn. 21 mwN, AP BGB § 611 Kir­chen­dienst Nr. 57 = EzA BGB 2002 § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 18),
 


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doch hat der Dienst­ge­ber sie kraft kir­chen­recht­li­cher oder sat­zungs­recht­li­cher Ver­pflich­tung an­zu­wen­den, in­dem er sie durch ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me zur Gel­tung bringt.

b) Ent­spre­chend dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft sol­len da­mit die In­ter­es­sen­kon­flik­te zwi­schen Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern nicht im We­ge wech­sel­sei­ti­ger Kon­fron­ta­ti­on, son­dern durch Ko­ope­ra­ti­on un­ter Wah­rung des Ge­bots der Pa­rität ver­bind­lich zum Aus­gleich ge­bracht wer­den (Jous­sen RdA 2007, 328, 333). Die­se Kon­zep­ti­on be­ruht auf der Über­zeu­gung, dass nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen je­de Ar­beits­leis­tung ein Stück kirch­li­chen Auf­trags in der Welt ver­wirk­licht und in ei­ner dar­auf ge­rich­te­ten Dienst­ge­mein­schaft In­ter­es­sen­ge­gensätze durch Ver­hand­lun­gen und wech­sel­sei­ti­ges Nach­ge­ben ggf. mit Hil­fe ei­nes neu­tra­len Drit­ten über­wun­den wer­den.

c) Ein sol­ches Ver­fah­ren kol­lek­ti­ver Ar­beits­rechts­set­zung schließt den Ar­beits­kampf zur Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen durch ei­nen Ta­rif­ver­trag aus. Die­ser ist dar­auf ge­rich­tet, durch das Vor­ent­hal­ten von Ar­beits­kraft und ei­nen hier­durch aus­gelösten wirt­schaft­li­chen Scha­den Druck auf die Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­zuüben, da­mit die­se über die Ar­beits­be­din­gun­gen über­haupt ver­han­delt und so­mit je­nes Kräfte­gleich­wicht ge­schaf­fen wird, das ein Zu­stan­de­kom­men ei­ner Re­ge­lung und die sach­ge­rech­te Lösung des zu­grun­de lie­gen­den In­ter­es­sen­kon­flikts erst ermöglicht. Die­se Kampfmöglich­keit wi­der­spricht je­doch dem Grund­ge­dan­ken der Dienst­ge­mein­schaft. Die da­mit ver­bun­de­ne Ar­beits­nie­der­le­gung würde nicht nur den kirch­li­chen Dienst am Nächs­ten sus­pen­die­ren und da­mit die Erfüllung des Mis­si­ons­auf­trags hin­dern, son­dern aus Sicht der Kir­chen auch ei­ne be­ste­hen­de Ge­mein­sam­keit von Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern auflösen (Jous­sen RdA 2007, 328, 333).


6. Ein Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen kol­li­diert mit der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit ei­ner Ge­werk­schaft, mit dem Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der kol­lek­tiv im We­ge von Ta­rif­verträgen aus­zu­han­deln und hierfür Ar­beitskämp­fe zu führen.
 


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a) Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­tet nicht nur die Bil­dung und den Be­stand ei­ner Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on, son­dern auch de­ren ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung. Der Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts ist da­bei nicht von vorn­her­ein auf ei­nen Kern­be­reich ko­ali­ti­onsmäßiger Betäti­gun­gen be­schränkt, die für die Si­che­rung des Be­stands der Ko­ali­tio­nen un­erläss­lich sind, er er­streckt sich viel­mehr auf al­le ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen (BVerfG 6. Fe­bru­ar 2007 - 1 BvR 978/05 - Rn. 21 ff., BVerfGK 10, 250). Da­zu gehört auch die Ta­rif­au­to­no­mie als das Recht, Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­zu­han­deln und durch Verträge ver­bind­lich für die Mit­glie­der zu re­geln. Die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen in Kol­lek­tiv­verträgen dient der Ver­wirk­li­chung der In­ter­es­sen der struk­tu­rell un­ter­le­ge­nen Ar­beit­neh­mer. Ei­ne wir­kungs­vol­le In­ter­es­sen­durch­set­zung ist den Ge­werk­schaf­ten nur möglich, wenn sie ih­ren For­de­run­gen durch Streiks Nach­druck ver­lei­hen können. Der Ar­beits­kampf ist des­halb funk­tio­nal auf die Ta­rif­au­to­no­mie be­zo­gen und in­so­weit grund­recht­lich geschützt (vgl. BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - zu C I 1 a der Gründe, BVerfGE 84, 212; 10. Sep­tem­ber 2004 - 1 BvR 1191/03 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGK 4, 60). Ein Grund­recht auf Streik, los­gelöst von sei­ner funk­tio­na­len Be­zug­nah­me auf die Ta­rif­au­to­no­mie, gewähr­leis­tet Art. 9 Abs. 3 GG nicht.

b) In den Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG ist grundsätz­lich auch die ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ein­be­zo­gen. Die­ses Grund­recht ent­fal­tet gemäß Art. 9 Abs. 3 Satz 2 GG un­mit­tel­ba­re Dritt­wir­kung ge­genüber pri­vat­recht­lich als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein oder ge­meinnützi­ge GmbH oder in sons­ti­ger Wei­se or­ga­ni­sier­te kirch­li­che Ein­rich­tun­gen (Ri­char­di in HdbSt­Kir­chR 2. Aufl. Bd. 2 S. 929 f.; Schu­bert RdA 2011, 270, 272). Be­die­nen sich die­se zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen des Pri­vat­rechts, neh­men sie grundsätz­lich in Be­zug auf ih­re Beschäftig­ten ei­ne Ar­beit­ge­ber­stel­lung ein. In­so­weit gewähr­leis­tet Art. 9 Abs. 3 GG den Ge­werk­schaf­ten auch das Recht, mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te über Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der zu ver­han­deln, ver­bind­li­che Ab­re­den vor al­lem durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen zu tref­fen und ih­ren For­de­run­gen nach der Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen und der Durch­set­zung be­stimm­ter Re­ge­lun­gen mit Streik Nach­druck zu ver­lei­hen.
 


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7. Für die Auflösung die­ser Kol­li­si­ons­la­ge ist es oh­ne Be­lang, ob Art. 9 Abs. 3 GG we­gen sei­ner un­mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung den An­for­de­run­gen des Schran­ken­vor­be­halts aus Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV genügt oder nicht. Die­se im Schrift­tum kon­tro­vers dis­ku­tier­te Fra­ge be­darf kei­ner Ent­schei­dung des Se­nats (ab­leh­nend Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 9 Rn. 30 f.; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 55 f.; auch Ko­rioth in Maunz/Dürig Komm. z. GG Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 GG/Art. 137 WRV Rn. 45; zwei­felnd of­fen­bar Ri­char­di/Thüsing AuR 2002, 94, 96; dies befürwor­tend Os­wald Streik­recht im kirch­li­chen Dienst und in an­de­ren ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen S. 88; Czy­choll Anm. LA­GE GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 88; Kühling AuR 2001, 241, 247; Ga­mill­scheg FS Zeu­ner S. 39, 45; Wald­hoff GS Hein­ze S. 995, 1004). In bei­den Fällen wären die Ar­beits­ge­rich­te we­gen ih­rer durch Art. 1 Abs. 3 GG an­ge­ord­ne­ten Grund­rechts­bin­dung ge­hin­dert, bei ei­ner - wie vor­lie­gend - Aus­le­gung und An­wen­dung ei­ner zi­vil­recht­li­chen Un­ter­las­sungs­norm das völli­ge Zurück­wei­chen ei­nes Grund­rechts zu­guns­ten ei­nes an­de­ren hin­zu­neh­men. Sie sind viel­mehr ge­hal­ten, im We­ge ei­ner Güter­abwägung nach dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz ei­nen Aus­gleich der je­weils kon­fli­gie­ren­den grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen her­bei­zuführen. Die­se Pflicht entfällt nicht schon des­we­gen, weil es sich bei Art. 9 Abs. 3 GG eben­so wie bei Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG um vor­be­halt­los gewähr­leis­te­te Grund­rech­te han­delt. Das hin­dert ein Zurück­wei­chen ei­ner grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung zum Schutz ei­ner an­de­ren nicht. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts können auch vor­be­halt­los gewähr­te Grund­rech­te zum Schutz an­de­rer Grund­rech­te oder grund­recht­li­cher Gewähr­leis­tun­gen ein­ge­schränkt wer­den (vgl. BVerfG 24. No­vem­ber 2010 - 1 BvF 2/05 - Rn. 147, BVerfGE 128, 1). In die­sem Sin­ne hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt et­wa die Kol­li­si­on des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts mit der durch Art. 5 Abs. 3 GG vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Wis­sen­schafts­frei­heit un­ter Her­an­zie­hung des Grund­sat­zes der prak­ti­schen Kon­kor­danz auf­gelöst (BVerfG 28. Ok­to­ber 2008 - 1 BvR 462/06 - [Lüde­mann] Rn. 47, 65, BVerfGE 122, 89).


8. Der Grund­satz prak­ti­scher Kon­kor­danz ver­langt nach ei­nem scho­nen­den Aus­gleich der ge­genläufi­gen, glei­cher­maßen ver­fas­sungs­recht­lich ge-


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schütz­ten In­ter­es­sen mit dem Ziel ih­rer Op­ti­mie­rung (BVerfG 7. März 1990 - 1 BvR 266/86 ua. - zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 81, 278). Die durch die Rück­sicht­nah­me auf kol­li­die­ren­de Ver­fas­sungs­wer­te not­wen­dig wer­den­de Annäherung kann nicht ge­ne­rell, son­dern nur im Ein­zel­fall durch Güter­abwägung vor­ge­nom­men wer­den. Ei­ne da­mit ein­her­ge­hen­de Be­gren­zung ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter In­ter­es­sen darf da­bei nicht wei­ter ge­hen, als es not­wen­dig ist, um die Kon­kor­danz kon­fli­gie­ren­der Rechtsgüter her­zu­stel­len (Hes­se Grundzüge des Ver­fas­sungs­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 20. Aufl. Rn. 72; eben­so Stern Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Bd. III/2 S. 656). Das Zurück­wei­chen ei­ner grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung muss zum Schutz der an­de­ren ge­bo­ten sein (vgl. Ja­rass in Ja­rass/Pie­roth GG 11. Aufl. Vorb. vor Art. 1 Rn. 52). Für die er­for­der­li­che Abwägung gibt die Ver­fas­sung kein be­stimm­tes Er­geb­nis vor, ver­wehrt aber pau­scha­le Vor­ran­gent­schei­dun­gen, wie sie die Par­tei­en des Ver­fah­rens je­weils für sich in An­spruch neh­men (für die Kläger ins­be­son­de­re Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 26 ff.; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 10 Rn. 20 f.; Stern Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Bd. IV/1 S. 2091; Kem­per in v. Man­goldt/Klein/St­arck GG Bd. I 6. Aufl. Art. 9 Abs. 3 Rn. 200; Man­ter­feld KuR 2011, 86, 100; für die Be­klag­te Kühling AuR 2001, 241 ff.).


9. Die hier­nach vor­zu­neh­men­de Güter­abwägung be­trifft nicht den ge­sam­ten Be­reich der je­wei­li­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen, son­dern ist auf den Aus­gleich der kon­kre­ten Kol­li­si­ons­la­ge be­schränkt. Das Selbst­be­stim­mungs­recht ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft und die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ei­ner Ge­werk­schaft schließen sich nicht wech­sel­sei­tig völlig aus. Zur Kol­li­si­on führt viel­mehr erst die Ausübung ei­ner be­stimm­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung. Das ist hier die Ent­schei­dung für ein be­stimm­tes Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen von Beschäftig­ten, die auf der Grund­la­ge pri­vat­recht­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se in der Dia­ko­nie tätig sind und staat­li­chem Ar­beits­recht un­ter­lie­gen (Schu­bert RdA 2011, 270, 274). Während die Kir­che sich hier­zu ei­nes am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­ge­rich­te­ten ko­ope­ra­ti­ven Ver­fah­rens be­dient, in dem letzt­lich die Möglich­keit ei­ner Sch­lich­tung durch ei­nen neu­tra­len Drit­ten, al­so den Vor­sit­zen­den ei­ner Sch­lich­tungs-



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kom­mis­si­on ei­nen fai­ren In­ter­es­sen­aus­gleich ga­ran­tie­ren soll, setzt die Ge­werk­schaft auf das da­mit un­ver­ein­ba­re Re­ge­lungs­mo­dell des staat­li­chen Ta­rif­rechts, in dem erst durch Druck und Ge­gen­druck an­ge­mes­se­ne Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se er­reicht wer­den. Das Ge­bot prak­ti­scher Kon­kor­danz ver­langt da­her nur ei­nen Ver­gleich die­ser bei­den Re­ge­lungs­kon­zep­te und de­ren scho­nen­ds­te Annäherung.

Ein Ver­gleich bei­der Re­ge­lungs­mo­del­le zeigt, dass sie sich nicht im Ziel, son­dern nur in der Wahl der zu des­sen Er­rei­chung ge­bo­te­nen Mit­tel un­ter­schei­den. So­wohl das Re­ge­lungs­ver­fah­ren der Kir­che als auch das der Ko­ali­tio­nen ist dar­auf ge­rich­tet, den von der staat­li­chen Rechts­ord­nung frei ge­las­se­nen Raum des Ar­beits­le­bens sinn­voll zu ord­nen, in­dem der ty­pi­sche In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer durch kol­lek­ti­ves Han­deln zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Aus­gleich ge­bracht wird. Die­ses In­ter­es­sen­ge­gen­sat­zes wie der struk­tu­rel­len Un­ter­le­gen­heit des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers ist sich auch die Kir­che be­wusst (Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 16; Schu­bert RdA 2011, 270, 277). Sie zu über­win­den be­darf auch aus ih­rer Sicht ei­nes kol­lek­ti­ven Aus­gleichs­me­cha­nis­mus, der die schwäche­re Ver­hand­lungs­po­si­ti­on des Ar­beit­neh­mers ge­genüber der des Ar­beit­ge­bers kom­pen­siert. Die­se Grun­d­er­kennt­nis, auf der die ver­fas­sungs­recht­li­che Gewähr­leis­tung von Ko­ali­ti­ons­frei­heit mit Ta­rif­au­to­no­mie und Ar­beitskämp­fen auf­baut (vgl. BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - [Aus­sper­rung] zu C I 3 b aa der Gründe, BVerfGE 84, 212), will die Kir­che al­ler­dings mit ei­nem Re­ge­lungs­kon­zept er­fas­sen, das sich mit dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ver­ein­ba­ren lässt und da­mit ih­rem durch Art. 4 GG geschütz­ten Be­kennt­nis Rech­nung trägt. Ein sol­ches Re­ge­lungs­mo­dell ist zwar zum Schutz re­li­giöser Betäti­gungs­frei­heit von Ver­fas­sungs we­gen zu re­spek­tie­ren. Doch sind die Kir­chen in der Aus­ge­stal­tung die­ses Kon­zep­tes nicht völlig frei, son­dern müssen Rück­sicht auf die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen des Art. 9 Abs. 3 GG neh­men. Ihr Re­ge­lungs­mo­dell darf die Ko­ali­ti­ons­frei­heit und das Kon­zept der Ta­rif­au­to­no­mie nur in­so­weit ver­drängen, wie es für die Wah­rung ih­res Leit­bil­des von der Dienst­ge­mein­schaft er­for­der­lich ist und das an­ge­streb­te Ziel ei­nes fai­ren, sach­ge­rech­ten und ver­bind­li­chen In­ter­es­sen­aus­gleichs tatsächlich und in



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kohären­ter Wei­se er­reicht. Nur in­so­weit ist es mit dem so­zi­al­staat­li­chen Ge­samt­kon­zept, das Art. 9 Abs. 3 GG zu­grun­de liegt, ver­ein­bar.


a) Ein fai­rer und an­ge­mes­se­ner Aus­gleich wi­der­strei­ten­der Ar­beits­ver­trags­in­ter­es­sen im We­ge kol­lek­ti­ver Ver­hand­lun­gen ver­langt nach annähernd glei­cher Ver­hand­lungsstärke und Durch­set­zungs­kraft (vgl. BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - [Aus­sper­rung] zu C I 3 b aa der Gründe, BVerfGE 84, 212). Die­se las­sen sich we­der for­mal und si­tua­ti­ons­un­ge­bun­den fest­stel­len noch nor­ma­tiv an­ord­nen (BAG 10. Ju­ni 1980 - 1 AZR 822/79 - zu A IV 1 a der Gründe, BA­GE 33, 140). Im Sys­tem der Ko­ali­tio­nen und der Ta­rif­au­to­no­mie wer­den sie durch die An­dro­hung oder den Ein­satz von Kampf­maßnah­men ge­si­chert. Ein Re­ge­lungs­mo­dell, das den Ar­beits­kampf aus­sch­ließt, muss die­se Funk­ti­ons­be­din­gung ei­nes an­ge­mes­se­nen und sach­lich rich­ti­gen In­ter­es­sen­aus­gleichs durch ent­spre­chen­de Ver­fah­rens­ge­stal­tung gewähr­leis­ten. Da­zu muss es dar­auf an­ge­legt sein, die struk­tu­rel­le Ver­hand­lungs­schwäche der Dienst­neh­mer aus­zu­glei­chen. Pa­ritäti­sche Be­set­zungs­re­geln genügen hierfür al­lein nicht. Viel­mehr be­darf es wei­te­rer In­stru­men­te, die ge­eig­net sind, Ver­hand­lungs­blo­cka­den zu lösen und die Kom­pro­miss­be­reit­schaft der Ge­gen­sei­te zu fördern. Die­ser Er­kennt­nis ver­sch­ließt sich der Drit­te Weg grundsätz­lich nicht. Auch er ist letzt­lich dar­auf an­ge­legt, ein Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht zu schaf­fen. Kommt es in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen nicht zu ei­ner Ei­ni­gung, wer­den die ge­schei­ter­ten Ver­hand­lun­gen pa­ritätisch be­setz­ten Schieds­kom­mis­sio­nen über­tra­gen, die ein un­abhängi­ger und neu­tra­ler Drit­ter lei­tet und mit sei­ner Stim­me zu ei­nem Er­geb­nis führt. Ein sol­ches Sch­lich­tungs­ver­fah­ren kann dem Grun­de nach zur Her­stel­lung ei­nes Ver­hand­lungs­gleich­ge­wichts ge­eig­net sein, wenn die mit des­sen Ent­schei­dungs­struk­tu­ren ver­bun­de­nen Unwägbar­kei­ten so­wie die Ver­la­ge­rung der Kon­fliktlösung auf ei­ne an­de­re Ver­hand­lungs­ebe­ne schon in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen die Be­reit­schaft zum Kom­pro­miss fördert und so ein „kol­lek­ti­ves Bet­teln“ der Dienst­neh­mer­sei­te aus­sch­ließt. Das setzt aber vor­aus, dass die An­ru­fung der Schieds­kom­mis­si­on und die Über­lei­tung des Ver­fah­rens in die­ses Gre­mi­um der Dienst­neh­mer­sei­te un­ein­ge­schränkt of­fen­steht und im Fal­le ei­ner Nicht­ei­ni­gung bei­der Sei­ten die Un­abhängig­keit und Neu­tra­lität des Vor­sit­zen­den der Sch­lich-

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tungs­kom­mis­si­on nicht in Fra­ge steht und auch durch das Be­stel­lungs­ver­fah­ren gewähr­leis­tet wird.

b) Ein am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­ge­rich­te­tes kol­lek­ti­ves Re­ge­lungs­ver­fah­ren steht zu­dem ei­ner ge­werk­schaft­li­chen Un­terstützung der Dienst­neh­mer­sei­te nicht ent­ge­gen. Das Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ist nicht dar­auf ge­rich­tet, Ge­werk­schaf­ten von Ver­hand­lun­gen in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen oder Schieds­kom­mis­sio­nen fern­zu­hal­ten und sie dar­an zu hin­dern, auf­grund ei­ge­ner Ent­schei­dung ihr Sach- und Fach­wis­sen in das Ver­fah­ren zu­guns­ten der Dienst­neh­mer ein­zu­brin­gen. Ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­bin­dung von Ge­werk­schaf­ten in das Ver­fah­ren des Drit­ten Wegs zu re­geln ist zwar Auf­ga­be der Kir­che, der hier­bei ein Ge­stal­tungs­spiel­raum zur Verfügung steht. Sie darf die­sen je­doch nicht da­zu nut­zen, Ge­werk­schaf­ten durch Be­set­zungs­re­geln für Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­sio­nen und Schieds­kom­mis­sio­nen von ei­ner frei gewähl­ten Mit­wir­kung am Drit­ten Weg aus­zu­sch­ließen. Das würde die durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­te Frei­heit ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­scher Betäti­gung über Gebühr be­schnei­den. Die­se vom Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft nicht ge­bo­te­ne Be­schränkung ist von be­son­de­rem Ge­wicht, da sie sich auch ver­zer­rend auf die Ta­rif­po­li­tik der ein­zel­nen Ge­werk­schaf­ten aus­wirkt. Die At­trak­ti­vität und Wirk­kraft ei­ner Ge­werk­schaft wird er­heb­lich ein­ge­schränkt, wenn sie ge­hin­dert wird, die In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber im We­ge von Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen zu ver­fol­gen. Denn von der Zahl ih­rer Mit­glie­der hängt nicht nur die fi­nan­zi­el­le Leis­tungsfähig­keit ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on ab, son­dern auch die Wahr­neh­mung ih­rer ur­ei­gens­ten Auf­ga­be, die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu fördern. Das wiegt um­so schwe­rer, als die in Dia­ko­nie und Ca­ri­tas Beschäftig­ten mit et­wa 1,3 Mio. Ar­beit­neh­mern kei­ne Rand­grup­pe dar­stel­len.

c) Das Ver­fah­rens­kon­zept des Drit­ten Wegs ist dar­auf ge­rich­tet, das auch im kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Be­reich vor­han­de­ne Kräfte­ungleich­ge­wicht zwi­schen Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern un­ter Be­ach­tung der be­kennt­nismäßigen Be­son­der­hei­ten des kirch­li­chen oder dia­ko­ni­schen Diens­tes aus­zu­glei­chen. Die­ses Ziel kann je­doch nur er­reicht wer­den, so­weit das Er­geb­nis



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die­ser Ver­hand­lun­gen ein­sch­ließlich ei­ner dar­auf ge­rich­te­ten Sch­lich­tung für die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ver­bind­lich und ei­ner ein­sei­ti­gen Abände­rung durch den Dienst­ge­ber ent­zo­gen ist. Im Kon­zept der Ta­rif­au­to­no­mie wird die­ses Ziel durch § 4 Abs. 1 TVG er­reicht, der den Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags, die den In­halt, den Ab­schluss oder die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses be­tref­fen, zwi­schen den Ta­rif­ge­bun­de­nen un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung ver­leiht. Aus­nah­men hier­von lässt § 4 TVG nur zu, so­weit der Ta­rif­ver­trag sie ge­stat­tet oder es sich um Ände­run­gen zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers han­delt (§ 4 Abs. 3 TVG). Die­se, die Ta­rif­au­to­no­mie aus­ge­stal­ten­de und si­chern­de Re­ge­lung des staat­li­chen Rechts, steht für den Drit­ten Weg nicht zur Verfügung. Dem trägt die Kir­che dem Grun­de nach Rech­nung, in­dem die je­wei­li­gen Dienst­ge­ber durch Kir­chen- oder Sat­zungs­recht ver­pflich­tet wer­den, das Er­geb­nis der Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen des Drit­ten Wegs durch ein­zel­ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me zur Gel­tung zu brin­gen. Bei­de Re­ge­lungs­kon­zep­te er­rei­chen durch un­ter­schied­li­che Re­gu­la­ri­en, dass die von Re­präsen­tan­ten der Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­ge­han­del­ten Ver­trags­be­din­gun­gen das ein­zel­ne Ar­beits­verhält­nis ge­stal­ten. Die­ses Ziel wird al­ler­dings ver­fehlt, wenn der Dienst­ge­ber­sei­te die Möglich­keit eröff­net ist, zwi­schen meh­re­ren auf ei­nem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen wählen zu können. Ein sol­ches Wahl­recht ver­la­gert fak­tisch die Fest­le­gung von Ar­beits­be­din­gun­gen auf die je­wei­li­ge Ein­rich­tungs­ebe­ne und überlässt sie dem Dienst­ge­ber. Nicht ei­ne im Vor­aus fest­ste­hen­de Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on, in der die Re­präsen­tan­ten der Ein­rich­tung mit­wir­ken, be­stimmt über die Ar­beits­be­din­gun­gen der Dienst­neh­mer, son­dern der dor­ti­ge Dienst­ge­ber. Das ist mit den Struk­tur­prin­zi­pi­en des Drit­ten Wegs eben­so un­ver­ein­bar wie kir­chen- oder sat­zungs­recht­lich ge­re­gel­te ein­sei­ti­ge Ab­wei­chungs­be­fug­nis­se für Ein­rich­tun­gen (vgl. Jous­sen in Es­se­ner Gespräche zum The­ma Staat und Kir­che Bd. 46 [2012] S. 53, 75; Schlie­mann NZA 2011, 1189, 1193). In all die­sen Fällen wird ge­ra­de nicht dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ent­spre­chend ge­mein­sam durch Ver­tre­ter der Dienst­ge­ber- und Dienst­neh­mer­sei­te in ei­nem von der Ein­rich­tung los­gelösten Gre­mi­um über den In­halt von Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen gleich­be­rech­tigt ver­han­delt. Viel­mehr legt der Dienst­ge­ber ein­sei­tig die Ar­beits­be­din­gun­gen für sei­ne Ein­rich­tung fest
 


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(sog. Ers­ter Weg, vgl. BAG 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - zu III 2 b cc (2) der Gründe, BA­GE 101, 9). Solch ein­sei­ti­ge Be­stim­mungs­rech­te sind mit der Kon­zep­ti­on des Drit­ten Wegs un­ver­ein­bar und bedürfen zu­guns­ten re­li­giöser Betäti­gungs­frei­heit kei­nes Schut­zes. Wählt ei­ne Kir­che oder ei­ne ih­rer Ein­rich­tun­gen die­sen Weg, stellt sie sich ei­nem sons­ti­gen Ar­beit­ge­ber gleich, der sich nach der Wer­tent­schei­dung des Grund­ge­set­zes Ver­hand­lun­gen mit ei­ner Ge­werk­schaft über den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags nicht ent­zie­hen und ggf. durch ei­nen Ar­beits­kampf hier­zu ge­zwun­gen wer­den kann. Für ein Zurück­wei­chen des Rechts ei­ner Ge­werk­schaft, sich ko­ali­ti­onsmäßig zu betäti­gen und ih­ren For­de­run­gen mit Streik­maßnah­men Nach­druck zu ver­lei­hen, fehlt es in ei­nem sol­chen Fall an ei­nem schützens­wer­ten Bedürf­nis der Kir­che.


10. Die­se Güter­abwägung steht im Ein­klang mit Uni­ons- und Völker­recht.


a) Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (Grund­rech­te­char­ta, GRC) ist vor­lie­gend nicht an­wend­bar.

aa) Nach die­ser Vor­schrift ha­ben al­le Ar­beit­neh­mer so­wie die Ar­beit­ge­ber oder ih­re je­wei­li­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen nach dem Uni­ons­recht und den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten das Recht, Ta­rif­verträge auf den ge­eig­ne­ten Ebe­nen aus­zu­han­deln und zu schließen so­wie bei In­ter­es­sen­kon­flik­ten kol­lek­ti­ve Maßnah­men zur Ver­tei­di­gung ih­rer In­ter­es­sen, ein­sch­ließlich Streiks, zu er­grei­fen (da­zu Bry­de SR 2012, 2, 9 ff.; Thüsing/Traut RdA 2012, 65). Al­ler­dings ist der Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts nicht eröff­net. Die Eu­ropäische Uni­on hat gemäß Art. 153 Abs. 5 AEUV kei­ne Kom­pe­tenz zur Re­ge­lung des Ko­ali­ti­ons­rechts, Streik­rechts so­wie des Aus­sper­rungs­rechts. Gemäß Art. 51 Abs. 2 GRC dehnt die Grund­rech­te­char­ta den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts auch nicht über die Zuständig­kei­ten der Uni­on hin­aus aus und be­gründet we­der neue Zuständig­kei­ten noch neue Auf­ga­ben für die Uni­on und ändert auch nicht die in den Verträgen fest­ge­leg­ten Zuständig­kei­ten und Auf­ga­ben. Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on über­prüft le­dig­lich im Licht der Grund­rech­te­char­ta das Uni­ons­recht in den Gren­zen der der Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten (EuGH 15. No­vem­ber 2011 - C-256/11 - [De­re­ci] Rn. 71, NVwZ 2012, 97).
 


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bb) Ei­ne An­wen­dungs­pflicht für Uni­ons­recht wird auch nicht durch Art. 6 Abs. 3 EUV eröff­net. Zwar sind nach Art. 6 Abs. 3 EUV die Grund­rech­te der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und die dar­in ge­re­gel­te Re­li­gi­ons-und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit als all­ge­mei­ne Grundsätze Teil des Uni­ons­rechts. Doch re­gelt die­se Vor­schrift nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on nicht das Verhält­nis zwi­schen der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und den Rechts­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten und be­stimmt auch nicht, wel­che Kon­se­quen­zen ein na­tio­na­les Ge­richt aus ei­nem Wi­der­spruch zwi­schen den durch die Kon­ven­ti­on gewähr­leis­te­ten Rech­ten und ei­ner Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts zu zie­hen hat. Die in Art. 6 Abs. 3 EUV ent­hal­te­ne Ver­wei­sung auf die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ge­bie­tet ei­nem na­tio­na­len Ge­richt nicht, im Fal­le ei­nes Wi­der­spruchs zwi­schen ei­ner Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts und der Kon­ven­ti­on de­ren Be­stim­mun­gen un­mit­tel­bar an­zu­wen­den und ei­ne mit ihr un­ver­ein­ba­re na­tio­na­le Re­ge­lung un­an­ge­wen­det zu las­sen (EuGH 24. April 2012 - C-571/10 - [Kam­be­r­aj] Rn. 62 f., NVwZ 2012, 950).

cc) Zur An­wend­bar­keit der GRC und des EUV ist kein Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren nach Art. 267 Abs. 3 AEUV durch­zuführen. Auf­grund der Ent­schei­dung des EuGH vom 16. Ja­nu­ar 2008 (- C-361/07 - [Po­lier] Slg. 2008, I-6) ist hin­rei­chend geklärt, dass ein na­tio­na­ler Sach­ver­halt oh­ne An­knüpfungs­punkt an das Uni­ons­recht den Gel­tungs­be­reich der GRC nicht eröff­net. Glei­ches gilt für die aus Art. 6 EUV fol­gen­den An­wen­dungs­pflich­ten na­tio­na­ler Ge­rich­te (vgl. EuGH 24. April 2012 - C-571/10 - [Kam­be­r­aj] Rn. 62 f., NVwZ 2012, 950).


b) Die ge­bo­te­ne völker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes for­dert eben­falls kein an­de­res Er­geb­nis.

aa) Die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ih­re Zu­satz­pro­to­kol­le sind eben­so wie die Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grundsätze des Grund­ge­set­zes als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­zu­zie­hen. Dies ver­langt al­ler­dings kei­ne sche­ma­ti­sche Gleich­set­zung der Aus­sa­gen des Grund­ge­set­zes


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mit de­nen der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, son­dern ein Auf­neh­men der Wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on, so­weit dies me­tho­disch ver­tret­bar und mit den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes ver­ein­bar ist. Das Grund­ge­setz setzt der völker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung al­ler­dings auch Gren­zen: Die­se darf nicht zu ei­ner Be­schränkung des durch das Grund­ge­setz gewähr­leis­te­ten Grund­rechts­schut­zes führen. Das schließt auch Art. 53 EM­RK aus (BVerfG 4. Mai 2011 - 2 BvR 2333/08 ua. - [Si­che­rungs­ver­wah­rung] Rn. 93 f. mwN, BVerfGE 128, 326).

bb) Vor­lie­gend sind die durch Art. 9 EM­RK gewähr­leis­te­te Re­li­gi­ons­frei­heit und die durch Art. 11 EM­RK geschütz­te Ver­samm­lungs- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit zu berück­sich­ti­gen.


(1) Gemäß Art. 9 Abs. 1 EM­RK hat je­de Per­son das Recht auf Ge­dan­ken-, Ge­wis­sens- und Re­li­gi­ons­frei­heit. Die­se Frei­heits­rech­te dürfen nach Abs. 2 die­ser Be­stim­mung nur Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen wer­den, die ge­setz­lich vor­ge­se­hen und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig sind für die öffent­li­che Si­cher­heit, zum Schutz der öffent­li­chen Ord­nung, Ge­sund­heit oder Mo­ral oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer. Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te ist die in Art. 9 EM­RK ga­ran­tier­te Ge­dan­ken-, Ge­wis­sens- und Re­li­gi­ons­frei­heit ei­ner der Grund­pfei­ler der „de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft“ im Sin­ne der Kon­ven­ti­on. Sie ist in ih­rer re­li­giösen Di­men­si­on ei­nes der wich­tigs­ten Ele­men­te, das die Iden­tität der Gläubi­gen und ih­re Auf­fas­sung vom Le­ben be­stimmt. Aus dem Recht des Gläubi­gen auf Re­li­gi­ons­frei­heit ein­sch­ließlich des Rechts, sei­ne Re­li­gi­on in Ge­mein­schaft mit an­de­ren zu be­ken­nen, folgt die Er­war­tung, dass Gläubi­ge sich frei und oh­ne willkürli­che staat­li­che Ein­grif­fe zu­sam­men­sch­ließen können. Das un­abhängi­ge Be­ste­hen von Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für den Plu­ra­lis­mus in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft und da­mit Kernstück des durch Art. 9 EM­RK gewähr­ten Schut­zes (EGMR [I. Sek­ti­on] 5. April 2007 - 18147/02 - [Sci­en­to­lo­gy Kir­che Mos­kau/Russ­land] Rn. 71 f., NJW 2008, 495). Das Recht auf Re­li­gi­ons­frei­heit schließt da­bei je­de Be­ur­tei­lung der Le­gi­ti­mität der re­li­giösen Über­zeu­gun­gen oder de­ren Aus-


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drucks­for­men durch den Staat aus (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 - [Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun] Rn. 74).


(2) Nach Art. 11 Abs. 1 EM­RK hat je­de Per­son das Recht, sich frei und fried­lich mit an­de­ren zu ver­sam­meln und sich frei mit an­de­ren zu­sam­men­zu­sch­ließen; da­zu gehört auch das Recht, zum Schutz sei­ner In­ter­es­sen Ge­werk­schaf­ten zu gründen oder ih­nen bei­zu­tre­ten. Nach Abs. 2 die­ser Be­stim­mung darf die Ausübung die­ser Rech­te nur Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen wer­den, die ge­setz­lich vor­ge­se­hen und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig sind für die na­tio­na­le oder öffent­li­che Si­cher­heit, zur Auf­recht­er­hal­tung der Ord­nung oder zur Verhütung von Straf­ta­ten, zum Schutz der Ge­sund­heit oder der Mo­ral oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer. Das Recht, Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit dem Ar­beit­ge­ber zu führen, ist nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te ein we­sent­li­ches Ele­ment des in Art. 11 EM­RK ga­ran­tier­ten Rechts (da­zu EGMR [Große Kam­mer] 12. No­vem­ber 2008 - 34503/97 - [De­mir u. Bay­ka­ra] Rn. 144, 154, NZA 2010, 1425; EGMR [III. Sek­ti­on] 21. April 2009 - 68959/01 - [En­er­ji Ya­pi-Yol Sen] Rn. 24, NZA 2010, 1423; da­zu Clau­dia Schu­bert AöR 137 [2012] S. 92 ff.). Al­ler­dings kann ein Ar­beit­ge­ber, des­sen Be­rufs­ethos auf der Re­li­gi­on be­ruht, von sei­nen An­ge­stell­ten be­son­de­re Loya­litäts­pflich­ten ver­lan­gen, so­weit die­se nach ei­ner Abwägung der maßgeb­li­chen In­ter­es­sen ei­ner Verhält­nismäßig­keitsprüfung stand­hal­ten (EGMR [V. Sek­ti­on] 23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - [Schüth] Rn. 69, NZA 2011, 279).

cc) Da­nach ist die von den Klägern ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung, das­kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht schließe von vorn­her­ein die Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen aus, nicht halt­bar (eben­so Jous­sen in Es­se­ner Gespräche zum The­ma Staat und Kir­che Bd. 46 [2012] S. 53, 89 f.; Wal­ter Zev­KR 2012, 233, 259 f.). Der Eu­ropäische Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te hat mit sei­nen Ent­schei­dun­gen zu Art. 11 EM­RK viel­mehr ver­deut­licht, dass an die Recht­fer­ti­gung ei­ner Ein­schränkung der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und des da­mit ver­bun­de­nen Streik­rechts nicht un­er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len sind. Gleich­wohl kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung

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der Be­klag­ten der Ent­schei­dung in der Sa­che „Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun“ (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 -) so­wie den zum Streik­recht im öffent­li­chen Dienst er­gan­ge­nen Ur­tei­len (EGMR [Große Kam­mer] 12. No­vem­ber 2008 - 34503/97 - [De­mir u. Bay­ka­ra] NZA 2010, 1425 und EGMR [III. Sek­ti­on] 21. April 2009 - 68959/01 - [En­er­ji Ya­pi-Yol Sen] NZA 2010, 1423) nicht die un­ein­ge­schränk­te Zulässig­keit von Streiks in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ent­nom­men wer­den. In Be­zug auf Letz­te­re lässt die Be­klag­te außer Acht, dass sich Kir­chen - an­ders als der öffent­li­che Dienst - ih­rer­seits auf die durch die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on geschütz­te Re­li­gi­ons­frei­heit be­ru­fen können. Dem­ent­spre­chend for­dert der Ge­richts­hof bei ei­ner Kol­li­si­on die­ser bei­den Rech­te ei­ne verhält­nismäßige Abwägung (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 - [Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun] Rn. 79 f.). Das geht über die An­for­de­run­gen ei­ner Abwägung zur Her­stel­lung prak­ti­scher Kon­kor­danz für die Auflösung ei­ner kon­kre­ten Grund­rechts­kol­li­si­on nicht hin­aus.


c) Der Be­schränkung des Streik­rechts der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen steht schließlich we­der die Eu­ropäische So­zi­al­char­ta (ESC, BGBl. 1964 II S. 1262) noch das ILO-Übe­r­ein­kom­men Nr. 87 ent­ge­gen.

aa) Die ESC stellt ei­ne von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­gan­ge­ne völker­recht­li­che Ver­pflich­tung dar, de­ren Re­geln die Ge­rich­te be­ach­ten müssen, wenn sie die im Ge­set­zes­recht bezüglich der Ord­nung des Ar­beits­kamp­fes be­ste­hen­den Lücken an­hand von Wer­tent­schei­dun­gen der Ver­fas­sung ausfüllen (BAG 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 104, 155; Be­p­ler FS Wißmann S. 97, 106). Ei­ne Ein­schränkung oder Be­gren­zung des in Teil II Art. 6 Nr. 4 ESC an­er­kann­ten Streik­rechts ist nach Teil V Art. 31 Abs. 1 ESC nur zulässig, wenn die­se ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer oder zum Schutz der öffent­li­chen Si­cher­heit und Ord­nung, der Si­cher­heit des Staa­tes, der Volks­ge­sund­heit und der Sitt­lich­keit not­wen­dig ist (BAG 12. Sep­tem­ber 1984 - 1 AZR 342/83 - zu B II 2 c der Gründe, BA­GE 46, 322). Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer, die ge­eig­net sind, das Streik­recht ein­zu­schrän-
 


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ken, er­ge­ben sich aus der ver­fas­sungs­recht­lich und völker­recht­lich an­er­kann­ten Re­li­gi­ons­frei­heit. In­so­weit be­darf es auch hier ei­ner verhält­nismäßigen Abwägung bei­der Gewähr­leis­tun­gen.

bb) Auch das ILO-Übe­r­ein­kom­men Nr. 87 über die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und den Schutz des Ver­ei­ni­gungs­rech­tes vom 9. Ju­li 1948 lässt ei­ne Be­schränkung des Streik­rechts der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen zu. Es gehört zum ein­fa­chen in­ner­staat­li­chen Recht (Zu­stim­mungs­ge­setz vom 20. De­zem­ber 1956, BGBl. II S. 2072, in Kraft seit dem 20. März 1958 laut Be­kannt­ma­chung vom 2. Mai 1958, BGBl. II S. 113). Sei­ne Gewähr­leis­tun­gen ge­hen je­doch nicht über die Grundsätze hin­aus, die oh­ne­hin durch Art. 9 Abs. 3 GG ver­fas­sungs­recht­lich gel­ten (BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - zu B I 5 c der Gründe, BVerfGE 58, 233).


11. Nach die­sen Grundätzen gilt für die zulässi­gen Kla­ge­anträge Fol­gen­des:

a) Der An­trag zu 1. a) der Kläger zu 1) bis 3) ist als Glo­balan­trag un­be­gründet. Die Kläger wer­den durch Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten man­gels Ver­bind­lich­keit der auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen schon nicht aus­nahms­los in ih­rem durch die Kläger zu 5) und 6) ver­mit­tel­ten Selbst­be­stim­mungs­recht ver­letzt.


aa) Die kir­chen­ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len ord­nen für die in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen Beschäftig­ten kei­ne aus­rei­chend ver­bind­li­che Gel­tung der in ei­ner be­stimm­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on oder de­ren Schieds­kom­mis­si­on be­schlos­se­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen an. Nach § 2 Abs. 2 ARRG-West­fa­len hat die für die­sen Be­reich ge­bil­de­te Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on die Auf­ga­be, Re­ge­lun­gen zu fin­den, die den In­halt, die Be­gründung und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen be­tref­fen. Kommt es hier­bei zu kei­ner Ei­ni­gung, ent­schei­det die nach § 16 ARRG-West­fa­len ge­bil­de­te Schieds­kom­mis­si­on. Auf die­sem Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Re­ge­lun­gen sind zwar nach § 3 Abs. 1 Satz 1 ARRG-West­fa­len ver­bind­lich. Auch dürfen nach Abs. 2 die­ser Vor­schrift nur Ar­beits­verhält­nis­se ge­schlos­sen
 


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wer­den, de­nen sol­che Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen zu­grun­de lie­gen. Die­se Vor­schrif­ten gel­ten je­doch nach der Recht­spre­chung des Kir­chen­ge­richts­hofs der EKD nicht für die ein­zel­nen Dienst­stel­len oder Ein­rich­tun­gen der Träger dia­ko­ni­schen Wir­kens, auch wenn sie Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks sind, da der in § 23 Abs. 1 ARRG-West­fa­len ge­re­gel­te Gel­tungs­be­reich nur die Beschäftig­ten der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len selbst und die bei de­ren Dia­ko­ni­schem Werk un­mit­tel­bar Beschäftig­ten er­fasst (vgl. KGH-EKD 23. Sep­tem­ber 2009 - I-0124/R12-09 - zu II 2 b der Gründe, ZMV 2010, 91 zur wort­glei­chen Re­ge­lung im Be­reich der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land).

bb) Die vom Prin­zip der prak­ti­schen Kon­kor­danz ge­for­der­te Ver­bind­lich­keit folgt auch nicht aus sat­zungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. (Kläger zu 5)), die nach § 2 Abs. 1 ARRG-Dia­ko­nie-EKD den nach die­sem Ge­setz ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen vor­ge­hen. Nach § 4 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. sind des­sen Mit­glie­der le­dig­lich ver­pflich­tet, die Mit­ar­bei­ten­den nach Ar­beits­be­din­gun­gen zu beschäfti­gen, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, das auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Dienst­ge­ber- und Dienst­neh­mer­sei­te be­ruht. Hier­durch wird den Dienst­ge­bern nach der Recht­spre­chung des Kir­chen­ge­richts­hofs der EKD zu­min­dest ein stich­tag­be­zo­ge­nes Wahl­recht zwi­schen un­ter­schied­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­wer­ken eröff­net (KGH-EKD 23. Sep­tem­ber 2009 - I-0124/R12-09 - zu II 2 c der Gründe, ZMV 2010, 91 zu ei­ner ent­spre­chen­den Re­ge­lung im Be­reich des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land). Ei­ne der­ar­ti­ge ein­sei­ti­ge Aus­wahlmöglich­keit für die Dienst­ge­ber­sei­te, die durch ei­ne ent­spre­chen­de ein­zel­ver­trag­li­che Ge­stal­tung von Be­zug­nah­me­klau­seln noch er­wei­tert wer­den kann und be­reits durch die übli­che Per­so­nal­fluk­tua­ti­on auch tatsächlich er­wei­tert wird, kommt dem sog. Ers­ten Weg gleich, bei dem der kirch­li­che Dienst­ge­ber die Ar­beits­be­din­gun­gen letzt­lich ein­sei­tig fest­setzt (da­zu BAG 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - zu III 2 b cc (2) der Gründe, BA­GE 101, 9).
 


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cc) Die Kläger zu 1) bis 3) können sich zur Be­gründung ei­ner ge­ne­rel­len Rechts­wid­rig­keit von Kampf­maßnah­men nicht auf den Grund­satz der Ar­beits­kampf­pa­rität be­ru­fen. Das von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­wi­ckel­te Prin­zip zur Be­stim­mung des äußeren Rah­mens ei­nes auf Art. 9 Abs. 3 GG be­ru­hen­den Ar­beits­kampf­sys­tems (da­zu ErfK/Die­te­rich 13. Aufl. Art. 9 GG Rn. 112 ff.) fin­det in dem da­von ab­wei­chen­den Re­ge­lungs­mo­dell des Drit­ten Wegs kei­ne An­wen­dung und lässt sich we­gen der un­ter­schied­li­chen Re­gu­la­ri­en zur Her­stel­lung von Ver­hand­lungs­pa­rität hier­auf auch nicht über­tra­gen. Fehlt es an ei­ner ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­ge­stal­tung des Drit­ten Wegs oder weicht ei­ne Ein­rich­tung hier­von ab, be­steht für ei­nen wei­ter­ge­hen­den Schutz re­li­giöser Betäti­gungs­frei­heit kein Raum (Schu­bert RdA 2011, 270, 279).


dd) Aus den vor­ste­hen­den Gründen ist auch der An­trag zu 5. a) der Kläger zu 5) und 6) ab­zu­wei­sen. Eben­so ist der An­trag zu 7. a) des Klägers zu 7) selbst dann als un­be­gründet ab­zu­wei­sen, wenn man ihn als Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts an­sieht und bei ihm ei­ne durch die Kläger zu 1) bis 3) ver­mit­tel­te Be­ge­hungs­ge­fahr be­jaht. In­so­weit gilt nichts an­de­res als für die Kläger zu 5) und 6).


ee) Die Hilfs­anträge zu 1. d) und 5. e) der Kläger zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) sind - wie oben dar­ge­legt - we­gen feh­len­der Be­ge­hungs­ge­fahr un­be­gründet und da­her ab­zu­wei­sen. Ent­spre­chen­des gilt im Übri­gen für den An­trag zu 7. e).

b) Selbst wenn beim Kläger zu 4) die für den er­ho­be­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch er­for­der­li­che Be­ge­hungs­ge­fahr vorläge, wären die Anträge zu 3. a) und 9. a) der Kläger zu 4), 8) und 9) ab­zu­wei­sen. Auch die­se Kläger wer­den durch Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten man­gels Ver­bind­lich­keit der nach dem dort gel­ten­den Kir­chen­recht zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen nicht aus­nahms­los in ih­rem Selbst­be­stim­mungs­recht ver­letzt. Es kann des­halb da­hin­ste­hen, ob das für die­se Kläger gel­ten­de Ver­fah­ren des Drit­ten Wegs ge­eig­net ist, ei­ne gleich­ge­wich­ti­ge Kon­fliktlösung zu gewähr­leis­ten und ob sich Ge­werk­schaf­ten in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se dar­in ein­brin­gen können.

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Nach § 8 Abs. 2 Buchst. e der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. sind des­sen Mit­glie­der le­dig­lich ver­pflich­tet, die un­mit­tel­bar gel­ten­den oder die vom Präsi­di­um oder der Mit­glie­der­ver­samm­lung für das Dia­ko­ni­sche Werk über­nom­me­nen Rechts­vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re die Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en der Konföde­ra­ti­on evan­ge­li­scher Kir­chen in Nie­der­sach­sen für Ein­rich­tun­gen, die sich dem ARRGD-Nie­der­sach­sen an­ge­schlos­sen ha­ben, oder ein an­de­res kirch­li­ches Ar­beits­ver­trags­recht in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung an­zu­wen­den. Hier­durch wird der Dienst­ge­ber­sei­te ein Wahl­recht ein­geräumt, weil die von den zuständi­gen Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen nach § 2 Abs. 2 ARRGD-Nie­der­sach­sen be­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en der Konföde­ra­ti­on, die nach § 3 Satz 1 ARRGD-Nie­der­sach­sen an sich ver­bind­lich sind, nicht zwin­gend auf die Ar­beits­verhält­nis­se der im Zuständig­keits­be­reich der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on Beschäftig­ten zur An­wen­dung kom­men. Hin­zu kommt, dass nach § 8 Abs. 2 Buchst. e der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. des­sen Präsi­di­um auf An­trag ein Mit­glied von der dort ge­re­gel­ten Ver­pflich­tung be­frei­en kann, wenn ein zwin­gen­der Grund vor­liegt. Auch dies ist mit der ge­for­der­ten Ver­bind­lich­keit nicht zu ver­ein­ba­ren, da nicht die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on oder die zuständi­ge Schieds­kom­mis­si­on hierüber be­fin­det, son­dern die Dienst­ge­ber­sei­te.


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