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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/276

Min­dest­lohn für Aus­zu­bil­den­de kommt

Das "Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung und Stär­kung der be­ruf­li­chen Bil­dung" bringt erst­mals Un­ter­gren­zen für die Be­zah­lung von Azu­bis
Ausbildung_Flüchtling_

16.12.2019. In der Ver­gan­gen­heit war die Un­ter­gren­ze der Ver­gü­tung für Aus­zu­bil­den­de ge­setz­lich nicht klar ge­re­gelt.

Viel­mehr heißt es in der (noch) gel­ten­den Re­ge­lung des § 17 Abs.1 Be­rufs­bil­dungs­ge­setz (BBiG) nur all­ge­mein, dass Aus­zu­bil­den­de ei­nen An­spruch auf ei­ne „an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung“ ha­ben.

Mit der vom Bun­des­rat En­de No­vem­ber ab­ge­seg­ne­ten Ge­set­zes­re­form gilt ab An­fang 2020 erst­mals ein ge­setz­li­cher „Min­dest­lohn“ auch für Aus­zu­bil­den­de, und zwar deutsch­land­weit in Hö­he von 515,00 EUR brut­to (ers­tes Aus­bil­dungs­jahr).

Im Lau­fe der Aus­bil­dung muss die­se Un­ter­gren­ze an­ge­ho­ben wer­den, näm­lich um 18 Pro­zent (zwei­tes Aus­bil­dungs­jahr), um 35 Pro­zent (drit­tes Aus­bil­dungs­jahr) so­wie um 40 Pro­zent (vier­tes Aus­bil­dungs­jahr).

Ab­ge­se­hen von die­sen An­he­bun­gen im Aus­bil­dungs­ver­lauf bleibt es auch in den nächs­ten Jah­ren nicht bei der Min­dest­ver­gü­tung von 515,00 EUR. Sie wird in den fol­gen­den Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich an­ge­ho­ben, und zwar auf 550,00 EUR (2021), auf 585,00 EUR (2022) und schließ­lich auf 620,00 EUR (2023).

Mit der bes­se­ren und erst­mals ge­setz­lich fest­ge­schrie­be­nen fi­nan­zi­el­len Min­dest­ab­si­che­rung möch­te der Ge­setz­ge­ber die dua­le Be­rufs­aus­bil­dung für jun­ge Men­schen at­trak­ti­ver ma­chen, vor al­lem im Ver­gleich zu ei­nem Stu­di­um, für das sich ak­tu­ell recht vie­le Schul­ab­gän­ger ent­schei­den.

Ei­ne wei­te­re Neue­rung ist die Ein­füh­rung neu­er be­rufs­über­grei­fen­der Ab­schluss­be­zeich­nun­gen, die Be­rufs­tä­ti­ge auf der Grund­la­ge ei­ner ab­ge­schlos­se­nen Be­rufs­aus­bil­dung im Rah­men der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung er­wer­ben kön­nen. Künf­tig gibt es drei be­ruf­li­che Fort­bil­dungs­stu­fen, die je­weils auf­ein­an­der auf­bau­en, näm­lich den/die „ge­prüf­te/n Be­rufs­spe­zia­list/in“ (ers­te Stu­fe), den/die „Ba­che­lor Pro­fes­sio­nal“ (zwei­te Stu­fe) so­wie schließ­lich den/die „Mas­ter Pro­fes­sio­nal“ (drit­te Stu­fe).

Dar­über hin­aus wird es künf­tig leich­ter als bis­her, ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung in Teil­zeit zu ab­sol­vie­ren. Au­ßer­dem wer­den die Frei­stel­lungs­an­sprü­che, die Aus­zu­bil­den­de ge­gen­über dem Aus­bil­dungs­be­trieb für Be­rufs­schu­le und Prü­fun­gen in An­spruch neh­men kön­nen, er­wei­tert.

In ei­ner er­gän­zen­den Ent­schlie­ßung for­dert der Bun­des­rat die Bun­des­re­gie­rung auf, die Ein­füh­rung ei­nes na­tio­na­len Bil­dungs­re­gis­ters zu prü­fen. Da­durch sol­len Aus­bil­dungs­ver­läu­fe im Sys­tem der dua­len Be­rufs­aus­bil­dung voll­stän­dig er­fasst wer­den.

Die be­schlos­se­nen Neu­re­ge­lun­gen wer­den zum 01.01.2020 in Kraft tre­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 8. Juli 2020

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