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Säch­si­sches LAG, Be­schluss vom 18.07.2014, 2 TaBV 11/14

   
Schlagworte: Betriebsrat
   
Gericht: Sächsisches Landesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 2 TaBV 11/14
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 18.07.2014
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Chemnitz, Beschluss vom 13.02.2014, 3 BV 44/13
   

Säch­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Az.: 2 TaBV 11/14
3 BV 44/13 ArbG Chem­nitz

Be­schluss

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

un­ter Be­tei­li­gung von:

...

we­gen Mit­be­stim­mung bei per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­men/vorläufi­ge per­so­nel­le Maßnah­men

hier: Ver­set­zung/Um­grup­pie­rung/vorläufi­ge Durchführung/Be­schluss­ver­fah­ren zwei­ter Rechts­zug

hat die 2. Kam­mer des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts durch ih­ren Vor­sit­zen­den, den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts ..., und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn ... und Herrn ... auf die münd­li­che Anhörung der Be­tei­lig­ten am 18. Ju­li 2014

für R e c h t er­kannt:

Der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 13.02.2014 – 3 BV 44/13 – wird

a b g e ä n d e r t :

1. Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers ... ab dem 01.11.2013 in den Ar­beits­be­reich Team­lei­ter Ver­kauf HFB 01/02/03, ver­bun­den mit der Um­grup­pie­rung von der Ge­halts­grup­pe K 3 im 2. Be­rufs­jahr in die K 4 b im 1. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­tra­ges über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel- und Ver­sand­han­del im Frei­staat Sach­sen, in Sach­sen-An­halt und im Frei­staat Thürin­gen, gültig ab 01.06.2011, wird er­setzt.

– Sei­te 2 –

2. Es wird fest­ge­stellt, dass die ab 01.11.2013 vorläufig durch­geführ­te Maßnah­me gem. Nr. 1 aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war.

Rechts­be­schwer­de ist für den Be­triebs­rat zu­ge­las­sen.

Gründe:

I.

Die Be­tei­lig­ten strei­ten in dem Be­schwer­de­ver­fah­ren wei­ter darüber, ob die von dem für die Nie­der­las­sung ... der Ar­beit­ge­be­rin er­rich­te­ten Be­triebs­rat ver­wei­ger­te Zu­stim­mung zur Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers ... ab dem 01.11.2013 in den Ar­beits­be­reich Team­lei­ter Ver­kauf HFB 01/02/03, ver­bun­den mit der Um­grup­pie­rung von der Ge­halts­grup­pe K 3 im 2. Be­rufs­jahr in die K 4 b im 1. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­tra­ges über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel- und Ver­sand­han­del im Frei­staat Sach­sen, in Sach­sen-An­halt und im Frei­staat Thürin­gen, gültig ab 01.06.2011, zu er­set­zen ist.

Un­verändert im Streit ist wei­ter­hin, ob fest­zu­stel­len ist, dass die vor­ste­hend be­zeich­ne­te und ab 01.11.2013 vorläufig durch­geführ­te Maßnah­me aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­treibt deutsch­land­weit über 40 Nie­der­las­sun­gen, in de­nen sie Ein­rich­tungs­ge­genstände ver­treibt. Al­lein am Stand­ort ... un­terhält sie ei­nen Be­trieb mit mehr als 20 wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern.

Ei­ne An­la­ge 6 "... Förder­pro­gramm 'Busi­ness & Lea­dership Com­pe­tence' zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung 'Mit­ar­bei­ter­be­ur­tei­lun­gen, -gespräche, -ent­wick­lung'" zwi­schen der Un­ter­neh­mens­lei­tung der Ar­beit­ge­be­rin und dem in dem Un­ter­neh­men er­rich­te­ten Ge­samt­be­triebs­rat re­gelt aus­zugs­wei­se Fol­gen­des:

– Sei­te 3 –

"...

1. Hin­ter­grund und Ziel des ...-Förder­pro­gramms

Das ... Förder­pro­gramm 'Busi­ness & Lea­dership Com­pe­tence' hat zum Ziel, Mit­ar­bei­ter zum Team­lei­ter zu ent­wi­ckeln. Be­stand­teil die­ser Ver­ein­ba­rung ist die Stel­lung­nah­me von ... vom 4.4.2011 'Ent­wick­lungs­pro­gramm vom TA zum TL und Be­schrei­bung der Ent­wick­lung vom Mit­ar­bei­ter zum TA'.

2. Ziel­grup­pe

Po­ten­zi­el­le Teil­neh­mer sind Mit­ar­bei­ter aus den Ein­rich­tungshäusern und an­de­ren ... Ein­hei­ten, die sich be­ruf­lich wei­ter­ent­wi­ckeln wol­len. Die Teil­nah­me ist frei­wil­lig.

..."

Die un­ter Num­mer 1 der An­la­ge 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung in Be­zug ge­nom­me­ne Stel­lung­nah­me der dort be­zeich­ne­ten ... vom 04.04.2011 lau­tet:

"...

Busi­ness & Lea­dership Com­pe­tence

Ent­wick­lungs­pro­gramm vom TA zum TL und Be­schrei­bung der Ent­wick­lung vom Mit­ar­bei­ter zum TA

1. Fes­ter Be­stand­teil der Per­so­nal­struk­tur im Ein­rich­tungs­haus sind Tea­m­as­sis­ten­ten (TA) und Team­lei­ter (TL).

2. Die Ent­wick­lung vom Mit­ar­bei­ter zum TA er­folgt in­di­vi­du­ell im EH. Dafür wer­den im Ent­wick­lungs­plan kon­kre­te, in­di­vi­du­ell auf den Mit­ar­bei­ter zu­ge­schnit­te­ne Schrit­te be­schrie­ben.

3. Die Ent­wick­lung vom TA zum TL er­folgt durch das BLC Pro­gramm. Teil­neh­mer des BLC ha­ben al­so be­reits ei­ne TA Funk­ti­on in­ne.

4. Mit­ar­bei­ter mit deut­lich er­kenn­ba­rem TL-Po­ten­ti­al für das BLC können sich nur in Aus­nah­mefällen für das BLC be­wer­ben, wenn die (sic.) den Schritt zum TA nicht ma­chen können (TA Stel­len in sei­nem EH für die nächs­ten 2-3 Jah­re be­setzt sind und kei­ne Mo­bi­lität außer­halb des EHs).

Nor­ma­ler­wei­se er­folgt zunächst die Ent­wick­lung vom Mit­ar­bei­ter zum TA.

..."

Dem Sprach­ge­brauch der Be­tei­lig­ten fol­gend wird das Förder­pro­gramm "Busi­ness & Lea­dership Com­pe­tence" fort­an mit "BLC" ab­gekürzt wie­der­ge­ge­ben.

– Sei­te 4 –

Die Ar­beit­ge­be­rin plan­te die Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers ... in ei­ne Ab­tei­lung, de­ren bis­he­ri­ge Team­lei­te­rin Ver­kauf HFB 01/02/03, die ..., ihr Aus­schei­den aus dem Un­ter­neh­men zum 30.09.2013 an­gekündigt hat­te.

Be­reits im Mai 2013 hat­te es Gespräche zwi­schen den Be­tei­lig­ten darüber ge­ge­ben, dass die frei­wer­den­de Stel­le mit dem ... be­setzt wer­den sol­le.

Die Ar­beit­ge­be­rin führ­te zu die­sem Zeit­punkt auch be­reits Gespräche mit dem ..., wo­bei es der da­ma­li­ge Tea­m­as­sis­tent zwei­mal ab­lehn­te, das BLC zu ab­sol­vie­ren.

Tatsächlich hat­te er sich auch nicht für das BLC be­wor­ben, ob­zwar dies mit Blick auf die vom 01.07. bis 31.07.2013 lau­fen­de Aus­schrei­bungs­frist möglich ge­we­sen wäre.

Un­ter dem 26.08.2013 schrieb die Ar­beit­ge­be­rin so­dann die Stel­le Team­lei­ter/in HFB 01/02/03 in­tern zum 01.10.2013 aus, wo­bei mit Blick auf den be­reits kon­kret als Nach­fol­ger der bis­he­ri­gen Team­lei­te­rin ins Au­ge ge­fass­ten ... das sonst stets in Aus­schrei­bun­gen von Team­lei­ter­stel­len auf­ge­nom­me­ne Er­for­der­nis, das BLC ab­sol­viert zu ha­ben, kei­ne Auf­nah­me in die Aus­schrei­bung fand. Dem­ge­genüber hat­te ei­ne un­ter dem 19.07.2013 er­stell­te in­ter­ne Stel­len­aus­schrei­bung für die Stel­le Team­lei­ter/in für den Be­reich IFS das Er­for­der­nis des er­folg­rei­chen Ab­sol­vie­rens des BLC ent­hal­ten.

Mit Schrei­ben vom 20.09.2013 be­an­trag­te die Ar­beit­ge­be­rin beim Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zur Ver­set­zung und Um­grup­pie­rung des ... ab 01.10.2013. Über die An­ga­ben auf dem Form­blatt hin­aus ent­hielt der An­trag kei­ne Be­gründung. Der An­trag ging dem Be­triebs­rat am 20.09.2013 zu.

Un­ter dem 23.09.2013 ver­wei­ger­te der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung und be­gründe­te die Ab­leh­nung da­mit, dass nach Aus­sa­ge der Un­ter­neh­mens­lei­tung ein Mit­ar­bei­ter nur dann Team­lei­ter wer­den könne, wenn er die Aus­bil­dung des BLC er­folg­reich ab­sol­viert ha­be. Da dies­bezüglich kei­ne Un­ter­la­gen vorlägen, müsse da­von aus­ge-

– Sei­te 5 –

gan­gen wer­den, dass der ... noch nicht am BLC teil­ge­nom­men ha­be. Fer­ner sei nicht er­sicht­lich, wie und ob die Stel­le des Tea­m­as­sis­ten­ten (die bis­he­ri­ge Stel­le des ...) be­setzt wer­den sol­le. Der Be­triebs­rat er­ken­ne ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Mit-ar­bei­ter/in­nen des "HFBs".

Un­ter dem 23.10.2013 be­an­trag­te die Ar­beit­ge­be­rin er­neut die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung und Um­grup­pie­rung des ..., dies­mal mit Wir­kung ab 01.11.2013. Die­ser An­trag ging dem Be­triebs­rat am 23.10.2013 zu.

Dem An­trag war ei­ne Be­gründung bei­gefügt. Die Ar­beit­ge­be­rin ver­wies in ihr auf den Le­bens­lauf des ... Die­ser sei be­reits vor sei­ner Tätig­keit im Un­ter­neh­men in ei­ner Führungs­po­si­ti­on ge­we­sen. Im Be­reich Gas­tro­no­mie ha­be er Er­fah­run­gen im Um­gang mit Mit­ar­bei­tern und mit der Mit­ver­ant­wor­tung für ein Un­ter­neh­men sam­meln können. Der ... ar­bei­te be­reits auf ei­nem höhe­ren Le­vel als Teil­neh­mer am BLC. Ei­ne Teil­nah­me am BLC sei auch nicht zwin­gend vor­ge­schrie­ben. Je­doch sol­le sich ... wei­ter­ent­wi­ckeln. Hier­zu sei mit ihm ein Ent­wick­lungs­plan ver­ein­bart wor­den zu den "Punk­te(n), die er zur 100%igen Erfüllung der Auf­ga­ben ei­nes Team­lei­ters noch wei­ter aus­bau­en muss".

Der Be­triebs­rat ver­wei­ger­te mit Be­schluss vom 28.10.2013 er­neut die Zu­stim­mung. Er ver­wies er­neut dar­auf, dass ... das BLC ent­ge­gen in­ter­ner Vor­ga­ben nicht ab­sol­viert ha­be und auch nicht be­ab­sich­tigt sei, ihn das BLC par­al­lel zur Über­tra­gung der Team­lei­ter­stel­le ab­sol­vie­ren zu las­sen. Der Be­triebs­rat be­rief sich auf ei­ne Mit­tei­lung des Bil­dungs­aus­schus­ses des Ge­samt­be­triebs­rats der Ar­beit­ge­be­rin. Die­ser ha­be mit Schrei­ben vom 17.10.2013 mit­ge­teilt, dass ein ..., Ver­ant­wort­li­cher der Un­ter­neh­mens­lei­tung für das BLC, ex­pli­zit erklärt ha­be, dass we­der die Ab­tei­lung .../Kom­pe­tenz­ent­wick­lung noch die Fach­be­rei­che die Ver­set­zung von Tea­m­as­sis­ten­ten auf Team­lei­ter­stel­len oh­ne vor­he­ri­ges – oder zu­min­dest gleich­zei­ti­ges – Ab­sol­vie­ren des BLC woll­ten. Er selbst ha­be schon mit Per­so­nal­ent­wick­lungs­chefs ge­spro­chen, wenn ihm sol­che Fälle zu Oh­ren ge­kom­men sei­en.

– Sei­te 6 –

Un­ter dem 30.10.2013 be­an­trag­te die Ar­beit­ge­be­rin schließlich die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur vorläufi­gen Ver­set­zung und Um­grup­pie­rung des ... mit Wir­kung ab 01.11.2013, wel­cher An­trag dem Be­triebs­rat am 30.10.2013 zu­ging.

Mit Be­schluss vom 04.11.2013 ver­wei­ger­te der Be­triebs­rat auch in­so­weit die Zu­stim­mung und ver­wies auf sei­ne Be­schlüsse vom 23.09.2013 und vom 28.10.2013 und die dort je­weils vor­ge­brach­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe.

Die Stel­lung­nah­me vom 04.11.2013 ging der Ar­beit­ge­be­rin am 05.11.2013 zu.

Am 08.11.2013 hat sie bei dem Ar­beits­ge­richt Chem­nitz die Er­set­zung der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Maßnah­me so­wie die Fest­stel­lung be­an­tragt, dass die Maßnah­me aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war.

Nach dem Er­geb­nis der Be­ru­fungs­ver­hand­lung geht es zwi­schen den Be­tei­lig­ten im Kern nur noch dar­um, ob der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung ver­wei­gern kann, weil die per­so­nel­le Maßnah­me ge­gen die An­la­ge 6 der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ver­s­toße, wo­bei sich die Wei­ge­rung der Sa­che nach auf die Ver­set­zung und je­den­falls nicht selbständig auf die ge­plan­te Um­grup­pie­rung be­zieht.

Ei­ne Be­nach­tei­li­gung im Be­trieb beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer oder des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers selbst macht der Be­triebs­rat, eben­falls nach dem Er­geb­nis der Be­schwer­de­ver­hand­lung, nicht mehr gel­tend.

In Ab­re­de stellt er al­ler­dings wei­ter, dass die per­so­nel­le Maßnah­me aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war.

Wie­der­um nicht strit­tig ist nach dem Er­geb­nis der Be­schwer­de­ver­hand­lung, dass die Be­schlüsse des Be­triebs­rats zur Ver­wei­ge­rung der Ein­stel­lung so­wie des Be­strei­tens der sach­li­chen Not­wen­dig­keit der vorläufi­gen Durchführung der per­so­nel­len Maßnah­me for­mell und ma­te­ri­ell ord­nungs­gemäß zu­stan­de ge­kom­men sind

– Sei­te 7 –

und der Be­triebs­rat ins­be­son­de­re ei­nen ord­nungs­gemäßen Be­schluss in den Sa­chen ge­fasst hat.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass das Durch­lau­fen des BLC kei­ne zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für die Be­set­zung ei­ner Team­lei­ter­stel­le sei. Die­ses Förder­pro­gramm zur Führungs­kraft sol­le Mit­ar­bei­ter und Tea­m­as­sis­ten­ten mit mehr oder we­ni­ger Er­fah­rung und Fach­wis­sen auf ih­re Führungstätig­keit über ei­nen Zeit­raum von 1,5 Jah­ren vor­be­rei­ten. Mit der Einführung des BLC sei von Un­ter­neh­mensführung und Ge­samt­be­triebs­rat die Aus­bil­dung von Führungs­kräften be­ab­sich­tigt ge­we­sen, die über das Vermögen verfügten, ein Team i. S. d. Un­ter­neh­mens und der Mit­ar­bei­ter­schaft zu führen. Ei­ne zwin­gen­de Teil­nah­me an dem BLC in dem Sin­ne, dass Team­lei­ter nur wer­den könne, wer das Pro­gramm ab­sol­viert ha­be, sei nicht ver­ein­bart wor­den und er­ge­be sich dem­zu­fol­ge auch nicht aus der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung. Es blie­be da­mit aus­rei­chend Raum für in­di­vi­du­el­le Ent­schei­dun­gen der Ar­beit­ge­be­rin im Hin­blick auf die be­reits vor­han­de­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen der je­wei­li­gen Stel­len­be­wer­ber.

Die Per­so­nal­maßnah­me könne vorläufig durch­geführt wer­den, weil sie aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ge­we­sen sei. Die Ab­tei­lung sei seit dem Weg­gang der bis­he­ri­gen Team­lei­te­rin seit dem 01.10.2013 oh­ne Führung ge­we­sen. Es ha­be kei­ne zwei­te Team­lei­tung ge­ge­ben, die hätte ein­sprin­gen können. Der Ab­tei­lungs­lei­ter selbst könne kei­ne vol­le Team­lei­ter­stel­le er­set­zen. Denn er sei be­reits mit ei­ge­nen Auf­ga­ben ent­spre­chend ein­ge­bun­den und auf­grund ei­ner El­tern­zeit­ver-tre­tung be­reits mit der Ver­tre­tung der Team­lei­tung ei­ner an­de­ren Ab­tei­lung be­fasst. Oh­ne Team­lei­ter stünden in den je­wei­li­gen Ver­kaufs­be­rei­chen, hier Wohn- und Büromöbel, kei­ne di­rek­ten An­sprech­part­ner zur Verfügung. Man ha­be sich dort dem­zu­fol­ge mit sämt­li­chen An­lie­gen oh­ne­hin an den ... als Tea­m­as­sis­ten­ten ge­wandt, wes­we­gen die­ser de fac­to die Team­lei­tung er­setzt ha­be. Dem ... hierfür aber nicht die ent­spre­chen­de An­er­ken­nung in Form der tatsächli­chen Ver­set­zung und dem fol­gend der Höher­grup­pie­rung zu­kom­men zu las­sen, wäre in den Au­gen der Ar­beit­ge­be­rin mehr als un­ge­recht ge­we­sen.

– Sei­te 8 –

Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt,

1. die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers ... ab dem 01.11.2013 in den Ar­beits­be­reich Team­lei­ter Ver­kauf HFB 01/02/03, ver­bun­den mit der Um­grup­pie­rung von der Ge­halts­grup­pe K 3 im 2. Be­rufs­jahr in die K 4 b im 1. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­tra­ges über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel- und Ver­sand­han­del im Frei­staat Sach­sen, in Sach­sen-An­halt und im Frei­staat Thürin­gen, gültig ab 01.06.2011, zu er­set­zen;

2. fest­zu­stel­len, dass die ab 01.11.2013 durch­geführ­te vorläufi­ge Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers ... in den Ar­beits­be­reich Team­lei­ter Ver­kauf HFB 01/02/03 ver­bun­den mit der Um­grup­pie­rung von der Ge­halts­grup­pe K 3 im 2. Be­rufs­jahr in die K 4 b im 1. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­tra­ges über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel- und Ver­sand­han­del im Frei­staat Sach­sen, in Sach­sen-An­halt und im Frei­staat Thürin­gen, gültig ab 01.06.2011, aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war.

Der Be­triebs­rat hat die Zurück­wei­sung der Anträge be­an­tragt.

Die Stel­lung­nah­me der ... vom 04.04.2011 sei aus­weis­lich der An­la­ge 6 zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung de­ren Be­stand­teil.

Aus der Stel­lung­nah­me er­ge­be sich, dass das Durch­lau­fen des BLC-Pro­gramms für die Ent­wick­lung vom Tea­m­as­sis­ten­ten zum Team­lei­ter zwin­gend sei. In die­sem Sin­ne wer­de der Pas­sus so­wohl von der Un­ter­neh­mens­lei­tung der Ar­beit­ge­be­rin als auch vom Ge­samt­be­triebs­rat ver­stan­den.

Die be­ab­sich­tig­te Be­set­zung der Team­lei­ter­stel­le mit ei­nem Ar­beit­neh­mer, wel­cher das BLC-Pro­gramm ge­ra­de nicht durch­lau­fen ha­be und auch nicht durch­lau­fe, ver­s­toße ge­gen die Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung. Dies um­so mehr, als der ... au­gen-

– Sei­te 9 –

schein­lich ge­ra­de nicht be­reits über die zur Ausfüllung der Team­lei­ter­stel­le er­for­der­li­chen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten verfüge, denn nur so erkläre sich, wes­halb mit ihm ein Ent­wick­lungs­plan ver­ein­bart sei, der ge­ra­de im Hin­blick auf den As­pekt der Führungs­kom­pe­tenz Coa­ching­ter­mi­ne, Se­min­ar­teil­nah­men und Schu­lun­gen vor­se­he.

Trai­nings­mo­du­le des BLC-Pro­gramms sei­en u. a. ge­ra­de "Führen bei ..." und "Lea­ding the Busi­ness". Die zwei­te Pha­se der Aus­bil­dung um­fas­se u. a. den Trai­nings­bau­stein "Mein Führungs­stil (Führen III)".

Un­zu­tref­fend sei mit­hin, dass der ... be­reits über die­je­ni­gen Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten verfügte, wel­che In­halt des BLC sei­en.

Dem Fest­stel­lungs­an­trag sei nicht zu ent­spre­chen.

Ei­ne vorläufi­ge Um­grup­pie­rung käme oh­ne­hin nicht in Be­tracht.

Die bloße Mit­tei­lung, dass die Ab­tei­lung der­zeit oh­ne Führungs­kraft sei, be­gründe ei­ne be­son­de­re Dring­lich­keit nicht. Bei der Ar­beit­ge­be­rin kom­me es häufig vor, dass Team­lei­ter­stel­len über länge­re Zeit nicht be­setzt sei­en. Die Auf­ga­ben der Team­lei­ter würden in sol­chen Fällen von den Tea­m­as­sis­ten­ten oder von Team­lei­tern an­de­rer Teams über­nom­men. So hätte auch hier (wei­ter) ver­fah­ren wer­den können, um bis zum Ab­schluss ei­nes ggf. durch­zuführen­den Zu­stim­mungs­er­set-zungs­ver­fah­rens ver­fah­ren wer­den müssen.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat ge­gen den ihr am 20.02.2014 zu­ge­stell­ten und ih­re Anträge zurück­wei­sen­den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts am 19.03.2014 Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se nach recht­zei­tig be­an­trag­ter Verlänge­rung zu de­ren Be­gründung bis 20.05.2014 am 16.05.2014 aus­geführt.

Mit der von der zuständi­gen Re­fe­ren­tin ... ent­wor­fe­nen Stel­lung­nah­me der ... vom 04.04.2011 ha­be es fol­gen­de Be­wandt­nis:

– Sei­te 10 –

Vor den Re­ge­lun­gen über das BLC ha­be im Un­ter­neh­men ei­ne Ver­ein­ba­rung exis­tiert, wel­che die Ent­wick­lung zum Tea­m­as­sis­ten­ten und zum Team­lei­ter ge­re­gelt ha­be. Die Ent­wick­lung zum Tea­m­as­sis­ten­ten sei da­bei in ei­nem sog. Ba­sis­camp ab­sol­viert, die Ent­wick­lung zum Team­lei­ter in ei­nem sog. Auf­bau­camp. Die­se Re­ge­lung ha­be dann ab­gelöst wer­den sol­len durch die Vor­ga­ben für das BLC. Die­ses ha­be aber le­dig­lich die Ent­wick­lung zum Team­lei­ter re­geln sol­len.

Im Bil­dungs­aus­schuss und dem Ge­samt­be­triebs­rat sei hier­nach die Befürch­tung ent­stan­den, dass die Funk­ti­on des Tea­m­as­sis­ten­ten ab­ge­schafft wer­den sol­le. Die Gre­mi­en ar­gu­men­tier­ten da­bei da­hin­ge­hend, dass das Feh­len ei­nes Ent­wick­lungs­pro­gramms zum Tea­m­as­sis­ten­ten sei­ne Ur­sa­che dar­in ha­ben könne, dass die Funk­ti­on über kurz oder lang ab­ge­schafft wer­den sol­le. Al­le Über­zeu­gungs­ver­su­che, dass dies nicht der Fall sei, sei­en aber er­folg­los ge­blie­ben. Die Gre­mi­en hätten sich viel­mehr wei­ter ge­wei­gert, über das BLC, al­so die Ent­wick­lung zum Team­lei­ter, zu spre­chen, wenn nicht gleich­zei­tig ein Pro­gramm ge­schaf­fen wer­de, das die Ent­wick­lung zum Tea­m­as­sis­ten­ten re­ge­le.

Ein sol­ches Pro­gramm zur Ent­wick­lung zum Tea­m­as­sis­ten­ten sei je­doch nicht mehr ge­plant ge­we­sen. Denn sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin sei man zu dem Schluss ge­kom­men, dass bei der Ent­wick­lung zum Tea­m­as­sis­ten­ten in­di­vi­du­el­le Kon­zep­te zum Tra­gen kom­men müss­ten, die auf den ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter zu­ge­schnit­ten sein soll­ten und man nicht ei­ne Aus­bil­dung qua­si "von der Stan­ge" re­geln könne.

Dies sei vom Bil­dungs­aus­schuss wie auch vom Ge­samt­be­triebs­rat nur ak­zep­tiert wor­den, wenn sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin klar­ge­stellt würde, dass

- die Funk­ti­on des Tea­m­as­sis­ten­ten nicht ab­ge­schafft wer­de,

- es wei­ter­hin Ent­wick­lungsmöglich­kei­ten vom Mit­ar­bei­ter zum Tea­m­as­sis­ten­ten

ge­be,

- es nicht das Ziel der Ar­beit­ge­be­rin sei, zukünf­tig Mit­ar­bei­ter aus­sch­ließlich un­mit­tel­bar zum Team­lei­ter zu ent­wi­ckeln.

– Sei­te 11 –

Vor die­sem Hin­ter­grund sei der Ent­wurf der Zu­sa­ge vom 04.04.2011 er­folgt. Mit ihr ha­be man die ge­schil­der­ten Be­den­ken ei­ner Viel­zahl von Ge­samt­be­triebs­rats­mit­glie­dern, die als Tea­m­as­sis­ten­ten um ih­re Zu­kunft bang­ten, ausräum­en wol­len. Die Stel­lung­nah­me ha­be nicht die Ent­wick­lung zum Team­lei­ter, son­dern den Er­halt der Po­si­ti­on der Tea­m­as­sis­ten­ten zu­sa­gen sol­len

Be­weis zum Vor­ste­hen­den ins­ge­samt: Zeug­nis der ...

Ei­ne Aus­sa­ge des In­halts, dass nur und aus­sch­ließlich das BLC bei beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern Vor­aus­set­zung sei, um ei­ne Team­lei­ter­stel­le zu be­set­zen, sei da­mit ge­ra­de nicht ge­trof­fen wor­den. Ein sol­ches würde auch kei­nen Sinn ma­chen, be­trach­te man nur den Fall, dass ein als Team­lei­ter qua­li­fi­zier­ter ex­ter­ner Be­wer­ber, der sich man­gels ei­ner Team­lei­ter­stel­le zunächst auf ei­ne freie Tea­m­as­sis­ten­ten-stel­le be­wer­be, um sich bei Frei­wer­den ei­ner Team­lei­ter­stel­le dann auf ei­ne sol­che zu be­wer­ben; bei die­ser Les­art würde ein sol­cher Be­wer­ber sei­ne ex­ter­ne Qua­li­fi­ka­ti­on durch sei­ne Tätig­keit als Tea­m­as­sis­tent qua­si ver­lie­ren, um sich dann er­neut über das BLC for­mal qua­li­fi­zie­ren zu müssen. Die Le­bens­wirk­lich­keit stel­le sich so dar, dass nach ei­ner Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung "Mit­ar­bei­ter­be­ur­tei­lung" mit Führungs­kräften Be­ur­tei­lungs- und Ent­wick­lungs­gespräche geführt würden. Mit den­je­ni­gen Mit­ar­bei­tern, die sich ent­wi­ckeln woll­ten, würde dann ein "Ent­wick­lungs­plan" er­stellt. In ei­ne qua­si lee­re Ex­cel­ta­bel­le wer­de ein­ge­tra­gen, wel­che Maßnah­men zu den gewünsch­ten Ent­wick­lungs­zie­len führen sol­len. Dies möge im Re­gel­fall, dass sich ein Tea­m­as­sis­tent als Team­lei­ter qua­li­fi­zie­ren wol­le, der Be­such des BLC sein. Ge­nau­so gut könne es aber sein, dass ein Tea­m­as­sis­tent, der schon über Qua­li­fi­ka­ti­ons­po­ten­ti­al in die­se Rich­tung verfüge, "nur" noch die feh­len­den Schu­lun­gen in dem Plan ein­ge­tra­gen er­hal­te, da es kei­nen Sinn ma­che, ihm das schon vor­han­de­ne Qua­li­fi­zie­rungs­po­ten­ti­al noch ein­mal über das BLC zu ver­mit­teln.

Im Er­geb­nis stel­le die Stel­lung­nah­me der ... da­mit auch nicht et­wa ei­ne Aus­wahl­richt­li­nie oder ei­ne ähn­li­che Vor­ga­be zur Be­set­zung von Team­lei­ter­stel­len dar, was im Übri­gen für das ge­sam­te BLC gel­te, son­dern zeich­ne nur ei­nen übli­chen Weg

– Sei­te 12 –

bei der Qua­li­fi­ka­ti­ons­not­wen­dig­keit ei­nes Ar­beit­neh­mers auf, wie sich die­ser für Auf­ga­ben des Team­lei­ters ent­wi­ckeln könne.

Der Dring­lich­keits­an­trag hätte nur zurück­ge­wie­sen wer­den dürfen, wenn die Maßnah­me of­fen­sicht­lich aus sach­li­chen Gründen nicht drin­gend er­for­der­lich war, wor­an es aber feh­le.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 13.02.2014 – 3 BV 44/13 –

1. die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers ... ab dem 01.11.2013 in den Ar­beits­be­reich Team­lei­ter Ver­kauf HFB 01/02/03, ver­bun­den mit der Um­grup­pie­rung von der Ge­halts­grup­pe K 3 im 2. Be­rufs­jahr in die K 4 b im 1. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­tra­ges über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel- und Ver­sand­han­del im Frei­staat Sach­sen, in Sach­sen-An­halt und im Frei­staat Thürin­gen, gültig ab 01.06.2011, zu er­set­zen;

2. fest­zu­stel­len, dass die ab 01.11.2013 vorläufig durch­geführ­te Maßnah­me gemäß Nr. 1 aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt

die Zurück­wei­sung der Be­schwer­de.

Der Be­triebs­rat ver­tei­digt den ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss un­ter Auf­recht­er­hal­tung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens und sei­ner Rechts­auf­fas­sung.

– Sei­te 13 –

Es träfe nicht zu, dass mit der Stel­lung­nah­me vom 04.04.2011 le­dig­lich der Er­halt der Po­si­ti­on der Tea­m­as­sis­ten­ten, nicht je­doch die Ent­wick­lung zum Team­lei­ter zu­ge­sagt wor­den sei.

Ge­gen­be­weis: Zeug­nis des ..., des ..., des ...

Die Stel­lung­nah­me sei Be­stand­teil ei­ner Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung und ih­re Aus­le­gung rich­te sich nach den für die Aus­le­gung von Ge­set­zen gel­ten­den Grundsätzen. Der da­nach maßge­ben­de Wort­laut sei ein­deu­tig. Die Ent­wick­lung vom Tea­m­as­sis­ten­ten zum Team­lei­ter er­fol­ge durch das BLC-Pro­gramm. Teil­neh­mer des BLC hätten al­so be­reits ei­ne Funk­ti­on als Tea­m­as­sis­tent in­ne. Aus­nah­men für den Fall, dass ein be­reits als Tea­m­as­sis­tent täti­ger Mit­ar­bei­ter oh­ne Ab­sol­vie­rung des BLC zum Team­lei­ter er­nannt wer­den könne, sei­en nicht vor­ge­se­hen.

Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be den Be­triebs­rat wie­der­holt nicht im Rah­men der Un­ter­rich­tung über die ge­plan­te per­so­nel­le Maßnah­me von der vorläufi­gen Maßnah­me un­ter­rich­tet. Die dann er­folg­te Un­ter­rich­tung erschöpfe sich in der Mit­tei­lung, dass die Ab­tei­lung der­zeit oh­ne Führungs­kraft sei, was ei­ne be­son­de­re Dring­lich­keit nicht be­gründe.

In­so­weit wie­der­holt der Be­triebs­rat die be­reits erst­in­stanz­lich ge­schil­der­ten Ver­tre­tungsmöglich­kei­ten un­ter Be­weis­an­tritt Zeug­nis der ... so­wie des Zeu­gen ...

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten wird im Übri­gen auf den ge­sam­ten Ak­ten­in­halt Be­zug ge­nom­men.

II.

Die zulässi­ge Be­schwer­de ist be­gründet.

Der – sei­ner­seits zulässi­ge – Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag ist eben­so be­gründet wie der – wie­der­um sei­ner­seits zulässi­ge – Fest­stel­lungs­an­trag.

– Sei­te 14 –

1. Die Zu­stim­mung zur Ver­set­zung und zur Um­grup­pie­rung des Ar­beit­neh­mers ... ist nach § 99 Abs. 4 Be­trVG im be­an­trag­ten Um­fang zu er­set­zen, wo­bei über die da­mit ver­bun­de­ne zu­tref­fen­de Um­grup­pie­rung zwi­schen den Be­tei­lig­ten kein Streit be­steht.

Der Be­triebs­rat kann die Zu­stim­mung der Ver­set­zung nicht nach § 99 Abs. 2 Nr. 1 Be­trVG ver­wei­gern, weil die per­so­nel­le Maßnah­me nicht ge­gen An­la­ge 6 zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung i. S. ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung der Re­ge­lung in § 99 Abs. 2 Nr. 1 Be­trVG verstößt.

Nr. 1 Satz 1 der An­la­ge 6 zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung steht der Ver­set­zung des ... oh­ne das vor­he­ri­ge Durch­lau­fen des BLC nicht ent­ge­gen. Denn das dort for­mu­lier­te Ziel der Ent­wick­lung von Mit­ar­bei­tern zum Team­lei­ter kann sich der Sa­che nach nur auf sol­che Mit­ar­bei­ter be­zie­hen, die nicht be­reits über das ent­spre­chen­de Po­ten­ti­al verfügen oder es auch nicht auf an­de­rem We­ge – vor al­lem in kürze­rer Zeit als in ein­ein­halb Jah­ren – zu er­wer­ben in der La­ge sind.

Dies er­gibt sich be­reits aus dem Hin­weis auf "Mit­ar­bei­ter". Dar­aus wird deut­lich, dass sich das Förder­pro­gramm nur auf be­reits Beschäftig­te be­zieht. Auf ex­ter­ne Be­wer­ber ist es nicht an­wend­bar. Da­mit können Ex­ter­ne als Team­lei­ter ein­ge­stellt wer­den, oh­ne das BLC durch­lau­fen zu ha­ben, wenn sie nach der al­lein maßgeb­li­chen Einschätzungs­präro­ga­ti­ve der Ar­beit­ge­be­rin über das ent­spre­chen­de Po­ten­ti­al verfügen. Be­reits dar­aus wird deut­lich, dass die Teil­nah­me am BLC-Pro­gramm kei­nen Aus­sch­ließlich­keitscha­rak­ter trägt. Nicht ein­sich­tig ist, war­um sie (die Teil­nah­me) in­so­weit bei be­reits beschäftig­ten Mit­ar­bei­tern, die über das Po­ten­ti­al be­reits verfügen bzw. es oh­ne das Durch­lau­fen des BLC – wie der Ar­beit­neh­mer ... – kom­plet­tie­ren können, zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für ei­ne Beförde­rung zum Team­lei­ter sei.

Un­ter­stri­chen wird dies durch Nr. 2 Satz 2 der An­la­ge 6 zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung, wo­nach die Teil­nah­me frei­wil­lig ist. Dar­aus folgt im Um­kehr­schluss nicht nur, dass nie­mand zur Teil­nah­me an dem Förder­pro­gramm ge­zwun­gen ist. Viel-

– Sei­te 15 –

mehr er­gibt sich, dass die Förde­rung los­gelöst von ei­nem Durch­lau­fen des BLC er­fol­gen kann, mit­hin auch durch ei­nen Ent­wick­lungs­plan wie im Fal­le des Ar­beit­neh­mers ...

Die­sen An­nah­men steht die Stel­lung­nah­me der ... vom 04.04.2011 nicht ent­ge­gen.

Rich­tig ist, dass es sich in­so­weit auf­grund Nr. 1 Satz 2 der An­la­ge 6 zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung um ei­nen in­te­gra­len Be­stand­teil der Ver­ein­ba­rung han­delt. Da­mit gel­ten für die Aus­le­gung der Stel­lung­nah­me die für die Aus­le­gung von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen maßgeb­li­chen Grundsätze.

Zu­tref­fend weist der Be­triebs­rat dar­auf hin, dass die Aus­le­gung von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sich we­gen ih­res nor­ma­ti­ven Cha­rak­ters nach den Grundsätzen der Ge­set­zes­aus­le­gung rich­tet. Aus­zu­ge­hen ist da­nach vom Wort­laut der Be­stim­mun­gen und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn. Ins­be­son­de­re bei un­be­stimm­tem Wort­sinn ist der wirk­li­che Wil­le der Be­triebs­par­tei­en und der von ih­nen be­ab­sich­tig­te Zweck zu berück­sich­ti­gen, so­fern und so­weit sie im Text ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Ab­zu­stel­len ist fer­ner auf den Ge­samt­zu­sam­men­hang und die Sys­te­ma­tik der Re­ge­lun­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­nem sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten, prak­tisch brauch­ba­ren und ge­set­zes­kon­for­men Verständ­nis der Be­stim­mung führt. Die Vor­schrif­ten der §§ 305 ff. BGB über All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen und da­mit auch die Zwei­fels­fall­re­ge­lung des § 305 c Abs. 2 BGB fin­den auf Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen kei­ne An­wen­dung (§ 310 Abs. 4 Satz 1 BGB), zum Vor­ste­hen­den ins­ge­samt aus jünge­rer Zeit et­wa BAG vom 18.02.2014 – 9 AZR 821/12 – Ju­ris Rd­nr. 16 m. w. N.

Nach Nr. 2 der Stel­lung­nah­me er­folgt die Ent­wick­lung von Mit­ar­bei­tern zum Tea­m­as­sis­tent im Ein­rich­tungs­haus "in­di­vi­du­ell". Von dem BLC-Pro­gramm ist in­so­weit kei­ne Re­de.

Nr. 3 sieht die Ent­wick­lung vom Tea­m­as­sis­ten­ten zum Team­lei­ter als durch das

– Sei­te 16 –

dies "aus­sch­ließlich" so er­fol­ge. Den Verständ­nis­ge­halt ver­mit­telt in­so­fern der Satz 2 der Nr. 3 der Stel­lung­nah­me, wo­nach Teil­neh­mer des BLC "al­so" be­reits ei­ne Tea­m­as­sis­ten­ten­funk­ti­on in­ne­ha­ben. Dies re­du­ziert den Kern der Stel­lung­nah­me in­so­weit be­reits dem Wort­laut und dem Wort­sinn nach auf das von der Ar­beit­ge­be­rin ver­tre­te­ne Verständ­nis, wo­nach die Vor­aus­set­zung für die Ent­wick­lung zum Team­lei­ter für – in­ter­ne – Be­wer­ber das In­ne­ha­ben ei­ner Tea­m­as­sis­ten­ten­funk­ti­on sei (und da­mit die­se Hier­ar­chie­ebe­ne ab­si­che­re). Mehr nicht. Un­ter­stri­chen wird dies durch die Aus­nah­me­re­ge­lung in Nr. 4 der Stel­lung­nah­me, wel­che ei­ne Dis­pensmöglich­keit für Mit­ar­bei­ter für die Teil­nah­me an dem BLC vor­sieht, die nicht Tea­m­as­sis­ten­ten sind. Auch ih­nen wird ei­ne wei­te­re Ent­wick­lung ("Team­lei­ter-Po­ten­ti­al") un­ter An­er­ken­nung des Nor­mal­falls ("nor­ma­ler­wei­se" im letz­ten Satz der Nr. 4 der Stel­lung­nah­me) der Aus­gangs­ebe­ne der Tea­m­as­sis­ten­ten zu­ge­bil­ligt.

Die vom Be­triebs­rat ge­schil­der­ten Auf­fas­sun­gen ei­nes Mit­glieds der Un­ter­neh­mens­lei­tung, von Mit­glie­dern des Bil­dungs­aus­schus­ses oder Mit­glie­dern des Ge­samt­be­triebs­rats fin­den be­reits in dem Wort­laut der An­la­ge 6 zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ein­sch­ließlich der Stel­lung­nah­me kei­ne Stütze.

Sach­ge­recht, zweck­ori­en­tiert, prak­tisch brauch­bar und ge­set­zes­kon­form ist dem­ge­genüber ein Verständ­nis des In­halts, wo­nach sich die Ar­beit­ge­be­rin durch die Ab­ga­be der Stel­lung­nah­me nicht der Möglich­keit be­ge­ben woll­te, freie Team­lei­ter-stel­len auch mit sol­chen Per­so­nen be­set­zen zu können, die der Qua­li­fi­ka­ti­on durch das Durch­lau­fen des BLC-Pro­gramms nicht oder nicht vollständig bedürfen und bei de­nen er­for­der­li­chen­falls ein et­wai­ger vor­han­de­ner lücken­sch­ließen­der Ent­wick­lungs­plan wie im Fal­le des Ar­beit­neh­mers ... für die Ziel­er­rei­chung genügt.

2. Des Wei­te­ren ist auf den – recht­zei­ti­gen – An­trag fest­zu­stel­len, dass die Ver­set­zung des ... und die da­mit ver­bun­de­ne Um­grup­pie­rung aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war (§ 100 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG).

Der An­trag ist nicht des­halb und in­so­weit un­be­gründet, weil er sich auch auf die Um­grup­pie­rung be­zieht.

– Sei­te 17 –

Rich­tig ist, dass der 1. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts in ei­ner Ent­schei­dung vom 27.01.1987 (1 ABR 66/85 – Ju­ris Rd­nr. 101 f.) Be­den­ken geäußert hat, ob die Re­ge­lung des § 100 Be­trVG über vorläufi­ge per­so­nel­le Maßnah­men "und die­sen" (ge­meint: "auf den" bzw. "auf den da­nach") vom Ar­beit­ge­ber zu stel­len­den Fest­stel­lungs­an­trag bei Ein- und Um­grup­pie­run­gen An­wen­dung fin­den kann.

Die Fra­ge ist in der Li­te­ra­tur strit­tig (vgl. Nach­wei­se et­wa bei GK-Be­trVG/Raab § 100 Rd­nr. 7), aber an­ge­sichts des ein­deu­ti­gen Ge­set­zes­wort­lauts, der sich – in § 100 Abs. 1 Satz 1 – auf "die" per­so­nel­len Maßnah­men i. S. d. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG be­zieht, mit­hin auch auf Ein- und Um­grup­pie­run­gen, zu be­ja­hen.

Ei­gent­lich kann sich nur die Fra­ge stel­len, ob ei­ne Um­grup­pie­rung "dring­lich" sein kann.

Auch dies ist aber zu be­ja­hen. Das Ge­setz selbst setzt durch den Ver­weis in § 100 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG die Möglich­keit vor­aus, dass auch ei­ne Um­grup­pie­rung dring­lich sein kann ("ge­bo­re­ne Dring­lich­keit" so­zu­sa­gen).

Sie ist es hier auch in der Sa­che. Denn es ist nicht ein­zu­se­hen, war­um die Ar­beit­ge­be­rin ge­zwun­gen sein soll­te, den ver­setz­ten Ar­beit­neh­mer nicht auch so­fort ta­rif­ge­recht zu be­zah­len. Im Übri­gen: Auch wenn das Un­ter­blei­ben des Dring­lich­keits­an­trags nach § 121 Be­trVG nicht bußgeld­be­wehrt ist, würde die Ar­beit­ge­be­rin be­triebs­ver­fas­sungs­wid­rig han­deln, wenn sie den An­trag nicht – dem Wort­laut des Ge­set­zes fol­gend – stell­te und sich dann mögli­cher­wei­se we­gen der Ver­let­zung ge­setz­li­cher Pflich­ten ei­nem "Be­stra­fungs­ver­fah­ren" nach § 23 Be­trVG aus­setz­te. Wird in ei­ner der­ar­ti­gen Si­tua­ti­on u. U. so­gar die An­dro­hung ei­nes Ord­nungs­gel­des oder so­gar die Ver­ur­tei­lung zu ei­nem Ord­nungs­geld möglich (§ 23 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG), dann wird ein Ar­beit­ge­ber mit dem Dring­lich­keits­an­trag nicht des­halb zurück­ge­wie­sen wer­den dürfen, weil hin­sicht­lich des § 100 Be­trVG An­wen­dungs­zwei­fel be­ste­hen und mit der An­trag­stel­lung ei­ner im­mer­hin durch Ge­set­zes­wort­laut auf­er­leg­ten Ob­lie­gen­heit genügt wird.

– Sei­te 18 –

Zu ent­spre­chen ist dem An­trag auch hin­sicht­lich der Ver­set­zung.

Der An­trag ist in­so­weit nicht des­halb un­be­gründet, weil die Ar­beit­ge­be­rin die Un­ter­rich­tung von der vorläufi­gen per­so­nel­len Maßnah­me nicht mit der Un­ter­rich­tung über die Maßnah­me selbst ver­bun­den hätte.

In­so­fern zu han­deln war nach § 100 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG le­dig­lich "un­verzüglich", in ge­mein­hin ver­tre­te­ner Auf­fas­sung al­so "oh­ne schuld­haf­tes Zögern".

Nach dem Gang des Un­ter­rich­tungs­ver­fah­rens hat sich die Ar­beit­ge­be­rin hier in Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit (§ 2 Abs. 1 Be­trVG) nach der ers­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung um ei­ne nun­mehr – im Übri­gen nach dem Vor­ste­hen­den auch be­gründe­te – Zu­stim­mung durch den Be­triebs­rat bemüht und ist erst nach der er­neu­ten Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung nach § 100 Be­trVG vor­ge­gan­gen. Dies er­scheint je­den­falls scho­nen­der, als wenn sie – ggf. so­gar be­reits zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt – die Maßnah­me "mit der Brech­stan­ge" vorläufig be­gon­nen hätte.

Nach dem Er­geb­nis der Be­schwer­de­ver­hand­lung hat die Ar­beit­ge­be­rin mit der vorläufi­gen per­so­nel­len Maßnah­me auch nicht unnötig zu­ge­war­tet. Denn die frühe­re Team­lei­te­rin hat­te ihr Aus­schei­den mit ei­ner Frist von ein­ein­halb Mo­na­ten an­gekündigt, die Stel­len­aus­schrei­bung ist noch im Au­gust 2013 er­folgt, und es war die dar­in vor­ge­se­he­ne Be­wer­bungs­frist (bis zum 09.09.2013) ab­zu­war­ten.

Aus­weis­lich der Mit­tei­lung an den Be­triebs­rat über die be­ab­sich­tig­te Ver­set­zung vom 20.09.2013 hat sich die Ar­beit­ge­be­rin ge­ra­de elf Ka­len­der­ta­ge Zeit ge­las­sen, um ei­ne Ver­set­zungs­ent­schei­dung zu tref­fen.

An­ge­sichts der Va­kanz der Stel­le lie­gen die dring­lich­keits­be­ding­ten Vor­aus­set­zun­gen auf der Hand. Die Möglich­keit ei­ner an­der­wei­ti­gen Ver­tre­tung hat die Ar­beit­ge­be­rin be­reits im ers­ten Rechts­zug un­ter Hin­weis dar­auf aus­geräumt, dass es kei­ne zwei­te Team­lei­tung ge­be, die übri­gen Team­lei­ter durch ei­ge­ne Ar­beit ab­sor­biert

– Sei­te 19 –

sei­en und auch der Ab­tei­lungs­lei­ter – ne­ben ei­ner be­reits aus­geübten Ver­tre­tung für ei­ne Team­lei­tung – nicht auch noch die Team­lei­tung Ver­kauf HFB 01/02/03 ver­tre­ten könne.

III.

Ei­ner Kos­ten­ent­schei­dung be­darf es nicht, weil im Be­schluss­ver­fah­ren we­der Ge­richts­kos­ten er­ho­ben wer­den noch ei­ne pro­zes­sua­le Kos­ten­tra­gungs­pflicht be­steht.

Ge­gen die­sen Be­schluss ist für den Be­triebs­rat die Rechts­be­schwer­de zu­ge­las­sen, weil

- der Aus­le­gung der An­la­ge 6 zur Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung mit Blick auf die große Zahl der Be­trof­fe­nen und

- (hin­sicht­lich des An­trags zu 2.) dem Verständ­nis des Be­schlus­ses des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27.01.1987 (1 ABR 66/85 – Ju­ris) grundsätz­li­che Be­deu­tung (§§ 92 Abs. 1, 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG) bei­zu­mes­sen sind.

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