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ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/090

Der Berg kreißt und ge­biert ei­ne Maus.

An­mer­kun­gen zur Re­form des Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes und des Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­set­zes
Münzen, Münzhaufen Das BMAS liebt den Min­dest­lohn so sehr, dass es mög­lichst vie­le Min­dest­löh­ne ha­ben möch­te.

20.08.2008. Die Dis­kus­si­on über staat­lich fest­ge­setz­te Min­dest­löh­ne hat un­ter an­de­rem da­zu ge­führt, dass das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) seit mehr als ei­nem Jahr an ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wür­fen ar­bei­tet.

Am 16.07.2008 war es end­lich so­weit: Das BMAS prä­sen­tier­te gleich zwei Ge­set­zes­ent­wür­fe: Ei­ne Ent­wurf zur Re­form des Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes (AEntG) und ei­nen wei­te­ren Ent­wurf zur Re­form des Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­set­zes (Mi­ArbG).

Die Durch­sicht der Ent­wür­fe ist er­nüch­ternd. Kei­ner der bei­den Ent­wür­fe er­wei­tert den Spiel­raum für staat­lich fest­ge­setz­te Min­dest­löh­ne in nen­nens­wer­tem Um­fang. Das The­ma Min­dest­löh­ne wird da­her auch in den kom­men­den Jah­re wei­ter in der po­li­ti­sche Dis­kus­si­on blei­ben.

Nach lan­gem Nach­den­ken wird das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) ak­tiv

Nach­dem bis zu der von der Bun­des­re­gie­rung zum 31.03.2008 ge­setz­ten Frist le­dig­lich acht (Mi­ni-)„Bran­chen“ ihr In­ter­es­se an ei­ner Auf­nah­me in das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) be­kun­det hat­ten (wir be­rich­te­ten hierüber in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/47), wur­de es ei­ni­ge Mo­na­te lang still um die von der Re­gie­rung ge­heg­ten Pläne zur Einführung ei­nes ge­setz­li­chen Min­dest­lohns. Am 16.07.2008 war es end­lich so weit:

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) präsen­tier­te zwei Ge­set­zes­entwürfe, von de­nen der ei­ne die Re­form des AEntG und der an­de­re die des Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­set­zes (Mi­ArbG) vom 11.01.1952 be­trifft.

We­der die ge­plan­ten Ände­run­gen des AEntG noch die des Mi­ArbG können als aus­rei­chend be­zeich­net wer­den. Auch das The­ma Min­dest­lohn ist da­mit noch lan­ge nicht vom Tisch.

Wel­che Ände­run­gen des Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) sind ge­plant?

Das AEntG hat im We­sent­li­chen die Wir­kung, dass die Rechts­nor­men ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­trags über Min­destlöhne und ei­ni­ge an­de­re Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen auch auf Ar­beits­verhält­nis­se zwi­schen ei­nem Ar­beit­ge­ber mit Sitz im Aus­land und sei­nen in Deutsch­land bzw. beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer zwin­gend An­wen­dung fin­den, falls die Bran­che, für die der all­ge­mein­ver­bind­li­che Ta­rif­ver­trag gilt, aus­drück­lich im AEntG ge­nannt ist (§ 1 Abs.1 Satz 1 AEntG).

Die­se Grund­kon­zep­ti­on des AEntG soll bei­be­hal­ten wer­den.

Das AEntG in der Fas­sung des Ent­wurfs ist da­her im We­sent­li­chen mit dem der­zeit be­reits gel­ten­den Ge­setz iden­tisch, sieht man von ei­ner Rei­he nütz­li­cher re­dak­tio­nel­ler Klar­stel­lun­gen ab. So soll zum Bei­spiel der vollständi­ge Ti­tel des Ge­set­zes von „Ge­setz über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen bei grenzüber­schrei­ten­den Dienst­leis­tun­gen“ sach­lich zu­tref­fend in „Ge­setz über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen für grenzüber­schrei­tend ent­sand­te und für re­gelmäßig im In­land beschäftig­te Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen (Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz - AEntG)“ er­wei­tert wer­den.

Auch die bis­lang be­reits im AEntG ge­nann­ten drei Bran­chen - Bau­ge­wer­be, Gebäuderei­ni­gung und Brief­dienst­leis­tun­gen - sol­len nicht um wei­te­re Wirt­schafts­zwei­ge bzw. Ge­wer­be er­wei­tert wer­den. Darüber soll viel­mehr im wei­te­ren Ver­lauf der po­li­ti­schen Dis­kus­si­on ent­schie­den wer­den. Hier­zu heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung der Bun­des­re­gie­rung vom 16.07.2008 la­pi­dar, die Bran­chen­er­wei­te­rung des AEntG sei nicht Ge­gen­stand des Ka­bi­netts­be­schlus­ses.

Ei­ne nen­nens­wer­te in­halt­li­che Ände­rung soll das AEntG nur in ei­nem Punkt er­fah­ren, nämlich in Be­zug auf die sog. An­wen­dungs- oder Er­stre­ckungs­ver­ord­nung.

Was soll sich beim Ver­fah­ren der Er­stre­ckungs­ver­ord­nung ändern?

§ 1 Abs.3a AEntG in der der­zeit gel­ten­den Fas­sung ermäch­tigt das BMAS da­zu, die Rechts­nor­men ei­nes Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trags im Be­reich der im AEntG ge­nann­ten, der­zeit drei Bran­chen (s.o.) durch Rechts­ver­ord­nung auf die ge­sam­te Bran­che zu er­stre­cken, wenn ein An­trag auf All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung gemäß § 5 Ta­rif­ver­trags­ge­setz (TVG) ge­stellt ist (mit wel­chen Er­folgs­aus­sich­ten auch im­mer).

An­ders als bei der All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung ei­nes Ta­rif­ver­trags gemäß § 5 TVG ist es bei § 1 Abs.3a AEntG nicht er­for­der­lich, dass der per Ver­ord­nung auf die ge­sam­te Bran­che er­streck­te Ta­rif­ver­trag das für ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung nöti­ge Quo­rum erfüllt (da­nach müssen die ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber min­des­tens 50 % der un­ter den Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­trags fal­len­den Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen).

Dafür ist die Rechts­fol­ge ei­ner Er­stre­ckungs­ver­ord­nung nach der­zei­ti­gem Recht be­grenzt: Sie kann nur be­stim­men, dass die Rechts­nor­men des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trags auf al­le un­ter sei­nen Gel­tungs­be­reich fal­len­den nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ("Außen­sei­ter") An­wen­dung fin­den. Die Er­stre­ckungs­ver­ord­nung führt da­her nach der­zei­ti­ger Rechts­la­ge - an­ders als die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung - nur zu ei­ner Bin­dung der Außen­sei­ter an den er­streck­bar erklärten Ta­rif­ver­trag.

Dem­ge­genüber sieht der Ge­set­zes­ent­wurf in sei­nem § 7 die Be­fug­nis des BMAS vor, durch Rechts­ver­ord­nung oh­ne Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes zu be­stim­men, dass die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges auf al­le un­ter sei­nen Gel­tungs­be­reich fal­len­den und nicht an ihn ge­bun­de­nen Ar­beits­ver­trags­par­tei­en An­wen­dung fin­den, falls für die­sen Ta­rif­ver­trag ein An­trag auf All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung ge­stellt wor­den ist.

Die Ge­set­zesände­rung er­wei­tert da­mit die Rechts­fol­ge ei­ner Er­stre­ckungs­ver­ord­nung, in­dem sie - wie ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung - auch sol­che Ar­beits­verhält­nis­se dem Ta­rif­ver­trag un­ter­wirft, die be­reits an­der­wei­tig ta­rif­ver­trag­lich re­gu­liert sind. Auf ei­ner sol­chen ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge wäre es nicht zu dem Streit um die Wirk­sam­keit der Post­min­dest­lohn­ver­ord­nung vom 28.12.2007 (Ar­beits­recht ak­tu­ell 08/31 Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/031 Post­min­dest­lohn­ver­ord­nung für rechts­wid­rig erklärt) ge­kom­men.

Wel­che Ände­run­gen sind beim Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­setz (Mi­ArbG) ge­plant?

Da das AEntG in sei­ner re­for­mier­ten Fas­sung den Spiel­raum für staat­li­che Min­destlöhne so­mit kaum er­wei­tert, fragt sich, ob ein sol­cher Ef­fekt mögli­cher­wei­se mit ei­nem ent­spre­chend dem Re­gie­rungs­ent­wurf geänder­ten Mi­ArbG ver­bun­den ist. Die Ant­wort lau­tet nein.

Das Mi­ArbG in sei­ner jet­zi­gen, aus dem Jahr 1952 stam­men­den Fas­sung ge­stat­tet dem BMAS zu­sam­men mit ei­nem bei ihm ge­bil­de­ten Fach­aus­schuss, Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen fest­zu­set­zen.

Ge­re­gelt wer­den können da­bei so­wohl Min­destlöhne als auch sons­ti­ge Ar­beits­be­din­gun­gen in ei­nem Wirt­schafts­zweig oder ei­ner Beschäfti­gungs­art (§ 4 Abs.4 Mi­ArbG). Vor­aus­set­zung für die­se staat­li­che Fest­set­zung von Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen ist gemäß § 1 Abs.2 Mi­ArbG,

  • dass Ge­werk­schaf­ten oder Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern für den Wirt­schafts­zweig oder die Beschäfti­gungs­art nicht be­ste­hen oder nur ei­ne Min­der­heit der Ar­beit­neh­mer oder der Ar­beit­ge­ber um­fas­sen,
  • dass die Fest­set­zung von Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen zur Be­frie­di­gung der not­wen­di­gen so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Bedürf­nis­se der Ar­beit­neh­mer er­for­der­lich er­scheint und
  • dass ei­ne Re­ge­lung von Ent­gel­ten oder sons­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen durch All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung ei­nes Ta­rif­ver­trags nicht er­folgt ist.

Dem­ge­genüber sieht der Re­form­ent­wurf im We­sent­li­chen vor, dass an­stel­le der bis­lang re­gel­ba­ren Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen nur noch Min­destlöhne fest­ge­setzt wer­den können, dies al­ler­dings un­ter schein­bar er­leich­ter­ten Be­din­gun­gen, in­dem nämlich nicht sämt­li­che drei o.g. Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen müssen, son­dern nur noch ei­ne:

Min­dest­ar­beits­ent­gel­te sol­len künf­tig be­reits dann in ei­nem Wirt­schafts­zweig fest­ge­setzt wer­den können, wenn in ihm die an Ta­rif­verträge ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber bun­des­weit we­ni­ger als 50 Pro­zent der un­ter den Gel­tungs­be­reich der Ta­rif­verträge fal­len­den Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen.

Al­ler­dings wird die­se sach­li­che Er­leich­te­rung der staat­li­chen Min­dest­lohn­fest­set­zung durch ei­ne Ver­kom­pli­zie­rung des Ver­fah­rens wie­der zurück­ge­nom­men: Während bis­lang der je­wei­li­ge Fach­aus­schuss zu­sam­men mit dem BMAS die Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen fest­set­zen kann, soll dies künf­tig nur noch im Zu­sam­men­wir­ken von Haupt­aus­schuss, Fach­aus­schuss, BMAS und Bun­des­re­gie­rung möglich sein, und zwar wie folgt:

  • Zunächst stellt gemäß § 3 des Ent­wurfs der beim BMAS ge­bil­de­te Haupt­aus­schuss un­ter um­fas­sen­der Berück­sich­ti­gung der so­zia­len und öko­no­mi­schen Aus­wir­kun­gen durch Be­schluss fest, ob in ei­nem Wirt­schafts­zweig so­zia­le Ver­wer­fun­gen vor­lie­gen und Min­dest­ar­beits­ent­gel­te fest­ge­setzt, geändert oder auf­ge­ho­ben wer­den sol­len. Der Be­schluss ist schrift­lich zu be­gründen. Er be­darf der Zu­stim­mung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit und So­zia­les.
  • So­dann setzt der Fach­aus­schuss, der für den je­wei­li­gen Wirt­schafts­zweig bzw. die je­wei­li­ge Beschäfti­gungs­art zuständig und beim BMAS zu bil­den ist, die Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen nach der­zei­ti­ger und fort­gel­ten­der Ge­set­zes­fas­sung durch Be­schluss fest (§ 4 Abs.2 Mi­ArbG).
  • Im nächs­ten Schritt hat nach dem Re­form­ent­wurf das BMAS nicht mehr wie bis­her selbst über den Be­schluss des Fach­aus­schus­ses zu ent­schei­den, son­dern le­dig­lich den Be­schluss des Fach­aus­schus­ses zu prüfen und im Fal­le ei­ner po­si­ti­ven Be­wer­tung der Bun­des­re­gie­rung den Vor­schlag zu ma­chen, ihn im We­ge der Rechts­ver­ord­nung in gel­ten­des Recht um­zu­set­zen. Das BMAS soll da­bei nach dem Ge­setz­ent­wurf an den Be­schluss des Fach­aus­schus­ses ge­bun­den, d.h. zu ei­ner Ände­rung nicht be­fugt zu sein.
  • Bil­ligt das BMAS den Be­schluss des Fach­aus­schus­ses, kann die Bun­des­re­gie­rung auf ent­spre­chen­den Vor­schlag des BMAS hin die vom Fach­aus­schuss fest­ge­setz­ten Min­dest­ar­beits­ent­gel­te als Rechts­ver­ord­nung er­las­sen (oder auch nicht). Die Rechts­ver­ord­nung kann be­fris­tet wer­den. Sie be­darf nicht der Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes.

Wie wahr­schein­lich ist ei­ne staat­li­che Min­dest­lohn­fest­set­zung auf der Grund­la­ge des Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­set­zes (Mi­ArbG)?

An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass von der seit An­fang 1952 un­un­ter­bro­chen be­ste­hen­den ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung zur staat­li­chen Fest­set­zung von Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen nie auch nur in ei­nem Fall Ge­brauch ge­macht wur­de, da ein brei­ter po­li­ti­scher Kon­sens über das Funk­tio­nie­ren der Ta­rif­au­to­no­mie be­stand (und be­steht?), ist zwei­fel­haft, ob die oh­ne­hin nicht bahn­bre­chend er­wei­ter­ten ge­setz­li­chen Möglich­kei­ten ei­nes „mo­der­ni­sier­ten“ Mi­ArbG auf den po­li­ti­schen Wil­len bei die­ser oder bei künf­ti­gen Bun­des­re­gie­run­gen tref­fen, sie auch be­herzt in die Tat um­zu­set­zen.

Ei­ne sol­che Ver­wen­dung des geänder­ten Mi­ArbG ist um­so we­ni­ger wahr­schein­lich, als sie stets mit der Ge­fahr der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit ver­bun­den wäre. Der Fach­aus­schuss hat nach dem Re­form­ent­wurf die Möglich­keit, bei der Fest­le­gung von Min­destlöhnen nach Art der Tätig­keit, der Qua­li­fi­ka­ti­on der Ar­beit­neh­mer und nach Re­gio­nen zu dif­fe­ren­zie­ren. Da­bei soll er im Rah­men ei­ner ihm auf­ge­ge­be­nen „Ge­samt­abwägung“ prüfen, ob sei­ne Ent­schei­dung ge­eig­net ist, „an­ge­mes­se­ne“ Ar­beits­be­din­gun­gen zu schaf­fen, „fai­re und funk­tio­nie­ren­de“ Wett­be­werbs­be­din­gun­gen zu gewähr­leis­ten und so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung zu er­hal­ten.

Mit ei­nem so weit­ge­hen­den bzw. de­tail­lier­ten Re­gu­lie­rungs­auf­trag müssen die Fach­ausschüsse der Ta­rif­au­to­no­mie not­wen­dig ins Ge­he­ge kom­men, d.h. Fach­aus­schuss­emp­feh­lun­gen wer­den stets mit mehr oder we­ni­ger gra­vie­ren­den Ein­grif­fen in die Ta­rif­au­to­no­mie ver­bun­den sein: So­weit Ta­rif­verträge exis­tie­ren und nied­ri­ge­re Löhne vor­se­hen, sol­len sie ja von den auf der Grund­la­ge des Mi­ArbG er­las­se­nen, vielfältig aus­dif­fe­ren­zier­ten Lohn­un­ter­gren­zen ver­drängt wer­den. Ob der Staat dies ver­fas­sungs­recht­lich darf, wird in je­dem Ein­zel­fall po­li­tisch und recht­lich um­strit­ten sein.

Fa­zit: Große Zie­le, klei­ne Ge­set­zesände­run­gen

Während der von Rhein­land-Pfalz in den Bun­des­rat ein­ge­brach­te Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes über die Fest­set­zung des Min­dest­lohns (Min­dest­l­ohn­ge­setz - Mind­L­ohnG) vom 04.09.2007 noch in An­leh­nung an die in Großbri­tan­ni­en be­ste­hen­den Re­ge­lun­gen ei­nen deutsch­land­weit und für al­le Bran­chen gel­ten­den Min­dest­lohn vor­sah (wir be­rich­te­ten darüber in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/62 Ent­wurf ei­nes Min­dest­l­ohn­ge­set­zes liegt vor), ist die Bun­des­re­gie­rung der­zeit ent­schlos­sen, nicht ei­nen, son­dern vie­le „Bran­chen-Min­destlöhne“ ein­zuführen.

Da­ge­gen be­ste­hen aber ver­fas­sungs­recht­li­che Be­den­ken: Ein deutsch­land­weit und für al­le Bran­chen gel­ten­der Min­dest­lohn wäre mit der Ta­rif­au­to­no­mie oh­ne wei­te­res ver­ein­bar, dut­zen­de oder gar hun­der­te, fein­sin­nig nach Bran­chen, der Art der Ar­beit, den Qua­li­fi­ka­ti­ons­stu­fen usw. aus­dif­fe­ren­zier­te „Bran­chen-Min­destlöhne“ da­ge­gen kaum.

Außer­dem trägt ein zen­tra­les Ar­gu­ment der Min­dest­lohn­befürwor­ter, nämlich der Ver­weis auf an­de­re In­dus­tri­eländer, die der­zeit vor­ge­schla­ge­ne Re­form des Mi­ArbG eben­falls nicht. Dort mag es hier und da ei­nen lan­des­weit ein­heit­li­chen Min­dest­lohn ge­ben, nicht aber vie­le Min­destlöhne. Die der­zeit vor­ge­schla­ge­nen Re­form­vor­ha­ben ho­len da­her kei­nes­wegs das nach, was es „in an­de­ren Ländern“ schon lan­ge gibt, son­dern stel­len sich als deut­scher Son­der­weg dar.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2014

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