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Arbeitsrecht aktuell: 11/216 Kündigungsschutzklage Berlin: Arbeitsgericht großzügig bei Klagefristversäumung
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Versäumt der Anwalt die Klagefrist für eine Kündigungsschutzklage, ist das Anwaltsverschulden dem Arbeitnehmer nicht zuzurechnen
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
Läuft die Klagefrist auch bei anwaltlicher Hilfe?
05.11.2011. Arbeitnehmer können sich gegen eine Kündigung mit einer Kündigungsschutzklage wehren, müssen dann aber spätestens drei Wochen nach Zugang der Kündigung die Kündigungsschutzklage eingereicht haben (§ 7 Kündigungsschutzgesetz - KSchG). Nach Ablauf der Klagefrist gilt die Kündigung als von Anfang an wirksam (§ 4 Satz 1 KSchG in Verb. mit § 7 KSchG).
Eine nachträgliche Zulassung der Kündigungsschutzklage ist nur möglich, wenn der Arbeitnehmer die Fristversäumung nicht verschuldet hat. Hat er einen Anwalt beauftragt und hat der Anwalt die Klagefrist verbummelt, muss sich nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts (BAG) der Arbeitnehmer das Verschulden seines Anwalts zurechnen lassen. Dieser Rechtssprechung des BAG hat vor kurzem das Arbeitsgericht Berlin widersprochen (Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11).
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Ist die Frist für die Kündigungsschutzklage abgelaufen, bleibt als Ausweg § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG. Er sieht eine nachträgliche Zulassung der Klage vor, wenn der Arbeitnehmer trotz Anwendung aller ihm zuzumutenden Sorgfalt an der Fristeinhaltung gehindert war. Allerdings steht das BAG seit 2008 auf dem Standpunkt, dass das Verschulden eines vom Arbeitnehmer beauftragten Anwalts oder Gewerkschaftssekretärs dem Arbeitnehmer zuzurechnen ist (BAG, Urteil vom 11.12.2008, 2 AZR 472/08, BAG, Urteil vom 28.05.2009, 2 AZR 548/08).
Soll heißen: Auch wenn der Arbeitnehmer alles richtig macht und innerhalb der Dreiwochenfrist zum Anwalt geht, verliert er trotzdem sein Klagerecht, wenn der Anwalt die Frist "verbaselt". Begründet wird das mit § 85 Abs.2 Zivilprozessordnung (ZPO), wonach das Verschulden eines Bevollmächtigten dem Verschulden der Prozesspartei gleichsteht.
Allerdings ist § 85 Abs.2 ZPO auf den Fall zugeschnitten, dass ein Prozess überhaupt einmal in Gang gesetzt ist, was bei der Versäumung der Frist für die Kündigungsschutzklage nicht der Fall ist. Hier hakt das Arbeitsgericht Berlin ein und widerspricht dem BAG (Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11).
In dem vom Arbeitsgericht Berlin entschiedenen Fall ging eine Altenpflegerin innerhalb der Dreiwochenfrist mit der vom Arbeitgeber ausgesprochenen Kündigung zu einem 77jährigen Anwalt, der die Kündigung entgegennahm. Der Anwalt erlitt jedoch wenige Tage später einen Schlaganfall und konnte krankheitsbedingt nicht mehr alles korrekt in die Wege leiten. Nach Ablauf der Frist reichte ein anderer Anwalt der Kanzlei Kündigungsschutzklage ein und beantragte deren nachträgliche Zulassung.
Das Arbeitsgericht Berlin ließ die Klage zu. Nach seiner Meinung ist § 85 Abs.2 ZPO auf den Fall der schuldhaft versäumten Klagefrist nicht anzuwenden. Denn anders als bei einer vom Anwalt versäumten Berufungsfrist hat sich im Fall einer verspäteten Kündigungsschutzklage noch kein Gericht mit dem Fall befasst. Das unterscheidet nach Ansicht des Arbeitsgerichts Berlin das Verschulden eines Rechtsanwalts im Prozess von dem Fall, dass der Anwalt die Klagefrist versäumt. Ergänzend meinte das Gericht auch, dass ein Verschulden der Anwaltskanzlei letztlich nicht vorgelegen habe.
Fazit: Dem Arbeitsgericht Berlin ist zuzustimmen. Das "große" BAG wird sich von den guten Argumenten des "kleinen" Arbeitsgerichts Berlin aber kaum von seiner Meinung abbringen lassen. Auch künftig wird daher der Vorteil der Einschaltung einer Anwaltskanzlei mit dem Risiko verbunden sein, dass der Rechtsanwalt die Frist für die Kündigungsschutzklage versäumt. Arbeitnehmer sollten dieses Risiko möglichst gering halten, indem sie sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht wenden.
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Letzte Überarbeitung: 24. April 2013
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Köln, 16.05.2013 Arbeitszeit:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2013, 10 AZR 325/12
Berlin, 14.05.2013 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.05.2013, 9 AZR 844/11
Stuttgart, 30.04.2013 Kündigung und Religion:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25.04.2013, 2 AZR 579/12
Hamburg, 29.04.2013 Bewerberdiskriminierung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25.04.2013, 8 AZR 287/08 (Meister)
Stuttgart, 24.04.2013 Betriebsrenten:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 23.04.2013, 3 AZR 475/11
Stuttgart, 24.04.2013 Kündigungsschutz:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg Urteil vom 20.02.2013, 4 Sa 93/12
Stuttgart, 23.04.2013 Arbeitsvertragsklausel:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.02.2013, 10 AZR 177/12
Berlin, 11.04.2013 Sozialplanabfindung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 26.03.2013, 1 AZR 813/11
Berlin, 21.03.2013 Lohndiskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 28.02.2013, C-427/11 (Kenny)
Nürnberg, 19.03.2013 Zeitarbeitnehmer:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 13.03.2013, 7 ABR 69/11
Berlin, 18.03.2013 Equal Pay:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.03.2013, 5 AZR 954/11
Hannover, 15.03.2013 Arbeitsmittel:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.03.2013, 9 AZR 455/11
Berlin, 11.03.2013 Urlaub und Krankheit:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 31.01.2013, 2 C 10.12
Hannover, 07.03.2013 Altersdiskriminierung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 05.03.2013, 1 AZR 417/12
Berlin, 05.03.2013 Mindestlohndebatte:
Entwurf eines Gesetzes über die Festsetzung des Mindestlohns (Mindestlohngesetz - MinLohnG)
Hamburg, 25.02.2013 Arbeitszeit:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.02.2013, 9 AZR 461/11
Berlin, 22.02.2013 Bewerbungsverfahren:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.02.2013, 8 AZR 180/12
Köln, 13.02.2013 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 26.11.2012, 5 SaGa 14/12
München, 07.02.2013 Zielvereinbarung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.11.2012, 10 AZR 793/11
Berlin, 04.02.2013 Datenschutz:
Der Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Beschäftigtendatenschutzes liegt wieder in der Schublade
Berlin, 01.02.2013 Behinderung:
Schlussanträge der Generalanwältin beim EuGH J. Kokott vom 06.12.2012, Rs. C-335/11 und C-337/11
Berlin, 29.01.2013 Klage gegen Abmahnung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.7.2012, 2 AZR 782/11
Nürnberg, 25.01.2013 Kleinbetriebsklausel:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 24.01.2013, 2 AZR 140/12
Berlin, 24.01.2013 Altersdiskriminierung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 24.01.2013, 8 AZR 429/11
Stuttgart, 22.01.2013 Leiharbeit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, 20.3.2012, 22 Sa 71/11
Berlin, 17.01.2013 Gerichtsurteile:
EuGH, BVerfG, BAG, BGH und LAG Berlin-Brandenburg
Hannover, 16.01.2013 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.01.2013, 9 AZR 430/11
Berlin, 11.01.2013 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 02.11.2012, 6 Sa 1754/12
Berlin, 10.01.2013 Leiharbeit:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 09.01.2013, 15 Sa 1635/12
Berlin, 02.01.2013 Arbeitsgesetzgebung:
Betreuungsgeld, Hartz IV, Kurzarbeitergeld, Minijobs, Sozialabgaben
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