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LAG Köln, vom 03.12.2007, 14 Sa 989/07

   
Schlagworte: Arbeitszeiterhöhung, Arbeitszeit, Befristung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Aktenzeichen: 14 Sa 989/07
Typ:
Entscheidungsdatum: 03.12.2007
   
Leitsätze:

1. Die befristete Erhöhung der Arbeitszeit unterfällt nicht der Rechtskontrolle nach § 14 TzBfG.

2. Die Inhaltskontrolle von formularmäßig vereinbarten befristeten Erhöhungen der Arbeitszeit richtet sich nach §§ 305 ff. BGB (im Anschluss an BAG, Urteil vom 27.07.2005 — 7 AZR 486/04, NZA 2006, 40 ff.).

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bonn, 31.05.2007 - 1 Ca 3694/06,
Bundesarbeitsgericht, 02.09.2009 - 7 AZR 233/08
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 14 Sa 989/07


Te­nor:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 31.05.2007 — 1 Ca 3694/06 — wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

  2. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen 


Tat­be­stand: 
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ei­ner Ar­beits­zeit­erhöhung. 2

Der Kläger ist seit dem 15.10.1990 bei der Be­klag­ten als Re­dak­teur in der Zen­tral­re­dak­ti­on Nach­rich­ten des Deut­schen Pro­gramms von D W Ra­dio beschäftigt. Der Ar­beits­ver­trag vom 08.10.1990 (BI. 8 f. d. A.) sah in § 2 vor, dass die Ar­beits­zeit des Klägers die Hälf­te der für die Nach­rich­ten­re­dak­ti­on übli­chen ta­rif­li­chen Wo­chen­ar­beits­zeit be­trug.

3

Nach­dem der Kläger über acht Jah­re mit der Hälf­te der übli­chen Ar­beits­zeit ge­ar­bei­tet hat­te, ver­ein­bar­ten die Par­tei­en erst­mals am 18.11.1998 be­fris­tet für die Zeit vom 01.12.1998 bis zum 31.01.2000 die Auf­sto­ckung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf 75 % der da­ma­li­gen ta­rif­li­chen Vol­l­ar­beits­zeit. Mit wei­te­ren sie­ben be­fris­te­ten Verträgen wur­de der Ar­beits­um­fang je­weils auf 75 % der ta­rif­li­chen Wo­chen­ar­beits­zeit an­ge­ho­ben. zu­letzt mit Ver­trag vom 17.3.2003. Erst­mals mit Wir­kung vom 01.07.2004 be­fris­tet bis zum 31.12.2004 wur­de die Ar­beits­zeit be­fris­tet auf 100 % der ta­rif­li­chen Ar­beits­zeit auf­ge­stockt.

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Mit ei­nem wei­te­ren Ar­beits­ver­trag vom 16.11.2004 wur­de be­fris­tet bis zum 31.12.2005 ei­ne Erhöhung der Ar­beits­zeit auf ins­ge­samt 100 % der ta­rif­li­chen Ar­beits­zeit ver­ein­bart.

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Ab dem 01.01.2006 wur­de die Ar­beits­zeit des Klägers auf­grund ei­nes be­fris­te­ten Ver­tra­ges für die Zeit bis zum 31.12.2006 auf 75 % der ta­rif­li­chen Ar­beits­zeit auf­ge­stockt. Die­se Ver­ein­ba­rung wur­de durch Ver­trag vom 19.04.2006 ab­geändert, in dem be­fris­tet bis zum 31.12.2006 die Wo­chen­ar­beits­zeit auf 100 % der ta­rif­li­chen Ar­beits­zeit auf­ge­stockt wur­de.

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Zweck der je­wei­li­gen Auf­sto­ckun­gen war die je­wei­li­ge Ver­tre­tung von an­de­ren fest an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­tern.

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Den Wunsch des Klägers, ei­ne wei­te­re Auf­sto­ckung sei­ner Ar­beits­zeit ab dem 01.01.2007 vor­zu­neh­men, lehn­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 24.10.2006 ab (BI. 12 d. A.). Zur Be­gründung führ­te die Be­klag­te an, dass es in­ner­halb der Pro­gramm­di­rek­ti­on kei­ne Möglich­keit gäbe, die Ar­beits­zeit­auf­sto­ckung über den 31.12.2006 hin­aus fort­zuführen.

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Un­strei­tig gab es ein Gespräch mit den Par­tei­en über die Möglich­keit, ei­ne Auf­sto­ckung sei­ner Ar­beits­zeit um 50 % in der On­line­re­dak­ti­on der Be­klag­ten vor­zu­neh­men. Da­bei wur­de dem Kläger an­ge­bo­ten, ein­mal ei­ne Schicht mit­zu­fah­ren, was die­ser ab­lehn­te.

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Mit der Kla­ge be­gehrt der Kläger die Fest­stel­lung, dass sein Ar­beits­verhält­nis als Voll­zeit­beschäfti­gung über den 31.12.2006 hin­aus fort­be­steht und be­gehrt in­so­weit die Wei­ter­beschäfti­gung in voll­zei­ti­gem Um­fang in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on der Be­klag­ten.

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Der Kläger hat da­zu vor­ge­tra­gen, die Be­fris­tung der Ar­beits­zeit­auf­sto­ckung sei we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 307 BGB rechts­un­wirk­sam, da ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung vor­lie­ge. Beim Ab­schluss der zeit­lich letz­ten Ver­ein­ba­rung zur Ar­beits­zeit­erhöhung hätten kei­ner­lei kon­kre­te An­halts­punk­te vor­ge­le­gen, die die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt hätten, dass für ei­ne Beschäfti­gung des Klägers über den 31.12.2006 hin­aus kein Be­darf mehr be­ste­he. Der im Zu­sam­men­hang mit der im April 2006 vor­ge­nom­me­nen Erhöhung an­ge­ge­be­ne Ver­tre­tungs­be­darf für die Mit­ar­bei­te­rin H ha­be nicht be­stan­den, denn schon zum da­ma­li­gen Zeit­punkt sei ei­ne Rück­kehr der Mit­ar­bei­te­rin zum 01.01.2007 nicht zu er­war­ten ge­we­sen. Die Be­klag­te de­cke statt­des­sen den un­veränder­ten Beschäfti­gungs­be­darf nun­mehr durch den Ein­satz frei­er Mit­ar­bei­ter.

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Der Kläger hat be­an­tragt, 12

fest­zu­stel­len, dass das Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis des Klägers im Um­fang von 17,75 St­un­den wöchent­lich zusätz­lich zum un­be­fris­tet ver­ein­bar­ten Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis im Um­fang von 19,2 St­un­den wöchent­lich nicht auf­grund der Be­fris­tung vom 19.04.2006 zum 31.12.2006 en­den wird;

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hilfs­wei­se für den Fall der Statt­ga­be des Kla­ge­an­trags

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die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits in voll­zei­ti­gem Um­fang der vol­len Wo­chen­ar­beits­zeit in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­or wei­ter zu beschäftig­ten.

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Die Be­klag­te hat be­an­tragt, 16

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

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Die Be­klag­te hat sich dar­auf be­ru­fen, die be­fris­te­te Erhöhung der Ar­beits­zeit sei un­ter Ver­tre­tungs­ge­sichts­punk­ten ge­recht­fer­tigt. Nach­dem sich im April 2006 er­ge­ben ha­be, dass die Mit­ar­bei­te­rin H bis zum 31.12.2006 frei­ge­stellt blei­ben würde, ha­be die Be­klag­te die Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung ge­trof­fen, die Stel­le von Frau H zu 50 % mit dem Kläger so­wie zu wei­te­ren 50 % mit frei­en Mit­ar­bei­tern je­weils be­fris­tet bis zum 31.12.2006 zu be­set­zen. Ei­ne Ver­set­zung von Frau H in die On­line­re­dak­ti­on sei eben­so wie ein Wech­sel zur D W Fern­se­hen erst nach Ab­schluss des Ver­tra­ges mit dem Kläger im Gespräch ge­we­sen.

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Durch Ur­teil vom 31.05.2007 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Be­fris­tungs­ab­re­de hal­te der In­halts­kon­trol­le nach § 305 ff. BGB stand. Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers lie­ge nicht vor. Im Übri­gen könne sich die Be­klag­te als Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung nicht nur auf den Ver­tre­tungs­be­darf, son­dern auch auf die pro­gramm­ge­stal­ten­de Tätig­keit des Klägers und ih­re Rund­funk­frei­heit be­ru­fen.

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Ge­gen die­ses ihm am 02.08.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 16.08.2007 Be­ru­fung ein­le­gen und die­se am 02.10.2007 be­gründen las­sen.

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Der Kläger macht gel­tend, die Be­fris­tung der Auf­sto­ckung hal­te be­reits des­halb der In­halts­kon­trol­le nach § 307 BGB nicht stand, weil das Trans­pa­renz­ge­bot ver­letzt sei. Denn in der Be­fris­tungs­ab­re­de sei der tra­gen­de Grund für die Be­fris­tung nicht be­nannt. Auch in den vor­an­ge­gan­ge­nen be­fris­te­ten Auf­sto­ckungs­verträgen sei der Grund für die Be­fris­tung je­weils nicht be­nannt wor­den, was dem Trans­pa­renz­ge­bot wi­der­spre­che. Es rei­che auch nicht aus, ei­nen Be­fris­tungs­grund nur münd­lich mit­zu­tei­len. Tatsächlich lie­ge auch kein Be­fris­tungs­grund vor. Ins­be­son­de­re könne sich die Be­klag­te nicht auf ei­nen Ver­tre­tungs­be­darf be­ru­fen. Die Un­ge­wiss­heit bei dem künf­ti­gen Ver­tre­tungs­be­darf rei­che als Be­fris­tungs­grund nicht aus. Zu for­dern sei viel­mehr, dass bei Ver­trags­ab­schluss mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit zu er­war­ten sei, dass für ei­ne Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit nach Ab­lauf der Be­fris­tung kein Be­darf mehr be­ste­he. In­so­weit ha­be die Be­klag­te das un­ter­neh­me­ri­sche Wirt­schafts­ri­si­ko in un­zulässi­ger Wei­se auf den Kläger ver­la­gert. Die Tätig­keit des Klägers könne auch nicht als pro­gramm­ge­stal­ten­de Tätig­keit an­ge­se­hen wer­den, so dass der Be­klag­ten nicht die er­leich­ter­ten Be­fris­tungsmöglich­kei­ten für pro­gramm­ge­stal­ten­de Mit­ar­bei­ter zu Gu­te kom­men könn­ten. Die Nach­rich­ten­re­dak­ti­on der Be­klag­ten müsse als fes­ter pro­gramm­ge­stal­ten­der Block ge­se­hen wer­den, wo­bei der Tätig­keit des Ein­zel­nen kei­ne in­ten­si­ve pro­gramm­ge­stal­ten­de Rol­le zu­kom­me. Die lang an­dau­ern­de Beschäfti­gung des Klägers bei der Be­klag­ten über den So­ckel­be­trag sei­ner Ar­beits­zeit hin­aus mit fort­lau­fen­den Auf­sto­ckun­gen sei ein ein­deu­ti­ges In­diz dafür, dass die Be­klag­te kein Bedürf­nis nach ei­nem per­so­nel­len Wech­sel ge­habt ha­be. In­so­weit müsse berück­sich­tigt wer­den, dass der Kläger durch fort­lau­fen­de Auf­sto­ckung sei­ner Ar­beit­zeit frei­en Mit­ar­bei­tern vor­ge­zo­gen wor­den sei. Zu ei­ner Abände­rung sei die Be­klag­te an­ge­sichts der langjähri­gen auf­ge­stock­ten Beschäfti­gung des Klägers nicht be­fugt, zu­mal der Beschäfti­gungs­be­darf in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on ins­ge­samt seit der letz­ten Be­fris­tung gleich ge­blie­ben sei. Der Be­fris­tungs­grund der Ver­tre­tung be­ste­he im Übri­gen auch des­halb fort, weil die Kol­le­gin des Klägers Frau U auch im Jah­re 2007 ih­re Ar­beits­zeit wie­der auf 75 % re­du­ziert ha­be, so dass für den Kläger in­so­weit ei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit be­ste­he.

21
Der Kläger be­an­tragt, 22

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 31.05.2007 — 1 Ca 3694/06 — ab­zuändern und 23 fest­zu­stel­len, dass das Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis des Klägers im Um­fang von 17,75 St­un­den wöchent­lich zusätz­lich zum un­be­fris­tet ver­ein­bar­ten Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis im Um­fang von 19,2 St­un­den wöchent­lich nicht auf­grund der Be­fris­tung vom 19.04.2006 zum 31.12.2006 en­de­te;

23
hilfs­wei­se für den Fall der Statt­ga­be des Kla­ge­an­tra­ges, 24

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits in voll­zei­ti­gem Um­fang der vol­len Wo­chen­ar­beits­zeit in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­or wei­ter zu beschäfti­gen.

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Die Be­klag­te be­an­tragt, 26
die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen. 27

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Die Be­klag­te macht gel­tend, dass nach der Recht­spre­chung das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz Tz­B­fG) auf die Be­fris­tung ein­zel­ner Ar­beits­be­din­gun­gen kei­ne An­wen­dung fin­de. Des­halb bedürfe auch die be­fris­te­te Erhöhung der Ar­beits­zeit nicht der Schrift­form. Wenn aber die be­fris­te­te Erhöhung der Ar­beits­zeit nicht der Schrift­form bedürfe, könne die­se nicht über §§ 305 ff. BGB wie­der ein­geführt wer­den. Aus dem Trans­pa­renz­ge­bot er­ge­be sich eben­falls nicht, dass die Ein­zelab­re­den schrift­lich zu er­fol­gen hätten. Im Übri­gen sei der Kläger­sei­te im kon­kre­ten Fall der sach­li­che Grund für die Be­fris­tung am 19.04.2006 be­kannt ge­we­sen. Dies ge­he be­reits aus dem ei­ge­nen Schrei­ben des Klägers vom 15.12.2005 an die Per­so­nal­ab­tei­lung der Be­klag­ten her­vor, in dem der Kläger aus­geführt ha­be, dass für den Fall, dass Frau H ih­re Tätig­keit für die D W nicht wie­der auf­neh­men wer­de, er sich freu­en würde, wenn für die­sen Zeit­raum ei­ne be­fris­te­te Auf­sto­ckung auf 100 % der Ar­beits­zeit vor­ge­nom­men würde. Die Be­fris­tung der Erhöhung der Ar­beits­zeit fin­de ih­re Recht­fer­ti­gung fer­ner dar­in, dass der Kläger pro­gramm­ge­stal­ten­de Tätig­keit ausübe. Die Ent­schei­dung der Mit­ar­bei­te­rin U im Jah­re 2007 ih­re Ar­beits­zeit wei­ter auf 75 % zu re­du­zie­ren, ha­be nichts mit der Si­tua­ti­on im April 2006 zu tun, die al­lein für die Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit der Be­fris­tung aus­schlag­ge­bend sei. Der Ar­beits­platz von Frau H in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on sei erst auf­grund der Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung im Ok­to­ber 2006 ent­fal­len.

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We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

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Ent­schei­dungs­gründe: 30

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist nicht be­gründet. Mit zu­tref­fen­den Erwägun­gen hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

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I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist ins­be­son­de­re statt­haft gemäß § 64 ArbGG. Sie ist auch frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. 32
II. Die Be­ru­fung ist je­doch in der Sa­che nicht be­gründet. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge so­wohl hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­tra­ges als auch hin­sicht­lich des Wei­ter­beschäfti­gungs­be­geh­rens ab­ge­wie­sen. Un­ter Be­zug­nah­me auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts in den Ur­teils­gründen ist im Hin­blick auf das Vor­brin­gen der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz Fol­gen­des her­vor­zu­he­ben. 33
1. Die Kon­trol­le der Be­fris­tung ei­ner Ar­beits­zeit­erhöhung un­terfällt nicht un­mit­tel­bar den Be­stim­mun­gen der §§ 14 ff. Tz­B­fG, son­dern rich­tet sich nach der In­halts­kon­trol­le der §§ 305 ff. BGB (sie­he BAG, Ur­teil vom 27.07.2005 - 7 AZR 486/04 — NZA 2006, S. 40 ff.; Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 8. Aufl. 2008, §§ 305 bis 310 BGB, Rz. 73 ff.; Ascheid/Preis/Schmidt, Großkom­men­tar zum Kündi­gungs­recht, 3. Auf­la­ge 2007, Einführung vor § 14 Tz­B­fG Rz. 48 ff.). 34

Auch die Kla­ge­frist des § 17 Tz­B­fG gilt nicht (sie­he BAG, Ur­teil vom 04.06.2003 — 7 AZR 406/02 — NZA 2003, S. 1424 ff.).

35

Die Nicht­an­wend­bar­keit der Be­stim­mun­gen des Teil­zeit­be­fris­tungs­ge­set­zes hat an­de­rer­seits zur Fol­ge, dass auch das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG auf die be­fris­te­te Gel­tung ein­zel­ner Ar­beits­be­din­gun­gen und da­mit auch auf die be­fris­te­te Erhöhung der Ar­beits­zeit kei­ne An­wen­dung fin­det (sie­he Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 8. Aufl. 2008, §§ 305 bis 310 BGB, Rz. 73).

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Auf ei­ne un­mit­tel­ba­re Ver­let­zung der Be­stim­mun­gen des Teil­zeit­be­fris­tungs­ge­set­zes, ins­be­son­de­re auf § 14 Abs. 4 Tz­B­fG kann sich der Kläger aus die­sen Gründen nicht be­ru­fen.

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2. Auch auf ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Schrift­form­klau­sel kann sich der Kläger nicht be­ru­fen. Der vom Kläger gel­tend ge­mach­te Man­tel­ta­rif­ver­trag, der vor­sieht, dass Ergänzun­gen und Ände­run­gen des Ar­beits­ver­tra­ges zur ih­rer Gültig­keit der Schrift­form bedürfen, kann, so­weit er für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en gilt, nur ein Schrift­for­mer­for­der­nis für Ergänzun­gen oder Abände­run­gen des Ar­beits­ver­tra­ges be­gründen. Die­ses ist aber ein­ge­hal­ten, da die be­fris­te­ten Ar­beits­zeit­auf­sto­ckun­gen je­weils schrift­lich ver­ein­bart wor­den sind. Die Reich­wei­te ei­nes sol­chen ta­rif­ver­trag­li­chen Schrift­for­mer­for­der­nis­ses kann aber nicht wei­ter­ge­hen, als die Reich­wei­te des ge­setz­li­chen Schrift­for­mer­for­der­nis­ses in § 14 Abs. 4 Tz­B­fG. Dies­bezüglich ist in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung aber an­er­kannt, dass das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG nur auf die Be­fris­tungs­ab­re­de selbst, nicht aber auf die der Be­fris­tung zu­grun­de lie­gen­den sach­li­chen Gründe An­wen­dung fin­det (sie­he BAG, Ur­teil vom 23.06.2004 — 7 AZR 636/03 — NZA 2004, S. 1333 ff.). 38

Da­her kann auch aus ei­nem ta­rif­ver­trag­li­chen Schrift­for­mer­for­der­nis nicht die Ver­pflich­tung ab­ge­lei­tet wer­den, über die Be­fris­tung selbst hin­aus auch den Be­fris­tungs­grund schrift­lich zu ver­ein­ba­ren.

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3. Die zu­letzt maßgeb­li­che Be­fris­tung der Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit des Klägers verstößt nicht ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB. Die Kam­mer ver­mag in­so­weit nicht dem Vor­brin­gen des Klägers zu fol­gen, wo­nach sich aus dem Trans­pa­renz­ge­bot ein Schrift­for­mer­for­der­nis auch hin­sicht­lich des Be­fris­tungs­grun­des er­ge­ben könn­te. Es ist be­reits zwei­fel­haft, ob die vom Kläger für sei­ne Auf­fas­sung her­an­ge­zo­ge­nen Stim­men in der Rechts­li­te­ra­tur die vom Kläger ge­zo­ge­ne Schluss­fol­ge­rung tra­gen. In vom Kläger her­an­ge­zo­ge­nen Er­fur­ter Kom­men­tar, 8. Aufl. 2008, §§ 305 bis 310 BGB, Rz. 74 heißt es hier­zu, dass der tra­gen­de Grund für die Be­fris­tung der Ein­zelab­re­de in der ge­stell­ten Klau­sel be­nannt wer­den müsse. Bei Preis/Ben­der, NZA-RR 2005, S. 343 heißt es, dass dem Trans­pa­renz­ge­dan­ken fol­gend in der Be­fris­tungs­ab­re­de ein Sach­grund ver­ein­bart wer­den müsse. Aus bei­den Stel­lung­nah­men folgt nicht un­mit­tel­bar, dass dies mit ei­nem Schrift­for­mer­for­der­nis bezüglich al­ler De­tails ei­nes Be­fris­tungs­grun­des gleich­ge­stellt wer­den müss­te. Ver­langt wird nur, dass ein Sach­grund be­nannt bzw. ver­ein­bart wer­den muss. Dies lässt die Möglich­keit of­fen, dass die De­tail -Trans­pa­renz auch an­ders als durch Wah­rung der Schrift­form her­ge­stellt wer­den kann. Un­ter die­sem Blick­win­kel ist fest­zu­hal­ten, dass für den Kläger je­den­falls die Tat­sa­che der Be­fris­tung wie auch der Um­stand trans­pa­rent war, dass die Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit je­weils ih­ren Grund in der be­fris­te­ten Ver­tre­tung an­de­rer Mit­ar­bei­ter hat­te, wie aus sei­nem Schrei­ben vom 15.12.2005 (BI. 39 d. A.) ein­deu­tig her­vor ging. 40

Ent­schei­dend ist nach Auf­fas­sung der Kam­mer, dass § 307 Abs. 1 S. 2 BGB kein Schrift­for­mer­for­der­nis enthält und ein sol­ches in die Be­stim­mung nicht hin­ein in­ter­pre­tiert wer­den kann. Vor al­lem aber können aus dem Trans­pa­renz­ge­bot nicht wei­ter­ge­hen­de Schrift­for­mer­for­der­nis­se ab­ge­lei­tet wer­den, als sie nach dem ge­setz­li­chen Be­fris­tungs­recht des Teil­zeit­be­fris­tungs­ge­set­zes oh­ne­hin be­ste­hen. Da der Be­fris­tungs­grund nicht ein­mal bei der Ge­samt­be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses in der Ver­ein­ba­rung an­ge­ge­ben wer­den muss (sie­he BAG, Ur­teil vom 23.06.2004 — 7 AZR 636/03 -, NZA 2004, S. 1333 ff.), be­darf es bei ei­ner Teil­be­fris­tung ein­zel­ner Ar­beits­be­din­gun­gen erst Recht kei­ner Ausführung von Gründen im Ver­trag, die aus Sicht des Ar­beit­ge­bers die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen sol­len.

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Un­ter Trans­pa­renz­ge­sichts­punk­ten kann nur ver­langt wer­den, dass die Be­fris­tungs­dau­er ein­deu­tig und un­miss­verständ­lich be­zeich­net wird (so Wil­lem­sen/Grau, NZA 2005, S. 1137 ff.). Der Zweck des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB ist erfüllt, wenn die Ver­trags­be­stim­mung klar und verständ­lich ist. Dies be­zieht sich ein­deu­tig auf den In­halt der ver­trag­li­chen Be­stim­mung, nicht auf das Mo­tiv. In­halt der ver­trag­li­chen Be­stim­mung ist aber al­lein die gewähl­te Be­fris­tungs­dau­er, nicht das Mo­tiv, nämlich die Be­gründung, wes­halb ei­ne Be­fris­tung ver­ein­bart wird.

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Des­halb ist das Trans­pa­renz­ge­bot be­reits da­durch ge­wahrt, dass der End­ter­min der Be­fris­tung klar und ein­deu­tig an­ge­ge­ben war.

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4. Die zu­letzt maßge­ben­de Auf­sto­ckungs­be­fris­tung zum 31.12.2006 hält der In­halts­kon­trol­le nach § 307 BGB stand. Die Be­fris­tung ei­ner Ar­beits­zeit­erhöhung ist nach § 307 Abs. 1 BGB un­wirk­sam, wenn durch die Be­fris­tung ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung vor­liegt. Dies ist im We­ge ei­ner um­fas­sen­den Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung al­ler recht­lich an­zu­er­ken­nen­den In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en zu er­mit­teln, wo­bei ein ge­ne­rel­ler Maßstab an­zu­le­gen ist (sie­he BAG, Ur­teil vom 18.10.2006 — 7 AZR 191/05 — AP Nr. 8 zu § 305 BGB). 44

Ge­mes­sen an die­sen Kri­te­ri­en kann ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers nicht fest­ge­stellt wer­den. Zwar ist für den Kläger ein recht­lich an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se an ei­ner un­be­fris­te­ten Fort­set­zung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses in Voll­zeit an­zu­er­ken­nen. Dies gilt ins­be­son­de­re des­halb, da der Kläger ge­genüber sei­nen zwei min­derjähri­gen Kin­dern und ge­genüber sei­ner chro­nisch kran­ken Ehe­frau un­ter­halts­pflich­tig ist. Auf der an­de­ren Sei­te ste­hen je­doch die sach­li­chen Gründe für die am 19.04.2006 ab­ge­schlos­se­ne Be­fris­tung der Ar­beits­zeit­erhöhung. Un­strei­tig war der Kläger zunächst mit Be­ginn des Jah­res 2006 auf­grund der Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung der Frau U um 25 % auf 75 % der re­gulären Ar­beits­zeit auf­ge­stockt wor­den. Als sach­li­cher Grund für die dann am 19.04.2006 für den Rest des Jah­res 2006 ab­ge­schlos­se­ne Be­fris­tung war die Ver­tre­tung der fest­an­ge­stell­ten Frau H maßge­bend. Die­se war un­strei­tig für das Jahr 2006 frei­ge­stellt, so dass die Be­klag­te die Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung tref­fen konn­te, ih­re Stel­le je­weils zur Hälf­te dem Kläger so­wie zur an­de­ren Hälf­te frei­en Mit­ar­bei­tern zur Verfügung zu stel­len. Zwar ist es rich­tig, dass al­lein die Un­ge­wiss­heit über den Ar­beits­kräfte­be­darf nicht aus­reicht, um die Be­fris­tung von Ar­beits­be­din­gun­gen zu recht­fer­ti­gen (sie­he BAG, Ur­teil vom 27.07.2007 — 7 AZR 486/04 — NZA 2006, S. 40 ff.).

45

Im vor­lie­gen­den Fall sind je­doch, wor­auf be­reits das Ar­beits­ge­richt zu Recht hin­ge­wie­sen hat, An­halts­punk­te dafür dar­ge­legt, dass zum Zeit­punkt des Be­fris­tungs­ab­lauf am 31.12.2006 ein wei­te­rer Beschäfti­gungs­be­darf nicht be­ste­hen würde. Denn die Be­klag­te hat­te der Mit­ar­bei­te­rin Frau H be­reits mit Schrei­ben vom 06.12.2005 (BI. 65 f. d. A.) mit­ge­teilt, dass noch bis 31.12.2006 wei­ter­hin un­be­zahl­te Ar­beits­be­frei­ung gewährt wer­de, ei­ne wei­te­re Verlänge­rung über den 31.12.2006 hin­aus aber nicht er­fol­gen wer­de. In­so­fern ist es nicht er­heb­lich, ob die Mit­ar­bei­te­rin Frau H auch ih­rer­seits plan­te, nach dem 31.12.2006 auf ih­ren Ar­beits­platz zurück­zu­keh­ren, weil je­den­falls die Be­klag­te schon im De­zem­ber 2005 die Ent­schei­dung ge­trof­fen hat­te, ei­ner wei­te­ren Frei­stel­lung nicht mehr zu­zu­stim­men. Von ei­nem über dem 31.12.2006 hin­aus fort­be­ste­hen­den Ver­tre­tungs- und Beschäfti­gungs­be­darf hätte die Be­klag­te nur aus­ge­hen können, wenn sie hätte an­neh­men müssen, dass die Mit­ar­bei­te­rin Frau H das Ab­sa­ge­schrei­ben vom 06.12.2005 zum An­lass ge­nom­men hätte, das Ar­beits­verhält­nis ins­ge­samt zu be­en­den. An­halts­punk­te dafür sind nicht er­sicht­lich. Un­strei­tig sind erst ca. ein hal­bes Jahr nach Ab­schluss der letz­ten Ar­beits­zeit­auf­sto­ckung im Ok­to­ber 2006 Über­le­gun­gen über ei­ne Um­set­zung der Frau H in die On­line­re­dak­ti­on an­ge­stellt wor­den. Dar­aus kann nicht ab­ge­lei­tet wer­den, dass ei­ne Rück­kehr von Frau H in die Nach­rich­ten­re­dak­ti­on aus­ge­schlos­sen ge­we­sen wäre.

46

Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung er­gibt sich fer­ner nicht aus dem Um­stand, dass zwi­schen den Par­tei­en mehr­fach be­fris­te­te Ar­beits­zeit­auf­sto­ckun­gen ver­ein­bart wur­den. Ins­be­son­de­re lässt sich hier­aus kein Dau­er­be­darf ab­lei­ten, mit der Fol­ge, dass hier­in ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung ge­se­hen wer­den müss­te. Zu berück­sich­ti­gen ist zunächst, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers zunächst mehr als acht Jah­re, nämlich von 1990 bis 1998 oh­ne­hin nur als Ar­beits­verhält­nis mit der Hälf­te der re­gulären Ar­beits­zeit be­stan­den hat. In den Fol­ge­jah­ren ist es nicht et­wa zu ei­ner ein­heit­li­chen je­weils gleich­blei­ben­den Auf­sto­ckung ge­kom­men. Viel­mehr sind in den ein­zel­nen Be­fris­tungs­zeiträum­en je­weils un­ter­schied­li­che Auf­sto­ckun­gen vor­ge­nom­men wor­den, über­wie­gend um ei­nen 25 % ­Stel­len­an­teil (1998 — 2003), mal um ei­nen 50 % - Stel­len­an­teil (2004), dann wie­der nur um ei­nen 25 % - Stel­len­an­teil (2005), zu­letzt noch­mals um ei­nen 50 % - Stel­len­an­teil (2006).

47

Ei­ne ein­heit­li­che und gleich­blei­ben­de Auf­sto­ckung, die auf ei­nen durch­ge­hen­den Dau­er­be­darf schließen ließe, liegt nicht vor. Dies wird un­ter­stri­chen durch die Ent­wick­lung im Lau­fe des Jah­res 2006. Während zunächst nur ei­ne Auf­sto­ckung um ei­nen 25-pro­zen­ti­gen Stel­len­an­teil er­folg­te, wur­de im Lau­fe des Ka­len­der­jah­res am 19.04.2006 für den Rest des Ka­len­der­jah­res 2006 ei­ne Auf­sto­ckung um ei­nen 50-pro­zen­ti­gen Stel­len­an­teil ver­ein­bart. Da­mit wird die An­ga­be der Be­klag­ten­sei­te un­ter­mau­ert, dass die Auf­sto­ckungs­ver­ein­ba­run­gen je­weils auf kon­kre­ten Ver­tre­tungs­be­dar­fen be­ruh­te.

48

In der Ge­samt­abwägung war zu­dem zu berück­sich­ti­gen, dass den wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen da­durch Rech­nung ge­tra­gen war, dass der Kläger als Ba­sis über ei­ne un­be­fris­te­te und dau­er­haf­te Beschäfti­gung verfügt. In­so­weit war der Kläger durch die Auf­sto­ckungs­be­fris­tun­gen und die un­ge­si­cher­te Aus­sicht, sol­che in Zu­kunft zu er­hal­ten, in sei­ner wirt­schaft­li­chen Exis­tenz nicht in der Wei­se be­trof­fen, wie dies bei der Be­fris­tung des ge­sam­ten Ar­beits­verhält­nis­ses der Fall wäre.

49

5. Mit Recht hat das Ar­beits­ge­richt im übri­gen dar­auf ab­ge­stellt, dass un­abhängig vom Vor­ste­hen­den die Auf­sto­ckungs­be­fris­tung auch un­ter dem As­pekt der pro­gramm­ge­stal­ten­den Tätig­keit des Klägers ge­recht­fer­tigt wäre. Da­bei ist fest­zu­hal­ten, dass die Tätig­keit ei­nes bei ei­nem Rund­funk­be­trei­ber an­ge­stell­ten Re­dak­teurs ty­pi­scher­wei­se pro­gramm­ge­stal­tend ist, da durch die Aus­wahl der zu be­schaf­fen­den Beiträge bzw. das Ver­fas­sen ei­ge­ner Beiträge un­mit­tel­bar Ein­fluss auf die in­halt­li­che Ge­stal­tung des Pro­gramms ge­nom­men wird (sie­he BAG, Ur­teil vom26.07.2006 — 7 AZR 495/05 -, NZA 2007, S. 147 ff.).

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Dies gilt auch für ei­nen Nach­rich­ten­re­dak­teur, des­sen wich­tigs­te Auf­ga­be es ist, aus den vor­han­de­nen Mel­dun­gen die zu sen­den­den aus­zuwählen und zu for­mu­lie­ren. An ei­nem pro­gramm­ge­stal­ten­den Ein­fluss würde es nur feh­len, wenn die Tätig­keit als Re­dak­teur nicht den über­wie­gen­den Teil der Ar­beits­zeit aus­ma­chen würde oder im Ein­zel­fall nur un­we­sent­lich Ein­fluss auf die in­halt­li­che Ge­stal­tung des Pro­gramms ge­nom­men würde (sie­he BAG, Ur­teil vom 26.07.2006 — 7 AZR 495/05 -, NZA 2007, S. 147 ff., S. 149).

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Im vor­lie­gen­den Fall ist aber un­strei­tig, dass der Kläger im We­sent­li­chen re­dak­tio­nel­le Tätig­kei­ten aus­geübt hat und das Pro­gramm durch die Aus­wahl und For­mu­lie­rung der Nach­rich­ten ge­stal­tet wird. Die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges ei­nes pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­ters mit ei­ner Rund­funk­an­stalt ist an­hand ei­ner ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Abwägung zwi­schen dem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an ei­ner Dau­er­beschäfti­gung und dem In­no­va­ti­ons­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers im Sin­ne ei­ner prak­ti­schen Kon­kor­danz vor­zu­neh­men, wo­bei kei­ner der bei­den Po­si­tio­nen von vor­ne­her­ein ein Über­ge­wicht zu­kommt (sie­he BAG, Ur­teil vom 26.07.2006 — 7 AZR 495/05 -, NZA 2007, S. 147).

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Da­bei kann es ein ge­gen das In­no­va­ti­ons­in­ter­es­se spre­chen­des In­diz dar­stel­len, wenn der Rund­funk­be­trei­ber in der Ver­gan­gen­heit un­be­fris­te­te Dau­er­beschäfti­gun­gen prak­ti­ziert und da­mit zum Aus­druck ge­bracht hat, dass das In­no­va­ti­ons­bedürf­nis nicht den Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge ge­bie­tet. Von ei­nem sol­chen In­diz kann im vor­lie­gen­den Fall je­doch nicht aus­ge­gan­gen wer­den, da die Be­klag­te die un­be­fris­te­te Dau­er­beschäfti­gung des Klägers nur auf der Ba­sis ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Hälf­te der re­gulären Ar­beits­zeit prak­ti­ziert hat; die je­weils be­fris­tet ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit­erhöhun­gen sind je­weils von Fall zu Fall und in un­ter­schied­li­chem Um­fang je nach Ver­tre­tungs­be­darf ver­ein­bart wor­den. Vor die­sem Hin­ter­grund kann es nicht be­an­stan­det wer­den, wenn die Be­klag­te ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dungs­frei­heit er­hal­ten wis­sen will, auf wel­che Wei­se der Ver­tre­tungs­be­darf je­weils in der Zu­kunft ge­deckt wird, sei es durch be­fris­te­te Ar­beits­zeit­auf­sto­ckun­gen vor­han­de­ner Mit­ar­bei­ter, sei es durch den Ein­satz frei­er Mit­ar­bei­ter oder an­de­rer For­men des Per­so­nal­ein­sat­zes. Auch hier ist in der Ge­samt­abwägung zu berück­sich­ti­gen, dass der Kläger durch den dau­er­haft be­ste­hen­den Ar­beits­platz mit hälf­ti­ger re­gulärer Ar­beits­zeit ei­ne Grund­ab­si­che­rung hat.

53

Die Be­fris­tung der Ar­beits­zeit­auf­sto­ckung er­weist sich da­her auch im Hin­blick auf den Um­stand, dass der Kläger pro­gramm­ge­stal­ten­der Mit­ar­bei­ter ist, als ge­recht­fer­tigt.

54

III. Aus den dar­ge­stell­ten Gründen kann die Auf­sto­ckungs­be­fris­tung nicht be­an­stan­det wer­den. Der Kläger hat­te da­her kei­nen An­spruch auf die Fest­stel­lung, dass ein un­be­fris­te­tes Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis im Um­fang von 19,2 St­un­den wöchent­lich plus 17,75 St­un­den wöchent­lich be­stand. Der hilfs­wei­se ge­stell­te Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag konn­te dem­zu­fol­ge eben­falls kei­nen Er­folg ha­ben.

55

Folg­lich muss­te die Be­ru­fung des Klägers mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 Abs. 1 ZPO zurück­ge­wie­sen wer­den.

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Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen we­gen der rechts­grundsätz­li­chen Be­deu­tung der Sa­che, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Fra­gen des Trans­pa­renz­ge­bo­tes gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB.

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RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

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[…] [...]
(Dr. Grie­se) (König) (Hes­ter) 73 

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