HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

ArbG Würz­burg, Be­schluss vom 08.06.2016, 12 BV 25/15

   
Schlagworte: Betriebliche Mitbestimmung, Mitbestimmung, Betriebsrat, Betriebsrat: Mitbestimmung
   
Gericht: Arbeitsgericht Würzburg
Aktenzeichen: 12 BV 25/15
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 08.06.2016
   
Leitsätze: Ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats gem. § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG bei kollektiven Anweisungen zu Sauberkeit und Ordnung am Arbeitsplatz besteht, soweit das Ordnungsverhalten schwerpunktmäßig betroffen ist (unter anderem bei Anweisungen zum Umfang persönlicher Gegenstände am eigenen Arbeitsplatz, der Mitnutzung freier Arbeitsplätze und dem Umgang mit selbst mitgebrachten Pflanzen); anders ist es bei Umsetzung gesetzlicher Vorgaben (getrennte Müllentsorgung) und Anweisungen zum Arbeitsverhalten (zB zum Umgang mit Arbeitsmitteln). (Rn. 13 – 26)
Vorinstanzen: nachgehend:
Landesarbeitsgericht Nürnberg, Beschluss vom 14.12.2016, 4 TaBV 38/16
   

12 BV 25/15

Verkündet am: 08.06.2016

Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

 

Ar­beits­ge­richt Würz­burg

 

Im Na­men des Vol­kes

BESCHLUSS

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten

 

  1. A.
    A-Straße, A-Stadt

    - An­trag­stel­ler und Be­tei­lig­ter zu 1 -

    Rechts­anwälte B. B-Straße,
    B-Stadt Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te/r:

  2. Fir­ma C.
    A-Straße, A-Stadt

    - Be­tei­lig­te zu 2 -

    Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te/r:

    Rechts­anwälte D.
    D-Straße, D-Stadt

 

hat die 12. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Würz­burg auf Grund der münd­li­chen Anhörung vom 10. Mai 2016 durch die Rich­te­rin am Ar­beits­ge­richt Er­bar und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Her­ren Schäfer und Kon­nerth


 

12 BV 25/15

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für Recht er­kannt:

 

  1. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass persönli­che Ge­genstände (Fo­tos, Sou­ve­nirs und an­de­re persönli­che Ge­genstände) nicht mehr als 10 % der je­weils zur Verfügung ste­hen­den Flächen ein­neh­men dürfen, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  2. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass je­der Mit­ar­bei­ter nur ei­nen Ar­beits­platz be­le­gen darf so­wie Ar­beitsplätze, die nicht durch ei­nen Kol­le­gen be­legt sind, we­der als Ab­la­geflächen miss­braucht noch an­der­wei­tig ein­ge­nom­men wer­den dürfen, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  3. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die Schran­ko­ber­sei­ten in re­gelmäßigen In­ter­val­len über­prüft wer­den müssen und so­dann al­les Unnöti­ge ent­fernt oder an ge­eig­ne­ter Stel­le ar­chi­viert wer­den muss, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  4. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die­se die persönlich mit­ge­brach­ten Pflan­zen re­gelmäßig pfle­gen und gießen so­wie zurück­schnei­den müs­sen, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  5. Für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Ver­pflich­tun­gen in Zif­fer 1 bis ein­schließlich 4 wird der Be­tei­lig­ten zu 2) ein Ord­nungs­geld von bis zu 10.000 EU­RO an­ge­droht.


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  6. Im Übri­gen wer­den die Anträge zurück­ge­wie­sen.

 


 

Gründe:

 

I.

 

Die Par­tei­en strei­ten über das Be­ste­hen von Mit­be­stim­mungs­rech­ten nach § 87 Be­trVG und in die­sem Zu­sam­men­hang über die Fra­ge, ob die An­trags­geg­ne­rin ver­pflich­tet ist, be­stimm­te An­ord­nun­gen ge­genüber den Ar­beit­neh­mern zu un­ter­las­sen.

 

2

Der An­trags­stel­ler ist der bei der An­trags­geg­ne­rin an de­ren Stand­ort in A-Stadt ge­bil­de­te 11-köpfi­ge Be­triebs­rat. Bei der An­trags­geg­ne­rin ar­bei­ten ständig mehr als 400 Ar­beit­neh­mer. Un­ter dem Da­tum 22.07.2015 wur­de an al­le C. Mit­ar­bei­ter am Stand­ort A-Stadt ei­ne Mail mit dem Be­treff „Rund­schrei­ben Sau­ber­keit und Ord­nung“ und der Über­schrift „Fa­ci­li­ty Ma­nage­ment Rund­schrei­ben/News­let­ter“ ver­sen­det, auf des­sen In­halt Be­zug ge­nom­men wird (An­la­ge 1 zum Schrift­satz der An­trags­stel­ler­sei­te vom 04.09.2015, Sei­te 32 ff d.A.). Das Rund­schrei­ben wird mit dem Satz ein­ge­lei­tet:

 

3

Aus ge­ge­be­nem An­lass möch­ten wir Sie über Re­ge­lun­gen bezüglich des persönli­chen Ver­hal­tens am Ar­beits­platz ins­be­son­de­re hin­sicht­lich Sau­ber­keit und Auf­ge­räum­t­heit in­for­mie­ren, wel­che ab so­fort zu be­ach­ten sind.


 

 

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4

Hin­sicht­lich wei­te­rer De­tails wird zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf das be­tref­fen­de Rund­schrei­ben Be­zug ge­nom­men.

 

5

Der An­trags­stel­ler ist der Auf­fas­sung, es han­de­le sich in die­ser im Be­zug ge­nom­me­nen Mail um ein­sei­ti­ge ver­bind­li­che An­ord­nun­gen der Ar­beit­ge­ber­sei­te ge­genüber den Be­schäftig­ten, wel­che hin­sicht­lich der ein­zel­nen Punk­te sämt­lich ei­nem Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG un­ter­fie­len. Er ha­be des­halb in der Sit­zung vom 04.08.2015 den ord­nungs­gemäßen Be­schluss ge­fasst, ein ar­beits­ge­richt­li­ches Be­schluss­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten, wel­ches dar­auf ge­rich­tet sei, der An­trags­geg­ne­rin auf­zu­ge­ben, die Ar­beits­an­wei­sung über „Sau­ber­keit und Ord­nung“ zu un­ter­las­sen. Mit Ein­lei­tung und Durchführung die­ses Be­schluss­ver­fah­rens sei­en die An­trags­stel­ler­ver­tre­ter be­auf­tragt wor­den. Zu den Re­ge­lun­gen im Ein­zel­nen steht er auf dem Stand­punkt, die ge­trof­fe­nen An­ord­nun­gen beträfen sämt­li­che Fra­gen der Ord­nung des Be­trie­bes und des Ver­hal­tens der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb. Nach ih­rem ob­jek­ti­ven Re­ge­lungs­ge­halt sei­en die an­ge­ord­ne­ten Ver­hal­tens­re­geln nicht dar­auf ge­rich­tet, das Ar­beits­ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer an ih­rem Ar­beits­platz zu kon­kre­ti­sie­ren, son­dern nach den ei­ge­nen Ausführun­gen der An-trags­geg­ner­sei­te viel­mehr dafür ge­dacht, das ein­heit­li­che äußere Er­schei­nungs­bild der Ar­beitsplätze auf­recht zu er­hal­ten. Na­ment­lich die ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Vor­ga­ben zum Um­gang mit mit­ge­brach­ten Pflan­zen, al­tem und de­fek­tem IT-Equip­ment so­wie zur Müll­ent­sor­gung wie­sen kei­nen un­mit­tel­ba­ren Be­zug zur Leis­tungs­er­brin­gung des je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mers auf, son­dern dien­ten aus­sch­ließlich da­zu, das be­trieb­li­che Zu­sam­men­le­ben zwi­schen den Ar­beit­neh­mern zu ge­stal­ten. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG er­fas­se auch Re­ge­lun­gen über die Ar­beits­ma­te­ria­li­en, ins­be­son­de­re Werk­zeug. Der­sel­be Grund­satz müsse auch für den Um­gang mit Schreib­tisch und Büroräum­en gel­ten. Es han­de­le sich auch sei­tens der An­trags­geg­ner­sei­te nicht um ei­nen ein­ma­li­gen, son­dern um ei­nen wie­der­hol­ten und hartnäckig durch die Be­tei­lig­te zu 2) auf­recht er­hal­te­nen Ver­s­toß ge­gen die Mit­be­stim­mungs­rech­te des An­trag­stel­lers. Der An­spruch der An­trag­stel­ler­sei­te er­ge­be sich aus § 23 Abs. 3 Be­trVG. Außer­dem ste­he der An­trag­stel­ler­sei­te nach der Rechtsp­re­chung des BAG auch ein all­ge­mei­ner Un­ter­las­sungs­an­spruch in Ana­lo­gie zu den §§ 823, 1004 BGB zu, denn es han­de­le sich um ei­nen Be­reich der er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mung. Es dro­he auch Wie­der­ho­lungs­ge­fahr. Für die Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­ste­he be­reits ei­ne tatsächli­che Ver­mu­tung, wenn in der Ver­gan­gen­heit Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­triebs­ra­tes ver­letzt wor­den sei­en. Mit Schrift­satz vom 27.04.2016 hat der An­trags­stel­ler sei­ne


 

 

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Anträge kon­kre­ti­siert und wei­ter­hin vor­ge­tra­gen, die ver­schie­de­nen Punk­te des Rund­schrei­bens ließen sich nicht in „An­wei­sun­gen“ und „Emp­feh­lun­gen“ auf­tei­len. Die An-trags­geg­ner­sei­te ha­be sämt­li­che Re­ge­lun­gen als ver­bind­lich an­ge­se­hen. So sei z.B. Der Mit­ar­bei­ter Herr XXX am 12.04.2016 un­ter Be­zug­nah­me auf das ge­nann­te Rund­schrei­ben auf­ge­for­dert wor­den, sei­nen Ar­beits­platz um­ge­hend in ei­nen ak­zep­ta­blen Zu­stand zu ver­set­zen (Mail vom 12.04.2016, An­la­ge 5 zum An­trag­stel­ler­schrift­satz vom 27.04.2016).

6

Die An­trag­stel­ler­sei­te be­an­tragt zu­letzt:

  1. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass persönli­che Ge­genstände (Fo­tos, Sou­ve­nirs und an­de­re persönli­che Ge­genstände) nicht mehr als 10 % der je­weils zur Verfügung ste­hen­den Flächen ein­neh­men dürfen, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  2. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die­sen das Be­kle­ben von Möbeln, Wänden, Glas­flächen und der­glei­chen auch am persönli­chen Ar­beits­platz nicht ge­stat­tet ist, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  3. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass je­der Mit­ar­bei­ter nur ei­nen Ar­beits­platz be­le­gen darf so­wie Ar­beitsplätze, die nicht durch ei­nen Kol­le­gen be­legt sind, we­der als Ab­la­geflächen miss­braucht noch an­der­wei­tig ein­ge­nom­men wer­den dürfen, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  4. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on (Gesprä­che, Te­le­fo­na­te, etc.) in „Open Space“-Be­rei­chen so zu führen ist, dass be­nach-


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    bar­te Kol­le­gen da­durch nicht gestört wer­den so­wie die vor­han­de­nen „Think Tanks“ zu nut­zen sind, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.

  5. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die­se bei Ar­beits­en­de den Ar­beits­platz auf­geräumt zu ver­las­sen ha­ben, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  6. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die Schran­ko­ber­sei­ten in re­gelmäßigen In­ter­val­len über­prüft wer­den müssen und so­dann al­les Unnöti­ge ent­fernt oder an ge­eig­ne­ter Stel­le ar­chi­viert wer­den muss, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  7. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die­se al­te, de­fek­te oder nicht mehr ge­nutz­te Bild­schir­me oder wei­te­res IT-Equip­ment bei Cap­ge­mi­ni im Büro BT B, EG, Raum 00 211, ab­zu­ge­ben ha­ben und die­se Geräte bei Herrn YY schrift­lich aus dem Be­stand ab­zu­mel­den ha­ben, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­s­tel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  8. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die­se den Müll in Restmüll und Bi­omüll zu tren­nen und Obst­scha­len, Kaf­fee­satz usw. in den Bi­omüll­behälter zu ge­ben ha­ben, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.
  9. Der Be­tei­lig­ten zu 2) wird auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­ne ein­sei­ti­ge An­ord­nung da­hin­ge­hend zu er­tei­len, dass die­se die persönlich mit­ge-


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    brach­ten Pflan­zen re­gelmäßig pfle­gen und gießen so­wie zurück­schnei­den müs­sen, oh­ne dass die Zu­stim­mung des An­trag­stel­lers ein­ge­holt wor­den ist bzw. durch den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.

  10. Für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Ver­pflich­tun­gen in Zif­fer 1 bis ein­sch­ließlich 9 wird der Be­tei­lig­ten zu 2) ein Ord­nungs­geld von bis zu 10.000,00 € an­ge­droht.

 

7

Die An­trags­geg­ner­sei­te be­an­tragt,

 

die Anträge zurück­zu­wei­sen.

 

 

8

Die Anträge könn­ten be­reits des­halb kei­nen Er­folg ha­ben, weil ein gro­ber Ver­s­toß nach § 23 Be­trVG nicht vor­lie­ge, aber auch ein all­ge­mei­ner Un­ter­las­sungs­an­spruch be­ste­he nicht. Die Mit­be­stim­mungs­rech­te sei­en auch nach der Be­haup­tung der An-trag­stel­ler­sei­te nur in ei­nem ein­zi­gen Fall ver­letzt wor­den. Die im Rund­schrei­ben vom 22.07.2015 ent­hal­te­nen An­wei­sun­gen sei­en le­dig­lich „mi­ni­mal in­va­siv“ und bestünden über­wie­gend aus Selbst­verständ­lich­kei­ten. Im Übri­gen hätten die Punk­te „Ent­fer-nung/Ar­chi­vie­rung des nicht am Ar­beits­platz Benötig­ten“, „Müll­tren­nung“, „Be­hand­lung mit­ge­brach­ter Pflan­zen“ le­dig­lich den Cha­rak­ter ei­ner Emp­feh­lung und kei­nen An­wei­sung­s­cha­rak­ter. Das Rund­schrei­ben führe in­so­weit nicht aus, dass Din­ge ver­bo­ten sei­en, es heiße hier le­dig­lich in di­rek­ter An­spra­che an die Mit­ar­bei­ter, „sie soll­ten“, was eben ge­ra­de kei­ne ver­bind­li­che An­ord­nung sei. Bei den übri­gen Punk­ten han­de­le sich zwar um An­wei­sun­gen, wel­che aber über­wie­gend das Ar­beits- und nicht das Ord­nungs­ver­hal­ten beträfen. So sei die im Rund­schrei­ben auf­ge­stell­te Faust­re­gel, der zu­fol­ge persönli­che Ge­genstände nicht mehr als 10 % der zur Verfügung ste­hen­den


 

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Flächen ein­neh­men soll­ten, le­dig­lich ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung der ar­beits­ver­trag­li­chen Leis­tungs­ver­pflich­tung. Ein Rechts­an­spruch von Mit­ar­bei­tern, Möbel, Wände, Glas­wände oder Ähn­li­ches für Zwe­cke der persönli­chen Ge­stal­tung ih­res Ar­beits­plat­zes zu be­kle­ben, be­ste­he un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt. Im Übri­gen könne das Be­kle­ben je nach ver­wen­de­tem Kle­be­mit­tel ei­ne straf­recht­li­che sank­tio­nier­te Sach­be­schädi­gung dar­stel­len. Die­se Un­ter­sa­gung ei­ner zweck­ent­frem­den­den Nut­zung von Be­triebs­mit­teln sei ge­ne­rell mit­be­stim­mungs­frei. Auch das Ver­bot der Be­le­gung frem­der Ar­beitsplätze als Ab­la­gefläche oder Ähn­li­ches stel­le ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung der ar­beits­ver­trag­li­chen Leis­tungs­ver­pflich­tung dar. Der Ar­beit­ge­ber könne dem Mit­ar­bei­ter ei­nen be­stimm­ten ört­li­chen Ar­beits­platz zu­wei­sen und eben­so dem Mit­ar­bei­ter un­ter­sa­gen, ei­nen Ar­beits­platz in Be­schlag zu neh­men, der ihn gar nicht zu­ge­wie­sen sei. Auch die An­wei­sung bezüglich der Lautstärke der Kom­mu­ni­ka­ti­on, so­wie der Nut­zung der vor­han­de­nen „Think Tanks“ im Großraumbüro­be­reich sei ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung der ar­beits­ver­trag­li­chen Leis­tungs­ver­pflich­tung. Es ge­he hier dar­um, wel­cher räum­li­che Ar­beits­be­reich für die Kom­mu­ni­ka­ti­on zu nut­zen sei. Die An­wei­sung bezüglich des Aufräum­ens des Ar­beits­plat­zes vor Ar­beits­en­de ha­be sei­nen Grund dar­in, dass der Rei­ni­gungs­dienst den un­auf­geräum­ten Ar­beits­platz nicht ord­nungs­gemäß säubern könne, zum an­de­ren ge­he es auch um die Ver­trau­lich­keit un­ter­neh­mens­in­ter­ner Do­ku­men­te, wel­che vor Ar­beits­en­de un­ter Ver­schluss zu neh­men sei­en. Die Rei­ni­gung der Ar­beitsplätze er­fol­ge nicht durch ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter der An­trags­geg­ne­rin, son­dern durch ei­nen be­auf­trag­ten ex­ter­nen Dienst­leis­ter. Die­sem sei die ord­nungs­gemäße Er-brin­gung der ge­genüber der An­trags­geg­ne­rin ge­schul­de­ten Ver­trags­leis­tun­gen bei un­auf­geräum­ten Ar­beitsplätzen nicht möglich. Hin­sicht­lich der Ab­ga­be von de­fek­ten oder nicht mehr ge­nutz­ten IT-Equip­ments ge­he es dar­um, wie ein Mit­ar­bei­ter mit dienst­lich über­las­se­nem IT-Equip­ment zu ver­fah­ren ha­be, wel­ches de­fekt sei oder nicht mehr ge­nutzt wer­de. Dies kon­kre­ti­sie­re eben­falls die ar­beits­ver­trag­li­che Leis­tungs­ver­pflich­tung.

 

9

Auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie die Ver­hand­lungs­pro­to­kol­le wird ergänzend Be­zug ge­nom­men.

 

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II.

 

10

1. Das Ar­beits­ge­richt Würz­burg ist zur Ent­schei­dung sach­lich gemäß § 2 a Abs. 1 Nr. 1 ArbGG und ört­lich gemäß § 82 Abs. 1 Satz 1 ArbGG zuständig. Die Ent­schei­dung er­geht durch Be­schluss, § 84 ArbGG. Rich­ti­ge Ver­fah­rens­art ist das Be­schluss­ver­fah­ren, § 2 a ArbGG. Die Anträge sind in der zu­letzt ge­stell­ten Fas­sung zulässig. Die An­trag­stel­ler­sei­te hat in­so­weit das Ziel ih­rer Un­ter­las­sungs­anträge hin­rei­chend kon­kre­ti­siert.

 

11

2. Die Anträge sind teil­wei­se be­gründet.

 

12

a) So­weit der Ar­beit­ge­ber durch sei­ne Hand­lun­gen oder Maßnah­men Rech­te des Be­triebs­ra­tes aus § 87 Be­trVG ver­letzt, steht dem Be­triebs­rat ne­ben dem Son­der­tat­be­stand des § 23 Abs. 3 Be­trVG ein ei­genständi­ger Un­ter­las­sungs­an­spruch ge­gen den Ar­beit­ge­ber zu (ständi­ge Recht­spre­chung seit BAG vom 03.05.1994, AP Be­trVG 1972 § 23 Nr. 23). Der Ar­beit­ge­ber hat al­les zu un­ter­las­sen, was der Wahr­neh­mung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten durch den Be­triebs­rat ent­ge­gen­steht. Der all­ge­mei­ne Un­ter­las­sungs­an­spruch setzt ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr vor­aus, wo­bei zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers ei­ne da­hin­ge­hen­de An­scheins­ver­mu­tung be­steht, wenn be­stimm­te Mit­be­stim­mungs­rech­te be­reits ver­letzt wur­den. An ei­ner tatsächli­chen Ver­mu­tung ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr fehlt es, wenn auf­grund be­son­de­rer Umstände des Ein­zel­fal­les ei­ne er­neu­te Be­ein­träch­ti­gung un­wahr­schein­lich ist (vgl. Beck`scher On­line-Kom­men­tar Ar­beits­recht, Bes­gen, Stand: 15.03.2016, Be­trVG § 23 Rn. 42). Die­ser all­ge­mei­ne Un­ter­las­sungs­an­spruch wird in An­leh­nung an §§ 823 BGB, 1004 BGB ge­währt.

 

13 b) Das zwin­gen­de Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­ra­tes nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG be­zieht sich auf die Ge­stal­tung des Zu­sam­men­le­bens und Zu­sam­men­wir­kens der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb. Es er­fasst die all­ge­mei­ne be­trieb­li­che Ord­nung und das Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer, so­weit de­ren Zu­sam­men­le­ben und Zu­sam­men­wir­ken be­rührt wird und da­mit ein Be­zug zur be­trieb­li­chen Ord­nung be­steht. Zu un­ter­schei­den


 

 

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ist die­ses sog. Ord­nungs­ver­hal­ten vom nicht mit­be­stimm­ten Ar­beits­ver­hal­ten. Bei Letz­te­rem geht es um Maßnah­men, mit de­nen die Ar­beits­pflicht im Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer un­mit­tel­bar kon­kre­ti­siert wird (vgl. Er­fur­ter Kom­men­tar – Ka­nia, 16. Auf­la­ge 2016, § 87 Be­trVG Rn. 18 mit wei­te­ren Hin­wei­sen auf BAG-Recht­spre­chung). Ob ei­ne Maßnah­me das mit­be­stim­mungs­freie Ar­beits­ver­hal­ten be­trifft, be­stimmt sich nach de­ren ob­jek­ti­ven Re­ge­lungs­ge­halt und nach der Art des zu be­ein­flus­sen­den be­trieb­li­chen Ge­sche­hens, nicht nach den sub­jek­ti­ven Re­ge­lungs­vor­stel­lun­gen des Ar­beit­ge­bers (vgl. BAG vom 11.06.2002 in AP Nr. 38 zu § 87 Be­trVG 1972 Ord­nung des Be­trie­bes). So­weit ei­ne An­ord­nung des Ar­beit­ge­bers so­wohl das Ord­nungs- als auch das Ar­beits­ver­hal­ten berührt, be­stimmt sich die Fra­ge der Mit­be­stim­mungs­pflich­tig­keit da­nach, wel­cher Be­reich hier­durch schwer­punktmäßig be­trof­fen ist (BAG vom 11.06.2002, a. a. O.). Mit­be­stim­mungs­pflich­tig sind darüber hin­aus stets nur Maßnah­men der Ar­beit­ge­ber­sei­te mit kol­lek­ti­vem Be­zug; Maßnah­men, die den in­di­vi­du­el­len Be­son­der­hei­ten ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer Rech­nung tra­gen und de­ren Aus­wir­kun­gen sich auf das Ar­beits­verhält­nis die­ses Ar­beit­neh­mers be­schränken, sind mit­be­stim­mungs­frei (BAG GS vom 09.12.1991 in AP Be­trVG 1972 § 87 Lohn­ge­stal­tung Nr. 51, 52). Wei­ter­hin sind grundsätz­lich al­le ge­stal­ten­den Maß­nah­men mit­be­stim­mungs­pflich­tig, ei­ne förm­li­che An­ord­nung ist nicht er­for­der­lich (vgl. Fit­ting, Be­trVG, 26. Auf­la­ge 2012, § 87 Rn. 68). Je­doch müssen sol­che Maßnah­men nach der Recht­spre­chung des BAG ver­pflich­ten­den Cha­rak­ter ha­ben (vgl. BAG 1 ABR 1/78 Rn. 35 in: DB 81, 973).

 

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c) Nach den eben dar­ge­stell­ten Grundsätzen gilt für den In­halt des Rund­schrei­bens vom 22.07.2015 so­wie die hier­auf be­zo­ge­nen Anträge der An­trag­stel­ler­sei­te im Ein­zel­nen Fol­gen­des:

 

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aa) Zunächst han­delt es sich bei sämt­li­chen ge­trof­fe­nen An­wei­sun­gen/Emp­feh­lun­gen, wel­che in dem Rund­schrei­ben vom 22.07.2015 ent­hal­ten sind, nach Auf­fas­sung des Ge­richts um ver­bind­li­che An­ord­nun­gen. Dies er­gibt sich be­reits aus der Ein­gangs­for­mu­lie­rung, mit wel­cher die Ar­beit­ge­ber­sei­te „über Re­ge­lun­gen des persönli­chen Ver­hal­tens am Ar­beits­platz“ in­for­mie­ren möch­te, „wel­che ab so­fort zu be­ach­ten sind“. Wei­ter heißt es: „Die nach­fol­gen­den Re­ge­lun­gen gel-


 

 

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ten so­wohl für ...“. Auch wenn im Wei­te­ren ein­zel­ne Ver­hal­tens­an­wei­sun­gen, z.B. die­je­ni­ge bezüglich Müll­tren­nung und Pflan­zen gießen, als höfli­che Bit­te for­mu­liert sind („Bit­te hel­fen Sie beim Müll­tren­nen und ent­sor­gen Sie ...“, „Den­ken Sie bit­te an die re­gelmäßige Pfle­ge und das Gießen“), so wird doch aus dem ge­nann­ten Kon­text für die Ar­beit­neh­mer die­se höfli­che Bit­te zu ei­ner ver­bind­li­chen An­wei­sung, wel­che sie zu be­ach­ten ha­ben.

 

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bb) Hin­sicht­lich al­ler An­wei­sun­gen ist nach Auf­fas­sung des Ge­richts die Wie­der­ho­lungs­ge­fahr in­di­ziert. Nach dem oben Ge­sag­ten be­steht die­ses In­diz der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­reits nach der ein­ma­li­gen Miss­ach­tung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts. Dafür, dass die An­trags­geg­ner­sei­te der­ar­ti­ge An­wei­sun­gen nicht wie­der­ho­len wol­le, oder an ih­nen nicht fest­hal­te, er­ge­ben sich aus dem Ver­fah­ren kei­ner­lei An­halts­punk­te. Viel­mehr spricht z.B. be­reits die von der An­trag­stel­ler­sei­te vor­ge­leg­te Mail vom 12.04.2016 an den Mit­ar­bei­ter XXX da­ge­gen.

 

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cc) Auch ha­ben al­le Maßnah­men kol­lek­ti­ven Be­zug, denn sie rich­ten sich an die Ge­samt­heit der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb.

 

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dd) Die An­ord­nung, persönli­che Ge­genstände (Fo­tos, Sou­ve­nirs und an­de­re per­sönli­che Ge­genstände) dürf­ten nicht mehr als 10 % der je­weils zur Verfügung ste­hen­den Flächen ein­neh­men, ist nach Auf­fas­sung des Ge­richts mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Sie be­trifft das Ord­nungs­ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer und die Fra­ge des Zu­sam­men­le­bens im Be­trieb. Zwar mag das Ar­beits­ver­hal­ten in­so­fern mit­be­trof­fen sein, als an ei­nem auf­geräum­ten Ar­beits­platz ein kon­zen­trier­te­res Ar­bei­ten mög­lich ist, je­doch über­wiegt der Ord­nungs­zweck. In die­sem Fall ist nach der Recht­spre­chung des BAG (BAG vom 11.06.2002, a. a. O) der über­wie­gen­de Zweck ent­schei­dend.

 

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ee) Kein Mit­be­stim­mungs­recht be­steht nach Auf­fas­sung des Ge­richts hin­sicht­lich des Ver­bo­tes des Be­kle­bens von Möbeln und Glaswänden. Die­se Ge­genstände sind zunächst Ei­gen­tum des Ar­beit­ge­bers und können durch das Be­kle­ben be­schädigt wer­den, was von den Ar­beit­neh­mern selbst­verständ­lich zu un­ter­las­sen ist. Die Fra­ge des Be­kle­bens von Glaswänden, Möbeln und Wandflächen kann


 

 

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auch nicht mit der Fra­ge der Nut­zung von So­zi­al­ein­rich­tun­gen ver­gli­chen wer­den. Hin­sicht­lich die­ser ist an­er­kannt, dass das „Ob“ des zur Verfügung­stel­lens mit­be­stim­mungs­frei, das „Wie“ der Nut­zung aber mit­be­stim­mungs­pflich­tig ist; in die­sen Fällen geht es um Fra­gen der in­ner­be­trieb­li­chen Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit. Die­se Fra­ge ist mit der Nut­zung von Büro­ein­rich­tung (Möbel, um­ge­ben­de Wände) über­haupt nicht ver­gleich­bar. Ar­beits­mit­tel sind als Sol­che zu nut­zen. Al­len­falls könn­te man an die Fra­ge den­ken, ob hin­sicht­lich der persönli­chen Ge­stal­tung von Wän­den und Glas­flächen etc. ei­ne „Pri­vat­nut­zung“ er­laubt sei und wenn ja, wie die­se aus­zu­ge­stal­ten sei. Die An­trags­geg­ner­sei­te hat je­doch durch die An­ord­nung, das Be­kle­ben von Möbeln, Wänden, Glas­flächen und der­glei­chen auch am persönli­chen Ar­beits­platz völlig zu un­ter­las­sen, die Pri­vat­nut­zung in­so­weit ein­deu­tig und für al­le ein­heit­lich un­ter­sagt. Ein Mit­be­stim­mungs­recht kann auch in­so­weit nicht be­ste­hen.

 

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ff) Bei der An­ord­nung, dass ein Mit­ar­bei­ter nur ei­nen Ar­beits­platz be­le­gen und Ar­beitsplätze, die nicht durch ei­nen Kol­le­gen be­legt sei­en, we­der als Ab­la­geflächen miss­brau­chen noch an­der­wei­tig ein­neh­men dürfe, han­delt es sich um ei­nen mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Tat­be­stand. Hier ist in ers­ter Li­nie das Ord­nungs­ver­hal­ten und ei­ne Fra­ge des Zu­sam­men­le­bens im Be­trieb be­trof­fen. Zwar trifft es zu, dass der Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig das Recht hat, dem Ar­beit­neh­mer ei­nen Ar­beits­platz zu­zu­wei­sen, und dass dar­in im Um­kehr­schluss auch die An­ord­nung liegt, dass al­le an­de­ren Ar­beitsplätze dem Ar­beit­neh­mer der­zeit nicht zu­ge­wie­sen sind. So­weit je­doch ein Ar­beit­neh­mer auf ei­nem ihm nicht zu­ge­wie­se­nen Be­reich, wel­cher in die­sem Zeit­punkt auch von kei­nem Kol­le­gen ge­nutzt wird, Ge­genstände vorüber­ge­hend ab­legt, so han­delt er hier­durch nach Auf­fas­sung des Ge­richts noch nicht der An­ord­nung bezüglich der Zu­wei­sung ei­nes Ar­beits­plat­zes zu­wi­der, son­dern legt le­dig­lich ein be­stimm­tes (Un)Ord­nungs­ver­hal­ten an den Tag, wel­ches ins­ge­samt dem mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Be­reich zu­zu­ord­nen ist.

 

21

gg) Da­ge­gen wird durch die An­ord­nung, die Kom­mu­ni­ka­ti­on „Open Space“ Be­rei­chen so zu führen, dass be­nach­bar­te Kol­le­gen da­durch nicht gestört wer­den, so­wie dass die vor­han­de­nen „Think Tanks“ zu nut­zen sei­en, in nicht mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ger Wei­se das Ar­beits­ver­hal­ten kon­kre­ti­siert. Gespräche und Te­le­fo-

 

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na­te am Ar­beits­platz sind Teil der Ar­beits­leis­tung. Die An­ord­nung, wie und auch wo die­se Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen ist, ist ei­ne Fra­ge der Kon­kre­ti­sie­rung der Ar­beits­leis­tung so­wie des Di­rek­ti­ons­rechts des Ar­beit­ge­bers. Ei­ne zu lau­te Kom­mu­ni­ka­ti­on im Open Space – Be­reich be­ein­träch­tigt im Übri­gen die an­de­ren Mitar­bei­ter nicht nur persönlich, son­dern be­trifft auch die von den Mit­ar­bei­tern zu er­brin­gen­de Ar­beits­leis­tung, so dass auch in­so­weit über­wie­gend der Be­reich der Ar­beits­er­brin­gung be­trof­fen ist.

 

22

hh) Die An­ord­nung, bei Ar­beits­en­de den Ar­beits­platz auf­geräumt zu ver­las­sen, be­trifft zwar auf dem ers­ten Blick über­wie­gend das Ord­nungs­ver­hal­ten. Je­doch kann es hier nach Auf­fas­sung des Ge­richts nicht un­berück­sich­tigt blei­ben, dass die Ar­beit­ge­ber­sei­te für die Rei­ni­gung der Ar­beitsplätze ei­nen ex­ter­nen Dienst­leis­ter be­auf­tragt hat, die­ser kann die ge­schul­de­te Dienst­leis­tung nicht so wie ge­schul­det er­brin­gen, wenn die Ar­beitsplätze un­auf­geräumt und da­mit nicht zu rei­ni­gen sind.

 

23

ii) Die An­ord­nung der An­trags­geg­ner­sei­te, die Mit­ar­bei­ter sol­len Schran­ko­ber­s­ei­ten in re­gelmäßigen In­ter­val­len über­prüfen und so dann al­les Unnöti­ge ent­fer­nen oder an ge­eig­ne­ter Stel­le ar­chi­vie­ren, be­trifft das Ord­nungs­ver­hal­ten im Be­trieb. Die Ar­beits­ver­pflich­tung ist durch die­se An­ord­nung nicht berührt. Es be­steht des­halb ein Mit­be­stim­mungs­recht.

 

24

jj) So­weit den Mit­ar­bei­tern an­ge­ord­net wird, wie sie mit al­ten, de­fek­ten oder nicht mehr ge­nutz­ten Bild­schir­men oder IT-Equip­ment um­zu­ge­hen ha­ben, so be­trifft die­se Fra­ge nicht in ers­ter Li­nie Ord­nung und Zu­sam­men­le­ben im Be­trieb, son­dern sie be­trifft den Um­gang der Mit­ar­bei­tern mit den Ar­beits­mit­teln und den da­mit mit dem Ei­gen­tum des Ar­beit­ge­bers. Die Rück­ga­be von dienst­lich ge­nutz­ten Ar­beits­mit­teln und auch die Fra­ge, wie, und wo dies zu ge­sche­hen hat, be­zieht sich un­mit­tel­bar auf den dienst­li­chen Um­gang mit die­sen Ar­beits­mit­teln und da­mit auf das Ar­beits­ver­hal­ten. Ein Mit­be­stim­mungs­recht be­steht des­halb nicht.

 

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kk) So­weit den Mit­ar­bei­tern ei­ne Tren­nung des Mülls und Restmülls und Bi­omüll an­ge­ord­net wird, so ist die­se Maßnah­me nach Auf­fas­sung des Ge­richts eben­falls nicht mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Die Ver­pflich­tung, Müll ge­trennt zu ent­sor­gen, ist ist


 

 

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ei­ne ge­setz­li­che Vor­ga­be (Kreis­lauf­wirt­schafts­ge­setz). So­weit der Ar­beit­ge­ber hier al­so zu ei­nem be­stimm­ten Ver­hal­ten we­gen ge­setz­li­cher oder ver­wal­tungs­behörd­li­cher Vor­schrif­ten ver­pflich­tet ist, so kann in die­sem Be­reich ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­ra­tes nicht in Fra­ge kom­men.

26

ll) Mit­be­stim­mungs­pflich­tig ist al­ler­dings die Fra­ge, wie persönlich mit­ge­brach­te Pflan­zen zu be­han­deln, zu pfle­gen und zurück­zu­schnei­den sind. Durch die­se Fra­ge ist das Ar­beits­ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter nicht berührt, und es han­delt sich auch nicht um Ei­gen­tum des Ar­beit­ge­bers, son­dern um persönli­ches Ei­gen­tum der Mit­ar­bei­ter. Ge­re­gelt wer­den soll hier ein Ver­hal­ten, wel­ches aus­sch­ließlich dem Ord­nungs­ver­hal­ten zu­zu­ord­nen ist.

 

 

27

d) So­weit es sich nach dem oben un­ter c) Dar­ge­stell­ten über­wie­gend um Re­ge­lun­gen han­delt, wel­che das Ord­nungs­ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer be­tref­fen, so war der ent­sp­re­chen­de Un­ter­las­sungs­be­schluss durch das Ge­richt zu er­las­sen. Die Voll­stre­ckung die­ser Un­ter­las­sungs­an­ord­nung er­folgt nach den §§ 888 ff ZPO, hier ins­be­son­de­re § 890 ZPO. Die ent­spre­chen­de An­dro­hung von Ord­nungs­mit­teln ist bei ent­spre­chen­dem An­trag be­reits in den Voll­stre­ckungs­ti­tel auf­zu­neh­men (vgl. Münche­ner Kom­men­tar zur ZPO - Gru­ber, 4. Auf­la­ge 2012, § 890 ZPO Rn. 25). Der Rah­men von bis zu 10.000 EU­RO stellt le­dig­lich ei­ne Be­gren­zung dar und ist als sol­che nicht un­an­ge­mes­sen.

 

28

So­weit nach Auf­fas­sung des Ge­richts ein Mit­be­stim­mungs­recht nicht be­steht, sind die Anträge und das dar­auf gestütz­te Ord­nungs­geld zurück­zu­wei­sen.

 

 

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

 

Ge­gen die­sen Be­schluss kann der An­trag­stel­ler und die An­trags­geg­ne­rin Be­schwer­de ein­le­gen.


 

 

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Die Be­schwer­de muss in­ner­halb ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat ab Zu­stel­lung die­ses Be­schlus­ses schrift­lich beim

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg

Roon­s­traße 20

90429 B-Stadt

 

ein­ge­legt wer­den.

 

Die Be­schwer­de muss in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Be­schlus­ses schrift­lich be­gründet wer­den.

 

Die Be­schwer­de­schrift und die Be­schwer­de­be­gründungs­schrift müssen je­weils von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein. Sie können auch von dem Be­vollmäch­tig­ten ei­ner Ge­werk­schaft, ei­nes Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des oder ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses sol­cher Verbände un­ter­zeich­net wer­den, wenn sie für ein Mit­glied ei­nes sol­chen Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses oder für den Ver­band oder den Zu­sam­men­schluss selbst ein­ge­legt wird.

 

Mit­glie­der der ge­nann­ten Verbände können sich auch durch den Be­vollmäch­tig­ten ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen.

 

Er­bar

Rich­te­rin am Ar­beits­ge­richt

 

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