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LAG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 17.03.2009, 17 Sa 848/08

   
Schlagworte: Arbeitgeberverband
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Aktenzeichen: 17 Sa 848/08
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 17.03.2009
   
Leitsätze:

1. Die einvernehmliche Aufhebung der Mitgliedschaft eines Arbeitgebers in einem tarifschließenden Arbeitgeberverband mit sofortiger Wirkung ist nach vereinsrechtlichen Grundsätzen zulässig, wenn die Satzung des Arbeitgeberverbandes sie nicht ausdrücklich ausschließt.

2. Die Abgabe der zum Abschluss des Aufhebungsvertrages führenden Willenserklärung obliegt, soweit die Satzung nicht ausdrücklich anderes bestimmt, dem Vorstand des Vereins.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Solingen, 06.05.2008 - 1 Ca 1681/07,
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, 18.05.2011 - 4 AZR 457/09
   


Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, 17 Sa 848/08


Te­nor: 1.Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts So­lin­gen vom 06.05.2008 - Az. 1 Ca 1681/07 - wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
  2.Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.


Tat­be­stand:

1
Die Par­tei­en strei­ten über ta­rif­ver­trag­li­che Zah­lungs­ansprüche. 2

Die 59 Jah­re al­te Kläge­rin ist seit dem 09.04.1970 bei der Be­klag­ten als Ma­schi­nen­ar­bei­te­rin beschäftigt. Sie ist Mit­glied der IG Me­tall. Bei der Be­klag­ten han­delt es sich um ein Un­ter­neh­men in T. ansässi­ges Un­ter­neh­men der Me­tall ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie. Sie stellt mit et­wa 90 Ar­beit­neh­mern Türbänder und Türschar­nie­re her.

3

Die Be­klag­te war langjähri­ges Mit­glied im für die Ei­sen-, Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie zuständi­gen Ar­beit­ge­ber­ver­band So­lin­gen e.V. (im fol­gen­den B.), ei­nem ta­rif­sch­ließen­den Mit­glieds­ver­band der Ver­ei­ni­gung Ber­gi­scher Un­ter­neh­mer­verbände e.V. - VBU. In der Sat­zung des B. in der ak­tu­el­len Fas­sung vom 04.04.2001 ist un­ter an­de­rem be­stimmt:

4
"§2 5
Zweck 6
1. Zweck des B. T. ist 7

a) die Wah­rung und Förde­rung der ge­mein­sa­men In­ter­es­sen der Mit­glie­der in al­len Fra­gen, die das Verhält­nis der Ar­beit­ge­ber zu den Ar­beit­neh­mer be­tref­fen und

8
b) die Be­treu­ung der Mit­glie­der in al­len ar­beits- und so­zi­al­po­li­ti­schen An­ge­le­gen­hei­ten. 9
2. Die­sen Zweck erfüllt der Ver­band, in­dem er 10

a) im Rah­men sei­ner Auf­ga­ben mit den Ver­ei­ni­gun­gen der Ar­beit­neh­mer Ver­hand­lun­gen führt und Ab­ma­chun­gen über Ent­gelt- und Ar­beits­be­din­gun­gen trifft,

11
b) an der Er­hal­tung des Ar­beits­frie­dens mit­wirkt und den so­li­da­ri­schen Zu­sam­men­halt der Mit­glie­der bei der Ab­wehr von Ar­beitskämp­fen, Streiks und streikähn­li­chem Ver­hal­ten an­strebt. 12
13
§ 4 14
Mit­glied­schaft 15
1. Die Mit­glied­schaft ist frei­wil­lig. 16
2. Dem B. T. kann je­der Ar­beit­ge­ber bei­tre­ten, der im Ver­bands­ge­biet sei­nen Sitz oder sei­ne Be­triebsstätte hat. 17
3. Ar­beit­ge­ber, die ih­ren Sitz nicht im Ver­bands­ge­biet ha­ben, können in Aus­nah­mefällen Mit­glied wer­den. Über die Auf­nah­me ent­schei­det der Vor­stand. 18
4. Gast­mit­glie­der können sol­che Ar­beit­ge­ber wer­den, die Mit­glied in Fach­ar­beit­ge­ber­verbänden oder Hand­werks­in­nun­gen sind. 19

5. Die Mit­glied­schaft er­streckt sich grundsätz­lich auf al­le in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ansässi­gen Be­trie­be, Be­triebs­ab­tei­lun­gen und Zweig­nie­der­las­sun­gen des glei­chen Un­ter­neh­mens, des­sen Haupt­ver­wal­tung im Ver­bands­ge­biet liegt.

20
6. Die Mit­glied­schaft ist schrift­lich beim Vor­stand zu be­an­tra­gen. 21
7. Über die Auf­nah­me ent­schei­det der Vor­stand. Der Vor­stand kann die­se Ent­schei­dung auf die Geschäftsführung über­tra­gen. 22
8. Lehnt der Vor­stand oder die Geschäftsführung den Auf­nah­me­an­trag ab, kann der An­trag­stel­ler den Vor­stands­rat an­ru­fen, der endgültig ent­schei­det. 23
§ 5 24
En­de der Mit­glied­schaft 25
1. Die Mit­glied­schaft en­det durch: 26
a) Kündi­gung 27
Ein Mit­glied kann mit sechs­mo­na­ti­ger Frist zum En­de ei­nes je­den Ka­len­der­jah­res kündi­gen. 28
b) Auflösung 29

Wenn ein Un­ter­neh­men auf­gelöst wird, en­det die Mit­glied­schaft mit Be­en­di­gung der Li­qui­da­ti­on.

30
c) In­sol­venz, un­abhängig von der Ein­stel­lung der Be­triebstätig­keit 31

wenn nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens die Gläubi­ger­ver­samm­lung im Be­richts­ter­min gemäß §§ 156, 157 In­sol­venz­ord­nung nicht die Fortführung des Un­ter­neh­mens be­sch­ließt so­wie bei Ab­leh­nung der Eröff­nung oder Ein­stel­lung des In­sol­venz­ver­fah­rens man­gels Mas­se.

32
d) Aus­schluss 33
Ein Mit­glied kann durch Be­schluss des Vor­stands­ra­tes aus­ge­schlos­sen wer­den: 34

- Aus wich­ti­gem Grund, z.B. wenn es die Sat­zung grob ver­letzt oder die Ver­bands­zwe­cke schädigt,

35
- wenn es trotz drei­ma­li­ger Mah­nung die Ver­bands­beiträge nicht zahlt. 36
37
§ 10 38
Vor­stands­rat 39

1. Der Vor­stands­rat be­steht aus höchs­tens 24 Mit­glie­dern, die von der Mit­glie­der­ver­samm­lung gewählt wer­den.

40
41
4. Der Vor­stands­rat hat fol­gen­de Auf­ga­ben: 42
a) Wahl der Vor­stands­mit­glie­der 43
b) den Vor­stand zu be­ra­ten und zu un­terstützen 44
45
g) die Mit­glie­der­ver­samm­lung vor­zu­be­rei­ten 46
h) über ei­ne vom Vor­stand ver­wei­ger­te Mit­glieds­auf­nah­me zu ent­schei­den 47
i) über den Aus­schluss ei­nes Mit­glie­des erst­in­stanz­lich zu be­sch­ließen. 48
49
§ 11 50
Vor­stand 51
1. Der Vor­stand be­steht aus 52
a) dem Vor­sit­zen­den 53
b) drei Stell­ver­tre­tern und 54
c) dem Schatz­meis­ter. 55
56
3. Der Vor­stand hat fol­gen­de Auf­ga­ben: 57
a) Lei­tung des B. T. 58
b) Über­wa­chung der lau­fen­den Ver­bands­geschäfte 59
c) Ver­wal­tung des Ver­bands­vermögens 60
d) Er­rich­tung ei­ner Geschäfts­stel­le 61
e) Ein­stel­lung und Ent­las­sung des Geschäftsführers 62
f) Vor­la­ge des Buch­prüfungs­be­rich­tes an den Vor­stands­rat 63
g) Ent­schei­dung über die Auf­nah­me ei­nes Mit­glie­des." 64

We­gen wirt­schaft­li­cher Schwie­rig­kei­ten der Be­klag­ten wur­den be­reits in den Jah­ren bis 2006 ta­rif­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen durch Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag ab­ge­senkt. An­fang März 2007 be­an­trag­te die Be­klag­te beim B. die ein­ver­nehm­li­che so­for­ti­ge Be­en­di­gung ih­rer Mit­glied­schaft. Mit Schrei­ben vom 23.04.2007 (BI. 26 d.A.) teil­te der B. der Be­klag­ten mit, der Vor­stand des Ver­ban­des ha­be dem An­trag auf ein­ver­nehm­li­ches Aus­schei­den zum 30.04.2007 zu­ge­stimmt. Vor­aus­set­zung sei al­ler­dings, dass die Be­klag­te mit Wir­kung zum 01.05.2007 ei­nem Ar­beit­ge­ber­ver­band oh­ne Ta­rif­bin­dung bei­tre­te, der eben­falls Mit­glied im VBU sei. Un­ter dem 24.04.2007 gab die Be­klag­te mit ei­nem dem B. über­sand­ten Schrei­ben ei­ne Bei­tritts­erklärung zur Un­ter­neh­mer­schaft Rhein-Wup­per e.V. ab (Blatt 27 d.A.).

65

Am 08.05.2007 wur­de ein ta­rif­li­ches Ent­gel­tab­kom­men für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie NRW ab­ge­schlos­sen, an das die Be­klag­te ge­bun­den wäre, wenn ih­re Mit­glied­schaft im B. nicht zum 30.04.2007 wirk­sam be­en­det wor­den sein soll­te. Nach dem Ent­gel­tab­kom­men er­hal­ten die Ar­beit­neh­mer ab dem 01.05.2007 mo­nat­lich 4,1 % mehr Lohn; das entspräche bei der Kläge­rin mo­nat­lich 80,30 € brut­to. Darüber hin­aus sieht das Ent­gel­tab­kom­men ei­ne Ein­mal­zah­lung vom 400,00 € brut­to vor. Mit Schrei­ben vom 10.07.2007 mach­te die Kläge­rin ei­ne Zah­lung von 480,30 € brut­to bei der Be­klag­ten gel­tend. Die Be­klag­te ver­wei­ger­te und ver­wei­gert die Wei­ter­ga­be der Ta­rif­loh­nerhöhung un­ter Hin­weis auf die zum 30.04.2007 be­en­de­te Mit­glied­schaft im B.. Ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­te Streik­maßnah­men hat es zu­min­dest seit dem Jah­re 2002 nicht ge­ge­ben.

66

Mit der vor­lie­gen­den, am 01.10.2007 beim Ar­beits­ge­richt anhängig ge­mach­ten und am 15.04.2008 er­wei­ter­ten Kla­ge hat die Kläge­rin die Ein­mal­zah­lung nach Maßga­be des Ent­gel­tab­kom­mens 2007 so­wie die auf die Mo­na­te Mai bis Au­gust 2007 ent­fal­len­den Loh­nerhöhun­gen be­gehrt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Mit­glied­schaft der Be­klag­ten im B. ha­be sat­zungs­recht­lich nicht zum 30.04.2007 be­en­det wer­den können. Die Sat­zung se­he ei­ne Kündi­gungs­frist von 6 Mo­na­ten zum Jah­res­en­de vor, die durch ei­ne ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung nicht un­ter­lau­fen wer­den könne. Die Möglich­kei­ten der Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft sei­en viel­mehr ab­sch­ließend in § 5 der Sat­zung ge­re­gelt. Ab­ge­se­hen da­von ha­be dem Vor­stand des B. die Kom­pe­tenz zur Auf­he­bung der Mit­glied­schaft der Be­klag­ten ge­fehlt.

67
Die Kläge­rin hat be­an­tragt, 68

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 721,20 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz von 480,30 € ab dem 31.07.07 und von 240,90 € brut­to ab dem 15.04.2008 zu zah­len.

69
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, 70
die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 71

Die Be­klag­te hat die Be­en­di­gung ih­rer Mit­glied­schaft im B. für wirk­sam ge­hal­ten. Es ha­be sich im Er­geb­nis nicht um ei­nen Aus­tritt, son­dern um ei­nen Sta­tus­wech­sel in­ner­halb des VBU ge­han­delt, der je­der­zeit möglich sei. Im Übri­gen sei der Vor­stand des B. für Ent­schei­dun­gen über die ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung von Mit­glied­schaf­ten zuständig. Da es in­so­weit an ei­ner aus­drück­li­chen Ein­schränkung im Sin­ne von § 26 Abs. 2 BGB in der Sat­zung feh­le, sei von ei­ner Ermäch­ti­gung des Vor­stan­des aus­zu­ge­hen.

72

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 06.05.2008 ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt: Die Kläge­rin könne kei­ne Leis­tun­gen aus dem Ent­gel­tab­kom­men 2007 be­an­spru­chen. Die Be­klag­te und der B. hätten de­ren Mit­glied­schaft ein­ver­nehm­lich zum 30.04.2007 auf­ge­ho­ben. Da die Sat­zung ein sol­ches Vor­ge­hen nicht aus­drück­lich aus­sch­ließe, sei die Ver­ein­ba­rung wirk­sam. Die ein­schlägi­gen Sat­zungs­be­stim­mun­gen besäßen kei­ne Außen­wir­kung. Die Auf­he­bung ha­be zu den Lei­tungs­auf­ga­ben des Vor­stands gehört. Da der B. den Aus­tritt des Mit­glieds nicht ver­hin­dern könne, sei es durch die mit der Be­klag­ten ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung nur zu ei­ner Vor­ver­le­gung des En­des der Mit­glied­schaft ge­kom­men. Da­mit aber sei­en al­lein wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen des B. be­trof­fen ge­we­sen, die zu ver­fol­gen Sa­che des Vor­stands sei. Der Wech­sel in die OT-Mit­glied­schaft sei schließlich nicht ta­rif­recht­lich un­wirk­sam, da ei­ne Be­ein­träch­ti­gung der Ta­rif­au­to­no­mie we­der be­haup­tet noch zu er­ken­nen sei.

73

Ge­gen das ihr am 13.05.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin mit ei­nem am 12.06.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz der von ihr be­vollmäch­tig­ten DGB-Rechts­schutz GmbH Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se

74

- nach Verlänge­rung der be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 04.08.2008 - mit ei­nem wei­te­ren, am 04.08.2008 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz auch be­gründet.

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Zur Be­gründung ih­rer Be­ru­fung ver­weist die Kläge­rin auf § 5 der Sat­zung des B., der ih­rer Mei­nung nach ei­ne ab­sch­ließen­de Re­ge­lung zu den Möglich­kei­ten der Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft im B. be­inhal­te. Dafür spre­che auch § 39 BGB. Wei­ter­hin zei­ge der Um­stand, dass der B. den Wech­sel vom Er­werb ei­ner OT-Mit­glied­schaft abhängig ge­macht ha­be, dass die Be­klag­te nach wie vor ta­rif­lich an­ge­bun­den blei­ben sol­le. Über­dies hätten sich die Be­klag­te und der B. durch ih­re Ver­ein­ba­rung ge­genüber der Ge­werk­schaft we­gen Ver­let­zung des Ta­rif­rechts scha­dens­er­satz­pflich­tig ge­macht.

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Die Kläge­rin be­an­tragt, 77

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts So­lin­gen vom 06.05.08, Az.: 1 Ca 1681/07, ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 721,20 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz aus 480,30 € ab dem 31.07.07 und aus 240,90 € brut­to ab dem 15.04.08 zu zah­len.

78
Die Be­klag­te be­an­tragt, 79
die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. 80

Die Be­klag­te hält ih­ren Aus­tritt aus dem B. für wirk­sam. Sie meint, die Ar­gu­men­ta­ti­on der Kläge­rin un­ter­schei­de nicht hin­rei­chend zwi­schen ei­nem Aus­tritt und dem ein­ver­nehm­li­chen Aus­schei­den aus dem Ver­band. Der Bei­tritt zu ei­nem OT-Ver­band im VBU sei nicht Be­din­gung für die Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft im B., son­dern le­dig­lich Wunsch des B. ge­we­sen, um die Kon­ti­nuität in der Be­treu­ung der Be­klag­ten si­cher­zu­stel­len. Die Be­klag­te ha­be schon vor­her an­ge­zeigt, dass sie das wol­le. Im Übri­gen nimmt die Be­klag­te Be­zug auf die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts im an­ge­foch­te­nen Ur­teil.

81

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze, die zur Ak­te ge­reich­ten Un­ter­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen bei­der In­stan­zen ver­wie­sen.

82

Ent­schei­dungs­gründe:

83
A. 84

Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist gemäß § 64 Abs. 1, 2 lit. b) ArbGG an sich statt­haft und form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, § 66 Abs. 1 Satz 1 ArbGG.

85
B. 86

Die Be­ru­fung ist je­doch un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung, die sich das Ge­richt gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG zu ei­gen macht, ent­schie­den, dass die Kläge­rin kei­nen An­spruch auf Zah­lung von 721,20 € brut­to in An­se­hung der Ta­rif­loh­nerhöhung 2007 für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie NRW ge­gen die Be­klag­te hat.

87
I. 88

Das Ent­gel­tab­kom­men vom 08.05.2007 fin­det auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en kei­ne nor­ma­ti­ve An­wen­dung (§§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 TVG), da die Be­klag­te be­reits zum 30.04.2007 aus dem ta­rif­sch­ließen­den B. aus­ge­schie­den ist.

89
1. 90

Die Be­klag­te und der B. sind sich in­halt­lich ei­nig ge­we­sen, dass die Be­klag­te zum 30.04.2007 aus dem B. aus­schei­den soll­te. Da­bei kann da­hin ste­hen, ob die Be­klag­te in ih­rem An­trag vom März 2007 vor­ge­se­hen oder auf an­de­re Wei­se zum Aus­druck ge­bracht hat­te, dass ihr Aus­schei­den aus dem B. mit der Be­gründung ei­ner Neu­mit­glied­schaft in ei­nem OT-Ver­band un­ter dem Dach des VBU ein­her­ge­hen sol­le. War das nicht der Fall, stell­te sich das Schrei­ben des B. vom 23.04.2007 dann gemäß § 150 Abs. 2 BGB als Ab­leh­nung des ursprüng­li­chen An­ge­bo­tes der Be­klag­ten ver­bun­den mit ei­nem neu­en An­ge­bot auf Auf­he­bung der Mit­glied­schaft im B. zu geänder­ten Be­din­gun­gen dar. Die­ses mo­di­fi­zier­te An­ge­bot hat die Be­klag­te durch Über­sen­dung der Bei­tritts­erklärung zur Un­ter­neh­mer­schaft Rhein-Wup­per vom 24.04.2007 an den B. zu­min­dest kon­klu­dent an­ge­nom­men. Gleich­zei­tig hat sie die ver­ein­bar­te Be­din­gung für die Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft im B. erfüllt. Dass die Wirk­sam­keit der Auf­he­bung der Mit­glied­schaft von ei­ner auf­schie­ben­den Be­din­gung abhängig ge­macht wur­de, be­geg­net kei­nen recht­li­chen Be­den­ken, da es sich hier um ein zwei­sei­ti­ges Rechts­geschäft und nicht um die (be­din­gungs­feind­li­che) Ausübung ei­nes ein­sei­ti­gen Ge­stal­tungs­rechts ge­han­delt hat (vgl. zur Fra­ge der Be­din­gungs­feind­lich­keit all­ge­mein Pa­landt-Hein­richs, BGB, 68. Auf­la­ge, Einf v § 158 Rdz. 12 f.).

91
2. 92

Die Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft der Be­klag­ten im B. ist nicht aus ver­eins­recht­li­chen Gründen un­wirk­sam.

93
a. 94

Nach ver­eins­recht­li­chen Grundsätzen und un­ter Berück­sich­ti­gung der Sat­zung des B. ist die ein­ver­nehm­li­che, frist­lo­se Auf­he­bung der Mit­glied­schaft nicht un­zulässig.

95

(1) Nach der Recht­spre­chung des BAG und ei­ner in der Li­te­ra­tur ver­brei­te­ten Mei­nung ge­bie­tet der Grund­satz der Ver­ein­s­au­to­no­mie, die Möglich­keit ei­ner frist­lo­sen ein­ver­nehm­li­chen Auf­he­bung ei­ner Mit­glied­schaft in ei­nem ta­rif­sch­ließen­den Ar­beit­ge­ber­ver­band selbst dann an­zu­er­ken­nen, wenn die Ver­eins­sat­zung hier­zu schweigt bzw. so­lan­ge die Sat­zung kei­ne Re­ge­lung trifft, nach der ei­ne Auf­he­bung mit so­for­ti­ger Wir­kung aus­ge­schlos­sen wird (BAG, Ur­teil vom 20.02.2008 - 4 AZR 64/07, NZA 2008, 946; ErfK-Ran­zen, 8. Aufl. § 3 TVG Rdz. 11, Löwisch/Rieb­le, WG, 2. Aufl. § 3 Rdz. 59; Wie­de­mann/Oet­ker, TVG, 7. Aufl. § 3 Rdz. 55). Je­den­falls ist mit der Re­ge­lung der Ausübung des Kündi­gungs­rechts des Mit­glieds in der Sat­zung kei­ne Aus­sa­ge zu ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Auf­he­bung der Mit­glied­schaft ver­bun­den, weil der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen dem Schutz des Ver­ban­des und sei­ner ver­blei­ben­den Mit­glie­der vor ei­nem kurz­fris­ti­gen Ver­lust von Mit­glie­dern und Mit­glied­schafts­beiträgen durch ein­sei­ti­ge Aus­trit­te die­nen. Dem­ge­genüber sind Si­tua­tio­nen denk­bar, in de­nen ei­ne Auf­he­bung der Mit­glied­schaft oh­ne Ein­hal­tung von Fris­ten im In­ter­es­se al­ler Be­tei­lig­ten - Ver­ein, aus­tritts­wil­li­ges Mit­glied, ver­blei­ben­de Mit­glie­der - liegt. So­weit Plan­der (NZA 2005, 897) hier­ge­gen ein­wen­det, ei­ne Be­schränkung auf die in der Sat­zung aus­drück­lich be­nann­ten Be­en­di­gungsmöglich­kei­ten sei aus Gründen des Schut­zes der ver­blei­ben­den Mit­glie­der vor Zu­stim­mungs­erklärun­gen be­reit­wil­lig han­deln­der Ver­eins­or­ga­ne (Vor­stand etc.) ge­bo­ten, über­zeugt dies nicht. Da­hin ge­hen­der Schutz kann durch ei­ne ent­spre­chen­de Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen den Or­ga­nen des Ver­eins in der Sat­zung gewähr­leis­tet wer­den; ein kom­plet­ter Aus­schluss der Möglich­keit ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Auf­he­bung der Mit­glied­schaft schösse über das Ziel hin­aus.

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(2) Nach die­sen Grundsätzen steht § 5 der Sat­zung des B. ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Auf­he­bung der Mit­glied­schaft der Be­klag­ten nicht ent­ge­gen, weil dort zwar das "En­de der Mit­glied­schaft" ge­re­gelt ist, aber die Möglich­keit der Auf­he­bung der Mit­glied­schaft nicht aus­ge­schlos­sen wird. Ei­ne sol­che In­ter­pre­ta­ti­on würde Sinn und Zweck des § 5 nicht ge­recht. Die Sat­zung re­gelt nur die nicht selbst­verständ­li­chen oder aus­ge­stal­tungs­bedürf­ti­gen Mit­glied­schafts­ver­lust­tat­bestände der Kündi­gung durch das Mit­glied, Auflösung und In­sol­venz des Mit­glieds­un­ter­neh­mens und des Aus­schlus­ses durch den Ver­band. Be­trof­fen sind da­mit nur Fälle der au­to­ma­ti­schen Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft bei Ein­tritt ei­ner Be­din­gung und der Be­en­di­gung durch ein­sei­ti­ge Erklärung. In al­len ge­nann­ten Fällen dient die Sat­zung da­bei er­kenn­bar dem Schutz des Ver­eins und sei­nes Vermögens:

97
- Au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft bei Auflösung des Mit­glieds­un­ter­neh­mens und in be­stimm­ten Kon­stel­la­tio­nen in der In­sol­venz, wenn und weil das Mit­glied kei­ne Beiträge mehr leis­ten wird 98

- Kündi­gung durch das Mit­glied nur un­ter Ein­hal­tung ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Frist zum Jah­res­en­de, da­mit sich der Ver­ein auf den Weg­fall der Beiträge ein­stel­len kann

99
- Aus­schluss des Mit­glieds aus wich­ti­gen Gründen, um wei­te­res ver­einsschädi­gen­des Ver­hal­ten oder das Auf­lau­fen wei­te­rer Bei­tragsrückstände zu ver­hin­dern. 100

All das ge­bie­tet nicht, ei­ne un­ter Umständen im In­ter­es­se al­ler Be­tei­lig­ten lie­gen­de ent­fris­te­te Auf­he­bung der Mit­glied­schaft als aus­ge­schlos­sen an­zu­se­hen. Das folgt im Übri­gen ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­ru­fung auch nicht aus § 39 BGB, der al­lein die Möglich­keit der Kündi­gung durch das Mit­glied be­trifft und zu­guns­ten des Mit­glieds ver­hin­dern will, dass er sich ein­sei­tig nicht mehr aus der Ver­eins­bin­dung lösen kann (vgl. Pa­landt-El­len­ber­ger, BGB, 68. Aufl.,

101
§ 39 Rdz. 1). 102
b. 103

Es be­geg­net wei­ter­hin kei­nen Be­den­ken, dass die Ent­schei­dung über die Auf­he­bung der Mit­glied­schaft der Be­klag­ten im B. sei­tens des Ver­ban­des durch des­sen Vor­stand ge­trof­fen wor­den ist.

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Wie das Ar­beits­ge­richt in der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung zu­tref­fend fest­ge­stellt hat, folgt die Zuständig­keit des Vor­stan­des für der­ar­ti­ge Be­schlüsse aus § 26 Abs. 2 Satz 1 BGB, wo­nach der Vor­stand den Ver­ein ge­richt­lich und außer­ge­richt­lich ver­tritt. Soll durch Sat­zung die Ver­tre­tungs­macht des Vor­stands mit Wir­kung für und ge­gen Drit­te be­schränkt wer­den (§ 26 Abs. 2 Satz 2 BGB), so muss die Sat­zung dies ein­deu­tig er­ken­nen las­sen, an­dern­falls wirkt ei­ne Ein­schränkung des Hand­lungs­spiel­raum des Vor­stan­des nur ver­eins­in­tern (BGH, Ur­teil vom 22.04.1996 - II ZR 65/95, NJW-RR 1996, 866). In der Sat­zung des B. ist in­des nicht be­stimmt, dass über die Auf­he­bung der Mit­glied­schaft die Mit­glie­der­ver­samm­lung (§ 9) oder der Vor­stands­rat (§ 10) be­sch­ließen müss­te. So­weit für den Mit­glieds­be­stand von Be­deu­tung, ent­schei­det der Vor­stands­rat über ei­ne vom Vor­stand ver­wei­ger­te Auf­nah­me (Nr. 4 h)) und über den Aus­schluss ei­nes Mit­glieds (Nr. 4 i)). Da­bei han­delt es sich um Tat­bestände, in de­nen der Wil­le des Ver­ban­des von dem des (po­ten­ti­el­len) Mit­glieds ab­weicht und zu Las­ten des Mit­glieds ei­ne weit­rei­chen­de Ent­schei­dung zu tref­fen ist. Dem­ge­genüber geht es bei der Be­sch­ließung über die Auf­he­bung der Mit­glied­schaft in der Sa­che um das Vor­zie­hen ei­nes Aus­tritts ei­nes Mit­glieds, den der Ver­band gemäß §§ 5 Nr. la) der Sat­zung, 39 Abs. 1 BGB an sich nicht ver­hin­dern könn­te. Es spricht da­her al­les dafür, mit dem Ar­beits­ge­richt die Ent­schei­dung über die Auf­he­bung der Mit­glied­schaft den nach § 11 Nr. 3 der Sat­zung ori­ginären Be­fug­nis­sen des Vor­stan­des - Lei­tung des B. So­lin­gen (lit. a)), Ver­wal­tung des Ver­bands­vermögens (lit. c)) - zu­zu­ord­nen, weil im We­sent­li­chen fi­nan­zi­el­le Be­lan­ge in­fol­ge der Verkürzung von Mit­glieds­beiträgen im Rau­me ste­hen.

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3. 106

Die zwi­schen der Be­klag­ten und dem B. ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung ist nicht un­ter ko­ali­ti­ons­recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten un­wirk­sam.

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a. 108

In der Recht­spre­chung des BAG ist an­er­kannt, dass ein ein­ver­nehm­li­ches und kurz­fris­ti­ges Aus­schei­den ei­nes Mit­glieds ei­nes ta­rif­sch­ließen­den Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des un­ter dem Ge­sichts­punkt des aus Art. 9 Abs. 3 GG ver­mit­tel­ten Grund­rechts­schut­zes der ko­ali­ti­onsmäßigen Betäti­gung Pro­ble­me auf­wer­fen kann, wenn und weil ein sol­cher Aus­tritt oh­ne Kennt­nis der Ge­werk­schaft während lau­fen­der Ta­rif­ver­hand­lun­gen er­folgt. Das über Art. 9 Abs. 3 GG als In­sti­tu­ti­on geschütz­te Ta­rif­ver­trags­sys­tem ist dar­auf an­ge­legt, die struk­tu­rel­le Un­ter­le­gen­heit der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer beim Ab­schluss von Ar­beits­verträgen durch kol­lek­ti­ves Han­deln aus­zu­glei­chen und da­durch ein annähernd gleich­ge­wich­ti­ges Aus­han­deln der Löhne und Ar­beits­be­din­gun­gen zu ermögli­chen. Die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie kann aber gestört sein, wenn Ar­beit­ge­ber, von de­ren Ver­bands­zu­gehörig­keit bei Be­ginn der Ta­rif­ver­hand­lun­gen die Ge­werk­schaft aus­geht und die an der Fest­le­gung der Ta­rif­zie­le und der mögli­chen For­men ei­nes Ar­beits­kamp­fes mit­ge­wirkt ha­ben, sich durch das Aus­schei­den aus dem ta­rif­sch­ließen­den Ar­beits­ge­ber­ver­band der Wir­kung der von ih­nen mit­ge­stal­te­ten Ta­rif­er­geb­nis­se ent­zie­hen; gleich­zei­tig wird da­durch die in­halt­li­che An­ge­mes­sen­heit des ver­ein­bar­ten Ta­rif­ver­tra­ges in Fra­ge ge­stellt. Ob ei­ne recht­lich re­le­van­te Störung der Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie vor­liegt, hängt un­ter an­de­rem von der Be­leg­schafts­größe des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens, sei­ner Ver­flech­tung mit an­de­ren Un­ter­neh­men, dem persönli­chen Ein­fluss der Un­ter­neh­mens­re­präsen­tan­ten im Ar­beit­ge­ber­ver­band und dem Zeit­punkt des Aus­tritts ab. Dies zu ent­schei­den, ist grundsätz­lich nicht Auf­ga­be der Ge­rich­te, son­dern ob­liegt we­gen der Ta­rif­au­to­no­mie der Ge­werk­schaft als Ver­hand­lungs­part­ner. Das BAG lei­tet dar­aus ab, dass die Ge­werk­schaft über das Aus­schei­den von Mit­glieds­un­ter­neh­men oder de­ren Wech­sel in ei­ne OT- Mit­glied­schaft kon­kret zu in­for­mie­ren ist, um über­haupt in die La­ge ver­setzt zu wer­den, hier­auf mit Wir­kung für den vor dem Ab­schluss ste­hen­den Ta­rif­ver­trag zu re­agie­ren. Fehlt es hier­an, ist das dem Aus­schei­den des Mit­glieds zu­grun­de lie­gen­de Rechts­geschäft gemäß Art. 9 Abs. 3 Satz 2 GG, § 134 BGB nich­tig. Für die ge­richt­li­che Fest­stel­lung der Nich­tig­keit gilt ei­ne ab­ge­stuf­te Dar­le­gungs- und Be­weis­last. Macht der Ar­beit­neh­mer die Nich­tig­keit des Aus­schei­dens sei­nes Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band oder des Wech­sels in ei­ne OT-Mit­glied­schaft gel­tend, hat er zunächst vor­zu­tra­gen, dass die Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen beim Aus­tritt oder Sta­tus­wech­sel be­reits be­gon­nen hat­ten und sich zu die­sem Zeit­punkt in ei­nem Sta­di­um be­fan­den, in dem ei­ne Störung der Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie in Be­tracht kam. Darüber hin­aus muss der Ar­beit­neh­mer dar­le­gen, dass der Aus­tritt oder Sta­tus­wech­sel des Ar­beit­ge­bers für die an­de­re Ta­rif­ver­trags­par­tei nicht trans­pa­rent war. Der Ar­beit­ge­ber hat so­dann sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen, aus wel­chen Gründen sich ei­ne Trans­pa­renz des Ver­hal­tens für die Ge­werk­schafts­sei­te er­ge­ben ha­ben soll (Grundsätze nach BAG, Ur­teil vom 04.06.2008 - 4 AZR 419/07, NZA 2008, 1366, vom 20.02.2008 - 4 AZR 64/07, NZA 2008, 946).

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b. 110

Nach die­sen Grundsätzen kann im vor­lie­gen­den Fall ei­ne Nich­tig­keit der Aus­schei­dens­ver­ein­ba­rung zwi­schen Be­klag­ter und B. gemäß Art. 9 Abs. 3 satz 2 GG, § 134 BGB nicht an­ge­nom­men wer­den.

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(1)Die Kläge­rin ist ih­rer oben skiz­zier­ten primären Dar­le­gungs­last nicht ge­recht ge­wor­den. We­der erst- noch zweit­in­stanz­lich und trotz des Hin­wei­ses des Ge­richts vom 23.12.2008 hat sich die Kläge­rin zum Ab­lauf der Ta­rif­ver­hand­lun­gen in der Me­tall­in­dus­trie NRW im Jah­re 2007 bzw. zur Trans­pa­renz der Auf­he­bung der Mit­glied­schaft der Be­klag­ten im B. ver­hal­ten. Sie hat die ver­meint­li­che Un­wirk­sam­keit der Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung durch­ge­hend nur auf ver­eins- und sat­zungs­recht­li­che Be­stim­mun­gen gestützt.

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(2) Ab­ge­se­hen da­von hält das Ge­richt dafür, dass in An­be­tracht der Umstände des Fal­les ei­ne Störung der Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie in der Me­tall­in­dus­trie NRW durch den Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem B. of­fen­sicht­lich aus­ge­schlos­sen war und dies des­halb aus­nahms­wei­se ge­richt­lich fest­stell­bar ist. Sie re­präsen­tiert mit ih­ren 90 Ar­beit­neh­mern ge­ra­de ein­mal 0,018% der ge­sam­ten, 500.000 Köpfe zählen­den Ar­beit­neh­mer­schaft in der nord­rhein-westfäli­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie. Sie ist in kei­ne bran­chen­in­ter­ne Zu­lie­fer­ket­te, et­wa in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie, ein­ge­bun­den und nimmt da­her kei­ne Stel­lung ein, die es der Ge­werk­schaft mit na­del­stich­ar­ti­gen Ar­beits­kampf­maßnah­men ermöglich­te, Wir­kung für ei­nen größeren Kreis der ver­bands­an­gehöri­gen Ar­beit­ge­ber zu er­zie­len. Kon­se­quen­ter­wei­se hat die Be­klag­te in der Ver­gan­gen­heit all­ge­mein und im Jah­re 2007 spe­zi­ell denn auch kei­ne Rol­le in der ta­rif­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung ge­spielt. Der In­halt des Ent­gel­tab­kom­mens für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie NRW vom 08.05.2007 wäre nicht an­ders aus­ge­fal­len, wenn die Be­klag­te im B. ver­blie­ben wäre.

113
II. 114

Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt schließlich fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin kei­nen in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen An­spruch auf Zah­lung der gel­tend ge­mach­ten 721,20 € brut­to hat. Auf die ein­schlägi­gen Ausführun­gen un­ter Zif­fer 2 der Ent­schei­dungs­gründe, ge­gen die die Kläge­rin kei­ne Ein­wen­dun­gen er­ho­ben hat, wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug ge­nom­men.

115
C. 116
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 117

Die Kam­mer hat den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

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RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG: 119
[…] […]
gez.: Schnei­der gez.: Dült­gen gez.: St­a­chow­ski 137

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