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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/016

Ver­bes­ser­te Min­dest­löh­ne in der Pfle­ge

Die Pfle­ge­kom­mis­si­on for­dert ei­ne Er­hö­hung des Min­dest­lohns in der Pfle­ge­bran­che
Altenpflegerin, Seniorin

03.02.2020. Ab Be­ginn 2020 liegt der Min­dest­lohn für Pfle­ge­hilfs­kräf­te ge­mäß der Drit­ten Ver­ord­nung über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen für die Pfle­ge­bran­che (3. Pfle­ge­ArbbV, vom 01.08.2017) in West­deutsch­land ein­schließ­lich Ber­lin 11,35 EUR brut­to pro St­un­de und 10,85 EUR in Ost­deutsch­land. Die­ser Min­dest­lohn läuft je­doch zum En­de April 2020 aus (§ 5 der 3. Pfle­ge­ArbbV). Da­her hat die Pfle­ge­kom­mis­si­on am 28.01.2020 Vor­schlä­ge für die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung der Min­dest­löh­ne ge­macht.

Die Pfle­ge­kom­mis­si­on er­füllt gem. § 12 Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) die Auf­ga­be ei­ner Min­dest­lohn­kom­mis­si­on und kann da­her Emp­feh­lun­gen über Min­dest­löh­ne für Pfle­ge­kräf­te aus­spre­chen. Die­se die­nen als Grund­la­ge für das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS), um die vor­ge­schla­ge­nen Min­dest­löh­ne per Rechts­ver­ord­nung um­zu­set­zen.

Kon­kret emp­fiehlt die Pfle­ge­kom­mis­si­on, die bis­he­ri­gen Min­dest­löh­ne bis En­de Ju­ni 2020 bei­zu­be­hal­ten, um sie an­schlie­ßend ab Ju­li 2020 auf 11,60 EUR in West­deutsch­land und 11,20 EUR in Ost­deutsch­land an­zu­he­ben.

An­schlie­ßend sol­len ab dem 01.02.2021 die Min­dest­löh­ne in West­deutsch­land auf 11,80 EUR und in Ost­deutsch­land auf 11,50 EUR an­ge­ho­ben wer­den. Bis Sep­tem­ber nächs­ten Jah­res sol­len die Un­ter­schie­de schließ­lich kom­plett weg­fal­len und ein deutsch­land­wei­ter ein­heit­li­cher Min­dest­lohn für Hilfs­kräf­te in der Pfle­ge von 12,00 EUR brut­to die St­un­de gel­ten. Die­ser soll dann wei­ter­hin stei­gen, zum April 2022 auf 12,55 EUR.

Zu­sätz­lich hat die Pfle­ge­kom­mis­si­on auch zum ers­ten Mal ent­ge­gen ih­rer bis­he­ri­gen Emp­feh­lun­gen ei­nen Min­dest­lohn für aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­kräf­te vor. Dif­fe­ren­ziert soll da­bei zwi­schen Pfle­ge­hel­fern bzw. Pfle­ge­hel­fe­rin­nen mit ein­jäh­ri­ger Aus­bil­dung (sog. „Ein­jäh­ri­ge“) und Pfle­ge­fach­kräf­ten mit drei Jah­ren Be­rufs­aus­bil­dung.

Für Pfle­ge­kräf­te mit drei­jäh­ri­ger Be­rufs­aus­bil­dung schlägt die Kom­mis­si­on ei­nen deutsch­land­wei­ten ein­heit­li­chen Min­dest­lohn von 15 EUR vor, wel­cher ab dem 01.07.2021 gel­ten und zum 01.04.2022 auf 15,40 EUR er­höht wer­den soll.

Für Ein­jäh­ri­ge emp­fiehlt die Pfle­ge­kom­mis­si­on Min­dest­löh­ne ab dem 01.04.2021. Da­bei soll in West­deutsch­land der Min­dest­lohn bei 12,50 EUR und in Ost­deutsch­land bei 12,20 EUR lie­gen. Auch hier soll die Dif­fe­renz zwi­schen den Bun­des­län­dern mit­tel­fris­tig auf­ge­ho­ben wer­den: Gleich­zei­tig mit der An­glei­chung für Pfle­ge­hilfs­kräf­te soll auch für Ein­jäh­ri­ge ab dem 01.09.2021 deutsch­land­weit ein ein­heit­li­cher Min­dest­lohn von 12,50 EUR gel­ten, der zum 01.04.2022 auf 13,20 EUR er­höht wird.

Ob­wohl das „Ge­setz für bes­se­re Löh­ne in der Pfle­ge“, vom 20.11.2019 (BGBl I, S.1756), ab dem 29.11.2019 ei­nen neu­en ge­setz­li­chen Me­cha­nis­mus der Min­dest­lohn­fest­set­zung in der Pfle­ge ge­schaf­fen hat, der mit den Emp­feh­lun­gen der Pfle­ge­kom­mis­si­on kon­kur­riert, ist die­se Mög­lich­keit bis­lang nicht ge­nutzt wor­den. Da­nach kön­nen die Ta­rif­par­tei­en der Pfle­ge­bran­che, d.h. auf der Ar­beit­neh­mer­sei­te fak­tisch die Ge­werk­schaft ver.di und auf der an­de­ren Sei­te die kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber, Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trä­ge aus­han­deln, de­nen die Kir­chen als Groß-Ar­beit­ge­ber der Pfle­ge­bran­che zu­stim­men müs­sen, da­mit die­se Ta­rif­ver­trä­ge vom BMAS durch Rechts­ver­ord­nung auf die ge­sam­te Pfle­ge­bran­che er­streckt wer­den kön­nen (§ 7a Abs.1a AEntG). Ein sol­cher Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trag für die Pfle­ge ist der­zeit noch nicht in Sicht, was Ar­beits­mi­nis­ter Heil aus­drück­lich be­dau­er­te:

„Den­noch ist mein Ziel noch nicht er­reicht. Denn der bes­se­re Weg, zu Ver­bes­se­run­gen für die Be­schäf­tig­ten in der Pfle­ge zu kom­men, ist ein Bran­chen­ta­rif­ver­trag, den ich für all­ge­mein­ver­bind­lich er­klä­ren kann. Die Ta­rif­part­ner sind hier in der Ver­ant­wor­tung, ih­re lau­fen­den Ver­hand­lun­gen zu ei­nem er­folg­rei­chen Ab­schluss zu brin­gen.“ (BMAS, Pres­se­mit­tei­lung vom 29.01.2020)

Trotz­dem hat al­lein die recht­li­che Mög­lich­keit, Min­dest­löh­ne durch Ver.di-Ta­rif­ver­trag mit kirch­li­chem Se­gen fest­zu­set­zen, an­schei­nend schon jetzt Aus­wir­kun­gen auf die ak­tu­el­len Vor­schlä­ge der Pfle­ge­kom­mis­si­on. Will die­se auch künf­tig mit ih­ren Emp­feh­lun­gen ge­hört wer­den, muss sie sich dar­über Ge­dan­ken ma­chen, wie sie ei­ner ta­rif­li­chen Ei­ni­gung zu­vor­kom­men kann. Denn ge­mäß § 13 Satz 1 AEntG sind Ta­rif­ver­trä­ge über Pfle­ge­min­dest­löh­ne bzw. die dar­auf be­zo­ge­nen Rechts­ver­ord­nun­gen vor­ran­gig ge­gen­über den Emp­feh­lun­gen der Pfle­ge­kom­mis­si­on bzw. ge­gen­über den auf ih­nen be­ru­hen­den Rechts­ver­ord­nun­gen.

An­mer­kung: In der Zwi­schen­zeit hat das BMAS die Vier­te Ver­ord­nung über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen für die Pfle­ge­bran­che (4. Pfle­ge­ArbbV, vom 22.04.2020) er­las­sen. Da­nach folgt das BMAS den Vor­schlä­gen der Pfle­ge­kom­mis­si­on voll­um­fäng­lich (§ 2 Abs. 1 der 4. Pfle­ge­ArbbV). So­mit gel­ten zum Zeit­punkt der An­mer­kung (Au­gust 2020) fol­gen­de Min­dest­löh­ne für Pfle­ge­hilfs­kräf­te: 11,60 EUR brut­to die St­un­de für West­deutsch­land und Ber­lin bzw. 10,85 EUR die St­un­de in Ost­deutsch­land

Die Min­dest­löh­ne für Pfle­ge­kräf­te mit ein­jäh­ri­ger Aus­bil­dung gel­ten ab April 2021 (12,50 EUR bzw. 12,20 EUR), die für Pfle­ge­fach­kräf­te ab Ju­li 2021 (15,00 EUR).

Letzte Überarbeitung: 16. Oktober 2020

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