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LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 14.04.2016, 21 Sa 1544/15 21 Sa 1568/15 21 Sa 1544/15 21 Sa 1568/15

   
Schlagworte: Massenentlassung, Betriebsrat: Konsultation, Konsultationsverfahren
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Aktenzeichen: 21 Sa 1544/15
21 Sa 1568/15
21 Sa 1544/15
21 Sa 1568/15
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 14.04.2016
   
Leitsätze: 1. Nach § 17 Abs. 2 KSchG muss die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber mit dem Betriebsrat eine beabsichtige Massenentlassung vor deren Durchführung ernsthaft und ergebnisoffen beraten, zumindest aber derartige Beratungen anbieten.

Dabei reicht es nicht aus, wenn sich das Beratungsangebot auf die Milderung der Auswirkungen der Entlassungen beschränkt. Es muss sich auch auf die Möglichkeiten der Vermeidung oder Beschränkung der Entlassungen beziehen (im Anschluss an LAG Berlin-Brandenburg vom 11.12.2015 - 9 Sa 1397/15 - und vom 20.01.2016 - 24 Sa 1261/15 u. 24 Sa 1667/15).

2. Die endgültige Entscheidung, eine beabsichtigte Massenentlassung durchzuführen und die Kündigungen auszusprechen, darf die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber erst treffen, wenn das Konsultationsverfahren nach § 17 Abs. 2 KSchG abgeschlossen ist (vgl. EuGH vom 10.09.2009 - C-44/08 - Keskusliitto).

3. Berät die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber eine beabsichtigte Massenentlassung mit einer Verhandlungskommission des Betriebsrats oder einzelnen Betriebsratsmitgliedern, ist das Konsultationsverfahren frühestens abgeschlossen, wenn der Betriebsrat nach den Beratungen als Gremium Gelegenheit hatte, eine abschließende Stellungnahme abzugeben. Hierfür ist dem Betriebsrat eine angemessene Frist einzuräumen.

4. Hat der Betriebsrat keine abschließende Stellungnahme abgegeben, sondern gerügt, die ihm gegebenen Informationen seien für eine Stellungnahme nicht ausreichend, hat die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber dies der Agentur für Arbeit im Rahmen der Massenentlassungsanzeige nach § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG mitzuteilen (im Anschluss an LAG Berlin-Brandenburg vom 20.01.2016 - 24 Sa 1261/15 und 24 Sa 1667/15).

5. Zu den Abweichungsmöglichkeiten durch Tarifvertrag vom Entgeltausfallprinzip nach § 4 Abs. 1 EFZG (im Anschluss an LAG Berlin-Brandenburg vom 12.12.2014 - 3 Sa 1427/14)

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 30.07.2015, 58 Ca 1251/15
   

Te­nor

I. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird - un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung der Be­klag­ten - das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 30. Ju­li 2015 - 58 Ca 1251/15 -, so­weit die Kla­ge ab­ge­wie­sen wor­den ist, ab­geändert:

Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 29. Ja­nu­ar 2015 noch durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27. Ju­ni 2015 auf­gelöst wor­den ist.

II. Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Be­klag­te zu tra­gen.

III. Die Re­vi­si­on wird ins­ge­samt zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die zu­tref­fen­de Be­rech­nung der der Kläge­rin zu­ste­hen­den Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall so­wie über die Wirk­sam­keit zwei­er be­triebs­be­ding­ter ar­beit­ge­ber­sei­ti­ger Kündi­gun­gen, hilfs­wei­se über ei­nen An­spruch auf Nach­teils­aus­gleich.

Die am …. 1968 ge­bo­re­ne Kläge­rin war seit dem 1. De­zem­ber 1995 bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgängern im Be­reich Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gung am Flug­ha­fen T. in Ber­lin ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Vergütung von rund 1.800,00 Eu­ro brut­to beschäftigt.

Un­ter dem 25. Fe­bru­ar 2013 schlos­sen der All­ge­mei­ne Ver­band der Wirt­schaft für Ber­lin und Bran­den­burg e. V. (AWB) und die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di den Man­tel­ta­rif­ver­trag für Bo­den­ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen an Flughäfen in Ber­lin und Bran­den­burg (im Fol­gen­den: MTV BVD) und den Vergütungs­ta­rif­ver­trag für Bo­den­ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen an Flughäfen in Ber­lin und Bran­den­burg (im Fol­gen­den: VTV BVD). Die Ta­rif­verträge sind je­weils mit Wir­kung vom 1. Sep­tem­ber 2013 für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wor­den und mit der All­ge­mein­ver­bind­lich­keit in Kraft ge­tre­ten.

Der MTV BVD enthält, so­weit hier von Re­le­vanz, aus­zugs­wei­se fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

㤠13
All­ge­mei­nes

Der Beschäftig­te hat für die von ihm ge­leis­te­te Ar­beit An­spruch auf Vergütung.

(1) Die Vergütung be­steht aus

(a) dem Mo­nats­grun­dent­gelt gemäß § 14,

(b) et­wai­gen Über­stun­den­zu­schlägen gemäß § 15 Abs. 3,

(c) et­wai­gen Zu­schlägen gemäß § 16,

(d) et­wai­gen wei­te­ren in ei­nem VTV ge­re­gel­ten Ent­gelt­be­stand­tei­len,

(e) et­wai­gen Zu­la­gen.

§ 14
Mo­nats­grun­dent­gelt (Ta­bel­len­ent­gelt)

(1) Die Höhe des Mo­nats­grun­dent­gelts be­misst sich nach dem je­weils gülti­gen Vergütungs­ta­rif­ver­trag.

§ 17
‚Zah­lung der Vergütung

(1) Das Mo­nats­grun­dent­gelt und die Zu­la­gen wer­den mo­nat­lich bar­geld­los für den lau­fen­den Mo­nat bis zum 27. des Mo­nats ge­zahlt; fällt der 27. auf ei­nen Tag, der nicht Bank­ar­beits­tag ist, hat er zum letz­ten vor­he­ri­gen Bank­ar­beits­tag zu er­fol­gen.

(2) Über­stun­den und Zu­schläge wer­den im fol­gen­den Mo­nat ge­zahlt.

§ 22
Ar­beits­unfähig­keit

(6) Wird ein Beschäftig­ter durch Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge Krank­heit an sei­ner Ar­beits­leis­tung ver­hin­dert, oh­ne dass ihn ein Ver­schul­den trifft, so hat er An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall durch den Ar­beit­ge­ber für die Zeit der Ar­beits­unfähig­keit bis zur Dau­er von sechs Wo­chen. …

(8) So­weit nicht in der An­la­ge für Ber­lin-Bran­den­burg et­was an­de­res ver­ein­bart wird, ist als Grund­vergütung während der Zeit der Ent­gelt­fort­zah­lung das an­tei­li­ge Mo­nats­grun­dent­gelt nach § 14 zuzüglich et­wai­ger ge­mit­tel­ter zu ver­steu­ern­der Zu­schläge nach § 16 zu zah­len. Be­mes­sungs­zeit­raum für die Durch­schnitts­be­rech­nung sind die je­weils letz­ten 3 vol­len Ka­len­der­mo­na­te vor Be­ginn der Krank­heit.“

Die „An­la­ge zum MTV für Ber­lin-Bran­den­burg“ enthält fol­gen­de Son­der­re­ge­lung zu § 22 Abs. 8 MTV:

„Als Vergütung während der Zeit der Ent­gelt­fort­zah­lung ist das an­tei­li­ge Mo­nats­grun­dent­gelt nach § 14 MTV zu zah­len.“

Der VTV BVD enthält aus­zugs­wei­se fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

㤠2
Mo­nats­grun­dent­gelt

Die Beschäftig­ten ha­ben An­spruch auf ein mo­nat­li­ches Grun­dent­gelt (Mo­nats­grun­dent­gelt). Das Mo­nats­grun­dent­gelt ei­nes Voll­zeit­beschäftig­ten er­gibt sich aus sei­ner Tätig­keit, den Tätig­keits­merk­ma­len in An­la­ge 1 und den Vergütungs­ta­bel­len in den An­la­gen 3a und b. So­weit mit ei­nem Beschäftig­ten im Ar­beits­ver­trag ei­ne an­de­re wöchent­li­che Ar­beits­zeit ver­ein­bart wird, verändert sich das Mo­nats­grun­dent­gelt ent­spre­chend.“

Eben­falls un­ter dem 25. Fe­bru­ar 2013 schloss die Be­klag­te mit der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di ei­nen Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag zum Vergütungs­ta­rif­ver­trag (ÜTV VTV), der aus­zugs­wei­se fol­gen­den Re­ge­lun­gen enthält:

„Präam­bel

Am 25. Fe­bru­ar 2013 ha­ben ver.di und der Ar­beit­ge­ber­ver­band AWB den Vergütungs­ta­rif­ver­trag für Bo­den­ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen an Flughäfen in Ber­lin und Bran­den­burg (nach­fol­gend: „VTV BDV“) ab­ge­schlos­sen, der den mo­men­tan gel­ten­den Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 10 vom 27. Ja­nu­ar 2004 zwi­schen der G. Ber­lin GmbH (heu­te G. Ber­lin GmbH & Co. KG) und ver.di („VTV GGB“) nebst al­ler sei­ner Ergänzun­gen so­wie al­ler et­waig in der Nach­wir­kung be­find­li­cher Vergütungs­re­ge­lun­gen so­wie den An­er­kennt­nis­ta­rif­ver­trag vom 10. Mai 2012 zwi­schen der A. P. Ser­vice Ber­lin GmbH & Co. KG und ver.di ablöst. Im Hin­blick dar­auf schließen die Par­tei­en den fol­gen­den Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag, der den Mit­ar­bei­tern be­stimm­te Be­sitzstände si­chern soll.

A. Auf­he­bung des bis­he­ri­gen Verfügungs­ver­tra­ges Nr. 10 und des An­er­kennt­nis­ta­rif­ver­tra­ges

B. Be­sitz­stands­re­ge­lun­gen

Un­ge­ach­tet der Re­ge­lung in Punkt A ver­ein­ba­ren die Par­tei­en für Beschäftig­te, die am 31. De­zem­ber 2012 in ei­nem un­be­fris­te­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis mit der A. P. Ser­vice Ber­lin GmbH & Co. KG ste­hen (nach­fol­gend Beschäftig­te), nach­fol­gen­de Be­sitz­stands­re­ge­lun­gen.

Teil 1: Si­che­rung der 36-St­un­den-Wo­che

Teil 2: Vor­schrif­ten zur Ent­gelt­si­che­rung

I.

(1) Beschäftig­te er­hal­ten ei­ne Be­sitz­stands­zu­la­ge, wenn das Mo­nats­grun­dent­gelt un­mit­tel­bar vor In­kraft­tre­ten des VTV BVD höher ist als das Mo­nats­grun­dent­gelt der je­weils gülti­gen An­la­ge 3 zum VTV BVD zzgl. der re­gelmäßigen Zu­la­gen nach § 5 Abs. 2 - 4 VTV BVD zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens und zwar in Höhe der Dif­fe­renz.

II.

Ab­wei­chend von § 15 Abs. 3 MTV BVD so­wie § 16 Abs. 2 MTV BVD wird für die Zu­schlags­be­rech­nung ne­ben dem an­tei­li­gen Mo­nats­grun­dent­gelt die an­tei­li­ge Be­sitz­stands­zu­la­ge zu­grun­de ge­legt.

V.

Ta­rif­lich ver­ein­bar­te und in­di­vi­du­el­le Erhöhun­gen des Mo­nats­grun­dent­gelts (An­la­ge 3a/3b des VTV BVD) so­wie der re­gelmäßigen Zu­la­gen nach § 5 Abs. 2 - 4 VTV BVD gel­ten auch für Beschäftig­te mit Be­sitz­stands­zu­la­ge, wo­bei von die­ser Erhöhung 35% auf die Be­sitz­stands­zu­la­ge an­ge­rech­net wer­den.“

Auf der Grund­la­ge des ÜTV VTV zahl­te die Be­klag­te ih­ren Beschäftig­ten ei­ne Be­sitz­stands­zu­la­ge zwi­schen 400,00 und 1.000,00 Eu­ro brut­to mo­nat­lich, ver­ein­zelt bis zu 1.200,00 Eu­ro brut­to und durch­schnitt­lich et­wa 500,00 Eu­ro brut­to. Im Ok­to­ber 2014, De­zem­ber 2014 und Ja­nu­ar 2015 war die Kläge­rin je­weils meh­re­re Ta­ge ar­beits­unfähig krank. Für die Ar­beits­unfähig­keits­zei­ten kürz­te die Be­klag­te die Be­sitz­stands­zu­la­ge im We­ge der Rück­rech­nung im je­weils fol­gen­den Mo­nat für Ok­to­ber 2014 um 75,16 Eu­ro brut­to, für De­zem­ber 2014 um 240,38 Eu­ro brut­to und für Ja­nu­ar 2015 um 152,47 Eu­ro brut­to.

Ne­ben an­de­ren Dienst­leis­tun­gen wur­den die Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gungs­dienst­leis­tun­gen an den Flughäfen T. und Schöne­feld jah­re­lang von der G. Ber­lin GmbH & Co. KG (im Fol­gen­den: GGB) er­bracht. Die Ge­sell­schafts­an­tei­le an die­sem Un­ter­neh­men wur­den 2008 durch ein oder meh­re­re Un­ter­neh­men der W.-GR.e über­nom­men. Seit­dem kam es zu di­ver­sen ge­sell­schafts­recht­li­chen Um­or­ga­ni­sa­tio­nen, u. a. zu ei­ner Tren­nung der GGB in vier Geschäfts­be­rei­che und de­ren teil­wei­se Aus­glie­de­rung auf an­de­re Ge­sell­schaf­ten. Der Be­reich „Pas­sa­ge“ wur­de auf die Be­klag­te aus­ge­glie­dert. Kom­ple­mentärin der Be­klag­ten ist die P. S. Ber­lin Be­tei­li­gungs-GmbH, ein­zi­ge Kom­man­di­tis­tin die GGB. De­ren Kom­man­dit­an­tei­le wer­den von ei­nem Un­ter­neh­men der W.-GR.e ge­hal­ten.

Die Ar­beits­verhält­nis­se der im Be­reich „Pas­sa­ge“ täti­gen Beschäftig­ten gin­gen im Jahr 2012 auf die Be­klag­te über. Hin­sicht­lich der Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gungs­dienst­leis­tun­gen am Flug­ha­fen Sch. ging ein Großteil der Ar­beits­verhält­nis­se im Ju­li 2014 auf ein an­de­res Un­ter­neh­men, die P. S. Sch. GmbH & Co. KG, über. Die Ar­beits­verhält­nis­se der am Flug­ha­fen T. beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ver­blie­ben über­wie­gend bei der Be­klag­ten. Ein Teil der Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gungs­dienst­leis­tun­gen am Flug­ha­fen T. wird seit Ju­li 2013 von der Ai. P. Ser­vice GmbH & Co. KG er­bracht.

Im Sep­tem­ber 2014 kündig­te die GGB als ein­zi­ge Auf­trag­ge­be­rin der Be­klag­ten sämt­li­che noch vor­han­de­nen Auf­träge der Be­klag­ten aus dem Be­reich Check-in zu An­fang No­vem­ber 2014, die übri­gen Auf­träge zum 31. März 2015. Am 22. Sep­tem­ber 2014 erklärte die GGB als al­lein stimm­be­rech­tig­te Ge­sell­schaf­te­rin der Be­klag­ten die Ab­sicht, den Be­trieb der Be­klag­ten zum 31. März 2015 still­zu­le­gen und die dem Be­triebs­zweck die­nen­de Or­ga­ni­sa­ti­on zu die­sem Ter­min vollständig auf­zulösen. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung des ent­spre­chen­den Ge­sell­schaf­ter­be­schluss (Bl. 66 d. A.) ver­wie­sen. Der Geschäftsführer der Be­klag­ten wur­de von der GGB an­ge­wie­sen, die er­for­der­li­chen Maßnah­men durch­zuführen und mit dem Be­triebs­rat Ver­hand­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs auf­zu­neh­men.

Nach zwei Sit­zun­gen mit dem Be­triebs­rat am 25. Sep­tem­ber 2014 und 9. Ok­to­ber 2014 erklärte die Be­klag­te die Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich für ge­schei­tert. In der dar­auf­hin ein­ge­rich­te­ten Ei­ni­gungs­stel­le wur­de am 28. No­vem­ber 2014, 2., 4. und 18. De­zem­ber 2014 ver­han­delt. In der Sit­zung vom 18. De­zem­ber 2014 erklärten die Bei­sit­zer der Be­klag­ten für die­se das Schei­tern der In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen. Da­nach ver­han­del­ten die Be­triebs­par­tei­en in der Ei­ni­gungs­stel­le über ei­nen So­zi­al­plan. In der 7. Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le am 21. Ja­nu­ar 2015 wur­de durch Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le ein So­zi­al­plan auf­ge­stellt, der ins­be­son­de­re die Er­rich­tung ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft so­wie Ab­fin­dungs­pau­scha­len vor­sah. Auf Be­trei­ben des Be­triebs­rats stell­te das Ar­beits­ge­richt die Un­wirk­sam­keit des Spruchs der Ei­ni­gungs­stel­le fest. Die hier­ge­gen von der Be­klag­ten vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­leg­te Be­schwer­de (9 TaBV 1519/15) hat­te kei­nen Er­folg.

Die Be­klag­te über­mit­tel­te dem Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 2. Ja­nu­ar 2015 die „In­for­ma­ti­on gemäß § 17 Abs. 2 KSchG“ mit nähe­ren Ausführun­gen. We­gen des ge­nau­en In­halts des drei­sei­ti­gen Schrei­bens nebst An­la­gen wird auf die Ab­lich­tung (Bl. 107 ff. d. A.) ver­wie­sen. Dar­auf re­agier­te der Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 14. Ja­nu­ar 2015 mit dem Be­treff: „Ih­re Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge vom 02.01.2015“ (Bl. 183 d. A.) wie folgt:

„…

die Fol­gen für die Be­leg­schaft wer­den noch in der Ei­ni­gungs­stel­le be­ra­ten, so dass wir Sie bit­ten, von der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge zunächst ab­zu­se­hen. Außer­dem ver­wei­sen wir auf die Stel­lung­nah­me von RA K. vom 15.12.2014 an den Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den, die wir vor­sorg­lich noch­mals beifügen.

Soll­ten Sie gleich­wohl Ih­re An­zei­ge an die Ar­beits­agen­tur ab­sen­den, sen­den Sie uns bit­te ei­ne Ab­schrift der­sel­ben, nebst An­la­gen zu.“

In der in Be­zug ge­nom­me­nen „Stel­lung­nah­me von RA K. vom 15. De­zem­ber 2014 an den Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den“ heißt es aus­zugs­wei­se:

„…

Bis­her hat die Ar­beit­ge­ber­sei­te we­der mit un­se­rer Sei­te über das „Ob“ („Al­ter­na­ti­ven zur ge­plan­ten Be­triebsände­rung“…) noch das „Wie“ … be­ra­ten, erst recht nicht mit dem „ernst­haf­ten Wil­len zur Ei­ni­gung“, noch konn­te die Be­triebs­rats­sei­te kon­kre­te Al­ter­na­ti­ven oder Mo­di­fi­ka­tio­nen vor­schla­gen.

Grund­la­ge hierfür wäre die schon im ers­ten An­schrei­ben erwähn­te, von uns ver­miss­te Dar­le­gung der kon­kre­ten Gründe für die jet­zi­gen Pla­nun­gen, nach­voll­zieh­bar un­ter­legt mit den in sol­chen Fällen übli­chen be­triebs­wirt­schaft­li­chen Be­rech­nun­gen und Zah­len. Nur auf die­ser Ba­sis könn­te un­se­re Sei­te sich mit die­sen ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Über­le­gun­gen aus­ein­an­der­set­zen und ver­su­chen, Al­ter­na­ti­ven zu der ge­plan­ten Be­triebsände­rung selbst oder Mo­di­fi­ka­tio­nen zu ent­wi­ckeln und hierüber ei­ne Verständi­gung mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te her­bei­zuführen. …

Ge­mes­sen an die­sen An­for­de­run­gen ist die In­for­ma­ti­ons­la­ge äußerst dürf­tig. Sie be­steht le­dig­lich aus der Vor­la­ge der Ver­tragskündi­gun­gen durch die Mut­ter­ge­sell­schaft und pau­scha­len Hin­wei­sen des Geschäftsführers Herrn A. über nicht kon­kur­renzfähi­ge Per­so­nal­kos­ten. … Die Ent­schei­dung über die Kündi­gung der Verträge wur­de von der Lei­tung die­ses Kon­zerns bzw. der Lei­tung der ein­schlägi­gen Spar­te, zu der die Er­brin­gung von Bo­den­ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen gehören, ge­trof­fen. Das hie­si­ge Un­ter­neh­men be­sitzt außer der for­ma­len ju­ris­ti­schen kei­ne ei­ge­ne wirt­schaft­li­che Selbständig­keit. Herr A. war ge­genüber der GGB ver­pflich­tet, de­ren Auf­trags­an­ge­bo­te oh­ne Rück­sicht dar­auf an­zu­neh­men, ob die Vergütung für die APSB auskömmlich ist. Ei­ge­ne Verträge durf­te er nicht ak­qui­rie­ren. Für den Pro­duk­ti­ons­be­reich ver­wen­det man in der­ar­ti­gen Fällen den - nicht ju­ris­ti­schen - Be­griff der „verlänger­ten Werk­bank“. Auch die GGB ist of­fen­sicht­lich oh­ne ei­ne wei­te­re Kon­zern­an­bin­dung wirt­schaft­lich nicht le­bensfähig und … auch nur Un­ter­auf­trag­neh­me­rin. Sie erhält je nach den un­ter­neh­me­ri­schen Über­le­gun­gen, die im W.-Kon­zern für ih­re Spar­te ge­trof­fen wer­den, die Wei­sung, Verträge mit der APSB auf­zukündi­gen. Zu­dem wird ihr ab und an un­ter tak­ti­schen Erwägun­gen - je nach dem Stand von Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren - Geld zur Verfügung ge­stellt, das sie kurz­fris­tig der APSB zur Verfügung stel­len darf und soll.

Zu all­dem gab es bis­her in der vor­he­ri­gen Ei­ni­gungs­stel­le - ge­nau­so wie in der hie­si­gen - kei­ner­lei Auskünf­te. Der Geschäftsführer der abhängi­gen Ge­sell­schaft APSB kann sich hin­sicht­lich der Pla­nun­gen auf den nächs­ten Un­ter­neh­mens- und Kon­zern­ebe­nen je­den­falls nicht hin­ter sei­ner re­la­ti­ven Un­kennt­nis „ver­ste­cken“. Ei­ne um­fas­sen­de In­for­ma­ti­on ist nur ge­ge­ben, wenn auch die auf höhe­rer Kon­zern­ebe­ne vor­han­de­nen Pla­nun­gen dem Be­triebs­rat bzw. der Ei­ni­gungs­stel­le mit­ge­teilt und erläutert wer­den. …“

We­gen des wei­te­ren In­halts der Stel­lung­nah­me wird auf de­ren Ab­lich­tung (Bl. 184 ff. d. A.) ver­wie­sen.

Am 20. Ja­nu­ar 2015 be­schloss die al­lein stimm­be­rech­tig­te Ge­sell­schaf­te­rin GGB, den Be­trieb der Be­klag­ten zum 31. März 2015 still­zu­le­gen und die dem Be­triebs­zweck die­nen­de Or­ga­ni­sa­ti­on zu die­sem Da­tum vollständig auf­zulösen. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­schlus­ses wird auf des­sen Ab­lich­tung (Bl. 67 d. A.) ver­wie­sen.

Mit Schrei­ben von dem­sel­ben Tag (Bl. 91 ff. d. A) hörte die Be­klag­te den Be­triebs­rat zu den be­ab­sich­tig­ten Kündi­gun­gen an. Mit Schrei­ben vom 27. Ja­nu­ar 2015 (Bl. 101 ff. d. A.) wi­der­sprach der Be­triebs­rat den Kündi­gun­gen.

Mit Schrei­ben vom 28. Ja­nu­ar 2015 er­stat­te­te die Be­klag­te ge­genüber der Agen­tur für Ar­beit C. die „Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge gemäß § 17 KSchG“. Das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 14. Ja­nu­ar 2015 und die dar­in in Be­zug ge­nom­me­ne Stel­lung­nah­me von Herrn Rechts­an­walt K. vom 15. De­zem­ber 2014 fügte sie nicht bei. In der An­zei­ge heißt es un­ter „6. Be­tei­li­gung des Be­triebs­ra­tes“ wie folgt:

„Mit dem bei der APSB ge­bil­de­ten Be­triebs­rat wur­den In­ter­es­sen­aus­gleichs- und So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen geführt. Wei­ter­hin wur­de der Be­triebs­rat noch ein­mal ge­son­dert mit dem bei­gefügten Schrei­ben vom 2. Ja­nu­ar 2015 gemäß § 17 Abs. 2 KSchG un­ter­rich­tet. Ich - Bern­hard A., … - ver­si­che­re hier­mit an Ei­des statt, dass ich das bei­gefügte Un­ter­rich­tungs­schrei­ben dem Be­triebs­rat am 2. Ja­nu­ar 2015 per Fax und E-Mail ge­gen 13:40 Uhr über­sandt ha­be. Das Fax­pro­to­koll ist eben­falls als An­la­ge bei­gefügt.

Ei­ne ge­son­der­te Stel­lung­nah­me hat der Be­triebs­rat nicht ab­ge­ge­ben. Im Rah­men der So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen wur­den je­doch mit dem Be­triebs­rat am 13., 16. und 21. Ja­nu­ar 2015 über die Ein­rich­tung ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft i.S.d. § 111 SGB III ver­han­delt. Das Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren wur­de am 21. Ja­nu­ar 2015 be­en­det (sie­he Pro­to­koll). Wei­te­re, ge­son­der­te Be­ra­tun­gen hat der Be­triebs­rat nicht ver­langt.“

We­gen des wei­te­ren In­halts Schrei­bens vom 28. Ja­nu­ar 2015 wird auf des­sen Ab­lich­tung (Bl. 118 f. d. A.) ver­wie­sen. Dem Schrei­ben war u. a. als An­la­ge ein aus­gefüll­ter Vor­druck der Bun­des­agen­tur für Ar­beit bei­gefügt, in wel­chem die Zahl der in der Re­gel beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer mit 223, die Zahl der Beschäftig­ten, de­nen gekündigt wer­den soll, mit 188 und der Zeit­punkt, an dem die Kündi­gun­gen er­fol­gen sol­len für 161 Beschäftig­te mit „29.-31.01.15“ und für 27 Beschäftig­te mit „29.1.-27.2.15“ an­ge­ge­ben war (Bl. 120 ff. d. A.). Mit Be­scheid vom 10. Fe­bru­ar 2015 (Bl. 134 d. A.) teil­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit - Agen­tur für Ar­beit Cott­bus - der Be­klag­ten u. a. mit, die An­zei­ge am 28. Ja­nu­ar 2015 sei rechts­wirk­sam er­stat­tet wor­den.

Mit Schrei­ben vom 29. Ja­nu­ar 2015 kündig­te die Be­klag­te die Ar­beits­verhält­nis­se mit al­len Beschäftig­ten mit Aus­nah­me de­rer mit Son­derkündi­gungs­schutz we­gen der Sch­ließung des Be­trie­bes am 31. März 2015 or­dent­lich. Das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin kündig­te sie un­ter dem 29. Ja­nu­ar 2015 zum 31. Au­gust 2015. Ge­genüber den Beschäftig­ten mit Son­derkündi­gungs­schutz erklärte sie die Kündi­gung nach Er­tei­lung der er­for­der­li­chen behörd­li­chen Zu­stim­mung.

Mit der am 28. Ja­nu­ar 2015 beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin die Ein­be­zie­hung der Be­sitz­stands­zu­la­ge in die Be­rech­nung der Ent­gelt­fort­zah­lung und die Zah­lung der Beträge ver­langt, um die die Be­klag­te die Be­sitz­stands­zu­la­ge für die Mo­na­te Ok­to­ber und De­zem­ber 2014 so­wie Ja­nu­ar 2015 nachträglich gekürzt hat­te. Mit am 13. Fe­bru­ar 2015 ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz, der der Be­klag­ten am 19. Fe­bru­ar 2015 zu­ge­stellt wor­den ist, hat sie die Kla­ge hin­sicht­lich der Kündi­gung vom 29. Ja­nu­ar 2015 er­wei­tert und mit ei­ner wei­te­ren Kla­ge­er­wei­te­rung hilfs­wei­se die Zah­lung ei­nes Nach­teils­aus­gleichs be­gehrt.

Nach­dem in Par­al­lel­ver­fah­ren ver­schie­de­ne Kam­mern des Ar­beits­ge­richts Be­den­ken ge­gen die Wirk­sam­keit der ers­ten Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge geäußert hat­ten, ent­schloss sich die Be­klag­te, vor­sorg­lich das Ver­fah­ren nach § 17 KSchG noch­mals durch­zuführen. Mit Schrei­ben vom 10. Ju­ni 2015 in­for­mier­te sie den Be­triebs­rat er­neut über ei­ne ge­plan­te wei­te­re Mas­sen­ent­las­sung und schlug ei­nen Be­ra­tungs­ter­min vor. We­gen des wei­te­ren In­halts des Schrei­bens wird auf des­sen Ab­lich­tung (Bl. 316 ff. d. A.) ver­wie­sen. Mit Schrei­ben vom 17. Ju­ni 2015 nahm der Be­triebs­rat das Be­ra­tungs­an­ge­bot an und un­ter­brei­te­te Vor­schläge zur Ab­wen­dung der Mas­sen­ent­las­sung, wo­bei dies­bezüglich noch wei­te­re In­for­ma­tio­nen und Un­ter­la­gen er­for­der­lich sei­en. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens wird auf des­sen Ab­lich­tung (Bl. 331 f. d. A.) ver­wie­sen.

Nach Schwie­rig­kei­ten, ei­nen ge­mein­sa­men Ter­min zu fin­den, fand die Be­ra­tung am 24. Ju­ni 2015 von et­wa 12.50 Uhr bis 18.50 Uhr statt. An­we­send wa­ren für den Be­triebs­rat des­sen Vor­sit­zen­de und ein wei­te­res Be­triebs­rats­mit­glied, Herr Rechts­an­walt K. und Herr G. als Sach­verständi­ger und für die Be­klag­te der Geschäftsführer ih­rer persönlich haf­ten­den Ge­sell­schaf­te­rin Herr A. und Frau Rechts­anwältin R.. Auf der Grund­la­ge ei­ner mehr­sei­ti­gen Präsen­ta­ti­on der Be­klag­ten (Bl. 338 ff. d. A.) wur­den u. a. Möglich­kei­ten ei­ner Neu­eröff­nung des Be­trie­bes erörtert, wo­bei der Be­triebs­rat wei­te­re In­for­ma­tio­nen und Un­ter­la­gen for­der­te. Frau Rechts­anwältin R. wies dar­auf hin, dass das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 17. Ju­ni 2015 an die GGB wei­ter­ge­lei­tet wor­den sei, ers­te Gespräche statt­ge­fun­den hätten, aber noch kei­ne ab­sch­ließen­de Ent­schei­dung ge­trof­fen wor­den sei. Über die Be­ra­tun­gen er­stell­te die Be­klag­te ein Pro­to­koll, auf des­sen Sei­te 6 aus­zugs­wei­se Fol­gen­des pro­to­kol­liert ist:

„CH - Fra­ge, ob man die Präsen­ta­ti­on bis Mon­tag ha­ben könne, da man am Diens­tag mit dem Be­triebs­rat zu­sam­men­sit­zen wer­de.

UR - Wir wer­den die Un­ter­la­gen sehr kurz­fris­tig zu­kom­men las­sen. Ergänzung durch BA, dass dies wahr­schein­lich noch heu­te abend, spätes­tens mor­gen früh möglich sei.

BA - Bis 12 Uhr mor­gen noch Möglich­keit Ergänzun­gen zu heu­ti­gem Gespräch und Schrei­ben vom mit­zu­tei­len, da wir mor­gen Nach­mit­tag mit GGB über das wei­te­re Vor­ge­hen spre­chen wer­den.“

„CH“ steht für die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de, „UR“ für Frau Rech­t­anwältin R. und „BA“ für den Geschäftsführer. We­gen des wei­te­ren In­halts des Pro­to­kolls wird auf des­sen Ab­lich­tung (Bl. 335 ff. d. A.) ver­wie­sen.

Um 19.34 Uhr des­sel­ben Ta­ges über­mit­tel­te der Geschäftsführer dem Be­triebs­rat die Präsen­ta­ti­on per E-Mail (Bl. 345 d. A.) und teil­te mit, das Gespräch mit der GGB fände erst am Abend statt. Ergänzun­gen zum Gespräch vom 24. Ju­ni 2015 und zum Schrei­ben vom 17. Ju­ni 2015 so­wie vom 24. Ju­ni 2015 bzw. ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me sei­en noch bis 18:00 Uhr möglich. Es könne nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die GBB am Fol­ge­tag ei­ne endgülti­ge Ent­schei­dung tref­fen wer­de. Da­zu erklärte die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de am 25. Ju­ni 2015 um 16.40 Uhr per Fax­schrei­ben (Bl. 346 d. A.), nach der Be­ra­tung am 24. Ju­ni 2015 sei­en sie so ver­blie­ben, dass der Geschäftsführer nach der Be­spre­chung mit der GGB dem Be­triebs­rat sei­ne Sicht der Din­ge so recht­zei­tig mit­tei­len wer­de, dass das ge­sam­te Be­triebs­rats­gre­mi­um darüber in sei­ner Sit­zung am nächs­ten Diens­tag be­ra­ten könne. Auf der Grund­la­ge der Erörte­run­gen und Be­schluss­fas­sung des Gre­mi­ums wer­de der Be­triebs­rat dann un­verzüglich und ab­sch­ließend Stel­lung neh­men. Die Mit­glie­der der gest­ri­gen Ver­hand­lungs­kom­mis­si­on hoff­ten, auf der Ba­sis der auf dem Flip­chart nie­der­ge­schrie­be­nen In­for­ma­ti­onswünsche in ei­nem wei­te­ren Ter­min in­halt­lich wei­ter­zu­kom­men. Dar­auf ant­wor­te der Geschäftsführer mit Schrei­ben vom 26. Ju­ni. 2015 (Bl. 347 d. A.), man ha­be nicht ver­ein­bart, bis zur nächs­ten Sit­zung des Be­triebs­rats am Diens­tag zu war­ten. Oh­ne ei­ne deut­li­che kurz­fris­ti­ge Sen­kung der Per­so­nal­kos­ten sei ei­ne Wie­de­reröff­nung nicht möglich. Dar­auf ha­be sich der Be­triebs­rat noch nicht ein­mal im An­satz ein­ge­las­sen. Bei dem in der E-Mail des Geschäftsführers vom 24. Ju­ni 2015 erwähn­ten Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 24. Ju­ni 2015 han­delt es sich ver­mut­lich um ein Schrei­ben des Be­triebs­rats, in­dem die­ser um­fas­sen­de In­for­ma­tio­nen zu Ak­ti­vitäten der Be­klag­ten bezüglich Ar­beits­an­ge­bo­ten bei „Air­link“ ver­langt (Bl. 358 d. A.).

Mit Schrei­ben vom 26. Ju­ni 2015 er­stat­te­te die Be­klag­te bei der Ar­beits­agen­tur Cott­bus ei­ne Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge, wel­che bei die­ser an dem­sel­ben Tag ein­ging. In dem dem Schrei­ben bei­gefügten aus­gefüll­ten Vor­druck der Bun­des­agen­tur für Ar­beit war die Zahl der in der Re­gel Beschäftig­ten mit 223, die Zahl der Beschäftig­ten, de­nen gekündigt wer­den soll, mit 128 und der Zeit­punkt, an dem die Kündi­gun­gen er­fol­gen sol­len für 101 Beschäftig­te mit „27.-30.06.15“ und für 27 Beschäftig­te mit „26.6.-31.7.15“ an­ge­ge­ben. We­gen des In­halts des Schrei­bens vom 26. Ju­ni 2015, der Ein­zel­hei­ten des aus­gefüll­ten Vor­druck so­wie der wei­te­ren An­la­gen wird auf de­ren Ab­lich­tun­gen Be­zug ge­nom­men (Bl. 348 ff. d. A.).

Mit Schrei­ben vom 27. Ju­ni 2015 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin vor­sorg­lich er­neut zum 31. Ja­nu­ar 2016, nach­dem sie den Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 12. Ju­ni 2015 (Bl. 360 ff. d. A.) zu der Kündi­gung an­gehört und der Be­triebs­rat der Kündi­gung mit Schrei­ben vom 27. Ju­ni 2015 (Bl. 368 f. d. A.) wi­der­spro­chen hat­te. Ge­genüber den wei­te­ren 127 Beschäftig­ten sprach sie - ggf. nach Ein­ho­lung der behörd­li­chen Zu­stim­mung - eben­falls ei­ne er­neu­te vor­sorg­li­che Kündi­gung aus.

Die­se Kündi­gung vom 27. Ju­ni 2015 hat die Kläge­rin mit beim Ar­beits­ge­richt am 2. Ju­li 2015 ein­ge­gan­ge­ner, der Be­klag­ten am 10. Ju­li 2015 zu­ge­stell­ter Kla­ger­wei­te­rung an­ge­grif­fen.

Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die an­tei­li­ge Kürzung der Be­sitz­stands­zu­la­ge für Zei­ten, für die Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall zu leis­ten sei, sei un­rechtmäßig. Die Vor­schrif­ten des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges könn­ten nicht da­zu führen, dass die Be­klag­te die Be­sitz­stands­zu­la­ge für Zei­ten der Krank­heit nicht gewähren müsse, da dies ei­ne vom Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz nicht zu­ge­las­se­ne Ab­wei­chung vom Grund­satz der vol­len Lohn­fort­zah­lung dar­stel­len würde. Die an­ge­grif­fe­nen Kündi­gun­gen sei­en un­wirk­sam. Sie sei­en nicht so­zi­al ge­recht­fer­tigt. Die zu­grun­de­lie­gen­de un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung sei rechts­miss­bräuch­lich. Auf­grund be­son­de­rer Umstände sei ein kon­zern­be­zo­ge­ner Kündi­gungs­schutz zu be­ja­hen. Die Kündi­gun­gen sei­en auch we­gen ei­nes ver­deck­ten Be­triebsüber­gangs ana­log § 613a BGB un­zulässig. Der Be­triebs­rat sei zu den Kündi­gun­gen nicht ord­nungs­gemäß an­gehört und zu der Mas­sen­ent­las­sung nicht ord­nungs­gemäß kon­sul­tiert wor­den. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge sei eben­falls nicht wirk­sam er­stat­tet. Zu­min­dest aber ste­he ihr nach § 113 Abs. 3 Be­trVG ein Nach­teils­aus­gleich zu, da die Be­klag­te ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich nicht hin­rei­chend ver­sucht ha­be.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 75,12 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 1. De­zem­ber 2014 so­wie wei­te­re 240,38 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 1. Fe­bru­ar 2015 De­zem­ber 2014 zu zah­len so­wie wei­te­re 152,47 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit 1. März 2015 zu zah­len;

2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, in die Be­rech­nung der für die Kläge­rin zu leis­ten­den Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall auch die Be­sitz­stands­zu­la­ge gemäß dem Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag zum Vergütungs­ta­rif­ver­trag Bo­den­ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen für die APSB ein­zu­be­zie­hen;

3. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gun­gen vom 29. Ja­nu­ar 2015 und vom 27. Ju­ni 2015 en­den wird;

4. hilfs­wei­se für den Fall der Kla­ge­ab­wei­sung mit dem An­trag zu 3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­ne an­ge­mes­se­ne Ab­fin­dung, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, die je­doch min­des­tens 18.000,00 Eu­ro brut­to be­tra­gen sollt, zu zah­len, zuzüglich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 1. Sep­tem­ber 2015.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

1. die Kla­ge ab­zu­wei­sen;

2. hilfs­wei­se, für den Fall, dass die Be­klag­te zur Zah­lung ei­nes Nach­teils­aus­gleichs gemäß § 113 Abs. 3 Be­trVG, §§ 9, 10 KSchG ver­ur­teilt wird, die vorläufi­ge Voll­streck­bar­keit aus­zu­sch­ließen.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

den Hilfs­an­trag der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die Aus­fas­sung ver­tre­ten, die Kürzung der Be­sitz­stands­zu­la­ge für Ar­beits­unfähig­keits­zei­ten sei zu Recht er­folgt. Dies ent­spre­che dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Die Re­ge­lung ste­he auch mit § 4 Abs. 4 EFZG im Ein­klang. Die Kündi­gung vom 29. Ja­nu­ar 2015 sei rechts­wirk­sam, je­den­falls aber die Kündi­gung vom 27. Ju­ni 2015. Die Ent­schei­dung, den Be­trieb still­zu­le­gen, sei nicht willkürlich. Es ha­be auch kein Be­triebsüber­gang statt­ge­fun­den. Ein kon­zern­wei­ter Kündi­gungs­schutz schei­de schon des­halb aus, weil die W. GR.e kein Kon­zern sei. Der Be­triebs­rat sei vor bei­den Kündi­gun­gen ord­nungs­gemäß gehört wor­den. Auch die Kon­sul­ta­ti­on des Be­triebs­rats nach § 17 Abs. 2 KSchG im Ja­nu­ar 2015 und die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge vom 28. Ja­nu­ar 2015 sei­en nicht zu be­an­stan­den. Ei­ne Ver­an­las­sung, der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 14. Ja­nu­ar 2015 bei­zufügen, ha­be nicht be­stan­den, da es sich bei dem Schrei­ben of­fen­kun­dig um kei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me ge­han­delt ha­be. Je­den­falls aber sei das vor der Kündi­gung vom 26. Ju­ni 2015 er­neut durch­geführ­te Mas­sen­ent­las­sungs­ver­fah­ren ord­nungs­gemäß. Die Kläge­rin ha­be auch kei­nen An­spruch auf Nach­teil­aus­gleich. Den An­spruch des Be­triebs­rats auf Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ha­be sie erfüllt. Den Vor­stand der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ha­be der Be­triebs­rat zu kei­nem Zeit­punkt um Ver­mitt­lung er­sucht. Der Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag sei be­gründet, da sie im Fall der dro­hen­den Voll­stre­ckung von Nach­teils­aus­gleichs­ansprüchen In­sol­venz an­mel­den müsse.

Mit Ur­teil vom 30. Ju­ni 2015, auf des­sen Tat­be­stand (Bl. 377 - 387 d. A.) we­gen des wei­te­ren erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en ver­wie­sen wird, hat das Ar­beits­ge­richt den Kla­ge­anträgen zu 1. und 2. bezüglich der Ein­be­zie­hung der Be­sitz­stands­zu­la­ge in die Ent­gelt­fort­zah­lung statt­ge­ge­ben und die Kla­ge im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die Be­klag­te sei nicht be­rech­tigt ge­we­sen, die Be­sitz­stands­zu­la­ge um die Ar­beits­unfähig­keits­zei­ten zu kürzen und die Kürzungs­beträge mit der Vergütung für den fol­gen­den Mo­nat zu ver­rech­nen. Die Kläge­rin ha­be auch ein recht­li­ches In­ter­es­se an der Fest­stel­lung, dass bei der Be­rech­nung der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall die Be­sitz­stands­zu­la­ge ein­zu­be­zie­hen sei.

Die Kündi­gung vom 29. Ja­nu­ar 2015 sei hin­ge­gen wirk­sam und ha­be das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zum 31. Au­gust 2015 be­en­det, wes­halb die vor­sorg­li­che Kündi­gung vom 27. Ju­ni 2015 in Lee­re ge­he. Die Kündi­gung vom 29. Ja­nu­ar 2015 sei so­zi­al ge­recht­fer­tigt. Auf­grund der be­schlos­se­nen Be­triebs­still­le­gung sei die Kündi­gung durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se be­dingt. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl sei nicht er­for­der­lich ge­we­sen. Es hätten auch kei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten be­stan­den. An­halts­punk­te für ei­nen kon­zern­wei­ten Kündi­gungs­schutz sei­en nicht ge­ge­ben. Der Be­triebs­rat sei ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den. Die Kündi­gung sei auch nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 17 KSchG un­wirk­sam. Das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren sei ord­nungs­gemäß durch­geführt wor­den. Die Be­klag­te ha­be dem Be­triebs­rat über ih­ren un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schluss, den Be­trieb still­zu­le­gen, in­for­miert und ihm auch die an­de­ren in § 17 Abs. 2 KSchG ge­for­der­ten In­for­ma­tio­nen mit­ge­teilt. Auch die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge sei nicht feh­ler­haft. Der Be­triebs­rat ha­be we­der mit Schrei­ben vom 14. Ja­nu­ar 2015 noch sonst ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me zu der ge­plan­ten Mas­sen­ent­las­sung ab­ge­ge­ben, wel­che die Be­klag­te der An­zei­ge hätte beifügen können. Sie ha­be auch min­des­tens zwei Wo­chen zu­ge­war­tet und in der An­zei­ge den Stand der Be­ra­tun­gen mit dem Be­triebs­rat dar­ge­stellt.

Ein An­spruch auf Nach­teils­aus­gleich sei nicht ge­ge­ben. Die Be­klag­te ha­be den Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sens­aus­gleichs mit dem Be­triebs­rat hin­rei­chend ver­sucht. Der Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag der Be­klag­ten sei da­her nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.

We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils (Bl. 388 - 395 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen die­ses der Kläge­rin am 14. Au­gust 2015 und der Be­klag­ten am 11. Au­gust 2015 zu­ge­stell­te Ur­teil ha­ben die Kläge­rin mit am 2. Sep­tem­ber 2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz und die Be­klag­te mit am 7. Sep­tem­ber 2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt. Die Kläge­rin hat die Be­ru­fung mit am 17. und 29. Sep­tem­ber 2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schriftsätzen be­gründet. Die Be­klag­te hat die Be­ru­fung mit am Mon­tag, den 12. Ok­to­ber 2015, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz be­gründet.

Die Kläge­rin setzt sich, so­weit die Kla­ge ab­ge­wie­sen wor­den ist, un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens mit dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil aus­ein­an­der. Sie hält dar­an fest, dass die Kündi­gun­gen un­ter Kon­zern­ge­sichts­punk­ten so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und rechts­miss­bräuch­lich so­wie nach § 613a Abs. 4 BGB un­wirk­sam sei­en. Außer­dem sei der Be­triebs­rat we­der im Rah­men der In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen, noch im Rah­men der Anhörung nach § 102 Be­trVG, noch im Rah­men der Kon­sul­ta­ti­on nach § 17 Abs. 2 KSchG aus­rei­chend über die Gründe für die Kündi­gun­gen in­for­miert wor­den. Es hätten auch zu kei­nem Zeit­punkt er­geb­nis­of­fe­ne Ver­hand­lun­gen statt­ge­fun­den. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­gen sei­en eben­falls nicht ord­nungs­gemäß er­folgt. Die An­zei­gen sei­en schon des­halb un­wirk­sam, weil sie bei der fal­schen Agen­tur für Ar­beit und nur per Fax er­stat­tet wor­den sei­en. Zuständig sei nicht die Agen­tur für Ar­beit in C., son­dern die Agen­tur für Ar­beit in Ber­lin. Die Über­mitt­lung per Fax genüge nicht der in § 17 Abs. 3 ge­for­der­ten Schrift­form. Fer­ner be­strei­tet die Kläge­rin den vollständi­gen Ein­gang der An­zei­ge bei der Agen­tur für Ar­beit in C. am 28. Ja­nu­ar 2015. Sch­ließlich sei­en die Kündi­gun­gen zu un­be­stimmt, weil sie zum nächst­zulässi­gen Ter­min aus­ge­spro­chen wor­den sei­en. Im Übri­gen ver­tei­digt die Kläge­rin das an­ge­foch­te­ne Ur­teil.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 30. Ju­li 2015 - 58 Ca 1251/15 - teil­wei­se ab­zuändern und

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en we­der durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 29. Ja­nu­ar 2015 noch durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27. Ju­ni 2015 auf­gelöst wor­den ist;

2. hilfs­wei­se für den Fall, dass die Be­ru­fung hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­tra­ges ganz oder teil­wei­se zurück­ge­wie­sen wird,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­ne Ab­fin­dung nach § 113 Abs. 1 und 3 Be­trVG zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, je­doch min­des­tens 18.000,00 Eu­ro be­tra­gen soll­te.

Hin­sicht­lich der gel­tend ge­mach­ten Zin­sen hat die Kläge­rin den Hilfs­an­trag mit Zu­stim­mung der Be­klag­ten zurück­ge­nom­men.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­zu­wei­sen.

Fer­ner be­an­tragt die Be­klag­te,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 30. Ju­li 2015 - 58 Ca 1251/15 - teil­wei­se ab­zuändern und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te setzt sich ih­rer­seits, so­weit der Kla­ge statt­ge­ge­ben wor­den ist, un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens mit dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil aus­ein­an­der. Im Übri­gen ver­tei­digt sie das Ur­teil. Ergänzend trägt sie vor, der Geschäftsführer Herr A. ha­be von der Agen­tur für Ar­beit Ber­lin mehr­fach die Aus­kunft er­hal­ten, die Agen­tur für Ar­beit C. sei zuständig, weil der Be­trieb der Be­klag­ten wei­ter­hin in Schöne­feld re­gis­triert sei. Je­doch ha­be sie so­wohl am 28. Ja­nu­ar 2015 als auch am 26. Ju­ni 2015 vor­sorg­lich auch bei der für den Be­zirk Ber­lin Rei­ni­cken­dorf zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit Ber­lin N. ei­ne in­halts­glei­che Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ein­ge­reicht. Die An­zei­gen sei­en von der Agen­tur für Ar­beit Ber­lin N. zuständig­keits­hal­ber an die Agen­tur für Ar­beit C. wei­ter­ge­lei­tet wor­den.

We­gen des wei­te­ren zweit­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die Schriftsätze der Kläge­rin vom 16. Sep­tem­ber 2015 (Bl. 413 - 444 d. A.), vom 29. Sep­tem­ber 2015 (Bl. 460 f. d. A.), vom 26. Ok­to­ber 2015 (Bl. 488 - 506 d. A.), vom 26. No­vem­ber 2015 (Bl. 653 656 d. A.) und vom 6. April 2016 (Bl. 665 - 670 d. A.) und die Schriftsätze der Be­klag­ten vom 12. Ok­to­ber 2015 (Bl. 473 - 482 d. A.), vom 26. Ok­to­ber 2015 (Bl. 565 - 592 d. A.), vom 6. No­vem­ber 2015 (Bl. 627 - 638 d. A.) und vom 13. April 2016 (Bl. 680 - 688 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung der Kläge­rin hat Er­folg. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat kei­nen Er­folg.

A. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig und be­gründet.

I. Die Be­ru­fung ist nach § 8 Abs. 2, § 64 Abs. 1 und 2 Buchst. c ArbGG statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht i. S. v. § 64 Abs. 6, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG, §§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Sie ist da­her zulässig.

II. Die Be­ru­fung ist auch be­gründet. Der zulässi­ge und je­weils recht­zei­tig in­ner­halb der Frist des § 4 KSchG, § 167 ZPO an­ge­brach­te Kündi­gungs­schutz­an­trag ist auch im Übri­gen be­gründet. In­so­weit war das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ab­zuändern und der Kla­ge statt­zu­ge­ben. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist we­der durch die Kündi­gung vom 29. Ja­nu­ar 2015, noch durch die Kündi­gung vom 27. Ju­ni 2015 auf­gelöst wor­den. Die Kündi­gun­gen ver­s­toßen ge­gen § 17 KSchG und sind da­her nach § 134 BGB un­wirk­sam. Der Hilfs­an­trag auf Zah­lung ei­nes Nach­teils­aus­gleichs fiel nicht zur Ent­schei­dung an.

1. Die Kündi­gung vom 29. Ja­nu­ar 2015 ist nach § 17 Abs. 2 und Abs. 3 KSchG i. V. m § 134 BGB un­wirk­sam.

a) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 17 Abs. 1 KSchG sind erfüllt. Bei den von der Be­klag­ten An­fang 2015 be­ab­sich­tig­ten Kündi­gun­gen han­del­te es sich um an­zei­ge­pflich­ti­ge Ent­las­sun­gen i. S. d. § 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KSchG.

b) Die Kündi­gung verstößt ge­gen § 17 Abs. 2 KSchG. Die Be­klag­te hat den Be­triebs­rat zu der be­ab­sich­tig­ten Mas­sen­ent­las­sung nicht ord­nungs­gemäß kon­sul­tiert.

aa) Nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG hat die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber, die oder der be­ab­sich­tigt, nach § 17 Abs. 1 KSchG an­zei­ge­pflich­ti­ge Ent­las­sun­gen vor­zu­neh­men, den Be­triebs­rat schrift­lich über die Gründe für die ge­plan­ten Ent­las­sun­gen, die Zahl und die Be­rufs­grup­pen der zu ent­las­sen­den Beschäftig­ten, die Zahl und die Be­rufs­grup­pen der in der Re­gel Beschäftig­ten, den Zeit­raum, in dem die Ent­las­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den sol­len, und die vor­ge­se­he­nen Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der zu ent­las­sen­den Beschäftig­ten so­wie über die für die Be­rech­nung et­wai­ger Ab­fin­dun­gen vor­ge­se­he­nen Kri­te­ri­en zu un­ter­rich­ten. Nach § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG muss die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber mit dem Be­triebs­rat die Möglich­kei­ten be­ra­ten, Ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder ein­zu­schränken und ih­re Fol­gen ab­zu­mil­dern. Die Pflicht zur Be­ra­tung i. S. v. § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG geht da­bei über ei­ne bloße Anhörung deut­lich hin­aus. Die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber hat mit dem Be­triebs­rat über die Ent­las­sun­gen bzw. die Möglich­kei­ten ih­rer Ver­mei­dung ernst­lich zu ver­han­deln. Sie oder er muss ihm dies zu­min­dest an­zu­bie­ten (vgl. BAG vom 26.02.2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 15 m. w. N., NZA 2015, 881).

Die Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht wird der Sa­che nach re­gelmäßig erfüllt, wenn die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner Be­triebsände­rung i. S. v. § 111 Be­trVG, so­weit mit ihr ein an­zei­ge­pflich­ti­ger Per­so­nal­ab­bau ver­bun­den ist oder sie al­lein in ei­nem sol­chen be­steht, ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ab­sch­ließt und dann erst kündigt. So­weit die der Ar­beit­ge­be­rin oder dem Ar­beit­ge­ber ob­lie­gen­den Pflich­ten aus § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG mit de­nen nach § 111 Satz 1 Be­trVG übe­rein­stim­men, kann die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber die­se gleich­zei­tig erfüllen. Da­bei muss der Be­triebs­rat al­ler­dings klar er­ken­nen können, dass die statt­fin­den­den Be­ra­tun­gen (auch) der Erfüllung der Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht der Ar­beit­ge­be­rin oder des Ar­beit­ge­bers aus § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG die­nen sol­len (vgl. BAG vom 26.02.2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 17 m w. N., a. a. O.).

bb) Da­nach hat die Be­klag­te das nach § 17 Abs. 2 KSchG er­for­der­li­che Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren mit dem Be­triebs­rat nicht ord­nungs­gemäß durch­geführt. Da­hin­ge­stellt blei­ben kann, ob die Be­klag­te den Be­triebs­rat über die be­ab­sich­tig­te Mas­sen­ent­las­sung aus­rei­chend i. S. d. § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG un­ter­rich­tet und ihm ins­be­son­de­re die Gründe für die ge­plan­ten Ent­las­sun­gen hin­rei­chend mit­ge­teilt hat (ver­nei­nend u. a. LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 26.11.2015 - 10 Sa 1700/15 - und vom 24.02.2016
- 15 Sa 1953/15 -). Denn je­den­falls hat die Be­klag­te die be­ab­sich­tig­te Mas­sen­ent­las­sung nicht mit dem Be­triebs­rat i. S. d. § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG be­ra­ten.

In ei­nem Par­al­lel­ver­fah­ren hat da­zu die Kam­mer 24 des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg im Ur­teil vom 20. Ja­nu­ar 2016 - 24 Sa 1261/15 und 24 Sa 1667/15 - Fol­gen­des aus­geführt:

„aa) Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben kei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ab­ge­schlos­sen. Die Be­klag­te hat auch al­lein durch die Ver­hand­lun­gen über In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan nicht mit dem Be­triebs­rat be­ra­ten i.S.v. § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG. Ei­ne dem Be­triebs­rat ge­genüber erklärte Ab­sicht, mit Auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich auch das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 KSchG durch­zuführen, be­haup­tet die Be­klag­te nicht. Viel­mehr macht sie gel­tend, das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 Abs. 2 S. 2 KSchG sei mit Schrei­ben vom 2. Ja­nu­ar 2015 ein­ge­lei­tet wor­den.

bb) Be­ra­tun­gen i.S.v. § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG hat die Be­klag­te dem Be­triebs­rat auch in dem Schrei­ben vom 2. Ja­nu­ar 2015 nicht an­ge­bo­ten.
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(1) Das mit den Wor­ten „In­for­ma­ti­on gemäß § 17 Abs. 2 KSchG“ über­schrie­be­ne Schrei­ben wird mit dem Satz: „Wir möch­ten Sie noch ein­mal for­mal gemäß § 17 Abs. 2 KSchG wie folgt un­ter­rich­ten:“ ein­ge­lei­tet; im Fol­gen­den wird die be­ab­sich­tig­te Be­triebs­sch­ließung nebst An­zahl der zu ent­las­sen­den Beschäftig­ten ge­nannt. Be­reits nach dem Wort­laut des Schrei­bens mit den Schlüssel­wor­ten „In­for­ma­ti­on“, „Un­ter­rich­tung“ geht es hier al­lein um die in § 17 Abs. 2 S. 1 KSchG vor­ge­se­he­ne Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats.

(2) An­ge­sichts die­ser Ein­lei­tung des Schrei­bens mit dem Hin­weis auf ei­ne be­ab­sich­tig­te Un­ter­rich­tung hätte ei­ne et­wa darüber hin­aus­ge­hen­de Auf­for­de­rung, Ver­hand­lun­gen auf­zu­neh­men, deut­lich for­mu­liert wer­den müssen. Ei­ne sol­che fin­det sich in dem Schrei­ben nicht. Der in dem Schrei­ben vom 2.1.2015 ent­hal­te­ne Hin­weis auf „wei­te­re Be­ra­tun­gen“ in der am 13.1.2015 an­ste­hen­den Ei­ni­gungs­stel­len­sit­zung genügt nicht den An­for­de­run­gen des § 17 Abs. 2 S. 2 KSchG.

(a) Der Kon­sul­ta­ti­ons­an­spruch nach Art. 2 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 98/59/EG und da­mit nach § 17 KSchG ist nur erfüllt, wenn der Ar­beit­ge­ber mit dem erns­ten Wil­len zur Ei­ni­gung ver­han­delt bzw. Ver­hand­lun­gen an­ge­bo­ten hat (APS/Moll KSchG § 17 Rn. 74b). Da­bei muss sich das Be­ra­tungs­an­ge­bot des Ar­beit­ge­bers an den Be­triebs­rat (auch) dar­auf be­zie­hen, Ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder ein­zu­schränken, und nicht nur dar­auf, sol­che in ih­ren Aus­wir­kun­gen zu mil­dern.

(b) Der Satz am En­de des Schrei­bens, man ha­be ja be­reits im Rah­men der Ei­ni­gungs­stel­le über die Möglich­keit zur Ver­mei­dung von Ent­las­sun­gen, ins­be­son­de­re über die Er­rich­tung ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft, be­ra­ten, und freue sich, die Be­ra­tun­gen über die Ver­mei­dung von Ent­las­sun­gen an die­ser Stel­le fort­set­zen zu können, nimmt Be­zug auf die lau­fen­den Ei­ni­gungs­stel­len­ver­hand­lun­gen und steht im Wi­der­spruch da­zu, dass die Be­klag­te die Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und da­mit über die Fra­ge, ob und ggf. wie die ge­plan­te Be­triebsände­rung durch­geführt wer­den sol­le, be­reits im De­zem­ber 2014 für ge­schei­tert erklärt hat­te. Durch die Erklärung des Schei­terns der Ver­hand­lun­gen in der Ei­ni­gungs­stel­le über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich hat die Be­klag­te dem Be­triebs­rat ge­genüber deut­lich ge­macht, dass sie nicht mehr be­reit sei, über die Ver­mei­dung oder Ein­schränkung der ge­plan­ten bzw. von der Ge­sell­schaf­te­rin be­schlos­se­nen Ent­las­sun­gen zu ver­han­deln. Je­den­falls lässt sich dem Schrei­ben nicht mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit ent­neh­men, dass die Be­klag­te ent­ge­gen ih­ren frühe­ren Erklärun­gen das zusätz­lich er­for­der­li­che Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren ein­lei­ten woll­te. „Ob und Wie“ der Mas­sen­ent­las­sung, die hier iden­tisch ist mit der in der Ei­ni­gungs­stel­le über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ver­han­del­ten Be­triebsände­rung, wa­ren mit dem Ab­bruch der Ver­hand­lun­gen durch die Be­klag­te aus Sicht des Be­triebs­rats nicht mehr Ge­gen­stand der an­ge­bo­te­nen Be­ra­tun­gen; viel­mehr ging es in der fort­geführ­ten Ei­ni­gungs­stel­le nur noch Fol­gen­min­de­run­gen in Ge­stalt ei­nes So­zi­al­plans. Es gab auch kei­ne Auf­for­de­rung zu ei­ner Re­ak­ti­on des Be­triebs­rats. Oh­ne die­se Klar­stel­lung können die dann im Rah­men der wei­te­ren So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen geführ­ten Gespräche nicht als Durchführung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens an­ge­se­hen wer­den. Für den Be­triebs­rat ist er­heb­lich, ob der Ar­beit­ge­ber (nur) sei­nen Ver­pflich­tun­gen gem. § 112 Be­trVG (Ver­such ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs) nach­kom­men, zu­gleich oder aus­sch­ließlich den An­spruch des Be­triebs­rats auf Ab­schluss ei­nes So­zi­al­plans erfüllen und/oder mit dem Be­triebs­rat nach § 17 Abs. 2 S. 2 KSchG be­ra­ten will. Denn für die Wil­lens­bil­dung des Be­triebs­rats ist es von Be­deu­tung, ob es Sinn hat, über Al­ter­na­ti­ven für die vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­leg­te Pla­nung bzw. Be­schluss­la­ge nach­zu­den­ken, ggf. ent­spre­chen­de Vor­schläge zu un­ter­brei­ten und ins­be­son­de­re auch Beiträge der Ar­beit­neh­mer zur Kos­ten­sen­kung an­zu­bie­ten, oder ob es al­lein um die Do­tie­rung ei­nes So­zi­al­pla­nes und die da­mit im Fal­le der Be­klag­ten zu­sam­menhängen­den Rechts­fra­gen ei­nes Kon­zern­durch­griffs geht.

Der Be­triebs­rat muss­te das Schrei­ben vom 2.1.2015 da­her so ver­ste­hen, dass es in den be­vor­ste­hen­den Ver­hand­lun­gen der Ei­ni­gungs­stel­le - wie auch tatsächlich ge­sche­hen - nur noch um den In­halt, ins­be­son­de­re die Do­tie­rung ei­nes So­zi­al­plans ge­hen sol­le. Zu er­geb­nis­of­fe­nen Ver­hand­lun­gen darüber, ob und ggf. wie Ent­las­sun­gen ver­mie­den wer­den könn­ten, war die Be­klag­te im Ja­nu­ar 2015 er­sicht­lich nicht (mehr) be­reit.

Dies folgt schließlich auch dar­aus, dass die Be­klag­te den Be­triebs­rat nicht ge­fragt, ge­schwei­ge denn mit ihm ver­ein­bart hat, ob bzw. dass der Ver­fah­rens­ge­gen­stand der lau­fen­den Ei­ni­gungs­stel­le um das The­ma Kon­sul­ta­ti­on zu Mas­sen­ent­las­sun­gen er­wei­tert wer­de. Auch aus den Pro­to­kol­len der Ei­ni­gungs­stel­len­ver­hand­lun­gen im Ja­nu­ar 2015 er­gibt sich nicht, dass ei­ne Verständi­gung darüber, im Rah­men der Ei­ni­gungs­stel­le nun­mehr das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren durch­zuführen, er­zielt wor­den wäre. Es ist auch nicht er­kenn­bar, ob und ggf. wann und wie ei­ne sol­che Er­wei­te­rung des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des dem Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den mit­ge­teilt wur­de.

cc) Der Be­triebs­rat hat auf die Durchführung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens we­der ver­zich­tet noch ein sol­ches ab­sch­ließend ab­ge­lehnt. Aus dem Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 14. Ja­nu­ar 2015 er­gibt sich nicht, der Be­triebs­rat mein­te, ihm stünden wei­te­re Rech­te zu, auf de­ren Ausübung er aber ver­zich­ten wol­le.“

Die­sen über­zeu­gen­den Ausführun­gen (ähn­lich auch schon LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 11.12.2015 - 9 Sa 1397/15) schließt sich die er­ken­nen­de Kam­mer voll­umfäng­lich an (im Er­geb­nis eben­so LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 26.11.2015 - 10 Sa 1700/15 -; vom 15.12.2015 - 26 Sa 1263/15 u. 26 Sa 1668/15 -; a. A. u. a. LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 01.12.2015 - 7 Sa 1288/15 -; vom 11.12.2015 - 2 Sa 1267/15 u. 2 Sa 1671/15).

c) Die Kündi­gung verstößt außer­dem ge­gen § 17 Abs. 3 KSchG. Die Be­klag­te hat kei­ne den An­for­de­run­gen die­ser Vor­schrift genügen­de Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge er­stat­tet.

aa) Nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG hat die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber, die oder der nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG ver­pflich­tet ist, der Agen­tur für Ar­beit Ent­las­sun­gen an­zu­zei­gen, sei­ner schrift­li­chen An­zei­ge die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats „zu den Ent­las­sun­gen“ bei­zufügen. Nach § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG ist die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge auch dann wirk­sam, wenn zwar ei­ne Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats nicht vor­liegt, die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber aber glaub­haft macht, dass sie oder er den Be­triebs­rat min­des­tens zwei Wo­chen vor der Er­stat­tung der An­zei­ge nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG un­ter­rich­tet hat, und gleich­zei­tig den Stand der Be­ra­tun­gen dar­legt. Die Beifügung der Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats bzw. das Vor­brin­gen des Ar­beit­ge­bers nach § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG ist Vor­aus­set­zung für die Wirk­sam­keit der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge (BAG vom 26.02.2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 32 ff. m. w. N., a. a. O.).

bb) Vor­lie­gend lag zwar kei­ne Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats vor, wel­che die Be­klag­te der An­zei­ge vom 28. Ja­nu­ar 2015 hätte beifügen können. Je­doch hat die Be­klag­te in der An­zei­ge den Stand der Be­ra­tun­gen nicht genügend dar­ge­legt.

Da­zu hat die Kam­mer 24 des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg im Ur­teil vom 20. Ja­nu­ar 2016 - 24 Sa 1261/15 und 24 Sa 1667/15 - Fol­gen­des aus­geführt:

„b) Ei­ne Stel­lung­nah­me i.S.v. § 17 Abs. 3 S. 2 KSchG kann in dem Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 14. 1. 2015 frei­lich nicht ge­se­hen wer­den.

aa) Die nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG bei­zufügen­de Stel­lung­nah­me muss sich auf das Er­geb­nis der nach § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG er­for­der­li­chen Be­ra­tun­gen über die Möglich­kei­ten be­zie­hen, Ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder ein­zu­schränken und ih­re Fol­gen zu mil­dern. Ob­wohl § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG kei­ne ex­pli­zi­ten Aus­sa­gen zum er­for­der­li­chen In­halt der Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats trifft und der Ar­beit­ge­ber die­sen In­halt nicht be­ein­flus­sen kann, genügt nicht je­de Äußerung des Be­triebs­rats den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen. Um der Agen­tur für Ar­beit Aus­kunft darüber ge­ben zu können, ob und wel­che Möglich­kei­ten er sieht, die an­ge­zeig­ten Kündi­gun­gen zu ver­mei­den, und zu­gleich zu be­le­gen, dass so­zia­le Maßnah­men mit ihm be­ra­ten und ggf. ge­trof­fen wor­den sind (BAG 21. März 2012 - 6 AZR 596/10 - Rn. 22; 18. Ja­nu­ar 2012 - 6 AZR 407/10 - Rn. 45, BA­GE 140, 261), muss sich der Be­triebs­rat in ei­ner Wei­se äußern, die er­ken­nen lässt, dass er sei­ne Be­tei­li­gungs­rech­te als ge­wahrt an­sieht und dass es sich um ei­ne ab­sch­ließen­de Erklärung zu den vom Ar­beit­ge­ber be­ab­sich­tig­ten Kündi­gun­gen han­delt (BAG 21. März 2012 - 6 AZR 596/10 - Rn. 33). Dafür reicht auch die ein­deu­ti­ge Mit­tei­lung aus, kei­ne Stel­lung neh­men zu wol­len (BAG 28. Ju­ni 2012 - 6 AZR 780/10 - Rn. 53, BA­GE 142, 202).

bb) Die­sen An­for­de­run­gen genügt das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 14. 1. 2015 nicht. Der Be­triebs­rat hat dort dar­um ge­be­ten, von der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge zunächst ab­zu­se­hen, und auf die Stel­lung­nah­me von RA K. vom 15.12.2014 ver­wie­sen. Dies kann in der Zu­sam­men­schau nur da­hin ver­stan­den wer­den, dass der Be­triebs­rat noch wei­te­ren In­for­ma­ti­ons- und Be­ra­tungs­be­darf sah und des­halb mein­te, ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me noch nicht ab­ge­ben zu können. Aus sei­nen Ausführun­gen er­gibt sich da­mit nicht, dass sie das Er­geb­nis be­reits ab­ge­schlos­se­ner Be­ra­tun­gen iSv. § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG ge­we­sen wären (vgl. BAG 21. März 2013 - 2 AZR 60/12 - Rn. 37, BA­GE 144, 366). Der Be­triebs­rat hat ge­ra­de nicht kund­ge­tan, dass er sei­nen Ver­hand­lungs­an­spruch als erfüllt be­trach­te, son­dern das ge­naue Ge­gen­teil.

c) Dar­aus folgt je­doch nicht, dass die Äußerung des Be­triebs­rats un­be­acht­lich ge­we­sen wäre bzw. der Ar­beit­ge­ber frei darüber ent­schei­den durf­te, ob er die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge beifüge, sie bei der Dar­le­gung des Stan­des der Be­ra­tun­gen we­nigs­tens in­halt­lich dar­stel­le oder sie nicht erwähne. Auch wenn nicht je­de Äußerung des Be­triebs­rats den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen genügt (BAG 26. Fe­bru­ar 2015 - 2 AZR 955/13 - NZA 2015, 881, Rn. 38), folgt hier­aus nicht, dass ei­ne in­halt­li­che Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats, die aus­drück­lich auf die an­gekündig­te Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge Be­zug nimmt und sich zum Stand der Be­ra­tun­gen äußert, nicht bei­zufügen wäre.

aa) Nach § 17 Abs. 3 S. 3 KSchG kann der Ar­beit­ge­ber auch dann, wenn ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats nicht vor­liegt, die An­zei­ge wirk­sam er­stat­ten, wenn er glaub­haft macht, dass er den Be­triebs­rat min­des­tens zwei Wo­chen vor Er­stat­tung der An­zei­ge nach § 17 Abs. 2 S. 1 KSchG un­ter­rich­tet hat und er den Stand der Be­ra­tun­gen dar­legt. § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG er­fasst nicht nur den Fall des gänz­li­chen Feh­lens der Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats, son­dern auch den ei­ner un­genügen­den Stel­lung­nah­me. Der Ar­beit­ge­ber kann auch in letz­te­rem Fall die Un­wirk­sam­keit der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ver­hin­dern, in­dem er ihr nicht nur die un­zu­rei­chen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats beifügt, son­dern zusätz­lich nach § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG verfährt (BAG 28.06.2012 - 6 AZR 780/10 - BA­GE 142, 202, Rn. 58). Die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats ge­genüber der Ar­beits­ver­wal­tung soll be­le­gen, ob und wel­che Möglich­kei­ten die­ser sieht, die an­ge­zeig­ten Kündi­gun­gen zu ver­mei­den, und dass so­zia­le Maßnah­men mit dem Be­triebs­rat be­ra­ten und ggf. ge­trof­fen wor­den sind. Außer­dem soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne ihm ungüns­ti­ge Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats der Ar­beits­ver­wal­tung nicht ver­schwei­gen kann (BAG 18. Ja­nu­ar 2012 - 6 AZR 407/10 - Rn. 45, ZIP 2012, 1193; 21. März 2012 - 6 AZR 596/10 - Rn. 22, ZIP 2012, 1259; 28. Ju­ni 2012 - 6 AZR 780/10 - BA­GE 142, 202, Rn. 53). Die Beifügung der Stel­lung­nah­me dient der Be­ur­tei­lung der Ar­beits­ver­wal­tung, ob die Be­triebs­par­tei­en auf der Grund­la­ge hin­rei­chen­der In­for­ma­tio­nen des Be­triebs­rats tatsächlich über die Mas­sen­ent­las­sung und ins­be­son­de­re die Ver­mei­dung ei­ner sol­chen be­ra­ten ha­ben.

bb) Die­ser Ge­set­zes­zweck spricht im Ent­schei­dungs­fall für ei­ne Pflicht zur Vor­la­ge der vom Be­triebs­rat aus­weis­lich der Be­zug­nah­me „Ih­re Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge“ aus­drück­lich hier­zu er­folg­ten (im Sin­ne des § 17 Abs. 3 S. 2 KSchG un­zu­rei­chen­den) Stel­lung­nah­me oder we­nigs­tens zur in­halt­li­chen Wi­der­ga­be in der Dar­le­gung des Stan­des der Be­ra­tun­gen nach § 17 Abs. 3 S. 3 KSchG. Dem Ge­set­zes­zweck wi­derspräche da­ge­gen die Zu­bil­li­gung ei­nes Rechts des Ar­beit­ge­bers, vor­weg zu be­wer­ten, ob ei­ne vom Be­triebs­rat ab­ge­ge­be­ne Äußerung als hin­rei­chend re­le­vant für die Prüfung der Ar­beits­ver­wal­tung an­zu­se­hen sei.

cc) Zu­dem ist die Dar­stel­lung der Be­klag­ten in der An­zei­ge, der Be­triebs­rat ha­be kei­ne ge­son­der­te Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben und kei­ne wei­te­ren, ge­son­der­ten Be­ra­tun­gen ver­langt, ob­jek­tiv un­zu­tref­fend oder min­des­tens ir­reführend.

(1) Mit sei­nem Schrei­ben vom 14.1.2015 nimmt der Be­triebs­rat Stel­lung zu „Ih­rer Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge vom 02.01.2015“, in­dem er auf die als An­la­ge bei­gefügte Stel­lung­nah­me von Rechts­an­walt K. vom 15. De­zem­ber 2014 ver­weist. In die­ser wird ei­ne un­zu­rei­chen­de In­for­ma­ti­on gel­tend ge­macht; zu­dem wird ausführ­lich dar­ge­legt, dass die Ar­beit­ge­ber­sei­te aus Sicht des Be­triebs­rats we­der über das „Ob“ im Sin­ne von Al­ter­na­ti­ven zur ge­plan­ten Be­triebsände­rung noch über das „Wie“ im Sin­ne von Mo­di­fi­ka­tio­nen be­ra­ten ha­be, wo­bei der Be­triebs­rat man­gels hin­rei­chen­der In­for­ma­tio­nen kei­ne kon­kre­ten Al­ter­na­ti­ven vor­schla­gen könne. Mit sei­nem An­schrei­ben und sei­ner Be­zug­nah­me erklärt der Be­triebs­rat, dass er die­ses nach wie vor als Sach­stand für ak­tu­ell hal­te. Der Be­triebs­rat da­mit gel­tend ge­macht, er könne man­gels hin­rei­chen­der In­for­ma­ti­on kei­ne kon­kre­ten Vor­schläge zur Ver­mei­dung der Ent­las­sun­gen un­ter­brei­ten und aus­geführt, wes­halb die Be­klag­te sich auf­grund der Zu­sam­men­ar­beit, die in­ner­halb ei­nes be­ste­hen­den Kon­zern­zu­sam­men­hangs er­fol­ge, nicht al­lein auf ei­ne Kündi­gung von Auf­trägen ei­nes über­ge­ord­ne­ten Un­ter­neh­mens be­ru­fen könne. Am En­de wird an­ge­regt, er­geb­nis­of­fe­ne Ver­hand­lun­gen un­ter Be­tei­li­gung der vom Be­triebs­rat als maßgeb­li­che Ent­schei­dungs­träger an­ge­se­he­nen Her­ren C. oder M. Wis­ser durch­zuführen. Dies konn­te die Be­klag­te nur so ver­ste­hen, dass der Be­triebs­rat mein­te, er könne und wer­de ge­eig­ne­te Vor­schläge zur Ver­mei­dung von Ent­las­sun­gen un­ter­brei­ten, falls und wenn er im Be­sitz der von ihm ge­for­der­ten In­for­ma­tio­nen sei.

(2) Die­sen Stand der Be­ra­tun­gen hat die Be­klag­te nicht zu­tref­fend wie­der­ge­ge­ben. Die Dar­stel­lung der Be­klag­ten in Ziff. 6 der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge kann nur so ver­stan­den wer­den, dass der Be­triebs­rat nicht mehr über das „Ob und Wie“ der Mas­sen­ent­las­sung ver­han­deln woll­te, son­dern nur noch ei­nen (Trans­fer-) So­zi­al­plan ver­langt ha­be, und dem mit der Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le Rech­nung ge­tra­gen sei. Dies wird dem sich aus dem Schrei­ben vom 14.1.2015 er­ge­ben­den An­lie­gen des Be­triebs­rats, nach dem Er­halt der aus sei­ner Sicht feh­len­den In­for­ma­tio­nen mit den ei­gent­li­chen Ent­schei­dungs­trägern über Al­ter­na­ti­ven zur Mas­sen­ent­las­sung zu ver­han­deln, nicht ge­recht.

(3) Ob das In­for­ma­ti­ons­ver­lan­gen des Be­triebs­rats sach­lich be­rech­tigt war und ob die Be­klag­te ver­pflich­tet und in der La­ge ge­we­sen wäre, dem An­sin­nen des Be­triebs­rats, Ver­hand­lun­gen mit den Her­ren W. zu führen, nach­zu­kom­men, ist in die­sem Zu­sam­men­hang un­er­heb­lich. Die Be­klag­te hätte ih­re Rechts­auf­fas­sung hier­zu der Ar­beits­ver­wal­tung mit­tei­len und so si­cher­stel­len können, dass die­se auf der Grund­la­ge vollständi­ger In­for­ma­tio­nen ih­re Prüfung hätte vor­neh­men können.“

Auch die­se Ausführun­gen sind über­zeu­gend, wes­halb sich die er­ken­nen­de Kam­mer die­sen eben­falls voll­umfäng­lich an­sch­ließt (im Er­geb­nis eben­so u. a. LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 11.12.2105 - 9 Sa 1397/15 -; vom 15.12.2015 - 11 Sa 1506/15 -; vom 15.12.2015 - 26 Sa 1263/15 u. 26 Sa 1263/15 -; a. A. u. a. LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 01.12.2015 - 7 Sa 1288/15 - und vom 11.12.2015 - 2 Sa 1267/15 u. 2 Sa 1671/15).

d) So­wohl der Ver­s­toß ge­gen die Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht nach § 17 Abs. 2 KSchG als auch der Ver­s­toß ge­gen die An­zei­ge­pflicht nach § 17 Abs. 3 KSchG ha­ben we­gen Ver­s­toßes ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot i. S. d. § 134 BGB die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung zur Fol­ge. Die Durchführung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens so­wie die Er­stat­tung ei­ner wirk­sa­men Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge sind je­weils für sich ge­se­hen Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für die Kündi­gung (vgl. BAG vom 21.03.2013
- 2 AZR 60/12 - Rn. 19 u. 42, AP Nr. 45 zu § 17 KSchG 1969). Al­lein die­se Rechts­fol­ge ver­leiht den mit dem Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren und dem An­zei­ge­er­for­der­nis ver­folg­ten Zie­len des Ar­beit­neh­mer­schut­zes - wie sie auch der Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20. Ju­li 1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen (MERL), de­ren Um­set­zung § 17 KSchG dient, zu­grun­de lie­gen - prak­ti­sche Wirk­sam­keit und ent­spricht dem uni­ons­recht­li­chen Grund­satz des „ef­fet uti­le“ (vgl. BAG vom 21.03.2013 - 2 AZR 60/12 - Rn. 26 u. 45, a. a. O.; KR-Wei­gand, § 17 KSchG Rn. 158).

e) Die Kläge­rin hat sich i. S. d. § 6 KSchG erst­in­stanz­lich auch auf die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung we­gen nicht ord­nungs­gemäßer Durchführung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens so­wie des An­zei­ge­ver­fah­rens be­ru­fen (da­zu BAG vom 20.01.2016 - 6 AZR 601/14 - Rn. 16, ZIP 2016, 633).

2. Die er­neu­te vor­sorg­li­che Kündi­gung vom 27. Ju­ni 2015 ist eben­falls nach § 17 Abs. 2 KSchG i. V. m. § 134 BGB un­wirk­sam.

a) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 17 Abs. 1 KSchG lie­gen auch bezüglich die­ser Kündi­gung vor. Bei den En­de Ju­ni 2015 vor­sorg­lich er­neut aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen han­delt es sich um an­zei­ge­pflich­ti­ge Ent­las­sun­gen i. S. d. § 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KSchG.

b) Die Kündi­gung verstößt ge­gen § 17 Abs. 2 KSchG, weil die Be­klag­te die endgülti­ge Ent­schei­dung über ei­ne er­neu­te Mas­sen­ent­las­sung ge­trof­fen und die Kündi­gung aus­ge­spro­chen hat, be­vor das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren mit dem Be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen war. Da­bei kann dies­bezüglich of­fen blei­ben, ob die In­for­ma­tio­nen, die der Be­triebs­rat von der Be­klag­ten bezüglich der be­ab­sich­tig­ten Mas­sen­ent­las­sung er­hal­ten hat, den An­for­de­run­gen des § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG genügen. Denn je­den­falls konn­te die Be­klag­te, als ent­we­der sie oder die GGB die endgülti­ge Ent­schei­dung ge­trof­fen hat, die ge­plan­te Mas­sen­ent­las­sung durch­zuführen, und die Be­klag­te die er­neu­ten Kündi­gun­gen aus­ge­spro­chen hat, nicht da­von aus­ge­hen, dass das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren be­reits ab­ge­schlos­sen ist.

aa) Nach § 17 Abs. 2 KSchG darf die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber ei­ne Mas­sen­ent­las­sung erst vor­neh­men, nach­dem das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren mit dem Be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen ist (BAG vom 21. März 2013 - 2 AZR 60/12 - Rn. 26 u. 28, a. a. O.). Dies ent­spricht den Vor­ga­ben der MERL. Nach der Ent­schei­dung des EuGH vom 27. Ja­nu­ar 2005 in der Rechts­sa­che C-188/03 - Junk darf die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber Mas­sen­ent­las­sun­gen erst nach En­de des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens i. S. d. Art. 2 der Richt­li­nie und nach der An­zei­ge der be­ab­sich­ti­gen Mas­sen­ent­las­sung i. S. d. Art. 3 und 4 der Richt­li­nie vor­neh­men (Rn. 54, AP Nr. 18 zu § 17 KSchG). Art 2 der Richt­li­nie be­gründe ei­ne Ver­pflich­tung zu Ver­hand­lun­gen, um über die Möglich­kei­ten, Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder zu be­schränken und ih­re Fol­gen zu mil­dern, zu ei­ner Ei­ni­gung zu ge­lan­gen (Rn. 42 f., a. a. O.). Die prak­ti­sche Wirk­sam­keit ei­ner sol­chen Ver­pflich­tung wer­de be­ein­träch­tigt, wenn die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­verträge während oder so­gar schon zu Be­ginn des Ver­fah­rens kündi­gen dürf­te, weil es für die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung er­heb­lich schwie­ri­ger wäre, die Rück­nah­me ei­ner be­reits ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung zu er­rei­chen als den Ver­zicht auf ei­ne be­ab­sich­tig­te Ent­las­sung (Rn. 44, a. a. O.). Die Kündi­gung des Ar­beits­ver­trags dürfe al­so erst nach En­de des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens aus­ge­spro­chen wer­den, d. h. nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber die Ver­pflich­tun­gen nach Art. 2 der Richt­li­nie erfüllt ha­be (Rn. 45, a. a. O.). In sei­ner Ent­schei­dung vom 10. Sep­tem­ber 2009 in der Rechts­sa­che C-44/08 - Kes­kus­liit­to hat der EuGH dies noch­mals be­kräftigt und ergänzend aus­geführt, das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren müsse ab­schlos­sen sein, be­vor ei­ne Ent­schei­dung über die Kündi­gung der Ar­beits­verträge ge­trof­fen wer­de (Rn. 70, AP Nr. 3 zu Richt­li­nie 98/59/EG). Bei ei­nem Kon­zern könne ei­ne Ent­schei­dung der Mut­ter­ge­sell­schaft, die ei­ne ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaf­ten un­mit­tel­bar zwin­ge, die Verträge der von Mas­sen­ent­las­sun­gen be­trof­fe­nen Beschäftig­ten zu kündi­gen, erst ge­trof­fen wer­den, wenn das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren in­ner­halb die­ser Toch­ter­ge­sell­schaft ab­ge­schlos­sen sei, an­dern­falls müsse die­se als Ar­beit­ge­be­rin die Fol­gen der Nicht­ein­hal­tung die­ses Ver­fah­rens tra­gen (Rn. 71, a. a. O.).

bb) Wann das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren zu­min­dest, was das „Ob“, den Um­fang und den Zeit­punkt der Mas­sen­ent­las­sung be­trifft, als ab­ge­schlos­sen be­trach­tet wer­den kann, ist noch nicht im Ein­zel­nen geklärt (vgl. da­zu BVerfG vom 25.02.2010 - 1 BvR 230/09 - Rn. 36, AP Nr. 65 zu Art. 101 GG).

(1) Un­zwei­fel­haft ab­ge­schlos­sen ist das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nur, wenn sich die Be­triebs­par­tei­en ge­ei­nigt ha­ben oder wech­sel­sei­tig da­von aus­ge­hen, dass al­le Ei­ni­gungs­ver­su­che aus­geschöpft sind und das Ver­fah­ren übe­rein­stim­mend als be­en­det an­se­hen (vgl. ErfK-Kiel, § 17 Rn. 25a; KR-Wei­gand, § 17 Rn. 103) oder wenn der Be­triebs­rat ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben hat (ErfK-Kiel, § 17 Rn. 25). Ha­ben die Be­triebs­par­tei­en je­doch we­der ei­ne Ei­ni­gung über die ge­plan­te Mas­sen­ent­las­sung er­zielt, noch darüber, dass kei­ne Ei­ni­gung möglich ist und hat der Be­triebs­rat auch (noch) kei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben, ist of­fen, wann die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber das Ver­fah­ren als ab­ge­schlos­sen an­se­hen und die Mas­sen­ent­las­sung vor­neh­men darf. Ins­be­son­de­re ist un­klar, wel­che kon­kre­ten An­stren­gun­gen die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber un­ter­neh­men muss, um mit der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung zu ei­ner Ei­ni­gung zu ge­lan­gen und wie viel Zeit er für die Ver­hand­lun­gen und die ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me einräum­en muss.

(2) Ei­nen kon­kre­ten Zeit­rah­men für die Kon­sul­ta­ti­on gibt we­der § 17 Abs. 2 KSchG, noch die MERL vor. Der in § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG ge­nann­te Zeit­raum von zwei Wo­chen ab der vollständi­gen Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG be­zieht sich nur auf die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge und be­trifft nicht das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren als sol­ches (vgl. BAG vom 26.02.2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 29, a. a. O.). Es kann des­halb auch of­fen blei­ben, ob und un­ter wel­chen Umständen die Re­ge­lung in § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG und die Zwei-Wo­chen-Frist mit der MERL im Ein­klang steht (vgl. BAG vom 26.02.2015 - 2 AZR 955/13 -, Rn. 30, a. a. O.). Für den Ab­schluss des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens kann der Zwei-Wo­chen-Frist grundsätz­lich nur dann Be­deu­tung zu­kom­men, wenn der Be­triebs­rat nach vollständi­ger Un­ter­rich­tung nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG in­ner­halb der Frist nicht re­agiert und ein ent­spre­chen­des Be­ra­tungs­an­ge­bot der Ar­beit­ge­be­rin oder des Ar­beit­ge­bers nicht wahr­nimmt (vgl. BAG vom 28.06.2014 - 6 AZR 780/120 - Rn. 57, AP Nr. 40 zu § 17 KSchG 1969; LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 26.02.2016 - 6 Sa 1581/15 - un­ter B. II. 2.5.1 der Gründe). In ei­nem sol­chen Fall darf der Ar­beit­ge­ber da­von aus­ge­hen, dass er sei­ner Be­ra­tungs­pflicht genüge ge­tan hat (Rein­hard, RdA 2007, 207, 214).

(3) Je­den­falls kann das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nicht ab­ge­schlos­sen sein, be­vor der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat nach der Er­tei­lung al­ler zweck­dien­li­chen Auskünf­te nicht genügend Ge­le­gen­heit für ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me ge­ge­ben hat.

Nach der Sys­te­ma­tik so­wie dem Sinn und Zweck des § 17 Abs. 2 KSchG spricht al­les dafür, dass die Be­ra­tun­gen nach dem Satz 2 der Vor­schrift zwar vor der vollständi­gen Un­ter­rich­tung nach ih­rem Satz 1 be­gin­nen, je­doch erst im An­schluss an die­se ab­ge­schlos­sen wer­den können. Auch nach Art. 2 der MERL, des­sen Um­set­zung § 17 Abs. 2 KSchG dient, muss die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber die er­for­der­li­chen Auskünf­te zwar nicht un­be­dingt zum Zeit­punkt der Eröff­nung der Kon­sul­ta­tio­nen er­tei­len, hat sie aber „im Ver­lauf des Ver­fah­rens“ zu ver­vollständi­gen und al­le ein­schlägi­gen In­for­ma­tio­nen bis zu des­sen Ab­schluss zu er­tei­len (EuGH vom 10.09.2009 - C-44/08 - <Kes­kus­liit­to> Rn. 52, 53, a. a. O.). Da­mit ist es in der Re­gel un­ver­ein­bar, das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren mit der vollständi­gen Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats als ab­ge­schlos­sen an­zu­se­hen. Die Ar­beit­ge­be­rin oder der Ar­beit­ge­ber muss viel­mehr ei­ne Re­ak­ti­on des Be­triebs­rats auf die ab­schießen­de Un­ter­rich­tung er­bit­ten und ab­war­ten. Sie oder er darf im Rah­men der ihr oder ihm zu­kom­men­den Be­ur­tei­lungs­kom­pe­tenz den Be­ra­tungs­an­spruch des Be­triebs­rats erst dann als erfüllt an­se­hen, wenn ent­we­der die Re­ak­ti­on, die auf die „fi­na­le“ - den Wil­len zu mögli­chen wei­te­ren Ver­hand­lun­gen er­ken­nen las­sen­de - Un­ter­rich­tung er­be­ten wor­den war, nicht bin­nen zu­mut­ba­rer Frist er­folgt oder sie aus Sicht der Ar­beit­ge­be­rin oder des Ar­beit­ge­bers kei­nen An­satz für wei­te­re, zielführen­de Ver­hand­lun­gen bie­tet (BAG vom 26.02.2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 29, a. a. O.; vgl. auch KR-Wei­gand, § 17 Rn. 103).

cc) In An­wen­dung die­ser Grundsätze hat die Be­klag­te die endgülti­ge Ent­schei­dung, die Mas­sen­ent­las­sung durch­zuführen und er­neut zu kündi­gen, zu ei­nem Zeit­punkt ge­trof­fen, als das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren noch nicht ab­ge­schlos­sen war.

(1) Nach­dem die Be­triebs­par­tei­en am 24. Ju­ni 2015 über die von der Be­klag­ten be­ab­sich­tig­te er­neu­te Mas­sen­ent­las­sung be­ra­ten hat­ten, hat­te die Be­klag­te dem Be­triebs­rat Ge­le­gen­heit für Ergänzun­gen und ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me bis zum fol­gen­den Tag um 18.00 Uhr ge­ge­ben und ist hier­von auch nicht ab­gerückt, nach­dem die Vor­sit­zen­de des Be­triebs­rats mit Fax­schrei­ben vom 25. Ju­ni 2015 ein­ge­wandt hat­te, nach den Be­ra­tun­gen am Vor­trag sei man so ver­blei­ben, dass der Geschäftsführer nach der Be­spre­chung mit der GGB sei­ne Sicht der Din­ge so recht­zei­tig mit­tei­le, dass das ge­sam­te Gre­mi­um am nächs­ten Diens­tag darüber be­ra­ten könne. Viel­mehr hat die Be­klag­te oder die GGB als de­ren al­lein­stimm­be­rech­tig­te Ge­sell­schaf­te­rin, die endgülti­ge Ent­schei­dung, die ge­plan­te Mas­sen­ent­las­sung vor­zu­neh­men, noch am Abend des 25. Ju­ni 2015, spätes­tens am Mor­gen des fol­gen­den Ta­ges ge­trof­fen und am dar­auf fol­gen­den Tag, dem 27. Ju­ni 2015, die Kündi­gun­gen er­neut aus­ge­spro­chen. So heißt es am En­de der der Agen­tur für Ar­beit Cott­bus am 26. Ju­ni 2015 per Fax zwecks Er­stat­tung der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge über­sand­ten Schrei­bens von dem­sel­ben Tag, nach Be­ra­tun­gen mit GGB ha­be sie sich ent­schlos­sen, „die Kündi­gun­gen zu wie­der­ho­len und dies dem Be­triebs­rat ent­spre­chend heu­te mor­gen (…) mit­ge­teilt“.

(2) Die dem Be­triebs­rat ein­geräum­te Frist für die ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me von nicht ein­mal 24 St­un­den war viel zu kurz, als dass die­ser ei­ne rea­lis­ti­sche Chan­ce ge­habt hätte, ei­ne sol­che tatsächlich ab­zu­ge­ben. Da­bei ist zu berück­sich­tig­ten, dass Adres­sat der Kon­sul­ta­ti­on nach § 17 Abs. 2 KSchG der Be­triebs­rat als Kol­le­gi­al­or­gan ist (BAG vom 26.02.2012 - 2 AZR 955/13 - Rn. 21 m. w. N., a. a. O.) und die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de nicht an­stel­le des Be­triebs­rats han­deln kann, son­dern nach § 26 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG die­sen nur im Rah­men der von die­sem ge­fass­ten Be­schlüssen ver­tritt. Ein wirk­sa­mer Be­schluss des Be­triebs­rats setzt nach § 29 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG aber ei­ne recht­zei­ti­ge Ein­la­dung zu ei­ner Sit­zung un­ter Mit­tei­lung der Ta­ges­ord­nung vor­aus (st. Rspr. des BAG z. B. BAG vom 04.11.2015 - 7 ABR 61/13 - Rn. 32, ju­ris). Dass dies in­ner­halb der ge­setz­ten Frist ein­sch­ließlich Be­ra­tung und Be­schluss­fas­sung möglich ge­we­sen wäre, ist le­bens­fremd. Dies gilt erst recht, wenn - wie hier - al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der we­gen der Ein­stel­lung der Be­triebstätig­keit durch die Ar­beit­ge­be­rin oder den Ar­beit­ge­ber von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt sind und des­halb nicht so schnell zu ei­ner außer­or­dent­li­chen Sit­zung zu­sam­men­ge­ru­fen wer­den können, wie wenn sie oh­ne­hin im Be­trieb an­we­send sind. Je­den­falls ist dem Be­triebs­rat die Ein­hal­tung ei­ner der­art kur­zen Frist nach den Grundsätzen der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit des § 2 Abs. 1 Be­trVG nicht zu­mut­bar (eben­so LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 26.02.2016 - 6 Sa 1581/15 - un­ter B. II. 2.5.2 der Gründe).

(3) Die Be­klag­te hat­te den Be­triebs­rat auch nicht im Vor­feld der Be­ra­tun­gen am 24. Ju­ni 2015 dar­auf vor­be­rei­tet oder zu­min­dest vor­ge­warnt, dass sie in­ner­halb kürzes­ter Frist nach den Be­ra­tun­gen ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me er­war­tet. Den im Zu­sam­men­hang mit der Ter­min­su­che an den Be­triebs­rat ge­rich­te­ten Schrei­ben lässt sich ein sol­cher Hin­weis je­den­falls nicht ent­neh­men. Nicht ein­mal aus dem von der Be­klag­ten ge­fer­tig­ten Pro­to­koll der Be­ra­tun­gen er­gibt sich ei­ne sol­che Er­war­tung. Viel­mehr heißt es in dem Pro­to­koll le­dig­lich, dass Ergänzun­gen zum heu­ti­gen Gespräch und den dem Gespräch vor­an­ge­gan­ge­nen Schrei­ben des Be­triebs­rats noch bis 12.00 Uhr des fol­gen­den Ta­ges möglich sei­en. Vor ei­ner ab­sch­ließen­den Stel­lung­nah­me ist kei­ne Re­de.

(4) Die Be­klag­te konn­te auch nicht dar­auf ver­zich­ten, dem Be­triebs­rat Ge­le­gen­heit zu ei­ner ab­sch­ließen­den Stel­lung­nah­me zu ge­ben. Da­bei kann of­fen blei­ben, ob die Be­triebs­par­tei­en nach den Be­ra­tun­gen am 24. Ju­ni 2015 tatsächlich so ver­blie­ben wa­ren, wie von der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den in ih­rem Schrei­ben vom 26. Ju­ni 2015 ge­schil­dert, und ob der Be­triebs­rat vor der Ab­ga­be ei­ner ab­sch­ließen­den Stel­lung­nah­me er­war­ten konn­te, von dem Geschäftsführer über das Er­geb­nis der Be­spre­chung mit der GGB in­for­miert zu wer­den. Denn die Möglich­keit zu ei­ner ab­sch­ließen­den Stel­lung­nah­me war schon des­halb er­for­der­lich, weil an den Be­ra­tun­gen nicht der ge­sam­te Be­triebs­rat son­dern nur des­sen Vor­sit­zen­de zu­sam­men mit ei­nem ju­ris­ti­schen und ei­nem sach­verständi­gen Be­ra­ter teil­ge­nom­men hat­te und der Ver­hand­lungs­kom­mis­si­on während der Be­ra­tun­gen wei­te­re für die ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats re­le­van­te Auskünf­te er­teilt wor­den sind, bezüglich de­ren noch kei­ne Rück­kopp­lung mit dem Gre­mi­um und erst recht kei­ne Be­ra­tung in­ner­halb des Gre­mi­ums statt­fin­den konn­te.

So hat­te die Be­klag­te für die Be­ra­tun­gen als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge ei­ne Präsen­ta­ti­on er­stellt, die u. a. ei­ne Ana­ly­se der Be­sitzstände der noch ver­blie­be­nen Beschäftig­ten nach dem ÜTV VTV und nähe­re An­ga­ben zu der aus Sicht der Be­klag­ten er­for­der­li­chen Ab­sen­kung der Vergütung ent­hielt. Wei­ter wur­de der Ver­hand­lungs­kom­mis­si­on des Be­triebs­rats die von die­sem mit Schrei­ben vom 17. Ju­ni 2015 ge­be­te­ne Lis­te mit den Beschäftig­ten über­ge­ben, de­ren Ar­beits­verhält­nis zwi­schen Fe­bru­ar 2015 und dem 30. Ju­ni 2015 ge­en­det hat­te. Dafür, dass die Präsen­ta­ti­on wei­te­re dem Be­triebs­rat bis­her je­den­falls so noch nicht vor­lie­gen­de In­for­ma­tio­nen ent­hielt, spricht auch die Bit­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de, ihr die Präsen­ta­ti­on bis Mon­tag zur Verfügung zu stel­len, weil der Be­triebs­rat als Gre­mi­um am Diens­tag zu­sam­men­sit­zen wer­de. Außer­dem wer­den im Rah­men von Be­ra­tun­gen re­gelmäßig wei­te­re Auskünf­te er­teilt oder be­reits er­teil­te Auskünf­te wei­ter ver­deut­licht, so dass in al­ler Re­gel nicht dar­auf ver­zich­tet wer­den kann, nach Be­ra­tun­gen mit ei­ner Ver­hand­lungs­kom­mis­si­on des Be­triebs­rats, die­sem vor ei­ner endgülti­gen Ent­schei­dung noch­mals die Möglich­keit für ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me zu ge­ben. Dass dies je­den­falls im vor­lie­gen­den Fall not­wen­dig ist, das sah of­fen­sicht­lich auch der Geschäftsführer der persönlich haf­ten­den Ge­sell­schaf­te­rin der Be­klag­ten so. Denn an­ders lässt sich der In­halt der E-Mail vom 24 Ju­ni 2015 nicht erklären.

c) Die Kläge­rin hat auch erst­in­stanz­lich die nicht ord­nungs­gemäße Durchführung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens gerügt.

3. Da­nach war dem Kündi­gungs­schutz­an­trag bezüglich der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gun­gen statt­zu­ge­ben, oh­ne dass es noch auf die wei­te­ren von der Kläge­rin erst­in­stanz­lich er­ho­be­nen Rügen an­kam. Mit der erst im Rah­men des Be­ru­fungs­ver­fah­rens er­ho­be­nen Rüge der man­geln­den Be­stimmt­heit der Kündi­gun­gen ist die Kläge­rin nach § 6 Satz 1 KSchG auf­grund des ent­spre­chen­dem Hin­wei­ses des Ar­beits­ge­richts in der Güte­ver­hand­lung am 16. März 2015 (Bl. 42 d. A.) präklu­diert.

B. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist eben­falls zulässig, je­doch nicht be­gründet.

I. Die Be­ru­fung ist nach § 8 Abs. 2, § 64 Abs. 1 und 2 Buchst. b ArbGG statt­haft. Auch wenn der Wert des Zah­lungs­an­tra­ges (Kla­ge­an­trag zu 1.) 600,00 Eu­ro nicht über­steigt, ist auf­grund des Wer­tes des Fest­stel­lungs­an­tra­ges (Kla­ge­an­trag zu 2.) der er­for­der­li­che Be­schwer­de­wert oh­ne wei­te­res er­reicht. Die Be­ru­fung ist auch form- und frist­ge­recht i. S. v. § 64 Abs. 6, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG, §§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Sie ist da­her zulässig.

II. Die Be­ru­fung ist je­doch nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge bezüglich der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall ein­sch­ließlich Ver­zugs­zin­sen zu Recht statt­ge­ge­ben. Der Zah­lungs­an­trag und der Fest­stel­lungs­an­trag, die die Ent­gelt­fort­zah­lung zum Ge­gen­stand ha­ben, sind zulässig und be­gründet. Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten die Zah­lung der für Zei­ten ih­rer Ar­beits­unfähig­keit in den Mo­na­ten Ok­to­ber und De­zem­ber 2014 so­wie Ja­nu­ar 2015 nachträglich gekürz­ten Be­sitz­stands­zu­la­ge ver­lan­gen. Der Zins­an­spruch folgt aus § 288 Abs. 1, § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB i. V. m. § 17 Abs. 1 MTV BVD. Nach § 17 Abs. 1 MTV BVD sind das Mo­nats­grun­dent­gelt und die Zu­la­gen bis zum 27. des lau­fen­den Mo­nats zu zah­len. Die Be­klag­te ist ver­pflich­tet, die Be­sitz­stands­zu­la­ge nach dem ÜTV VTV in die Be­rech­nung der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall ein­zu­be­zie­hen.

1. Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG ha­ben Beschäftig­te, wenn sie durch Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge Krank­heit an ih­rer Ar­beits­leis­tung ver­hin­dert wird, oh­ne dass sie ein Ver­schul­den trifft, ei­nen An­spruch ge­gen die Ar­beit­ge­be­rin oder den Ar­beit­ge­ber auf Ent­gelt­fort­zah­lung für die Zeit der Ar­beits­unfähig­keit bis zur Dau­er von sechs Wo­chen. Nach § 4 Abs. 1 EFZG ist Beschäftig­ten für den in § 3 Abs. 1 EFZG be­zeich­ne­ten Zeit­raum das ih­nen bei der für sie maßge­ben­den re­gelmäßigen Ar­beits­zeit zu­ste­hen­de Ar­beits­ent­gelt fort­zu­zah­len. Nach dem im § 4 Abs. 1 EFZG ver­an­ker­ten Ent­gel­t­aus­fall­prin­zip er­hal­ten Beschäftig­te grundsätz­lich die vol­le Vergütung für die aus­ge­fal­le­ne re­gelmäßige Ar­beits­zeit (vgl. BAG vom 01.09.2010 - 5 AZR 557/09 - Rn. 11, NZA 2010, 1360). Hier­zu gehört - wie be­reits meh­re­re Kam­mern des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg ent­schie­den ha­ben - auch die Be­sitz­stands­zu­la­ge nach Ab­schnitt B Teil 2 I. ÜTV VTV.

2. Die Kam­mer 3 des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg hat da­zu im Ur­teil vom 12. De­zem­ber 2014 - 3 Sa 1427/14 - (Rn. 70 ff. zi­tiert nach ju­ris) Fol­gen­des aus­geführt:

„Wie sich be­reits aus der Über­schrift des Teils 2 zum ÜTV VTV er­gibt, wer­den dort Vor­schrif­ten zur Ent­gelt­si­che­rung ge­re­gelt. Mit der Zah­lung der Be­sitz­stands­zu­la­ge wird si­cher­ge­stellt, dass die Ar­beit­neh­mer, die nach dem Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 10 und dem An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag vom 10. Mai 2012 und sons­ti­gen Vergütungs­ta­rif­verträgen, die al­le­samt mit In­kraft­tre­ten des MTV BVD und des VTV BVD auf­ge­ho­ben wur­den, ein höhe­res Mo­nats­grun­dent­gelt be­an­spru­chen konn­ten als das Mo­nats­grun­dent­gelt der An­la­ge 3 zum VTV BVD zuzüglich der re­gelmäßigen Zu­la­gen nach § 5 Abs. 2 bis 4 VTV BVD je­den­falls wei­ter ein Ar­beits­ent­gelt in Höhe ih­res bis­he­ri­gen Mo­nats­grun­dent­gelts be­an­spru­chen können. Bei der un­ter Teil 2 auf­geführ­ten Be­sitz­stands­zu­la­ge han­delt es sich dem­nach um Ar­beits­ent­gelt.

cc) Mit den Be­stim­mun­gen in § 22 Abs. 8 MTV BVD iVm. der Son­der­re­ge­lung zu § 22 Abs. 8 MTV in der An­la­ge zum MTV für Ber­lin-Bran­den­burg ist nicht wirk­sam ei­ne von den Be­stim­mun­gen der §§ 3 Abs. 1 Satz 1, 4 Abs. 1 EFZG ab­wei­chen­de Re­ge­lung zur Höhe der Ent­gelt­fort­zah­lung ge­trof­fen wor­den, wo­nach die Be­sitz­stands­zu­la­ge nach Ab­schnitt B Teil 2 I. ÜTV VTV nicht bei der Ent­gelt­fort­zah­lung zu berück­sich­ti­gen ist.

(1) Durch Ta­rif­ver­trag kann nach § 4 Abs. 4 Satz 1 EFZG ei­ne von den Absätzen 1, 1a und 3 des § 4 EFZG ab­wei­chen­de Be­mes­sungs­grund­la­ge des fort­zu­zah­len­den Ar­beits­ent­gelts fest­ge­legt wer­den. „Be­mes­sungs­grund­la­ge“ im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist die Grund­la­ge für die Be­stim­mung der Höhe der Ent­gelt­fort­zah­lung. Hier­zu gehören so­wohl die Be­rech­nungs­me­tho­de (Aus­fall- oder Re­fe­renz­prin­zip) als auch die Be­rech­nungs­grund­la­ge. Die Be­rech­nungs­grund­la­ge setzt sich aus Geld- und Zeit­fak­tor zu­sam­men. Sie be­trifft Um­fang und Be­stand­tei­le des der Ent­gelt­fort­zah­lung zu­grun­de zu le­gen­den Ar­beits­ent­gelts so­wie die Ar­beits­zeit des Ar­beit­neh­mers (BAG 16. Ju­li 2014 - 10 AZR 242/13 - Rn. 17, ZTR 2014, 609; 18. No­vem­ber 2009 - 5 AZR 975/08 - Rn. 16; 24. März 2004 - 5 AZR 346/03 - zu II 3 der Gründe mwN, BA­GE 110, 90; vgl. auch BT-Drs. 12/5798 S. 26).

(2) Nach § 22 Abs. 8 MTV BVD iVm. der Son­der­reg­lung in der An­la­ge zum MTV für Ber­lin-Bran­den­burg, die auf­grund der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en an­zu­wen­den sind, ist als Vergütung während der Zeit der Ent­gelt­fort­zah­lung das an­tei­li­ge Mo­nats­grun­dent­gelt nach § 14 MTV zu zah­len. Das Mo­nats­grun­dent­gelt be­stimmt sich nach § 14 MTV nach dem je­weils gülti­gen Vergütungs­ta­rif­ver­trag. Der VTV BVD enthält kei­ne Re­ge­lun­gen zur Zah­lung der Be­sitz­stands­zu­la­ge. Da­mit wird we­der durch den MTV BVD noch durch den VTV BVD fest­ge­legt, dass dem Ar­beit­neh­mer im Krank­heits­fall als Ent­gelt­fort­zah­lung auch die Be­sitz­stands­zu­la­ge wei­ter­zu­zah­len ist. Al­ler­dings wird in die­sen bei­den Ta­rif­verträgen auch nicht aus­drück­lich aus­geführt, dass die Be­sitz­stands­zu­la­ge nicht als Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall zu leis­ten ist. Dem­nach schließt der Wort­laut der ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen im MTV BVD und VTV BVD nicht zwin­gend aus, dass als Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall auch die Be­sitz­stands­zu­la­ge nach dem ÜTV VTV zu zah­len ist. Zu be­ach­ten ist fer­ner, dass Grund­la­ge für den An­spruch auf Zah­lung der Be­sitz­stands­zu­la­ge der ÜTV VTV und nicht der MTV VTV ist. Im ÜTV VTV wird im Ab­schnitt B Teil 2 I. nor­miert, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Be­sitz­stands­zu­la­ge erhält. Die­se knüpft ge­ra­de an das Mo­nats­grun­dent­gelt an. Der Ar­beit­neh­mer soll da­nach die Zu­la­ge er­hal­ten, wenn sein Mo­nats­grun­dent­gelt nach den neu in Kraft ge­tre­te­nen ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen nied­ri­ger als sein bis­he­ri­ges Mo­nats­grun­dent­gelt ge­we­sen ist. Dem­nach kann be­reits die Re­ge­lung in Ab­schnitt B Teil 2. I. ÜTV VTV dafür spre­chen, dass im­mer dann, wenn ein Ar­beit­neh­mer An­spruch auf Zah­lung des Mo­nats­grun­dent­gelts (ge­ge­be­nen­falls an­tei­lig im Mo­nat) hat, ihm nach dem ÜTV VTV auch die Be­sitz­stands­zu­la­ge (ge­ge­be­nen­falls an­tei­lig im Mo­nat) zu zah­len ist. Ei­ner sol­chen Aus­le­gung steht Ab­schnitt B Teil 2. II. ÜTV VTV nicht ent­ge­gen, da die­se Be­stim­mung kei­ne Aus­sa­gen darüber enthält, ob und in wel­chen Fällen die Be­sitz­stands­zu­la­ge ne­ben dem Mo­nats­grun­dent­gelt an den Ar­beit­neh­mer zu zah­len ist, son­dern nur re­gelt, in wel­chen Fällen sich die Zah­lung der Be­sitz­stands­zu­la­ge auf im MTV ge­re­gel­te Zu­schläge aus­wirkt.

(3) Es kann letzt­lich aber da­hin­ge­stellt blei­ben, ob § 22 Abs. 8 MTV BVD in der Fas­sung der An­la­ge zum MTV für Ber­lin-Bran­den­burg iVm. Ab­schnitt B Teil 2 I. ÜTV VTV - ge­set­zes­kon­form - da­hin aus­zu­le­gen ist, dass als Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall auch die Be­sitz­stands­zu­la­ge zu leis­ten ist. Denn durch die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen kann nicht in Ab­wei­chung zu §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 EFZG wirk­sam be­stimmt wer­den, dass die Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließlich als Ent­gelt­fort­zah­lung das Mo­nats­grun­dent­gelt nach dem je­weils gülti­gen VTV BVD er­hal­ten, ih­nen aber die Be­sitz­stands­zu­la­ge, die sie im Fal­le der Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung hätten be­an­spru­chen können, im Fall der krank­heits­be­ding­ten Ar­beits­unfähig­keit nicht zu zah­len ist.

(a) Im Rah­men des § 4 Abs. 4 EFZG sind zwar auch Ab­wei­chun­gen zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers zulässig. Bei der Ge­stal­tung der Be­mes­sungs­grund­la­ge müssen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aber dar­auf ach­ten, dass sie we­der un­mit­tel­bar noch mit­tel­bar ge­gen die an­de­ren, nach § 12 EFZG zwin­gen­den und nicht ta­rif­dis­po­si­ti­ven Be­stim­mun­gen des EFZG ver­s­toßen. Die Ge­stal­tungs­macht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en fin­det dort ih­re Gren­ze, wo der An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung in sei­ner Sub­stanz an­ge­tas­tet wird (BAG 24. März 2004 - 5 AZR 346/03 - zu II 3 b der Gründe, BA­GE 110, 90). Ins­be­son­de­re sind die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an den Grund­satz der vol­len Ent­gelt­fort­zah­lung (100 %) im Krank­heits­fall ge­bun­den (BAG 24. März 2004 - 5 AZR 346/03 - aaO; so ins­ge­samt zB BAG 20. Au­gust 2014 - 10 AZR 583/13 - Rn. 23, NZA 2015, 58; 16. Ju­li 2014 - 10 AZR 242/13 - Rn. 18, ZTR 2014, 609). Es ent­spricht dem Wort­laut des Ge­set­zes und auch dem erklärten Wil­len des Ge­setz­ge­bers (vgl. BT-Drucks. 12/5798 S.- 26), dass durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die der Be­rech­nung zu­grun­de zu le­gen­de Zu­sam­men­set­zung des fort­zu­zah­len­den Ar­beits­ent­gelts ab­wei­chend von § 4 Abs. 1 EFZG fest­ge­legt wer­den kann (zB hin­sicht­lich Über­stun­den- und Nacht­ar­beits­vergütung). Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass es weit­ge­hend der Be­ur­tei­lung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ob­liegt, ob, aus wel­chem An­lass und in wel­chem Um­fang Zu­schläge in Ta­rif­verträgen ge­re­gelt wer­den. Da­nach können die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zwar ein­zel­ne Ent­gelt­be­stand­tei­le aus­klam­mern, die Grund­vergütung ist aber in vol­lem Um­fang in die Ent­gelt­fort­zah­lung ein­zu­be­zie­hen (vgl. hier­zu BAG 13. März 2002 - 5 AZR 648/00 - zu III 2 c und d der Gründe, NZA 2002, 1373).

(b) Durch ei­ne Nicht­berück­sich­ti­gung der Be­sitz­stands­zu­la­ge bei der Ent­gelt­fort­zah­lung wird der An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung in sei­ner Sub­stanz an­ge­tas­tet und der Grund­satz der vol­len Ent­gelt­fort­zah­lung ist nicht mehr ge­wahrt. Bei der in Ab­schnitt B Teil 2 I. ÜTV VTV ge­re­gel­ten Be­sitz­stands­zu­la­ge han­delt es sich nicht et­wa um ei­ne Zu­la­ge für be­son­de­re Be­las­tun­gen oder Er­schwer­nis­se, son­dern um ei­nen im Sy­nal­lag­ma ste­hen­den Be­stand­teil der Vergütung. Die Be­sitz­stands­zu­la­ge ist Teil der Grund­vergütung des Ar­beit­neh­mers, weil durch de­ren Zah­lung in Ver­bin­dung mit dem zu zah­len­den Mo­nats­grun­dent­gelt nach § 14 MTV ge­ra­de die Ge­gen­leis­tung für die ge­schul­de­te Ar­beitstätig­keit er­bracht wird. Die Ar­beit­neh­mer, die die Be­sitz­stands­zu­la­ge er­hal­ten, hat­ten vor In­kraft­tre­ten des MTV BVD und des VTV BVD ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes höhe­ren Mo­nats­grun­dent­gel­tes als ih­nen nach den neu­en ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen im VTV BVD zu­steht. Wie sich be­reits aus der Be­zeich­nung „Be­sitz­stands­zu­la­ge“ er­gibt, soll durch die Zah­lung die­ser Zu­la­ge ge­ra­de si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Be­sitz­stand be­zo­gen auf das da­ma­li­ge Mo­nats­grun­dent­gelt ge­wahrt wird. Die Ar­beit­neh­mer er­hal­ten da­mit für die zu er­brin­gen­de Ar­beits­leis­tung trotz des neu­en Vergütungs­sys­tems wei­ter ein Ar­beits­ent­gelt in der bis­he­ri­gen Höhe. Da­mit wird aber durch die Zah­lung der Be­sitz­stands­zu­la­ge iVm. mit dem Mo­nats­grun­dent­gelt nach § 14 MTV BVD auch wei­ter der Wert der Ar­beits­leis­tung be­stimmt.

(c) Dass zB nach dem 31. De­zem­ber 2012 neu ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer nach dem In­kraft­tre­ten der all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­verträge für ih­re Ar­beits­leis­tung le­dig­lich ein Mo­nats­grun­dent­gelt nach § 14 MTV be­an­spru­chen können, steht der An­nah­me, dass die Be­sitz­stands­zu­la­ge ei­ne Leis­tung ist, die im Sy­nal­lag­ma zur Ar­beits­leis­tung steht, nicht ent­ge­gen. Denn der Wert der Ar­beits­leis­tung kann so­wohl von den Ta­rif­ver­trags- als auch von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­ter­schied­lich be­stimmt wer­den. Durch die Be­sitz­stands­zu­la­ge soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass der be­reits ein­mal er­reich­te „Wert der Ar­beits­leis­tung“ er­hal­ten bleibt. Auf­grund der un­ter­schied­li­chen Aus­gangs­si­tua­tio­nen kann auch un­ter Berück­sich­ti­gung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes bei der vergütungsmäßigen Be­wer­tung der Ar­beits­leis­tung durch ei­nen Ta­rif­ver­trag dif­fe­ren­ziert wer­den.

(d) Un­er­heb­lich ist, dass die Be­sitz­stands­zu­la­gen in un­ter­schied­li­cher Höhe an Ar­beit­neh­mer zu leis­ten sind, und da­mit auch ei­nen un­ter­schied­li­chen pro­zen­tua­len An­teil der ge­sam­ten Grund­vergütung für die ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung aus­ma­chen. Denn so­lan­ge die Be­sitz­stands­zu­la­ge nach dem ÜTV BVD von ei­nem Ar­beit­neh­mer be­an­sprucht wer­den kann, soll durch die Zah­lung die­ser Zu­la­ge si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Wert der Ar­beits­leis­tung sich nicht ver­schlech­tert und der Ar­beit­neh­mer da­mit im Um­fang sei­nes er­wor­be­nen Be­sitz­stan­des auch die Ar­beits­vergütung be­an­spru­chen kann. Tatsächlich kann im Übri­gen die Be­sitz­stands­zu­la­ge auch ei­nen ganz er­heb­li­chen Be­stand­teil der mo­nat­lich zu zah­len­den Vergütung aus­ma­chen, da sie - je­den­falls - zum Teil in ei­ner Größen­ord­nung zwi­schen 400,00 und 1.000,00 Eu­ro zu zah­len ist.

(e) Da in dem ÜTV BVD die Leis­tung ei­ner Be­sitz­stands­zu­la­ge fest­ge­legt wur­de und es sich hier­bei um ei­nen Vergütungs­be­stand­teil han­delt, der im Sy­nal­lag­ma mit der Ar­beits­leis­tung steht und de­ren Wert be­stimmt, ist es für die Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall oh­ne Be­deu­tung, ob die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Zah­lung ei­ner Be­sitz­stands­zu­la­ge hätten ver­ein­ba­ren müssen. Denn nach § 3 Abs. 1 EFZG soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall hat. Da die Sub­stanz der Ent­gelt­fort­zah­lung nicht durch ta­rif­li­che Vor­schrif­ten an­ge­tas­tet wer­den darf, dürfen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en kei­ne Re­ge­lun­gen tref­fen, wo­nach im Krank­heits­fall sol­che - ta­rif­li­chen - Vergütungs­be­stand­tei­le nicht mehr ge­zahlt wer­den, die die Sub­stanz der Ent­gelt­fort­zah­lung aus­ma­chen.

3. Die­sen zu­tref­fen­den Ausführun­gen schließt sich die er­ken­nen­de Kam­mer voll­umfäng­lich an (gleich­falls LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 09.12.2015 - 4 Sa 1271/15 -; im Er­geb­nis eben­so auch u. a. LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 14.10.2015 - 23 Sa 630/15 -; vom 18.02.2014 - 15 Sa 2136/14 -; vom 12.02.2014 - 14 Sa 1552/14 -; 25.11.2014 - 11 Sa 1551/14 -; vom 24.10.2014 - 6 Sa 955/14 -; vom 21.10.2014 - 16 Sa 1094/14 -).

C. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 46 Abs. 2, § 64 Abs. 6 ArbGG, § 91 Abs. 1, § 97 Abs. 1 ZPO. Da­nach hat die Be­klag­te die Kos­ten des Rechts­streits ein­sch­ließlich der Kos­ten ih­res er­folg­los ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels zu tra­gen.

D. Die Re­vi­si­on war nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 und 2 ArbGG zu­zu­las­sen.

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