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ARBEITSRECHT AKTUELL

Ak­tu­el­les Ar­beits­recht 2008: Ur­tei­le, Ge­setz­ge­bung, Eu­ro­pa­recht, Ar­beit & So­zia­les

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Auf die­ser Sei­te fin­den Sie ak­tu­el­le Kom­men­ta­re zum Ar­beits­recht 2008, ins­be­son­de­re zu Ur­tei­len und zur Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik.

Ju­ris­ti­sche Be­wer­tun­gen ar­beits­recht­li­cher Ur­tei­le ha­ben wir in der Ru­brik "Recht­spre­chung" ver­öf­fent­licht, Nach­rich­ten aus der Ar­beits­welt in "Ar­beit und So­zia­les", In­for­ma­tio­nen zum eu­ro­päi­schen Ar­beits­recht un­ter "Eu­ro­pa­recht" und Kom­men­ta­re zu ar­beits- und so­zi­al­recht­li­chen Ge­set­zes­än­de­run­gen un­ter "Ge­setz­ge­bung".

Da die Bei­trä­ge ak­tua­li­täts­be­dingt auf teil­wei­se un­voll­stän­di­gen In­for­ma­tio­nen be­ru­hen (ins­be­son­de­re auf ge­richt­li­chen Pres­se­mel­dun­gen über Ur­tei­le, die im Voll­text noch nicht vor­lie­gen), ha­ben sie oft vor­läu­fi­gen Cha­rak­ter.

Äl­te­re Bei­trä­ge ge­ben da­her nicht im­mer den zwi­schen­zeit­lich er­reich­ten Stand der ar­beits- und so­zi­al­recht­li­chen Dis­kus­si­on wie­der.

Bei­trä­ge aus an­de­ren Jah­ren fin­den Sie un­ter Ar­beits­recht 2016, Ar­beits­recht 2015, Ar­beits­recht 2014, Ar­beits­recht 2013, Ar­beits­recht 2012, Ar­beits­recht 2011, Ar­beits­recht 2010, Ar­beits­recht 2009, Ar­beits­recht 2007, Ar­beits­recht 2006, Ar­beits­recht 2005, Ar­beits­recht 2004, Ar­beits­recht 2003, Ar­beits­recht 2002 und un­ter Ar­beits­recht 2001.


 
08/139 Arbeitsverträge von Hartz IV-Sachbearbeitern wirksam befristet
  23.12.2008. Ar­beits­verträge von Hartz IV-Sach­be­ar­bei­tern können gemäß § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) wirk­sam be­fris­tet wer­den, wenn es ei­nen ent­spre­chen­den Haus­halts­ti­tel der Bun­des­agen­tur gibt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08.
 
08/138 Grenzen der konzerninternen Arbeitnehmerüberlassung
  22.12.2008. Über­las­sen Kon­zern­un­ter­neh­men an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men vorüber­ge­hend Ar­beit­neh­mer, gel­ten die Be­schränkun­gen des Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­set­zes (AÜG) nur ein­ge­schränkt (§ 1 Abs.3 Nr.2 AÜG). Die­ses Kon­zern­pri­vi­leg gilt aber nicht, wenn das ent­lei­hen­de "Kon­zern­un­ter­neh­men" nur auf dem Pa­pier steht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Be­schluss vom 18.06.2008, 3 TaBV 8/08.
 
08/137 Betriebsübergang in der Insolvenz: Haftung für Altersteilzeit-Wertguthaben
  19.12.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat im An­schluss an sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung klar­ge­stellt, dass der Er­werb ei­nes Be­triebs oder Be­triebs­teils aus der In­sol­venz­mas­se nicht zur Fol­ge hat, dass der Er­wer­ber für die Erfüllung von Wert­gut­ha­ben aus Al­ters­teil­zeit­verträgen haf­tet. Hier ist der Ar­beit­neh­mer der Dum­me: BAG, Ur­teil vom 30.10.2008, 8 AZR 54/07.
 
08/136 Gläserne Decken auf dem Weg nach oben
  18.12.2008. Ei­ne bei der Beförde­rung ge­genüber ei­nem männ­li­chen Mit­be­wer­ber zurück­ge­setz­te Ar­beit­neh­me­rin kann zum Be­leg für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts auf die sta­tis­ti­sche Un­ter­zahl von Frau­en in Führungs­po­si­tio­nen ver­wei­sen, d.h. dar­in kann ein In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung lie­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 26.11.2008, 15 Sa 517/08.
 
08/135 Betriebsteilübergang auch ohne Wahrung der organisatorischen Selbständigkeit
  17.12.2008: In ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf zu ent­schei­den­den Fall, der dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­liegt, hat der Ge­ne­ral­an­walt Pao­lo Men­goz­zi in sei­nen Schluss­anträgen vom 06.11.2008 die An­sicht ver­tre­ten, dass ein Be­triebs­teilüber­gang im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23/EG auch dann vor­lie­gen kann, wenn die über­nom­me­nen Be­triebs­mit­tel und Ar­beits­kräfte nach ih­rer Über­tra­gung ih­re bis­he­ri­ge or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selbständig­keit ver­lie­ren. Soll­te der EuGH die­sem Ent­schei­dungs­vor­schlag sei­nes Ge­ne­ral­an­walts Men­goz­zi fol­gen, wären künf­tig mehr Fälle als bis­her Be­triebs­teilübergänge im Sin­ne von § 613a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB): Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts Pao­lo Men­goz­zi, vom 06.11.2008, C‑466/07 (Diet­mar Kla­ren­berg ge­gen Fer­ro­tron Tech­no­lo­gies GmbH).
 
08/134 Diskriminierung: Abfindungskürzung für Arbeitnehmer im rentennahen Alter
  16.12.2008. Wie ein ak­tu­el­les Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) bestätigt hat, können die Be­triebs­part­ner bei So­zi­alplänen auch künf­tig Ab­fin­dungs­ansprüche von Ar­beit­neh­mern in "ren­ten­na­hem" Al­ter sehr weit­ge­hen­dem Um­fang nach ih­rem Er­mes­sen kürzen. Hier­in liegt kei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters: BAG, Ur­teil vom 11.11.2008, 1 AZR 475/07.
 
08/133 Die Neufassung der Pendlerpauschale ist verfassungswidrig.
  15.12.2008. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) hat vor kur­zem ent­schie­den, dass die Neu­re­ge­lung der Pen­der­pau­scha­le ver­fas­sungs­wid­rig ist: § 9 Abs.2 Satz 1 und Satz 2 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG) in der Fas­sung des Steu­erände­rungs­ge­set­zes 2007 vom 19.07.2006 (BGBl I, S.1652) ist mit dem im Grund­ge­setz (GG) ent­hal­te­nen Gleich­heits­satz un­ver­ein­bar: Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Be­schluss vom 09.12.2008, 2 BvL 1/07, 2 BvL 2/07, 2 BvL 1/08, 2 BvL 2/08.
 
08/132 Betriebsübergang - Kommentar
  12.12.2008. Buch­be­spre­chung: Mi­cha­el Bach­ner, Pe­ter Ger­hardt, Be­triebsüber­gang. Ba­sis­kom­men­tar zu § 613a BGB mit den Fol­gen für die Mit­be­stim­mung, Bund-Ver­lag, Frank­furt am Main 2008, 231 Sei­ten, 29,90 EUR.
 
08/131 Zustimmungsverweigerung des Betriebsrates zu personellen Maßnahmen auch per E-Mail?
  11.12.2008. Ver­wei­gert der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zu ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ge­plan­ten per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­me, muss er dies gemäß § 99 Abs.3 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) schrift­lich tun. In ei­nem ak­tu­el­len Be­schluss war das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg der An­sicht, dass ei­ne E-Mail die Schrift­form nicht wahrt: LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Be­schluss vom 01.08.2008, 5 TaBV 8/07.
 
08/130 Zweite Geigen sitzen nicht in der ersten Reihe.
  08.12.2008. Der stell­ver­tre­ten­de Stimmführer ei­ner In­stru­men­ten­grup­pe wie zum Bei­spiel der - ers­ten oder zwei­ten - Vio­li­nen muss auf An­wei­sung der Or­ches­ter­lei­tung in der zwei­ten Rei­he Platz neh­men, wenn es hierfür sach­li­che Gründe gibt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 17.06.2008, 13 Sa 97/08.
 
08/129 Nach tagelangem Warten auf dem Flughafen in Bangkok Ärger mit dem Arbeitgeber?
  05.12.2008. Ur­lau­bern dro­hen nach ver­späte­ter Rück­kehr aus Thai­land ar­beits­recht­li­che Nach­tei­le. An­tei­li­ge Ge­haltskürzun­gen oder so­gar Ab­mah­nun­gen sind im Ein­zel­fall möglich.
 
08/128 Steuererleichterung für Arbeitgeber bei der Einstellung Beschäftigter für den privaten Haushalt
  04.12.2008.Das im Ent­wurf vor­lie­gen­de Ge­setz zur Förde­rung von Fa­mi­li­en und haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen (Fa­mi­li­en­leis­tungs­ge­setz - Fam­LeistG) soll be­ste­hen­de steu­er­li­che Vergüns­ti­gun­gen für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen ver­ein­fa­chen und er­wei­tern.
 
08/127 Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung soll gesenkt werden
  03.12.2008. Die Bun­des­re­gie­rung möch­te die Lohn­ne­ben­kos­ten wei­ter sen­ken und plant da­her, die Beiträge zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung zu ver­rin­gern: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Sen­kung des Bei­trags­sat­zes zur Ar­beitsförde­rung, BR-Drs. 751/08 vom 16.10.2008.
 
08/126 Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs vor und nach der Geburt von 14 auf 18 Wochen
  02.12.2008. Die EU-Kom­mis­si­on will die Mut­ter­schutz­richt­li­nie (Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19.10.1992) ändern. Der be­zahl­te Mut­ter­schafts­ur­laub soll von der­zeit 14 auf min­des­tens 18 Wo­chen verlängert wer­den. Soll­te die Richt­li­nie in die­ser Wei­se geändert wer­den, müss­te auch das Mut­ter­schutz­ge­setz (MUSchG) an­ge­passt wer­den: Vor­schlag für ei­ne Richt­li­nie des Eu­ropäischen Par­la­ments und Ra­tes zur Ände­rung der Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19. Ok­to­ber 1992 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen am Ar­beits­platz vom 03.10.2008.
 
08/125 Nochmals zur Frage des diskriminierenden Charakters von Lebensaltersstufen
  01.12.2008. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil mein­te das Ar­beits­ge­richt Mar­burg, dass die Staf­fe­lung der Vergütung nach dem Le­bens­al­ter im Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) zulässig sei, d.h. kei­ne un­zulässi­ge al­ters­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung jünge­rer Ar­beit­neh­mer sei. Da­mit weicht das Ar­beits­ge­richt von Ent­schei­dun­gen des Ar­beits­ge­richts Ber­lin (Ur­teil vom 22.08.2007, 86 Ca 1696/07) und des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ab (LAG, Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 11.09.2008, 20 Sa 2244/07): Ar­beits­ge­richt Mar­burg, Ur­teil vom 26.09.2008, 2 Ca 183/08.
 
08/124 Kündigungsschutzrecht
  28.11.2008. Buch­be­spre­chung: Mi­cha­el Kitt­ner, Wolf­gang Däubler, Ber­tram Zwan­zi­ger (Hrsg.), Kündi­gungs­schutz­recht. Kündi­gun­gen und an­de­re For­men der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Kom­men­tar für die Pra­xis. Bund-Ver­lag, Frank­furt am Main, 7. Auf­la­ge 2008 (2503 Sei­ten), 189,00 EUR.
 
08/123 Folgen einer objektiv falschen Antwort des Arbeitnehmers auf die Frage nach vorangegangenen Beschäftigungen
  27.11.2008. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main trägt der Be­wer­ber bei der Be­set­zung ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags das Ri­si­ko ei­ner un­rich­ti­gen An­ga­be auf die Fra­ge nach ei­ner vor­he­ri­gen Beschäfti­gung beim Ar­beit­ge­ber, und zwar auch dann, wenn der Ar­beit­ge­ber in der Ver­gan­gen­heit sei­ne Fir­men­be­zeich­nung geändert hat. Ist die Ant­wort des Be­wer­bers auf die Fra­ge ei­ner Vor­beschäfti­gung ob­jek­tiv falsch, kann sich der Ar­beit­neh­mer nicht auf die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung (§ 14 Abs.2 Satz 2 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG) be­ru­fen: Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main, Ur­teil vom 09.04.2008, 7 Ca 8061/07.
 
08/122 Besteht für das einzelne Betriebsratsmitglied ein Anspruch auf einen eigenen Internetzugang?
  26.11.2008. Zu den Sach­mit­teln, die der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat zur Verfügung zu stel­len muss, gehört auch ein Zu­gang zum In­ter­net. Der Be­triebs­rat kann nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Düssel­dorf auch ver­lan­gen, dass je­des ein­zel­ne Be­triebs­rats­mit­glied ei­nen In­ter­net­zu­gang erhält: LAG Düssel­dorf, Be­schluss vom 02.09.2008, 9 TaBV 8/08.
 
08/121 Ist ein nach dem Lebensalter gestaffelter Tariflohn diskriminierend?
  25.11.2008.Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ist die bes­se­re Be­zah­lung älte­rer Ar­beit­neh­mer auf der grund­la­ge der BAT-Al­ters­stu­fen ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von Ar­beit­neh­mern we­gen des Al­ters. Da­her können die be­nach­tei­lig­ten jünge­ren Ar­beit­neh­mer ei­ne An­glei­chung nach oben ver­lan­gen, d.h. Be­zah­lung nach der höchs­ten BAT-Le­bens­al­ters­stu­fe: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 11.09.2008, 20 Sa 2244/07.
 
08/120 Altersgrenze für Flugbegleiter
  24.11.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor kur­zem hat ent­schie­den, dass ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Flug­be­glei­ter sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt im Sin­ne von § 14 Abs.1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) und da­her un­wirk­sam ist. In die­sem Ver­fah­ren leg­te das BAG außer­dem dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) die Fra­ge vor, ob die bis zum 30.04.2007 gel­ten­de Re­ge­lung des § 14 Abs.3 Tz­B­fG mit dem Eu­ro­pa­recht ver­ein­bart ist. Nach die­ser Re­ge­lung war die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit 58jähri­gen oder älte­ren Ar­beit­neh­mern ge­ne­rell oh­ne Sach­grund möglich: BAG, Be­schluss vom 16.10.2008, 7 AZR 253/07 (A).
 
08/119 Abschied von der Gleichstellungsabrede - Teil III
  21.11.2008. Seit der zum 01.01.2002 in Kraft ge­tre­te­ne Schul­rechts­re­form gel­ten stren­ge­re Re­geln für die Aus­le­gung des "Klein­ge­druck­ten" im Ar­beits­ver­trag. Ver­wei­se auf Ta­rif­verträge ha­ben da­her auf der Grund­la­ge ei­ner 2007 geänder­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) rechts­be­gründen­de Wir­kung, auch wenn die Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers wegfällt. Das gilt für Ar­beits­verträge, die am 01.01.2002 oder später ver­ein­bart wur­den, auch dann, wenn da­mit ein schon länger be­ste­hen­des, d.h. vor dem 31.12.2001 be­gründe­tes Ar­beits­verhält­nis ge­re­gelt wird: BAG, Ur­teil vom 22.10.2008, 4 AZR 793/07.
 
08/118 Rechtsanwaltskosten bei angedrohter Kündigung
  20.11.2008. Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 19.11.2008 ent­schie­den, dass Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen bei ei­ner vom Ar­beit­ge­ber an­ge­droh­ten (rechts­wid­ri­gen) Kündi­gung die dem Ar­beit­neh­mer ent­stan­den An­walts­kos­ten über­neh­men müssen. Da­mit hat der BGH die Chan­cen ver­si­cher­ter Ar­beit­neh­mer, bei Ver­hand­lun­gen über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ef­fek­tiv und mit an­walt­li­cher Hil­fe ih­re Rech­te zu wah­ren, er­heb­lich gestärkt: BGH, Ur­teil vom 19.11.2008, IV ZR 305/07.
 
08/117 Betriebsverfassungsgesetz mit Wahlordnung und EBR-Gesetz
  19.11.2008. Buch­be­spre­chung: Wolf­gang Däubler, Mi­cha­el Kitt­ner, Tho­mas Kle­be (Hrsg.): Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz mit Wahl­ord­nung und EBR-Ge­setz. Kom­men­tar für die Pra­xis. Bund-Ver­lag; 11. Auf­la­ge 2008 (2458 Sei­ten, 98,00 EUR)
 
08/116 Kündigungsschutz und Altersdiskriminierung - Revisionsentscheidung in Sachen Karmann
  19.11.2008. Nach ei­nem vor zwei Wo­chen er­gan­ge­nen Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) sind die Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) auch bei Kündi­gun­gen zu be­ach­ten. Das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung (§§ 1, 10 AGG) be­deu­tet aber nicht, dass man bei der So­zi­al­aus­wahl nicht sog. Al­ters­grup­pen bil­den dürf­te, um auf die­se Wei­se das Ge­wicht des Le­bens­al­ters bei der So­zi­al­aus­wahl zu be­gren­zen. Ei­ne sol­che Min­de­rung der Be­deu­tung des Al­ters bei der So­zi­al­aus­wahl ist kei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Ar­beit­neh­mer: BAG, Ur­teil vom 06.11.2008, 2 AZR 701/07.
 
08/115 Verschmelzen Zeitarbeitsunternehmen, erlischt die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung.
  05.11.2008. Die Er­laub­nis zur ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­merüber­las­sung er­lischt, wenn sich ein Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men im We­ge der ge­sell­schafts­recht­li­chen Ver­schmel­zung mit ei­ner an­de­ren Ge­sell­schaft ver­bin­det. Ei­ne Über­g­angs­frist ist da­bei nicht zu gewähren. Da­her muss rech­tei­tig vor der Ein­tra­gung der Ver­schmel­zung ein neu­er An­rag ge­stellt wer­den. Lan­des­ar­beis­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 25.08.2008, 17 Sa 153/08.
 
08/114 Berufung des Arbeitgebers auf rechtswidrig erlangte Erkenntnisse im Arbeitsgerichtsprozess
  04.11.2008. Manch­mal wer­den Diebstähle nur auf­ge­deckt, in­dem der Ar­beit­ge­ber sei­ne Ar­beit­neh­mer mit Vi­deo­ka­me­ras über­wacht, oh­ne zu­vor dar­auf gemäß § 6b Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz (BDSG) hin­ge­wie­sen zu ha­ben. Kündigt er dann frist­los, kann er sei­ne Er­kennt­nis­se, die er durch die ver­bo­te­ne Vi­deoüber­wa­chung er­langt hat, nach An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Sach­sen-An­halt im Kündi­gungs­schutz­pro­zess vor­tra­gen. Erst wenn die­ser Vor­trag be­strit­ten wird, kann die Rechts­wid­rig­keit der Vi­deoüber­wa­chung zu ei­nem Ver­bot der Ver­wen­dung der Vi­de­obänder als Be­weis­mit­tel führen ("Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot"): LAG Sach­sen-An­halt, Ur­teil vom 15.04.2008, 11 Sa 522/07.
 
08/113 Unwirksamkeit von Vertragsklauseln, die Überstunden mit dem Lohn pauschal abgelten
  31.10.2008. Mit ei­ner ein­sei­tig aus­ge­ar­bei­te­ten und dem Ar­beit­neh­mer vor­ge­ge­be­nen ar­beits­ver­trag­li­chen Klau­sel kann der Ar­beit­ge­ber nicht die ge­son­der­te Be­zah­lung von Über­stun­den all­ge­mein aus­sch­ließen. Ei­ne sol­che for­mu­lar­ar­beits­ver­trag­li­che Über­stun­den­klau­sel ist un­wirk­sam ist. Sie verstößt nach An­sicht des Ge­richts ge­gen das in § 307 Abs.1 Satz 2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ent­hal­te­ne Trans­pa­renz­ge­bot: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 11.07.2008, 9 Sa 1958/07.
 
08/112 AiP-Zeiten als Vorzeiten ärztlicher Tätigkeit gemäß dem TV-Ärzte
  30.10.2008. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung die Mei­nung ver­tre­ten, dass Zei­ten als Arzt im Prak­ti­kum (AiP) als Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit im Sin­ne des TV-Ärz­te an­zu­er­ken­nen sind. Da­mit setzt sich das LAG al­ler­dings in Wi­der­spruch zu den Ent­schei­dun­gen ei­ni­ger an­de­rer Lan­des­ar­beits­ge­rich­te: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.08.2008, 9 Sa 114/08.
 
08/111 Schadensersatz bei rechtswidriger Verweigerung von Arbeitszeitverlängerung
  29.10.2008. Teil­zeit­kräfte ha­ben ei­nen An­spruch dar­auf, bei der Be­set­zung frei­er Voll­zeit­stel­len ge­genüber an­de­ren Stel­len­be­wer­bern be­vor­zugt zu wer­den, falls sie eben­so gut ge­eig­net sind wie die an­de­ren Stel­len­be­wer­ber (§ 9 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG). Ar­beit­ge­ber, die die­sen An­spruch auf Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit rechts­wid­rig ver­wei­gern, ris­kie­ren die Be­las­tung mit Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen. Denn der vom Teil­zeit­ar­beit­neh­mer er­lit­te­ne Ver­dienst­aus­fall ist ein zu er­set­zen­der Scha­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.09.2008, 9 AZR 781/07.
 
08/110 Keine Altersgrenzen für Einstellung in den Justizvollzugsdienst als Angestellter
  27.10.2008. Will der Staat ei­nen Be­wer­ber für ei­ne Ar­beit­neh­mer­po­si­ti­on im Jus­tiz­voll­zugs­dienst un­ter An­wen­dung ei­nes Ein­stel­lungshöchst­al­ters (25 bzw. 27 Jah­re) nicht ein­stel­len, liegt ei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung von Be­wer­bern we­gen ih­res Al­ters vor. Auf die va­ge Möglich­keit, die ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer später ins Be­am­ten­verhält­nis zu über­neh­men, wo dann be­am­ten­recht­li­che Al­ters­gren­zen für die Ver­be­am­tung ei­ne Rol­le spie­len könn­ten, kann sich der Ar­beit­ge­ber nicht be­ru­fen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 07.08.2008, 11 Sa 284/08.
 
08/109 Gesetzentwurf der Bundesregierung will Insolvenzschutz von Arbeitszeitguthaben verbessern.
  24.10.2008. Die Bun­des­re­gie­rung hat am 22.09.2008 den Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der Rah­men­be­din­gun­gen für die Ab­si­che­rung fle­xi­bler Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen (Bun­des­tag Drucks. 16/10289) vor­ge­legt. Das Ge­setz zielt dar­auf, dass Ver­ein­ba­run­gen über Ar­beits­zeit­kon­ten für den Ar­beit­neh­mer trans­pa­ren­ter aus­ge­stal­tet wer­den und dass die Wert­gut­ha­ben bes­ser als bis­her vor in­sol­venz­be­ding­ten Ausfällen geschützt wer­den.
 
08/108 EuGH distanziert sich erneut vom Mangold-Urteil.
  23.10.2008. Mit ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil ist der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) auf Dis­tanz zu sei­nem po­li­tisch und ju­ris­tisch um­strit­te­nen Ur­teil in der Sa­che Man­gold ge­gan­gen (EuGH, Ur­teil von 22.11.2005, C-144/04 - Man­gold). Ge­genüber sei­ner Man­gold-Ent­schei­dung hat der EuGH jetzt klar­ge­stellt, dass die Mit­glied­staa­ten der EU vor Ab­lauf der Frist für die Um­set­zung der Gleich­be­hand­lungs­richt­li­nie (Richt­li­nie 2000/78/EG) nicht da­zu ver­pflich­tet sind, ei­nen recht­li­chen Schutz von Er­werbs­per­so­nen vor Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen ih­res Al­ters zu gewähr­leis­ten: EuGH, Ur­teil vom 23.09.2008, C‑427/06 (Bartsch gg. Bosch und Sie­mens Haus­geräte (BSH) Al­tersfürsor­ge GmbH).
 
08/107 Kein Stimmrecht von Betriebsratsmitgliedern in sie persönlich betreffenden Angelegenheiten
  22.10.2008. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg hat ent­schie­den, dass sich frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glie­der bei Be­schlüssen des Be­triebs­rats der Stim­me ent­hal­ten müssen, wenn es um die Ein­grup­pie­rung von Ar­beit­neh­mern geht, de­ren Ge­halt als Ver­gleichs­maßstab für die Ge­halts­ent­wick­lung der frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der dient: LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Be­schluss vom 30.06.2008, 4 TaBV 1/08.
 
08/106 Herabsetzung von Managergehältern gemäß dem Gesetz zur Errichtung eines Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMStFG)
  21.10.2008. Gemäß § 5 Abs.2 Nr.4 a) der am 20.10.2008 von der Bun­des­re­gie­rung be­schlos­se­nen Ver­ord­nung zur Durchführung des Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds­ge­set­zes (Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds-Ver­ord­nung – FMStFV) hat der Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­fonds "dar­auf hin­zu­wir­ken", dass die Gehälter der Vor­stands­mit­glie­der von Ban­ken, die Un­terstützungs­maßnah­men nach dem FMStFG be­an­spru­chen, im Rah­men der zi­vil­recht­li­chen Möglich­kei­ten her­ab­ge­setzt wer­den. Da­bei gilt ei­ne Vergütung von mehr als 500.000 Eu­ro pro Jahr grundsätz­lich als un­an­ge­mes­sen. Ob Ge­haltskürzun­gen recht­lich zulässig und ggf. durch­setz­bar sind, ist al­ler­dings zwei­fel­haft.
 
08/105 Keine Überschreitung der 400-Euro-Grenze, wenn ein Minijobber seinen Monatslohn von ca. 350 EUR bereits nach zwei Wochen erarbeitet hat
  06.10.2008. Ar­bei­tet ein Mi­ni­job­ber im letz­ten Mo­nat sei­ner Beschäfti­gung nur zwei Wo­chen und wird dann frei­ge­stellt, führt es nicht zur Über­schrei­tung der ge­setz­li­chen 400-Eu­ro-Gren­ze, wenn er während der zwei Wo­chen so viel ar­bei­tet, dass sein Lohn hoch­ge­rech­net auf den Mo­nat mehr als 400,00 EUR brut­to be­tra­gen würde. Denn ent­schei­dend für die Mi­ni­job-Gren­ze ist nur der mo­nat­li­che Lohn und nicht der Um­fang oder die Dau­er der Ar­beits­leis­tung im ab­ge­rech­ne­ten Mo­nat: Ar­beits­ge­richt Mar­burg, Ur­teil vom 25.04.2008, 2 Ca 9/08.
 
08/104 Hervorhebung der Belastbarkeit im Zeugnis eines Zeitungsredakteurs
  02.10.2008. Be­rufs­spe­zi­fi­sche Merk­ma­le der Tätig­keit und der zu er­war­ten­den Leis­tun­gen gehören zwin­gend in ein qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis. Zu die­sen Merk­ma­len kann im Fall ei­ner Zei­tungs­re­dak­teurs auch die Be­last­bar­keit un­ter Stress gehören: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.08.2008, 9 AZR 632/07.
 
08/103 Verwirkung des Rechts zum Widerspruch gegen die Folgen eines Betriebsübergangs
  01.10.2008. Wird der Ar­beit­neh­mer über ei­nen Be­triebsüber­gang nicht kor­rekt in­for­miert, kann er auch noch nach Ab­lauf der ge­setz­li­chen Ein­mo­nats­frist des § 613a Abs.6 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Er­wer­ber wi­der­spre­chen. Ob­wohl das Wi­der­spruchs­recht dann un­be­grenzt be­steht, kann es ver­wir­ken, wenn der Ar­beit­neh­mer ein Jahr nach dem Be­triebsüber­gang mit dem Er­wer­ber ei­nen ar­beits­ge­richt­li­chen Ab­fin­dungs­ver­gleich ver­ein­bart und ein wei­te­res Jahr da­nach sei­nen Wi­der­spruch erklärt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 08.05.2008, 1 Sa 318/07.
 
08/102 Umstellung einer kirchlichen Gesamtversorgung auf das Punktemodell des öffentlichen Dienstes
  29.09.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil die Ablösung der für die Ar­beit­neh­mer der ka­tho­li­schen Kir­che und der Ca­ri­tas bis­lang gel­ten­den Ge­samt­ver­sor­gung durch ein Punk­te­mo­dell für zulässig erklärt. Während die Be­triebs­ren­ten bis­lang end­ge­halts­be­zo­gen be­rech­net wur­den und da­her we­gen der übli­chen Ge­halts­stei­ge­run­gen am En­de des Er­werbs­le­bens zu ho­hen Be­triebs­ren­ten führ­ten, gilt künf­tig ein Punk­te­mo­dell, dem zu­fol­ge der Ar­beit­neh­mer im Lau­fe sei­nes Ar­beits­le­bens je nach sei­nem ak­tu­el­len Ver­dienst Bau­stei­ne für ei­ne Be­triebs­ren­te er­wirb­ht. Das neue Punk­te­mo­dell gilt rück­wir­kend ab dem 01.01.2002. Es ist für die Ar­beit­neh­mer we­ni­ger at­trak­tiv, aber recht­lich zulässig: BAG, Ur­teil vom 19.08.2008, 3 AZR 383/06.
 
08/101 Informationspflichten beim Betriebsübergang: Bezeichnung des Erwerbers als „neue GmbH“ genügt nicht.
  26.09.2008. Will der Ar­beit­ge­ber ei­nen Be­trieb oder Be­triebs­teil im We­ge des Be­triebs(teil)über­gangs auf ei­ne neu zu gründen­de GmbH aus­glie­dern, muss er den­noch die ge­setz­li­chen In­for­ma­ti­ons­rech­te der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer wah­ren. Die Mit­tei­lung an die Ar­beit­neh­mer, ih­re Ar­beits­verhält­nis­se würden auf ei­ne "neue GmbH" über­ge­hen, genügt nicht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.08.2008, 8 AZR 407/07.
 
08/100 Abschied vom Annahmeverzugslohn?
  24.09.2008. Nimmt der Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­leis­tung ent­ge­gen, ob­wohl er müss­te, hat der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf An­nah­me­ver­zugs­lohn. Das kommt vor al­lem nach un­wirk­sa­men Kündi­gun­gen vor. Der An­spruch auf An­nah­me­ver­zugs­lohn setzt aber Leis­tungs­be­reit­schaft auf sei­ten des Ar­beit­neh­mers vor­aus, und zwar auch dann, wenn es um ei­ne Schon­ar­beit geht, die der Ar­beit­ge­ber vor dem Hin­ter­grund ei­ner länge­rer Krank­heit hätte an­bie­ten müssen. An­nah­me­ver­zugs­lohn ist nicht zu zah­len, wenn die Schon­ar­beit un­ter­blie­ben ist, weil der Ar­beit­neh­mer von ihr nichts wis­sen will: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 27.08.2008, 5 AZR 16/08.
 
08/099 Die „Mangold-Rechtsprechung“ des EuGH und des BAG auf dem Prüfstand des Verfassungsrechts
  23.09.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat­te mit Ur­teil vom 26.04.2006 (7 AZR 500/04) ent­schie­den, dass die we­sent­li­chen Aus­sa­gen des Man­gold-Ur­teils des Erupäischen Ge­richtshfs (EuGH) für deut­sche Ge­rich­te ver­bind­lich sei­en. Dem­zu­fol­ge hat das BAG die po­li­tisch und recht­lich um­strit­te­ne, im da­ma­li­gen Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz ent­hal­te­ne Möglich­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit Ar­beit­neh­mern im Al­ter ab 52 Jah­ren als ungültig be­han­delt, d.h. das BAG hat ein deut­sches Ge­setz nicht an­ge­wandt. Ge­gen die­ses zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers er­gan­ge­ne Ur­teil des BAG leg­te die­ser Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein, die nun­mehr in Karls­ru­he vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) zur Ent­schei­dung an­steht (2 BvR 2661/06).
 
08/098 Neue Unterrichtungspflichten bei Unternehmensübernahmen
  22.09.2008. Gemäß ei­ner neu in das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) ein­gefügten Vor­schrift ist der Wirt­schafts­aus­schuss künf­tig über die Über­nah­me des Un­ter­neh­mens zu in­for­mie­ren (§ 106 Abs.3 Nr.9a Be­trVG neue Fas­sung), falls mit dem Kauf der "Er­werb der Kon­trol­le" ver­bun­den ist. Die Ge­set­zesände­rung ist Teil ei­nes um­fas­sen­de­ren Ver­suchs, die mit Fi­nanz­in­ves­ti­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken zu be­gren­zen: Ge­setz zur Be­gren­zung der mit Fi­nanz­in­ves­ti­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken (Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz), vom 18.08.2008, BGBl. I, S.1666.
 
08/097 Anwaltsgebühren nur im Erfolgsfall?
  29.08.2008. Nach dem seit dem 01.07.2008 in das Rechts­an­walts­vergütungs­ge­setz (RVG) ein­gefügten § 4a sind er­folgs­abhängi­ge Vergütungs­ver­ein­ba­run­gen aus­nahms­wei­se zulässig. Ob Anwälte auf die­ser Grund­la­ge je­doch an ei­ner von ih­nen aus­zu­han­deln­den Ab­fin­dung be­tei­ligt wer­den können, ist frag­lich: Ge­setz zur Neu­re­ge­lung des Ver­bo­tes der Ver­ein­ba­rung von Er­folgs­ho­no­ra­ren, vom 12.06.2008.
 
08/096 Siemensmitarbeiter obsiegen im BenQ-Prozess vor dem LAG München.
  28.08.2008. Nach ei­nem Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) München wa­ren die In­for­ma­tio­nen, die die Sie­mens­mit­ar­bei­ter im Jah­re 2005 über den be­vor­ste­hen­den Be­triebsüber­gang auf den tai­wa­ne­si­schen Han­dy­her­stel­ler BenQ bzw. sei­ne deut­sche Toch­ter er­hal­ten hat­ten, un­zu­rei­chend. Da­her konn­ten sie noch lan­ge nach dem Be­triebsüber­gang der Über­lei­tung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se wi­der­spre­chen, was die meis­ten an­ge­sichts der In­sol­venz der deut­schen BenQ-Toch­ter im Sep­tem­ber 2006 auch ta­ten. Die wi­der­spre­chen­den Ar­beit­neh­mer sind da­her bei Sie­mens ge­blie­ben: LAG München, Ur­teil vom 01.07.2008, 8 Sa 27/08.
 
08/095 Diskriminierung bei Benachteiligung eines Arbeitsnehmers wegen der Behinderung seines Kindes
  27.08.2008. Die Richt­li­nie 78/2000/EG schützt Ar­beit­neh­mer ge­gen Dis­kri­mi­nie­run­gen im Er­werbs­le­ben "we­gen ei­ner Be­hin­de­rung". Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) kann ei­ne ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie auch dann vor­lie­gen, wenn der be­nach­tei­lig­te Ar­beit­neh­mer zwar selbst nicht be­hin­dert ist, aber ei­nen be­hin­der­ten An­gehöri­gen hat, um den er sich kümmern muss. Führt die­se pri­va­te Be­las­tung zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung im Ar­beits­verhält­nis, kann ei­ne be­hin­de­rungs­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung vor­lie­gen: EuGH, Ur­teil vom 17.07.2008, C-303/06 (Cole­man gg. At­triddge Law, Ste­ve Law).
 
08/094 Kein formularvertraglicher Ausschluss des Annahmeverzugslohns für Zeiten des Auftragsmangels
  26.08.2008. Der Ar­beit­ge­ber trägt nach dem Ge­setz das Ri­si­ko des Ar­beits­aus­falls we­gen tech­ni­scher oder wirt­schaft­li­cher Be­triebsstörun­gen. Da­zu gehört auch der Auf­trags­man­gel. In sol­chen Fällen muss der Ar­beit­ge­ber auch dann den Lohn be­zah­len, wenn kei­ne Ar­beit zu ver­rich­ten ist. Die­ses Ri­si­ko kann er nicht "im Klein­ge­druck­ten" auf den Ar­beit­neh­mer abwälzen, wenn die Ar­beits­pflicht auch in um­satz­schwa­chen Zei­ten nach dem Ver­trag fort­be­steht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.07.2008, 5 AZR 810/07.
 
08/093 Bundesarbeitsgericht beschränkt Freiwilligkeitsvorbehalte bei Sonderzahlungen
  25.08.2008. Be­zeich­net der Ar­beit­ge­ber in sei­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) ei­ne Leis­tung als "frei­wil­lig und je­der­zeit wi­der­ruf­lich", ist die­se Klau­sel nicht klar und verständ­lich und da­her un­wirk­sam. Ein Wi­der­rufs­vor­be­halt und ein Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt schließen sich ge­gen­sei­tig aus. Der Spiel­raum für Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­te wird da­mit zu­neh­mend en­ger: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 30.07.2008, 10 AZR 606/07.
 
08/092 Regelungen zum Schutz von Hinweisgebern ("Whistleblower") unterliegen der Mitbestimmung.
  22.08.2008. Ethik­richt­li­ni­en sind auf dem Vor­marsch. Im­mer mehr Un­ter­neh­mer ent­wer­fen um­fang­rei­che Ver­hal­tens­richt­li­ni­en, die Ar­beit­neh­mern un­ter an­de­rem vor­schrei­ben, den Ar­beit­ge­ber über das Fehl­ver­hal­ten an­de­rer Mit­ar­bei­ter zu in­for­mie­ren. Sol­che Vor­ga­ben zum "Ver­pfei­fen" bzw. "Whist­leb­lo­wing" be­tref­fen das Ord­nungs­ver­hal­ten. Da­her hat der Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht. Sol­che Re­ge­lun­gen, die der Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen, ma­chen um­fang­rei­che Ethik-Richt­li­ni­en aber nicht ins­ge­samt mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Die Fra­ge nach der Mit­be­stim­mungs­pflicht ist für je­de Re­ge­lung ge­trennt zu be­ur­tei­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 22.07.2008, 1 ABR 40/07.
 
08/091 Keine Vertragspflicht zum Führen von Vertragsverhandlungen
  21.08.2008. Will der Ar­beit­ge­ber ein Per­so­nal­gespräch zum Zwe­cke ei­ner Ände­rung des Ar­beits­ver­trags führen, be­stellt er ihn ein und ist ver­schnupft, wenn der Ar­beit­neh­mer mit ihm ver­han­deln will. Da­her liegt es na­he, den Ar­beit­neh­mer "of­fi­zi­ell", d.h. per Ar­beits­an­wei­sung, zu ei­nem sol­chen Gespräch ein­zu­be­stel­len. Ei­ne sol­che An­wei­sung ist aber nicht vom Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers ge­deckt, denn der Ar­beit­neh­mer hat kei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht, Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit dem Ar­beit­ge­ber zu führen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 03.06.2008, 3 Sa 1041/07.
 
08/090 Der Berg kreißt und gebiert eine Maus.
  20.08.2008. Am 16.07.2008 präsen­tier­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf zur Re­form des Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes (AEntG) und ei­nen wei­te­ren Ent­wurf zur Re­form des Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen­ge­set­zes (Mi­ArbG), das in Deutsch­land be­reits 1952 in Kraft ist und seit­dem ei­ne staat­li­che Lohn­fest­set­zung er­laubt. Kei­ner der bei­den Entwürfe er­wei­tert den Spiel­raum für staat­lich fest­ge­setz­te Min­destlöhne in nen­nens­wer­tem Um­fang.
 
08/089 Kündigung: Keine Kündigung eines Busfahrers wegen des Entzugs einer „betrieblichen Fahrerlaubnis“
  05.08.2008. Ei­ne vom Ar­beit­ge­ber er­teil­te "be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis" ist kei­ne recht­lich not­wen­di­ge Be­din­gung für den Ein­satz ei­nes an­ge­stell­ten Bus­fah­rers bei der Per­so­nen­beförde­rung. Ihr Ent­zug durch ei­nen Be­triebs­lei­ter recht­fer­tigt we­der ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung noch ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung ei­nes Bus­fah­rers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 05.06.2008, 2 AZR 984/06.
 
08/088 Männliche Erzieher im Mädcheninternat?
  01.08.2008. In Stel­len­aus­schrei­bun­gen darf nicht ge­zielt nach Männern oder Frau­en ge­sucht wer­den, denn das wäre ei­ne ver­bo­te­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung. An­ders ist es aber dann, wenn es ei­nen trif­ti­gen Sach­grund dafür gibt, nur Männer oder nur Frau­en für ei­ne be­stimm­te Ar­beit ein­stel­len zu wol­len. Das kann z.B. der Fall sein, wenn ei­ne Frau als be­treu­en­de Pädago­gin für ein Mädchen­in­ter­nat ge­sucht wird: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 20.03.2008, 2 Sa 51/08.
 
08/087 Fälligkeit des Abfindungsanspruchs aus gerichtlichem Vergleich
  31.07.2008. Wird in ei­nem ge­richt­li­chen Ab­fin­dungs­ver­gleich ei­ne Ab­fin­dung ver­spro­chen und ist das Ar­beits­verhält­nis bei Ver­gleichs­ab­schluss schon be­en­det, wird der Ab­fin­dungs­an­spruch so­fort fällig und nicht et­wa erst beim nächs­ten re­gulären Lohn­lauf: Ar­beits­ge­richt Frei­burg, Ur­teil vom 04.07.2008, 3 Ca 263/08.
 
08/086 Diskriminierung durch öffentliche Äußerung ohne konkretes Opfer
  30.07.2008. Äußert ein Ar­beit­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Ein­stel­lungs­kam­pa­gne öffent­lich, er wer­de Ein­wan­de­rer ab­leh­nen, ist das ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft gemäß Art.2 Abs.2 Buch­sta­be a) der Richt­li­nie 2000/43/EG. Sol­che Äußerun­gen genügen, um ei­ne Ver­mu­tung für ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Ein­stel­lungs­po­li­tik im Sin­ne des Art.8 Abs.1 der Richt­li­nie 2000/43 zu be­gründen. Der Ar­beit­ge­ber muss dann be­wei­sen, dass er den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bei sei­ner Ein­stel­lungs­pra­xis nicht ver­letzt: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 10.07.2008, C-54/07.
 
08/085 Regierungskoalition plant Verbesserungen des BEEG
  29.07.2008. Das am An­fang 2007 in Kraft ge­tre­te­ne Bun­des­el­tern­geld und -El­tern­zeit­ge­setz (BEEG) soll in ei­ni­gen Punk­te geändert wer­den. Die Wahlmöglich­keit beim Be­zug von El­tern­geld soll fle­xi­bler den Le­bens­si­tua­tio­nen an­spruch­be­rech­tig­ter El­tern an­ge­passt wer­den. Außer­dem sol­len jun­ge Väter beim El­tern­geld nicht be­nach­tei­ligt wer­den, weil sie vor Be­ginn ih­rer El­tern­zeit Wehr- oder Zi­vil­dienst ge­leis­tet ha­ben: Ent­wurf ei­nes Ers­ten Ge­set­zes zur Ände­rung des Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­set­zes, Ge­setz­ent­wurf der Frank­tio­nen der CDU/CSU und der SPD vom 03.06.2008.
 
08/084 Mehr Lohn für Kirchenmitarbeiter
  28.07.2008. Ab Au­gust 2008 gilt ein neu­er Ta­rif­ver­trag für die Ein­rich­tun­gen der Evan­ge­li­schen Kir­che in Ber­lin und Bran­den­burg: Ta­rif­ver­trag der Evan­ge­li­schen Kir­che Ber­lin-Bran­den­burg-schle­si­sche Ober­lau­sitz (TV-EB­KO), vom 09.07.2008.
 
08/083 Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Fünften Vermögensbildungsgesetzes
  24.07.2008. Die Bun­des­re­gie­rung hat sich das "Wei­ter­bil­dungs­spa­ren" auf die Fah­nen ge­schrie­ben. Künf­tig sol­len Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit ha­ben, auf ihr im Rah­men der staat­lich geförder­ten Vermögens­bil­dung ge­bil­de­tes Vermögen zurück­zu­grei­fen, um da­mit Fort­bil­dungs­maßnah­men zu be­zah­len. Da­zu soll das Fünf­te Ge­setz zur Förde­rung der Vermögens­bil­dung der Ar­beit­neh­mer geändert wer­den: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ände­rung des Fünf­ten Vermögens­bil­dungs­ge­set­zes, Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 16.06.2008, Bun­des­tag Drucks. 16/9560.
 
08/082: Überraschende Probezeitbefristungsklausel
  24.07.2008. Mit Ur­teil vom 16.04.2008, 7 AZR 132/07 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass die Kom­bi­na­ti­on ei­ner zwölf­mo­na­ti­gen Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags mit ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit­be­fris­tung un­wirk­sam ist, wenn sie in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) des Ar­beit­ge­bers "ver­steckt" wird. Die­ses Ur­teil hat­ten wir im Mai auf der Grund­la­ge ei­ner Pres­se­mel­dung des BAG vom 16.04.2008 für Sie kom­men­tiert (Ar­beits­recht ak­tu­ell 08/52: Dop­pel­be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges). Die zwi­schen­zeit­lich veröffent­lich­ten Ur­teils­gründe ma­chen deut­lich, dass Ar­beit­neh­mer­anwälte bei ei­ner Ent­fris­tungs­kla­ge in der­ar­ti­gen Fällen sorgfältig ar­bei­ten müssen.
 
08/081 Führungsämter auf Zeit sind verfassungswidrig.
  23.07.2008. Karls­ru­he setzt der Stärkung des Leis­tungs­prin­zips im Be­am­ten­recht Gren­zen. Die vorüber­ge­hen­de Über­tra­gung von Führungs­auf­ga­ben an Be­am­te ist ein zu schwe­rer Ein­griff in das Le­bens­zeit­prinzp: Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Be­schluss vom 28.05.2008, 2 BvL 11/07.
 
08/080: Kopftuchverbot bei den Cellitinnen zur Heiligen Maria
  22.07.2008. Ein ka­tho­li­sche Pfle­ge­ein­rich­tung kann ei­ner mus­li­mi­schen Kran­ken­schwes­ter nicht oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen kündi­gen, weil sie dar­auf be­steht, bei der Ar­beit ein is­la­mi­sches Kopf­tuch zu tra­gen: Ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 06.03.2008, 19 Ca 7222/07.
 
08/079: Kundenwünsche gehen vor Bestandsschutz
  21.07.2008. Ist das Ar­beits­verhält­nis ei­nes Wach­man­nes gemäß Ver­trag von der Be­din­gung abhängig, dass der ein­zi­ge Auf­trag­ge­ber des Ar­beit­ge­bers die für den Wach­mann persönlich er­teil­te Ein­satz­ge­neh­mi­gung nicht wi­der­ruft, so wird das Ar­beits­verhält­nis au­to­ma­tisch mit dem Wi­der­ruf der Ein­satz­ge­neh­mi­gung be­en­det. Denn dann ist die ver­trags­auflösen­de Be­din­gung ein­ge­tre­ten. Ob der Wi­der­ruf auf ei­nem Fehl­ver­hal­ten des Wach­manns be­ruht oder nicht, spielt für die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kei­ne Rol­le: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.03.2008, 7 AZR 1033/06.
 
08/078 Sittenwidrig geringe Vergütung bei Textildiscounter
  18.07.2008. Ein St­un­den­lohn von 5,20 EUR brut­to für ei­ne An­ge­stell­te im Ein­zel­han­del mit Ver­kaufs­auf­ga­ben ist sit­ten­wid­rig ge­ring und stellt da­her ei­ne un­wirk­sa­me Lohn­ver­ein­ba­rung dar. Er un­ter­schrei­tet nämlich den Ta­rif­lohn in der Ein­zel­han­dels­bran­che - hier: für Nord­rhein-West­fa­len - um mehr als 30 Pro­zent: Ar­beits­ge­richt Dort­mund, Ur­teil vom 28.05.2008, 4 Ca 274/08.
 
08/077 Tarifliche Auflösung von Arbeitsverhältnissen mit Erreichen des Rentenalters
  17.07.2008. Der­zeit ist hef­tig um­strit­ten, ob Ta­rif­verträge und auf sie ver­wei­sen­den Ar­beits­verträge vor­se­hen können, dass Ar­beit­neh­mer mit Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters au­to­ma­tisch ih­ren Job ver­lie­ren, d.h. un­abhängig von ih­rem Wil­len "zwangs­pen­sio­niert" wer­den. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) stel­len sol­che ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen kei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar und sind da­her wirk­sam: BAG, Ur­teil vom 18.06.2008, 7 AZR 116/07.
 
08/076 Keine Beschränkung des gesetzlichen Teilzeitanspruchs durch freiwillige Betriebsvereinbarungen
  16.07.2008. Der Ar­beit­ge­ber kann den Wunsch ei­nes Ar­beit­neh­mers nach Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit und auf ei­ne be­stimm­te Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit nicht mit der Be­gründung ab­leh­nen, dass der Wunsch des Ar­beit­neh­mers nicht den in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Teil­zeit­mo­del­len ent­spricht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.06.2008, 9 AZR 313/07.
 
08/075 Bindung des Arbeitnehmers an die gewünschte Arbeitszeitverteilung
  15.07.2008. Ver­langt der Ar­beit­neh­mer zu­sam­men mit dem Wunsch nach ei­ner Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit auch ei­ne be­stimm­te Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit auf die Ta­ge der Ar­beits­wo­che, muss er sich an die­sem Ver­tei­lungs­wunsch später fest­hal­ten las­sen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.06.2008, 9 AZR 514/07.
 
08/074 Mit 31 Jahren zu alt für die Feuerwehr?
  14.07.2008. In Hes­sen und in an­de­ren Bun­desländern gel­ten Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung als Feu­er­wehr­be­am­ter, die älte­re In­ter­es­sen­ten bzw. Be­wer­ber als ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ih­res Al­ters emp­fin­den. Und in der Tat: Sol­che Al­ters­gren­zen, die in Hes­sen mit 30 Jah­ren recht nied­rig sind, sind ei­ne Be­nach­tei­lig­tung Älte­rer und müssen da­her sach­lich ge­recht­fer­tigt sein. Ob das der Fall ist, soll nun der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) ent­schei­den: Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Be­schluss vom 21.04.2008, 9 E 3856/07.
 
08/073 Fortsetzung der Zwangsvollstreckung bei fehlender Lohnabrechnung
  11.07.2008. Nach ei­nem ak­tu­el­len Be­schluss des Amts­ge­richts Saarbrücken kann der Ar­beit­neh­mer, der ei­nen auf Zah­lung ei­ner Brut­to­sum­me lau­ten­den Ti­tel (Ur­teil, Ver­gleich) erstrit­ten hat, bei Teil­zah­lun­gen den nicht aus­be­zahl­ten Rest der ti­tu­lier­ten Brut­to­for­de­rung durch (wei­te­re) Maßnah­men der Zwangs­voll­stre­ckung bei­trei­ben, wenn der Ar­beit­ge­ber kei­ne nach­voll­zieh­ba­re Ab­rech­nung über den ti­tu­lier­ten Be­trag über­reicht, aus der der Ar­beit­neh­mer ent­neh­men kann, dass die an ihn ge­flos­se­ne Net­to­zah­lung recht­lich und rech­ne­risch rich­tig ist: Amts­ge­richt Saarbrücken, Be­schluss vom 01.07.2008, 108 M 4/08 I.
 
08/072 Aktionsprogramm zur Bekämpfung von Schwarzarbeit
  09.07.2008. Das von der Bun­des­re­gie­rung be­schlos­se­ne "Ak­ti­ons­pro­gramm für Recht und Ord­nung auf dem Ar­beits­markt" sieht un­ter an­de­rem vor, dass Ar­beit­ge­ber die Beschäfti­gungs­auf­nah­me nicht mehr wie bis­her erst bei ers­ten Lohn­zah­lung, son­dern be­reits mit Be­ginn der Beschäfti­gung bei der So­zi­al­ver­si­che­rung mel­den müssen. Ein Ge­setz­ent­wurf soll noch vor der Som­mer­pau­se vor­ge­legt wer­den: Ak­ti­ons­pro­gramm der Bun­des­re­gie­rung für Recht und Ord­nung auf dem Ar­beits­markt, Ankündi­gung der Mi­nis­ter Olaf Scholz und Peer St­ein­brück vom 04.08.2008.
 
08/071 Gesetzesänderungen zum 01.07.2008
  08.07.2008. Zur Jah­res­mit­te 2008 sind ei­ni­ge Ge­set­zesände­run­gen im Ar­beits- und So­zi­al­recht in Kraft ge­tre­ten. Die Neu­re­ge­lun­gen be­tref­fen die Bei­tragssätze zur Pfle­ge­ver­si­che­rung, die erhöht wur­den, und das neue Pfle­ge­zeit­ge­setz (Pfle­geZG), das ab dem 01.07.2008 gilt.
 
08/070 Überforderungsschutz bei Altersteilzeit und Gleichbehandlung
  07.07.2008. Mit­te April 2008 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass der ge­setz­li­che Über­for­de­rungs­schut­zes den Ar­beit­ge­ber zwar zu ei­ner Ein­schränkung sei­ner bis­he­ri­gen Be­wil­li­gungs­pra­xis be­reich­tigt, nicht aber zu ei­nem "willkürli­chen" Stopp wei­te­rer Al­ters­teil­zeit­ver­ein­ba­run­gen. Die­ses Ur­teil hat­ten wir im Mai auf der Grund­la­ge ei­ner Pres­se­mel­dung des BAG vom 15.04.2008 für Sie kom­men­tiert (Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/050 Schutz des Ar­beit­ge­bers vor fi­nan­zi­el­ler Über­for­de­rung durch Al­ters­teil­zeit con­tra Gleich­be­hand­lung). Die am 02.07.2008 be­kannt ge­wor­de­nen Ur­teils­gründe be­to­nen die Pflicht zur recht­zei­ti­gen In­for­ma­ti­on der Ar­beit­neh­mer über ei­ne Sich­tags­re­ge­lung: BAG, Ur­teil vom 15.04.2008, 9 AZR 111/07.
 
08/069 Einigung über EU-Richtlinien zur Arbeitszeit und zur Leiharbeit
  04.07.2008. Am 10.06.2008 ei­nig­ten sich die Ar­beits­mi­nis­ter der EU-Staa­ten über ei­ne "Entschärfung" der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung („Ar­beits­zeit­richt­li­nie“) und auf die Ver­a­ba­schie­dung ei­ner neu­en Richt­li­nie zur ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­merüber­las­sung ("Leih­ar­beit"): Pres­se­mit­te­lung der EU-Kom­mis­si­on vom 10.06.2008, IP/08/912.
 
08/068 Fiktive Berechnung des Arbeitslosengeldes nach Elternzeit
  02.07.2008. Wenn Ar­beit­neh­mer nach Be­en­di­gung ei­ner El­tern­zeit ar­beits­los wer­den und da­her zu die­sem Zeit­punk in­ner­halb der letz­ten zwei Jah­re nicht min­des­tens 150 Ta­ge ge­ar­bei­tet und ein Ar­beits­ein­kom­men er­zielt ha­ben, wird bei der Be­rech­nung des Ar­beits­lo­sen­gel­des ein fik­ti­ves Ge­halt zu­grun­de ge­legt (§ 152 Abs.1 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch – Ar­beitsförde­rung – (SGB III)). Das führt oft zu ei­ner fi­nan­zi­el­len Schlech­ter­stel­lung im Ver­gleich zum "nor­ma­len" Ar­beits­lo­sen­geld auf Ba­sis des vor der El­tern­zeit er­ziel­ten Ein­kom­mens. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) die­se Ge­set­zes­la­ge für ver­fas­sungs­gemäß erklärt: BSG, Ur­teil vom 30.05.2008, B 11a AL 23/07R.
 
08/067 Sachgrundlose Anschlussbefristung nach befristetem Probearbeitsverhältnis
  01.07.2008. Ar­beits­verhält­nis­se dürfen bei Neu­ein­stel­lun­gen bis zu höchs­tens zwei Jah­ren oh­ne Sach­grund be­fris­te­tet wer­den. Aber auch bei Neu­ein­stel­lun­gen ist es nicht ver­bo­ten, ei­ne Be­fris­tung auf ei­nen sach­li­chen Grund gemäß § 14 Abs.1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) zu stützen, z.B. auf die Er­pro­bung des Ar­beit­neh­mers. Mit ei­ner sol­chen Vor­ge­hens­wei­se hat man sich aber nicht auf die Sach­grund­be­fris­tung fest­ge­legt. Viel­mehr kann man nach ei­ner Sach­grund­be­fris­tung wie­der um­schwen­ken auf ei­ne sach­grund­lo­se Ab­schluss­be­fris­tung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Ur­teil vom 19.03.2008, 4 Sa 673/07.
 
08/066 Abmahnung wegen Tragens einer „islamischen Baskenmütze“:
  30.06.2008. Seit Au­gust 2006 gilt in Nord­rhein-West­fa­len ein ge­setz­li­ches Neu­tra­litäts­ge­bot für Leh­rer (§ 57 Abs.4 Satz 1 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len). Die­sem Ge­bot zu­fol­ge dürfen Leh­rer in der Schu­le kei­ne re­li­giösen Be­kun­dun­gen ab­ge­ben, die ge­eig­net sind, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber den Schülern und El­tern zu gefähr­den oder zu stören. Un­ter Be­ru­fung auf die­se Ge­set­zes­la­ge hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf die Ab­mah­nung ei­ner mus­li­mi­schen Schul­mit­ar­bei­te­rin we­gen be­harr­li­chen Tra­gens ei­ner "mus­li­mi­schen Bas­kenmütze" für rechtmäßig erklärt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 10.04.2008, 5 Sa 1836/07.
 
08/065 Tätigkeit als Arzt im Praktikum ist keine „Vorzeit ärztlicher Tätigkeit“ im Sinne des TV-Ärzte.
  27.06.2008. Gemäß § 16 Abs.2 Satz 2 des Ta­rif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken (TV-Ärz­te) können Zei­ten als "Arzt im Prak­ti­kum (AiP)" vom Ar­beit­ge­ber als als Zei­ten der Be­rufs­er­fah­rung aus nichtärzt­li­cher Tätig­keit bei der Stu­fen­fin­dung berück­sich­tigt wer­den. Ei­ne sol­che Be­wer­tung von AiP-Zei­ten führt zu ei­ner höhe­ren Dienst­al­ters­stu­fe und da­mit zu ei­nem höhe­ren Ge­halt des ta­rif­lich vergüte­ten Kran­ken­haus­arz­tes. Frag­lich ist, ob dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum bei die­ser Fra­ge ein Er­mes­sen zu­steht, so dass es sich auch für ei­ne Nicht-An­rech­nung ent­schei­den kann. Nach An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Düssel­dorf kann das Kli­ni­kum so ver­fah­ren: LAG Düssel­dorf , Ur­teil vom 16.04.2008, 12 Sa 2237/07.
 
08/064 Kein Verfall von Resturlaubsansprüchen bei Anschluss-Elternzeit
  26.06.2008. Hat ei­ne Ar­beit­neh­me­rin ih­ren Ur­laub vor dem Be­ginn ei­ner El­tern­zeit nicht oder nicht vollständig er­hal­ten, ist der Rest­ur­laub gemäß § 17 Abs.2 Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG) nach der El­tern­zeit im lau­fen­den oder im nächs­ten Ur­laubs­jahr zu gewähren. Nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ver­fiel der Rest­ur­laub al­ler­dings, wenn er nach dem En­de der ers­ten El­tern­zeit we­gen ei­ner sich naht­los an­sch­ließen­den wei­te­ren El­tern­zeit nicht ge­nom­men wer­den konn­te. Die­se Recht­spre­chung hat das BAG in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung auf­ge­ge­ben. Dem­nach kann der Rest­ur­laub jetzt auch noch nach ei­ner wei­te­ren El­tern­zeit ge­nom­men wer­den: BAG, Ur­teil vom 20.05.2008, 9 AZR 219/07.
 
08/063 Doppelte Schriftformklausel fällt bei AGB-Kontrolle durch
  25.06.2008. Vor­for­mu­lier­te Ar­beits­verträge ent­hal­ten oft ei­ne Klau­sel, der zu­fol­ge Ver­tragsände­run­gen nur wirk­sam sind, wenn sie schrift­lich fest­ge­hal­ten wer­den. Sol­che Schrift­form­klau­seln können auch dop­pelt genäht wer­den und heißen dann "dop­pel­te" bzw. „qua­li­fi­zier­te“ Schrift­form­klau­seln. Sie be­sa­gen, dass nicht nur Ver­tragsände­run­gen, son­dern auch ein Ver­zicht auf die Ein­hal­tung der Schrift­form nur wirk­sam ist, wenn er schrift­lich ver­ein­bart wird. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ha­ben sol­che Klau­seln kei­nen recht­li­chen Be­stand: BAG, Ur­teil vom 20.05.2008, 9 AZR 382/07.
 
08/062 Funktionsnachfolge oder Betriebsübergang?
 

24.06.2008. Die ein­zel­ver­trag­li­che Über­nah­me sämt­li­cher Rei­ni­gungs­kräfte ei­nes Kran­ken­hau­ses durch ei­ne kran­ken­haus­ei­ge­ne Ser­vice-GmbH ist als Be­triebs­teilüber­gang zu be­wer­ten, wenn die über­nom­me­nen Kräfte nach ih­rer Über­nah­me in die Ser­vice-GmbH von die­ser an den Kran­ken­haus­träger zurück­ver­lie­hen wer­den und wenn die­se Ar­beit­neh­merüber­las­sung der ein­zi­ge Zweck der Ser­vice-GmbH ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.05.2008, 8 AZR 481/07.
 

08/061 Pflegezeitgesetz tritt am 01.07.2008 in Kraft
  23.06.2008. Zum 1. Ju­li tritt das neue Pfle­ge­zeit­ge­set­zes (Pfle­geZG) in Kraft. Das Pfle­geZG ermöglicht es Ar­beit­neh­mern, sich zur Pfle­ge na­her An­gehöri­ger un­be­zahlt von der Ar­beit frei­stel­len zu las­sen.
 
08/060 Kein Familienzuschlag für Beamte in Lebenspartnerschaft
  20.06.2008. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) ist es kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Iden­tität und auch kein Ver­s­toß ge­gen das Grund­ge­setz (GG), schwu­le und les­bi­sche Be­am­te bzw. Be­am­tin­nen vom Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlag aus­zu­neh­men, ob­wohl sie mit ih­rem Part­ner in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft le­ben. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das BVerfG noch mal nach­ge­legt und klar­ge­stellt, dass die­se Schlech­ter­stel­lung auch nicht ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG verstößt: BVerfG, Be­schluss vom 06.05.2008, 2 BvR 1830/06.
 
08/059 Verstoß gegen EU-Recht durch Schlechterstellung junger Hinterbliebener beim Betriebsrentenbezug?
  19.06.2008. Be­triebs­ren­ten­re­ge­lun­gen ent­hal­ten manch­mal Al­ters­ab­stands­klau­seln, mit de­nen Wit­wen bzw. Wit­wer ver­stor­be­ner Ar­beit­neh­mer vom Be­zug ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ren­te aus­ge­schlos­sen wer­den, falls sie er­heb­lich - et­wa mehr als 15 Jah­re - jünger als der Ver­stor­be­ne sind. Das ist mögli­cher­wei­se ei­ne mit­tel­ba­re Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Ar­beit­neh­mer, die häufi­ger als jünge­re von ei­ner sol­chen Klau­sel be­trof­fen sind, wenn sie im vor­gerück­ten Al­ter hei­ra­ten - denn mit 20 oder 25 kann man nie­man­den hei­ra­ten, der mehr als 15 Jah­re jünger ist. Ei­ne sol­che Schlech­ter­stel­lung älte­rer Ar­beit­neh­mer ist vor dem Hin­ter­grund der Richt­li­nie 2000/78/EG nicht al­lein da­mit zu recht­fer­ti­gen, dass der zah­lungs­pflich­ti­ge Ar­beit­ge­ber sei­ne fi­nan­zi­el­len Las­ten be­schränken will: Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin beim Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) E. Sharps­ton, vom 22.05.2008, C-427/06 (Bosch und Sie­mens Haus­geräte (BSH) Al­tersfürsor­ge GmbH).
 
08/058 Umsetzung der Entsenderichtlinie in nationales Recht
  30.05.2008. Die eu­ropäische Kom­mis­si­on for­dert ei­ne bes­se­re Um­set­zung der Ent­sen­de-Richt­li­nie. Künf­tig soll ein Bin­nen­markt­in­for­ma­ti­ons­sys­tem (In­ter­nal Mar­ket In­for­ma­ti­on Sys­tem, IMI) den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen den EU-Ländern er­leich­tern. Zu die­sem In­for­ma­ti­ons­sys­tem sol­len auch ent­sand­te Ar­beit­neh­mer Zu­gang ha­ben. Die Ar­beit­neh­mer sol­len da­mit leicht zugäng­li­che, verläss­li­che und ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen über die Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen des Ziel­lan­des er­hal­ten und da­durch ih­re Rech­te bes­ser durch­set­zen können: Ver­bes­se­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen für 1 Mil­li­on ent­sand­te Ar­beit­neh­mer: EU for­dert ra­sches Han­deln, Pres­se­mit­tei­lung der Eu­ropäsi­schen Kom­mis­si­on vom 03.04.2008.
 
08/057 Bildungsprämie
  29.05.2008. Das Bun­des­ka­bi­nett hat die Einführung ei­ner „Bil­dungs­prämie“ be­schlos­sen, mit der die be­ruf­li­che Fort­bil­dung gefördert wer­den soll. Die der­zeit ge­plan­ten büro­kra­ti­schen Hürden, die Fort­bil­dungs­in­ter­es­sier­te für die Gewährung der - oh­ne­hin be­schei­den di­men­sio­nier­ten - Förde­rung künf­tig neh­men müssen, las­sen al­ler­dings ei­nen ge­rin­gen Grad der In­an­spruch­nah­me er­war­ten.
 
08/056 Sozialversicherungspflicht: Bauleiter einer Ein-Personen-Limited ist i.d.R. kein Arbeitnehmer
  28.05.2008. Der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer ei­ner Ein-Per­so­nen-Li­mi­ted (Ltd.) ar­bei­tet nicht wei­sungs­abhängig und un­ter­liegt da­her nicht der So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht, wenn er in Ausführung ei­nes von sei­ner Ltd. aus­zuführen­den Auf­trags im Be­trieb des Kun­den der Ltd. tätig wird und da­bei nicht nur den Ein­satz von Pro­duk­ti­ons­mit­teln und Mit­ar­bei­tern über­wacht, son­dern auch die Kal­ku­la­ti­on über­nimmt, Bau­vor­ha­ben ei­genständig ab­ge­wi­ckelt so­wie Ab­nah­men und Ab­rech­nun­gen der Wer­ke vor­nimmt: Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Ur­teil vom 21.04.2008, L 1 KR 153/04.
 
08/055 Tarifwechsel bei Betriebsübergang
  27.05.2008. Der Be­trei­ber ei­ner Kran­ken­hausküche, der Ar­beit­neh­mer ei­nes zu­vor an den Gebäuderei­ni­ger-Ta­rif ge­bun­de­nen Be­triebs­veräußerers im We­ge des Be­triebs­teilüber­gangs gemäß § 613a BGB über­nimmt, fällt nicht un­ter den (all­ge­mein­ver­bind­li­chen) Ta­rif des Ho­tel- und Gaststätten­ge­wer­bes. Da­her muss der Er­wer­ber wei­ter­hin den (teu­re­ren) Gebäuderei­ni­ger-Ta­rif an­wen­den und kann ihn nicht durch die bil­li­ge­ren Ta­rif­be­stim­mun­gen des Ho­tel- und Gaststätten­ge­wer­bes er­set­zen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.04.2008, 4 AZR 164/07.
 
08/054 Diskriminierung durch öffentliche Äußerungen - auch ohne konkretes Opfer?
  26.05.2008. Äußert ein Ar­beit­ge­bers während ei­ner Ein­stel­lungs­kam­pa­gne öffent­lich, dass er Be­wer­bun­gen von Ein­wan­de­rern ab­leh­nen würde, stellt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft im Sin­ne von Art.2 Abs.2 Buch­sta­be a) der Richt­li­nie 2000/43/EG dar, auch wenn kein in­di­vi­du­el­ler Be­wer­ber da­von be­trof­fen ist: Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts M. Poia­res Ma­du­ro, vom 12.03.2008, Rs. C-54/07 (Fe­ryn).
 
08/053 Gegenzeichnung eines befristeten Arbeitsvertrages erst nach Arbeitsaufnahme
  23.05.2008. Die bloße Ar­beits­auf­nah­me vor Ge­gen­zeich­nung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags durch den Ar­beit­neh­mer führt nicht zur wirk­sa­men Ver­ein­ba­rung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges durch schlüssi­ges Ver­hal­ten, wenn der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer schon vor Ar­beits­an­tritt ei­nen vor­un­ter­zeich­ne­ten Ver­trags­ent­wurf mit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de vor­ge­legt hat: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.04.2008, 7 AZR 1048/06.
 
08/052 Doppelbefristung eines Arbeitsvertrages während der Probezeit
  22.05.2008. Wird in ei­nem vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Mus­ter­ar­beits­ver­trag ei­ne Klau­sel, der zu­fol­ge das Ar­beits­verhält­nis auf ein Jahr be­fris­tet sein soll, durch Fett­druck her­vor­ge­ho­ben, so muss der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner zusätz­li­chen, druck­tech­nisch nicht her­vor­ge­ho­be­nen Pro­be­be­zeit­fris­tung für sechs Mo­na­te nicht rech­nen, so dass die­se Pro­be­be­zeit­fris­tung un­wirk­sam ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.04.2008, 7 AZR 132/07.
 
08/051 Keine Verpflichtung zur Staffelung von Kündigungsfristen in Tarifverträgen
  21.05.2008. Nach § 622 Abs.2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) sind die vom Ar­beit­ge­ber zu be­ach­ten­den Kündi­gungs­fris­ten um so länger, je länger das Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat. Von die­ser ge­setz­li­chen Staf­fe­lung der Kündi­gungs­fris­ten je nach der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses können die Ta­rif­par­tei­en auf­grund ei­ner ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung aber in ei­nem Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen. Die­se Ab­wei­chungs­be­fug­nis geht so weit, dass ta­rif­ver­trag­li­che Kündi­gungs­fris­ten auf die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses gar kei­ne Rück­sicht neh­men müssen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.04.2008, 2 AZR 21/07.
 
08/050 Schutz des Arbeitgebers vor finanzieller Überforderung durch Altersteilzeit contra Gleichbehandlung
  20.05.2008. Wenn über fünf Pro­zent der Ar­beit­neh­mer des Be­triebs Al­ters­teil­zeit in An­spruch neh­men wol­len, kann sich der Ar­beit­ge­ber auf die Ge­fahr ei­ner Über­for­de­rung be­ru­fen und wei­te­re Al­ters­teil­zeit­verträge ab­leh­nen. Will er da­her von sei­ner bis­he­ri­gen Be­wil­li­gungs­pra­xis abrücken, muss er al­ler­dings den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ach­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.04.2008, 9 AZR 111/07.
 
08/049 Beweislastverteilung bei geschlechtsspezifischer Diskriminierung
  16.05.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat im Ber­li­ner SO­NY-Fall über die Be­weis­last­ver­tei­lung bei ge­schlechts­be­zo­ge­nen Dis­kri­mi­nie­run­gen zu­guns­ten der nicht beförder­ten schwan­ge­ren Ma­na­ge­rin ent­schie­den. Da­bei hat das BAG klar­ge­stellt, dass es die von der Ma­na­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen In­di­ztat­sa­chen für ei­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung eher großzügig, d.h. im Sin­ne der Be­trof­fe­nen be­wer­tet se­hen will: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.04.2008, 8 AZR 257/07.
 
08/048 Betriebsübergang als Mittel zum Abbau von Arbeitnehmerrechten?
  07.05.2008. Vor­trag ge­hal­ten auf der Be­triebsräte­kon­fe­renz der DPV­KOM in Ber­lin am 07.05.2008, von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin.
 
08/047 Mindestlohn: Aufnahme weiterer Branchen in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz
  29.04.2008. Der Auf­for­de­rung der Bun­des­re­gie­rung an die So­zi­al­part­ner al­ler Bran­chen, ihr In­ter­es­se an ei­ner Ab­si­che­rung von bran­chen­be­zo­ge­nen Min­destlöhnen über das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) zu be­kun­den, folg­ten bis zum 31.03.2008 acht Bran­chen: Ab­fall­wirt­schaft, Berg­bau­spe­zi­al­ar­bei­ten, Forst­wirt­schaft, Großwäsche­rei­en, Pfle­ge­wirt­schaft, Wach- und Si­cher­heits­ge­wer­be, Wei­ter­bil­dung und Zeit­ar­beit.
 
08/046 Europarecht verbietet Benachteiligungen von Homosexuellen beim Bezug von Hinterbliebenenrenten
  28.04.2008. Künf­tig können Schwu­le und Les­ben, die mit ih­rem ver­stor­be­nen Part­ner in ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner ge­lebt ha­ben, wie ehe­mals ver­hei­ra­te­te Wit­wer ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te aus be­rufs­be­zo­ge­nen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen ver­lan­gen. Denn die tra­di­tio­nel­le Bes­ser­stel­lung von ehe­mals ver­hei­ra­te­ten Hin­ter­blie­be­nen verstößt ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG. Denn die­se Richt­li­nie will al­le For­men der Dis­kri­mi­nie­run­gen beim Be­zug von „Ar­beits­ent­gelt“ we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung be­sei­ti­gen: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 01.04.2008, C-267/06 (Ta­dao Ma­ru­ko).
 
08/045 Ist der „Praktikant“ ein Arbeitnehmer, kann er einen entsprechenden Lohn verlangen.
  25.04.2008. Wird ein „Prak­ti­kant“ aus­ge­bil­det und zu­gleich zu re­gulären Tätig­kei­ten her­an­ge­zo­gen, liegt ein Prak­ti­kum nur vor, wenn Aus­bil­dung und Ler­nen deut­lich im Vor­der­grund ste­hen. Legt der "Prak­ti­kums­ver­trag" dem­ge­genüber gewöhn­li­che Ar­beits­pflich­ten fest, muss der Ar­beit­ge­ber nach­wei­sen, dass die Aus­bil­dung ent­ge­gen dem ers­ten An­schein über­wiegt. Ge­lingt der Nach­weis nicht, ist die ver­ein­bar­te Vergütung in der Re­gel viel zu ge­ring und da­her "sit­ten­wid­rig", da der Schein-Prak­ti­kant in Wahr­heit Ar­beit­neh­mer ist und den übli­chen Ar­beits­lohn ver­lan­gen kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 08.02.2008, 5 Sa 45/07.
 
08/044 Angemessene Vergütung auch für Auszubildende im Krankenpflegebereich
  24.04.2008. Ein­rich­tun­gen der Kran­ken­pfle­ge müssen ih­ren Aus­zu­bil­den­den ei­ne „an­ge­mes­se­ne Vergütung“ gewähren (§ 12 Abs. 1 Kran­ken­pfle­ge­ge­setz - KrPflG). Da­bei gel­ten die Grundsätze, nach de­nen auch sonst die An­ge­mes­sen­heit ei­ner Aus­bil­dungs­vergütung be­ur­teilt wird, d.h. es gel­ten die­sel­ben Grundsätze wie bei der An­wen­dung vo § 17 Abs.1 Be­rufs­bil­dungs­ge­setz (BBiG) . Un­ter­schrei­tet die Aus­bil­dungs­vergütung das Ta­rif­ni­veau um mehr als 20 Pro­zent, ist sie in der Re­gel un­an­ge­mes­sen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.02.2008, 9 AZR 1091/06.
 
08/043 Anhörung „light“ genügt bei Vorkenntnissen des Arbeitnehmers für Verdachtskündigung.
  23.04.2008. Oh­ne vor­he­ri­ge Anhörung zu den Ver­dachts­mo­men­ten, auf die ei­ne Ver­dachtskündi­gung gestützt wer­den soll, ist ei­ne sol­che Kündi­gung un­wirk­sam. Da­her muss der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner sol­chen Anhörung die Kar­ten auf den Tisch le­gen. Al­ler­dings muss er da­bei nicht un­be­dingt die ihm be­kann­ten In­hal­te ei­ner Er­mitt­lungs­ak­te der Staats­an­walt­schaft of­fen­le­gen, d.h. er muss dem Ar­beit­neh­mer nicht den ge­nau­en Sach­stand ei­ner sol­chen Er­mitt­lungs­ak­te mit­tei­len, wenn der Ar­beit­neh­mer die von Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft er­ho­be­nen Vorwürfe schon aus ei­ner an­de­ren Quel­le kennt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2008, 2 AZR 961/06.
 
08/042 Zulässige Fremdvergabe oder unzulässige Austauschkündigung?
  22.04.2008. Können Ar­beit­ge­ber auf die Kon­trol­le von Zeit und Ort der Ar­beits­leis­tung ver­zich­ten und auch da­mit le­ben, dass ih­re Mit­ar­bei­ter nicht in Per­son ar­bei­ten müssen, son­dern Er­satz­kräfte stel­len dürfen, können sie oh­ne großes ar­beits­recht­li­ches Ri­si­ko ih­ren Ar­beit­neh­mern be­triebs­be­dingt kündi­gen und ih­nen zu­gleich die Fort­set­zung der bis­he­ri­gen Tätig­keit auf ei­ner geänder­ten Ba­sis als freie Mit­ar­bei­ter als Ein­mann-Un­ter­neh­mer vor­schla­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2008, 2 AZR 1037/06.
 
08/041 Prozessstandschaft für die Bundesagentur
  21.04.2008. Oft springt die Ar­beits­agen­tur während ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses mit dem Ar­beits­lo­sen­geld für den ei­gent­lich lohn­zah­lungs­pflich­ti­gen Ar­beit­ge­ber ein, weil sich die­ser auf ei­ne un­wirk­sa­me Kündi­gung be­ruft oder Kündi­gungs­fris­ten zu Un­recht verkürzt hat. Dann wird die Ar­beits­agen­tur kraft Ge­set­zes In­ha­be­rin der Lohn­ansprüche, für die sie Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der "Gleich­wohl­gewährung" ge­leis­tet hat. Ge­lingt es der Ar­beits­agen­tur später, den Ar­beit­ge­ber zur Zah­lung die­ser Lohn­ansprüche bzw. zur Er­stat­tung des gleich­wohl­gewähr­ten Ar­beits­lo­sen­gel­des zu be­we­gen, verlängert sich die Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs. Hier kann der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer nach ei­ner Grund­satz­ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) der Agen­tur hel­fen, in­dem er den auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über­ge­gan­ge­nen Teil der Lohn­ansprüche im ei­ge­nen Na­men für die Bun­des­agen­tur ein­klagt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.03.2008, 5 AZR 432/07.
 
08/040 Kaum in Kraft getreten, schon europarechtswidrig?
  18.04.2008. Seit dem 30.03.2008 gilt das Ber­li­ner Ver­ga­be­ge­setz in ei­ner re­for­mier­ten Fas­sung, die es al­len Be­wer­bern um öffent­li­che Auf­träge ab­ver­langt, die in Ber­lin gel­ten­den Ta­riflöhne zu zah­len. Be­trof­fen von den ver­ga­be­recht­li­chen Min­dest­lohn­an­for­de­run­gen sind al­so nicht mehr nur (wie nach dem al­ten Ver­ga­be­ge­setz) Bau­un­ter­neh­men und An­bie­ter im­mo­bi­li­en­be­zo­ge­ner Dienst­leis­tun­gen. Die­se Ge­set­zesände­rung verstößt aber ge­gen die Richt­li­nie 96/71/EG (Ver­ga­be­richt­li­nie) bzw. ge­gen kon­kre­ten An­for­de­run­gen, die der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) aus die­ser Richt­li­nie in sei­nem Ur­teil vom 03.04.2008, C-346/06 (Rüffert) ab­ge­lei­tet hat.
 
08/039 Abschied von Tariftreueklauseln im Vergaberecht?
  17.04.2008. Bei der Ver­ga­be öffent­li­cher Auf­träge kann die öffent­li­che Hand Be­din­gun­gen stel­len, d.h. dar­auf ach­ten, dass die be­auf­trag­ten Un­ter­neh­men be­stimm­te Min­destlöhne zah­len. Das darf aber nicht zu­las­ten ausländi­scher An­bie­ter ge­hen, denn das ver­bie­tet das eu­ropäische Recht und hier ins­be­son­de­re die Richt­li­nie 96/71/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 16.12.1996 über die Ent­sen­dung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen (Ent­sen­de­richt­li­nie). Der Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil ent­schie­den, dass die Ent­sen­de­richt­li­nie mit ver­ga­be­recht­li­chen Vor­schrif­ten in EU-Mit­glied­staa­ten un­ver­ein­bar ist, de­nen zu­fol­ge Bau­aufträge nur an Un­ter­neh­men ver­ge­ben wer­den können, die bei der Ausführung min­des­tens den am Ausführungs­ort gel­ten­den Ta­rif­lohn zah­len: EuGH, Ur­teil vom 03.04.2008, Rs. C-346/06 (Rüffert).
 
08/038 Was geschieht mit den Jobcentern?
  01.04.2008. Nach dem Job­cen­ter-Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 20.12.2007 (2 BvR 2433/04, 2 BvR 2434/04) ist die Zu­kunft der AR­GEN und der Job­cen­ter wei­ter­hin of­fen. Ob­wohl die Zu­sam­men­le­gung von Ar­beits­lo­sen­hil­fe und So­zi­al­hil­fe von ei­ner brei­ten po­li­ti­schen Mehr­heit ge­tra­gen wird, herrscht an­ge­sichts der Un­ver­ein­bar­keit der der­zei­ti­gen ge­setz­li­chen Re­ge­lung mit der Ver­fas­sung Rat­lo­sig­keit über ei­ne Kor­rek­tur der Missstände, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kri­ti­siert hat.
 
08/037 Kein Widerspruchsrecht bei Erlöschen des bisherigen Arbeitgebers
  31.03.2008. Manch­mal ist die Über­lei­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen auf ei­nen neu­en Be­triebs­in­ha­ber mit dem recht­li­chen Erlöschen des al­ten Be­triebs­in­ha­bers ver­bun­den, so z.B. dann, wenn ei­ner von zwei Ge­sell­schaf­tern ei­ner Per­so­nen­ge­sell­schaft aus der Ge­sell­schaft aus­schei­det. Dann be­steht kein Recht der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, der Über­lei­tung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se auf den neu­en Be­triebs­in­ha­ber gemäß § 613a Abs.6 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) zu wi­der­spre­chen. Ein gleich­wohl erklärter Wi­der­spruch hat kei­ne Rechts­wir­kun­gen, d.h. er geht ins Lee­re und lässt sich auch nicht in ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung um­deu­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.02.2008, 8 AZR 157/07
 
08/036 Die Verlängerung der Wochenarbeitszeit bayrischer Beamte auf 42 Stunden ist verfassungsgemäß
  25.03.2008. Im Jah­re 2004 ent­schied sich Bay­ern dafür, die Wo­chen­ar­beits­zeit sei­ner Lan­des­be­am­ten von bis­her 40 auf 42 St­un­den her­auf­zu­set­zen (Ver­ord­nung über die Ar­beits­zeit für den bay­ri­schen öffent­li­chen Dienst vom 25.07.1995 in der Fas­sung der Ände­rungs­ver­ord­nung vom 27.07.2004). Mit ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) ent­schie­den, dass die­se Verlänge­rung der Ar­beits­zeit ver­fas­sungs­gemäß ist: BVerfG, Be­schluss vom 30.01.2008, 2 BvR 398/07.
 
08/035 Kein Sonderkündigungsschutz vor Implantierung von „in vitro“ befruchteten Eizellen
  20.03.2008. Art.10 Nr.1 der Richt­li­nie 92/85/EWG schreibt vor, dass die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen ha­ben, um die Kündi­gung schwan­ge­rer Ar­beit­neh­me­rin­nen vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs zu ver­bie­ten. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) hat jetzt ent­schie­den, dass ei­ne Frau, die sich Ei­zel­len ent­neh­men und die­se außer­halb ih­res Körpers („in vi­tro“) be­fruch­ten lässt, vor der Im­plan­tie­rung der be­fruch­te­ten Ei­zel­len in ih­ren Körper nicht als „schwan­ger“ im Sin­ne der Richt­li­nie an­zu­se­hen ist. Da­her kann sie sich auch nicht auf Vor­schrif­ten des be­son­de­ren Kündi­gungs­schut­zes zu­guns­ten schwan­ge­rer Ar­beit­neh­me­rin­nen be­ru­fen: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 26.02.2008, C-506/06 (Mayr).
 
08/034 Betriebsrentenversprechen in Form einer Gesamtversorgungszusage bleiben gefährlich
  19.03.2008. Ver­spricht ein Ar­beit­ge­ber ei­ne Be­triebs­ren­te in Form ei­ner Ge­samt­ver­sor­gung, ist er bei ei­ner Störung der Geschäfts­grund­la­ge da­zu be­rech­tigt, ei­ne An­pas­sung der Ver­sor­gungs­re­ge­lun­gen zu sei­nen Guns­ten zu ver­lan­gen, wenn sei­ne fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen in ex­tre­mer Wei­se aus dem Ru­der ge­lau­fen sind. Das ist nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts aber erst der Fall, wenn die bei der Ver­sor­ungs­zu­sa­ge zu­grun­de ge­leg­ten künf­ti­gen Las­ten des Ar­beit­ge­bers um mehr als 50 Pro­zent über­schrit­ten wer­den. Ge­rin­ge­re Mehr­be­las­tun­gen hat der Ar­beit­ge­ber hin­zu­neh­men: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.02.2008, 3 AZR 743/05.
 
08/033 Ärztestreik an kommunalen Krankenhäusern
  18.03.2008. Der Mar­bur­ger Bund hat­te die et­wa 55.000 Ärz­te der ca. 700 kom­mu­na­len Kran­kenhäuser da­zu auf­ge­ru­fen, am Don­ners­tag, den 13.03.2008 im Rah­men ei­nes vorüber­ge­hen­den Warn­streiks die Ar­beit nie­der­zu­le­gen. Da­mit soll den For­de­run­gen der Kli­nikärz­te in der drit­ten Run­de der Mit­te Ja­nu­ar 2008 be­gon­ne­nen Ta­rif­ver­hand­lun­gen Nach­druck ver­lie­hen wer­den.
 
08/032 Ausbildungsbonus
  17.03.2008. Das Bun­des­ka­bi­nett stellt sich hin­ter ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf zur Aus­bil­dung förde­rungs­bedürf­ti­ger jun­ger Men­schen. Gefördert wer­den soll die Aus­bil­dung von sog. Alt­be­wer­bern, die ei­nen Schul­ab­schluss mit höchs­tens der Ab­schluss­no­te aus­rei­chend in Deutsch oder Ma­the­ma­tik, ei­nen Haupt­schul­ab­schluss, ei­nen Son­der­schul­ab­schluss oder kei­nen Schul­ab­schluss er­reicht ha­ben. Zu­dem wer­den auch lern­be­ein­träch­tig­te oder so­zi­al be­nach­tei­lig­te Be­wer­ber von der Re­ge­lung er­fasst: Ent­wurf ei­nes Fünf­ten Ge­set­zes zur Ände­rung des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch - Ver­bes­se­rung der Aus­bil­dungs­chan­cen förde­rungs­bedürf­ti­ger jun­ger Men­schen, Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 07.04.2008, Bun­des­tag Drucks. 16/8718.
 
08/031 Postmindestlohnverordnung für rechtswidrig erklärt
  14.03.2008. Die Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung, die in der der­zeit gel­ten­den Fas­sung von § 1 Abs.3a Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) ent­hal­ten ist, er­laubt es dem Ar­beits­mi­nis­te­ri­um nur, ei­nen Ta­rif­ver­trag per Rechts­ver­ord­nung auf die Ar­beits­verhält­nis­se von Außen­sei­tern für er­streck­bar zu erklären, d.h. auf Ar­beits­verhält­nis­se, die gar kei­nem Ta­rif­ver­trag un­ter­ste­hen. Auf die­ser ge­setz­li­chen Grund­la­ge ist es aber nicht möglich, ei­nen Ta­rif­ver­trag auch auf Ar­beits­verhält­nis­se von Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­bern zu er­stre­cken, die be­reits an ei­nen an­de­ren Ta­rif­ver­trag ge­bun­den sind. Aus die­sem Grund, d.h. auf­grund feh­len­der Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die Post­min­dest­lohn­ver­ord­nung vom 28.12.2007 für rechts­wid­rig erklärt, da sie sich wie ein all­ge­mein­ver­bind­li­cher Ta­rif­ver­trag auch auf an­der­wei­tig ta­rif­lich re­gu­lier­te Ar­beits­verhält­nis­se er­stre­cken soll: Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Ur­teil vom 07.03.2008, 4 A 439.07.
 
08/030 Betriebsratwissen digital
  26.02.2008. Buch­be­spre­chung: Mi­cha­el Kitt­ner, Chris­ti­an Schoof, Tho­mas Kle­be, Wolf­gang Däubler: Be­triebs­rat­wis­sen di­gi­tal (Ver­si­on 2.0.), Er­schei­nungs­jahr 2008 , Je­wel­box , 2. Auf­la­ge, Bund Ver­lag, 2007; ISBN: 978-3-7663-8132-3 (ca.159,00 EUR)
 
08/029 Ist der Verfall von Urlaubsansprüchen europarechtswidrig?
  25.02.2008. Wird der Min­des­t­ur­laubs­an­spruch von vier Wo­chen, der durch Art.7 der Richt­li­nie 2003/88/EG vor­ge­schrie­ben ist, wie im deut­schen Ur­laubs­recht so um­ge­setzt, dass der An­spruch bei ei­ner lan­ge dau­ern­den Krank­heit im­mer am 31. März des nächs­ten Jah­res verfällt, wer­den Ar­beit­neh­mer in­fol­ge ih­rer Er­kran­kung schlech­ter ge­stellt als ih­re ge­sun­den Kol­le­gen. Das verstößt ge­gen die Richt­li­nie 2003/88/EG, so je­den­falls die Ge­ner­anwältin beim Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH) Ve­ri­ca Trs­ten­jak: Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin Ve­ri­ca Trs­ten­jak vom 24.01.2008, C-350/06 (Schultz-Hoff).
 
08/028 Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird.
  21.02.2008. Das Dia­ko­ni­sche Werk in Ham­burg schrieb ei­ne zeit­lich be­fris­te­te So­zi­al­ar­bei­ter­stel­le aus, die mit Mit­teln des Eu­ropäischen So­zi­al­fonds und der BRD zum Zwe­cke der be­ruf­li­chen In­te­gra­ti­on von Ein­wan­de­rern fi­nan­ziert wur­de. Die Stel­len­aus­schrei­bung ver­lang­te von den Be­wer­bern die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che. Ei­ne gebürti­ge Türkin und Mos­le­min be­warb sich um die Stel­le und wur­de ab­ge­lehnt, nach­dem sie den ihr na­he­ge­leg­ten Kir­chen­bei­tritt ver­wei­ger­te. Die dar­auf­hin ein­ge­klag­te Gel­dentschädi­gung we­gen we­gen glau­bens­be­ding­ten Dis­kri­mi­nie­rung (§ 15 Abs.2 AGG) sprach das Ar­beits­ge­richt Ham­burg in Höhe von drei Mo­nats­gehältern zu (Ur­teil vom 04.12.2007, 20 Ca 105/07).
 
08/027 Mit der fristlosen Kündigung in den Urlaub?
  20.02.2008. Nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) kann der Ar­beit­ge­ber auch dann ("vor­sorg­lich") Rest­ur­laub gewähren, nach­dem er dem Ar­beit­neh­mer frist­los gekündigt hat­te. Soll­te sich dann später vor Ge­richt in ei­nem Kündi­gungs­schutz­pro­zess her­aus­stel­len, dass die Kündi­gung un­wirk­sam war und dass das Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt be­en­det wurd, ver­min­dert der Ar­beit­ge­ber die Be­las­tung mit dem An­nah­me­ver­zugs­lohn. Denn den müss­te er sonst für die ge­sam­te Zeit der wi­der­recht­li­chen Ent­las­sung zah­len, d.h. zusätz­lich zur Ur­laubs­ab­gel­tung: BAG, Ur­teil vom 14.08.2007, 9 AZR 934/06.
 
08/026 Aktienoptionen als Arbeitsentgelt – Gleichbehandlung von Betriebsratsmitgliedern
  19.02.2008. Ein frei­ge­stell­tes Mit­glied des Be­triebs­rats kann vom Ar­beit­ge­ber die Ver­schaf­fung von Ak­ti­en­op­tio­nen ver­lan­gen, wenn er zum Zwe­cke der lang­fris­ti­gen Ge­halts­si­che­rung ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Gleich­stel­lung mit be­stimm­ten ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern ge­trof­fen hat und wenn die­se Ak­ti­en­op­tio­nen er­hal­ten. Dies gilt auch dann, wenn die Ak­ti­en­op­tio­nen auf­grund ih­rer Gewährung durch die Mut­ter­ge­sell­schaft des Ar­beit­ge­bers als Leis­tun­gen Drit­ter an­zu­se­hen sind. Vor­aus­set­zung für ei­ne Ver­schaf­fungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers ist, dass er die Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen - als Leis­tun­gen Drit­ter - ver­spro­chen hat. Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2008, 7 AZR 887/06.
 
08/025 Keine „Verlängerung“ sachgrundlos befristeter Arbeitsverträge bei Vertragsänderung
  18.02.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne ständi­ge Recht­spre­chung bestätigt, wo­nach die "Verlänge­rung" ei­nes oh­ne Sach­grund be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nur dann als Verlänge­rung im Sin­ne von § 14 Abs.2 Satz 1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) an­zu­se­hen ist, wenn die Ver­ein­ba­rung ne­ben dem Hin­aus­schie­ben des End­ter­mins kei­ne wei­te­ren Ver­tragsände­run­gen enthält. Wer­den sol­che Ände­run­gen ver­ein­bart, ist die "Verlänge­rung" recht­lich als Ab­schluss ei­nes neu­en be­fris­te­ten Ar­beit­ver­trags an­zu­se­hen. Die­ser ist nur dann wirk­sam be­fris­tet, wenn es dafür ei­nen Sach­grund gibt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2008, 7 AZR 603/06.
 
08/024 Kündigung leistungsschwacher Arbeitnehmer
  15.02.2008. Will der Ar­beit­ge­ber ei­nem leis­tungs­schwa­chen Ar­beit­neh­mer ("low per­for­mer") ver­hal­tens­be­dingt kündi­gen, muss er zunächst die Leis­tun­gen des Ar­beit­neh­mers über ei­nen länge­ren Zeit­raum be­ob­ach­ten und in ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren, ob­jek­ti­ven Wei­se mit den Leis­tun­gen an­de­rer Ar­beit­neh­mer ver­glei­chen. Ei­ne deut­lich erhöhte Feh­ler­quo­te beim mas­sen­haf­ten Ver­pa­cken von Ver­sand­wa­re kann ei­ne sol­che Leis­tungs­schwäche be­le­gen. Dann ist es im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren Auf­ga­be des Ar­beit­neh­mers nach­zu­wei­sen, dass die Feh­ler(quo­ten) durch Krank­hei­ten, Über­for­de­rung oder be­trieb­li­che Ur­sa­chen be­dingt sind: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.01.2008, 2 AZR 536/06.
 
08/023 Achtung bei Freistellung mit Gehaltsfortzahlungsklausel
  14.02.2008. Wird ein gekündig­ter Ar­beit­neh­mer auf­grund ei­nes ge­richt­li­chen Ver­gleichs bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses "un­ter Fort­zah­lung der Bezüge" von der Ar­beit frei­ge­stellt, kann der Ar­beit­ge­ber die Vergütung un­ter Umständen trotz­dem ver­wei­gern. Denn ei­ne ein­ver­nehm­li­che Frei­stel­lung un­ter Ge­halts­fort­zah­lung lässt nur die Ar­beits­pflicht ent­fal­len und er­wei­tert nicht oh­ne wei­te­res die Zah­lungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers. Ist der Ar­beit­neh­mer während der ver­ein­bar­ten Frei­stel­lung länger als sechs Wo­chen krank, be­steht da­her kei­ne Zah­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.01.2008, 5 AZR 393/07.
 
08/022 Kündigung in der Probezeit mit längerer Frist als zwei Wochen?
  13.02.2008. Bei ei­ner ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit gemäß § 622 Abs.3 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) gilt ei­ne verkürz­te Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen. Ei­ne sol­che Pro­be­zeit kann nach dem Ge­setz "höchs­tens" sechs Mo­na­te be­tra­gen. Da­her stellt sich die Fra­ge, ob die­se ge­setz­li­che Höchst­frist im­mer "aus­ge­reizt" wer­den kann, vor al­lem dann, wenn das in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) fest­ge­legt ist. Mögli­cher­wei­se darf ei­ne in AGB ent­hal­te­ne Pro­be­zeit bei ein­fa­chen Tätig­kei­ten nicht ganz so lang sein son­dern z.B. nur drei oder vier Mo­na­te be­tra­gen. Sol­chen Über­le­gun­gen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung ei­ne Ab­sa­ge er­teilt: BAG, Ur­teil vom 24.01.2008, 6 AZR 519/07.
 
08/021 Nach der 58er-Regelung Zwangsverrentung mit 63 Jahren?
  12.02.2008. Das En­de Ja­nu­ar im Bun­des­tag be­schlos­se­ne Sieb­te Ge­setz zur Ände­rung des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch und an­de­rer Ge­set­ze bestätigt das Aus­lau­fen der sog. 58er-Re­ge­lung. Darüber hin­aus sieht das Ge­setz vor, dass sich Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld II - un­ter Umständen mit fi­nan­zi­el­len Ab­schlägen - vor­zei­tig bzw. schon mit 63 Jah­ren be­ren­ten las­sen müssen, um den Leis­tungs­träger des Ar­beits­lo­sen­gel­des II fi­nan­zi­ell zu ent­las­ten. Die­se Re­ge­lun­gen stoßen auf Kri­tik, da sie die fi­nan­zi­el­len Fol­ge­pro­ble­me der Al­ters­ar­mut lang­fris­tig verstärken.
 
08/020 Erste Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland eingeleitet
  05.02.2008. Die Eu­ropäische Kom­mis­si­on hat ge­gen Deutsch­land die ers­te Stu­fe des Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens we­gen man­gel­haf­ter Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78/EG (Rah­men­richt­li­nie) in deut­sches Recht ein­ge­lei­tet. Die Richt­li­nie 2000/78/EG dient dem Schutz ge­gen Dis­kri­mi­nie­run­gen im Ar­beits­le­ben und wur­de in Deutsch­land mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) um­ge­setzt. Nach An­sicht der Kom­mis­si­on war das un­zu­rei­chend: Eu­ropäische Kom­mis­si­on, Pres­se­mit­tei­lung vom 31.01.2008: Kom­mis­si­on schließt Lücken bei den Re­ge­lun­gen zur Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf.
 
08/019 Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU
  04.02.2008. Die Eu­ropäische Kom­mis­si­on hat am 23.01.2008 ih­ren fünf­ten Jah­res­be­richt über die Gleich­stel­lung von Männern und Frau­en in der Eu­ropäischen Uni­on vor­ge­legt: Be­richt der Kom­mis­si­on an den Rat, das Eu­ropäische Par­la­ment, den Eu­ropäischen Wirt­schafts- und So­zi­al­aus­schuss und den Aus­schuss der Re­gio­nen zur Gleich­stel­lung von Frau­en und Männern - 2008, vom 23.01.2008
 
08/018 Mindestlöhne auch bei der Bahn?
  30.01.2008. Die Bahn-Ge­werk­schaf­ten Trans­net und Ge­werk­schaft Deut­scher Bun­des­bahn­be­am­ten und Anwärter (GDBA) so­wie die Deut­sche Bahn AG den­ken darüber nach, die für die Bahn AG und ih­re Töch­ter gel­ten­de Ta­rif­verträge nach den Mo­dell der Post­bran­che für all­ge­mein­ver­bind­lich erklären zu las­sen. Auf der Grund­la­ge ei­nes sol­chen Vor­ge­hens könn­ten dann die Ein­stiegs-Ta­riflöhne der Bahn AG und ih­rer Töch­ter als "Min­destlöhne für die Bahn­bran­che" de­kla­riert wer­den, so dass auch die Kon­kur­renz der Bahn AG an sie ge­bun­den wäre, falls die "Bahn­bran­che" als neue Min­dest­lohn-Bran­che in das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) auf­ge­nom­men wer­de soll­te: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung (FAZ) vom 24.01.20008: Bahn­bran­che soll Min­dest­lohn be­kom­men.
 
08/017 Weitere Senkung der Arbeitlosenbeiträge?
  28.01.2008. Mi­cha­el Fuchs, Chef des CDU/CSU-Par­la­ments­krei­ses Mit­tel­stand, will ei­ne wei­te­re Ab­sen­kung des Ar­beits­lo­sen­bei­tra­ges. Ziel­mar­ke ist ei­ne Ab­sen­kung des auf min­des­tens 3 Pro­zent.
 
08/016 Verlängerung der Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld I für Ältere
  28.01.2008. Am letz­ten Frei­tag hat der Bun­des­tag der schon seit Mo­na­ten an­gekündig­ten Verlänge­rung des An­spruchs älte­rer Ar­beit­neh­mer auf Ar­beits­lo­sen­geld I zu­ge­stimmt. Der Ge­set­zesände­rung muss jetzt noch der Bun­des­rat zu­stim­men. Des­sen Zu­stim­mung gilt als si­cher. Das Ge­setz soll rück­wir­kend zum 01.01.2008 in Kraft tre­ten.
 
08/015 Verringerung der Arbeitslosenzahlen per Gesetz
  25.01.2008. Nach § 53a SGB II SGB II in der Fas­sung des Sieb­ten Ge­set­zes zur Ände­rung des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch und an­de­rer Ge­set­ze sol­len über 58jähri­ge Hil­fe­bedürf­ti­ge nach ei­nem Jahr des Leis­tungs­be­zugs nicht mehr als ar­beits­los gel­ten.
 
08/014 AGG: Kaum Auswirkungen in der Praxis?
  24.01.2008. Laut ei­ner Um­fra­ge, die das „Per­so­nal­ma­ga­zin“ zu­sam­men mit dem Deut­schen An­walt­ver­ein (DAV) in Auf­trag gab, hat das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) seit sei­ner Einführung im Au­gust 2006 kaum Aus­wir­kun­gen auf die ar­beits­recht­li­che Pra­xis. Da­mit meh­ren sich die An­zei­chen dafür, dass die Fol­gen des AGG in der po­li­ti­schen De­bat­te vor sei­ner Ver­ab­schie­dung über­trie­ben dar­ge­stellt wur­den.
 
08/013 Keine Abfindung gemäß § 1a KSchG bei Rücknahme der Kündigungsschutzklage
  22.01.2008. Bie­tet der Ar­beit­ge­ber in ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung un­ter Ver­weis auf § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ei­ne Ab­fin­dung an für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt, so be­steht kein Ab­fin­dungs­an­spruch, wenn der Ar­beit­neh­mer zunächst klagt, die Kla­ge dann aber später zurück­nimmt. Die Re­ge­lung des § 269 Abs.3 Satz 1 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO), wo­nach der Rechts­streit bei ei­ner Kla­gerück­nah­me als "nicht anhängig ge­wor­den" an­zu­se­hen ist, hilft dem Ar­beit­neh­mer in die­sem Fall nicht wei­ter: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 971/06.
 
08/012 Beziffertes Abfindungsangebot bei gleichzeitigem Verweis auf § 1a KSchG
  21.01.2008. Be­zif­fert der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ein im Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­brei­te­tes Ab­fin­dungs­an­ge­bot, das für den Fall des Un­ter­las­sens ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge gel­ten soll, und ver­weist er zu­gleich auf § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), so ris­kiert er die in­halt­li­che Un­klar­heit sei­nes Ab­fin­dungs­an­ge­bots. Ist das be­zif­fer­te An­ge­bot da­her ge­rin­ger als die Ab­fin­dung, die sich aus § 1a KSchG er­rech­net, kann das An­ge­bot im Sin­ne von § 1a KSchG, d.h. im Sin­ne ei­ner höhe­ren Ab­fin­dung aus­zu­le­gen sein. Un­klar­hei­ten über die Höhe der Ab­fin­dung ge­hen hier zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 807/06.
 
08/011 Streikrecht versus Niederlassungsfreiheit
  18.01.2008. Streiks können die Nie­der­las­sungs­frei­heit von Un­ter­neh­men in­ner­halb der Eu­ropäischen Uni­on (EU) be­gren­zen, wenn sie die Ver­la­ge­rung von Be­trie­ben in Länder mit nied­ri­ge­rem Lohn­ni­veau ver­hin­dern sol­len. In dem Streit zwi­schen ei­ner fin­ni­schen Ge­werk­schaft und ei­ner fin­ni­schen Ree­de­rei, die ei­nes ih­rer Schif­fe zum Zwe­cke der Lohn­kos­ten­sen­kung künf­tig mit est­ni­scher Be­sat­zung fah­ren las­sen woll­te, ent­schied der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH), dass die Ein­schränkung der Nie­der­las­sungs­frei­heit nur un­ter en­gen Vor­aus­set­zun­gen ge­recht­fer­tigt sein kann. Hier nennt der Ge­richts­hof die kon­kre­te ob­jek­ti­ve Gefähr­dung von Ar­beitsplätzen und die ob­jek­ti­ve "Er­for­der­lich­keit" von Streiks zur Er­rei­chung der ge­werk­schaft­li­chen Zie­le: EuGH, Ur­teil vom 11.12.2007, C-438/05 (Vi­king Li­ne).
 
08/010 Begrenzung von Managergehältern
  17.01.2008. An­ge­sichts der der­zei­ti­gen De­bat­te über ho­he Ma­na­ger­gehälter ge­ben wir ei­nen kur­zen Über­blick über die sehr be­grenz­ten recht­li­chen Möglich­kei­ten für den Staat, Bezüge von Ma­na­gern zu be­gren­zen. An­ge­sichts der be­ste­hen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­la­ge wäre ei­ne ge­setz­li­che De­cke­lung von Ma­na­ger­gehältern kaum möglich.
 
08/009 Top 10 der arbeitsgerichtlichen Entscheidungen 2007
  16.01.2008. Im Ar­beits­recht wird ständig über neue Ur­tei­le dis­ku­tiert. Im Jah­resrück­blick zeigt sich, wel­che wirk­lich be­deut­sam wa­ren. Wir ge­ben ei­ne kur­ze Zu­sam­men­fas­sung über die zehn wich­tigs­ten ar­beits­recht­li­chen Ent­schei­dun­gen des Jah­res 2007.
 
08/008 Bonuszahlung bei unterlassener Zielvereinbarung
  15.01.2008. Ar­beits­verträge ent­hal­ten oft das Pro­gramm für bei­de Ver­trags­par­tei­en, jähr­lich ge­mein­sam neue Zie­le fest­zu­le­gen, die der Ar­beit­ne­mer so­dann er­rei­chen muss, um nach Ab­lauf des Jah­res und nach Aus­wer­tung des Gra­des der Ziel­er­rei­chung ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rungs-Prämie zu er­hal­ten. Bis­lang um­strit­ten ist die Fra­ge, wel­che Fol­gen es hat, wenn der Ar­beit­ge­ber ver­trags­wid­rig die Fest­le­gung ei­ner jähr­li­chen Ziel­vor­ga­be ver­wei­gert. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die­se Fra­ge geklärt: BAG, Ur­teil vom 12.12.2007, 10 AZR 97/07.
 
08/007 Gesetzesänderungen zum Jahreswechsel 2007 / 2008
  14.01.2008. Zum Jah­res­wech­sel 2007 / 2008 tre­ten ei­ni­ge ge­setz­li­chen Ände­run­gen in den Be­rei­chen des Ar­beit- und So­zi­al­rechts in Kraft. Her­vor­zu­he­ben sind vor al­lem die geänder­ten Re­ge­lun­gen zur Ries­ter­ren­te, der neue Min­dest­lohn für Briefträger und die Verlänge­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs für älte­re Ver­si­cher­te.
 
08/006 Gesetzentwurf zur Änderung der Zivilprozessordnung und des Arbeitsgerichtsgesetzes
  09.01.2008. Der Bun­des­rat hat ei­ne Ge­set­zes­vor­la­ge in den Bun­des­tag ein­ge­bracht, die die Be­ru­fung im Zi­vil- und Ar­beits­recht er­schwe­ren soll. Dem Vor­schlag zu­fol­ge soll es künf­tig erst ab ei­ner Be­ru­fungs­sum­me von 1.000,00 EUR (an­statt von der­zeit 600,00 EUR) möglich sein, Be­ru­fung ein­zu­le­gen: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ände­rung der Zi­vil­pro­zess­ord­nung und des Ar­beits­ge­richts­ge­set­zes, Ge­setz­ent­wurf des Bun­des­ra­tes, vom 07.11.2007 (Bun­des­tag Drucks. 16/6970).
 
08/005 Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Dritten Buches Sozialgesetzbuch
  08.01.2008. Die Bun­desländer wol­len mit ei­ner Ge­set­zes­in­itia­ti­ve des Bun­des­rats zusätz­li­che Lehr­stel­len durch ei­nen Zu­schuss der Ar­beits­agen­tu­ren fördern. Ge­hol­fen wer­den soll sog. "Alt­be­wer­bern". Das sind Schul­abgänger, die be­reits vor ei­nem Jahr ih­ren Schul­ab­schluss ge­macht ha­ben und seit­dem bei der Ar­beits­agen­tur als aus­bil­dungs­platz­su­chend ge­mel­det sind: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ände­rung des Drit­ten Buchs So­zi­al­ge­setz­buch und an­de­rer Ge­set­ze, Ge­setz­ent­wurf des Bun­des­ra­tes vom 07.11.2007 (Bun­des­tag Drucks. 16/6968).
 
08/004 Gesetzentwurf zur Änderung des Sozial- und Arbeitsgerichtsgesetzes
  07.01.2008. Die Bun­des­re­gie­rung will das Ver­fah­ren vor den So­zi­al­ge­rich­ten und Lan­des­so­zi­al­ge­rich­ten ef­fek­ti­ver ge­stal­ten. Ge­plant sind auch ei­ni­ge Ver­ein­fa­chun­gen im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ände­rung des So­zi­al­ge­richts­ge­set­zes und des Ar­beits­ge­richts­ge­set­zes, Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 15.11.2007 (Bun­des­rat Drucks. 820/07).
 
08/003 Steuerfreiheit von Zukunftssicherungsleistungen des Arbeitgebers auf Grund eines für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrages
  04.01.2008. Ein­nah­men, die Ar­beit­neh­mer im Rah­men des Ar­beits­verhält­nis­ses vom Ar­beit­ge­ber be­zie­hen, sind im All­ge­mei­nen der Lohn­steu­er zu un­ter­wer­fen. Da­zu gehören nicht nur die mo­nat­li­chen Lohn- bzw. Ge­halts­zah­lun­gen, son­dern auch an­de­re Zu­wen­dun­gen wie z.B. Leis­tun­gen der sog. Zu­kunfts­si­che­rung, al­so ins­be­son­de­re Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen des Ar­beit­ge­bers zu Guns­ten der Ar­beit­neh­mer (vgl. § 2 Abs. 2 Nr. 3 Lohn­steu­er-Durchführungs­ver­ord­nung - LSt­DV). In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den, dass Leis­tun­gen der Zu­kunfts­si­che­rung steu­er­frei sind, wenn sie auf­grund ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trags er­bracht wer­den: BFH, Ur­teil vom 13.09.2007, VI R 16/06.
 
08/002 Europarechtswidrige Benachteiligung von Teilzeit-Beamten bei Überstunden
  03.01.2008. Wer­den Be­am­te, die in Teil­zeit beschäftigt wer­den, zur Mehr­ar­beit her­an­ge­zo­gen, wird die­se Mehr­ar­beit nach deut­schem Be­am­ten­recht ge­rin­ger vergütet als die ver­gleich­ba­re Ar­beits­zeit von Voll­zeit­be­am­ten. Das kann zu ei­ner mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en führen, falls sich un­ter den Teil­zeit­be­am­ten weit über­wie­gend Frau­en be­fin­den: Eu­ropäischer Ge­richts­hof, Ur­teil vom 06.12.2007, C-300/06 (Voß).
 
08/001 Arbeitgeber dürfen „Spitzenverdiener“ von der betrieblichen Altersversorgung ausnehmen
  02.01.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil den Spiel­raum für die Aus­ge­stal­tung von Be­triebs­ren­ten­sys­te­men er­wei­tert. Vergütun­gen, die weit über dem Ta­rif­ni­veau lie­gen, ermögli­chen ei­ne Ei­gen­vor­sor­ge und recht­fer­ti­gen den Aus­schluss von ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Ein Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung liegt dann nicht vor: BAG, Ur­teil vom 21.08.2007, 3 AZR 269/06.