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ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/033

Ärz­te­streik an kom­mu­na­len Kran­ken­häu­sern

Mar­bur­ger Bund ruft Ärz­te an kom­mu­na­len Kran­ken­häu­sern zum Streik auf: Rund 55.000 Ärz­te an et­wa 700 kom­mu­na­len Kran­ken­häu­ser soll­ten am letz­ten Don­ners­tag die Ar­beit für ei­nen Warn­streik un­ter­bre­chen
Frauenquote OP Oh­ne Ärz­te läuft in Kran­ken­häu­sern we­nig

18.03.2008. Der Mar­bur­ger Bund hat­te die et­wa 55.000 Ärz­te der ca. 700 kom­mu­na­len Kran­ken­häu­ser da­zu auf­ge­ru­fen, am Don­ners­tag, den 13.03.2008 im Rah­men ei­nes vor­über­ge­hen­den Warn­streiks die Ar­beit nie­der­zu­le­gen.

Da­mit soll­te den For­de­run­gen der Kli­nik­ärz­te in der drit­ten Run­de der Mit­te Ja­nu­ar 2008 be­gon­ne­nen Ta­rif­ver­hand­lun­gen Nach­druck ver­lie­hen wer­den.

Vor­aus­ge­gan­gen war dem der­zei­ti­gen Ta­rif­kon­flikt die Kün­di­gung der Ent­gelt­re­ge­lun­gen des Ta­rif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an kom­mu­na­len Kran­ken­häu­sern ("TV-Ärz­te/VKA"), vom 17.06.2006, durch den Mar­bur­ger Bund, die erst­mals zum 31.12.2007 mög­lich war (§ 39 Abs.4 Buchst. E) TV-Ärz­te/VKA) und auch „frist­ge­recht“ zu die­sem Da­tum aus­ge­spro­chen wur­de. Seit dem 01.01.2008 sind die Ent­gelt­re­ge­lun­gen des TV-Ärz­te/VKA da­her nur noch im Rah­men der Nach­wir­kung ge­mäß § 4 Abs.5 TVG ver­bind­lich. Auch die Frie­dens­pflicht der Kli­nik­ärz­te kom­mu­na­ler Häu­ser be­steht im Rah­men von Ta­rif­lohn­ver­hand­lun­gen der­zeit nicht mehr.

Der Mar­bur­ger Bund for­dert Lohn­er­hö­hun­gen von durch­schnitt­lich 10,19 Pro­zent, die al­ler­dings für die un­ter­schied­li­chen Ta­rif­grup­pen (Arzt, Fach­arzt, Ober­arzt, lei­ten­der Ober­arzt) un­ter­schied­lich hoch aus­fal­len sol­len. Zu­dem geht es um die For­de­rung nach ei­ner „leis­tungs­ge­rech­ten Be­zah­lung“ auf der Grund­la­ge von Ar­beits­zeit­er­fas­sungs­sys­te­men, mit de­ren Hil­fe Über­stun­den ge­nau­er er­fasst und ent­spre­chend ver­gü­tet wer­den sol­len.

Vor dem Hin­ter­grund der oft als un­at­trak­tiv emp­fun­de­nen Be­din­gun­gen ärzt­li­cher Tä­tig­keit in kom­mu­na­len Häu­sern be­fürch­ten die dort tä­ti­gen Ärz­te ei­nen fort­schrei­ten­den Ver­lust an Wett­be­werbs­fä­hig­keit nicht nur im in­ter­na­tio­na­len, son­dern auch im na­tio­na­len Ver­gleich. In Ver­laut­ba­run­gen des Mar­bur­ger Bun­des ist hier von ei­ner dro­hen­den Ab­wärts­spi­ra­le die Re­de, d.h. man sieht die Exis­tenz kom­mu­na­ler Kran­ken­häu­ser durch wei­ter sin­ken­de Ge­häl­ter und ei­nen da­durch be­ding­ten zu­neh­men­den Ärz­te­man­gel ge­fähr­det.

Auf der an­de­ren Sei­te ver­weist die Ver­ei­ni­gung Kom­mu­na­ler Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de auf die schwie­ri­ge fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on der kom­mu­na­len Kran­ken­häu­ser. Da­her ist man der­zeit nur zu ei­nem „drei­tei­li­gen An­ge­bot“ be­reit. Die­ses soll aus „Ent­gel­ter­hö­hung, Ar­beits­zeit­er­hö­hung und Aus­bau der Leis­tungs­ori­en­tie­rung“ be­ste­hen.

Die Ent­gel­ter­hö­hung soll sich an der der üb­ri­gen Be­schäf­tig­ten in den kom­mu­na­len Kran­ken­häu­sern ori­en­tie­ren, de­nen 5 Pro­zent mehr Lohn an­ge­bo­ten wur­de.

Der­zeit kein The­ma bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen ist die - an sich drin­gend klä­rungs­be­dürf­ti­ge - ta­rif­ver­trag­li­che De­fi­ni­ti­on der Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ein­grup­pie­rung als „Ober­arzt“ (Ent­gelt­grup­pe III).

Not­wen­dig ist nach der­zei­ti­ger Fas­sung der Ein­grup­pie­rungs­merk­ma­le, dass ei­nem Arzt die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für selb­stän­di­ge Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung vom Ar­beit­ge­ber aus­drück­lich über­tra­gen wor­den ist (§ 16 Buchst. c) TV-Ärz­te/VKA). Die­se Ein­grup­pie­rungs­merk­ma­le füh­ren seit In­kraft­tre­ten des TV-Ärz­te/VKA zu Strei­tig­kei­ten bis hin zu ar­beits­ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen.

Da die­se ta­rif­li­che Be­stim­mung je­doch frü­hes­tens zum 31.12.2009 ge­kün­digt wer­den kann (§ 40 Abs.3 TV-Ärz­te/VKA), wird man mit ihr wohl noch min­des­tens zwei Jah­re le­ben müs­sen.

Die Ver­gü­tung der an Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken tä­ti­gen Ärz­te ist der­zeit eben­falls kein Streit­punkt, da die Ent­gelt­re­ge­lun­gen des Ta­rif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken ("TV-Ärz­te"), vom 30.10.2006, erst­mals zum 31.12.2008 ge­kün­digt wer­den kön­nen (§ 39 Abs.4 Buchst. e) TV-Ärz­te).

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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