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BAG, Be­schluss vom 22.01.2020, 7 ABR 18/18

   
Schlagworte: Schwerbehindertenvertretung, Behinderung, Versetzung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 7 ABR 18/18
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 22.01.2020
   
Leitsätze: Hat ein als behinderter Mensch mit einem Grad der Behinderung von 30 anerkannter Arbeitnehmer die Gleichstellung mit einem schwerbehinderten Menschen beantragt und dies dem Arbeitgeber mitgeteilt, ist der Arbeitgeber nicht nach § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX verpflichtet, die Schwerbehindertenvertretung von der beabsichtigten Umsetzung dieses Arbeitnehmers (vorsorglich) zu unterrichten und sie hierzu anzuhören, wenn über den Gleichstellungsantrag zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden ist.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 17.10.2017 - 16 BV 16895/15,
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.05.2018 - 23 TaBV 1699/17
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 ABR 18/18
23 TaBV 1699/17
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ber­lin-Bran­den­burg

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
22. Ja­nu­ar 2020

BESCHLUSS

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

 

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­le­rin und Rechts­be­schwer­deführe­rin,

 

2.

Be­schwer­deführer,

 

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 22. Ja­nu­ar 2020 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Renn­pferdt und den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Was­kow so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schil­ler und Strip­pel­mann für Recht er­kannt:

Die Rechts­be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg


 

- 2 -

vom 9. Mai 2018 - 23 TaBV 1699/17 - wird zurück­ge­wie­sen.

 

Von Rechts we­gen!

 

Gründe

 

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über Be­tei­li­gungs­rech­te der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung bei der Um­set­zung von Ar­beit­neh­mern mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung (GdB) von 30, über de­ren Gleich­stel­lungs­an­trag im Zeit­punkt der Um­set­zung noch nicht ent­schie­den ist.

 

Die An­trag­stel­le­rin ist die bei dem zu 2. be­tei­lig­ten Job­cen­ter ge­bil­de­te Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung. In dem Job­cen­ter ist die Ar­beit­neh­me­rin L be­schäftigt, die als be­hin­der­ter Mensch mit ei­nem GdB von 30 an­er­kannt ist. Die­se stell­te am 4. Fe­bru­ar 2015 ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen und in­for­mier­te den Geschäftsführer des Job­cen­ters hierüber.

2

Am 9. No­vem­ber 2015 setz­te das Job­cen­ter Frau L für die Dau­er von sechs Mo­na­ten im Rah­men ei­ner Per­so­nal­ent­wick­lungs­maßnah­me vom Team 816 in das Team 831 um und wies ihr ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz in dem­sel­ben Gebäude zu, oh­ne die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu un­ter­rich­ten und an­zuhören. Mit Be­schluss der Bun­des­agen­tur für Ar­beit vom 21. April 2016 wur­de Frau L rück­wir­kend zum Zeit­punkt ih­rer An­trag­stel­lung ab dem 4. Fe­bru­ar 2015 ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen gleich­ge­stellt.

3

Vor die­sem Hin­ter­grund ver­lang­te die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vom Job­cen­ter vor­ge­richt­lich er­folg­los, sie bei zukünf­ti­gen Um­set­zun­gen von be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern, die ih­re Gleich­stel­lung mit schwer­be­hin­der­ten Men­schen be­an­tragt und dies dem Job­cen­ter mit­ge­teilt ha­ben, im We­ge der

 

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Un­ter­rich­tung und Anhörung zu be­tei­li­gen. Die­ses Be­geh­ren ver­folgt sie mit dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren wei­ter.

4

Die An­trag­stel­le­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die aus § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX (bis zum 31. De­zem­ber 2017: § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX) fol­gen­de Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht be­ste­he bei Maßnah­men, die ei­nen be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer be­tref­fen, auf­grund der Rück­wir­kung ei­nes dem Gleich­stel­lungs­an­trag statt­ge­ben­den Be­scheids der Bun­des­agen­tur für Ar­beit be­reits ab dem Zeit­punkt der An­trag­stel­lung, wenn der Ar­beit­ge­ber von der An­trag­stel­lung Kennt­nis ha­be. Sie sei da­her in ei­nem sol­chen Fall vor­sorg­lich zu un­ter­rich­ten und an­zuhören. Das sei er­for­der­lich, um dem Sinn und Zweck der Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht Rech­nung zu tra­gen und ei­nen an­de­ren­falls rück­wir­kend ein­tre­ten­den rechts­wid­ri­gen Zu­stand zu ver­mei­den. Be­reits durch die Stel­lung des Gleich­stel­lungs­an­trags und de­ren Be­kannt­ga­be ge­gen­über dem Ar­beit­ge­ber sei ein Schutz durch die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ge­bo­ten. Die­se Sicht­wei­se ge­bie­te auch ei­ne richt­li­ni­en- und kon­ven­ti­ons-rechts­kon­for­me Aus­le­gung von § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX un­ter Berück­sich­ti­gung der Vor­ga­ben in Art. 5 Richt­li­nie 2000/78/EG und Art. 27 der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on (nach­fol­gend UN-BRK).

5

Die An­trag­stel­le­rin hat - so­weit für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren von Be­deu­tung - zu­letzt sinn­gemäß be­an­tragt,

  1. dem Job­cen­ter auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer, die ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen ge­stellt und dies dem Job­cen­ter mit­ge­teilt ha­ben, auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz um­zu­set­zen, oh­ne die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu­vor un­ter­rich­tet und an­gehört zu ha­ben,
  2. hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass das Job­cen­ter ver­pflich­tet ist, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung gemäß § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX hin­sicht­lich der Um­set­zung ei­nes be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz zu un­ter­rich­ten und an­zuhören, so­fern der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­trag auf Gleichs­tel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen ge­stellt und dies dem Job­cen­ter auch mit­ge­teilt hat,
  3. hilfs­wei­se dem Job­cen­ter auf­zu­ge­ben, es zu un­ter-


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    las­sen, ei­nem be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer Ar­beit auf ei­nem Ar­beits­platz zu­zu­wei­sen, oh­ne die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu­vor un­ter­rich­tet und an­gehört zu ha­ben, so­fern der be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer zu­vor ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be-hin­der­ten Men­schen ge­stellt und das Job­cen­ter über die An­trag­stel­lung in­for­miert hat,
  4. hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass das Job­cen­ter ver­pflich­tet ist, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor Zu­wei­sung von Ar­beit auf ei­nem vom bis­he­ri­gen Ar­beits­platz ab­wei­chen­den Ar­beits­platz ge­genüber ei­nem be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer zu un­ter­rich­ten und an­zuhören, so­fern der be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be-hin­der­ten Men­schen ge­stellt und dies dem Job­cen­ter mit­ge­teilt hat.
6

Das Job­cen­ter hat be­an­tragt, die Anträge ab­zu­wei­sen. Es hat den Stand­punkt ein­ge­nom­men, der An­wen­dungs­be­reich des § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX sei nach § 151 Abs. 1 und Abs. 2 SGB IX für be­hin­der­te Men­schen mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von we­ni­ger als 50 erst mit ei­ner statt­ge­ben­den Be­schei­dung des Gleich­stel­lungs­an­trags eröff­net.

7

Das Ar­beits­ge­richt hat dem Haupt­an­trag statt­ge­ge­ben. Auf die Be­schwer­de des Job­cen­ters hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung ab­geändert und die Anträge ab­ge­wie­sen. Da­bei hat es den Haupt­an­trag für nicht hin­rei­chend be­stimmt und da­her für un­zulässig ge­hal­ten; die Hilfs­anträge hat es zum Teil als un­zulässig, zum Teil als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Mit ih­rer Rechts­be­schwer­de ver­folgt die An­trag­stel­le­rin die zu­letzt ge­stell­ten Anträge wei­ter. Hilfs­wei­se be­an­tragt sie für den Fall der Un­zulässig­keit des Haupt­an­trags zusätz­lich,

1a.

dem Job­cen­ter auf­zu­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von min­des­tens 30, die ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen ge­stellt ha­ben, über den noch nicht rechts­kräf­tig ent­schie­den wur­de, und die­ses dem Job­cen­ter mit­ge­teilt ha­ben, im We­ge der Um­set­zung Ar­beit auf ei­nem an­de­ren Ar­beits­platz zu­zu­wei­sen, oh­ne die An­trag­stel­le­rin zu­min­dest sie­ben Ta­ge zu­vor münd- 

 

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lich über die Um­set­zung, ih­ren Zeit­punkt so­wie den Ar­beits­platz ein­sch­ließlich sei­ner lei­dens­ge­rech­ten Ge­stal­tung in Be­zug auf die Be­hin­de­rung des Ar­beit­neh­mers un­ter­rich­tet zu ha­ben und die An­trag­stel­le­rin der­ge­stalt an­gehört zu ha­ben, dass die An­trag­stel­le­rin bin­nen sie­ben Ta­gen zu die­ser Um­set­zung Stel­lung neh­men kann.

8

Das Job­cen­ter be­an­tragt, die Rechts­be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

9

B. Die Rechts­be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin bleibt oh­ne Er­folg. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die im Be­schwer­de­ver­fah­ren zu­letzt ge­stell­ten Anträge zu Recht ab­ge­wie­sen. Der erst­mals im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren an­ge­brach­te Hilfs­an­trag zu 1a. ist un­be­gründet.

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I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den Haupt­an­trag zu Recht als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Der An­trag ist nicht hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

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1. Dem Job­cen­ter soll mit die­sem An­trag un­ter­sagt wer­den, be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer, die ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen ge­stellt und dies dem Job­cen­ter mit­ge­teilt ha­ben, auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz um­zu­set­zen, oh­ne dass die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu­vor un­ter­rich­tet und an­gehört wur­de. Der An­trag kann nicht da­hin aus­ge­legt wer­den, dass die vom Job­cen­ter ver­lang­te Un­ter­rich­tung und Anhörung nach Maß­ga­be der in der Rechts­be­schwer­de­be­gründung durch den wei­te­ren Hilfs­an­trag zu 1a. vor­ge­nom­me­nen Kon­kre­ti­sie­rung er­fol­gen soll. In den Vor­in­stan­zen hat­te die An­trag­stel­le­rin kei­nen Sach­vor­trag zu den Ein­zel­hei­ten der Art und Wei­se und des In­halts der Un­ter­rich­tung und Anhörung ge­hal­ten. Zwar macht die An­trag­stel­le­rin mit der Rechts­be­schwer­de gel­tend, sie hätte bei Er­tei­lung ei­nes Hin­wei­ses auf die Un­zulässig­keit des Haupt­an­trags durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­nen ent­spre­chend kon­kre­ti­sier­ten An­trag ge­stellt. Sie ver­tei­digt je­doch die Zulässig­keit des in den Vor­in­stan­zen ge­stell­ten Haupt­an­trags und stellt den kon­kre­ti­sier­ten An­trag in der Rechts­be­schwer­de hilfs­wei­se für den Fall der Un­zulässig­keit des Haupt­an­trags. Da­mit sind die Anträge - auch nach der ge­bo­te­nen Aus­le­gung - nicht iden­tisch.

 

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2. Der Haupt­an­trag ist nicht hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO und des­halb un­zulässig.

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a) Im Be­schluss­ver­fah­ren muss ein An­trag eben­so be­stimmt sein wie im Ur­teils­ver­fah­ren. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO gilt auch für das Be­schluss­ver­fah­ren und die in ihm ge­stell­ten Anträge. Der je­wei­li­ge Streit­ge­gen­stand muss so konk­ret um­schrie­ben wer­den, dass der Um­fang der Rechts­kraft­wir­kung für die Be­tei­lig­ten nicht zwei­fel­haft ist. Der in An­spruch ge­nom­me­ne Be­tei­lig­te muss bei ei­ner dem An­trag statt­ge­ben­den Ent­schei­dung ein­deu­tig er­ken­nen können, was von ihm ver­langt wird. Das Ge­richt ist ge­hal­ten, ei­ne ent­spre­chen­de Aus­le­gung des An­trags vor­zu­neh­men, wenn hier­durch ei­ne vom An­trag­stel­ler er­kenn­bar er­streb­te Sach­ent­schei­dung ermöglicht wird. Die Prüfung, wel­che Maßnah­men der Schuld­ner vor­zu­neh­men oder zu un­ter­las­sen hat, darf da­durch grundsätz­lich nicht in das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den (BAG 27. Ju­li 2016 - 7 ABR 16/14 - Rn. 13; 9. Ju­li 2013 - 1 ABR 17/12 - Rn. 14; 12. Au­gust 2009 - 7 ABR 15/08 - Rn. 12 mwN, BA­GE 131, 316). Des­sen Auf­ga­be ist es zu klä­ren, ob der Schuld­ner ei­ner Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men ist, und nicht, wie die­se aus­sieht (BAG 27. Ju­li 2016 - 7 ABR 16/14 - Rn. 13; 22. Mai 2012 - 1 ABR 11/11 - Rn. 15, BA­GE 141, 360). Ein Un­ter­las­sungs­an­trag muss des­halb - be­reits aus rechts­staat­li­chen Gründen - ein­deu­tig er­ken­nen las­sen, was vom Schuld­ner ver­langt wird. Soll der Schuld­ner zur zukünf­ti­gen Un­ter­las­sung ein­zel­ner Hand­lun­gen ver­pflich­tet wer­den, müssen die­se so ge­nau be­zeich­net sein, dass kein Zwei­fel be­steht, wel­ches Ver­hal­ten im Ein­zel­nen be­trof­fen ist. Für den Schuld­ner muss auf­grund des Un­ter­las­sungs­ti­tels er­kenn­bar sein, wel­che Hand­lun­gen oder Äußerun­gen er künf­tig zu un­ter­las­sen hat, um sich rechtmäßig ver­hal­ten zu können (vgl. BAG 14. März 2012 - 7 ABR 67/10 - Rn. 9; 17. März 2010 - 7 ABR 95/08 - Rn. 13, BA­GE 133, 342).

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b) Die­sen An­for­de­run­gen genügt der Haupt­an­trag nicht. Dem Job­cen­ter sol­len Um­set­zun­gen be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer, die ei­nen Gleich­stel­lungs­an­trag ge­stellt und dies dem Ar­beit­ge­ber mit­ge­teilt ha­ben, un­ter­sagt wer­den, so­fern die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht zu­vor un­ter­rich­tet und an­gehört wur­de. Da­mit ist zwar klar, dass von der Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung al­le künf­ti­gen Um-

 

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set­zun­gen von be­hin­der­ten Mit­ar­bei­tern, die ei­nen (noch nicht be­schie­de­nen) Gleich­stel­lun­g­an­trag ge­stellt und dies dem Job­cen­ter mit­ge­teilt ha­ben, er­fasst sein sol­len. Un­be­stimmt bleibt hin­ge­gen, wie die Un­ter­rich­tung und Anhörung im Ein­zel­nen aus­ge­stal­tet sein soll, bei de­ren Feh­len der be­gehr­te Un­ter­las­sungs­ti­tel zur An­wen­dung kom­men soll. Es fehlt an der hin­rei­chen­den Präzi­sie­rung, in wel­cher Form und Frist, mit wel­chem In­halt und in wel­chem Um­fang die Un­ter­rich­tung er­fol­gen und wel­che Zeit die An­trag­stel­le­rin zu ei­ner Stel­lung­nah­me ha­ben soll. So bleibt ua. un­klar, ob der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nur die be­ab­sich­tig­te Um­set­zung an sich oder darüber hin­aus auch die ein­zel­nen Be­din­gun­gen oder sons­ti­gen Umstände der be­ab­sich­tig­ten Um­set­zung mit­zu­tei­len sind, und ob dies münd­lich oder schrift­lich ge­sche­hen soll. Die Be­ant­wortung die­ser Fra­gen darf nicht in das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den. Der be­an­trag­te Te­nor ließe of­fen, wel­ches rechtmäßige Ver­hal­ten der Ar­beit­ge­be­rin ge­nau ab­ver­langt würde (vgl. BAG 14. März 2012 - 7 ABR 67/10 - Rn. 10 zu ei­nem An­trag, mit dem der Ar­beit­ge­be­rin un­ter­sagt wer­den soll­te, ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag zu schließen, „be­vor nicht der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­ter un­ter­rich­tet und ihm Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wur­de, da­zu Stel­lung zu neh­men“).

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II. Auch der dem Se­nat mit der Ab­wei­sung des Haupt­an­trags zur Ent­schei­dung an­fal­len­de im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren zusätz­lich an­ge­brach­te Hilfs­an­trag zu 1a. bleibt oh­ne Er­folg.

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1. Mit die­sem An­trag hat die An­trag­stel­le­rin kei­ne in der Rechts­be­schwer­de­instanz un­zulässi­ge An­trags­er­wei­te­rung vor­ge­nom­men.

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a) An­trags­er­wei­te­run­gen sind eben­so wie sons­ti­ge An­tragsände­run­gen im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren grundsätz­lich un­zulässig (§ 559 ZPO). Ei­ne Aus­nah­me be­steht dann, wenn der geänder­te Sach­an­trag sich auf ei­nen in der Be­schwer­de­instanz fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt stützen kann, sich das recht­li­che Prüfpro­gramm nicht we­sent­lich ändert, Ver­fah­rens­rech­te der an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nicht verkürzt wer­den und die geänder­te An­trag­stel­lung dar­auf be­ruht, dass die Vor­in­stan­zen ei­nen nach § 139 Abs. 1 ZPO ge­bo­te­nen Hin­weis un­ter­las­sen ha­ben (vgl. BAG 15. Mai 2018 - 1 ABR 75/16 - Rn. 36, BA­GE 162,

 

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379; 23. Au­gust 2016 - 1 ABR 22/14 - Rn. 48, BA­GE 156, 135). In die­sen Fällen ist es aus pro­zessöko­no­mi­schen Gründen an­ge­zeigt, den Be­tei­lig­ten ei­ne an­de­ren­falls er­for­der­li­che Zurück­ver­wei­sung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt oder gar ei­ne er­neu­te erst­in­stanz­li­che An­ru­fung der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen zu er­spa­ren (BAG 22. Ju­li 2014 - 1 ABR 94/12 - Rn. 31 mwN).

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b) Da­nach ist die mit dem Hilfs­an­trag zu 1a. in der Rechts­be­schwer­de­instanz vor­ge­nom­me­ne An­trags­er­wei­te­rung aus­nahms­wei­se zulässig.

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aa) Die geänder­te An­trag­stel­lung be­ruht dar­auf, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­nen nach § 139 Abs. 1 ZPO ge­bo­te­nen Hin­weis un­ter­las­sen hat.

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(1) Hält ein Ge­richt ei­nen An­trag ab­wei­chend vom Aus­spruch der Vor­in­stanz für un­zulässig, weil er sei­nes Er­ach­tens dem Be­stimmt­heits­er­for­der­nis des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO nicht genügt, so muss es auf ei­ne Hei­lung die­ses Man­gels hin­wir­ken. Die be­trof­fe­ne Par­tei muss Ge­le­gen­heit er­hal­ten, ih­ren Sach­an­trag den Zulässig­keits­be­den­ken des er­ken­nen­den Ge­richts an­zu­pas­sen (BAG 27. Ju­li 2016 - 7 ABR 16/14 - Rn. 21).

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(2) Dem In­halt der Ak­te (vgl. § 139 Abs. 4 Satz 2 ZPO) kann nicht ent­nom­men wer­den, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt die An­trag­stel­le­rin, die mit dem Haupt­an­trag erst­in­stanz­lich ob­siegt hat­te, auf des­sen feh­len­de Be­stimmt­heit hin­ge­wie­sen und ihr die Möglich­keit ein­geräumt hat, ei­nen sach­dien­li­chen An­trag zu stel­len. Zwar können sich sonst ge­bo­te­ne Hin­wei­se des Ge­richts er­übri­gen, wenn die be­trof­fe­ne Par­tei von der Ge­gen­sei­te die er­for­der­li­che Un­ter­rich­tung er­hal­ten hat. Dies gilt je­doch nicht für die ge­richt­li­che Pflicht, auf sach­dien­li­che Anträge hin­zu­wir­ken (BAG 27. Ju­li 2016 - 7 ABR 16/14 - Rn. 21). Zu­dem hat­te das Job­cen­ter die feh­len­de Be­stimmt­heit des Haupt­an­trags in den Vor­in­stan­zen nicht gel­tend ge­macht.

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bb) Über den Hilfs­an­trag zu 1a. kann auf der Grund­la­ge des vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts und im Rah­men des vom Lan­de­sar­beits­ge­richt durch­geführ­ten recht­li­chen Prüfpro­gramms ent­schie­den wer­den. Ver­fah­rens­rech­te des Job­cen­ters wer­den nicht verkürzt.

 

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2. Der An­trag ist auch im Übri­gen zulässig. Er lässt er­ken­nen, für wel­che An­ge­le­gen­hei­ten das Be­tei­li­gungs­recht fest­ge­stellt wer­den soll und wie die Un­ter­rich­tung und Anhörung im Ein­zel­nen aus­ge­stal­tet sein soll. Der An­trag ist da­mit hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Die An­trag­stel­le­rin ist nach § 81 Abs. 1 ArbGG an­trags­be­fugt. Sie macht ihr Be­tei­li­gungs­recht aus § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ge­genüber dem Job­cen­ter gel­tend.

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3. Der Hilfs­an­trag zu 1a. ist un­be­gründet. Die An­trag­stel­le­rin hat kei­nen An­spruch auf die mit dem An­trag be­gehr­te Un­ter­las­sung der Um­set­zung be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer. Hat ein als be­hin­der­ter Mensch mit ei­nem GdB von 30 an­er­kann­ter Ar­beit­neh­mer die Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen be­an­tragt und dies dem Ar­beit­ge­ber mit­ge­teilt, ist der Ar­beit­ge­ber nicht ver­pflich­tet, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung von der be­ab­sich­tig­ten Um­set­zung die­ses Ar­beit­neh­mers (vor­sorg­lich) zu un­ter­rich­ten und sie hier­zu an­zuhören, wenn über den Gleich­stel­lungs­an­trag noch nicht ent­schie­den ist. Das er­gibt die Aus­le­gung von § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX, was das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Rah­men sei­ner Ausführun­gen zur Un­be­gründet­heit des Hilfs­an­trags zu 2. zu­tref­fend er­kannt hat. Es kann da­her da­hin­ste­hen, ob sich aus § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX für den Fall der oh­ne Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung er­folg­ten Um­set­zung ei­nes schwer­be­hin­der­ten oder ei­nes ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen gleich­ge­stell­ten be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers über­haupt ein Un­ter­las­sungs­an­spruch der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ge­gen den Ar­beit­ge­ber ab­lei­ten lässt.

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a) Nach § 178 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 1 SGB IX muss der Ar­beit­ge­ber die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung in al­len An­ge­le­gen­hei­ten, die ei­nen ein­zel­nen oder die schwer­be­hin­der­ten Men­schen als Grup­pe berühren, un­verzüglich und um­fas­send un­ter­rich­ten und vor ei­ner Ent­schei­dung anhören. Ge­gen­stand der Un­ter­rich­tung und Anhörung sind al­le An­ge­le­gen­hei­ten bzw. Ent­schei­dun­gen, die ei­nen ein­zel­nen oder die schwer­be­hin­der­ten Men­schen als Grup­pe berüh­ren (BAG 19. De­zem­ber 2018 - 7 ABR 80/16 - Rn. 21; 14. März 2012 - 7 ABR 67/10 - Rn. 20 f.). Da­her be­steht die Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht grundsätz­lich, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen in-

 

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ner­halb der­sel­ben Dienst­stel­le im We­ge ei­ner Um­set­zung an­de­re Auf­ga­ben überträgt. Dies gilt auch für die Um­set­zung von be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern, die durch Be­scheid der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen gleich­ge­stellt sind (§ 151 Abs. 1 SGB IX).

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b) Die Be­tei­li­gungs­pflicht setzt nach dem Wort­laut der ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen der §§ 178 Abs. 2, 151 Abs. 1 und Abs. 2 SGB IX vor­aus, dass die be­ab­sich­tig­te Um­set­zung ei­nen schwer­be­hin­der­ten oder ei­nen be­reits durch Be­scheid der Bun­des­agen­tur für Ar­beit mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen gleich­ge­stell­ten be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer be­trifft. Nach § 151 Abs. 1 SGB IX gel­ten die Re­ge­lun­gen des 3. Teils des SGB IX, in des­sen Ka­pi­tel 5 sich § 178 SGB IX be­fin­det, für schwer­be­hin­der­te und die­sen gleich­ge­stell­te be­hin­der­te Men­schen. Men­schen sind nach § 2 Abs. 2 Halbs. 1 SGB IX im Sin­ne des 3. Teils des SGB IX schwer­be­hin­dert, wenn bei ih­nen ein GdB von we­nigs­tens 50 vor­liegt. Für be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem GdB von un­ter 50 fin­det die Vor­schrift nur An­wen­dung, wenn die­se schwer­be­hin­der­ten Men­schen gleich­ge­stellt sind. Die Gleich­stel­lung, die nach § 2 Abs. 3 SGB IX ei­nen GdB von min­des­tens 30 vor­aus­setzt, er­folgt auf An­trag des Be­hin­der­ten nach § 151 Abs. 2 Satz 1 SGB IX durch rechts­be­gründen­den Ver­wal­tungs­akt der Bun­de­sagen­tur für Ar­beit und wirkt kon­sti­tu­tiv. Im Un­ter­schied zu den kraft Ge­set­zes geschütz­ten schwer­be­hin­der­ten Per­so­nen, bei de­nen durch die An­er­ken­nung als schwer­be­hin­der­ter Mensch ein be­ste­hen­der Rechts­schutz nur fest­ge­stellt wird, wird der Schutz des ein­fach Be­hin­der­ten durch die Gleich­stel­lung erst be­gründet (vgl. BAG 31. Ju­li 2014 - 2 AZR 434/13 - Rn. 48; 10. April 2014 - 2 AZR 647/13 - Rn. 39; 18. No­vem­ber 2008 - 9 AZR 643/07 - Rn. 22; Grei­ner in Neu­mann/Pah­len/Grei­ner/Wink­ler/Jab­ben SGB IX 14. Aufl. § 151 Rn. 20). Ob die Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht nach § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX be­steht, ist nach den Umständen zum Zeit­punkt der Um­set­zung zu be­ur­tei­len. Ist zu die­sem Zeit­punkt der von der Um­set­zung be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer we­der schwer­be­hin­dert noch über sei­nen Gleich­stel­lungs­an­trag po­si­tiv ent­schie­den, sind die Vor­aus­set­zun­gen für die Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht da­her nicht erfüllt. Der Ar­beit­neh­mer un­terfällt zu die­sem Zeit­punkt nicht dem An­wen­dungs­be­reich des 3. Teils des SGB IX. Ei­ne vor­sorg­li­che Be­tei­li­gungs­pflicht

 

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re­gelt § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX nicht. Ge­gen­tei­li­ges folgt nicht aus § 151 Abs. 2 Satz 2 SGB IX, wo­nach die Gleich­stel­lung mit dem Tag des Ein­gangs des An­trags wirk­sam wird. Die­se Rück­wir­kung wird erst durch den statt­ge­ben­den Gleich­stel­lungs­be­scheid be­gründet, wes­halb sie im Zeit­punkt der vor dem Be­scheid er­folg­ten Um­set­zung noch nicht ein­ge­tre­ten ist. Das Ge­setz enthält kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass die ggf. später ein­tre­ten­de Rück­wir­kung ge­gen den Wort­laut des § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ei­ne vor­sorg­li­che Be­tei­li­gungs­pflicht be­wir­ken soll.

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c) Sys­te­ma­ti­sche Erwägun­gen bestäti­gen die­ses Er­geb­nis. 28

aa) Die in § 151 Abs. 2 Satz 2 SGB IX an­ge­ord­ne­te Rück­wir­kung des kon­sti­tu­ti­ven Gleich­stel­lungs­be­scheids hat zwar grundsätz­lich zur Fol­ge, dass be­hin­der­te Men­schen seit dem Zeit­punkt der An­trag­stel­lung den in­di­vi­du­el­len Schutz­vor­schrif­ten des 3. Teils des SGB IX un­ter­lie­gen. Die Rück­wir­kung ist, wie die Vor­schrif­ten zum Wahl­ver­fah­ren in § 177 Abs. 1 und Abs. 2 SGB IX zei­gen, nach der ge­setz­ge­be­ri­schen Vor­stel­lung aber nicht all­um­fas­send, son­dern ge­ra­de im Zu­sam­men­hang mit der kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen­ver­tre­tung durch die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ein­ge­schränkt.

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So sind be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer mit ei­nem GdB von un­ter 50, die vor der Wahl der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ei­nen Gleich­stel­lungs­an­trag ge­stellt ha­ben, über den am Wahl­tag noch nicht oder (an­fecht­bar) ab­schlägig ent­schie­den ist, im Sin­ne von § 177 Abs. 2 SGB IX nicht als Schwer­be­hin­der­te zu be­han­deln und da­her nicht be­rech­tigt, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu wäh­len. Es genügt nicht, dass vor der Wahl ein Gleich­stel­lungs­an­trag ge­stellt wor­den ist (Düwell in LPK-SGB IX 5. Aufl. § 177 Rn. 13; Düwell Wahl der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung 2. Aufl. S. 45; Grei­ner in Neu­mann/Pah­len/ Grei­ner/Wink­ler/Jab­ben SGB IX 14. Aufl. § 151 Rn. 21; vgl. zu § 24 Abs. 1 und Abs. 2 SchwbG BayVGH 1. Ju­li 1987 - 18 C 87.00852 -).

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Auch bei der Er­mitt­lung der für die Wahl ei­ner Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach § 177 Abs. 1 SGB IX er­for­der­li­chen Min­dest­an­zahl von fünf schwer­be­hin­der­ten Men­schen sind Beschäftig­te mit ei­nem GdB von 30 oder 40 nur dann zu berück­sich­ti­gen, wenn sie durch Be­scheid der Bun­des­agen­tur für

 

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Ar­beit be­reits gleich­ge­stellt sind (vgl. Düwell in LPK-SGB IX 5. Aufl. § 177 Rn. 23; Pah­len in Neu­mann/Pah­len/Grei­ner/Wink­ler/Jab­ben SGB IX 14. Aufl. § 177 Rn. 3). Ist über den Gleich­stel­lungs­an­trag hin­ge­gen noch nicht ent­schie­den, sind die ein­fach be­hin­der­ten Beschäftig­ten nicht mit­zuzählen, auch wenn ein später ggf. statt­ge­ben­der Be­scheid die Gleich­stel­lung mit rück­wir­ken­der Kraft zum Zeit­punkt der An­trag­stel­lung be­wirkt. An­de­ren­falls bestünde im Hin­blick auf die Wirk­sam­keit der Wahl der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, die nach den Umständen zum Zeit­punkt der Wahl zu be­ur­tei­len ist, ei­ne er­heb­li­che Rechts­un­si­cher­heit, da sich erst im Nach­hin­ein her­aus­stel­len würde, ob die Be­schäftig­ten­zahl zu­tref­fend er­mit­telt wur­de.

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bb) Auch die Re­ge­lung zur Ein­schränkung des Son­derkündi­gungs­schut­zes in § 173 Abs. 3 SGB IX spricht in sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht für das hier ge­fun­de­ne Er­geb­nis.

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(1) Nach § 168 SGB IX be­darf die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen durch den Ar­beit­ge­ber der vor­he­ri­gen Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts. Al­ler­dings fin­det das Zu­stim­mungs­er­for­der­nis nach § 173 Abs. 3 SGB IX kei­ne An­wen­dung, wenn zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung die Ei­gen­schaft als schwer­be­hin­der­ter Mensch nicht nach­ge­wie­sen ist oder das Ver­sor­gungs­amt nach Ab­lauf der Frist des § 152 Abs. 1 Satz 3 SGB IX ei­ne Fest­stel­lung we­gen feh­len­der Mit­wir­kung nicht tref­fen konn­te. § 173 Abs. 3 SGB IX gilt nicht nur für schwer­be­hin­der­te Men­schen, son­dern auch für ih­nen gleich­ge­stell­te be­hin­der­te Men­schen (vgl. zur wort­g­lei­chen Vorgänger­re­ge­lung in § 90 Abs. 2a SGB IX aF ausführ­lich BAG 1. März 2007 - 2 AZR 217/06 - Rn. 29 ff., 37 ff., 43 ff., BA­GE 121, 335). Das Ein­grei­fen des Son­derkündi­gungs­schut­zes setzt da­mit grundsätz­lich vor­aus, dass im Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung ent­we­der die Schwer­be­hin­de­rung be­reits an­er­kannt (oder ei­ne Gleich­stel­lung er­folgt) ist oder die Stel­lung des An­trags auf An­er­ken­nung der Schwer­be­hin­de­rung (bzw. auf Gleich­stel­lung) min­des­tens drei Wo­chen zurück­liegt (vgl. zu § 90 Abs. 2a SGB IX aF: BAG 9. Ju­ni 2011 - 2 AZR 703/09 - Rn. 18; 29. No­vem­ber 2007 - 2 AZR 613/06 - Rn. 15; 1. März 2007 - 2 AZR 217/06 - aaO).

 

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(2) § 173 Abs. 3 SGB IX ver­deut­licht, dass der Ge­setz­ge­ber für den im 4. Ka­pi­tel des 3. Teils des SGB IX ge­re­gel­ten Son­derkündi­gungs­schutz die Pro­ble­ma­tik ei­nes lau­fen­den An­er­ken­nungs- bzw. Gleich­stel­lungs­ver­fah­rens er­kannt und für den Fall, dass die Schwer­be­hin­de­rung noch nicht an­er­kannt (oder ei­ne Gleich­stel­lung noch nicht er­folgt) ist, den Son­derkündi­gungs­schutz auf ei­ne zeit­nah vor der Kündi­gung er­folg­te An­trag­stel­lung er­streckt hat. Wenn der Ge­setz­ge­ber be­ab­sich­tigt hätte, die im 5. Ka­pi­tel des 3. Teils des SGB IX ge­re­gel­te Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht der Schwer­be­hin­der­ten­vert­re­tung nach § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX auch für Um­set­zun­gen be­hin­der­ter Men­schen, über de­ren Gleich­stel­lungs­an­trag zum Zeit­punkt der Um­set­zung noch nicht ent­schie­den ist, vor­zu­se­hen, hätte es ge­ra­de an­ge­sichts der kon­sti­tu­ti­ven Wir­kung des Gleich­stel­lungs­be­scheids der Bun­des­agen­tur für Ar­beit na­he­ge­le­gen, hier ei­ne ver­gleich­ba­re Re­ge­lung auf­zu­neh­men. Das gilt ins­be­son­de­re auch des­halb, weil ein Ver­s­toß ge­gen die in § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ge­re­gel­te Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor ei­ner Um­set­zung ei­nes schwer­be­hin­der­ten oder gleich­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers - im Ge­gen­satz zur un­ter­blie­be­nen Be­tei­li­gung des In­te­gra­ti­ons­amts im Fall der Kündi­gung - nicht zur in­di­vi­du­al­recht­li­chen Un­wirk­sam­keit der Um­set­zung führt (vgl. BAG 28. Ju­ni 2007 - 6 AZR 750/06 - Rn. 48, BA­GE 123, 191 zu § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX aF; 28. Ju­li 1983 - 2 AZR 122/82 - BA­GE 43, 210 zur ent­spre­chen­den Vor­schrift im SchwbG; Pah­len in Neu­mann/Pah­len/ Grei­ner/Wink­ler/Jab­ben SGB IX 14. Aufl. § 178 Rn. 9 mwN). Mit der zum 30. De­zem­ber 2016 in Kraft ge­tre­te­nen Ände­rung des § 95 Abs. 2 Satz 3 SGB IX (seit dem 1. Ja­nu­ar 2018: § 178 Abs. 2 Satz 3 SGB IX) hat der Ge­setz­ge­ber die Un­wirk­sam­keits­fol­ge le­dig­lich für die Kündi­gung ei­nes schwer­be­hin-der­ten Men­schen, die der Ar­beit­ge­ber oh­ne ei­ne Be­tei­li­gung nach § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX aF (seit dem 1. Ja­nu­ar 2018: § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX) aus­spricht, an­ge­ord­net, was nach § 68 Abs. 1 SGB IX aF (seit dem 1. Ja­nu­ar 2018: § 151 Abs. 1 SGB IX) glei­cher­maßen für Schwer­be­hin­der­ten gleich­ge­stell­te be­hin­der­te Men­schen gilt.

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d) Sinn und Zweck der in § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ge­re­gel­ten Be­tei­li­gungs­pflicht spre­chen eben­falls ge­gen ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, die

 

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Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung von der be­ab­sich­tig­ten Um­set­zung ei­nes be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers zu un­ter­rich­ten und zu die­ser an­zuhören, wenn über des­sen Gleich­stel­lungs­an­trag noch nicht ent­schie­den ist.

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aa) § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ist Teil des in § 182 Abs. 1 SGB IX ver­an­ker­ten Grund­sat­zes der en­gen Zu­sam­men­ar­beit von Ar­beit­ge­ber, Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung und Be­triebs- oder Per­so­nal­rat, um die Teil­ha­be schwer­be-hin­der­ter Men­schen am Ar­beits­le­ben si­cher­zu­stel­len. Die Auf­ga­be der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach § 178 Abs. 1 Satz 1 SGB IX be­steht des­halb dar­in, die Ein­glie­de­rung schwer­be­hin­der­ter Men­schen in den Be­trieb oder die Dienst­stel­le zu fördern. Sie hat die In­ter­es­sen der schwer­be­hin­der­ten Men­schen ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber zu ver­tre­ten und ih­nen be­ra­tend und hel­fend zur Sei­te zu ste­hen. Da­mit kor­re­spon­diert die Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht nach § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX. Sie eröff­net der Schwer­be­hin­der­ten­vert­re­tung die Möglich­keit, den Ar­beit­ge­ber aus ih­rer fach­li­chen Sicht auf mögli­che, ggf. nicht be­dach­te Aus­wir­kun­gen von Ent­schei­dun­gen hin­zu­wei­sen, die für die Be­lan­ge ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen oder schwer­be­hin­der­ter Beschäf­tig­ter als Kol­lek­tiv er­heb­lich sind (vgl. BAG 17. Au­gust 2010 - 9 ABR 83/09 - Rn. 16 f., BA­GE 135, 207 zu § 95 SGB IX aF).

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bb) Dar­aus er­gibt sich, dass die Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers aus § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX bei ein­fach be­hin­der­ten Men­schen grundsätz­lich erst dann ent­steht, wenn die Gleich­stel­lung kon­sti­tu­tiv durch ei­nen Be­scheid der Bun­des­agen­tur für Ar­beit fest­ge­stellt ist. Erst dann können sach­dien­li­che Hin­wei­se der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung auf mögli­che, ggf. nicht be­dach­te Aus­wir­kun­gen von Ent­schei­dun­gen ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ih­ren Schutz­zweck zu­guns­ten der ein­fach be­hin­der­ten Beschäftig­ten voll­umfäng­lich ent­fal­ten, weil die­se zu­vor nicht in den An­wen­dungs­be­reich des 3. Teils des SGB IX fal­len und den Ar­beit­ge­ber ent­spre­chen­de Hand­lungs­ver­pflich­tun­gen - wie zB nach § 164 SGB IX - nicht tref­fen. Die Auf­fas­sung der An­trag­stel­le­rin, ei­ne frühzei­ti­ge Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung sei ge­ne­rell ge­bo­ten, um ei­ne Ver­größerung der Grup­pe der schwer­be­hin­der­ten Beschäftig­ten zu ver­mei­den und zu be­wir­ken, dass ei­ne Gleich­stel­lung auf-

 

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grund ih­rer frühzei­ti­gen Ein­schal­tung und Be­tei­li­gung nicht mehr er­for­der­lich sei, ver­kennt, dass die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung kei­ne Ge­ne­ral­zuständig­keit für al­le ein­fach be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer be­sitzt, son­dern nur für schwer-be­hin­der­te und ih­nen gleich­ge­stell­te Men­schen, wie sich aus § 151 Abs. 1 SGB IX er­gibt.

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e) § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ist nicht un­ter Berück­sich­ti­gung von Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie Art. 27 Abs. 1 Satz 2 Buchst. e bzw. i iVm. Art. 2 Un­terabs. 3 und Un­terabs. 4 der UN-BRK da­hin aus­zu­le­gen, dass die Un­ter­rich­tungs- und Anhörungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers auch dann be­steht, wenn die Um­set­zung ei­nen als be­hin­der­ter Mensch mit ei­nem GdB von 30 an­er­kann­ten Ar­beit­neh­mer be­trifft, über des­sen Gleich­stel­lungs­an­trag noch nicht ent­schie­den ist.

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aa) Be­hin­der­te Men­schen, die nicht iSv. § 2 Abs. 2 SGB IX schwer­be­hin­dert sind, wer­den zwar vom Schutz der Richt­li­nie 2000/78/EG und der UN-BRK er­fasst. De­ren Vor­ga­ben gel­ten für al­le Fälle ei­ner Be­hin­de­rung in ih­rem Sin­ne und nicht nur für Be­hin­de­run­gen, die so schwer sind, dass sie ei­nen be­stimm­ten Grad über­schrei­ten. Der Be­griff der Be­hin­de­rung im Sin­ne des Uni­ons­rechts und der UN-BRK ist da­her nicht auf be­hin­der­te Men­schen be­schränkt, bei de­nen ei­ne Schwer­be­hin­de­rung vor­liegt (§ 2 Abs. 2 SGB IX: GdB we­nigs­tens 50) oder die die­sen gleich­ge­stellt sind, weil nach § 2 Abs. 3 SGB IX der GdB we­ni­ger als 50 aber we­nigs­tens 30 beträgt, und die aus ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Gründen ih­re Gleich­stel­lung be­an­tragt ha­ben (vgl. BAG 27. Ja­nu­ar 2011 - 8 AZR 580/09 - Rn. 36; 3. April 2007 - 9 AZR 823/06 - Rn. 23, BA­GE 122, 54).

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bb) Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie Art. 27 Abs. 1 Satz 2 Buchst. i iVm. Art. 2 Un­terabs. 3 und Un­terabs. 4 der UN-BRK ge­ben je­doch nicht vor, dass die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung bei Maßnah­men zu un­ter­rich­ten und an­zuhören ist, die be­hin­der­te Men­schen be­tref­fen.

 

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(1) Nach Art. 5 Satz 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG ha­ben die Mit­glied­staa­ten an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen zu tref­fen, um die An­wen­dung des Gleich­be­hand-lungs­grund­sat­zes auf Men­schen mit Be­hin­de­rung zu gewähr­leis­ten, was nach Art. 5 Satz 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG be­deu­tet, dass der Ar­beit­ge­ber die ge­eig­ne­ten und im kon­kre­ten Fall er­for­der­li­chen Maßnah­men zu er­grei­fen hat, um Men­schen mit Be­hin­de­rung ua. die Ausübung ei­nes Be­rufs zu ermögli­chen, es sei denn, die­se Maßnah­men würden den Ar­beit­ge­ber un­verhält­nismäßig be­las­ten (BAG 21. April 2016 - 8 AZR 402/14 - Rn. 20, BA­GE 155, 61). Nach Art. 27 Abs. 1 Satz 2 Buchst. i der UN-BRK ha­ben die Ver­trags­staa­ten si­cher­zu­stel­len, dass am Ar­beits­platz an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen ge­trof­fen wer­den. Nach der Le­gal­de­fi­ni­ti­on in Art. 2 Un­terabs. 4 der UN-BRK sind „an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen“ not­wen­di­ge und ge­eig­ne­te Ände­run­gen und An­pas­sun­gen, die kei­ne un­verhält­nismäßige oder un­bil­li­ge Be­las­tung dar­stel­len und die, wenn sie in ei­nem be­stimm­ten Fall er­for­der­lich sind, vor­ge­nom­men wer­den, um zu gewähr­leis­ten, dass Men­schen mit Be­hin­de­run­gen gleich­be­rech­tigt mit an­de­ren al­le Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten ge­nie­ßen oder ausüben können. Die Be­stim­mun­gen der UN-BRK sind Be­stand­teil der Uni­ons­rechts­ord­nung (EuGH 11. April 2013 - C-335/11 ua. - [HK Dan­mark, auch genannt „Ring, Sk­ou­boe Wer­ge'7 Rn. 28 ff.) und da­mit zu­gleich Be­stand­teil des - ggf. uni­ons­rechts­kon­form aus­zu­le­gen­den - deut­schen Rechts (BAG 21. April 2016 - 8 AZR 402/14 - Rn. 20, aaO; 4. No­vem­ber 2015 - 7 ABR 62/13 - Rn. 27, BA­GE 153, 187; 19. De­zem­ber 2013 - 6 AZR 190/12 - Rn. 53, BA­GE 147, 60). Der Um­stand, dass die UN-BRK seit ih­rem In­kraft­tre­ten in­te­grie­ren­der Be­stand­teil der Uni­ons­rechts­ord­nung ist, führt darüber hin­aus da­zu, dass auch die Richt­li­nie 2000/78/EG ih­rer­seits nach Möglich­keit in Übe­rein­stim­mung mit die­sem Übe­r­ein­kom­men aus­zu­le­gen ist (EuGH 11. April 2013 - C-335/11 ua. - [HK Dan­mark, auch genannt „Ring, Sk­ou­boe Wer­ge'7 Rn. 28 bis 32). In Deutsch­land ha­ben die UN-BRK so­wie das hier­zu er­gan­ge­ne Fa­kul­ta­tiv­pro­to­koll Ge­set­zes­kraft (Ge­setz zu dem Übe­r­ein­kom­men der Ver­ein­ten Na­tio­nen vom 13. De­zem­ber 2006 über die Rech­te von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen so­wie zu dem Fa­kul­ta­tiv­pro­to­koll vom 13. De­zem­ber 2006 zum Übe­r­ein­kom­men der Ver­ein­ten Na­tio­nen über die Rech­te von Men­schen mit

 

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Be­hin­de­run­gen vom 21. De­zem­ber 2008, BGBl. II S. 1419; vgl. BVerfG 10. Ok­to­ber 2014 - 1 BvR 856/13 - Rn. 6).

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(2) Die in § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ge­re­gel­te Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung in An­ge­le­gen­hei­ten, die ei­nen ein­zel­nen oder die schwer-be­hin­der­ten Men­schen als Grup­pe berühren, ist kei­ne an­ge­mes­se­ne Vor­keh­rung im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie von Art. 27 Abs. 1 Satz 2 Buchst. i iVm. Art. 2 Un­terabs. 3 und Un­terabs. 4 der UN-BRK.

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(a) Der Be­griff „an­ge­mes­se­ne Vor­keh­run­gen“ iSv. Art. 2 Un­terabs. 3 und Un­terabs. 4 der UN-BRK und von Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG ist weit zu ver­ste­hen und um­fasst die Be­sei­ti­gung der ver­schie­de­nen Bar­rie­ren, die die vol­le und wirk­sa­me, gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be der Men­schen mit Be­hin­de­rung am Be­rufs­le­ben be­hin­dern. Ge­meint sind ge­eig­ne­te ma­te­ri­el­le oder or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men, die der ein­zel­ne Ar­beit­ge­ber im Rah­men der Zu­mut­bar­keit zu er­grei­fen hat, um den Ar­beits­platz der Be­hin­de­rung ent­spre­chend ein­zu­rich­ten und dem be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer ua. die Ausübung ei­nes Be­rufs zu er­mögli­chen (vgl. EuGH 11. Sep­tem­ber 2019 - C-397/18 - [No­bel Plas­ti­ques Ibé-ri­ca] Rn. 64; 4. Ju­li 2013 - C-312/11 -; 11. April 2013 - C-335/11 ua. - [HK Dan-mark, auch ge­nannt „Ring, Sk­ou­boe Wer­ge“] Rn. 49, 54, 55; BAG 21. April 2016 - 8 AZR 402/14 - Rn. 22, BA­GE 155, 61; 19. De­zem­ber 2013 - 6 AZR 190/12 - Rn. 52, BA­GE 147, 60). Es geht zB um ei­ne ent­spre­chen­de Ge­stal­tung der Räum­lich­kei­ten oder ei­ne An­pas­sung des Ar­beits­geräts, des Ar­beits­rhyth­mus, der Auf­ga­ben­ver­tei­lung oder des An­ge­bots an Aus­bil­dungs- und Ein­ar­bei­tungs­maßnah­men (EuGH 11. Sep­tem­ber 2019 - C-397/18 - [No­bel Plas­ti­ques Ibéri­ca] Rn. 65).

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(b) Da­nach ist das in § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ge­re­gel­te Ver­fah­ren der Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung kei­ne „an­ge­mes­se­ne Vor­keh­rung“ iSv. Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie Art. 27 Abs. 1 Satz 2 Buchst. i iVm. Art. 2 Un­terabs. 3 und Un­terabs. 4 der UN-BRK. Durch die Be­tei­li­gungs­pflicht soll es zwar der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ermöglicht wer­den, nach § 178 Abs. 1 SGB IX tätig zu wer­den und den Ar­beit­ge­ber auf mögli­che, ggf. nicht be­dach­te Aus­wir­kun­gen von Ent­schei­dun­gen hin­zu­wei­sen, die für die Be­lan­ge

 

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ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen oder schwer­be­hin­der­ter Beschäftig­ter als Kol­lek­tiv er­heb­lich sind (vgl. BAG 17. Au­gust 2010 - 9 ABR 83/09 - Rn. 16 f., BA­GE 135, 207 zu § 95 SGB IX aF). Dies dient letzt­lich dem all­ge­mei­nen Ziel der Ein­glie­de­rung schwer­be­hin­der­ter Men­schen in den Be­trieb oder die Dienst­stel­le, was im Übri­gen nach § 176 Satz 1 SGB IX auch Auf­ga­be der je­weils be­ste­hen­den be­trieb­li­chen In­ter­es­sen­ver­tre­tung ist. Al­ler­dings be­schreibt § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX kei­ne im kon­kre­ten Ein­zel­fall ge­eig­ne­te, er­for­der­li­che und dem Ar­beit­ge­ber zu­mut­ba­re ma­te­ri­el­le oder or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me in Be­zug auf die Ar­beits­um­ge­bung, die Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on oder die Aus- und Fort­bil­dung, die da­zu dient, den Ar­beits­platz der Be­hin­de­rung ent­spre­chend ein­zu­rich­ten und dem be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer die Ausübung ei­nes Be­rufs zu er­mögli­chen. Ei­ne Pflicht, Ar­beitsplätze in der ge­nann­ten Art an­zu­pas­sen, ist zB vor­ge­se­hen in § 164 Abs. 4 und Abs. 5 SGB IX. Im Ge­gen­satz zu die­sen Nor­men ist § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ei­ne rei­ne Ver­fah­rens­re­ge­lung. Un­ter den in Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG und des­sen 20. Erwägungs­grund ge­nann­ten an­ge­mes­se­nen Vor­keh­run­gen fin­den sich kei­ne Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen. Dies spricht da­ge­gen, der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen als Vor­keh­run­gen im Sin­ne der Richt­li­nie an­zu­se­hen (vgl. Wiet­feld SAE 2017, 22, 24).

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(c) Der Um­stand, dass sich im Zu­ge der Un­ter­rich­tung und Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX her­aus­stel­len kann, dass zu­guns­ten des schwer­be­hin­der­ten oder gleich­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers an­ge­mes­se­ne, den Ar­beit­ge­ber nicht un­verhält­nismäßig be­las­ten­de Vor­keh­run­gen iSv. Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG, Art. 2 Un­terabs. 3 und Un­ter-abs. 4 der UN-BRK ge­trof­fen wer­den können, ge­bie­tet kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung. Hier­durch wird das Be­tei­li­gungs­ver­fah­ren nach § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX we­der ei­ne an­ge­mes­se­ne Vor­keh­rung iSv. Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG, Art. 2 Un­terabs. 3 und Un­terabs. 4 der UN-BRK noch Teil ei­ner sol­chen (vgl. zum Präven­ti­ons­ver­fah­ren nach § 84 Abs. 1 SGB IX aF BAG 21. April 2016 - 8 AZR 402/14 - Rn. 25, BA­GE 155, 61).

 

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cc) Et­was an­de­res er­gibt sich auch nicht aus Art. 27 Abs. 1 Satz 2 Buchst. e der UN-BRK. Da­nach sind von den Ver­trags­staa­ten ge­eig­ne­te Schrit­te vor­zu­neh­men, um für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten und be­ruf­li­chen Auf­stieg auf dem Ar­beits­markt so­wie die Un­terstützung bei der Ar­beits­su­che, beim Er­halt und der Bei­be­hal­tung ei­nes Ar­beits­plat­zes und beim be­ruf­li­chen Wie­der­ein­stieg zu fördern. Auch da­bei geht es um kon­k­re­te ma­te­ri­el­le oder or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men, nicht aber um abs­trak­te Ver­fah­rens- bzw. Be­tei­li­gungs­rech­te der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung.

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dd) Ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 Abs. 3 AEUV ist nicht ver­an­lasst. Die vor­lie­gend maßgeb­li­chen uni­ons­recht­li­chen Fra­gen sind durch die Recht­spre­chung des EuGH geklärt (vgl. EuGH 11. Sep­tem­ber 2019 - C­397/18 - [No­bel Plas­ti­ques Ibéri­ca] Rn. 64; 4. Ju­li 2013 - C-312/11 -; 11. April 2013 - C-335/11 ua. - [HK Dan­mark, auch ge­nannt „Ring, Sk­ou­boe Wer­ge“] Rn. 49, 54, 55).

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f) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der An­trag­stel­le­rin ge­bie­tet auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur vor­zei­ti­gen Zur­ru­he­set­zung schwer­be­hin­der­ter und gleich­ge­stell­ter Be­am­ter kei­ne an­de­re Aus­le­gung.

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So­weit das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 7. April 2011 (- 2 B 79.10 -) aus­geführt hat, aus sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung und den ein­schlägi­gen Ge­set­zes­tex­ten las­se sich ent­neh­men, dass der Dienst­herr, so­bald ihn der Be­am­te über sei­nen Gleich­stel­lungs­an­trag un­ter­rich­te, vor­sorg­lich die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung an­zuhören ha­be, han­delt es sich le­dig­lich um ein die Ent­schei­dung nicht tra­gen­des ob­iter dic­tum. Im Übri­gen ist die Ver­set­zung ei­nes Be­am­ten in den Ru­he­stand mit der Um­set­zung ei­nes Ar­beit­neh­mers auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz nicht ver­gleich­bar. Die Ver­set­zung ei­nes Be­am­ten in den Ru­he­stand kann als Ver­wal­tungs­akt an­fecht­bar sein, wenn die ge­bo­te­ne vor­he­ri­ge Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung un­ter­blie­ben ist (vgl. BVerwG 15. Fe­bru­ar 1990 - 1 WB 36.88 - BVerw­GE 86, 244). Das ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bei ei­ner be­am­ten­recht­li­chen Um­set­zung, die kei­nen Ver­wal­tungs­akt dar­stellt (BVerwG 22. Mai 1980 - 2 C 30.78 - BVerw­GE 60, 144), ge­ra­de nicht der Fall (BVerwG 10. Ju­li

 

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1985 - 2 B 75.84 - zu 1 der Gründe). Auch ar­beits­recht­lich führt ein Ver­s­toß ge­gen die in § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ge­re­gel­te Ver­pflich­tung, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor ei­ner Um­set­zung ei­nes schwer­be­hin­der­ten oder gleich­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers zu un­ter­rich­ten und an­zuhören, nicht zur in­di­vi­du­al­recht­li­chen Un­wirk­sam­keit die­ser Maßnah­me (vgl. BAG 28. Ju­ni 2007 - 6 AZR 750/06 - Rn. 48, BA­GE 123, 19 zu § 95 Abs. 2 Satz 1 SGB IX aF).

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III. Der mit der Ab­wei­sung der Anträge zu 1. und 1a. dem Se­nat zur Ent­schei­dung an­fal­len­de Hilfs­an­trag zu 2. ist zulässig, aber un­be­gründet.

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1. Der An­trag ist zulässig. 51

a) Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Er ist auf die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung des Job­cen­ters ge­rich­tet, die An­trag­s­tel­le­rin bei der Um­set­zung ei­nes be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz zu un­ter­rich­ten und zu die­ser an­zuhören, so­fern der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen ge­stellt und dies dem Job­cen­ter mit­ge­teilt hat. Da­mit lässt der An­trag er­ken­nen, für wel­che An­ge­le­gen­hei­ten das Be­tei­li­gungs­recht fest­ge­stellt wer­den soll. Zwar fehlt es auch in­so­weit an ei­ner nähe­ren Be­stim­mung, wie die Un­ter­rich­tung und Anhörung im Ein­zel­nen aus­ge­stal­tet sein soll. Das steht der Be­stimmt­heit des Fest­stel­lungs­an­trags aber nicht ent­ge­gen. Wenn be­reits das Be­ste­hen des Be­tei­li­gungs­rechts als sol­ches strei­tig ist und über des­sen ggf. zu be­ach­ten­de Aus­ge­stal­tung noch kein Streit be­steht, kann die­ses zum Ge­gen­stand ei­nes Fest­stel­lungs­an­trags ge­macht wer­den, oh­ne dass die Mo­di­fi­ka­tio­nen be­reits im Ein­zel­nen be­schrie­ben wer­den müss­ten (BAG 19. De­zem­ber 2018 - 7 ABR 80/16 - Rn. 17; 20. Ju­ni 2018 - 7 ABR 39/16 - Rn. 20; 14. März 2012 - 7 ABR 67/10 - Rn. 16; 8. Ju­ni 2004 - 1 ABR 13/03 - zu B I 2 a aa der Gründe mwN, BA­GE 111, 36). Das ist hier der Fall. Über die ein­zel­nen bei der Ausübung des Be­tei­li­gungs­rechts zu be­ach­ten­den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben be­steht ge­genwärtig kein Streit.

 

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b) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 256 Abs. 1 ZPO sind erfüllt. Der Fest­s­tel­lungs­an­trag muss nicht auf das Be­ste­hen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses ins­ge­samt ge­rich­tet sein. Er kann sich viel­mehr auf die Fest­stel­lung ein­zel­ner Rech­te oder Pflich­ten be­schränken wie im vor­lie­gen­den Fall. Da das Job­cen­ter die Ver­pflich­tun­gen be­strei­tet, hat die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ein be­rech­tig­tes In­te­res­se an der be­gehr­ten Fest­stel­lung.

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2. Der An­trag ist un­be­gründet. Das Job­cen­ter ist, wie sich aus den vors­te­hen­den Ausführun­gen un­ter II. er­gibt, nicht nach § 178 Abs. 2 Satz 1 SGB IX ver­pflich­tet, die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung über die Um­set­zung ei­nes be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz zu un­ter­rich­ten und zu die­ser an­zuhören, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­trag auf Gleich­stel­lung mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen ge­stellt und dies dem Job­cen­ter mit­ge­teilt hat.

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IV. Der erst­mals im Be­schwer­de­ver­fah­ren ge­stell­te An­trag zu 3. ist we­gen an­der­wei­ti­ger Rechtshängig­keit nach § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO un­zulässig, da er iden­tisch ist mit dem Haupt­an­trag. Der Hilfs­an­trag zu 3. un­ter­schei­det sich im Wort­laut von dem Haupt­an­trag le­dig­lich da­durch, dass dem Job­cen­ter un­ter­sagt wer­den soll, ei­nem be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer in der strei­ti­gen Si­tua­ti­on „Ar­beit auf ei­nem Ar­beits­platz zu­zu­wei­sen“, während dem Job­cen­ter mit dem Haupt­an­trag auf­ge­ge­ben wer­den soll, es zu un­ter­las­sen, den be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer „auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz um­zu­set­zen“. Die An­trag­stel­le­rin hat in ih­rer Rechts­be­schwer­de­be­gründung auf Sei­te 23 klar­ge­stellt, dass sich auch der Hilfs­an­trag zu 3. auf die Zu­wei­sung von Ar­beit im Rah­men ei­ner Um­set­zung be­zieht. Da­mit enthält die­ser An­trag kein über den Haupt­an­trag hin­aus­ge­hen­des oder hier­von ab­wei­chen­des Be­geh­ren, da ei­ne Um­set­zung mit der Zu­wei­sung von an­de­ren Ar­beits­auf­ga­ben ver­bun­den ist.

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V. Auch der erst­mals im Be­schwer­de­ver­fah­ren ge­stell­te An­trag zu 4. ist we­gen an­der­wei­ti­ger Rechtshängig­keit nach § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO un­zuläs­sig. Die­ser An­trag ist iden­tisch mit dem Hilfs­an­trag zu 2. Zwar be­gehrt die An­trag­stel­le­rin mit die­sem An­trag nach dem Wort­laut die Fest­stel­lung der Be­tei­li­gungs­pflicht „vor Zu­wei­sung von Ar­beit auf ei­nem vom bis­he­ri­gen Ar­beits­platz

 

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ab­wei­chen­den Ar­beits­platz“, während der be­reits rechtshängi­ge Hilfs­an­trag zu 2. die Fest­stel­lung der Be­tei­li­gungs­pflicht „hin­sicht­lich der Um­set­zung ei­nes be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers auf ei­nen an­de­ren Ar­beits­platz“ zum Ge­gen­stand hat. Auch dar­in liegt aber kein ab­wei­chen­des Be­geh­ren.

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Gräfl

M. Renn­pferdt

Was­kow

R. Schil­ler

Strip­pel­mann

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