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Arbeitsrecht aktuell: 08/007 Arbeit und Soziales: Gesetzesänderungen zum Jahreswechsel 2007 / 2008
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Was ändert sich im Bereich Arbeit und Soziales im neuen Jahr?
von Solveyg Blanke und Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
14.01.2008. Zum Jahreswechsel 2007 / 2008 treten im Bereich des Arbeits- und Sozialversicherungsrechts einige Gesetzesänderungen in Kraft:
Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
Nachdem die große Koalition im September 2007 zunächst plante, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zum 01.01.2008 von 4,2 Prozent des Bruttolohns auf 3,9 Prozent zu senken (Arbeitsrecht aktuell 07/63), hat man im Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens beschlossen, die Beitragslast noch weiter zu senken, nämlich auf 3,3 Prozent. Da dieser Beitrag hälftig vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer aufgebracht wird, beläuft sich der für den Arbeitnehmer spürbare Effekt auf eine Reduzierung von 2,1 Prozent auf 1,65 Prozent seines (Arbeitnehmer-)Bruttolohns. Die Gesetzesänderung tritt mit dem 01.01.2008 in Kraft (Sechstes Gesetz zur Änderung des Dritten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze, vom 22.12.2007, (Art.1 Nr.2), BGBl I, S.3245).
Mindestlohn für Briefträger
Anfang September 2007 vereinbarten der Arbeitgeberverband Postdienste e.V. bzw. dahinter stehende Deutsche Post AG mit der ver.di einen „Tarifvertrag zur Regelung der Mindestlöhne in der Branche Postdienste (TV Mindestlohn)“, der einen Stundenlohn von 9,80 EUR (West) bzw. 9,00 EUR (Ost) für Briefzusteller vorsieht. Der TV Mindestlohn sollte nach den zunächst übereinstimmenden politischen Absichten der Tarifparteien und der Großen Koalition für allgemeinverbindlich erklärt werden und sodann - auf Grundlage einer geplanten Aufnahme der Briefdienstleistungsbranche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) - für alle, d.h. auch für ausländische Briefzustellungsunternehmen verbindlich werden. Zu einer Allgemeinverbindlicherklärung des TV Mindestlohns kam es dann aber nicht, da innerhalb der Bundesregierung ein Streit darüber entbrannte, ob dieser Tarifvertrag überhaupt die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Allgemeinverbindlicherklärung erfüllt (wir berichteten darüber in: Arbeitsrecht aktuell 07/61).
Daraufhin legten die Post AG und ver.di am 29.11.2007 einen nachgebesserten Mindestlohntarif vor, der vom Anwendungsbereich her enger gefasst ist und daher für allgemeinverbindlich erklärt werden kann (Arbeitsrecht aktuell 07/88).
Auf dieser Grundlage wurde nunmehr das „Zweite Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes“, vom 21.12.2007 (BGBl I, S.3140) verabschiedet, mit dem § 1 des AEntG dahingehend ergänzt wird, dass künftig auch Briefdienstleister unter das Gesetz fallen, wenn der Betrieb „überwiegend gewerbs- oder geschäftsmäßig Briefsendungen für Dritte befördert“. Das Gesetz ist am 28.12.2007 in Kraft getreten.
Pünktlich am Tage des Inkrafttretens des 2. AEntG-Änderungsgeseztes hat der Bundesminister für Arbeit und Soziales den zwischen der Post und der ver.di abgeschlossenen Tarifvertrag vom 29.11.2007 für allgemeinverbindlich erklärt (Verordnung über zwingende Arbeitsbedingungen für die Branche Briefdienstleistungen: Bundesanzeiger vom 29.12.2007, Ausgabe 242, S.8410). Zu Beginn des Jahres 2008 wird es daher zwar mehr Wettbewerb auf dem Briefzustellungsmarkt geben, da dann das Briefmonopol endgültig wegfällt, doch müssen Wettbewerber der Post AG dann den Mindestlohn entsprechend dem – mittlerweile für allgemeinverbindlich erklärten – Tarifvertrag vom 29.11.2007 anwenden bzw. beachten.
Aufstockung der staatlichen Zulagen bei der Riester-Rente
Wer als Arbeitnehmer oder rentenversicherungspflichtiger Selbständiger freiwillig für eine privat finanzierte Rente spart, kann nach §§ 10a ff. EStG staatliche Zulagen in Anspruch nehmen. Die Sparleistungen für diese sog. Riester-Rente bestehen aus einem vom Berechtigten selbst aufgebrachten Anteil und einer staatlichen Zulage, die im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich erhöht wurde.
Zum 01.01.2008 erhöht sich die staatliche Altersvorsorgezulage nochmals gegenüber 2007 wie folgt: Die jährliche Grundzulage wird von derzeit 114,00 EUR auf 154,00 EUR für Ledige und von derzeit 228,00 EUR auf 308,00 EUR für Verheiratete erhöht. Die jährliche Kinderzulage pro kindergeldberechtigtem Kind wird von derzeit 138,00 EUR auf 185,00 EUR erhöht. Bei ab dem 01.01.2008 geborenen Kindern beträgt die Zulage pro Kind 300,00 EUR. Zugleich mit der Erhöhung der Altersvorsorgezulage steigt der gesetzlich geforderte Gesamtbeitrag zur privaten Rentenversicherung, der Voraussetzung für die Gewährung der vollen Zulage ist. Der Gesamtbeitrag (Eigenleistung plus Altersvorsorgezulage) beträgt ab dem 01.01.2008 mindestens vier Prozent des im Vorjahr vom Sparer erzielten Bruttojahreseinkommens, ist aber jedenfalls mit einer Gesamtsparleistung von 2.100,00 EUR jährlich erreicht.
Gesetzliche Änderung bei der Durchführung der Sozialversicherung
Zum 01.01.2008 treten wesentliche Teile des Gesetzes zur Änderung des vierten Buches Sozialgesetzbuch, vom 19.12.2007 (BGBl I, S.3024), in Kraft.
Praktisch wichtig für Arbeitgeber ist die gesetzliche Vereinheitlichung der Frist für die Übersendung von Beitragsnachweisen an die Krankenkassen. Bislang schrieb das Gesetz nur vor, dass der Arbeitgeber der Einzugsstelle den Beitragsnachweis „rechtzeitig“ durch Datenübertragung zu erbringen habe, wobei die Satzungen der Krankenkassen verschiedene Fristen vorsahen (je nach Satzung zwei bis vier Tage vor der Fälligkeit der SV-Beiträge). Nunmehr schreibt das Gesetz vor (§ 28f Abs.3 Satz 1 SGB IV), dass die Übermittlung der Beitragsnachweise spätestens zwei Arbeitstage vor Fälligkeit der Beiträge zu erfolgen hat.
Der Tag, an dem Beiträge fällig werden, ist gemäß § 23 Abs.1 Satz 2 SGB IV der drittletzte Bankarbeitstag des laufenden Monats. Demzufolge müssen Arbeitgeber ab dem 01.01.2008 die Beitragsnachweise einheitlich am fünftletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats an die Krankenkassen übersenden.
Verlängerung der Arbeitslosengeldzahlung für ältere Arbeitslose
§ 127 Abs.2 SGB III sieht eine Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld von zwölf Monaten vor. Erst ab einem Alter von 55 Jahren erhöht sich die Anspruchsdauer auf 15 Monate (unter der Voraussetzung eines der Arbeitslosigkeit vorausgegangenen versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses von mindestens 30 Monaten) bzw. auf 18 Monate (bei einem mindestens 36 Monate dauernden Versicherungspflichtverhältnis).
Diese Gesetzesfassung ist eines der Kernstücke der von der SPD unter Schröder durchgeboxten „Agenda 2010“ und besteht erst seit dem 01.01.2004, d.h. die zuvor geltenden Regelungen sahen für ältere Versicherte eine deutlich längere Anspruchsdauer von bis zu 32 Monaten vor. Die rabiate Kürzung des Arbeitslosengeldanspruchs älterer Versicherter von 32 auf 18 Monate ist seit ihrer Einführung umstritten. Sie soll nunmehr auf Betreiben der SPD, die dafür das Recht auf politischen Irrtum in Anspruch nimmt, teilweise rückgängig gemacht werden:
- Wer 50 Jahre alt ist und ein Versicherungspflichtverhältnis von mindestens 30 Monate vorweisen kann, erhält künftig 15 Monate lang Arbeitslosengeld.
- Wer 55 Jahre alt ist und ein Versicherungspflichtverhältnis von mindestens 36 Monate vorweisen kann, soll 18 Monate lang Arbeitslosengeld erhalten.
- Wer 58 Jahre alt ist und ein Versicherungspflichtverhältnis von mindestens 48 Monate vorweisen kann, soll 24 Monate lang Arbeitslosengeld erhalten.
Diese Verlängerung soll nach derzeitigen Planungen (Entwurf eines Siebten Gesetzes zur Änderung des Dritten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze, BT Drucks. 16/7460) zum 01.01.2008 in Kraft treten (Art.7 des Gesetzentwurfs). Eigentlich sollte das Gesetz noch vor der Weihnachtspause 2007 verabschiedet werden, doch blieb dafür am Ende zu wenig Zeit, so dass nunmehr mit einer Verabschiedung Anfang 2008 zu rechnen ist. Die Rückwirkung zum 01.01.2008 ist dabei zwischen CDU und SPD derzeit unstreitig.

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Letzte Überarbeitung: 30. Oktober 2008
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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