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LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 02.12.2020, 15 Sa 964/20

   
Schlagworte: Karenzentschädigung, Variable Vergütung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Aktenzeichen: 15 Sa 964/20
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 02.12.2020
   
Leitsätze: Variable Entgeltbestandteile sind bei der Bemessung der Karenzentschädigung nur dann zu berücksichtigen, wenn sie zu den zuletzt bezogenen vertragsmäßigen Leistungen gemäß § 74 Abs. 2 HGB zu zählen sind. Dies ist nicht der Fall, wenn der Leistungszeitraum für diese Vergütungsbestandteile schon zuvor endete.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 25.06.2020, 38 Ca 936/20
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ber­lin-Bran­den­burg

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

15 Sa 964/20


38 Ca 936/20
Ar­beits­ge­richt Ber­lin


Verkündet
am 2. De­zem­ber 2020


K., JHS

als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

[…]

 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 15. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 2. De­zem­ber 2020
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Klueß als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn R. und Herrn K.
für Recht er­kannt:

I.

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 25.06.2020 - 38 Ca 936/20 wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

II.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

K.

R. 

K. 

Tat­be­stand

 

1

Der Kläger be­gehrt – so­weit für die 2. In­stanz noch von Re­le­vanz – für die Zeit vom 16.11.2019 bis 05.03.2020 die Zah­lung ei­ner höhe­ren Ka­ren­zentschädi­gung we­gen ei­nes nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots, wo­bei er sich die ge­leis­te­ten Zah­lun­gen der Be­klag­ten i.H.v. 28.772,52 EUR so­wie in­zwi­schen die erst­in­stanz­lich rechts­kräftig zu­er­kann­ten wei­te­ren 2.976,60 EUR an­rech­nen lässt.

2

Hin­sicht­lich des un­strei­ti­gen Sach­ver­halts und des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der 1. In­stanz wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen (§ 69 Abs. 2 ArbGG).

3

Der Kläger hat be­an­tragt,

4

1. die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger die ihm zu­ste­hen­de Ka­ren­zentschädi­gung für No­vem­ber 2019 in Höhe von 16,583,30 Eu­ro abzüglich der be­reits ge­zahl­ten 3.792,67 Eu­ro, mit­hin 12.790,63 Eu­ro nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.12.2019 zu zah­len;

5

2. die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger die ihm zu­ste­hen­de Ka­ren­zentschädi­gung für De­zem­ber 2019 in Höhe von 33.166,60 Eu­ro abzüglich der be­reits ge­zahl­ten 7.964,61 Eu­ro, mit­hin 25.601,00 Eu­ro nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.12.2019 zu zah­len;

6

3. die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 25.601,00 Eu­ro brut­to für den Mo­nat Ja­nu­ar 2020 so­wie 25.601,00 Eu­ro brut­to für den Mo­nat Fe­bru­ar 2020 und 3.652,00 Eu­ro brut­to für den Mo­nat März 2020 zu zah­len.

7

Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

8

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

9

Mit Ur­teil vom 25.06.2020 hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin dem Zah­lungs­an­trag i.H.v. 2.976,60 EUR brut­to statt­ge­ge­ben. Im Übri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Hier­bei hat das Ar­beits­ge­richt für die Be­rech­nung der zu­letzt maßgeb­li­chen Mo­nats­vergütung drei Ele­men­te in der Höhe berück­sich­tigt, wie sie auch von der Be­klag­ten bei ih­rer Zah­lung zu­grun­de ge­legt wor­den wa­ren. Dies be­trifft das fi­xe Mo­nats­ge­halt i.H.v. 11.418,75 EUR, der steu­er­li­che Vor­teil für die Be­nut­zung des Dienst­wa­gens i.H.v. 842,34 EUR und die an­tei­li­gen Bo­nus­zah­lun­gen i.H.v. 3.142,44 EUR. Zusätz­lich hat das Ar­beits­ge­richt berück­sich­tigt, dass der Kläger im Jah­re 2018 aus dem Long Term In­cen­ti­ve Pro­gramm 2018 (LTIP 2018) 77.374,17 EUR brut­to un­strei­tig er­hal­ten hat­te. 1/36 sei­en da­her in Höhe von mo­nat­lich 2.149,28 EUR zusätz­lich zu berück­sich­ti­gen. Da­her sei­en ins­ge­samt als Mo­nats­ent­gelt 8.776,41 EUR an­zu­set­zen, so­dass der Kläger über die von der Be­klag­ten hin­aus ge­leis­te­ten Beträge ins­ge­samt wei­te­re 2.976,60 EUR brut­to mo­nat­lich als Ka­ren­zentschädi­gung zu er­hal­ten hat. Wei­te­re Zah­lun­gen sei­en für die zu­letzt be­zo­ge­nen ver­tragsmäßigen Leis­tun­gen nicht zu berück­sich­ti­gen. Die in dem Auf­he­bungs­ver­trag ge­re­gel­te Ab­fin­dung wir­ke sich nicht erhöhend aus, da sie kei­ne Ge­gen­leis­tung für die Ar­beit sei. Wei­ter­hin sei­en nicht zu berück­sich­ti­gen die Über­las­sung der Bahn­card, ei­nes Com­pu­ters und des Mo­bil­te­le­fons, da sie über­las­se­ne Ar­beits­mit­tel ge­we­sen sei­en und nicht Teil der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Vergütung. Ei­ne pri­va­te Nut­zungsmöglich­keit sei, so­weit er­sicht­lich, nicht ver­ein­bart wor­den. Auch die Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge sei­en kei­ne un­mit­tel­ba­re Ge­gen­leis­tung für die Ar­beits­leis­tung, son­dern die­ne als An­reiz­sys­tem für ei­ne lang­fris­ti­ge Bin­dung des Ar­beit­neh­mers an den Ar­beit­ge­ber. Nicht er­heb­lich sei­en die Zah­lun­gen aus dem Ma­nage­ment Equi­ty Pro­gramm 2014 (MEP 2014). Die Erlöse sei­en nicht ein­kom­men­steu­er­pflich­tig ge­we­sen, da sie kein Ar­beits­ent­gelt wa­ren. Die Net­to­erträge sei­en dem Kläger als Kom­man­di­tis­ten, nicht als Ar­beit­neh­mer über­wie­sen wor­den. Die Zah­lun­gen sei­en auch nicht durch die Be­klag­te als Ar­beit­ge­be­rin er­folgt und könn­ten schon von da­her kei­ne ver­tragsmäßigen Leis­tun­gen ge­we­sen sei­en.

10

Hier­ge­gen wen­det sich die Be­ru­fung des Klägers. Er ist un­ter nähe­rer Dar­le­gung von Rechts­auf­fas­sun­gen der Mei­nung, dass mit Aus­nah­me der Ab­fin­dungs­zah­lung al­le wei­te­ren Ele­men­te, die vom Ar­beits­ge­richt Ber­lin nicht berück­sich­tigt wor­den wa­ren, in das zu­letzt be­zo­ge­ne mo­nat­li­che Ent­gelt hätten ein­ge­rech­net wer­den müssen.

11

Nach­dem der Kläger ursprüng­lich in der Be­ru­fungs­be­gründung ei­ne Dif­fe­renz­zah­lung in Höhe von ins­ge­samt 84.368,85 EUR gel­tend ge­macht hat­te, be­an­tragt er nun­mehr zu­letzt,

12

das erst­in­stanz­li­che Ur­teil teil­wei­se ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn die ihm über den erst­in­stanz­lich zu­er­kann­ten Be­trag i.H.v. 2.976,60 EUR hin­aus zu­ste­hen­de Ka­ren­zentschädi­gung für die Zeit vom 16.11.2019 bis 05.03.2020 i.H.v. 97.332,47 EUR abzüglich der be­reits ge­zahl­ten 28.772,52 EUR so­wie der im erst­in­stanz­li­chen Ur­teil zu­er­kann­ten 2.976,60 EUR, mit­hin 65.586,35 EUR nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 31.03.2020 zu zah­len.

13

Die Be­klag­te be­an­tragt,

14

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

 

Ent­schei­dungs­gründe

15

Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. In der Sa­che hat die Be­ru­fung je­doch kei­nen Er­folg. Dem Kläger ste­hen als Ka­ren­zentschädi­gung kei­ne höhe­ren Zah­lun­gen zu, die über das hin­aus­ge­hen, was die Be­klag­te bis­her ge­leis­tet und das Ar­beits­ge­richt Ber­lin zusätz­lich zu­ge­spro­chen hat. Da­her war die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

 
16

1. Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ka­ren­zentschädi­gung für den Zeit­raum 16.11.2019 bis 05.03.2020 zu zah­len ist.

17

Die Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung ist wirk­sam durch die Ver­ein­ba­rung vom 12.09.2014 (Bl. 35f der Ak­te) be­gründet wor­den. Die Be­klag­te hat ein­sei­tig auf die Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bots mit Schrei­ben vom 05.03.2019, wel­ches der Kläger am glei­chen Tag er­hal­ten hat, ver­zich­tet, so­dass gemäß § 75a HGB die Pflicht zur Zah­lung der Entschädi­gung noch für ein Jahr be­stand. Da­mit en­de­te die Zah­lungs­pflicht am 05.03.2020. All dies ist zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig.

18

Wei­ter­hin ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Par­tei­en ein­ver­nehm­lich das Ar­beits­verhält­nis zum 15.11.2019 be­en­det ha­ben. Zwar hat der Kläger mit sei­ner Kündi­gung vom 01.11.2019 das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung des Kündi­gungs­ter­mins (zum En­de ei­nes Ka­len­der­mo­nats; § 1 Nr. 3 des Auf­he­bungs­ver­tra­ges vom 25.04.2019, Bl. 31R d.A.) gekündigt, doch hat die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 05.11.2019 (An­la­ge K 23, Bl. 224 d.A.) den „vor­zei­ti­gen Aus­tritt aus dem Un­ter­neh­men zum 15.11.2019“ bestätigt. Auch die Be­klag­te hat sich in­so­fern mit ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung ein­ver­stan­den erklärt. Die­ser Wil­le er­gibt sich auch dar­aus, dass die Be­klag­te im Nach­hin­ein die Ka­ren­zentschädi­gung ab dem 16.11.2019 ge­zahlt hat. In­so­fern folgt die Kam­mer nicht der nun­meh­ri­gen Auf­fas­sung der Be­klag­ten im hie­si­gen Pro­zess, wo­nach ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses erst mit dem 30.11.2019 ein­ge­tre­ten ist.

19

2. Gemäß §§ 74 Abs. 2, 74b Abs. 2 S. 1 HGB kann der Kläger ei­ne höhe­re Ka­ren­zentschädi­gung nicht ver­lan­gen.

20

2.1. Nach § 74 Abs. 2 HGB ist als Ka­ren­zentschädi­gung min­des­tens die Hälf­te der von dem Ar­beit­neh­mer zu­letzt be­zo­ge­nen ver­tragsmäßigen Leis­tun­gen zu zah­len. Dies ist nach der Recht­spre­chung des BAG der re­le­van­te Aus­gangs­punkt für die Be­rech­nung des mo­nat­li­chen Entschädi­gungs­be­tra­ges. Als ver­trags­gemäß im Sin­ne die­ser Norm ist ei­ne Leis­tung an­zu­se­hen, die auf dem Aus­tausch­cha­rak­ter des Ar­beits­ver­tra­ges be­ruht und als Vergütung für die ge­leis­te­te Ar­beit er­bracht wird. Hier­zu zählen auch Jah­res­vergütun­gen, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, zusätz­li­che Ur­laubs­gel­der, Tan­tie­men und ähn­li­che Son­der­zu­wen­dun­gen, selbst wenn sie der Ar­beit­ge­ber un­ter Aus­schluss ei­nes Rechts­an­spruchs als frei­wil­li­ge Leis­tung gewährt hat. Ent­schei­dend ist, was der Ar­beit­neh­mer als Ge­gen­leis­tung für sei­ne Ar­beits­leis­tung zu dem maßgeb­li­chen Zeit­punkt tatsächlich er­hal­ten hat bzw. hätte er­hal­ten müssen, auch wenn der An­spruch später fällig wird oder die Aus­zah­lung zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt er­folgt. Un­er­heb­lich ist, was der Ar­beit­neh­mer im sel­ben Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt ver­dient hat. Maßgeb­lich ist al­lein, wie hoch der Ver­dienst bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses war (BAG 22.10.2008 – 10 AZR 160/08 – ju­ris Rn. 17f).

21

In­so­fern ist nach hie­si­ger An­sicht zu be­to­nen, dass es auf die zu­letzt be­zo­ge­nen ver­tragsmäßigen Leis­tun­gen an­kommt. Da­her kann es nur auf die­je­ni­gen Leis­tun­gen an­kom­men, auf die der Kläger am 15.11.2019 (noch) ei­nen An­spruch hat­te, was ihm al­so als Ge­gen­leis­tung für sei­ne nicht mehr zu er­brin­gen­den Ar­beits­leis­tun­gen im Zeit­raum der un­wi­der­ruf­li­chen Frei­stel­lung (01.11.2019 bis 15.11.2019) zu­stand. Da­her wird nicht die Rechts­an­sicht des Klägers ge­teilt, wo­nach im­mer al­le va­ria­blen Vergütungs­be­stand­tei­le in die Be­rech­nung ein­zu­stel­len sind, wo­bei hin­sicht­lich der Höhe der Durch­schnitt der letz­ten 3 Jah­re in An­satz zu brin­gen sei. Va­ria­ble Ent­gelt­be­stand­tei­le sind bei der Be­mes­sung der Ka­ren­zentschädi­gung nur dann zu berück­sich­ti­gen, wenn sie zu den zu­letzt be­zo­ge­nen ver­tragsmäßigen Leis­tun­gen gemäß § 74 Abs. 2 HGB zu zählen sind. Dies ist nicht der Fall, wenn der Leis­tungs­zeit­raum für die­se Vergütungs­be­stand­tei­le schon zu­vor en­de­te.

22

Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung des Klägers wird bei die­ser Sicht­wei­se die Vor­schrift des § 74b HGB nicht völlig ir­re­le­vant. Die Norm bleibt ins­be­son­de­re dann viel­fach re­le­vant, wenn die va­ria­blen Vergütungs­be­stand­tei­le ver­trag­lich Jahr für Jahr zu­ge­sagt oder tatsächlich oh­ne zeit­li­che Be­gren­zung ge­zahlt wur­den.

23

2.2. Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze ste­hen dem Kläger höhe­re Ka­renz­leis­tun­gen nicht zu.

24

2.2.1. Leis­tun­gen aus dem MEP-Pro­gramm 2014 sind nicht zu berück­sich­ti­gen.

25

Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung der Be­klag­ten geht die hie­si­ge Kam­mer al­ler­dings da­von aus, dass es sich in­so­fern um Leis­tun­gen han­delt, die grundsätz­lich berück­sich­ti­gungsfähig sind. Zwar wur­den die über­tra­ge­nen Kom­man­dit­an­tei­le be­zo­gen auf ein an­de­res Un­ter­neh­men in­ner­halb des Kon­zerns gewährt, doch sind hier­in trotz­dem ver­tragsmäßige Leis­tun­gen der Be­klag­ten zu se­hen, da die­se als Ar­beit­ge­be­rin ei­ne ei­ge­ne Ver­pflich­tung ein­ge­hen woll­te (Hes­si­sches LAG 31.05.2017 – 18 Sa 768/16 – Ju­ris; LAG Ba­den-Würt­tem­berg 14.01.2009 – 2 Sa 17/08 – ju­ris; Bau­er/Dil­ler Wett­be­werbs­ver­bo­te 8. Aufl. 2019 Rn. 375). Der Wil­le der Be­klag­ten zur ei­ge­nen Ver­pflich­tung er­gibt sich aus de­ren Schrei­ben vom 29.09.2014 (Bl. 39 d.A.). Dort wird aus­drück­lich auf den Ar­beits­ver­trag vom 20.09.2014 Be­zug ge­nom­men. In Eng­lisch und ent­spre­chen­der Über­set­zung wird in Ergänzung zu die­sem Ar­beits­ver­trag dann die nach­fol­gen­de Re­ge­lung bestätigt. Am En­de wird aus­geführt, dass im Fal­le des Ab­sa­gens des Börsen­gangs oder ei­ner we­sent­li­chen Verzöge­rung „wir“ die­se Ver­ein­ba­rung neu ver­han­deln, um ein an­ge­mes­se­nes Er­satz-An­reiz­pa­ket be­reit­zu­stel­len.

26

Trotz­dem ist die­ses Pro­gramm aus zwei Gründen nicht berück­sich­ti­gungsfähig.

27

Dem Kläger wa­ren die An­tei­le als Kom­man­di­tist mit no­ta­ri­el­lem Ver­trag vom 07.04.2015 über­tra­gen wor­den. In­so­fern er­folg­te die Leis­tung (der geld­wer­te Vor­teil) außer­halb des dreijähri­gen Zeit­raums vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Un­er­heb­lich dürf­te sein, dass zu die­sem Zeit­punkt der ge­naue Wert die­ser An­tei­le noch nicht be­zif­fert wer­den konn­te, da der Ver­kauf der Kom­man­dit­an­tei­le erst später er­folg­te (ver­glei­che in­so­fern Bau­er/Dil­ler Wett­be­werbs­ver­bo­te 8. Auf­la­ge 2019 Rn. 421, 396, die für ei­ne Schätzung des Wer­tes plädie­ren). Ähn­lich wie bei den Ak­ti­en­op­tio­nen, bei de­nen es auf die Einräum­ung der Op­ti­on an­kommt (Bau­er/Dil­ler aaO Rn. 421), muss es auch hier auf die Über­tra­gung der Kom­man­dit­an­tei­le an­kom­men und nicht auf die späte­ren Rückkäufe oder Verkäufe der Ak­ti­en.

28

Die­ses Pro­gramm ist auch des­we­gen nicht berück­sich­ti­gungsfähig, weil es mit dem 16.09.2019 en­de­te. An die­sem Tag erklärte der Kläger sich ver­trag­lich mit ei­ner Rücküber­tra­gung der ver­blie­be­nen Kom­man­dit­an­tei­le ein­ver­stan­den. In­so­fern er­hielt er noch im Sep­tem­ber 2019 für die ver­blie­be­nen An­tei­le wei­te­re 342.688,63 € (ver­glei­che Sei­te 18 des Be­klag­ten­schrift­sat­zes vom 20.03.2020, Bl. 92 d.A.). Der Ver­dienst des Klägers war al­so al­len­falls bis zum Sep­tem­ber 2019 von die­ser Ge­gen­leis­tung be­stimmt. Der erhöhte Ver­dienst zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt ist nach der oben an­ge­ge­be­nen Recht­spre­chung des BAG aber nicht re­le­vant.

29

2.2.2. Auch das LTIP-Pro­gramm 2018 wirkt sich nicht erhöhend auf die Ka­ren­zentschädi­gung aus.

30

Die­ses Pro­gramm be­gann am 01.07.2018. Nach An­ga­be des Klägers (Sei­te 11 des Schrift­sat­zes vom 08.06.2020, Bl. 220 d.A.) war er nur 15 Mo­na­te Teil­neh­mer die­ses Pro­gramms. Es en­de­te so­mit am 30.09.2019. Die er­folg­te Vergütungs­erhöhung be­traf so­mit auch hier nur ei­nen frühe­ren Zeit­raum.

31

2.2.3. Die Nut­zung des Han­dys, des Com­pu­ters oder der Bahn­card 100 (1. Klas­se) wirkt sich eben­falls nicht erhöhend aus.

32

In­so­fern dien­te die Nut­zung so­wohl be­trieb­li­chen als auch pri­va­ten In­ter­es­sen. Ei­ne aus­sch­ließli­che Wert­stel­lung zu Guns­ten des Klägers ist da­her – ähn­lich wie beim Dienst­wa­gen – nicht möglich. Es feh­len je­doch jeg­li­che An­ga­ben des Klägers da­zu, wie der geld­wer­te Vor­teil zu be­rech­nen ist. Dies mag ähn­lich wie bei der auch pri­va­ten Nut­zung ei­nes Dienst­wa­gens nach steu­er­recht­li­chen Kri­te­ri­en er­mit­telt wer­den. So­weit der Kläger auf die Ent­schei­dung des LAG Düssel­dorf (21.09.2015 – 9 Sa 152/15 – ju­ris Rn. 111) ver­wie­sen hat, hilft dies vor­lie­gend nicht wei­ter, da dort die steu­er­li­che Be­hand­lung zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig und auch bei frühe­ren Ge­halts­zah­lun­gen berück­sich­tigt wor­den war.

33

Hin­sicht­lich Han­dy und Com­pu­ter kommt hin­zu, dass nach § 8 des Auf­he­bungs­ver­tra­ges die­se Ge­genstände zu Be­ginn der wi­der­ruf­li­chen Frei­stel­lung (01.08.2019) zurück­zu­ge­ben wa­ren. Da­mit en­de­te das Recht auf pri­va­te Nut­zung die­ser Ge­genstände spätes­tens zu die­sem Zeit­punkt.

34

2.2.4 Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung bei­der Par­tei­en wa­ren auch die ge­zahl­ten Pro­vi­sio­nen nicht zu berück­sich­ti­gen.

35

Zwar be­stand nach dem Ar­beits­ver­trag hier­auf ein jähr­li­cher An­spruch, doch hat § 2 Nr. 3 des Auf­he­bungs­ver­tra­ges den An­spruch auf Zah­lung ei­nes Bo­nus für den Zeit­raum bis zum 31.07.2019 be­schränkt. So­mit be­stand zum Be­en­di­gungs­zeit­punkt kein An­spruch mehr auf Zah­lung ei­nes Bo­nus. Auch hier be­trifft die Zah­lung frühe­re Zeiträume, die nach der Recht­spre­chung des BAG ge­ra­de nicht berück­sich­ti­gungsfähig sind.

36

2.2.5. Hin­sicht­lich des Zu­schus­ses zur Al­ters­ver­sor­gung ist da­von aus­zu­ge­hen, dass sol­che Zah­lun­gen nicht berück­sich­ti­gungsfähig sind (Bau­er/Dil­ler Wett­be­werbs­ver­bo­te 8. Auf­la­ge 2019 Rn. 380). Sie wer­den nicht als un­mit­tel­ba­re Ge­gen­leis­tung für die Ar­beits­leis­tung er­bracht, son­dern als Ge­gen­leis­tung für die ge­sam­te er­brach­te bzw. zu er­war­ten­de Be­triebs­treue.

37

2.2.6. Berück­sich­ti­gungsfähig sind da­her nur das fi­xe Brut­to­ge­halt (11.418,75 €) und der geld­wer­te Vor­teil für die pri­va­te Nut­zung des Dienst­wa­gens (842,34 €), den der Kläger bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses pri­vat nut­zen durf­te (§ 8 Nr. 3 des Auf­he­bungs­ver­tra­ges). Dies er­gibt ei­ne Ge­samt­sum­me von 12.261,09 € mo­nat­lich, so dass die Ka­ren­zentschädi­gung mtl. 6.130,55 € beträgt. Die Be­klag­te hat je­doch schon ei­nen deut­lich höhe­ren Be­trag mo­nat­lich ge­zahlt (7.964,61€), wo­bei zusätz­lich zu berück­sich­ti­gen ist, dass auch das Ar­beits­ge­richt Ber­lin in dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil als wei­te­ren Be­trag mo­nat­lich 811,80 € rechts­kräftig zu­ge­spro­chen hat.

38

3. Der Kläger hat die Kos­ten des er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen (§ 97 ZPO).

39

4. Die Re­vi­si­on ist gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG zu­ge­las­sen wor­den. So­weit er­sicht­lich ist die Be­wer­tung und An­rech­nung von Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gun­gen durch das BAG bis­her nicht ent­schie­den wor­den.

 

 

 

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