HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

HANDBUCH ARBEITSRECHT

Ar­beits­lo­sen­geld I

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ar­beits­lo­sen­geld I: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Schreiben der Bundesagentur für Arbeit mit darauf liegenden Geldscheinen

Le­sen Sie hier, wer An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I hat, was Sie bei der Ar­beits­los­mel­dung zu be­ach­ten ist und wie lang Ar­beits­lo­sen­geld ge­währt wird.

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se zu den The­men Kran­ken­ver­si­che­rung, Ren­ten­ver­si­che­rung, Sperr­zeit und Ru­hen des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs.

Schließ­lich wird er­läu­tert, wann Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­ge­wäh­rung ge­zahlt wird.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Was ver­steht man un­ter Ar­beits­lo­sen­geld I?

Das Ar­beits­lo­sen­geld I ist ei­ne von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit bzw. von der je­weils ört­lich zuständi­gen Ar­beits­agen­tur (bis 31.12.2003: „Ar­beits­amt“) gewähr­te Lohn­er­satz­leis­tung. An­ders als das Ar­beits­lo­sen­geld II setzt die Gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld I vor­aus, dass der Begüns­tig­te in der ge­setz­li­chen Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­chert ist und auf­grund des Ver­si­che­rungs­verhält­nis­ses An­spruch auf Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen, d.h. auf Ar­beits­lo­sen­geld I, hat.

In der Spra­che der Ar­beits­ver­wal­tung und Ju­ris­ten sind die Abkürzun­gen ALG I bzw. Alg I für das Ar­beits­lo­sen­geld I und die ent­spre­chen­den Abkürzun­gen für das Ar­beits­lo­sen­geld II gebräuch­lich (ALG II bzw. Alg II).

Wo fin­den sich ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen über das Ar­beits­lo­sen­geld I?

Maßgeb­li­che ge­setz­li­che Grund­la­ge für Fra­gen, die mit der Gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld I zu­sam­menhängen, ist das Drit­te Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III).

Wer hat An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I?

Ar­beits­lo­sen­geld I können gemäß § 137 SGB III (früher: § 118 Abs.1 SGB III) Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen, die

  1. ar­beits­los sind,
  2. sich bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beits­los ge­mel­det und
  3. die An­wart­schafts­zeit erfüllt ha­ben.

Wer ist ar­beits­los im Sin­ne der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für das Ar­beits­lo­sen­geld I?

Ar­beits­los ist ein Ar­beit­neh­mer gemäß § 138 SGB III (früher: § 119 SGB III), der die fol­gen­den drei Vor­aus­set­zun­gen erfüllt:

Er darf nicht in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen (Beschäfti­gungs­lo­sig­keit), er muss sich bemühen, sei­ne Beschäfti­gungs­lo­sig­keit zu be­en­den (Ei­gen­bemühun­gen), und er muss den Ver­mitt­lungs­bemühun­gen der Ar­beits­agen­tur zur Verfügung ste­hen (Verfügbar­keit). Ei­ne eh­ren­amt­li­che Betäti­gung schließt Ar­beits­lo­sig­keit nicht aus, wenn da­durch die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung des Ar­beits­lo­sen nicht be­ein­träch­tigt wird. Ei­ne zeit­lich nicht er­heb­li­che Er­werbstätig­keit von we­ni­ger als 15 St­un­den wöchent­lich schließt die Beschäfti­gungs­lo­sig­keit nicht aus, wo­bei ge­le­gent­li­che Ab­wei­chun­gen von ge­rin­ger Dau­er un­berück­sich­tigt blei­ben.

Im Rah­men der Ei­gen­bemühun­gen hat der Ar­beits­lo­se al­le Möglich­kei­ten zur be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung zu nut­zen. Hier­zu gehören ins­be­son­de­re die Wahr­neh­mung der Ver­pflich­tun­gen aus ei­ner Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung, die Mit­wir­kung bei der Ver­mitt­lung durch Drit­te und die In­an­spruch­nah­me der Selbst­in­for­ma­ti­ons­ein­rich­tun­gen der Agen­tur für Ar­beit.

Den Ver­mitt­lungs­bemühun­gen der Agen­tur für Ar­beit ste­hen Ar­beit­neh­mer zur Verfügung, die fol­gen­de Be­din­gun­gen erfüllen: Sie müssen ei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge, min­des­tens 15 St­un­den wöchent­lich um­fas­sen­de, zu­mut­ba­re Beschäfti­gung un­ter den übli­chen Be­din­gun­gen, des für sie in Be­tracht kom­men­den Ar­beits­mark­tes ausüben können und da­zu be­reit sein, sie müssen den Vor­schlägen der Agen­tur für Ar­beit zur be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung zeit- und orts­nah Fol­ge leis­ten können und sie müssen da­zu be­reit sein, an Maßnah­men zur be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung in das Er­werbs­le­ben teil­zu­neh­men.

Was schreibt das Ge­setz zur Ar­beits­los­mel­dung vor?

Gemäß § 141 Abs.1 SGB III (früher: § 122 Abs.1 SGB III) hat sich der Ar­beits­lo­se persönlich bei der zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit ar­beits­los zu mel­den. Ei­ne Mel­dung per Brief, Fax, Te­le­fon oder durch ei­nen Stell­ver­tre­ter ist al­so un­zulässig bzw. führt nicht zum Ent­ste­hen ei­nes An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld.

In zeit­li­cher Hin­sicht ist ei­ne Mel­dung be­reits dann zulässig, wenn die Ar­beits­lo­sig­keit noch nicht ein­ge­tre­ten, der Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit aber in­ner­halb der nächs­ten drei Mo­na­te zu er­war­ten ist. Die Ar­beits­los­mel­dung muss spätes­tens am ers­ten Tag des vom Ar­beit­neh­mer gewünsch­ten Leis­tungs­be­zugs er­fol­gen, da oh­ne ei­ne sol­che Mel­dung Ar­beits­lo­sen­geld I nicht gewährt wird. Ei­ne rück­wir­ken­de Leis­tungs­be­wil­li­gung ist aus­ge­schlos­sen.

Von der Ar­beits­los­mel­dung ist die „frühzei­ti­ge Ar­beits­su­che“ zu un­ter­schei­den, d.h. die Mel­dung als ar­beit­su­chend. Gemäß § 38 SGB III sind Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis vor­aus­sicht­lich en­den wird, da­zu ver­pflich­tet, sich spätes­tens drei Mo­na­te vor des­sen Be­en­di­gung persönlich bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beit­su­chend zu mel­den. Lie­gen zwi­schen der Kennt­nis des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes und der Be­en­di­gung des Ar­beits- oder Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses we­ni­ger als drei Mo­na­te, was vor al­lem bei Kündi­gun­gen durch den Ar­beit­ge­ber mit kur­zer Frist der Fall ist, hat die Mel­dung in­ner­halb von drei Ta­gen nach Kennt­nis des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes zu er­fol­gen.

Zur Wah­rung die­ser für die Ar­beit­su­chend­mel­dung vor­ge­schrie­be­nen Fris­ten genügt ei­ne te­le­fo­ni­sche Mit­tei­lung, wenn die persönli­che Mel­dung nach ter­min­li­cher Ver­ein­ba­rung nach­ge­holt wird. Die Pflicht zur Ar­beit­su­chend­mel­dung be­steht auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer den Fort­be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ge­richt­lich gel­tend macht oder wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne Fort­set­zung in Aus­sicht ge­stellt hat.

Wer hat die An­wart­schafts­zeit erfüllt?

Die An­wart­schafts­zeit hat gemäß § 142 SGB III (früher: § 123 SGB III) erfüllt, wer in der Rah­men­frist min­des­tens zwölf Mo­na­te in ei­nem Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis ge­stan­den hat. Die Rah­men­frist beträgt gemäß § 143 Abs.1 SGB III (früher: § 124 SGB III) zwei Jah­re und be­ginnt mit dem Tag vor der Erfüllung al­ler sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld.

Dem­zu­fol­ge setzt der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld nicht nur vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer vor Be­ginn sei­ner Ar­beits­lo­sig­keit zwölf Mo­na­te lang ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftigt war und dass sein Ar­beit­ge­ber da­her Beiträge zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung für ihn ab­geführt hat: Vor­aus­set­zung ist darüber hin­aus auch, dass die an­spruchs­be­gründen­den zwölf Beschäfti­gungs­mo­na­te nicht all­zu lan­ge zurück­lie­gen, d.h. sie müssen in­ner­halb von zwei Jah­ren vor Be­ginn der Ar­beits­lo­sig­keit ab­sol­viert wor­den sein. Lie­gen Beschäfti­gungs­zei­ten länger zurück und fal­len da­her nicht in die zweijähri­ge Rah­men­frist hin­ein, wer­den sie bei der Fra­ge, ob ein Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch be­steht, nicht berück­sich­tigt.

Wie lan­ge wird Ar­beits­lo­sen­geld I gewährt?

Nach­dem sich Re­gie­rung und Op­po­si­ti­on En­de 2003 auf ein ge­mein­sam ge­tra­ge­nes Re­form­pa­ket im Rah­men der sog. Agen­da 2010 ge­ei­nigt hat­ten, wur­de am 24.12.2003 das Ge­setz zu Re­for­men am Ar­beits­markt ver­ab­schie­det (BGBl I, S.3002), das zum 01.01.2004 in Kraft trat. We­sent­li­cher In­halt die­ses Re­form­ge­set­zes war die Verkürzung der Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­be­zugs, von der älte­re Ver­si­cher­te be­son­ders stark be­trof­fen wa­ren. Die­se Leis­tungskürzung in zeit­li­cher Hin­sicht fand ih­ren Nie­der­schlag in § 147 SGB III (zu­vor: § 127 SGB III), der die Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­be­zugs re­gelt.

Ob­wohl das Ge­setz zu Re­for­men am Ar­beits­markt be­reits am 01.01.2004 in Kraft trat, war es aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes er­for­der­lich, die Verkürzung der Be­zugs­dau­er beim Ar­beits­lo­sen­geld erst nach ei­ner an­ge­mes­se­nen Über­g­angs­zeit ein­grei­fen zu las­sen. Die­se war in § 434 l SGB III in der Wei­se fest­ge­legt, dass § 127 SGB III in der bis zum 31.12.2003 gel­ten­den Fas­sung wei­ter­hin auf Per­so­nen an­zu­wen­den ist, de­ren An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld bis zum 31.01.2006 ent­stan­den ist.

Das heißt im Er­geb­nis für die Rechts­an­wen­dung, dass es ei­ne für die Ver­si­cher­ten güns­ti­ge Alt­fas­sung von § 127 SGB III gibt, die an­zu­wen­den ist, wenn der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch bis spätes­tens am 31.01.2006 ent­stan­den ist, und ei­ne für die Ver­si­cher­ten ungüns­ti­ge Neu­fas­sung, die für Ansprüche ein­greift, die ab dem 01.02.2006 ent­stan­den sind.

Nach § 127 Abs.2 SGB III in der bis zum 31.01.2006 an­zu­wen­den­den Ge­set­zes­fas­sung beträgt die Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs

nach Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis­sen
mit ei­ner Dau­er von ins­ge­samt
min­des­tens . . . Mo­na­ten

und nach Voll­endung
des . . . Le­bens­jah­res

... Mo­na­te

12

6

16

8

20

10

24

12

28

45

14

32

45

16

36

45

18

40

47

20

44

47

22

48

52

24

52

52

26

56

57

28

60

57

30

64

57

32

Da es nach die­ser Fas­sung des Ge­set­zes auf recht weit zurück­lie­gen­de, im Höchst­fall 64 Mo­na­te um­fas­sen­de Ver­si­che­rungs­zei­ten an­kommt, be­stimmt die über­g­angs­wei­se bis zum 31.01.2006 an­zu­wen­den­de Alt­fas­sung von § 127 Abs.1 SGB III, dass hier­bei ei­ne um vier Jah­re er­wei­ter­te Rah­men­frist zu­grun­de zu le­gen ist. Bei der Er­mitt­lung von an­spruchs­be­gründen­den Beschäfti­gungs­zei­ten ist al­so ei­ne Be­trach­tung der letz­ten sie­ben Jah­re vor Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit vor­zu­neh­men: Aus­zu­ge­hen ist von ei­ner dreijähri­gen Rah­men­frist gemäß § 124 Abs.1 SGB III in der über­g­angs­wei­se bis zum 31.01.2006 maßgeb­li­chen Fas­sung (§ 434j Abs.1 SGB III), zu der ei­ne Er­wei­te­rung um vier Jah­re gemäß § 127 Abs.1 SGB III in der bis zum 31.01.2006 an­zu­wen­den­den Alt­fas­sung hin­zu­kommt.

Nach § 127 Abs.2 SGB III in der bis ab dem 01.02.2006 an­zu­wen­den­den, auf dem Ge­setz zu Re­for­men am Ar­beits­markt vom 24.12.2003 be­ru­hen­den Ge­set­zes­fas­sung beträgt die Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs

nach Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis­sen
mit ei­ner Dau­er von ins­ge­samt
min­des­tens . . . Mo­na­ten

und nach Voll­endung
des . . . Le­bens­jah­res

... Mo­na­te

12

6

16

8

20

10

24

12

30

55

15

36

55

18

Auf­grund der ge­rin­ge­ren recht­li­chen Be­deu­tung der Ver­si­che­rungs­zei­ten, die im Höchst­fall nur noch im Um­fang von 32 Mo­na­ten recht­lich re­le­vant sind, be­stimmt § 127 Abs.1 SGB III in der ab dem 01.02.2006 an­zu­wen­den­den Ge­set­zes­fas­sung, dass es bei der Er­mitt­lung von Ver­si­che­rungs­zei­ten auf ei­ne (nur noch) um ein Jahr verlänger­te Rah­men­frist an­kommt. Die für den Höchst­an­spruch von 18 Mo­na­ten er­for­der­li­chen 36 Mo­na­te Ver­si­che­rungs­zei­ten müssen al­so in den letz­ten drei Jah­ren vor Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit zurück­ge­legt sein.

Un­ter dem Ein­druck der brei­ten Kri­tik an der Kürzung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs älte­rer Ar­beit­neh­mer ei­nig­te sich die große Ko­ali­ti­on im De­zem­ber 2007 auf ei­ne Kor­rek­tur der Re­form: Das am 25.01.2008 vom Bun­des­tag ver­ab­schie­de­te und vom Bun­des­rat am 25.02.2008 ge­bil­lig­te Sieb­te Ge­setz zur Ände­rung des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch und an­de­rer Ge­set­ze sieht - rück­wir­kend zum 01.01.2008 - ei­ne Verlänge­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­be­zugs für älte­re Ar­beit­neh­mer vor. Da­nach sol­len 50jähri­ge Ver­si­cher­te nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 30 Mo­na­ten 15 (statt bis­lang 12) Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld, 55jähri­ge nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 36 Mo­na­ten (wie bis­her) 18 Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld und 58jähri­ge nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 48 Mo­na­ten 24 (statt bis­lang 15) Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld er­hal­ten.

Auf­grund ei­ner Über­g­angs­re­ge­lung (§ 434r Abs.1 SGB III in der Fas­sung des Ände­rungs­ge­set­zes vom 25.01.2008) ist die Neu­re­ge­lung nicht nur auf Ansprüche an­zu­wen­den, die ab dem 01.01.2008 (erst­mals) ent­stan­den sind, son­dern auch auf Ansprüche älte­rer Ver­si­cher­ter, die von der Neu­re­ge­lung begüns­tigt wer­den und am 31.12.2007 im lau­fen­den Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug ste­hen, so dass ihr An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld am 31.12.2007 noch nicht erschöpft ist. Die An­spruchs­dau­er sol­cher Ar­beit­neh­mer erhöht sich auf 15 Mo­na­te, wenn sie vor dem 01.01.2008 das 50. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, und auf 24 Mo­na­te, wenn sie vor dem 01.01.2008 das 58. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben.

Nach der mit Wir­kung zum 01.01.2008 kor­ri­gier­ten Fas­sung von § 127 Abs.2 SGB III beträgt die Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs

nach Ver­si­che­rungs­pflicht­verhält­nis­sen
mit ei­ner Dau­er von ins­ge­samt
min­des­tens . . . Mo­na­ten

und nach Voll­endung
des . . . Le­bens­jah­res

... Mo­na­te

12

6

16

8

20

10

24

12

30

50

15

36

55

18

48

58

24

Zu­gleich wur­de die für die Fest­stel­lung der an­spruchs­be­gründen­den Ver­si­che­rungs­zei­ten gemäß § 127 Abs.1 SGB III an­ge­ord­ne­te Verlänge­rung der Rah­men­frist wie­der zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers geändert: Bei der Er­mitt­lung von Beschäfti­gungs­zei­ten ist ab dem 01.01.2008 ei­ne um drei Jah­re verlänger­te Rah­men­frist, ins­ge­samt al­so ein Zeit­raum von fünf Jah­ren vor Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit re­le­vant.

In wel­cher Höhe wird Ar­beits­lo­sen­geld I gewährt?

Das Ar­beits­lo­sen­geld beträgt im 60 % (all­ge­mei­ner Leis­tungs­satz) und bei Ar­beit­neh­mern mit min­des­tens ei­nem Kind 67 % (erhöhter Leis­tungs­satz) des zu­letzt be­zo­ge­nen, gemäß ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten pau­schal zu be­rech­nen­den Net­to­ge­hal­tes, des sog. Leis­tungs­ent­gel­tes (§ 149 SGB III = § 129 SGB III al­te Fas­sung). We­sent­lich für die Be­rech­nung der Höhe des Ar­beits­lo­sen­gel­des ist da­her das Leis­tungs­ent­gelt. Die­ses ist wie­der­um aus­ge­hend von dem sog. Be­mes­sungs­ent­gelt zu er­rech­nen.

Als Be­mes­sungs­ent­gelt de­fi­niert das Ge­setz das durch­schnitt­lich auf den Tag ent­fal­len­de bei­trags­pflich­ti­ge Ar­beits­ent­gelt, das der Ar­beits­lo­se im Be­mes­sungs­zeit­raum er­zielt hat (§ 151 Abs.1 Satz 1 SGB III - früher: § 131 Abs.1 Satz 1 SGB III). Ar­beits­ent­gel­te, auf die der Ar­beits­lo­se beim Aus­schei­den aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis An­spruch hat­te, gel­ten als er­zielt, wenn sie zu­ge­flos­sen oder nur we­gen Zah­lungs­unfähig­keit des Ar­beit­ge­bers nicht zu­ge­flos­sen sind. Der Be­mes­sungs­zeit­raum um­fasst grob ge­sagt das letz­te Jahr vor Be­ginn der Ar­beits­lo­sig­keit; Ein­zel­hei­ten sind in § 150 SGB III (zu­vor: § 130 SGB III) ge­re­gelt.

Das in die­sem Jahr er­ziel­te Ar­beits­ent­gelt ist für die Be­rech­nung des Be­mes­sungs­ent­gelts maßgeb­lich, vor­aus­ge­setzt, es wur­de durch ei­ne ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung er­zielt und es ist bei­trags­pflich­tig zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung. Die Vor­aus­set­zung der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung ist bei­spiels­wei­se bei ei­ner ge­ringfügi­gen Tätig­keit („Mi­ni­job“) nicht erfüllt, da für die­se kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung be­steht. Die Vor­aus­set­zung der Bei­trags­pflich­tig­keit ist in­so­weit nicht erfüllt, als das Ar­beits­ein­kom­men die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung über­steigt.

Die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ent­spricht der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 341 Abs.4 SGB III) und beträgt im Jah­re 2008 pro Mo­nat 5.300 EUR (al­te Bun­desländer) bzw. 4.500 EUR (neue Bun­desländer) und pro Jahr 63.600 EUR (al­te Bun­desländer) bzw. 54.000 EUR (neue Bun­desländer). Darüber lie­gen­de Ar­beits­ein­kom­men sind in­so­weit, als sie die­se Gren­ze über­stei­gen, in der Ar­beits­lo­sen- wie in der Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei, d.h. der über­stei­gen­de Ge­halts­an­teil ist nicht ver­si­chert.

Ist das für die Er­mitt­lung des Be­mes­sungs­ent­gelts im letz­ten Jahr vor der Ar­beits­lo­sig­keit maßgeb­li­che Ar­beits­ent­gelt er­mit­telt, wird es durch 365 ge­teilt (§ 151 Abs.1 Satz 1 SGB III) und von die­sem tägli­chen Be­mes­sungs­ent­gelt gemäß § 153 Abs.1 Satz 1 SGB (früher: § 133 Abs.1 Satz 1 SGB III) ei­ne So­zi­al­ver­si­che­rungs­pau­scha­le in Höhe von 21 Pro­zent, die Lohn­steu­er gemäß Lohn­steu­er­ta­bel­le (d.h. oh­ne in­di­vi­du­el­le Frei­beträge und Pau­scha­len) so­wie der So­li­da­ritäts­zu­schlag ab­ge­zo­gen. Das Er­geb­nis die­ser Abzüge ist das tägli­che Leis­tungs­ent­gelt.

Das Leis­tungs­ent­gelt wird je nach­dem, ob der Ar­beit­neh­mer den all­ge­mei­nen oder den erhöhten Leis­tungs­satz be­an­spru­chen kann, mit 0,6 oder 0,67 mul­ti­pli­ziert; dies er­gibt den tägli­chen Leis­tungs­satz bzw. Zahl­be­trag. Ist Ar­beits­lo­sen­geld für vol­le Ka­len­der­mo­na­te zu leis­ten, wird je­der Mo­nat pau­schal mit 30 Ta­gen an­ge­setzt (§ 154 Satz 2 SGB III = § 134 Satz 2 SGB III al­te Fas­sung), d.h. der Ar­beits­lo­se erhält pro Mo­nat den tägli­chen Zahl­be­trag mal dreißig.

Wann und wie wird das Ar­beits­lo­sen­geld I aus­ge­zahlt?

Ar­beits­lo­sen­geld I wird je­weils mo­nat­lich nachträglich aus­ge­zahlt (§ 337 Abs.2 SGB III), und zwar bar­geld­los und kos­ten­frei auf ein vom Empfänger an­ge­ge­be­nes inländi­sches Kon­to (§ 337 Abs.1 Satz 1 SGB III). Geht al­les mit rech­ten Din­gen zu, wird die Über­wei­sung von der Ar­beits­agen­tur so zei­tig an­ge­wie­sen, dass der Be­rech­tig­te am ers­ten Bank­ar­beits­tag des Fol­ge­mo­nats über das Ar­beits­lo­sen­geld verfügen kann.

Wie wird das Ar­beits­lo­sen­geld I steu­er­lich be­han­delt?

Das Ar­beits­lo­sen­geld I ist gemäß § 3 Nr.2 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG) zwar „steu­er­frei“, un­ter­liegt aber dem Pro­gres­si­ons­vor­be­halt nach § 32b Abs1 Nr.1 EStG. Das heißt, dass der Ar­beits­lo­sen­geld­empfänger zwar, falls er außer dem Ar­beits­lo­sen­geld kei­ne wei­te­ren Einkünf­te er­zielt, kei­ne Ein­kom­men­steu­er zu ent­rich­ten hat, da das Ar­beits­lo­sen­geld steu­er­frei ist. Er­zielt er je­doch an­der­wei­ti­ges zu ver­steu­ern­des Ein­kom­men, ist zur Er­mitt­lung des Steu­er­sat­zes, der auf das an­der­wei­ti­ge Ein­kom­men an­zu­wen­den ist, das er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld hin­zu­zu­rech­nen (Pro­gres­si­ons­vor­be­halt).

Im Er­geb­nis be­deu­tet dies, dass der Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld da­zu führen kann, dass an­de­re Einkünf­te höher be­steu­ert wer­den, als dies oh­ne den Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld der Fall wäre.

Be­steht während des Ar­beits­lo­sen­geld­be­zugs Schutz in der Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung?

Nach § 190 Abs.2 Fünf­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB V) en­det die Mit­glied­schaft ei­nes ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung mit dem En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses. Die­ses ab­rup­te En­de der beschäfti­gungs­be­ding­ten Mit­glied­schaft in der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­se wird ab­ge­fe­dert durch ei­nen für ei­nen Mo­nat nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch gemäß § 19 Abs.2 SGB V: En­det die Mit­glied­schaft Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger, können Leis­tun­gen noch für ei­nen Mo­nat nach dem En­de der Mit­glied­schaft be­an­sprucht wer­den, so­lan­ge kei­ne Er­werbstätig­keit aus­geübt wird.

Be­reits vor Ab­lauf die­ses Mo­nats, in der Re­gel mit dem un­mit­tel­bar nach Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ein­set­zen­den Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug, setzt die ge­genüber § 19 Abs.2 SGB V vor­ran­gi­ge ei­genständi­ge ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung der Ar­beits­lo­sen (kurz: „KV­dA“) ein: § 5 Abs.1 Nr.2 SGB V be­stimmt, dass Ar­beits­lo­se während des Be­zugs von Ar­beits­lo­sen­geld in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig sind, so dass sie im Krank­heits­fall auf­grund ei­ner ei­genständi­gen Mit­glied­schaft in der Kran­ken­ver­si­che­rung geschützt sind.

Dem Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld gleich­ge­stellt ist der Fall, dass der Ar­beits­lo­se Ar­beits­lo­sen­geld I nicht be­zieht, weil der An­spruch ab Be­ginn des zwei­ten Mo­nats bis zur zwölf­ten Wo­che ei­ner Sperr­zeit gemäß § 159 SGB III (zu­vor ge­re­gelt in § 144 SGB III) oder ab Be­ginn des zwei­ten Mo­nats we­gen ei­ner Ur­laubs­ab­gel­tung im Sin­ne von § 157 Abs.2 SGB III (früher: § 143 Abs.2 SGB III) ruht. Da­mit wird si­cher­ge­stellt, dass mit ei­ner Sperr­zeit be­leg­te Ar­beits­lo­se nach Ab­lauf des nach­wir­ken­den An­spruchs gemäß § 19 Abs.2 SGB V eben­falls in den Schutz KV­dA ein­be­zo­gen wer­den.

Darüber hin­aus sind Per­so­nen gemäß § 3 Satz 1 Nr.3 Sechs­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB VI) in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig in der Zeit, für die sie Ar­beits­lo­sen­geld be­zie­hen, wenn sie im letz­ten Jahr vor Be­ginn der Leis­tung zu­letzt ver­si­che­rungs­pflich­tig wa­ren.

Wer trägt die Beiträge für die Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung der Ar­beits­lo­sen?

Mit dem fort­be­ste­hen­den Ver­si­che­rungs­schutz Ar­beits­lo­ser in der ge­setz­li­chen Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung stellt sich die Fra­ge, wem die da­mit ver­bun­de­nen Bei­trags­last zu­ge­wie­sen ist. Dies ist kraft ge­setz­li­cher Re­ge­lung die Bun­des­agen­tur für Ar­beit: Während der Dau­er der Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht Ar­beits­lo­ser trägt sie so­wohl die Kran­ken­ver­si­che­rungs­beiträge (§ 251 Abs.4a SGB V) als auch die Ren­ten­beiträge für die Zeit der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht Ar­beits­lo­ser (§ 170 Abs.1 Nr.2 b) SGB VI).

Ist ein Ar­beit­neh­mer auf­grund des Über­schrei­tens der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung gemäß § 6 Abs.1 Nr.1 SGB V ver­si­che­rungs­frei und hat sich da­her bei ei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­chert, ist er in al­ler Re­gel auch bei ei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ge­gen das Ri­si­ko der Pfle­ge­bedürf­tig­keit ver­si­chert, da § 23 SGB Elf­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB XI) pri­vat voll­kran­ken­ver­si­cher­te Per­so­nen zum Ab­schluss ei­ner pri­va­ten Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­pflich­tet. Trotz des Be­ste­hens ei­ner pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sind sol­che Ar­beit­neh­mer ab Be­ginn des Be­zugs von Ar­beits­lo­sen­geld in der KV­dA ver­si­che­rungs­pflich­tig (§ 5 Abs.1 Nr.2 SGB V).

In die­ser Si­tua­ti­on können sich Ar­beits­lo­se ent­we­der mit der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung auf das vorüber­ge­hen­de Ru­hen des Ver­si­che­rungs­schut­zes und der Bei­trags­zah­lun­gen ei­ni­gen oder aber gemäß § 8 Abs.1 Nr.1a) SGB V be­an­tra­gen, von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der KV­dA be­freit zu wer­den. Vor­aus­set­zung für die­sen An­trag ist, ab­ge­se­hen vom Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug, dass der Ar­beits­lo­se in den letz­ten fünf Jah­ren vor dem Leis­tungs­be­zug nicht ge­setz­lich kran­ken­ver­si­chert war, bei ei­nem pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ver­si­chert ist und Ver­trags­leis­tun­gen erhält, die der Art und dem Um­fang nach den Leis­tun­gen der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ent­spre­chen.

In­fol­ge ei­ner sol­chen Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der KV­dA müssen al­ler­dings die Beiträge zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung wei­ter ent­rich­tet wer­den, was mit er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen ver­bun­den sein kann. Um die­se ab­zu­mil­dern, sieht § 174 SGB III (der in­halt­lich § 207a SGB III in der al­ten Fas­sung ent­spricht) vor, dass die Bun­des­agen­tur für Ar­beit die Beiträge zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung über­nimmt. Der An­spruch auf Bei­tragsüber­nah­me ist auf die Beiträge be­grenzt, die die Ar­beits­ver­wal­tung an­sons­ten an die ge­setz­li­che Kran­ken- bzw. Pfle­ge­ver­si­che­rung zu ent­rich­ten hätte. Der Ar­beits­lo­se wird in dem Um­fang der Über­nah­me der Bei­trags­last durch die Bun­des­agen­tur von sei­ner Pflicht zur Bei­trags­zah­lung be­freit (§ 174 Abs.3 SGB III).

Wel­che Fol­gen hat das Zu­sam­men­tref­fen von Ar­beits­lo­sig­keit und Krank­heit?

Auf­grund ih­rer Ver­si­che­rungs­pflicht in der KV­dA gemäß § 5 Abs.1 Nr.2 SGB V ha­ben Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld I ei­nen An­spruch auf Kran­ken­geld, wenn ih­re Krank­heit sie ar­beits­unfähig macht oder sie auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se sta­ti­onär in ei­nem Kran­ken­haus, ei­ner Vor­sor­ge- oder Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung be­han­delt wer­den. Ähn­lich wie Ar­beit­neh­mer ha­ben auch Ar­beits­lo­se im Fal­le krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit für die Dau­er von sechs Wo­chen ei­nen ge­genüber dem Kran­ken­geld vor­ran­gi­gen An­spruch auf Leis­tungs­fort­zah­lung bei Ar­beits­lo­sen­geld (§ 146 SGB III = § 126 SGB III al­te Fas­sung). Während die­ser Zeit ruht der An­spruch auf Kran­ken­geld (§ 49 Abs.1 Nr.3a SGB V).

Setzt nach Ab­lauf der sechswöchi­gen Leis­tungs­fort­zah­lung der Kran­ken­geld­be­zug ein, ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld (§ 156 Abs.1 Nr.2 SGB III - zu­vor ge­re­gelt in § 142 Abs.1 Nr.2 SGB III). Ab­wei­chend von § 47 Abs.1 Satz 1 SGB V, wo­nach das Kran­ken­geld 70 % des zu­letzt er­ziel­ten re­gelmäßigen Ar­beits­ent­gelts beträgt, sieht § 47b SGB V ei­ne Fest­set­zung des Kran­ken­gel­des auf den Be­trag des Ar­beits­lo­sen­gel­des vor, den der Ver­si­cher­te zu­letzt be­zo­gen hat, um auf die­se Wei­se ei­ne nicht ge­recht­fer­tig­te fi­nan­zi­el­le Bes­ser­stel­lung des im Kran­ken­geld­be­zug be­find­li­chen Ar­beits­lo­sen ge­genüber sei­ner vor­he­ri­gen Si­tua­ti­on zu ver­mei­den.

Während die Leis­tungs­fort­zah­lung bei krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit gemäß § 146 SGB III (früher: § 126 SGB III) den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch für die Dau­er der Krank­heit bzw. der Leis­tungs­fort­zah­lung durch Erfüllung gemäß § 148 Abs.1 Nr.1 SGB III (ehe­mals: § 128 Abs.1 Nr.1 SGB III) min­dert, ist dies beim Kran­ken­geld­be­zug nicht der Fall, da der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch in die­sem Fal­le ruht (§ 49 Abs.1 Nr.3a SGB V) und da­her nach Ab­lauf des Kran­ken­geld­be­zugs für die zu­vor be­ste­hen­de Rest­dau­er wei­ter ge­zahlt wer­den muss. Außer­dem be­steht gemäß § 26 Abs.2 Nr.1 SGB III während des Be­zugs von Kran­ken­geld Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, falls der Kran­ken­geld­be­zie­her un­mit­tel­bar vor Be­ginn der Leis­tung als Beschäftig­ter ver­si­che­rungs­pflich­tig war oder Ar­beits­lo­sen­geld I be­zo­gen hat.

Der Kran­ken­geld­be­zug ist da­her aus Sicht des Ar­beits­lo­sen nicht nur we­gen der länge­ren An­spruchs­dau­er von ma­xi­mal 78 Wo­chen güns­ti­ger als die höchs­tens sechswöchi­ge Leis­tungs­fort­zah­lung des Ar­beits­lo­sen­gel­des, son­dern zu­dem aus zwei an­de­ren Gründen: Zum ei­nen min­dert der Kran­ken­geld­be­zug an­ders als die Leis­tungs­fort­zah­lung nicht den ver­blei­ben­den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch. Zum an­de­ren trägt der Kran­ken­geld­be­zug zum Ent­ste­hen ei­nes neu­en Stamm­rechts auf Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug bei.

In ver­gleich­ba­rer Wei­se stel­len sich Ar­beit­neh­mer bes­ser, wenn sie kurz vor Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ar­beits­unfähig er­kran­ken als wenn dies erst kurz nach Be­ginn des Ar­beits­lo­sen­geld­be­zugs ge­schieht:

Be­fin­den sich Ar­beit­neh­mer vor Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses im Kran­ken­geld­be­zug, wird ih­re Mit­glied­schaft in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung auf­grund des über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hin­aus an­dau­ern­den Kran­ken­geld­be­zugs gemäß § 192 Abs.1 Nr.2 SGB V auf­recht­er­hal­ten, so dass sie auch wei­ter­hin kran­ken­geld­be­rech­tigt blei­ben, falls die Ar­beits­unfähig­keit wei­ter oh­ne Un­ter­bre­chung an­dau­ert.

Das­sel­be gilt, wenn das Ar­beits­verhält­nis des ar­beits­unfähig er­krank­ten Ar­beit­neh­mers vor Ab­lauf des sechswöchi­gen Ent­gelt­fort­zah­lungs­zeit­raums be­en­det wird, da der An­spruch auf Kran­ken­geld be­reits mit Be­ginn der Er­kran­kung dem Grun­de nach ent­steht (§§ 44 Abs.1 Satz 1; 46 Satz 1 SGB V) und während der Ent­gelt­fort­zah­lung le­dig­lich ruht (§ 49 Abs.1 Nr.1 SGB V). Auch in die­sem Fall be­steht da­her die Mit­glied­schaft in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung über die Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses hin­aus gemäß § 192 Abs.1 Nr.2 SGB V fort.

Wann wird ei­ne Sperr­zeit verhängt?

Hat sich der Ar­beit­neh­mer ver­si­che­rungs­wid­rig ver­hal­ten, oh­ne dafür ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben, tritt gemäß § 159 SGB III (früher: § 144 SGB III) ei­ne Sperr­zeit ein, für de­ren Dau­er der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch ruht.

Ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten liegt gemäß § 159 Abs.1 Satz 2 SGB III vor, wenn

  1. der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst oder durch ein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ge­ge­ben und da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat (Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be),
  2. der bei der Agen­tur für Ar­beit als ar­beit­su­chend ge­mel­de­te Ar­beit­neh­mer (§ 38 SGB III) oder der Ar­beits­lo­se trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen ei­ne von der Agen­tur für Ar­beit un­ter Be­nen­nung des Ar­beit­ge­bers und der Art der Tätig­keit an­ge­bo­te­ne Beschäfti­gung nicht an­nimmt oder nicht an­tritt oder die An­bah­nung ei­nes sol­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses, ins­be­son­de­re das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Vor­stel­lungs­gespräches, durch sein Ver­hal­ten ver­hin­dert (Sperr­zeit bei Ar­beitsab­leh­nung),
  3. der Ar­beits­lo­se trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen die von der Agen­tur für Ar­beit ge­for­der­ten Ei­gen­bemühun­gen nicht nach­weist (Sperr­zeit bei un­zu­rei­chen­den Ei­gen­bemühun­gen),
  4. der Ar­beits­lo­se sich wei­gert, trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen an ei­ner Maßnah­me der Eig­nungs­fest­stel­lung, ei­ner Trai­nings­maßnah­me oder ei­ner Maßnah­me zur be­ruf­li­chen Aus­bil­dung oder Wei­ter­bil­dung oder ei­ner Maßnah­me zur Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben teil­zu­neh­men (Sperr­zeit bei Ab­leh­nung ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me),
  5. der Ar­beits­lo­se die Teil­nah­me an ei­ner in Num­mer 4 ge­nann­ten Maßnah­me ab­bricht oder durch maßnah­me­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für den Aus­schluss aus ei­ner die­ser Maßnah­men gibt (Sperr­zeit bei Ab­bruch ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me),
  6. der Ar­beits­lo­se ei­ner Auf­for­de­rung der Agen­tur für Ar­beit, sich zu mel­den oder zu ei­nem ärzt­li­chen oder psy­cho­lo­gi­schen Un­ter­su­chungs­ter­min zu er­schei­nen (§ 309 SGB III), trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen nicht nach­kommt (Sperr­zeit bei Mel­de­versäum­nis),
  7. der Ar­beits­lo­se sei­ner Mel­de­pflicht nach § 38 SGB III nicht nach­ge­kom­men ist (Sperr­zeit bei ver­späte­ter Ar­beit­su­chend­mel­dung).

Der Ar­beit­neh­mer hat die für die Be­ur­tei­lung ei­nes wich­ti­gen Grun­des maßge­ben­den Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, wenn die­se in sei­ner Sphäre oder in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich lie­gen.

Die Ein­zel­hei­ten der Hand­ha­bung der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten über den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit sind in der Durchführungs­an­wei­sung (DA) Sperr­zeit ge­re­gelt. Die DA Sperr­zeit greift die zum The­ma Sperr­zeit er­gan­ge­ne Recht­spre­chung der So­zi­al­ge­rich­te auf und hat im Übri­gen den Cha­rak­ter ei­ner ge­ne­rell ge­hal­te­nen Dienst­an­wei­sung der Behörden­lei­tung ge­genüber ih­ren nach­ge­ord­ne­ten Mit­ar­bei­tern. Sie be­gründet da­her im Verhält­nis zwi­schen Ver­si­cher­tem und Ar­beits­ver­wal­tung kei­ne Rech­te und Pflich­ten. Prak­tisch ist sie al­ler­dings trotz­dem von großer Be­deu­tung, da sich die Ar­beits­agen­tu­ren an ihr ori­en­tie­ren.

Nach­dem die Bun­des­agen­tur für Ar­beit vie­le Jah­re lang ein Ge­heim­nis aus ih­ren Durchführungs­an­wei­sun­gen und ins­be­son­de­re auch der DA Sperr­zeit ge­macht hat, ist die­se seit 2006 frei zugäng­lich und wird von der Bun­des­agen­tur ge­gen ei­ne klei­ne Schutz­gebühr als CD-Rom je­dem in­ter­es­sier­ten Bürger aus­gehändigt.

Ausführ­li­che In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Sperr­zeit verhängt wird, fin­den Sie un­ter dem Stich­wort "Sperr­zeit".

Wel­che Fol­gen hat ei­ne Sperr­zeit?

Während ei­ner Sperr­zeit erhält der Ar­beits­lo­se zunächst ein­mal kein Ar­beits­lo­sen­geld, da der An­spruch ja gemäß § 159 Abs.1 Satz 1 SGB III ruht.
Die Dau­er der Sperr­zeit wird vom Ge­setz un­ter­schied­lich lang fest­ge­legt je nach­dem, für wie gra­vie­rend der Ge­setz­ge­ber das zur Sperr­zeit führen­de ver­si­che­rungs­wid­ri­ge Ver­hal­ten an­sieht.

So dau­ert die Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be in der Re­gel zwölf Wo­chen, die Dau­er ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beitsab­leh­nung, bei Ab­leh­nung oder bei Ab­bruch ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me je nach La­ge des Fal­les drei, sechs oder zwölf Wo­chen usw. Die Dau­er ei­ner Sperr­zeit bei Mel­de­versäum­nis oder bei ver­späte­ter Ar­beit­su­chend­mel­dung beträgt da­ge­gen nur ei­ne Wo­che.

Darüber hin­aus führt ei­ne Sperr­zeit aber auch zum endgülti­gen Weg­fall, d.h. zur ef­fek­ti­ven Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs. Der Um­fang der Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs stimmt im All­ge­mei­nen mit der Dau­er der Sperr­zeit übe­rein, doch gibt es auch hier Un­ter­schie­de im De­tail. So min­dert zum Bei­spiel ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be, falls sie im Re­ge­l­um­fang von zwölf Wo­chen zu verhängen ist, den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch nicht et­wa nur im Um­fang von zwölf Wo­chen, son­dern min­des­tens um ein Vier­tel der ge­sam­ten An­spruchs­dau­er (§ 148 Abs.1 Nr.4 SGB III = § 128 Abs.1 Nr.4 SGB III al­te Fas­sung). Bei älte­ren Ver­si­cher­ten können Auf­he­bungs­verträge da­her, falls die Ar­beits­agen­tur hierfür kei­nen wich­ti­gen Grund an­er­kennt, je nach Ge­samt­um­fang des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs zu ei­ner Min­de­rung von bis zu sechs Mo­na­ten führen.

Wann ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld?

Der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch ruht, ab­ge­se­hen von den Fällen ei­ner Sperr­zeit, auch in an­de­ren Fällen, führt da­bei aber im Un­ter­schied zu den Sperr­zeitfällen le­dig­lich zu ei­ner zeit­li­chen Ver­schie­bung des Be­ginns der Zah­lung, nicht aber zu ei­ner An­spruchs­min­de­rung. Das bloße Ru­hen des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs trifft den Ar­beits­lo­sen da­her nicht so hart wie der Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit.

Der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld ruht ins­be­son­de­re,

  • wenn der Ar­beits­lo­se an­de­re So­zi­al­leis­tun­gen be­zieht wie zum Bei­spiel Kran­ken­geld, Ver­letz­ten­geld, Mut­ter­schafts­geld, Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung oder Al­ters­ren­te (§ 156 SGB III, früher ge­re­gelt in § 142 SGB III),
  • wenn der Ar­beits­lo­se ei­nen An­spruchs auf Lohn bzw. Ge­halt oder auf Ur­laubs­ab­gel­tung hat oder sol­che Zah­lun­gen er­hal­ten hat (§ 157 SGB III = § 143 SGB III al­te Fas­sung) so­weit sol­che Ansprüche zwar be­ste­hen, aber nicht erfüllt wer­den, tritt Gleich­wohl­gewährung ein, § 157 Abs.3 SGB III,
  • wenn der Ar­beits­lo­se we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ab­fin­dung oder ähn­li­che Leis­tung er­hal­ten oder zu be­an­spru­chen hat und das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung ei­ner der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist des Ar­beit­ge­bers ent­spre­chen­den Frist be­en­det wur­de (§ 158 SGB III = § 143a SGB III al­te Fas­sung),
  • wenn der Ar­beits­lo­se durch Be­tei­li­gung an ei­nem inländi­schen Ar­beits­kampf oder oh­ne ak­ti­ve Be­tei­li­gung in ei­nen sol­chen Ar­beits­kampf un­ter be­stimm­ten, im Ge­setz fest­ge­leg­ten Umständen ver­wi­ckelt und da­her ar­beits­los ge­wor­den ist (§ 160 SGB III, früher: § 146 SGB III).

Was ver­steht man un­ter Gleich­wohl­gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld?

Wie erwähnt ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld I gemäß § 157 Abs.1 SGB III während der Zeit, für die der Ar­beits­lo­se Ar­beits­ent­gelt erhält oder zu be­an­spru­chen hat. Die sel­be Rechts­fol­ge tritt gemäß Abs.2 die­ser Vor­schrift ein, wenn der Ar­beits­lo­se we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung er­hal­ten hat oder be­an­spru­chen kann. In die­sem Fall ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld für die Zeit des ab­ge­gol­te­nen bzw. ab­zu­gel­ten­den Ur­laubs.

Da die­se Leis­tun­gen, d.h. Ar­beits­ent­gelt und/oder Ur­laubs­ab­gel­tung, viel­fach nicht gewährt wer­den, ins­be­son­de­re weil der zur Leis­tung ver­pflich­te­te Ar­beit­ge­ber nicht sol­vent ist oder sei­ne Leis­tungs­pflicht zu Un­recht be­strei­tet, hält § 157 Abs.3 Satz 1 SGB III den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch auch für die­se Ru­hens­zei­ten auf­recht, falls der Ar­beits­lo­se von ei­ner Leis­tungs­ver­wei­ge­rung be­trof­fen ist. Die Vor­schrift lau­tet:

So­weit die oder der Ar­beits­lo­se die in den Absätzen 1 und 2 ge­nann­ten Leis­tun­gen (Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne des § 115 des Zehn­ten Bu­ches) tatsächlich nicht erhält, wird das Ar­beits­lo­sen­geld auch für die Zeit ge­leis­tet, in der der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld ruht."

Die Leis­tung von Ar­beits­lo­sen­geld gemäß § 157 Abs.3 Satz 1 SGB III für Zei­ten, in de­nen der Ar­beits­lo­se zwar ei­nen recht­li­chen An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt oder Ur­laubs­ab­gel­tung hat, die­ser je­doch nicht erfüllt wird, wird als Gleich­wohl­gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld be­zeich­net.

Ein im Ar­beits­recht prak­tisch be­son­ders wich­ti­ger Fall der Gleich­wohl­gewährung ist der Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld während der Zeit, in der sich der Ar­beit­ge­ber nach Aus­spruch ei­ner un­wirk­sa­men Kündi­gung im An­nah­me­ver­zug be­fin­det: Hier ist an sich bzw. von Rechts we­gen der Lohn über den Kündi­gungs­ter­min hin­aus wei­ter zu ent­rich­ten, was oft­mals auch nach ei­ner ar­beits­ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung ge­richt­lich fest­ge­stellt wird, doch muss der gekündig­te Ar­beit­neh­mer die Zeit der Un­ge­wiss­heit fi­nan­zi­ell über­brücken und be­fin­det sich da­her zwi­schen­zeit­lich im Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug gemäß § 157 Abs.3 SGB III, d.h. er erhält Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­gewährung.

Wie wird der Be­zug von gleich­wohl­gewähr­tem Ar­beits­lo­sen­geld rück­ab­ge­wi­ckelt?

Stellt sich im Nach­hin­ein rechts­ver­bind­lich her­aus, dass der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer, der ei­ne ge­wis­se Zeit Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­gewährung er­hal­ten hat, für die­se Zeit zur Lohn­zah­lung ver­pflich­tet ist, ist die Zah­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers ge­spal­ten, d.h. er hat in zwei Rich­tun­gen hin Er­stat­tung zu leis­ten:

Zum ei­nen ist er dem Ar­beit­neh­mer zur Zah­lung von An­nah­me­ver­zugs­lohn (§ 615 Satz 1 BGB) ver­pflich­tet, wo­bei er das vom Ar­beit­neh­mer er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld gemäß § 615 Satz 2 BGB in Ab­zug brin­gen kann. Würde ein sol­cher Ab­zug nicht ge­macht, würde sich der Ar­beit­neh­mer bes­ser ste­hen als im Fal­le re­gulärer Lohn­zah­lung.

Zum an­de­ren ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, der Bun­des­agen­tur für Ar­beit das vom Ar­beit­neh­mer er­hal­te­ne Ar­beits­lo­sen­geld zu er­stat­ten. In­so­weit ist der Lohn­an­spruch des Ar­beit­neh­mers in Höhe des be­zo­ge­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des auf die Bun­des­agen­tur über­ge­gan­gen. Der For­de­rungsüber­gang er­gibt sich aus § 115 Abs.1 Zehn­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB X). Die­se Vor­schrift lau­tet:

So­weit der Ar­beit­ge­ber den An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Ar­beits­ent­gelt nicht erfüllt und des­halb ein Leis­tungs­träger So­zi­al­leis­tun­gen er­bracht hat, geht der An­spruch des Ar­beit­neh­mers ge­gen den Ar­beit­ge­ber auf den Leis­tungs­träger bis zur Höhe der er­brach­ten So­zi­al­leis­tun­gen über.

Darüber hin­aus schul­det der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur auch die Er­stat­tung der von ihr ge­tra­ge­nen Beiträge zur Kran­ken- und zur Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 335 Abs.3 Satz 1 SGB III); die­se Vor­schrift ist ei­ne not­wen­di­ge Ergänzung zu § 115 Abs.1 SGB X, da die­se ei­nen For­de­rungsüber­gang nur in Höhe des vom Ar­beits­lo­sen er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des an­ord­net. Er­stat­tet der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur die von die­ser ge­tra­ge­nen Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge, ist er sei­ner­seits für die­se Zeiträume von der ihn an­sons­ten tref­fen­den Pflicht zur Bei­trags­zah­lung be­freit (§ 335 Abs.3 Satz 2 SGB III).

In der Pra­xis wen­den sich die Ar­beits­agen­tu­ren in Fällen der Gleich­wohl­gewährung mit sog. Über­lei­tungs­mit­tei­lun­gen an den Ar­beit­ge­ber, d.h. sie tei­len die­sem schrift­lich mit, dass der Ar­beit­neh­mer Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der Gleich­wohl­gewährung erhält und man da­her be­reits jetzt den gemäß § 115 Abs.1 SGB X über­ge­lei­te­ten Lohn­an­spruch dem Grun­de nach gel­tend ma­che bzw. zur Zah­lung ein­for­de­re. In die­sem Zu­sam­men­hang wird der Ar­beit­ge­ber auch oft auf­ge­for­dert, auf mögli­cher­wei­se an­zu­wen­den­de Aus­schluss­fris­ten zu ver­zich­ten.

Kann der Ar­beit­neh­mer den Re­gress der Ar­beits­agen­tur beim Ar­beit­ge­ber be­ein­flus­sen?

Der Ar­beit­neh­mer hat ein leb­haf­tes Ei­gen­in­ter­es­se dar­an, dass der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur für Ar­beit das ge­zahl­te Ar­beits­lo­sen­geld I und die Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge er­stat­tet. Die Gleich­wohl­gewährung von Ar­beits­lo­sen­geld führt nämlich, als in­so­weit ganz nor­ma­le Ar­beits­lo­sen­geld­zah­lung, da­zu, dass der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch des Ar­beit­neh­mers durch Erfüllung gemäß § 148 Abs.1 Nr.1 SGB III (früher: § 128 Abs.1 Nr.1 SGB III) er­lischt:

Wer da­her zum Bei­spiel für ma­xi­mal zwölf Mo­na­te Ar­beits­lo­sen­geld be­an­spru­chen kann und auf­grund ei­ner un­wirk­sa­men Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers da­zu ge­zwun­gen ist, das Ar­beits­lo­sen­geld bei­spiels­wei­se sechs Mo­na­te vor dem später rechts­ver­bind­lich fest­ge­stell­ten Be­en­di­gungs­ter­min im We­ge der Gleich­wohl­gewährung zu be­zie­hen, hat sei­nen Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch zum Zeit­punkt des re­gulären Be­en­di­gungs­ter­mins be­reits im Um­fang von sechs Mo­nats­zah­lun­gen bzw. zur Hälf­te ver­braucht.

Zahlt der Ar­beit­ge­ber der Bun­des­agen­tur in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on den, in Höhe des Ar­beits­lo­sen­gel­des über­ge­lei­te­ten, Lohn­an­spruch und er­stat­tet er zu­dem die von der Bun­des­agen­tur ge­zahl­ten Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­beiträge, verlängert sich der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch des Ar­beit­neh­mers in dem Um­fang die­ser Zah­lun­gen. Da­mit sind sämt­li­che fi­nan­zi­el­len Nach­tei­le, die der Ar­beit­neh­mer durch die vorüber­ge­hen­de Ver­wei­ge­rung der Lohn­zah­lung er­lit­ten hat, aus­ge­gli­chen.

Un­ter­bleibt die Er­stat­tung durch den Ar­beit­ge­ber al­ler­dings, et­wa we­gen man­geln­der Zah­lungsfähig­keit oder -be­reit­schaft, geht dies mit­tel­bar zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers: In sol­chen Fällen zahlt der Ar­beit­ge­ber zwar mögli­cher­wei­se auf­grund ei­nes ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils oder Ver­gleichs die Dif­fe­renz zwi­schen dem vom Ar­beit­neh­mer er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­geld und dem Brut­to­lohn, doch „spart“ er sich die an die Bun­des­agen­tur zu zah­len­de Ar­beits­lo­sen­geld­er­stat­tung.

Sieht die Bun­des­agen­tur von der ge­richt­li­chen Bei­trei­bung die­ser For­de­rung ab, hat sie kei­nen Nach­teil, da es ja bei der Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs ver­bleibt, d.h. sie ist nicht mit ver­mehr­ten Ansprüchen des Ar­beit­neh­mers be­las­tet. Den wirt­schaft­li­chen Scha­den hat da­her letzt­lich der Ar­beit­neh­mer auf­grund der vor­ver­la­ger­ten In­an­spruch­nah­me der Ar­beits­lo­sen­geld­zah­lung im We­ge der Gleich­wohl­gewährung und der da­durch ein­tre­ten­den frühe­ren Erschöpfung sei­nes Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs.

An­ge­sichts die­ser Rechts­la­ge könn­te man mei­nen, der Ar­beits­lo­se ha­be ei­nen An­spruch auf ef­fek­ti­ve Bei­trei­bung des auf die Bun­des­agen­tur auf­grund der Gleich­wohl­gewährung über­ge­lei­te­ten Lohn­an­spruchs. Ein sol­cher An­spruch wird je­doch vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) in ständi­ger Recht­spre­chung ver­neint (BSG, Ur­teil vom 11.06.1987, 7 RAr 16/86, Rn.24). Da­nach steht die Ent­schei­dung über die Bei­trei­bung des über­ge­lei­te­ten Lohn­an­spruchs im pflicht­gemäßen Er­mes­sen der Ver­wal­tung, die sich da­bei al­lein an haus­halts­recht­li­chen Zweckmäßig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ori­en­tie­ren hat. Der Ar­beit­neh­mer kann da­her ein Tätig­wer­den der Bun­des­agen­tur nicht er­zwin­gen.

Vor die­sem Hin­ter­grund kann der Ar­beit­neh­mer im We­sent­li­chen zwei Maßnah­men zur Si­che­rung sei­ner auf die Bun­des­agen­tur über­ge­hen­den Lohn­ansprüche und da­mit zur Wie­der­er­lan­gung des durch die Gleich­wohl­gewährung vor­zei­tig ver­brauch­ten Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs er­grei­fen:

Ers­tens: So­weit ta­rif­li­che oder ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten zu be­ach­ten sind, steht zu befürch­ten, dass die Ar­beits­agen­tur die in den meis­ten Aus­schluss­klau­seln vor­ge­se­he­ne schrift­li­che Gel­tend­ma­chung der Lohn­ansprüche un­terlässt. Steht der Ar­beit­neh­mer in ei­nem sol­chen Fall im fort­lau­fen­den Be­zug von gleich­wohl­gewähr­tem Ar­beits­lo­sen­geld, kann er selbst die Aus­schluss­frist durch schrift­li­che Gel­tend­ma­chung der mo­nat­lich neu ent­ste­hen­den Lohn­ansprüche wah­ren.

Da­bei muss al­ler­dings der ge­setz­li­che For­de­rungsüber­gang gemäß § 115 Abs.1 SGB X be­ach­tet wer­den, der je­weils im Zeit­punkt der Leis­tungs­er­brin­gung, d.h. bei der Ar­beits­lo­sen­geld­zah­lung zum Zeit­punkt des Geld­ein­gangs beim Ar­beit­neh­mer am ers­ten Bank­ar­beits­tag des Fol­ge­mo­nats (§ 337 Abs.2 SGB III) ein­tritt. Die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung des lau­fen­den Lohn­an­spruchs z.B. für den Mo­nat März soll­te da­her ge­gen Mo­nats­en­de er­fol­gen und da­mit zu ei­nem Zeit­punkt, zu dem der Ar­beit­neh­mer noch For­de­rungs­in­ha­ber ist.

Zwei­tens: Die ak­tu­el­le Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) lässt es zu, dass der Ar­beit­neh­mer die auf die Bun­des­agen­tur auf­grund von gleich­wohl­gewähr­tem Ar­beits­lo­sen­geld über­ge­lei­te­ten Lohn­ansprüche im ei­ge­nen Na­men vor den Ar­beits­ge­rich­ten ein­klagt, und zwar mit der Maßga­be, dass Zah­lung an die Bun­des­agen­tur er­fol­gen soll (BAG, Ur­teil vom 19.03.2008, 5 AZR 432/07). Vor­aus­set­zung ei­ner sol­chen „Pro­zess­stand­schaft“ ist ei­ne Ein­wil­li­gung der Bun­des­agen­tur zu die­sem Vor­ge­hen.

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Letzte Überarbeitung: 10. Oktober 2016

Was können wir für Sie tun?

Wenn Sie vor der Ent­schei­dung ste­hen, Ihr Ar­beits­ver­hält­nis zu be­en­den, et­wa durch ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag oder ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag, oder wenn Ihr Ar­beit­ge­ber Ih­nen ei­ne Kün­di­gung aus­ge­spro­chen oder Ih­nen ei­ne sol­che an­ge­kün­digt hat und Sie da­her Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit Ih­rem An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld ha­ben, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne.

Je nach La­ge des Fal­les bzw. ent­spre­chend Ih­ren Wün­schen tre­ten wir ent­we­der nach au­ßen nicht in Er­schei­nung oder aber wir ver­han­deln in Ih­rem Na­men mit Ih­rem Ar­beit­ge­ber bzw. mit den Ver­tre­tern der Ge­sell­schaf­ter.

Für ei­ne mög­lichst ra­sche und ef­fek­ti­ve Be­ra­tung be­nö­ti­gen wir fol­gen­de Un­ter­la­gen:

  • Ar­beits­ver­trag / Ge­schäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­trag
  • Ge­halts­nach­wei­se
  • Kün­di­gung (falls vor­han­den)
  • Auf­he­bungs­ver­trags­an­ge­bot / Ab­wick­lungs­ver­trags­an­ge­bot (falls vor­han­den
Bewertung: Ar­beits­lo­sen­geld I 4.5 von 5 Sternen (12 Bewertungen)

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