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ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/019

Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern in der EU

Der fünf­te Jah­res­be­richt der EU-Kom­mis­si­on über die Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en in Eu­ro­pa zeigt fort­be­ste­hen­de De­fi­zi­te bei der Gleich­stel­lung auf: Be­richt der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, Brüs­sel 23.01.2008
Symbol Herren-WC Damen-WC Die Chan­cen­gleich­heit in Eu­ro­pa ist un­gleich ver­teilt

04.02.2008. Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on hat am 23.01.2008 ih­ren fünf­ten Jah­res­be­richt über die Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en in der Eu­ro­päi­schen Uni­on (Da­ten­stand 2006) vor­ge­legt.

Gro­ße Über­ra­schun­gen ent­hält der Be­richt nicht. Trotz­dem ist es im­mer wie­der auf­schluss­reich, die eu­ro­päi­schen Durch­schnitts­wer­te mit den deut­schen Zah­len und die­se wie­der­um mit den Zah­len ein­zel­ner EU-Mit­glieds­staa­ten zu ver­glei­chen.

Zen­tra­le Aus­sa­ge des Be­richts ist die Dis­kre­panz zwi­schen dem Zu­wachs des Frau­en­an­teils an der Ge­samt­zahl der Be­schäf­tig­ten und der Sta­gna­ti­on in der Ent­wick­lung der Ar­beits­platz­qua­li­tät. Sprich: Auch bei hö­he­rem Bil­dungs­ni­veau be­set­zen Frau­en nicht un­be­dingt die qua­li­ta­tiv bes­se­ren Po­si­tio­nen. Au­ßer­dem ver­die­nen Frau­en im all­ge­mei­nen schlech­ter als Män­ner. In Deutsch­land be­trägt die Ver­gü­tungs­dif­fe­renz 22 % und liegt da­mit über dem eu­ro­päi­schen Durch­schnitt, der bei 15 % liegt. Da­mit teilt sich Deutsch­land mit der Slo­wa­kai den dritt­letz­ten Platz vor Zy­pern und Est­land.

Der An­teil der Frau­en in Deutsch­land, die in Füh­rungs­po­si­tio­nen ar­bei­ten, ist von 2001 bis 2006 kaum bzw. nur um 0,4 % ge­stie­gen. Auch in die­sem Be­reich be­legt Deutsch­land ei­ne Art "vor­de­ren Platz" un­ter den EU-Schluss­lich­tern. Dass man von ein­ge­fah­re­nen We­gen auch ab­wei­chen kann, macht da­ge­gen Ita­li­en deut­lich. Glaubt man der Sta­tis­tik, hat sich dort die Zahl der Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen von 2001 bis 2006 bei­na­he ver­dop­pelt. Stell­ten ita­lie­ni­sche Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen 2001 nur ei­nen An­teil von 17,8 %, so be­trägt ihr An­teil 2006 be­reits 32,9 % und ist da­mit um 5,5 % hö­her als der An­teil deut­scher Frau­en.

Ein wei­te­res In­diz für die Ar­beits­platz­qua­li­tät ist der Um­fang, in dem Frau­en mit Kin­dern un­ter zwölf Jah­ren be­rufs­tä­tig sind, d.h. der Ver­gleich der Er­werbs­quo­te sol­cher Frau­en zu der von Frau­en oh­ne be­treu­ungs­be­dürf­ti­gen Nach­wuchs. EU-weit sind 62,7 % der Frau­en mit Kin­dern un­ter 12 Jah­ren er­werbs­tä­tig, wäh­rend 80,3 % der kin­der­lo­sen resp. von Kin­der­be­treu­ungs­pflich­ten un­be­las­te­ten Frau­en be­rufs­tä­tig sind.

Lei­der feh­len hier die Zah­len aus Schwe­den und Dä­ne­mark, die in Sa­chen Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf als Vor­zei­ge­län­der gel­ten. Wenn et­wa Por­tu­gal mit ei­nem An­teil von 76,4% be­ruf­tä­ti­ger Müt­ter auf­war­tet, dann kann man das mög­li­cher­wei­se mit tra­di­tio­nel­len ge­ne­ra­tio­nen­über­grei­fen­den Fa­mi­li­en­struk­tu­ren er­klä­ren, die die Kin­der­be­treu­ung seit je­her bes­ser in­te­grie­ren.

Fa­zit: Der Grad der Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en im Be­rufs­le­ben fällt in­ner­halb der EU un­ter­schied­lich aus. Ins­ge­samt gibt es aus Sicht der Kom­mis­si­on noch viel zu tun, ins­be­son­de­re was die bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Be­rufs- und Pri­vat­le­ben be­trifft. Dass das The­ma noch lan­ge nicht ab­ge­hakt wer­den kann, wird nicht nur an den jetzt vor­ge­leg­ten Zah­len deut­lich, son­dern - un­frei­wil­lig - auch an der Hilf­lo­sig­keit an­ge­sichts von Ur­sa­chen­for­schung und -be­kämp­fung. Zum Lohn­ge­fäl­le heißt es z.B. in dem Be­richt, es ge­he "vor al­lem dar­um, die Fä­hig­keit zur Ana­ly­se die­ses nach wie vor kom­ple­xen und noch nicht rich­tig ver­stan­de­nen Phä­no­mens aus­zu­bau­en...“. An­ge­sichts sol­cher Wis­sens­lü­cken wür­de die Kom­mis­si­on si­cher­lich ei­nen Feh­ler be­ge­hen, wenn sie sich auf die Su­che nach Pa­tent­re­zep­ten für al­le Pro­ble­me und al­le Län­der be­gä­be.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem The­ma fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 3. Januar 2014

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