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LAG Hamm, Ur­teil vom 29.02.2012, 3 Sa 859/11

   
Schlagworte: Equal pay, Arbeitnehmerüberlassung, CGZP
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Aktenzeichen: 3 Sa 859/11
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 29.02.2012
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bocholt, Urteil vom 31.3.2011, 3 Ca 1792/10
   

Te­nor:

Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­cholt vom 31.03.2011 – 3 Ca 1792/10 - teil­wei­se ab­geändert.

Der Te­nor wird wie folgt neu ge­fasst:

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt an den Kläger 2.894,93 € nebst 5 Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit 25.09.2010 zu zah­len.

2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt an den Kläger 6.257,80 € brut­to zu zah­len.

3. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

4. Die Wi­der­kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Im Übri­gen wird die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Ver­fah­rens I. In­stanz tra­gen der Kläger zu 27 %, die Be­klag­te zu 73 %. die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens tra­gen der Kläger zu 37 %, die Be­klag­te zu 63 %.

Die Re­vi­si­on wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um ei­nen An­spruch des Klägers auf Gewährung von Ar­beits­be­din­gun­gen nach dem equal-pay-Ge­bot des § 10 Abs. 4 Satz 1 AÜG.

Der Kläger war seit dem 02.06.2009 als Leih­ar­beit­neh­mer bei der Be­klag­ten, die ein Un­ter­neh­men der Per­so­nal­dienst­leis­tung be­treibt, beschäftigt.

Grund­la­ge der Beschäfti­gung war ein schrift­li­cher Ar­beits­ver­trag vom 02.06.2009, der fol­gen­de Re­ge­lun­gen vor­sah:

„1. Die Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en die­ses Ar­beits­ver­tra­ge be­stim­men sich ab dem 02.06.2009 nach den zwi­schen der AMP und der Ta­rif­ge­mein­schaft des CG­ZP ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen, be­ste­hend aus Man­tel-, Ent­gelt­rah­men-, Ent­gelt- und Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ta­rif­ver­trag in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung. Dies gilt auch, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht Mit­glied der Mit­glieds­ge­werk­schaft der in Satz 1 ge­nann­ten Ta­rif­ge­mein­schaft ist. So­weit mit dem Ar­beit­neh­mer be­reits vor­her ein
Beschäfti­gungs­verhält­nis be­stan­den hat, wird der bis­her be­ste­hen­de Ar­beits­ver­trag in­so­fern durch den jetzt und hier­mit ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag er­setzt. Die je­weils gülti­gen und auf die­sen Ar­beits­ver­trag an­zu­wen­den­den Ta­rif­verträge sind in je­der Nie­der­las­sung der Fir­ma S1 GmbH aus­ge­legt und ste­hen dem Ar­beit­neh­mer zur Ein­sicht zur Verfügung.

... 

4. Soll­ten die ge­nann­ten Ta­rif­verträge gekündigt wer­den oder in sons­ti­ger Wei­se ih­re Wirk­sam­keit ver­lie­ren, oh­ne dass neue Ta­rif­verträge an ih­re Stel­le tre­ten, be­stim­men sich die Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges je­weils nach den ge­nann­ten Ta­rif­verträgen in der zu­letzt zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­ten Fas­sung.

5. Für den Fall, dass sich das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz ändert oder dass S1 GmbH ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber­ver­band bei­tritt, ist S1 GmbH be­rech­tigt, den in die­sem Ver­band gel­ten­den Ta­rif­ver­trag an­zu­wen­den, so­weit S1 GmbH nicht ein­heit­lich für die Ar­beit­neh­mer sei­nes Un­ter­neh­mens die An­wen­dung ei­nes an­de­ren Ta­rif­ver­tra­ges vor­sieht. Der Ar­beit­neh­mer erhält al­ler­dings dann zu­min­dest die Leis­tun­gen, die ihm nach Maßga­be des zu­vor in Be­zug ge­nom­men Ta­rif­ver­tra­ges zu­stan­den."

Der Kläger er­ziel­te zu­letzt ei­nen Ta­rif­stun­den­lohn in Höhe von 7,35 € brut­to.Da­ne­ben gewähr­te die Be­klag­te ihm ei­ne kun­den­be­zo­ge­ne Zu­la­ge in un­ter­schied­li­cher Höhe so­wie ein an­tei­li­ges Ur­laubs­geld.

Dem­ge­genüber tätig­te die Be­klag­te Abzüge für Be­rufs­klei­dung, Schutz­klei­dung und Rei­ni­gung.

Ein­ge­setzt war der Kläger aus­sch­ließlich bei der nie­derländi­schen Fir­ma V1. 

Mit der vor­lie­gen­den, un­ter dem 21.09.2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge be­gehrt der Kläger Dif­fe­renz­vergütung zwi­schen dem ihm gewähr­ten Ta­ri­fent­gelt und ei­nem St­un­den­ent­gelt in Höhe von 12,00 € brut­to für den Zeit­raum von Ju­ni 2009 bis Ju­li 2010 für un­wi­der­spro­chen ge­leis­te­te 2.046,75 St­un­den und wei­te­re 116 St­un­den, nach­dem ei­ne außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung vom 31.08.2010 er­folg­los ge­blie­ben ist.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ei­nen An­spruch aus dem Ge­sichts­punkt des equal-pay zu ha­ben, weil ein wirk­sa­mer, in Be­zug ge­nom­me­ner Ta­rif­ver­trag nicht ge­ge­ben sei.

Zu gewähren sei ihm je ge­leis­te­ter Ar­beits­stun­de ein Be­trag in Höhe von 12,00 € brut­to, wie sich aus ei­ner Ab­rech­nung des nie­derländi­schen Mit­ar­bei­ters L1 für den Mo­nat Au­gust 2010 er­ge­be. Die­ser ha­be die glei­che Tätig­keit wie er ver­rich­tet, so­wohl die­ser als auch er sei­en, so hat der Kläger be­haup­tet, als Aus­hil­fen in der Fleisch­ver­ar­bei­tung tätig ge­we­sen.

Darüber hin­aus hat der Kläger gel­tend ge­macht, die vor­ge­nom­me­nen Abzüge „Fa­ci­li­taire" sei­en un­wirk­sam.

Der Kläger hat be­an­tragt, 

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 2.894,43 € net­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz ab Rechtshängig­keit zu zah­len.

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 9.980,02 € brut­to Ar­beits­vergütung für die Zeit von Ju­ni 2009 bis Ju­li 2010 nach­zu­zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Wi­der­kla­gend hat sie be­an­tragt, 

den Kläger zu ver­ur­tei­len, an sie 889,35 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ein An­spruch aus dem Ge­sichts­punkt des equal-pay er­ge­be sich nicht.

Ent­schei­dun­gen zur feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP sei­en zum ei­nen für den der Kla­ge zu­grun­de lie­gen­den Zeit­raum oh­ne Be­deu­tung.

Oh­ne­hin ha­be ab dem 01.01.2010 der zwi­schen dem AMP e.V. und der Ta­rif­ge­mein­schaft CG­ZP und den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des christ­li­chen Ge­werk­schafts­bun­des ge­schlos­se­ne mehr­glied­ri­ge Ta­rif­ver­trag auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung ge­fun­den. Denn die In­be­zug­nah­me von Ta­rif­verträgen in der „je­weils gülti­gen Fas­sung" er­fas­se auch er­set­zen­de Ta­rif­verträge. Die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel sei aus­zu­le­gen, die Aus­le­gung müsse da­hin ge­hen, dass die In­be­zug­nah­me den­je­ni­gen Ta­rif­ver­trag er­fas­se, der an die Stel­le des ursprüng­li­chen Ta­rif­ver­tra­ges tre­te.

Ansprüche bis ein­sch­ließlich des Mo­nats April 2010 sei­en oh­ne­hin ver­fal­len. Die maßgeb­li­che Ver­fall­frist sei im seit dem 01.01.2010 gel­ten­den mehr­glie­de­ri­gen Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt.

Darüber hin­aus hat die Be­klag­te be­strit­ten, dass ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer der Ent­lei­he­rin ei­nen St­un­den­lohn von 12,00 € er­hal­ten hätten. Zum ei­nen han­de­le es sich bei der Ab­rech­nung für den Ar­beit­neh­mer L1 um ei­ne Mo­ment­auf­nah­me für den Mo­nat Au­gust 2010; zu­dem hat die Be­klag­te be­strit­ten, dass es sich bei dem Ar­beit­neh­mer L1 um ei­nen dem Kläger ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer han­delt, da der Kläger we­der zu Tätig­kei­ten, noch zu Ar­beits­auf­ga­ben, auch nicht zu de­nen des Ar­beit­neh­mers L1 vor­ge­tra­gen ha­be.

Den Ab­zug für Ar­beits­klei­dung und an­de­res hat die Be­klag­te für be­rech­tigt er­ach­tet. 

Sch­ließlich hat die Be­klag­te die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger sei zu Scha­dens­er­satz in­fol­ge sei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung vom 31.07.2010 ver­pflich­tet, da die­se Kündi­gung man­gels Kündi­gungs­grun­des un­wirk­sam sei.

Mit Ur­teil vom 31.03.2011 hat das Ar­beits­ge­richt die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger 2.894,43 € nebst 5 Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit 25.09.2010 zu zah­len und im Übri­gen die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Zur Be­gründung hat es aus­geführt, der Kla­ge sei hin­sicht­lich der Fa­ci­li­taire statt­zu­ge­ben.

Bezüglich der gel­tend ge­mach­ten Lohn­dif­fe­renz sei die Kla­ge je­doch un­be­gründet. Die Kla­ge sei in­so­weit un­schlüssig. Ver­gleich­ba­re bzw. glei­che Tätig­kei­ten könne die Kam­mer nur dann an­neh­men, wenn sie im Ein­zel­nen nach­prüfen könne, wel­chen In­halt die je­wei­li­gen Tätig­kei­ten ge­habt hätten. Hier sei es er­for­der­lich ge­we­sen, ei­ne Mehr­zahl von Ar­beit­neh­mern für ei­nen länge­ren Zeit­raum auf­zu­lis­ten und für ei­nen länge­ren Zeit­raum die je­wei­li­gen Tätig­kei­ten dar­zu­stel­len, um zu dem Er­geb­nis zu kom­men, dass iden­ti­sche Tätig­kei­ten ge­ge­ben sei­en.

Die Wi­der­kla­ge sei un­be­gründet, ein Scha­dens­er­satz­an­spruch sei ver­fal­len. 

Ge­gen das un­ter dem 02.05.2011 zu­ge­stell­te Ur­teil, auf des­sen Ent­schei­dungs­gründe im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird, hat der Kläger un­ter dem 26.05.2011 Be­ru­fung zum Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 04.08.2011 un­ter dem 04.08.2011 be­gründet.

Er ver­bleibt zum ei­nen bei sei­ner Auf­fas­sung, es lie­ge kein wirk­sa­mer Ta­rif­ver­trag vor, auf den im Ar­beits­ver­trag hätte Be­zug ge­nom­men wer­den können.

Auch hin­sicht­lich der gel­tend ge­mach­ten Höhe der For­de­rung ver­bleibt der Kläger bei sei­ner Auf­fas­sung.

Er ha­be, so be­haup­tet er wei­ter­hin, die glei­chen Tätig­kei­ten wie bei­spiels­wei­se der Stamm­ar­beit­neh­mer L1 ver­rich­tet, es sei ein Lohn von 12,00 € zu gewähren.

Er ha­be, so be­haup­tet er hier­zu un­wi­der­spro­chen, während der gan­zen Zeit der Über­las­sung in der Ab­tei­lung Zer­le­gung ge­ar­bei­tet und dort an ei­ner Ma­schi­ne, in der Fleischstücke in Schei­ben ge­schnit­ten und her­nach auf ein Fließband ver­bracht würden. Mit ihm hätten an der Ma­schi­ne drei na­ment­lich be­nann­te wei­te­re Mit­ar­bei­ter ge­ar­bei­tet und zwar über den glei­chen Zeit­raum. Auch ih­re an­re­chen­ba­re Be­triebs­zu­gehörig­keit sei mit sei­ner ver­gleich­bar. Auch die­se hätten den Grund­lohn von 12,00 € je St­un­de über den ge­sam­ten Zeit­raum er­hal­ten. Die Mit­ar­bei­ter in der Zer­le­ge­ab­tei­lung sei­en zu­dem sämt­lichst an­ge­lern­te Kräfte ge­we­sen.

Auch die Stamm­ar­beit­neh­mer L1 und B1 sei­en mit den glei­chen Tätig­kei­ten be­traut ge­we­sen bei glei­chem Aus­bil­dungs­stand.

Auf ei­ne Aus­kunft beim Ent­lei­her könne er sich nicht stützen, da zum ei­nen ein sol­cher­Aus­kunfts­an­spruch nicht be­ste­he, weil § 13 AÜG nur auf dem Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land An­wen­dung fin­de, zu­dem der Ent­lei­her gemäß E-Mail vom 27.09.2011
Aus­kunft ver­wei­gert ha­be.

Der Kläger be­an­tragt, 

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­cholt vom 31.03.2011 ab­zuändern so­weit die Kla­ge ab­ge­wie­sen wur­de und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 9.980,02 € brut­to Ar­beits­vergütung für die Zeit von Ju­ni 2009 bis Ju­li 2010 ein­sch­ließlich nach­zu­zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen. 

Sie hält ei­nen An­spruch zum ei­nen für des­we­gen nicht ge­ge­ben, weil die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2010 zur feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP le­dig­lich ge­gen­warts­be­zo­gen sei. Nicht fest­ge­stellt wor­den sei die Ta­rif­unfähig­keit die­ser Ta­rif­ge­mein­schaft auf der Grund­la­ge der Sat­zung von 2005. So­weit es hier­auf an­kom­me, sei da­her ei­ne Aus­set­zung des Ver­fah­rens über die Ta­riffähig­keit der CG­ZP für
ver­gan­ge­ne Zeiträume un­umgäng­lich.

Seit dem 01.01.2010 fin­de zu­dem oh­ne­hin der neue mehr­glie­de­ri­ge Ta­rif­ver­trag zwi­schen der AMP e.V. und der CG­ZP so­wie den je­wei­li­gen Ein­zel­ge­werk­schaf­ten An­wen­dung.

Hin­sicht­lich der Höhe ver­bleibt die Be­klag­te bei ih­rer Auf­fas­sung, es lie­ge kein aus­rei­chend sub­stan­zi­ier­ter Vor­trag des Klägers vor.

Ih­rer Mei­nung nach sei es in­so­weit Auf­ga­be des Klägers ge­we­sen, al­le Mit­ar­bei­ter zu nen­nen, die ei­ne ver­gleich­ba­re Tätig­keit ausübten. Die bei­den ursprüng­lich vom Kläger be­nann­ten Mit­ar­bei­ter könn­ten le­dig­lich Aus­kunft über ih­re ei­ge­ne Vergütung ge­ben.

Selbst wenn die an­ge­ge­be­ne Vergütung von 12,00 € pro St­un­de stim­me, könne dies auf ei­ner be­son­de­ren fach­li­chen Eig­nung, Er­fah­rung, Ein­satz­be­reit­schaft oder auf an­de­re Merk­ma­le zurück­zuführen sein.

Darüber hin­aus sei schon zwei­fel­haft, ob die an­ge­ge­be­ne Tätig­keit der Stamm­ar­beit­neh­mer mit der des Klägers ver­gleich­bar sei.

Den St­un­den­lohn von 12,00 € brut­to hat die Be­klag­te be­strit­ten. Ei­ne Zah­lung in die­ser Höhe sei über­ra­schend, weil der Ent­lei­her­be­trieb den Ta­rif­ver­trag für Metz­ger­be­trie­be, der in den Nie­der­lan­den für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wor­den sei, an­wen­de. Dort sei bei­spiels­wei­se ein St­un­den­lohn von 12,00 € in den ein­zel­nen Lohn­grup­pen gar nicht vor­ge­se­hen.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig und zum über­wie­gen­den Teil auch be­gründet. 

A. 

Durch­grei­fen­de Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit der Be­ru­fung be­ste­hen nicht. 

Die Be­ru­fung ist statt­haft gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, 2 b) ArbGG. 

Die Be­ru­fung ist auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, §§ 517 ff. ZPO.

B. 

Die Be­ru­fung des Klägers ist auch zu ei­nem über­wie­gen­den Teil be­gründet. 

Dem Kläger ste­hen zwar für den in Re­de ste­hen­den Zeit­raum Zah­lungs­ansprüche aus § 10 Abs. 4 Satz 1 AÜG i.V.m. § 9 Nr. 2 AÜG zur Sei­te, al­ler­dings nicht in der von ihm gel­tend ge­mach­ten Höhe.

I. Nach § 10 Abs. 4 Satz 1 AÜG ist der Ver­lei­her grundsätz­lich ver­pflich­tet, dem Leih­ar­beit­neh­mer für die Zeit der Über­las­sung an den Ent­lei­her die im Be­trieb des Ent­lei­hers für ei­nen ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer gel­ten­den we­sent­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich des Ar­beits­ent­gelts zu gewähren. Dies gilt al­ler­dings dann nicht, so­weit ein auf das Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den­der Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen vor­sieht, § 10 Abs. 4 Satz 2 AÜG.

§ 9 Nr. 2 AÜG sieht da­bei die Möglich­keit vor, dass im Gel­tungs­be­reich ei­nes sol­chen­Ta­rif­ver­tra­ges nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer die An­wen­dung der ta­rif­li­chen Reg­lun­gen ver­ein­ba­ren können.

Zwar ha­ben die Par­tei­en in dem für sie maßgeb­li­chen Ar­beits­ver­trag vom 03.06.2009 in § 2 Ziff. 1 fest­ge­legt, dass sich die Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en nach den zwi­schen der AMP und der Ta­rif­ge­mein­schaft des CG­ZP ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung rich­ten sol­len; sol­che Ta­rif­verträge lie­gen je­doch nicht vor, da die CG­ZP in­so­weit nicht als ta­riffähig an­zu­se­hen war.

1. Rechts­fol­ge des Ab­schlus­ses ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges durch ei­ne Ver­ei­ni­gung oh­ne Ta­riffähig­keit ist die Un­wirk­sam­keit und da­mit Nich­tig­keit des ent­spre­chen­den Ta­rif­ver­tra­ges (BAG, 15.11.2006, EzA TVG § 4 Bau­in­dus­trie Nr. 131).

2. Von ei­ner feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP bei Ab­schluss der für den Rechts­streit der Par­tei­en ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge, ins­be­son­de­re des
Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges vom 29.11.2004 und des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges vom 09.07.2008 so­wie da­vor lie­gen­der Ent­gelt­ta­rif­verträge, war nach Auf­fas­sung der Kam­mer nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2010 im Ver­fah­ren 1 ABR 19/10(EzA TVG § 2 Nr. 31) aus­zu­ge­hen.

Zu­tref­fend ist in­so­weit, dass die Fest­stel­lung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes zur feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP nur ge­gen­warts­be­zo­gen, nicht hin­ge­gen ver­gan­gen­heits­be­zo­gen ge­trof­fen wor­den ist, da das Bun­des­ar­beits­ge­richt da­von aus­geht, dass es den An­trag­stel­lern des ent­spre­chen­den Ver­fah­rens er­sicht­lich le­dig­lich um die ge­genwärti­ge Fest­stel­lung feh­len­der Ta­riffähig­keit ge­gan­gen ist.

3. Gleich­wohl be­durf­te es ei­ner Aus­set­zung des Rechts­streits nach § 97 Abs. 5 ArbGG bis zur Er­le­di­gung ei­nes Be­schluss­ver­fah­rens über die Ta­riffähig­keit der CG­ZP bei Ab­schluss der für den Rechts­streit der Par­tei­en ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge nicht.

a) Hängt die Ent­schei­dung ei­nes Rechts­streits da­von ab, ob ei­ne Ver­ei­ni­gung ta­riffähig oder ob die Ta­rif­zuständig­keit der Ver­ei­ni­gung ge­ge­ben ist, so hat das Ge­richt das Ver­fah­ren bis zur Er­le­di­gung des Be­schluss­ver­fah­rens nach § 2 a Abs. 1 Nr. 4 gemäß § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG aus­zu­set­zen.

Die Ent­schei­dung über die Aus­set­zung ist bei Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen da­bei nicht in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt.

Ei­ne Aus­set­zung ist le­dig­lich dann nicht er­for­der­lich, wenn ei­ne Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit of­fen­sicht­lich nicht ge­ge­ben ist (BAG, 28.01.2008, NZA 2008, 489).

Ei­ne sol­che Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit liegt da­her dann nicht vor, wenn die Kla­ge aus an­de­ren Gründen be­reits ab­zu­wei­sen ist, oh­ne dass es auf die Fra­ge der Ta­riffähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung an­kommt. Dies ist je­doch, wie noch aus­zuführen ist, nicht der Fall.

b) Hin­sicht­lich des Er­for­der­nis­ses der Aus­set­zung be­ste­hen un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen.

So­weit ei­ne Aus­set­zung der Ver­fah­ren für zwin­gend ge­hal­ten wird, liegt die Be­gründung im We­sent­li­chen dar­in, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung aus­drück­lich le­dig­lich ge­gen­warts­be­zo­gen ver­stan­den wis­sen will, was ei­ne rück­wir­ken­de Recht­wir­kung auf den Zeit­punkt frühe­rer Ta­rif­ab­schlüsse aus­sch­ließen soll und § 97 Abs. 5 ArbGG ge­ra­de si­cher­stel­len will, dass in ei­nem dem Amts­er­mitt­lungs­grund­satz
un­ter­lie­gen­den Ver­fah­ren, an dem sich al­le be­trof­fe­nen Be­tei­lig­ten ein­brin­gen können, ei­ne Ent­schei­dung zur Ta­riffähig­keit er­ge­hen kann, die dann Rechts­kraft ge­genüber je­der­mann er­langt (so bei­spiels­wei­se LAG Hamm, 28.09.2011, 1 Ta 500/11; LAG Ba­den-Würt­tem­berg, 21.06.2011, 11 Ta 10/11; LAG Rhein­land-Pfalz, 15.06.2011, 6 Ta 99/11; LAG Nürn­berg, 19.09.2011, 2 Ta 128/11 = LA­GE ArbGG § 97 Nr. 4; LAG Nürn­berg, 23.11.2011, 7 Ta 111/11 = DB 2012, 118; Wis­sels ju­ris PR-ArbR 33/2011 Anm. 2).

Das Er­for­der­nis ei­ner sol­chen Aus­set­zung wird da­bei auch un­ter dem As­pekt be­jaht, dass auch für die Ver­gan­gen­heit ei­ne an­de­re Ent­schei­dung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht zu er­war­ten steht (ArbG Frei­burg, 13.04.2011, DB 2011, 1001).

So­weit ei­ne Aus­set­zung für nicht er­for­der­lich ge­hal­ten wird, wird dies im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, ein Er­for­der­nis er­ge­be sich nicht, wenn die Ta­rif­unfähig­keit be­reits ein­mal fest­ge­stellt wor­den sei und kei­ne An­halts­punk­te dafür ge­ge­ben sei­en, dass die Ta­riffähig­keit vor­her be­stan­den ha­ben könne (hier­zu bei­spiels­wei­se LAG Hamm, 30.06.2011, 8 Sa 387/11; LAG Sach­sen-An­halt, 02.11.2011, 4 Ta 130/11 = LA­GE ArbGG § 97 Nr. 5; LAG Ber­lin-Bran­den­burg, 20.09.2011, DB 2012, 119).

c) Die Kam­mer schließt sich im Hin­blick auf die Be­son­der­heit, mit der ei­ne Ta­riffähig­keit der CG­ZP durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­neint wor­den ist, den Auf­fas­sun­gen an, die ei­ne Aus­set­zung nicht für er­for­der­lich hal­ten.

II. Ansprüchen des Klägers je­den­falls für die Zeit ab dem 01.01.2010 steht auch nicht der Um­stand ent­ge­gen, dass nun­mehr an­de­re Ta­rif­verträge auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung ge­fun­den ha­ben sol­len.

1. Ei­ne Gel­tung der mehr­glie­de­ri­gen Ta­rif­verträge zwi­schen dem AMP und der CG­ZP und den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des christ­li­chen Ge­werk­schafts­bun­des ist nicht ge­ge­ben. Ei­ne Gel­tung der mehr­glied­ri­gen Ta­rif­verträge er­gibt sich zum ei­nen nicht über die Je­wei­lig­keits­klau­sel in § 2 Zif­fer 1 Satz 1 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en vom 02.06.2009.

a) Bei dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en vom 03.06.2009 han­delt es sich un­wi­der­spro­chen um ei­nen For­mu­lar­ar­beits­ver­trag, auf den grundsätz­lich die §§ 305 ff. BGB an­zu­wen­den sind.

b) All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei die Verständ­nismöglich­kei­ten des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind (BAG, 31.08.2005, EzA Arb­ZG § 6 Nr. 6).

So­weit auch der mit dem Ver­trag ver­folg­te Zweck ein­zu­be­zie­hen ist, kann dies nur in Be­zug auf ty­pi­sche und von red­li­chen Ver­trags­part­nern ge­woll­te Zie­le gel­ten. Blei­ben da­nach Zwei­fel, geht dies gemäß § 305 c Abs. 2 BGB zu­las­ten des Ver­wen­ders (BAG, 09.11.2005, EzA BGB 2002 § 305 c Nr. 3).

c) Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass ei­ne klei­ne dy­na­mi­sche Klau­sel, die be­stimm­te Ta­rif­verträge in der je­weils gülti­gen Fas­sung in Be­zug nimmt, über den Wort­laut hin­aus nur dann als große dy­na­mi­sche Ver­wei­sung in Form der Be­zug­nah­me auf die je­weils für den Be­trieb gel­ten­den Ta­rif­verträge aus­ge­legt kann, wenn sich dies aus be­son­de­ren Umständen er­gibt. Man­gels ge­gen­tei­li­ger An­halts­punk­te be­schränkt sich ei­ne sol­che klei­ne dy­na­mi­sche Klau­sel auf ei­ne Gleich­stel­lung ta­rif­ge­bun­de­ner und un­ge­bun­de­ner Ar­beit­neh­mer auf das ge­nann­te Ta­rif­werk (BAG, 25.09.2002, EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 24; BAG, 29.08.2007, EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 37).

Nur ei­ne sol­che große dy­na­mi­sche Klau­sel wirkt be­trieb­lich und fach­lich dy­na­misch. 

Der Be­deu­tungs­ge­halt ei­ner Ver­wei­sungs­klau­sel ist da­bei in ers­ter Li­nie an­hand des Wort­lauts zu er­mit­teln (BAG, 18.04.2007, EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 35).

Zu den Aus­le­gungs­me­tho­den gehört da­bei al­ler­dings auch die sys­te­ma­ti­sche Ge­samt­schau.

d) Vor­lie­gend be­schränkt sich die Be­zug­nah­me­klau­sel in § 2 Ziff. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges dem Wort­laut nach auf Ta­rif­verträge in der je­weils gülti­gen Fas­sung, die zwi­schen der AMP und der Ta­rif­ge­mein­schaft des CG­ZP ge­schlos­sen wer­den.

So­wohl vom Wort­laut, als auch nach der Ge­samt­schau sind kei­ne An­halts­punk­te dafür er­sicht­lich, dass über die­se Be­zug­nah­me­klau­sel auch Ta­rif­verträge er­fasst sein soll­ten, die von an­de­ren Ge­werk­schaf­ten im fach­li­chen und be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich ge­schlos­sen wer­den.

Die Ge­samt­schau un­ter Ein­be­zie­hung von § 2 Ziff. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges zeigt ge­ra­de, dass Ziff. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges nicht als große dy­na­mi­sche Klau­sel zu ver­ste­hen ist, da die Be­klag­te sich in § 2 Ziff. 5 ge­ra­de vor­behält, die ge­nann­ten Ta­rif­verträge durch an­de­re zu er­set­zen, die von ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber­ver­band ge­schlos­sen wer­den.

Vor­lie­gend geht es nicht um ei­ne Fra­ge der Ta­rif­suk­zes­si­on, dass Ta­rif­verträge nicht mehr fort­ge­schrie­ben wer­den und ein Ta­rif­werk durch ein an­de­res er­setzt wird und da­durch ei­ne Re­ge­lungslücke ent­stan­den ist, die durch ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung zu schließen ist.

So­weit der mehr­glie­de­ri­ge Ta­rif­ver­trag auch wie­der­um ei­nen Ta­rif­ver­trag zwi­schen der AMP und der CG­ZP enthält, gel­ten die vor­ste­hen­den Erwägun­gen zur Nich­tig­keit die­ses Ta­rif­ver­tra­ges in­fol­ge feh­len­der Ta­riffähig­keit der CG­ZP ent­spre­chend.

2. Ei­ne Gel­tung der mehr­glied­ri­gen Ta­rif­verträge er­gibt sich schließlich auch nicht über § 2 Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges.

Da­bei kann es da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Re­ge­lung in § 2 Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ner In­halts­kon­trol­le nach den §§ 305 ff. BGB standhält, da je­den­falls schon die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, die ei­nen Ta­rif­wech­sel kraft In be­zug­nah­me ermögli­chen sol­len, nicht ge­ge­ben sind.

Nach § 2 Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges soll die Be­klag­te be­rech­tigt sein, vor­ge­nann­te Ta­rif­verträge für die Zu­kunft durch sol­che zu er­set­zen, die von ei­nem an­de­ren für den Ar­beit­ge­ber zuständi­gen Ar­beit­ge­ber­ver­band ge­schlos­sen wur­den.

Vor­lie­gend geht es je­doch dar­um, dass auf­sei­ten des Ver­trags­part­ners des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des ein Wech­sel statt­ge­fun­den hat. Die nun­meh­ri­gen Ta­rif­verträge sind nicht mehr al­lein durch die CG­ZP, son­dern durch die­se und die Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des christ­li­chen Ge­werk­schafts­bun­des als mehr­glied­ri­ge Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen wor­den. Ein Wech­sel auf Ar­beit­ge­ber­sei­te hat hier­bei je­doch nicht statt­ge­fun­den.

III. Dem Zah­lungs­be­geh­ren des Klägers ste­hen auch kei­ne Ver­fall­fris­ten ent­ge­gen.

1. Un­ter den Par­tei­en be­steht kein Streit darüber, dass ein­zel­ver­trag­lich kei­ne Aus­schluss­frist ge­re­gelt wor­den ist.

2. Aus­schluss­fris­ten aus ei­nem Man­tel­ta­rif­ver­trag ge­schlos­sen zwi­schen der AMP und der CG­ZP kom­men nicht zur An­wen­dung, da der Ta­rif­ver­trag in­fol­ge feh­len­der Ta­rif­zuständig­keit der CG­ZP un­wirk­sam ist.

3. Aus­schluss­fris­ten aus ei­nem der Ta­rif­verträge ge­schlos­sen zwi­schen dem AMP ei­ner­seits und der CG­ZP und den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des christ­li­chen Ge­werk­schafts­bun­des an­de­rer­seits fan­den gleich­falls auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en kei­ne An­wen­dung, da ei­ner der mehr­glie­de­ri­gen Ta­rif­verträge auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ab 01.01.2010 kei­ne An­wen­dung fand.

IV. Der Kläger hat da­nach An­spruch auf Gewährung von Leis­tun­gen in der aus­ge­ur­teil­ten, al­ler­dings nicht in der von ihm gel­tend ge­mach­ten Höhe.

1. Da der An­spruch auf Gewährung glei­cher Ar­beits­be­din­gun­gen gemäß § 10 Abs. 4, 9 Nr. 2 AÜG während der Dau­er der Über­las­sung be­steht, ist ein Ge­samt­ver­gleich der Ent­gel­te im Über­las­sungs­zeit­raum an­zu­stel­len (BAG, 23.03.2011, DB 2011, 1526).

Der Ge­samt­ver­gleich der Ent­gel­te hat da­bei wie bei­spiels­wei­se für Zeiträume des An­nah­me­ver­zu­ges der­art zu er­fol­gen, dass an­der­wei­ti­ger Ver­dienst für die ge­sam­te Dau­er des An­nah­me­ver­zu­ges an­zu­rech­nen ist (vgl. da­zu bei­spiels­wei­se BAG, 29.08.1999, EzA BGB § 615 Nr. 96).

Es ist da­her zunächst die Vergütung für die in­fol­ge des Ver­zugs nicht ge­leis­te­ten Diens­te zu er­mit­teln; die­ser Ge­samt­vergütung ist ge­genüber­zu­stel­len, was der Ar­beit­neh­mer in der be­tref­fen­den Zeit an­der­wei­tig er­wor­ben hat (BAG, 22.11.2005, EzA BGB 2002 § 615 Nr. 14).

Für die Be­rech­nung des Ent­gelts bei Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­deu­tet das, dass das Ent­gelt ei­nes ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mers im Über­las­sungs­zeit­raum mit den ein­zu­be­zie­hen­den Be­stand­tei­len ei­ner­seits an­zu­set­zen ist und die­sem die ge­sam­te be­zo­ge­ne Vergütung durch den Ver­trags­ar­beit­ge­ber ge­genüber­zu­stel­len ist.

Zu den an­zu­rech­nen­den Ver­diens­ten zählen da­bei al­le Leis­tun­gen, die als Ge­gen­leis­tung vom Ver­trags­ar­beit­ge­ber für die Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung er­bracht wer­den.

Nicht ge­recht­fer­tigt ist da­nach ei­ne Stücke­lung nach sachg ru ppen be­zo­ge­nen Leis­tun­gen, so dass nicht das lau­fen­de mo­nat­li­che Ent­gelt ei­ner­seits, Jah­res­leis­tun­gen an­de­rer­seits, Auf­wen­dungs­er­satz­leis­tun­gen und ähn­li­ches ge­son­dert zu er­mit­teln und an­zu­set­zen sind.

Ei­ne sol­che Be­rech­nung würde da­zu führen, dass dem Leih­ar­beit­neh­mer höhe­re Leis­tun­gen zu­er­kannt würden als ei­nem ver­gleich­ba­ren Stamm­ar­beit­neh­mer im Ent­lei­her­be­trieb, denn d ies­fal ls wären bei­spiels­wei­se Jah­res­leis­tun­gen, die der Ver­trags­ar­beit­ge­ber nicht er­bringt, voll an­zu­set­zen, oh­ne dass der Ver­trags­ar­beit­ge­ber die Möglich­keit hätte, ggf. höhe­res lau­fen­des Ent­gelt ge­genüber ei­nem Stamm­ar­beit­neh­mer des Ent­lei­her­be­trie­bes an­zu­rech­nen.

2. Der Be­griff des Ar­beits­ent­gel­tes ist weit zu ver­ste­hen (BAG, 23.03.2011, 108 a.a.O).

Er­fasst wer­den da­mit nicht nur das lau­fen­de Ent­gelt, son­dern auch al­le Zu­schläge und Zu­la­gen, Ansprüche auf Ent­gelt­fort­zah­lung so­wie wei­te­re Vergütungs­be­stand­tei­le.

Hier­nach wer­den da­mit nicht nur die lau­fen­de ta­rif­li­che Vergütung, son­dern auch die gel­tend ge­mach­te Weih­nachts­zu­wen­dung, die ta­rif­li­che Son­der­zu­wen­dung, Auf­wen­dungs­er­satz­zah­lun­gen und Fahrt­kos­ten­er­stat­tun­gen er­fasst, die als un­mit­tel­ba­re Ge­gen­leis­tung für die Ab­leis­tung der Tätig­keit an­ge­se­hen wer­den.

3. Ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer im Sin­ne des § 10 Abs. 4 Satz 1 AÜG ist der Ar­beit­neh­mer des Ent­lei­hers mit glei­cher oder ähn­li­cher Tätig­keit, die Ar­beit­neh­mer müssen tätig­keits­be­zo­gen ver­gleich­bar sein (Ülker, AÜG, § 9, Rz. 104, Thie­sing­Men­gel, AÜG, § 9, Rz. 24). Aus­gangs­punkt muss da­bei der kon­kre­te Ar­beits­platz sein, den der Leih­ar­beit­neh­mer be­setzt (Ülker, a.a.O., § 9 Rz. 105).

Ist da­bei ei­ne zu gewähren­de Ar­beits­be­din­gung an be­son­de­re persönli­che Merk­ma­le ge­bun­den, wie be­son­de­re Qua­li­fi­ka­tio­nen oder ein Be­rufs­ab­schluss, muss auch der Leih­ar­beit­neh­mer die­se erfüllen (Ülker, a.a.O., § 9, Rz. 107; Thie­sing/Men­gel, a.a.O., § 9, Rz. 24).

Es sind da­her auch per­so­nen­be­zo­ge­ne Kom­po­nen­ten zu berück­sich­ti­gen (Schüren, AÜG, § 9, Rz. 121).

4. Zur Be­stim­mung der Höhe des An­spruchs aus § 10 Abs. 4 AÜG kann der Ar­beit­neh­mer sei­ner Dar­le­gungs­last zum ei­nen da­durch genügen, dass er den In­halt ei­ner Aus­kunft des Ent­lei­hers nach § 13 AÜG vorträgt (BAG, 19.09.2007, EzA AÜG § 13 Nr. 1).

Auf ei­ne sol­che Aus­kunft konn­te der Kläger sein Vor­brin­gen je­doch nicht stützen, da ei­ne sol­che durch den Ent­lei­her nicht er­teilt wor­den ist.

Es ver­bleibt da­nach bei dem Grund­satz, dass der Ar­beit­neh­mer die an­spruchs­be­gründen­den Tat­sa­chen dar­le­gen und im Streit­fall be­wei­sen muss (BAG, 23.03.2011, a.a.O.).

5. Un­ter Berück­sich­ti­gung der maßgeb­li­chen An­for­de­run­gen ist der Kläger sei­ner Dar­le­gungs­last zur Höhe des An­spruchs in aus­rei­chen­der Wei­se nach­ge­kom­men.

a) Der Kläger hat zu sei­ner Tätig­keit ge­schil­dert, er sei als Aus­hil­fe in der Fleisch­ver­ar­bei­tung beschäftigt und dort mit der Zer­le­gung und der Ver­pa­ckung von Fleisch als Hilfs­ar­bei­ter tätig ge­we­sen.

Der Kläger hat fer­ner vor­ge­tra­gen, die von ihm im Übri­gen be­nann­ten Ar­beit­neh­mer sei­en gleich­falls an­ge­lern­te Kräfte und er­hiel­ten ih­rer Aus­kunft nach auch 12,00 € brut­to in der St­un­de.

Darüber hin­aus legt der Kläger die Ab­rech­nung des Ar­beit­neh­mers L1 des Ent­lei­hers vor, aus der sich durch Um­rech­nung ein St­un­den­ent­gelt von 12,00 € er­gibt.

Un­ter Berück­sich­ti­gung der feh­len­den Aus­kunft des Ent­lei­hers genügt der Kläger hier­mit sei­ner Dar­le­gungs­last, in­dem er ei­ne Tätig­keit, die von aus sei­ner Sicht ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern und de­ren Ver­dienstan­ga­ben schil­dert; auch genügt der Kläger sei­ner Dar­le­gungs­last zunächst da­durch, dass er an­gibt, die­se sei­en teil­wei­se von der Be­triebs­zu­gehörig­keit her mit ihm ver­gleich­bar und bei ih­nen han­de­le es sich auch um an­ge­lern­te Kräfte.

b) Die­sem aus­rei­chend sub­stan­zi­ier­ten Vor­brin­gen des Klägers ge­genüber liegt ein aus­rei­chend sub­stan­zi­ier­tes Be­strei­ten auf­sei­ten der Be­klag­ten nicht vor

Ein sub­stan­zi­ier­tes Be­strei­ten des Vor­tra­ges des Klägers liegt zum ei­nen nicht dar­in, dass die Be­klag­te erklärt, der Kläger ha­be aus ih­rer Sicht nicht aus­rei­chend zu sei­nen Tätig­kei­ten und de­nen von ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern vor­ge­tra­gen.

Eben­so we­nig reicht es als sub­stan­zi­ier­tes Be­strei­ten aus, wenn die Be­klag­te erklärt, die Tätig­keit der vom Kläger ge­nann­ten Per­so­nen ha­be nichts mit be­stimm­ten Lohn­grup­pen zu tun.

So­weit die Be­klag­te beim Vor­brin­gen des Klägers zum Um­stand, bei al­len ha­be es sich um an­ge­lern­te Ar­beit­neh­mer ge­han­delt, sich dar­auf be­schränkt, an­zu­ge­ben, ein Ent­gelt von 12,00 € sei un­ter Umständen auf be­son­de­re Eig­nung oder Ähn­li­ches zurück­zuführen, genügt sie ih­rer Dar­le­gungs­last, dem Vor­brin­gen des Klägers sub­stan­zi­iert ent­ge­gen­zu­tre­ten, nicht; die Be­klag­te mag dann kon­kret an­ge­ben, wel­che Aus­bil­dung die vom Kläger ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer ih­rer Kennt­nis nach ha­ben und auf­grund wel­cher Be­son­der­hei­ten in der Per­son ei­ne Ver­gleich­bar­keit aus­schei­den soll.

Wenn zu­dem die Be­klag­te selbst an­gibt, der Ent­lei­her wen­de ei­nen nie­derländi­schen Ta­rif­ver­trag an, mag sie an­hand die­ser Be­stim­mun­gen kon­kret be­strei­ten, wel­ches die zu­tref­fen­de Vergütungs­grup­pe dann für den Kläger und die von ihm als ver­gleich­bar an­ge­ge­be­nen Ar­beit­neh­mer ge­we­sen sein soll.

c) Für die Ver­gleichs­be­rech­nung wa­ren die St­un­den zu­grun­de zu le­gen, die der Kläger aus den ei­ge­nen Ab­rech­nun­gen der Be­klag­ten ent­nom­men und an­ge­ge­ben hat.

Den An­ga­ben des Klägers ist die Be­klag­te in­so­weit nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. 

Die­se wa­ren mit dem je­wei­li­gen St­un­den­ent­gelt in Höhe von 12,00 € brut­to zu be­rech­nen.

d) Im Rah­men des Ge­samt­ver­gleichs wa­ren je­doch nicht nur die Vergütungs­be­stand­tei­le ge­gen­zu­rech­nen, die die Be­klag­te dem Kläger als St­un­den­lohn gewährt hat, son­dern auch die gewähr­ten kun­den­be­zo­ge­nen Zu­la­gen und die Zah­lun­gen, die als „Ur­laubs­geld Aus­land" ge­leis­tet wor­den sind.

Ob im Rah­men die­ses Ge­samt­ver­glei­ches wei­ter­ge­hen­de Leis­tun­gen des Ent­lei­hers an­zu­set­zen wa­ren, die die­ser ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern gewährt hat, muss­te un­berück­sich­tigt blei­ben, da der Kläger sol­che Leis­tun­gen je­den­falls nicht gel­tend ge­macht hat.

V. Zur Klar­stel­lung ist der Te­nor des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils neu ge­fasst wor­den un­ter Berück­sich­ti­gung der nicht mit der Be­ru­fung an­ge­grif­fe­nen Tei­le.

Zu Zwe­cken der Klar­stel­lung ist die Ab­wei­sung der Wi­der­kla­ge in den Te­nor mit auf­ge­nom­men wor­den, die sich im ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teil zwar nicht fin­det, aus den Ent­schei­dungs­gründen je­doch er­sicht­lich ist, dass das Ar­beits­ge­richt die Wi­der­kla­ge
ab­ge­wie­sen hat.

C. 

Die Kos­ten des Ver­fah­rens vor dem Ar­beits­ge­richt und im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wa­ren an­tei­lig gemäß § 92 Abs. 1 ZPO zu ver­tei­len.

Die Ver­tei­lung muss­te da­bei mit un­ter­schied­li­chen Ansätzen er­fol­gen, da im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nur noch ein Teil der erst­in­stanz­lich anhängi­gen For­de­run­gen zu ent­schei­den war.

We­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung war die Re­vi­si­on für die Be­klag­te nach § 72 Abs. 2 ArbGG zu­zu­las­sen.

So­weit den For­de­run­gen des Klägers der Höhe nach nicht ent­spro­chen wor­den ist, liegt dem kei­ne Grund­satz­fra­ge zu­grun­de.

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