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LAG Hamm, Ur­teil vom 06.10.2010, 3 Sa 854/10

   
Schlagworte: Bonus, Zielvereinbarung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Aktenzeichen: 3 Sa 854/10
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 06.10.2010
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Dortmund, 15.04.2010, 6 Ca 4866/09
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, 12.10.2011, 10 AZR 649/10
   


Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, 3 Sa 854/10


Te­nor: 

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 15.04.2010 — 6 Ca 4866/09 — wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens trägt die Be­klag­te.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 


Tat­be­stand:

1
Die Par­tei­en strei­ten um ei­ne Bo­nus­zah­lung für das Jahr 2008. 2

Die am 16.09.1956 ge­bo­re­ne Kläge­rin war seit dem 01.07.1986 als Ta­rif­an­ge­stell­te bei der D3 B3 AG beschäftigt.

3

Im De­zem­ber 2007 be­trug ihr Ta­rif­ge­halt 4.092,00 € brut­to, im De­zem­ber des Jah­res 2008 4.194,00 € brut­to.

4

Die Kläge­rin ist Vor­sit­zen­de des ört­li­chen Be­triebs­ra­tes und ist seit 2002 von der tatsächli­chen Ar­beits­leis­tung auf­grund die­ser Funk­ti­on frei­ge­stellt.

5
Bei der D3 B3 AG han­del­te es sich um die Kon­zer­no­ber­ge­sell­schaft des D3-Bank­kon­zerns. 6

Die D3 B3 AG wur­de auf die Be­klag­te, die zu­vor Al­lein­ak­ti­onärin an der D3 B3 ge­wor­den war, ver­schmol­zen. Die Ver­schmel­zung wur­de zum 11.05.2009 durch Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter wirk­sam. Seit die­sem Zeit­punkt wird die D3 B3 als Mar­ke in­ner­halb der Be­klag­ten geführt.

7

Im Mo­nat Fe­bru­ar 2008 schlos­sen die D3 B3 AG und der bei ihr be­ste­hen­de Ge­samt­be­triebs­rat rück­wir­kend zum 01.01.2007 ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung über das Bo­nus­sys­tem im Ta­rif­be­reich, mit der die Be­triebs­ver­ein­ba­rung über die Einführung ei­nes Bo­nus­sys­tems im Ta­rif­be­reich von Sep­tem­ber 2004 so­wie ei­ne Ände­rungs­ver­ein­ba­rung von März 2007 ab­gelöst wur­de.

8
Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung sieht u. a. fol­gen­de Re­ge­lun­gen vor: 9

"...

10

3. Bo­nus­pool

11

Der Vor­stand legt den Bo­nus­pool für ta­rif­lich vergüte­te Mit­ar­bei­ter in Abhängig­keit von dem Geschäfts­er­geb­nis der Bank fest.

12

Bei ei­ner pla­nungs­gemäßen Per­for­mance der Bank be­inhal­tet der Bo­nus­pool min­des­tens die Sum­me der im De­zem­ber des je­wei­li­gen Geschäfts­jah­res ge­zahl­ten ta­rif­li­chen Mo­nats­gehälter al­ler gemäß Zif­fer 2 un­ter die­se Ver­ein­ba­rung fal­len­den Mit­ar­bei­ter. Im Fal­le ei­ner weit über der Pla­nung lie­gen­den Per­for­mance wer­den auf der glei­chen Be­rech­nungs­ba­sis bis zu 1,5 Gehälter pro Mit­ar­bei­ter, bei ei­ner weit un­ter der Pla­nung lie­gen­den Per­for­mance min­des­tens 0,5 Gehälter in der Pool ein­ge­stell­ten (Ge­samt­poolfak­tor). Die Per­for­man­ce­le­vels ori­en­tie­ren sich an dem je­weils am An­fang des Jah­res fest­ge­leg­ten EVA-Ziel. Der Vor­stand kann ei­ne wei­te­re Re­du­zie­rung der Pool­vo­lu­mi­na un­ter 0,5 Gehälter be­sch­ließen, wenn der EVA un­ter mi­nus 100 Mio. EU­RO oder das er­reich­te EVA-Ziel 75 % un­ter der Pla­nung liegt.

13

Der Bo­nus wird zusätz­lich zu dem ta­rif­li­chen Ar­beits­ent­gelt ein­sch­ließlich ta­rif­li­cher Son­der­zah­lun­gen gemäß § 10 MW ge­zahlt.

14

4. Ver­tei­lung des Bo­nus

15

Der Bo­nus ei­nes Mit­ar­bei­ters ist grundsätz­lich von zwei Fak­to­ren abhängig: Von der Höhe des für sei­ne Ein­heit zur Verfügung ste­hen­den An­teils am Bo­nus­pool und von sei­ner in­di­vi­du­el­len Leis­tung.

16

a. Ver­tei­lung des Bo­nus­pools auf die Ein­hei­ten

17

Der Bo­nus­pool wird zunächst li­ne­ar, d. h. ent­spre­chend dem je­wei­li­gen An­teil an der Ge­halts­sum­me, auf die Di­vi­sio­nen und Funk­tio­nen ver­teilt.

18

19

b. Be­stim­mung des in­di­vi­du­el­len Bo­nus

20
1. Ver­tei­lung in­ner­halb der Ein­hei­ten 21

Die ver­ant­wort­li­che Führungs­kraft ver­teilt den ihr für ih­re Ein­heit zur Verfügung ste­hen­den An­teil am Bo­nus­pool (im fol­gen­den Team­pool) wie nach­ste­hend be­schrie­ben:

22

Je­der Mit­ar­bei­ter erhält als Team­bo­nus 40 % sei­nes in­di­vi­du­el­len Mo­nats­ge­halts mul­ti­pli­ziert mit den Sprei­zungs­fak­to­ren der Ein­heit, der er zu­ge­ord­net ist. In je­dem Fall je­do­cl Min­dest­bo­nus. Die Höhe des je­wei­li­gen Min­dest­bo­nus er­gibt sich aus An­la­ge 3. Die An­pas­sur Min­dest­bo­nus er­folgt ent­spre­chend der pro­zen­tua­len Ent­wick­lung der Ta­rif­gehälter nach dem Ge­halts­ta­rif­ver­trag des pri­va­ten Bank­ge­wer­bes.

23

24
c. Ver­fah­ren zur Leis­tungs­be­wer­tung 25

Die Höhe des in­di­vi­du­el­len Bo­nus legt der je­wei­li­ge Vor­ge­setz­te auf der Ba­sis ei­ner in­di­vi­du­el­len Leis­tungs­be­wer­tung fest. Die Leis­tungs­be­wer­tung zur Be­stim­mung des in­di­vi­du­el­le Bo­nus er­folgt der­zeit nach den Re­ge­lun­gen über das Mit­ar­bei­ter­gespräch (MAG). Die in­di­vi­du­ell Be­ur­tei­lung soll die Mit­ar­bei­ter­leis­tung ei­nes ge­sam­ten Jah­res ab­bil­den und zum Aus­zah­lungs­zeit­punkt nicht älter als drei Mo­na­te sein.

26

Die Par­tei­en wer­den auf der Ba­sis des bis­he­ri­gen Ver­hand­lungs­er­geb­nis­ses Gespräche über die Einführung ei­ner Leis­tungs­be­wer­tung nach dem Mo­dell "Führen mit Zie­len" auf­neh­men, Ziel ist es, hier­durch die Leis­tungs­be­wer­tung nach dem MAG ab­zulösen.

27

28

5. Son­der­grup­pen

29

Die vor­ste­hen­den Be­stim­mun­gen über die Er­mitt­lung ei­nes in­di­vi­du­el­len Bo­nus fin­den kei­ne An­wen­dung auf fol­gen­de Mit­ar­bei­ter­grup­pen:

30
a. Mit­ar­bei­ter, die im Zu­ge be­trieb­li­cher Qua­li­fi­zie­rungs- oder Förder­maßnah­men in­ner­halb ei­nes Bo­nus­jah­res mehr als zwei mal Tätig­keit oder Ein­satz­wort wech­seln, Trainees und Mit­ar­bei­ter in dau­er­haf­ten Fort­bil­dungs­maßnah­men. 31
b. frei­ge­stell­te Be­triebsräte. 32
c. Be­triebs­rats­mit­glie­der und Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­ter, so­fern die­se zur Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben ins­be­son­de­re auf Ge­samt­ban­ke­be­ne zu min­des­tens 50 % von ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit frei­ge­stellt sind. 33
d. Mit­ar­bei­ter der Be­triebs­re­ser­ve. 34

Mit­ar­bei­ter die­ser Grup­pen er­hal­ten grundsätz­lich ei­nen Bo­nus von 100 % ih­res in­di­vi­du­el­len Mo­nats­ge­hal­tes. Enthält der Bo­nus­pool mehr oder we­ni­ger als ein Ge­halt pro Mit­ar­bei­ter, erhöht bzw. re­du­ziert sich der Bo­nus ent­spre­chend.

35

36

7. Aus­zah­lungs­zeit­punkt

37

Der Bo­nus wird ein­mal jähr­lich, spätes­tens im April des dem maßgeb­li­chen Geschäfts­jahr fol­gen­den Jah­res gewährt.

38

…"

39

Für das Geschäfts­jahr 2007 er­hielt die Kläge­rin ei­nen Bo­nus­be­trag in Höhe von 4.338,00 € brut­to, wie ihr vor der D3 B3 AG mit Schrei­ben aus dem Mo­nat März 2008 mit­ge­teilt wor­den war.

40

Be­tref­fend das Bo­nus­vo­lu­men für das Geschäfts­jahr 2008 veröffent­lich­te die D3 B3 AG am 28.10.2008 ei­ne Mit­tei­lung im In­tra­net an die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter mit fol­gen­dem Wort­laut:

41

"Bo­nus­vo­lu­men 2008

42

Lie­be Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter,

43

wir freu­en uns Ih­nen mit­tei­len zu können, dass der Vor­stand für das Ka­len­der­jahr 2008 ein Bo­nus­vo­lu­men in Höhe von 100 % des Bo­nus­vo­lu­mens 2007 — an­ge­passt an den Mit­ar­bei­ter­stand 2008 — pro Funk­ti­on und Di­vi­si­on (ex­clu­si­ve D5 Fron­tof­fice) zu­ge­sagt hat.

44

Mit die­ser Ent­schei­dung ver­bun­den ist der Dank für Ihr En­ga­ge­ment und Ih­ren Ein­satz für un­se­re Bank im lau­fen­den Jahr, auf den wir auch in Zu­kunft ver­trau­en.

45

Die Fest­set­zung der in­di­vi­du­el­len Bo­nus­beträge er­folgt wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren leis­tungs­abhängig. Über die in­di­vi­du­el­le Bo­nus­fest­set­zung wer­den die Führungs­kräfte ih­re Mit­ar­bei­ter recht­zei­tig in ei­nem persönli­chen Gespräch in­for­mie­ren.

46

Die Aus­zah­lung der Bo­nus er­folgt im Frühjahr 2009.

47

48

Die­se Mit­tei­lung ba­sier­te auf ei­ner Vor­stands­ent­schei­dung der D3 B3 AG vom 02.10.2008.

49

In der Fol­ge­zeit wur­den ent­spre­chend der Re­ge­lun­gen in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung die Leis­tungs­be­wer­tun­gen der Beschäftig­ten zur Be­stim­mung des in­di­vi­du­el­len Bo­nus nach den Re­ge­lun­gen über das Mit­ar­bei­ter­gespräch durch­geführt.

50

Mit Mit­ar­bei­ter­brief vom 18.02.2009 wur­de den Ar­beit­neh­mern so­dann durch den Vor­stand der Be­klag­ten und der D3 B3 AG mit­ge­teilt, dass es auf­grund der Er­geb­nis­si­tua­ti­on für 2008 kei­ner­lei Bo­nus­zah­lun­gen ge­be. Den Ta­rif­mit­ar­bei­tern wur­de ei­ne "ein­ma­li­ge frei­wil­li­gen An­er­ken­nungs­prämie" von 1.000,00 € ver­spro­chen. Auch die Kläge­rin er­hielt die­se Zah­lung.

51

Mit Schrei­ben vom 06.04.2009 teil­te die Kläge­rin ge­genüber der Per­so­nal­ab­tei­lung mit, die aus­ge­wie­se­ne Zah­lung von 1.000,00 € wi­der­spre­che der Zu­sa­ge des Vor­stan­des vom 28.10.2008, sie be­hal­te sich die Gel­tend­ma­chung des Rest­be­tra­ges vor. Ei­ne Bo­nus­zah­lung von 4.446,00 € un­ter Ab­rech­nung der Prämie von 1.000,00 € macht die Kläge­rin mit der un­ter dem 06.10.2009 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge gel­tend.

52

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ein An­spruch auf Zah­lung ei­nes Bo­nus für das Jahr 2008 sei aus dem Schrei­ben des Vor­stan­des der D3 B3 AG vom 28.10.2008 her­zu­lei­ten.

53

Bei die­sem Schrei­ben han­de­le es sich um ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge. Die Zu­sa­ge, 100 % des Bo­nus­vo­lu­mens für 2007 grundsätz­lich zur Verfügung zu stel­len, sei be­din­gungs­los und oh­ne je­den Vor­be­halt ge­macht wor­den. In ei­ner sol­chen Ge­samt­zu­sa­ge wer­de ein Ver­trags­an­ge­bot an je­den ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer ge­se­hen, ei­ner aus­drück­li­chen An­nah­me­erklärung bedürfe es dann nicht.

54

Zwar sei es zu­tref­fend, dass sich aus der Mit­tei­lung vom 28.10.2008 nicht al­lei­ne er­ge­be, wel­che kon­kre­te Leis­tung dem ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer zu­kom­men sol­le; die Be­klag­te über­se­he je­doch, dass dies auch nicht In­halt der Ge­samt­zu­sa­ge ha­be sein sol­len. Die­ser In­halt ha­be le­dig­lich dar­in be­stan­den, den Ar­beit­neh­mern das ins­ge­samt zur Verfügung ge­stell­te Bo­nus­vo­lu­men zu­zu­sa­gen mit dem Hin­weis, dass die Fest­set­zung ent­spre­chend der Pra­xis der Vor­jah­re er­fol­ge. Da­mit sei den Ta­rif­mit­ar­bei­tern die ers­te Be­rech­nungs­grund­la­ge für den Bo­nus­an­spruch, nämlich das ge­sam­te Bo­nus­vo­lu­men, fest­ge­legt wor­den.

55
Die­ses Bo­nus­vo­lu­men sei auch nicht le­dig­lich un­ver­bind­lich in Aus­sicht ge­stellt wor­den. 56

Der Ver­bind­lich­keit der Bo­nus­zu­sa­ge, so hat die Kläge­rin des Wei­te­ren die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ste­he auch nicht der Um­stand ent­ge­gen, dass die Fest­le­gung schon vor Ab­lauf des Geschäfts­jah­res er­folgt sei.

57

Zwar le­ge der Vor­stand den Bo­nus­pool gemäß den Re­ge­lun­gen der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung in Abhängig­keit von dem Geschäfts­er­geb­nis der Bank fest; ei­nem Ar­beit­ge­ber ste­he es je­doch frei, sich vor­zei­tig schon ver­bind­lich über den Um­fang des zur Verfügung zu stel­len­den Bo­nus­pools fest­zu­le­gen und ei­ne ent­spre­chen­de Zu­sa­ge zu ma­chen.

58

Für ei­ne sol­che Zu­sa­ge zu die­sem Zeit­punkt ha­be es auch durch­aus ei­nen Grund ge­ge­ben. Für den In­vest­ment­bank­be­reich ha­be nämlich un­wi­der­spro­chen der Vor­stand be­reits sehr früh ei­nen Bo­nustopf bestätigt. Der Ge­samt­be­triebs­rat ha­be dann in Gesprächen mit dem Vor­stand dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es an­ge­sichts die­ser Sach­la­ge und dem ex­tre­men Ein­satz der Beschäftig­ten im Jahr 2008 nicht hin­nehm­bar sei, nun beim "nor­ma­len Ar­beit­neh­mer" zu spa­ren. Ob­wohl be­reits En­de Ok­to­ber 2008 die wirt­schaft­li­che La­ge des Un­ter­neh­mens schlecht ge­we­sen sei, ha­be sich der Vor­stand den­noch ent­schlos­sen, ei­ne vor­be­halt­lo­se und ver­bind­li­che Zu­sa­ge hin­sicht­lich des Bo­nus­vo­lu­mens für 2008 ab­zu­ge­ben.

59

So­weit die Be­klag­te der Auf­fas­sung sei, selbst im Fal­le des Vor­lie­gens ei­ner Ge­samt­zu­sa­ge sei sie be­rech­tigt ge­we­sen, die­se Er­mes­sens­ent­schei­dung nachträglich ab­zuändern, könne dem nicht ge­folgt wer­den. Ei­ne Er­mes­sens­ausübung sei nämlich grundsätz­lich un­wi­der­ruf­lich und mit Ausübung ver­braucht. Ei­ne Ände­rung in Fol­ge Verände­rung der tatsächli­chen Umstände kom­me je­den­falls bei ei­ner für das Ka­len­der­jahr 2008 gülti­gen Ein­mal­ent­schei­dung nicht in Be­tracht.

60

Auch der Ge­sichts­punkt der Störung der Geschäfts­grund­la­ge hel­fe der Be­klag­ten ih­rer Mei­nung nach nicht wei­ter.

61

Als Geschäfts­grund­la­ge könne nur et­was die­nen, mit des­sen Ein­tritt man nicht ha­be rech­nen können bzw. ge­rech­net ha­be. Ge­ra­de weil aber die Fi­nanz­wirt­schaft ins Tru­deln ge­ra­ten sei und der Pro­zess der Neu­be­wer­tung des Wert­pa­pier­be­stan­des und von Kre­dit­ri­si­ken längst im Gan­ge ge­we­sen sei, als der Vor­stand die Zu­sa­ge ge­macht ha­be, al­so zu die­sem Zeit­punkt die wei­te­re Ent­wick­lung des Geschäfts­er­geb­nis­ses völlig unüber­sicht­lich ge­we­sen sei, er­ge­be sich, dass die kon­kre­te wei­te­re Ent­wick­lung ge­ra­de nicht Geschäfts­grund­la­ge der Zah­lung ge­we­sen sei. Mit der späte­ren Ent­wick­lung ha­be sich le­dig­lich ein bei Ab­ga­be der Ge­samt­zu­sa­ge durch­aus ge­se­he­nes Ri­si­ko ver­wirk­licht.

62

Im Übri­gen könne, was In­halt ei­ner Ver­ein­ba­rung sei, nicht gleich­zei­tig Geschäfts­grund­la­ge sein. In­halt der Be­triebs­ver­ein­ba­rung über die Höhe des Bo­nus­pools sei aber das Geschäfts­er­geb­nis der Bank. Die­ses könne da­her nicht gleich­zei­tig Geschäfts­grund­la­ge sein.

63

Sch­ließlich sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der vom Vor­stand zu­ge­sag­te Bo­nustopf für Ta­rif­mit­ar­bei­ter nur et­was 1/5 des an die In­vest­ment­ban­ker tatsächlich aus­geschütte­ten Bo­nus­vo­lu­mens aus­ma­che.

64

Die Kläge­rin hat hier­zu mit Nicht­wis­sen be­strit­ten, dass sich die Si­tua­ti­on für die D3 B3 AG erst nach der Mit­tei­lung vom 28.10.2008, ins­be­son­de­re un­vor­her­seh­bar, ver­schlech­tert ha­be. Auch An­ga­ben der D3 B3 zu ei­nem zu er­war­ten­den ne­ga­ti­ven ope­ra­ti­ven Er­geb­nis zum Zeit­punkt der Erklärung vom 28.10.2008 und zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt hat die Kläge­rin mit Nicht­wis­sen be­strit­ten.

65
Fer­ner hat die Kläge­rin Ausführun­gen der Be­klag­ten zur Kern­ka­pi­tal­quo­te mit Nicht­wis­sen be­strit­ten. 66

Oh­ne­hin ha­be sich ih­rer Mei­nung nach die Er­trags­la­ge der D3 B3 zwi­schen Sep­tem­ber 2008 und En­de 2008 nicht wirk­lich ver­schlech­tert; die an­de­ren Zah­len­verhält­nis­se sei­en le­dig­lich auf die An­wen­dung ei­ner an­de­ren Be­wer­tungs­me­tho­de hin­sicht­lich des Wert­pa­pier­be­stan­des oder Kre­dit­ri­si­ken zurück­zuführen.

67

Für das Ka­len­der­jahr 2008 hat die Kläge­rin, rech­ne­risch un­wi­der­spro­chen, für sich ei­nen An­spruch in Höhe von 4.446,00 € er­rech­net, wor­auf sie sich den ge­zahl­ten Be­trag von 1.000,00 € an­rech­nen lässt.

68
Die Kläge­rin hat be­an­tragt, 69

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 3.446,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 01.05.2009 zu zah­len.

70
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, 71

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

72

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Mit­tei­lung des Vor­stan­des vom 28.10.2008 stel­le kei­ne Ge­samt­zu­sa­ge dar, da es schon an ei­nem an­nah­mefähi­gen An­ge­bot feh­le.

73

Darüber hin­aus hat die Be­klag­te die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die D3 B3 AG ha­be sich durch die Mit­tei­lung vom 28.10.2008 auch nicht im Hin­blick auf das Bo­nus­vo­lu­men oder die zukünf­ti­ge in­di­vi­du­el­le Ent­schei­dung über den Bo­nus der Kläge­rin ge­bun­den. Die D3 B3 AG ha­be das zur Fest­set­zung des Bo­nus­vo­lu­mens zu­ste­hen­de Er­mes­sen durch die­se Mit­tei­lung nicht aus­geübt. Der Bo­nus­pool sei in Abhängig­keit von dem Geschäfts­er­geb­nis fest­zu­le­gen. Da zum Zeit­punkt der Vor­stands­mit­tei­lung noch kei­ne be­last­ba­ren Er­geb­nis­se vor­ge­le­gen hätten, könne hier­in le­dig­lich ei­ne recht­lich un­ver­bind­li­che Ankündi­gung über das mögli­che Bo­nus­vo­lu­men ge­se­hen wer­den.

74

Selbst wenn in der Mit­tei­lung ei­ne ver­bind­li­che Fest­le­gung des Bo­nus­vo­lu­mens für das Geschäfts­jahr 2008 lie­gen sol­le, sei zu berück­sich­ti­gen, dass ei­ne Be­rech­ti­gung be­stan­den ha­be, die­se Er­mes­sens­ent­schei­dung nachträglich ab­zuändern.

75

Zwar sei ei­ne Er­mes­sens­ausübung grundsätz­lich un­wi­der­ruf­lich; es sei je­doch an­er­kannt, dass ei­ne Ände­rung der Er­mes­sens­ent­schei­dung oder ei­ne Neu­be­stim­mung der Leis­tung ge­bo­ten sein könne, falls sich die tatsächli­chen oder recht­li­chen Verhält­nis­se für die ursprüng­lich der Bil­lig­keit ent­spre­chen­de Er­mes­sens­ausübung geändert hätten.

76

Hier ha­be es ei­ne dra­ma­ti­sche Ände­rung der tatsächli­chen Umstände ge­ge­ben. Zum Zeit­punkt der Zu­sa­ge sei nicht er­sicht­lich ge­we­sen, wie sich die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt im 4. Quar­tal 2008 ent­wi­ckelt ha­be.

77
Dies er­ge­be sich aus fol­gen­den Ge­sichts­punk­ten: 78

Der Ent­schluss, der Be­leg­schaft ein Bo­nus­vo­lu­men für das Geschäfts­jahr 2008 in Aus­sicht zu stel­len, sei am 02.10.2008 durch den Vor­stand ge­fasst wor­den. Zu die­sem Zeit­punkt sei auf­grund ei­ner Pro­gno­se aus dem Mo­nat Au­gust 2008 da­von aus­zu­ge­hen ge­we­sen, dass es im Geschäfts­jahr 2008 für die D3 B3 AG zu ei­nem ne­ga­ti­ven Er­geb­nis aus gewöhn­li­cher Geschäftstätig­keit in Höhe von rd. 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro kom­men wer­de. Vor dem Hin­ter­grund der an­ste­hen­den Fu­si­on mit der Be­klag­ten ha­be der Vor­stand der D3 B3 es zum da­ma­li­gen Zeit­punkt für ver­tret­bar ge­hal­ten, ein Bo­nus­vo­lu­men zu ver­spre­chen, dass dem des Vor­jah­res ent­spre­che.

79

Da­nach ha­be sich die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung deut­lich ver­schlech­tert. Ei­ne Pro­gno­se mit Stand vom 26.11.2008 ha­be er­ge­ben, dass mit ei­nem ne­ga­ti­ven ope­ra­ti­ven Er­geb­nis in Höhe von rd. 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro zu rech­nen sei. Das vorläufi­ge tatsächli­che Er­geb­nis mit Stand vom 04.02.2009 ha­be dann ein ne­ga­ti­ves ope­ra­ti­ves Er­geb­nis in Höhe von 6,468 Mil­li­ar­den Eu­ro, dass endgülti­ge Er­geb­nis ha­be ein ne­ga­ti­ves ope­ra­ti­ves Er­geb­nis in Höhe von 6,560 Mil­li­ar­den Eu­ro er­ge­ben. Der Ver­lust im ope­ra­ti­ven Be­reich ha­be sich da­her auf um mehr als das Vier­fa­che des ursprüng­lich pro­gnos­ti­zier­ten Be­tra­ges ent­wi­ckelt. Von dem er­heb­li­chen Rück­gang des Geschäfts­er­geb­nis­ses sei­en al­le Geschäfts­be­rei­che der D3 B3 be­trof­fen ge­we­sen, wo­bei die In­vest­ment­bank­s­par­te al­ler­dings die höchs­ten Ver­lus­te zu ver­ant­wor­ten ge­habt ha­be.

80

Rich­ti­ger­wei­se tra­ge die Kläge­rin vor, dass die D3 B3 für Mit­ar­bei­ter aus dem Be­reich der 12 im Au­gust ei­nen Bo­nus­pool be­schlos­sen ha­be. Die­se Maßnah­me ha­be je­doch ei­nen be­son­de­ren Hin­ter­grund ge­habt. Sie ha­be auf Ver­an­las­sung der bri­ti­schen Fi­nanz­auf­sicht FSA für die 12 D5, so­weit sie de­ren Auf­sicht un­ter­stan­den ha­be, ein Pro­gramm er­ar­bei­tet, um die Mit­ar­bei­ter­sta­bi­lität der In­vest­ment­bank­s­par­te D5 auf­recht zu er­hal­ten. Auf­grund des dra­ma­ti­schen Ver­lus­tes der D3 B3 ha­be die Bank je­doch auch den ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Bo­nus­pool auf 10 %, min­des­tens aber ein Mo­nats­ge­halt, gekürzt.

81

Die­se dra­ma­ti­sche Ver­schlech­te­rung ge­genüber der Pro­gno­se von Au­gust 2008 sei für die D3 B3 nicht vor­her­seh­bar ge­we­sen. Ein we­sent­li­cher Grund für die un­si­che­ren und späten Er­geb­nis­pro­gno­sen so­wie der verzöger­ten Fest­stel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses der D3 B3 AG hätten an il­li­qui­den Wert­pa­pier­po­si­tio­nen ge­le­gen, wel­che die D3 B3 AG in ei­nem ganz er­heb­li­chen Um­fang ge­hal­ten ha­be. Zu­tref­fend sei in­so­weit, dass die Un­si­cher­heit der Er­geb­nis­pro­gno­sen zum Teil aus der Be­wer­tung der il­li­qui­den Wert­pa­pie­re her­gerührt hätte. Die dra­ma­ti­sche La­ge der D3 B3 sei da­bei auch vor dem Hin­ter­grund der Ent­wick­lung der Kern­ka­pi­tal­quo­te zu be­trach­ten. Die­se ha­be sich in ei­nem Be­reich be­wegt, der als kri­tisch an­zu­se­hen ge­we­sen sei. In­so­weit sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass sie zur Stärkung der Kern­ka­pi­tel­quo­te der D3 B3 zusätz­li­ches Ka­pi­tal in Höhe von 4 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­geführt ha­be. Da­mit ha­be si­cher­ge­stellt wer­den sol­len, dass die Kern­ka­pi­tal­quo­te der D3 B3 dau­er­haft die auf­sichts­recht­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen erfülle.

82

Sie selbst wie­der­um ha­be in zwei Tran­chen ei­ne Un­terstützung von ins­ge­samt 18,2 Mil­li­ar­den Eu­ro des Son­der­fonds Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rung in An­spruch ge­nom­men. Ne­ben der öffent­li­chen Dis­kus­si­on über Bo­nus­zah­lun­gen sei auch die Ent­wick­lung des ge­samt­wirt­schaft­li­chen Um­fel­des von er­heb­li­cher Be­deu­tung für die Ent­schei­dung, kei­ne Bo­nus­zah­lun­gen zu leis­ten, ge­we­sen. Die glo­ba­le Fi­nanz­markt­kri­se ha­be zum En­de des Jah­res 2008 dra­ma­ti­sche Höhe­punk­te er­reicht. Oh­ne fi­nan­zi­el­le Un­terstützung Drit­ter sei die D3 B3 nicht le­bensfähig ge­we­sen.

83

Zur Neu­be­stim­mung des Bo­nus­vo­lu­mens sei sie ih­rer Mei­nung nach darüber hin­aus aus dem Ge­sichts­punkt der Störung der Geschäfts­grund­la­ge auf­grund der dar­ge­stell­ten wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung be­rech­tigt ge­we­sen.

84

Die ord­nungs­gemäße Fest­le­gung des Bo­nus­vo­lu­mens, die den An­for­de­run­gen an bil­li­ges Er­mes­sen ent­spre­che, ha­be sie dann zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt ge­trof­fen, als das Bo­nus­vo­lu­men für das Geschäfts­jahr 2008 auf 0 fest­ge­legt wor­den sei.

85

Mit Ur­teil vom 15.04.2010 hat das Ar­beits­ge­richt die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3.446,00 € nebst Zin­sen zu zah­len.

86

Zur Be­gründung hat es aus­geführt, die Erklärung des Vor­stan­des der D3 B3 vom 28.10.2008 in Ver­bin­dung mit der Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei als Ge­samt­zu­sa­ge an­zu­se­hen. Die­se Erklärung sei bin­dend und könne von der Ar­beit­neh­mer­schaft mit ei­nem ein­fa­chen "ja" an­ge­nom­men wer­den, da sich die wei­te­re Ab­wick­lung aus der be­reits vor­lie­gen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­ge­be. Die­se reg­le al­le Vor­aus­set­zun­gen der Bo­nus­zah­lung und die ver­fah­rensmäßige Ab­wick­lung. Al­lein die Höhe des Bo­nustop­fes sei durch den Vor­stand fest­zu­set­zen ge­we­sen. Die Ver­bind­lich­keit der Zu­sa­ge sei auch be­reits dar­aus er­kenn­bar, dass die Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten aus An­lass die­ser Mit­tei­lung mit dem Ver­fah­ren zur Er­mitt­lung der in­di­vi­du­el­len Bo­ni be­gon­nen hätten. Ein Vor­be­halt ei­ner wei­te­ren Vor­stands­ent­schei­dung sei zu­dem dem Schrei­ben vom 28.10.2008 nicht zu ent­neh­men. Ei­ner Ver­bind­lich­keit der Zu­sa­ge ste­he auch nicht ent­ge­gen, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Fest­set­zung noch nicht vor­ge­le­gen hätten, weil das Ge­samt­er­geb­nis des Jah­res 2008 noch nicht be­kannt ge­we­sen sei. Der Vor­stand sei nicht ge­hin­dert ge­we­sen, un­abhängig da­von ei­nen Bo­nus zu­zu­sa­gen, auch wenn er zu ei­ner Ent­schei­dung noch nicht ver­pflich­tet ge­we­sen sei.

87

Der Vor­stand sei auch nicht be­rech­tigt ge­we­sen, sei­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung im Fe­bru­ar 2009 zu ändern. Grundsätz­lich sei ei­ne Er­mes­sens­ent­schei­dung i. S. v. § 315 BGB bin­dend, da sie ein­sei­tig den Leis­tungs­in­halt kon­kre­ti­sie­re, und zwar endgültig. Ei­ne Ände­rung der Er­mes­sens­ent­schei­dung oder Neu­be­stim­mung der Leis­tung aus Gründen der Bil­lig­keit sei vor­lie­gend we­der ge­stat­tet noch ge­bo­ten ge­we­sen, selbst wenn sich die tatsächli­chen oder recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die ursprüng­lich der Bil­lig­keit ent­spre­chen­de Er­mes­sens­ausübung geändert ha­ben soll­ten. Von dem Grund­satz der Un­wi­der­ruf­lich­keit ha­be die Recht­spre­chung kei­ne Aus­nah­me für die Er­mes­sens­ausübung im Ein­zel­fall zu­ge­las­sen, le­dig­lich für Dau­er­schuld­verhält­nis­se und ih­nen ent­spre­chen­de Rechts­verhält­nis­se. Durch die Ausübung des Er­mes­sens im Ok­to­ber 2008 ha­be die D3 B3 ein Ver­trau­en ih­rer Ar­beit­neh­mer be­gründet, ei­ne ein­ma­li­ge Bo­nus­zah­lung für 2008 in glei­chem Vo­lu­men wie 2007 zu er­hal­ten. Die D3 B3 ha­be frei­wil­lig ih­re Leis­tungs­pflicht da­mit de­fi­niert. Al­lein ei­ne feh­len­de wirt­schaft­li­che Leis­tungsfähig­keit könne ei­nen Aus­schluss die­ser Ansprüche nicht recht­fer­ti­gen.

88
Ein an­de­res Er­geb­nis fol­ge auch nicht aus § 313 BGB. 89

Es sei­en schon kei­ne Umstände fest­stell­bar, die übe­rein­stim­mend als Grund­la­ge der Bo­nus­zah­lung an­zu­se­hen ge­we­sen sei­en. Die Kam­mer vermöge nicht zu er­ken­nen, wel­che kon­kre­te wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on Grund­la­ge der Bo­nus­ver­ein­ba­rung ge­wor­den sein sol­le. Es sei auch nicht er­sicht­lich, von wel­cher Zu­kunfts­er­war­tung des Vor­stan­des die Ar­beit­neh­mer­schaft Kennt­nis ge­habt ha­be. Man­gels kon­kre­ter Kennt­nis könn­ten kei­ne Umstände Grund­la­ge des Ver­tra­ges ge­wor­den sein.

90

Ge­gen das un­ter dem 25.05.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil, auf des­sen Ent­schei­dungs­gründe im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird, hat die Be­klag­te un­ter dem 10.06.2010 Be­ru­fung zum Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt und die­se un­ter dem 20.07.2010 be­gründet.

91

Die Be­klag­te ver­bleibt bei ih­rer Auf­fas­sung, sie sei zu ei­ner Bo­nus­zah­lung we­der auf­grund ei­ner Ge­samt­zu­sa­ge, noch aus der der Be­triebs­ver­ein­ba­rung über das Bo­nus­sys­tem im Ta­rif­be­reich ver­pflich­tet.

92

Zum ei­nen sei ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts in der Mit­tei­lung des Vor­stan­des der D3 B3 vom 28.10.2008 kei­ne Ge­samt­zu­sa­ge zu se­hen.

93

Bei ei­ner Ge­samt­zu­sa­ge han­de­le es sich um ei­ne in all­ge­mei­ner Form an al­le Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­te Erklärung, zusätz­li­che Leis­tun­gen zu er­brin­gen. Die Ar­beit­neh­mer er­hiel­ten ei­nen ein­zel­ver­trag­li­chen An­spruch, wenn sie die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen erfüll­ten. Das in der Ge­samt­zu­sa­ge lie­gen­de An­ge­bot, des­sen aus­drück­li­che An­nah­me ent­behr­lich sei, wer­de ergänzen­der In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges. Trotz des kol­lek­ti­ven Cha­rak­ters lie­ge da­her in ei­ner Ge­samt­zu­sa­ge im Verhält­nis zum Ar­beit­neh­mer ein An­ge­bot an je­den ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer.

94

Hier­nach sei die Mit­tei­lung vom 28.10.2008 ih­rer Mei­nung nach nicht als ein sol­ches An­ge­bot an­zu­se­hen.

95

Zum ei­nen ha­be der Vor­stand der D3 B3 durch die Mit­tei­lung kei­nen ei­genständi­gen Rechts­grund für Zah­lungs­ansprüche be­gründen wol­len. Bei der Mit­tei­lung han­de­le es sich le­dig­lich um ei­ne de­kla­ra­to­ri­sche und ankündi­gen­de Funk­ti­on im Rah­men der Be­triebs­ver­ein­ba­rung über das Bo­nus­sys­tem im Ta­rif­be­reich.

96

Je­den­falls aber lie­ge kein an­nah­mefähi­ges An­ge­bot vor. Al­lein aus ei­ner An­nah­me "ja" hätte sich die Höhe des Bo­nus des ein­zel­nen Mit­ar­bei­ters nicht er­ge­ben, so dass es so­mit an dem we­sent­li­chen Re­ge­lungs­ge­gen­stand feh­le. Ei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über den Bo­nus­pool könne oh­ne­hin zwi­schen ei­nem ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter und der Bank nicht ge­trof­fen wer­den, da sich der Bo­nus­pool auf Grund­la­ge der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf al­le Ta­rif­mit­ar­bei­ter be­zie­he. Das Ar­beits­ge­richt führe zwar aus, die wei­te­re Ab­wick­lung fol­ge aus der ab­ge­schlos­se­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Aus der Höhe des Bo­nus­pools las­se sich je­doch al­lein noch nicht der in­di­vi­du­el­le Bo­nus ei­nes Mit­ar­bei­ters be­rech­nen. Es sei­en noch wei­te­re Ver­tei­lungs­schrit­te er­for­der­lich. Al­lein mit der Fest­set­zung des Bo­nus­vo­lu­mens sei auch kei­ne Aus­sa­ge oder Ent­schei­dung über den in­di­vi­du­el­len Bo­nus ge­trof­fen.

97

Zu­dem wer­de ei­ne ab­sch­ließen­de Ent­schei­dung über den in­di­vi­du­el­len Bo­nus er­kenn­bar vor­be­hal­ten, in­dem die Mit­ar­bei­ter aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den sei­en, dass sie über die in­di­vi­du­el­le Bo­nus­fest­set­zung ge­son­dert in­for­miert würden. Es wer­de kei­ne Aus­sa­ge über den in­di­vi­du­ell zu be­an­spru­chen­den Bo­nus ge­trof­fen, so dass es er­kenn­bar an ei­nem Rechts­bin­dungs­wil­len feh­le, dem ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter ei­nen ein­klag­ba­ren An­spruch einräum­en zu wol­len.

98

Die Be­klag­te rügt in­so­weit zu­dem, dass Ar­beits­ge­richt ha­be in sei­ner Ent­schei­dung die Grundsätze der Ge­samt­zu­sa­ge mit der Be­stim­mung der Leis­tung durch ei­ne Ver­trags­par­tei nach bil­li­gem Er­mes­sen ver­mischt. Da­bei ver­ken­ne das Ar­beits­ge­richt, dass sich Ge­samt­zu­sa­ge und Er­mes­sens­ausübung aus­sch­ließen.

99

Die Be­klag­te ver­bleibt des Wei­te­ren bei ih­rer Auf­fas­sung, ein An­spruch er­ge­be sich nicht aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung in Ver­bin­dung mit der Mit­tei­lung vom 28.10.2008.

100

Es sei­en grundsätz­lich zwei Ent­schei­dun­gen des Ar­beit­ge­bers er­for­der­lich; auch bei der Fest­le­gung des Ge­samt­vo­lu­mens han­de­le es sich um Er­mes­sens­ent­schei­dun­gen des Ar­beit­ge­bers nach § 315 Abs. 1 BGB.

101

Das Er­mes­sen zur Fest­set­zung des Bo­nus­vo­lu­mens sei noch nicht durch die Mit­tei­lung vom 28.10.2008 aus­geübt wor­den. Zwar sei hier­mit ein Bo­nus­vo­lu­men in Aus­sicht ge­stellt wor­den, ei­ne ver­bind­li­che Zu­sa­ge über das Bo­nus­vo­lu­men sei hier­in je­doch noch nicht zu se­hen, da die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne endgülti­ge Ent­schei­dung über die Höhe des Vo­lu­mens zum Zeit­punkt der Vor­stands­ent­schei­dung und Be­kannt­ma­chung noch gar nicht vor­ge­le­gen hätten. Der Bo­nus­pool sei nämlich abhängig von dem Geschäfts­er­geb­nis der Bank. Zwar möge es zu­tref­fend sein, dass es dem Vor­stand grundsätz­lich möglich sei, un­abhängig von der Kennt­nis des ge­nau­en Er­geb­nis­ses ei­nen Bo­nus zu­zu­sa­gen; die Tat­sa­che, dass der Vor­stand die Erklärung ab­ge­ge­ben ha­be, be­vor be­last­ba­re Er­geb­nis­se vor­ge­le­gen hätten, sei je­doch bei der Aus­le­gung der Erklärung zu berück­sich­ti­gen.

102

Das ihr zu­ste­hen­de Er­mes­sen ha­be die D3 B3 dann erst im Fe­bru­ar 2009 und dann ord­nungs­gemäß aus­geübt.

103

Selbst wenn man da­von aus­ge­hen wol­le, es ha­be sich bei der Mit­tei­lung vom 28.10.2008 um ei­ne ver­bind­li­che Fest­le­gung des Bo­nus­vo­lu­mens für das Geschäfts­jahr 2008 ge­han­delt, führe dies zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. In An­be­tracht der dra­ma­ti­schen Ent­wick­lun­gen sei die D3 B3 nämlich be­rech­tigt ge­we­sen, die­se Er­mes­sens­ent­schei­dung nachträglich ab­zuändern.

104

Die Be­klag­te ver­bleibt in­so­weit bei ih­rer Auf­fas­sung, ei­ne grundsätz­lich un­wi­der­ruf­li­che Er­mes­sens­ausübung sei aus­nahms­wei­se dann abänder­bar, wenn sich tatsächli­che oder recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen änder­ten. Hier lie­ge ei­ne Ände­rung der tatsächli­chen Umstände zwi­schen der Vor­stands­ent­schei­dung vom 02.10.2008 und dem Zeit­punkt der vor­ge­se­he­nen Leis­tungs­er­brin­gung in dra­ma­ti­scher Form vor. Die Be­klag­te nimmt in­so­weit Be­zug auf den erst­in­stanz­li­chen Vor­trag zum pro­gnos­ti­zier­ten Er­geb­nis des ope­ra­ti­ven Geschäfts, den Aus­wir­kun­gen auf die Kern­ka­pi­tal­quo­te, zum Er­for­der­nis der Zuführung von Ka­pi­tal an die D3 B3 durch die Be­klag­te, und zur In­an­spruch­nah­me von Mit­teln des SoFF­in.

105
Da­bei sei ei­ne sol­che nachträgli­che Ände­rung nicht auf Dau­er­schuld­verhält­nis­se be­schränkt. 106

Un­rich­tig sei auch die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, die D3 B3 ha­be durch die Mit­tei­lung ein Ver­trau­en ih­rer Ar­beit­neh­mer be­gründet. Es sei nicht nach­voll­zieh­bar, aus wel­chem Grund der ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter ein schutzwürdi­ges Ver­trau­en auf ein be­stimm­tes Bo­nus­vo­lu­men ha­ben sol­le; oh­ne­hin sei aus ei­nem enttäusch­ten Ver­trau­en kein Bo­nus­an­spruch her­zu­lei­ten, al­len­falls kämen in­so­weit Scha­den­er­satz­ansprüche in Be­tracht.

107

Je­den­falls aber lägen, so meint die Be­klag­te wei­ter­hin, die Vor­aus­set­zun­gen der Störung der Geschäfts­grund­la­ge vor.

108

Grund­la­ge für die Fest­set­zung ei­nes Bo­nus­vo­lu­mens sei das Geschäfts­er­geb­nis der Bank ge­we­sen. Da­bei sei ge­mein­sa­me Vor­stel­lung der Par­tei­en ge­we­sen, dass das Er­geb­nis der Bank di­rek­te Aus­wir­kun­gen auf die Höhe des Bo­nus ha­be. Für die Mit­ar­bei­ter sei schon aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­kenn­bar ge­we­sen, dass das Bo­nus­vo­lu­men auf Ba­sis des Er­geb­nis­ses der Bank fest­ge­legt wer­de. Letzt­end­lich ha­be den Mit­ar­bei­tern klar sein müssen, dass bei ei­nem der­art schlech­ten Er­geb­nis wie hier mit ei­nem Ver­lust im ope­ra­ti­ven Geschäft von rd. 6,5 Mil­li­ar­den kei­ne Bo­nus­zah­lun­gen er­fol­gen könn­ten.

109

Aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung und dem Zweck der Bo­nus­zah­lung er­ge­be sich auch, dass das Er­geb­nis der D3 B3 im Rah­men der Bo­nus­zah­lun­gen zum Ri­si­ko für bei­de Par­tei­en zu rech­nen sei. Hier­bei sei auch die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on der Bank zu berück­sich­ti­gen. Bei Kennt­nis der Ent­wick­lung hätte der Vor­stand der D3 B3 zu­dem kei­ne Mit­tei­lung die­ses In­halts ge­genüber der Be­leg­schaft getätigt.

110

§ 313 BGB se­he als Rechts­fol­ge ei­ne An­pas­sung des Ver­tra­ges vor. Da­nach kom­me vor­lie­gend ei­ne An­pas­sung nur da­hin­ge­hend in Be­tracht, dass die D3 B3 un­ter Berück­sich­ti­gung der veränder­ten Umstände zur Neu­be­stim­mung des Bo­nus­vo­lu­mens be­rech­tigt ge­we­sen sei.

111
Die Be­klag­te be­an­tragt, 112

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 15.04.2010 — 6 Ca 4866/09 — ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

113
Die Kläge­rin be­an­tragt, 114

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

115

Sie ist der Auf­fas­sung, es kom­me nicht vor­ran­gig auf die Fra­ge an, ob es sich bei der Erklärung vom 116 28.10.2008 um ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge oder aber ei­ne ein­sei­ti­ge Leis­tungs­be­stim­mung han­de­le; ent­schei­dungs­er­heb­lich sei zunächst al­lein, ob mit die­ser Erklärung ver­bind­lich ein Bo­nus­vo­lu­men fest­ge­legt oder zu­ge­sagt wor­den sei, oder aber ein sol­ches nur un­ver­bind­lich in Aus­sicht ge­stellt wer­den sei. Erst wenn man zu ei­ner Ver­bind­lich­keit der Erklärung kom­me, könne es auch auf den Rechtscha­rak­ter der Erklärung an­kom­men.

116
Sie ver­bleibt in­so­weit bei ih­rer Auf­fas­sung, es lie­ge ei­ne rechts­ver­bind­li­che Wil­lens­erklärung vor. 117
Ei­ne Wil­lens­erklärung be­ste­he aus ei­nem äußeren und ei­nem in­ne­ren Erklärungs­tat­be­stand. 118

Der äußere Erklärungs­tat­be­stand müsse auf ein Hand­lungs­be­wusst­sein, ei­nen Rechts­bin­dungs­wil­len und ei­nen Geschäfts­wil­len schließen las­sen. Mit dem Wort­laut der Erklärung, wo­nach ein Bo­nus­vo­lu­men "zu­ge­sagt" wird, in der zu­dem von ei­ner Ent­schei­dung die Re­de sei und ei­ner Aus­zah­lung für das Frühjahr 2009 an­gekündigt wer­de, fol­ge vom Empfänger­ho­ri­zont her un­zwei­fel­haft, dass das Erklärte recht­lich ver­bind­lich sein sol­le.

119

Auch die Vor­aus­set­zung für den in­ne­ren Erklärungs­tat­be­stand zu­min­dest in der Form der Zu­re­chen­bar­keit lie­ge vor, so dass al­le Tat­be­stands­merk­ma­le ei­ner Wil­lens­erklärung ge­ge­ben sei­en.

120

Lie­ge ei­ne Wil­lens­erklärung vor, so sei auch das vom Ar­beits­ge­richt ge­fun­de­ne Er­geb­nis zu­tref­fend, dass es sich um ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge han­de­le.

121

Un­rich­tig sei die Auf­fas­sung der Be­klag­ten, es ha­be kein an­nah­mefähi­ges An­ge­bot vor­ge­le­gen, da sich al­lein aus der Mit­tei­lung nicht er­ge­be, wel­che kon­kre­te Leis­tung dem ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter ha­be zu­kom­men sol­len. Un­abhängig da­von, dass die­ses im vor­lie­gen­den Fall nicht zu­tref­fe, weil sich der Bo­nus­an­spruch al­lein auf­grund der Zu­sa­ge des Bo­nus­pools ex­akt nach der Be­triebs­ver­ein­ba­rung be­rech­nen las­se, ver­ken­ne die Be­klag­te den In­halt der Ge­samt­zu­sa­ge und des An­ge­bots. Es han­de­le sich nämlich um ei­ne Zu­sa­ge dem Grun­de nach. Die­se sei ver­bun­den mit der Erklärung, dass die Ver­tei­lung der in­di­vi­du­el­len An­tei­le sich nach den Re­geln der ver­gan­ge­nen Jah­re rich­te.

122

Zwei­fel­haft er­schei­ne dem­ge­genüber in der Tat, ob die Be­klag­te am 28.10.2008 ihr ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht bei der Fest­le­gung des Bo­nus­pools ha­be ausüben wol­len, da die für die Ausübung des Rechts er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen noch nicht vor­ge­le­gen hätten. Der Grund der Zu­sa­ge, dass es In­fol­ge der Bestäti­gung ei­nes Bo­nustop­fes für den Be­reich der 13-B3 ge­kom­men sei, es dar­auf­hin zu Un­ru­hen in der Be­leg­schaft der an­de­ren Be­rei­che ge­kom­men sei und der Ge­samt­be­triebs­rat in Gesprächen mit dem Vor­stand dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, dass es nicht hin­nehm­bar sei, nun beim "nor­ma­len" Ar­beit­neh­mer zu spa­ren, le­ge na­he, dass die Bo­nus­pool­fest­le­gung ge­ra­de un­abhängig von den Vor­aus­set­zun­gen und Kri­te­ri­en der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung er­folgt sei. Am Er­geb­nis ände­re dies ih­rer Mei­nung nach je­doch nichts.

123

Ge­he man nämlich da­von aus, dass ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht aus­geübt wor­den sei, sei die­se Ausübung nicht mehr wi­der­ruf­bar.

124

Ein sich aus der Ver­bind­lich­keit der Vor­stands­erklärung er­ge­ben­der An­spruch ent­fal­le ih­rer Mei­nung nach auch nicht we­gen Störung der Geschäfts­grund­la­ge.

125

Da­bei sei schon frag­lich, ob ein be­stimm­tes Geschäfts­er­geb­nis über­haupt Geschäfts­grund­la­ge der Vor­stands­erklärung sein könne; was In­halt ei­ner Ver­ein­ba­rung sei, könne nicht gleich­zei­tig Geschäfts­grund­la­ge sein. Je­den­falls sei aber dem Ar­beits­ge­richt un­ein­ge­schränkt zu fol­gen, wenn es ausführe, es sei­en schon kei­ne Umstände fest­stell­bar, die die Par­tei­en übe­rein­stim­mend als Grund­la­ge der Zu­sa­ge an­ge­se­hen hätten. Rechts­fol­ge sei zu­dem nicht, dass die Be­klag­te er­neut ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht ausüben könne; Rechts­fol­ge der Störung der Geschäfts­grund­la­ge sei, dass der Schuld­ner ei­ne An­pas­sung des Ver­tra­ges ver­lan­gen können, über die An­pas­sung sei zu ver­han­deln. Vor­lie­gend ha­be die Be­klag­te je­doch ei­genmäch­tig den Ver­trag an­ge­passt und den Bo­nus­pool auf 0 fest­ge­setzt. Da­bei sei schon nicht nach­voll­zieh­bar, dass die Be­klag­te trotz der von ihr be­schrie­be­nen wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on in der La­ge ge­we­sen sei, den In­vest­ment-Ban­kern ei­nen Bo­nus im Ge­samt­vo­lu­men von ca. 120 Mil­lio­nen Eu­ro zu zah­len.

126

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

127

Ent­schei­dungs­gründe:

128
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig, aber nicht be­gründet. 129
A. 130
Durch­grei­fen­de Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit der Be­ru­fung be­ste­hen nicht. 131
Die Be­ru­fung ist statt­haft gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, 2 b) ArbGG. 132

Die Be­ru­fung ist auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, §§ 517 ff. ZPO.

133
B. 134
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist je­doch nicht be­gründet 135

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kläge­rin zu Recht ei­nen An­spruch auf ei­ne Bo­nus­zah­lung in Höhe von noch 3.446,00 € brut­to zu­ge­spro­chen.

136

Ein sol­cher An­spruch er­gibt sich zwar nicht aus ei­ner Ge­samt­zu­sa­ge durch die D3 B3 AG, wohl aber aus der mit Wir­kung ab 01.01.2007 gel­ten­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung über das Bo­nus­sys­tem im Ta­rif­be­reich in Ver­bin­dung mit der Erklärung des Vor­stan­des der D3 B3 vom 28.10.2008.

137
I. 138

Die Mit­tei­lung des Vor­stan­des der D3 B3 vom 28.10.2008 ist zwar als Wil­lens­erklärung an­zu­se­hen, stellt aber kei­ne Ge­samt­zu­sa­ge an die Ta­rif­mit­ar­bei­ter dar.

139

1. Die Mit­tei­lung vom 28.10.2008 erfüllt die Merk­ma­le ei­ner Wil­lens­erklärung.

140

a. Als Wil­lens­erklärung wird die Äußerung ei­nes auf die Her­beiführung ei­ner Rechts­wir­kung ge­rich­te­ten Wil­lens ver­stan­den. Sie bringt ei­nen Rechts­fol­ge­wil­len zum Aus­druck, der auf die Be­gründung, in­halt­li­che Ände­rung oder Be­en­di­gung ei­nes pri­va­ten Rechts­verhält­nis­ses ab­zielt.

141

Der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand ei­ner Wil­lens­erklärung wird da­bei übli­cher­wei­se un­ter­teilt in den das äußere Ver­hal­ten be­herr­schen­den Hand­lungs­wil­len, das Erklärungs­be­wusst­sein und den Geschäfts­wil­len. Zum ob­jek­ti­ven Tat­be­stand genügt je­de Äußerung, die den Rechts­fol­ge­wil­len nach außen er­ken­nen lässt (Pa­landt/El­len­ber­ger, 60 Aufl., vor § 116, Rn. 1).

142

Auf den ob­jek­ti­ven Erklärungs­ge­halt ei­ner Erklärung ist ab­zu­stel­len bei emp­fangs­bedürf­ti­gen Wil­lens­erklärun­gen.

143

Da­bei ist auch die Fra­ge, ob ei­ne Erklärung über­haupt als Wil­lens­erklärung oder bei­spiels­wei­se nur als bloße Mit­tei­lung an­zu­se­hen ist, nach den Aus­le­gungs­maßstäben der §§ 133, 157 BGB zu be­ur­tei­len (BAG, 02.03.1973, EzA BGB § 133 Nr. 7).

144

Die Aus­le­gung ei­ner Wil­lens­erklärung hat grundsätz­lich vom Wort­laut aus­zu­ge­hen (Münch­Komm- May­er-Ma­ly, § 133, Rz. 52). Für die Aus­le­gung ei­ner Wil­lens­erklärung schreibt § 133 BGB da­bei die Er­for­schung des wirk­li­chen Wil­lens vor; in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur herrscht je­doch Übe­rein­stim­mung da­hin­ge­hend, dass nicht der in­ne­re, son­dern le­dig­lich der be­kun­de­te Wil­le The­ma der Aus­le­gung ist (Münch­Komm-May­er-Ma­ly, § 133, Rz. 8, 10 m. w. N.). Es ist da­her dar­auf ab­zu­stel­len, wie die Erklärung nach Treu und Glau­ben und un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te aus der Sicht ei­nes verständi­gen Empfängers ver­stan­den wer­den durf­te (BAG, 08.03.2006, EzA HGB § 74 Nr. 67).

145

Für das Vor­lie­gen ei­ner Wil­lens­erklärung kommt es da­her nicht dar­auf an, ob der Wil­le oder auch nur das Be­wusst­sein des Erklären­den vor­lag, ei­ne rechts­geschäft­li­che Erklärung ab­zu­ge­ben; ent­schei­dend ist viel­mehr al­lein, ob der Empfänger das Erklärungs­ver­hal­ten nach Treu und Glau­ben und un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te so­wie der Umstände der Erklärung als Wil­lens­erklärung auf­fas­sen durf­te und ob der Erklären­de dies bei An­wen­dung der im Ver­kehr er­for­der­li­chen Sorg­falt hätte er­ken­nen und ver­mei­den können.

146

b. Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Kri­te­ri­en stellt sich die Erklärung des Vor­stan­des der D3 B3 vom 28.10.2008 als Wil­lens­erklärung dar.

147

aa) Al­lein schon vom bloßen Wort­laut durf­ten die Ta­rif­beschäftig­ten als Empfänger die­ser Erklärung die­se als Wil­lens­erklärung, die auf Her­beiführung ei­ner Rechts­wir­kung ge­rich­tet war, ver­ste­hen. Mit der Mit­tei­lung wird der Be­schluss des Vor­stan­des wie­der­ge­ge­ben, ein be­stimm­tes Bo­nus­vo­lu­men für das Ka­len­der­jahr 2008 fest­zu­le­gen. In der Mit­tei­lung ist nicht le­dig­lich die Re­de da­von, dass der Vor­stand ein be­stimm­tes Bo­nus­vo­lu­men ins Au­ge fasst oder ein sol­ches künf­ti­gen Über­le­gun­gen zu­grun­de­le­gen will; viel­mehr enthält die Mit­tei­lung die kla­re Aus­sa­ge, der Vor­stand ha­be ein sol­ches Bo­nus­vo­lu­men "zu­ge­sagt". Al­lein da­mit wird nach Auf­fas­sung der Kam­mer in al­ler Deut­lich­keit zum Aus­druck ge­bracht, dass hier­mit ei­ne Fest­le­gung des Bo­nus­vo­lu­mens er­folgt und die­se Erklärung Rechts­fol­gen zei­ti­gen soll.

148

Dass an die­se Erklärung der Dank für En­ga­ge­ment und Ein­satz im lau­fen­den Jahr und dem Ver­trau­en hier­auf in der Zu­kunft ge­bun­den ist, macht um­so mehr klar, dass Grund­aus­sa­ge der Zu­sa­ge ei­nes Vo­lu­mens nicht le­dig­lich die "In­aus­sicht­stel­lung" ei­nes sol­chen auf­zu­fas­sen ist, son­dern als ver­bind­li­che und maßgeb­li­che Fest­le­gung.

149

Auch wenn die Mit­tei­lung des Wei­te­ren die For­mu­lie­rung enthält, über die in­di­vi­du­el­le Bo­nus­fest­set­zung würden die Führungs­kräfte in ei­nem persönli­chen Gespräch in­for­mie­ren, ändert dies doch nichts dar­an, dass das Bo­nus­vo­lu­men fest­ge­legt wor­den ist, le­dig­lich die Ver­tei­lung auf die ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter noch be­stimm­ten Re­gu­la­ri­en un­ter­wor­fen wer­den soll.

150

Im zwei­ten Ab­satz der Mit­tei­lung ist darüber hin­aus von ei­ner "Ent­schei­dung" die Re­de. Auch die­ser Wort­laut macht klar, dass es sich bei dem an­ge­spro­che­nen Bo­nus­vo­lu­men um ei­ne fest­ge­leg­te Größe han­delt.

151

Der Hin­weis auf ei­ne in­di­vi­du­el­le Bo­nus­fest­set­zung macht darüber hin­aus schon nach dem Wort­laut nur Sinn, wenn fest­steht, dass Bo­ni über­haupt ge­zahlt wer­den sol­len.

152

Wenn dann schließlich im letz­ten Satz noch ein Aus­zah­lungs­zeit­punkt fest­ge­legt wird, macht spätes­tens dies endgültig klar, dass die an­ge­spro­che­ne Fest­le­gung des Bo­nus­vo­lu­mens nicht le­dig­lich ei­ne bloße va­ge Möglich­keit ei­ner Zah­lung dar­stellt, son­dern dass die Zah­lung auf­grund ei­nes fest­ge­leg­ten Vo­lu­mens fest­ste­hen soll.

153

bb) Das Vor­lie­gen ei­ner Wil­lens­erklärung er­gibt sich im Übri­gen darüber hin­aus je­den­falls auch aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und dem Zweck der Mit­tei­lung.

154

Zu den zu berück­sich­ti­gen­den Be­gleit­umständen gehören die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, das Ver­hal­ten der Par­tei­en nach Ab­schluss des Rechts­geschäfts, der Zweck der Ver­ein­ba­rung und die beim Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung vor­lie­gen­de In­ter­es­sen­la­ge (BAG 08.03.2006 EzA HGB § 74 Nr. 67).

155

Bei der Aus­le­gung ei­ner emp­fangs­bedürf­ti­gen Erklärung dürfen da­bei nur sol­che Be­gleit­umstände berück­sich­tigt wer­den, die dem Erklärungs­empfänger er­kenn­bar wa­ren (BAG 02.03.1973, EzA BGB § 133 Nr. 7).

156

Von der Be­klag­ten un­wi­der­spro­chen und im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vom 06.10.2010 erörtert war An­lass die­ser Erklärung, dass Mit­ar­bei­tern aus dem I2-Be­reich be­reits frühzei­tig ein be­stimm­ter Bo­nustopf zu­ge­sagt war, Un­ru­he bei den Ta­rif­mit­ar­bei­tern herrsch­te und der Ge­samt­be­triebs­rat für die Ta­rif­mit­ar­bei­ter vor­stel­lig in­so­weit ge­wor­den ist.

157

Wenn vor die­sem Hin­ter­grund ei­ne sol­che Erklärung ab­ge­ge­ben wird, spricht auch dies nach Auf­fas­sung der Kam­mer in er­heb­li­cher Wei­se dafür, dass der Vor­stand der D3 B3 ei­ne ver­bind­li­che Erklärung ab­ge­ben woll­te und nicht le­dig­lich ei­ne un­ver­bind­li­che Wis­sens­erklärung.

158

2. 

Die Erklärung des Vor­stan­des der D3 B3 ist je­doch nicht als Ge­samt­zu­sa­ge an die Ta­rif­beschäftig­ten an­zu­se­hen.
159

a.

Ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge ist die an al­le Ar­beit­neh­mer oder ei­nen nach abs­trak­ten Merk­ma­len be­stimm­ten Teil von ih­nen in all­ge­mei­ner Form ge­rich­te­te aus­drück­li­che Erklärung des Ar­beit­ge­bers, zusätz­li­che Leis­tun­gen er­brin­gen zu wol­len. Ei­ne aus­drück­li­che An­nah­me­erklärung des in der Ge­samt­zu­sa­ge lie­gen­den An­ge­bots wird nicht er­war­tet, ih­rer be­darf es auch nicht. Das in der Ge­samt­zu­sa­ge lie­gen­de An­ge­bot wird über § 151 BGB ergänzen­der In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges (BAG 18.03.2003, EzA Be­trAVG § 1 Ablösung Nr. 39; BAG 28.06.2006, EzA BGB § 242 Be­trieb­li­che Übung Nr. 7).
160

b.

Die Erklärung des Vor­stan­des der D3 B3 vom 28.10.2008 ist nicht dar­auf ge­rich­tet, al­len von der Mit­tei­lung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern auf ein­zel­ver­trag­li­cher Ba­sis ei­nen ge­son­der­ten An­spruch auf ei­ne Bo­nus­zah­lung ein­zuräum­en.

 
161

In­so­weit mag es zu­tref­fen, dass es sich bei die­ser Mit­tei­lung um ein Schrei­ben han­delt, dass an al­le be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ge­rich­tet war und die Erklärung, ei­nen be­stimm­ten Bo­nus­pool fest­zu­le­gen, kei­ner be­son­de­ren An­nah­me­erklärung von Sei­ten der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­durf­te.

162

Für die Aus­le­gung die­ser Erklärung ist je­doch zu berück­sich­ti­gen, dass ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung über Bo­nus­zah­lun­gen für das Ka­len­der­jahr 2008 exis­tier­te.

163

Selbst un­ter Berück­sich­ti­gung der dar­ge­stell­ten Ent­ste­hungs­ge­schich­te und des Zwecks der Erklärung fehlt nach Auf­fas­sung der Kam­mer je­der aus­rei­chen­de An­halts­punkt dafür, dass sich die D3 B3 ne­ben der Be­triebs­ver­ein­ba­rung über die Bo­nus­gewährung ein­zel­ver­trag­lich ge­genüber je­dem be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter ver­pflich­ten woll­te, ei­ne Bo­nus­zah­lung zu gewähren.

164

Es wird viel­mehr ein Bo­nus­vo­lu­men für das Ka­len­der­jahr 2008 in Re­la­ti­on zu ei­nem Bo­nus­vo­lu­men für 2007 an­ge­spro­chen. Auch bei die­sem Bo­nus­vo­lu­men 2007 han­del­te es sich um ein sol­ches nach der maßgeb­li­chen Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Auch das an­ge­spro­che­ne Bo­nus­vo­lu­men für das Ka­len­der­jahr 2008 weist da­her ei­nen un­miss­verständ­li­chen Be­zug zu der Be­triebs­ver­ein­ba­rung auf.

165

Auch die Ver­wei­sung auf die in­di­vi­du­el­le Fest­set­zung zeigt, dass es um ein Bo­nus­vo­lu­men im Rah­men der Be­stim­mun­gen der Be­triebs­ver­ein­ba­rung geht und nicht ge­son­dert hier­von ein Bo­nus­vo­lu­men fest­ge­setzt wer­den soll­te. Dies wird im Übri­gen erklärlich aus dem Hin­weis auf die "ver­gan­ge­nen Jah­re".

166

Der Wil­le, ei­ne ei­genständi­ge An­spruchs­grund­la­ge für ei­ne Bo­nus­zah­lung zu schaf­fen, lässt sich da­her der Erklärung nicht ent­neh­men.

167
II. 168

Ein An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich je­doch aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung über das Bo­nus­sys­tem im Ta­rif­be­reich in Ver­bin­dung mit der Mit­tei­lung vom 28.10.2008.

169
1. Das Vor­lie­gen ei­ner Wil­lens­erklärung er­gibt sich in­so­weit aus den vor­an­ge­gan­ge­nen Ausführun­gen zu I. 1) b).
170
2. Die­se Wil­lens­erklärung ist ge­rich­tet auf die Ausübung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts über die Höhe des Bo­nus­pools nach Zif­fer 3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung.
171

a. Aus­gangs­punkt für das Verständ­nis ist die Re­ge­lung in Zif­fer 3. der Be­triebs­ver­ein­ba­rung.

172

Die­se ermöglicht es dem Vor­stand, ei­nen Bo­nus­pool in Abhängig­keit von Geschäfts­er­geb­nis fest­zu­le­gen. Da­bei wer­den in Ab­satz 2 be­stimm­te Ober- und Un­ter­gren­zen grundsätz­lich fest­ge­legt. So­weit be­stimm­te Kenn­zah­len erfüllt sind, lässt die Re­ge­lung darüber hin­aus dem Vor­stand der Bank die Möglich­keit, ei­ne wei­ter­ge­hen­de Re­du­zie­rung des Bo­nus­pool­vo­lu­mens un­ter­halb der zu­vor an­ge­spro­che­nen Min­dest­gren­zen fest­zu­le­gen.

173

Da­mit wird nicht ge­ne­rell ei­ne be­stimm­te Höhe ei­ner Bo­nus­zah­lung fest­ge­legt; viel­mehr enthält die Re­ge­lung le­dig­lich die Fest­le­gung ei­nes ins­ge­samt für al­le vom Gel­tungs­be­reich er­fass­ten Ar­beit­neh­mer vor­ge­se­he­nen Ge­samt­be­tra­ges.

174

Zwar wer­den in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen re­gelmäßig Ansprüche des Ar­beit­neh­mers als un­ab­ding­ba­re Ansprüche aus­ge­stal­tet; es steht je­doch im Er­mes­sen der Be­triebs­par­tei­en, ge­ne­rel­le Richt­li­ni­en zu er­las­sen, von der auch im Ein­zel­fall ab­ge­wi­chen wer­den kann (BAG, 28.11.1989, EzA BGB § 315 Nr. 37).

175

Von die­ser Möglich­keit ha­ben die Be­triebs­par­tei­en im vor­lie­gen­den Fall Ge­brauch ge­macht, in­dem sie le­dig­lich ei­nen Ge­samt­pool der zu er­brin­gen­den Zah­lun­gen an­spre­chen, den grundsätz­lich der Vor­stand fest­legt und die Ver­tei­lung nach Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten vor­ge­se­hen ha­ben, wenn nicht die Ver­tei­lungs­re­ge­lun­gen für Son­der­grup­pen in Zif­fer 5 ein­grei­fen.

176

b. Dem Vor­stand wird da­mit die Fest­le­gung des Bo­nus­pools, auch grundsätz­lich in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Rah­mens, über­las­sen.

177

Ist da­bei in ei­nem Rechts­verhält­nis vor­ge­se­hen, dass die Leis­tun­gen durch ei­nen der Ver­trags­sch­ließen­den be­stimmt wer­den sol­len, ist im Zwei­fel an­zu­neh­men, dass die­se Be­stim­mung nach bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chend § 315 Abs. 1 BGB er­fol­gen soll.

178

c. Die Be­stim­mung er­folgt gemäß § 315 Abs. 2 BGB durch Erklärung ge­genüber dem an­de­ren Teil.

179

Auf­grund der dar­ge­stell­ten Grundsätze für die Aus­le­gung von Wil­lens­erklärun­gen ist die Erklärung des Vor­stan­des vom 28.10.2008 als Ausübung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts an­zu­se­hen.

180

Bei den be­trof­fe­nen Ta­rif­beschäftig­ten han­delt es sich da­bei auch um ei­ne sol­che ge­genüber "dem an­de­ren Teil" i. S. d. § 315 Abs. 2 BGB. Begüns­tigt durch die Be­triebs­ver­ein­ba­rung wird der ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter. Die Höhe des von ihm zu be­an­spru­chen­den Bo­nus auf­grund in­di­vi­du­el­ler Leis­tung ist we­sent­lich von der Höhe des fest­ge­leg­ten Bo­nus­pools abhängig. Eben­so wie die in­di­vi­du­el­le Leis­tung ge­genüber dem ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer be­ur­teilt wird, er­folgt die Fest­le­gung der zur Verfügung ste­hen­den Ge­samt­sum­me die­sen ge­genüber.

181
Mit der Erklärung vom 28.10.2008 wird das Leis­tungs­be­stim­mungs­recht aus­geübt. 182

Die Mit­tei­lung spricht in­so­weit von ei­ner Zu­sa­ge des Vor­stands und ei­ner ent­spre­chen­den Ent­schei­dung. Es wird des Wei­te­ren ein kon­kre­tes Bo­nus­vo­lu­men in Re­la­ti­on zum Bo­nus­vo­lu­men für das Jahr 2007 be­nannt.

183

In Ver­bin­dung ge­bracht wird mit die­ser Ent­schei­dung der Dank für En­ga­ge­ment und Ein­satz und ei­ne hier­auf auf­bau­en­de Hoff­nung für die Zu­kunft.

184

Mit dem Be­griff des Bo­nus­vo­lu­mens wird er­sicht­lich ei­ne Ver­bin­dung her­ge­stellt zu dem Be­griff des Bo­nus­pools aus Zif­fer 3 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung.

185

Auch der Hin­weis auf die leis­tungs­abhängi­ge in­di­vi­du­el­le Fest­set­zung ver­weist auf die Be­triebs­ver­ein­ba­rung, zu­mal in­so­weit auf die Hand­ha­bung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird.

186

Auch der Aus­zah­lungs­zeit­punkt kor­re­spon­diert mit dem­je­ni­gen aus Zif­fer 7 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung.

187

Auch die be­reits dar­ge­stell­te Ent­ste­hungs­ge­schich­te und der Zweck der Erklärung ma­chen klar, dass der Bo­nus­pool ver­bind­lich fest­ge­legt sein soll­te auf­grund der Ent­schei­dung des Vor­stan­des und der dar­aus re­sul­tie­ren­den Mit­tei­lung.

188

Da­bei steht der Um­stand, dass der Bo­nus­pool von ei­nem Jah­res­er­geb­nis abhängig ist, der Ausübung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts nicht ent­ge­gen. Die Be­klag­te selbst geht ja da­von aus, dass die Ent­schei­dung des Vor­stands auf­grund ei­nes pro­gnos­ti­zier­ten Jah­res­er­geb­nis­ses er­folgt ist. Der Vor­stand der D3 B3 war nicht ge­hin­dert, ei­ne Fest­le­gung des Bo­nus­pools be­reits vor­zei­tig vor­zu­neh­men, wenn aus sei­ner Sicht be­reits er­kenn­bar war, wel­che Zah­len die Ausschüttung ei­nes Pools recht­fer­tig­ten.

189

Ge­ra­de weil im Verhält­nis zu den Mit­ar­bei­tern aus dem I2-Be­reich ei­ne Un­zu­frie­den­heit der Ta­rif­mit­ar­bei­ter we­gen der Zu­sa­ge ei­nes Bo­nustop­fes an die­se ge­ge­ben war und dann vor­zei­tig ei­ne Erklärung über das Bo­nus­vo­lu­men für das noch lau­fen­de Geschäfts­jahr ab­ge­ge­ben wird, wird nach Auf­fas­sung der Kam­mer deut­lich, dass der Vor­stand hier­mit ver­bind­lich ei­ne Leis­tungs­be­stim­mung vor­neh­men woll­te.

190

3. Von die­ser Leis­tungs­be­stim­mung konn­te der Vor­stand der D3 B3 in der Fol­ge­zeit nicht mehr abrücken.

191

a. Die Leis­tungs­be­stim­mung nach § 315 Abs. 1 BGB als rechts­ge­stal­ten­de Erklärung un­ter­liegt den Vor­schrif­ten über Wil­lens­erklärun­gen und Rechts­geschäfte und ist da­her grundsätz­lich un­wi­der­ruf­lich. Als ein­ma­li­ges Recht ist sie mit Ausübung ver­braucht (hier­zu BAG, 11.03.1981, AP Nr. 2 zu § 39 TV Ang Bun­des­post; BAG, 09.11.1999, EzA Be­trAVG § 1 Ablösung Nr. 23; BAG, 08.05.2002, DB 2004, 603; BHG, 24.01.2002, NJW 2002, 1421; Münch­Komm-Gott­wald, 5. Aufl., § 315, Rn. 35; Pa­landt/Grüne­berg, § 315, Rn. 11).

192

b. Sieht man in der Ausübung der Leis­tungs­be­stim­mung ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung des Leis­tungs­in­halts in endgülti­ger Form, die in den Ver­trag ein­geht (sie­he hier­zu: BGH, 24.01.2002, a.a.O.), sieht man des Wei­te­ren in der Ausübung ei­nen Ver­brauch des Be­stim­mungs­rechts, so be­ste­hen schon Be­den­ken, ei­ne ein­sei­ti­ge Abände­rungsmöglich­keit über­haupt an­zu­er­ken­nen, wenn nicht je­den­falls ein Vor­be­halt ei­ner Neu­fest­set­zung, ge­ge­be­nen­falls un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen, mit der Leis­tungs­be­stim­mung ver­bun­den war.

193

Grundsätz­lich wird der Ver­trags­in­halt mit der Leis­tungs­be­stim­mung fest­ge­legt. Die Ände­rung des In­halts ei­nes Ver­tra­ges durch ein­sei­ti­ge Be­stim­mung ist re­gelmäßig nicht möglich, wenn man von der Ausübung bei­spiels­wei­se ei­nes Wi­der­rufs­vor­be­halts ab­sieht. In ei­nem sol­chen Fall hat al­ler­dings die Abände­rung ih­re Grund­la­ge be­reits im Ver­trag selbst, in dem ein Wi­der­rufs­vor­be­halt ver­ein­bart wor­den ist.

194

Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kennt al­ler­dings die Möglich­keit ei­ner Ände­rung der Leis­tungs­be­stim­mung oder ei­ner Neu­be­stim­mung aus Gründen der Bil­lig­keit, wenn sich die tatsächli­chen oder recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen verändern (BAG, 11.03.1981und BAG, 08.05.2003, je­weils a.a.O.).

195

c. Ei­ne sol­che Neu­be­stim­mung kommt im vor­lie­gen­den Fall nach Auf­fas­sung der Kam­mer je­doch nicht in Be­tracht.

196

aa) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 11.03.1981 (a.a.O.) ei­ne sol­che Möglich­keit ein­schränkungs­los nur bei den ei­gent­li­chen, auf die Er­brin­gung ei­ner ein­ma­li­gen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung ge­rich­te­ten Schuld­verhält­nis­sen des bürger­li­chen Rechts an­er­kannt; bei Dau­er­schuld­verhält­nis­sen und ih­nen ver­gleich­ba­ren auf Dau­er an­ge­leg­ten sons­ti­gen Rechts­verhält­nis­sen hat es ei­ne Be­schränkung des Grund­sat­zes der Un­wi­der­ruf­lich­keit vor­ge­nom­men.

197

Auch die Ent­schei­dung vom 08.03.2003 (a.a.O.) nimmt in­so­weit Be­zug auf die vor­an­ge­gan­ge­ne Ent­schei­dung vom 11.03.1981.

198

Vor­lie­gend geht es um ei­ne ein­ma­li­ge Leis­tungs­gewährung hin­sicht­lich so­ge­nann­ter frei­wil­li­ger Son­der­leis­tun­gen für das Ka­len­der­jahr und Geschäfts­jahr 2008. Ei­ne wei­ter­ge­hen­de Bin­dung ent­steht durch die Erklärung vom 28.10.2008 nicht, sie be­schränkt sich aus­sch­ließlich auf die Fest­le­gung des Bo­nus­pools für 2008.

199

Hat der zur Leis­tungs­be­stim­mung Be­rech­tig­te für ei­ne sol­che ein­ma­li­ge Zah­lung den Do­tie­rungs­rah­men fest­ge­legt, be­steht kein Grund, aus Gründen der Bil­lig­keit ei­ne Neu­be­stim­mung zu ge­stat­ten.

200

Dies muss ins­be­son­de­re dann gel­ten, wenn die Be­stim­mung der Leis­tung be­reits zu ei­nem Zeit­punkt er­folgt, zu dem ei­ne Not­wen­dig­keit aus der zu­grun­de­lie­gen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung man­gels Vor­lie­gens des Jah­res­er­geb­nis­ses noch gar nicht be­stand. Ge­ra­de un­ter dem As­pekt der Bil­lig­keit, die ei­ne sol­che nachträgli­che Neu­be­stim­mung ermögli­chen soll, kann dann ei­ne Neu­fest­set­zung nicht er­fol­gen, weil die Ausübung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts ge­ra­de in Kennt­nis des Um­stands er­folgt ist, dass das tatsächli­che Jah­res­er­geb­nis noch nicht vor­liegt.

201

bb) Dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten lässt sich auch nicht in aus­rei­chen­der Wei­se er­se­hen, dass ei­ne Verände­rung der tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben war.

202

Ist Hin­ter­grund der Zu­sa­ge die Un­zu­frie­den­heit der Ta­rif­an­ge­stell­ten we­gen der Zu­sa­ge ei­nes Bo­nus­pools an an­de­re Beschäfti­gungs­grup­pen und die Initia­ti­ve des Ge­samt­be­triebs­ra­tes zur Gleich­be­hand­lung der Ta­rif­an­ge­stell­ten, lässt sich ei­ne Verände­rung der tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Leis­tungs­be­stim­mung schon nicht er­ken­nen.

203

Ei­ne Ände­rung der tatsächli­chen Verhält­nis­se tritt aber auch nicht da­durch ein, dass sich das Geschäfts­er­geb­nis im ope­ra­ti­ven Be­reich zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt schlech­ter dar­stell­te, als dies zum Zeit­punkt der Erklärung vom 28.10.2010 pro­gnos­ti­ziert war.

204

"Spie­gel on­line" be­rich­tet be­reits un­ter dem 15.09.2008, wie im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vom 06.10.2010 erörtert, dass es am vor­aus­ge­gan­ge­nen Mon­tag in der New Yor­ker Wall­s­treet ein er­heb­li­ches Be­ben ge­ge­ben hat, weil zwei Tra­di­ti­onshäuser vor dem Aus ste­hen. Be­rich­tet wur­de da­von, dass die US-I3 Bank L4 B4 von ei­ner hef­ti­gen Schul­den­last er­drückt wird und Kon­kurs an­ge­mel­det hat. Be­rich­tet wird des Wei­te­ren darüber, dass die L4-Pa­pie­re außerbörs­lich um mehr als 90 % in den Kel­ler ge­rutscht sei­en.

205

Der Geschäfts­be­richt der Be­klag­ten für 2008 be­rich­tet von ei­ner Zu­spit­zung der La­ge an den Fi­nanzmärk­ten nach dem Aus­fall der 12 L4 B4 be­reits Mit­te Sep­tem­ber 2008.

206

"Spie­gel on­line" be­rich­tet un­ter dem 03.11.2008 darüber hin­aus, dass die Be­klag­te ei­ne Ka­pi­tal­hil­fe der Bun­des­re­gie­rung in Mil­li­ar­denhöhe in An­spruch nimmt. Dies zu ei­nem Zeit­punkt, als die Über­nah­me der D3 B3 durch die Be­klag­te be­reits an­gekündigt war.

207

An­ge­sichts die­ser Abläufe lässt sich nicht er­ken­nen, wel­che tatsächli­chen Verhält­nis­se sich nach dem Zeit­punkt der Zu­sa­ge geändert ha­ben. So­weit die Be­klag­te einräumt, die Ände­rung des Jah­res­er­geb­nis­ses ha­be zum Teil auch auf un­ter­schied­li­chen Be­wer­tun­gen be­ruht, lag die Kennt­nis von der mögli­chen ge­rin­gen Wert­hal­tig­keit be­stimm­ter Pa­pie­re be­reits vor oder war zu­min­dest ab­seh­bar. Be­ruht das Jah­res­er­geb­nis auf sol­chen abändern­den Be­wer­tun­gen liegt dar­in kei­ne Ände­rung der tatsächli­chen Verhält­nis­se, die aus Bil­lig­keits­gründen ei­ne Abände­rung er­for­dert.

208

Sons­ti­ge Umstände in den tatsächli­chen Verhält­nis­sen außer­halb der dar­ge­stell­ten Aus­wir­kun­gen auf die Kern­ka­pi­tal­quo­te sind gleich­falls un­ter dem As­pekt der Bil­lig­keit nicht er­sicht­lich.

209

4. Auch über die Grundsätze vom Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge konn­te sich die D3 B3 AG nicht von der Leis­tungs­be­stim­mung lösen.

210

a) Nach den Grundsätzen über die Störung der Geschäfts­grund­la­ge, die durch § 313 BGB oh­ne we­sent­li­che Ände­run­gen zur frühe­ren Rechts­la­ge mo­di­fi­ziert wur­de, ist ein Ver­trag u.a. dann an­zu­pas­sen, wenn we­sent­li­che Vor­stel­lun­gen, die zur Grund­la­ge des Ver­tra­ges ge­wor­den sind, sich als falsch her­aus­stel­len. Vor­aus­set­zung ist, dass die Par­tei­en den Ver­trag nicht oder mit an­de­rem In­halt ge­schlos­sen hätten, wenn sie dies ge­wusst hätten, und dass ei­nem Teil un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re der ver­trag­li­chen oder ge­setz­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung, das Fest­hal­ten am un­veränder­ten Ver­trag nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann, so­wie dies jetzt in § 313 Abs. 2 BGB i. V. m. § 313 Abs. 1 BGB ge­re­gelt ist (BAG 10.02.2004, EzA ATG § 2 Nr. 1 ).

211

Geschäfts­grund­la­ge sind da­bei die bei Ab­schluss des Ver­tra­ges zu­ta­ge ge­tre­te­nen, dem an­de­ren Teil er­kenn­bar ge­wor­de­nen und von ihm nicht be­an­stan­de­ten Vor­stel­lun­gen ei­ner Par­tei oder die ge­mein­sa­men Vor­stel­lun­gen bei­der Par­tei­en vom Vor­han­den­sein oder dem zukünf­ti­gen Ein­tritt ge­wis­ser Umstände, so­fern der Geschäfts­wil­le der Par­tei­en hier­auf auf­baut (BAG, 25.09.2002, EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 24).

212

a. Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Kri­te­ri­en lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen ein Ver­trag nach den Grundsätzen des Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge an­ge­passt wer­den kann, nicht vor. Es lässt sich schon nicht er­ken­nen, dass der Geschäfts­wil­le dar­auf auf­bau­te, die zu­ge­sag­te Sum­me für ei­nen Bo­nus­pool nur dann zur Verfügung zu stel­len, wenn sich das Jah­res­er­geb­nis nicht oder nicht we­sent­lich ändert. We­der ist er­kenn­bar, dass so­wohl die D3 B3, als auch die Ar­beit­neh­mer ge­mein­sam hier­von aus­ge­gan­gen sind, noch ist er­sicht­lich, dass ei­ne sol­che Vor­stel­lung der D3 B3 den begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mern er­kenn­bar ge­wor­den ist.

213

Zwar mag es in­so­weit rich­tig sein, dass aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung selbst sich be­reits er­gibt, dass die Höhe des Bo­nus­pools von Geschäfts­er­geb­nis abhängig ist; wenn aber zum Zeit­punkt der Zu­sa­ge das pro­gnos­ti­zier­te Jah­res­er­geb­nis schon so war, dass die Be­triebs­ver­ein­ba­rung grundsätz­lich die Möglich­keit eröff­net, auch un­ter die fest­ge­leg­ten Min­dest­gren­zen zu ge­hen, lässt sich erst recht nicht er­ken­nen, dass die Bei­be­hal­tung des pro­gnos­ti­zier­ten Geschäfts­er­geb­nis­ses Grund­la­ge der Zah­lungs­zu­sa­ge durch die D3 B3 war.

214

bb) Darüber hin­aus ist nicht er­kenn­bar, war­um der Be­klag­ten als nun­meh­ri­ge Rechts­nach­fol­ge­rin ge­ra­de un­ter der ver­trag­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung ein Fest­hal­ten am un­veränder­ten Ver­trag nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann.

215

Hat die D3 B3 die­se Erklärung in Kennt­nis des pro­gnos­ti­zier­ten Jah­res­er­geb­nis­ses im ope­ra­ti­ven Geschäft mit ei­nem Mi­nus von rd. 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro ab­ge­ge­ben und war zu die­sem Zeit­punkt be­reits be­kannt, wel­che Ri­si­ken bei der Be­wer­tung be­stan­den, weil der ge­sam­te Fi­nanz­markt in Auf­ruhr war, hat die D3 B3 da­mit das Ri­si­ko über­nom­men, dass sich bis zur endgülti­gen Fest­stel­lung des Jah­res­er­geb­nis­ses Ände­run­gen er­ge­ben, die er­heb­lich von der Pro­gno­se ab­wei­chen. Ge­ra­de weil die D3 B3 vor­zei­tig ei­ne Erklärung ab­ge­ge­ben hat, oh­ne das Jah­res­er­geb­nis be­reits zu ken­nen, macht es nicht un­zu­mut­bar, an die­ser Zu­sa­ge fest­zu­hal­ten, die zu ei­nem Zeit­punkt ab­ge­ge­ben wor­den ist, als be­reits er­kenn­bar ei­ne er­heb­li­che Un­si­cher­heit im Fi­nanz­markt ge­ge­ben war.

216
III. 217

Zwar gibt es Fall­ge­stal­tun­gen, dass sich ei­ne Ge­sell­schaft das rechts­geschäft­li­che Han­deln ih­rer ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Or­ga­ne nicht un­ter al­len Umständen zu­rech­nen las­sen muss, wenn bei­spiels­wei­se der ver­tre­tungs­be­rech­tig­te Ver­tre­ter vorsätz­lich ge­gen die In­ter­es­sen der Ge­sell­schaft han­delt (sie­he hier­zu: BAG, 29.01.1997, EzA BGB § 123 Nr. 47); auf ei­ne sol­che feh­len­den Zu­rech­nung durch das Han­deln des Vor­stan­des der D3 B3 AG be­ruft sich die Be­klag­te je­doch nicht.

218
IV. 219
Der von der Kläge­rin vor­ge­nom­me­nen Be­rech­nung ist die Be­klag­te nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. 220

Es er­gibt sich da­her grundsätz­lich ein Zah­lungs­an­spruch in Höhe von 3.446,00 € aus der Be­rech­nung in Zif­fer 5 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, wo­nach frei­ge­stell­te Be­triebsräte u. a. ei­nen Bo­nus in Höhe von 100 % ih­res in­di­vi­du­el­len Mo­nats­ge­hal­tes er­hal­ten.

221
Hier­auf lässt sich die Kläge­rin die An­er­ken­nungs­prämie in Höhe von 1.000,00 € an­rech­nen. 222
C. 223

Für die Be­klag­te war die Re­vi­si­on so­wohl nach § 72 Abs. 2 Nr. 1, als auch nach § 72 Abs. 2 Nr. 2 ArbGG zu­zu­las­sen.

224

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

225

Be­rich­ti­gungs­be­schluss

226
In dem Ver­fah­ren 227
hat die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm 228
oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung auf­grund der Be­ra­tung vom 15.12.2010 229
be­schlos­sen: 230
1. Der Tat­be­stand des Ur­teils vom 06.10.2010 wird wie folgt be­rich­tigt: 231

1.1. Auf Sei­te 10, Ab­satz 4, vor­letz­te Zei­le, wird der Wort­laut "zu ver­spre­chen" er­setzt durch den Wort­laut "in Aus­sicht zu stel­len".

232

1.2. Auf Sei­te 11, Ab­satz 1, wird der zwei­te Satz wie folgt neu ge­fasst:

233

"Auf­grund des dra­ma­ti­schen Ver­lus­tes der D3 B3 ha­be die Bank je­doch die un­ter Vor­be­halt fest­ge­setz­ten Bo­nus­zah­lun­gen im Fe­bru­ar 2009 um grundsätz­lich 90 % gekürzt. Die Mit­ar­bei­ter hätten 10 % des un­ter Vor­be­halt fest­ge­setz­ten Be­tra­ges, min­des­tens ein Mo­nats­ge­halt, er­hal­ten.'

234

1.3. Auf Sei­te 11, Ab­satz 2, vor­letz­ter Satz, wird hin­ter dem Wort­laut "D3 B3" und vor dem Wort "zusätz­li­ches" das Wort "un­wi­der­spro­chen" ein­gefügt.

235

1.4. Auf Sei­te 11, Ab­satz 3, Satz 1, wird hin­ter dem Wort "ha­be" ein­gefügt ", gleich­falls un­wi­der­spro­chen,".

236

2. Im Übri­gen wird der Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs­an­trag der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.

237

Gründe

238
I. 239

Mit dem am 11.11.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trag be­gehrt die Be­klag­te Be­rich­ti­gung des Tat­be­stan­des des ihr un­ter dem 29.10.2010 zu­ge­stell­ten Ur­teils vom 06.10.2010.

240
II. 241
Der An­trag der Be­klag­ten ist nur teil­wei­se be­gründet. 242

1.) Gemäß § 320 Abs. 1 ZPO kann die Be­rich­ti­gung des Tat­be­stan­des ei­nes Ur­teils be­an­tragt wer­den, wenn Un­rich­tig­kei­ten, die nicht un­ter die Vor­schrift des § 319 ZPO fal­len, Aus­las­sun­gen, Dun­kel­hei­ten oder Wi­dersprüche vor­lie­gen.

243
2.) Auch in dem Fall, dass ge­gen ein Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts die Re­vi­si­on statt­haft ist, sieht § 69 Abs. 3 Satz 1 ArbGG vor, dass der Tat­be­stand ei­ne ge­dräng­te Dar­stel­lung des Sach- und Streit­stan­des auf der Grund­la­ge der münd­li­chen Vorträge der Par­tei­en enthält, wo­bei nach § 69 Abs. 3 Satz 2 ArbGG ei­ne Be­zug­nah­me auf Schriftsätze, Pro­to­kol­le und an­de­re Un­ter­la­gen zulässig ist, so­weit hier­durch die Be­ur­tei­lung des Par­tei­vor­brin­gens durch das Re­vi­si­ons­ge­richt nicht we­sent­lich er­schwert wird. 244
3.) Der Tat­be­stand war nur teil­wei­se ent­spre­chend dem Be­geh­ren der Be­klag­ten zu be­rich­ti­gen. 245

a) Hin­sicht­lich des An­trags zu 1) war le­dig­lich der Wort­laut "zu ver­spre­chen" durch den von der Be­klag­ten in ih­ren Schriftsätzen gewähl­ten Wort­laut zu er­set­zen.

246

Ei­ne Über­nah­me des Ab­sat­zes 4 auf der Sei­te 10 an ei­ne an­de­re Stel­le des Tat­be­stands kam aus Gründen der Verständ­lich­keit nicht in Be­tracht. Es geht um Erklärun­gen, die von der Be­klag­ten gewählt wor­den sind, um ih­re Rechts­an­sicht zur Wi­der­ruf­lich­keit zu erklären. Aus Gründen des Verständ­nis­ses bot es sich da­her an, die Dar­stel­lung in das Vor­brin­gen der Be­klag­ten ein­zu­bau­en. Al­len­falls wäre es da­her in Be­tracht ge­kom­men, Tat­sa­chen­an­ga­ben der Be­klag­ten hier­zu teil­wei­se oder gänz­lich als un­wi­der­spro­chen zu kenn­zeich­nen.

247

Nach Auf­fas­sung der Kam­mer stellt sich der Vor­trag der Be­klag­ten, so­weit er Tat­sa­chen enthält, nicht als un­strei­tig dar.

248

Aus­zu­ge­hen ist da­bei nach § 138 Abs. 3 ZPO da­von, dass Tat­sa­chen, die nicht aus­drück­lich be­strit­ten wer­den, nur dann als zu­ge­stan­den an­zu­se­hen sind, wenn nicht die Ab­sicht, sie be­strei­ten zu wol­len, aus den übri­gen Erklärun­gen her­vor­geht.

249

Dem ge­sam­ten Vor­brin­gen der Kläge­rin ist zu ent­neh­men, dass sie in Ab­re­de stel­len will, es ha­be Gründe für ei­nen Wi­der­ruf ei­ner Er­mes­sens­ausübung ge­ge­ben. So hat die Kläge­rin nicht nur im Schrift­satz vom 01.03.2010 (BI. 75 d.A.) mit Nicht­wis­sen be­strit­ten, dass sich die Si­tua­ti­on für die D3 B3 nach der Mit­tei­lung vom 28.10.2008 erst dra­ma­tisch ver­schlech­tert ha­be. Ge­nau­so hat die Kläge­rin mit Nicht­wis­sen die Be­haup­tung der Be­klag­ten be­strit­ten, der Vor­stand ha­be En­de Ok­to­ber noch von ei­nem ne­ga­ti­ven ope­ra­ti­ven Er­geb­nis in Höhe von rund 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro aus­ge­hen können, wel­ches sich dann zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt erhöht ha­be. Fer­ner hat die Kläge­rin be­strit­ten, dass bei Ab­ga­be der Erklärung ein Ri­si­ko nicht vor­her­seh­bar ge­we­sen sein soll. Des Wei­te­ren hat die Kläge­rin in die­sem Schrift­satz Ausführun­gen zur Kern­ka­pi­tal­quo­te hin­sicht­lich des tatsächli­chen Ge­halts mit Nicht­wis­sen be­strit­ten.

250

Die­ses Be­strei­ten be­inhal­tet nach Auf­fas­sung der Kam­mer, dass die Kläge­rin eben­falls nicht die Zah­len­an­ga­ben der Be­klag­ten in­so­weit im Übri­gen un­strei­tig stel­len woll­te. Dies gilt ins­be­son­de­re, weil die Kläge­rin kei­ne ei­ge­ne Kennt­nis von Zah­len ha­ben konn­te, die der Pro­gno­se der Be­klag­ten zu­grun­de ge­le­gen ha­ben sol­len. Hier­auf hat die Kläge­rin in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung vom 05.08.2010 (BI. 282 d.A.) noch­mals hin­ge­wie­sen.

251

Zu er­set­zen war hin­ge­gen der Wort­laut "zu ver­spre­chen", da durch die­sen Wort­laut der Ein­druck er­weckt wer­den kann, es ha­be ei­ne rechts­geschäft­li­che Wil­lens­erklärung vor­ge­le­gen, was die Be­klag­te in Ab­re­de stellt. Er ist nun­mehr der Wort­laut gewählt wor­den, den die Be­klag­te in­so­weit selbst vor­ge­nom­men hat.

252
b) Ei­ne Be­rich­ti­gung hin­sicht­lich des Sat­zes 2 im fünf­ten Ab­satz auf Sei­te 10 der­ge­stalt, auch die­se An­ga­ben als un­strei­tig zu kenn­zeich­nen, kam nicht in Be­tracht. 253

Auch in­so­weit er­gibt sich die Ab­sicht der Kläge­rin, die­se Zah­len be­strei­ten zu wol­len, aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang ih­res Vor­tra­ges.

254

Es ist nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die Kläge­rin die­se Zah­len­an­ga­ben als un­strei­tig be­han­delt wis­sen woll­te, wenn sie be­strei­tet, dass sich die Er­trags­la­ge tatsächlich ver­schlech­tert ha­be, der Vor­stand En­de Ok­to­ber 2008 von ei­nem ne­ga­ti­ven Er­geb­nis von 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro ha­be aus­ge­hen können, zu­mal er­sicht­lich ist, dass die Kläge­rin nicht er­ken­nen kann, wor­auf sich die Pro­gno­se der Be­klag­ten gründet, zu­mal die­se auch kei­ne nähe­ren An­ga­ben da­zu ge­macht hat, wor­auf sich ih­re Pro­gno­se gründen soll.

255
c) Nicht zu be­rich­ti­gen war fer­ner die Zeit­punkt­an­ga­be in der sechst­letz­ten Zei­le auf Sei­te 8 des Ur­teils. 256

Auch bei dem an­ge­ge­be­nen Zeit­punkt An­fang Fe­bru­ar 2009 han­delt es sich um ei­nen "späte­ren Zeit­punkt" nach dem 28.10.2008. Die Zeit­punkt­an­ga­be als sol­che ist da­her nicht un­zu­tref­fend. Was die Be­klag­te kon­kret zu den Zeit­punk­ten be­haup­tet, er­gibt sich zu­dem aus der Be­zug­nah­me auf die Schriftsätze.

257
d) Aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang des Vor­brin­gens der Kläge­rin ist fer­ner nicht zu er­se­hen, dass sie die An­ga­ben der Be­klag­ten zur Kürzung ei­nes vor­ge­se­he­nen Bo­nus­pools ei­ner an­de­ren Per­so­nen­grup­pe als un­strei­tig be­han­delt wis­sen woll­te. 258

Die Kläge­rin hat hier­zu auf BI. 75 d.A. vor­ge­tra­gen, es sei ein Bo­nus zu­ge­sagt wor­den; fer­ner hat die Kläge­rin (BI. 77 d.A.) be­haup­tet, an die In­vest­ment­ban­ker sei­en Bo­nus­zah­lun­gen im Ge­samt­um­fang von ca. 120 Mil­lio­nen Eu­ro er­folgt. Die­se Be­haup­tung hat die Kläge­rin (BI. 273 d.A.) er­neut auf­ge­stellt.

259

Es ist da­her aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang nicht er­sicht­lich, dass Zah­len­an­ga­ben der Be­klag­ten hier­zu un­be­strit­ten ge­las­sen wer­den soll­ten.

260

Zur Ver­mei­dung von Un­klar­hei­ten, wie hoch nach der Be­haup­tung die tatsächli­che Aus­zah­lung dann er­folgt ist, war der Vor­trag der Be­klag­ten hier­zu zu über­neh­men.

261
e) Satz 2 und 3 des zwei­ten Ab­sat­zes auf Sei­te 11 des Ur­teils wa­ren gleich­falls nicht in den un­strei­ti­gen Teil des Tat­be­stan­des zu über­neh­men. 262

Die Kläge­rin geht nach ih­rem ge­sam­ten Vor­trag doch ge­ra­de von der Vor­her­seh­bar­keit ei­ner mögli­chen Ver­schlech­te­rung aus, die nach dem 28.10.2008 ein­ge­tre­te­ne Ent­wick­lung sei bei Ab­ga­be der Erklärung nicht ein­mal als Ri­si­ko vor­her­seh­bar ge­we­sen. Die Kläge­rin wählt da­bei den Wort­laut "soll". Da­mit stellt sie in aus­rei­chen­der Wei­se klar, dass sie Zah­len­an­ga­ben nicht als ge­ge­ben er­ach­ten will. Fer­ner hat die Kläge­rin erklärt, die Er­trags­la­ge ha­be sich oh­ne­hin nicht we­sent­lich ver­schlech­tert.

263

Der Hin­weis der Kläge­rin in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung (BI. 271 d.A.), der Vor­stand ha­be die Erklärung vom 28.10.2008 trotz die­ser be­kann­ten er­heb­li­chen Un­si­cher­heit und nicht Vor­her­seh­bar­keit ge­macht, be­sagt le­dig­lich, dass die Kläge­rin dem recht­li­chen Ar­gu­ment der Be­klag­ten kei­ne Be­deu­tung in­so­weit bei­mes­sen will.

264
f) Als un­wi­der­spro­chen wa­ren hin­ge­gen die An­ga­ben der Be­klag­ten zur Zuführung von Ka­pi­tal an die D3 B3 und zur In­an­spruch­nah­me von Mit­teln aus dem Son­der­fond an­zu­set­zen. 265

Trotz des Be­strei­tens der Kläge­rin zu Zah­len­an­ga­ben der Be­klag­ten in vie­len Be­rei­chen lässt sich in­so­weit auch aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang des Vor­tra­ges der Kläge­rin nicht ent­neh­men, dass sie die Zuführung sol­cher Mit­tel als sol­che in Ab­re­de stel­len woll­te.

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g) Letzt­lich kam ei­ne Über­nah­me der Sätze 2 bis 4 aus Ab­satz 3 auf Sei­te 11 des Ur­teils in ei­nen un­strei­ti­gen Teil nicht in Be­tracht. 267

Auch in­so­weit war nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die Kläge­rin ei­nen Vor­trag un­strei­tig las­sen will, der Umstände be­trifft, die sie aus ei­ge­ner Kennt­nis nicht be­ur­tei­len konn­te. Dies gilt um­so mehr, als sie, von der Zuführung der Mit­tel ab­ge­se­hen, al­len An­ga­ben der Be­klag­ten nach Auf­fas­sung der Kam­mer aus­rei­chend be­strit­ten hat.

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Im Übri­gen geht es bei der Dar­stel­lung le­dig­lich an die­ser Stel­le dar­um, an­zu­ge­ben, was die Be­klag­te als Grund für das Nicht­fest­hal­ten an der Erklärung vom 28.10.2008 an­ge­se­hen hat.

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