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ARBEITSRECHT AKTUELL // 21/023

Recht auf Ar­beit im Ho­me­of­fice?

Er­ör­te­rungs­pflicht oder An­spruch auf Ho­me­of­fice? In der Po­li­tik wird über die recht­li­chen Re­ge­lun­gen des Ho­me­of­fice ge­strit­ten
Homeoffice, flexibles Arbeiten

17.05.2021. Von zu Hau­se aus zu ar­bei­ten, kann für Ar­beit­neh­mer ei­ni­ge Vor­tei­le brin­gen und ist da­her von man­chen Ar­beit­neh­mern er­wünscht. Auf­grund der Co­ro­na-Kri­se ist dies auch für vie­le Be­schäf­tig­te im Mo­ment die Rea­li­tät, je­doch be­steht für ei­ne Zeit nach Co­ro­na kei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung. Da­her wird im Mo­ment ein mög­li­cher An­spruch auf Ho­me­of­fice heiß dis­ku­tiert.

Nach ak­tu­el­ler Rechts­la­ge be­steht kein An­spruch der Ar­beit­neh­mer auf Ar­beit aus dem Ho­me­of­fice. Um­ge­kehrt kön­nen - ab­ge­se­hen von Son­der­re­ge­lun­gen wäh­rend der Co­ro­na-Kri­se - auch Ar­beit­ge­ber nicht ein­sei­tig vom Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen, aus dem Ho­me­of­fice zu ar­bei­ten, so­weit kei­ne ar­beits- oder ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung oder ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung dies vor­sieht.

Im Ok­to­ber letz­ten Jah­res stell­te Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) sei­nen Vor­schlag für ei­nen An­spruch auf Ho­me­of­fice für 24 Ta­ge im Jahr vor, zog die­sen je­doch auf­grund von Kri­tik vom Ko­ali­ti­ons­part­ner CDU/CSU und aus der Wirt­schaft wie­der zu­rück.

Statt­des­sen schlägt Heil ei­ne Er­ör­te­rungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers vor. En­de No­vem­ber leg­te er da­für ei­nen Ent­wurf für ein Ge­setz zur mo­bi­len Ar­beit vor. Die­ser sieht vor, dass ein Ar­beit­ge­ber auf Wunsch ei­nes Ar­beit­ge­bers die Mög­lich­keit der mo­bi­len Ar­beit er­ör­tert. Kön­nen sich die Par­tei­en nicht ei­ni­gen, muss der Ar­beit­ge­ber sei­ne Ab­leh­nung schrift­lich und be­grün­det dem Ar­beit­neh­mer er­klä­ren.

Er­klärt der Ar­beit­ge­ber da­ge­gen bin­nen zwei Mo­na­ten kei­ne Ab­leh­nung, soll er an den Wunsch des Ar­beit­ge­bers ge­bun­den sein, so­dass die­ser aus dem Ho­me­of­fice ar­bei­ten darf. Dies soll je­doch nur be­grenzt für sechs Mo­na­te gel­ten.

Ar­bei­tet der Ar­beit­neh­mer im Ho­me­of­fice, muss der Ar­beit­neh­mer nach dem Ent­wurfs für ei­ne ef­fek­ti­ve Ar­beits­zeit­auf­zeich­nung sor­gen, um ei­ne Ein­hal­tung der Höchst­ar­beits­zeit und der Min­destru­h­zei­ten si­cher­zu­stel­len.

Auch die Frak­ti­on der FDP for­dert ei­ne Er­ör­te­rungs­pflicht für das Ho­me­of­fice. Zu­dem sei ei­ne Re­form des Ar­beits­recht not­wen­dig, um ei­nen mo­der­nen Rechts­rah­men für orts- und zeit­fle­xi­bles Ar­bei­ten zu schaf­fen. Ei­nen An­spruch auf Ho­me­of­fice lehnt die Frak­ti­on da­ge­gen ab, da nicht je­de Tä­tig­keit au­ßer­halb des Ar­beits­plat­zes aus­ge­führt wer­den kön­ne und auch sons­ti­ge be­trieb­li­che Be­lan­ge ge­gen ei­ne Ar­beit aus dem Ho­me­of­fice spre­chen kann. Mit ei­ner Er­ör­te­rungs­pflicht könn­ten je­doch ge­ra­de die­se Be­lan­ge mit­ein­an­der ab­ge­wo­gen wer­den.

Die Frak­ti­on der Lin­ken for­dern da­ge­gen ei­nen An­spruch auf Ho­me­of­fice. Die­ser soll je­doch nur als Er­gän­zung zum be­ste­hen­den Ar­beits­platz im Be­trieb aus­ge­übt wer­den und nur ei­nen Teil der Ar­beits­zeit um­fas­sen. Zu­dem dür­fe das Ho­me­of­fice nur auf frei­wil­li­ger Ba­sis der Ar­beit­neh­mer er­fol­gen, die je­der­zeit zu ih­rem be­trieb­li­chen Ar­beits­platz zu­rück­keh­ren dür­fen. Zu­dem for­dert die Lin­ke Re­ge­lun­gen für die Ar­beits­zeit und den Da­ten­schutz.

Auch die Frak­ti­on der Grü­nen spricht sich für ei­nen An­spruch auf Ho­me­of­fice aus, wel­ches als Er­gän­zung zum fes­ten Ar­beits­platz ste­hen soll. Zu­dem soll der Ar­beit­ge­ber aus wich­ti­gen und nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den der Ar­beit aus dem Ho­me­of­fice wi­der­spre­chen kön­nen.

Ins­ge­samt tra­fen die Vor­schlä­ge auf un­ter­schied­li­ches Feed­back. Wäh­rend der Bun­des­ver­band der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de und der Zen­tral­ver­band Deut­sches Hand­werk den An­spruch auf Ho­me­of­fice kri­ti­sier­ten, stoß die­ser beim Deut­schen Ge­werk­schafts­bund auf Re­so­nanz.

Un­ter­stützt wur­de ein mög­li­cher An­spruch auch von dem Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tut und von dem In­sti­tut für Ar­beits- und So­zi­al­recht je­weils der Hans-Böck­ler-Stif­tung.

Der Vor­schlag der FDP wur­de da­ge­gen vom Di­rek­tor des Zen­trums für Ar­beits­be­zie­hun­gen und Ar­beits­recht ge­lobt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 2. Juni 2021

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