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ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/004

Ge­setz­ent­wurf zur Än­de­rung des So­zi­al- und Ar­beits­ge­richts­ge­set­zes

Ver­spä­te­tes Vor­brin­gen trotz rich­ter­li­cher Hin­wei­se soll künf­tig von den So­zi­al­ge­rich­ten zu­rück­ge­wie­sen wer­den kön­nen: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Än­de­rung des So­zi­al­ge­richts­ge­set­zes und des Ar­beits­ge­richts­ge­set­zes, Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 15.11.2007
Mann hinter hohem Papierstapel Pro­zes­se vor den Ar­beits- und So­zi­al­ge­rich­ten sol­len ver­ein­facht wer­den

07.01.2008. Am 15.11.2007 hat die Bun­des­re­gie­rung ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf vor­ge­stellt, der das Ver­fah­ren vor den So­zi­al­ge­rich­ten und Lan­des­so­zi­al­ge­rich­ten ef­fek­ti­ver ge­stal­ten soll und auch ei­ni­ge Ver­ein­fa­chun­gen im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren mit sich bringt.

Im Be­reich der So­zi­al­ge­richts­bar­keit soll die tra­di­tio­nel­le Klä­ger­freund­lich­keit ein we­nig zu­rück­ge­nom­men, d.h. es soll erst­mals die Mög­lich­keit ei­ner Präk­lu­si­on, d.h. der Zu­rück­wei­sung von Vor­brin­gen, ge­schaf­fen wer­den.

Dies be­trifft Fäl­le, in de­nen der Klä­ger auf ent­spre­chen­den rich­ter­li­chen Hin­weis nicht in­ner­halb rich­ter­lich ge­setz­ter Frist ei­nen be­stimm­ten An­trag nicht stellt oder in de­nen er den an­ge­foch­te­nen Be­scheid bzw. Wi­der­spruchs­be­scheid nicht be­zeich­net, so § 92 Abs.1, 2 So­zi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) - Ent­wurf.

Ei­ne wei­te­re Präk­lu­si­ons­mög­lich­keit soll zu­las­ten bei­der Par­tei­en ge­schaf­fen wer­den, wenn Er­klä­run­gen oder Be­weis­mit­tel oh­ne Ent­schul­di­gung erst nach Ab­lauf ei­ner da­für ge­setz­ten rich­ter­li­chen Frist vor­ge­bracht wer­den und ih­re Be­rück­sich­ti­gung den Pro­zess ver­zö­gern wür­de (§ 106a SGG - Ent­wurf).

Bei län­ge­rem Nicht­be­trei­ben des Ver­fah­rens durch den Klä­ger trotz Auf­for­de­run­gen des Ge­richts gilt die Kla­ge künf­tig als zu­rück­ge­nom­men, wo­bei mehr als drei Mo­na­te Un­tä­tig­keit vor­lie­gen müs­sen (§ 102 Abs.2 SGG - Ent­wurf).

Au­ßer­dem soll die bis­he­ri­ge Pra­xis, nach der in er­heb­li­chem Um­fang nach Kla­ge­er­he­bung er­las­se­ne Ver­wal­tungs­ak­te in das ge­richt­li­che Ver­fah­ren ein­be­zo­gen wer­den konn­ten (und dort zur Be­las­tung der Ge­rich­te führ­ten), ein­ge­dämmt wer­den, d.h. neue Be­schei­de kön­nen künf­tig nur noch dann Ge­gen­stand des Kla­ge­ver­fah­rens wer­den, wenn sie nach Er­lass des Wi­der­spruchs­be­scheids er­gan­gen sind und den an­ge­foch­te­nen Be­scheid ab­än­dern oder er­set­zen (§ 96 Abs.1 SGG - Ent­wurf).

Die Mög­lich­keit, auf Initia­ti­ve des Ge­richts (!) Mus­ter­ver­fah­ren bei Mas­sen­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, d.h. ei­ne Viel­zahl von Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und zu­nächst ein Mus­ter­ver­fah­ren zu er­le­di­gen (§ 114a SGG – Ent­wurf), so­wie die neu ge­schaf­fe­ne Mög­lich­keit von erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen durch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (§ 29 Abs.2 SGG - Ent­wurf) run­den die Re­form ab.

Im Be­reich der Ar­beits­ge­richts­bar­keit sind die ge­plan­ten Än­de­run­gen eher un­spek­ta­ku­lär. Er­wäh­nens­wert ist aus an­walt­li­cher Sicht im We­sent­li­chen nur ei­ne sinn­vol­le Re­ge­lung zur ört­li­chen Zu­stän­dig­keit der Ar­beits­ge­rich­te in Fäl­len, in de­nen ein Au­ßen­dienst­mit­ar­bei­ter klagt:

Liegt das Ein­satz­ge­biet und das Heim­bü­ro, von dem aus das Ge­biet be­treut wird, vom Ge­schäfts­sitz des Ar­beit­ge­bers weit ent­fernt, hat der Ver­triebs­mit­ar­bei­ter ein In­ter­es­se, bei dem Ar­beits­ge­richt zu kla­gen, in des­sen Ein­zugs­ge­biet sein Ver­triebs­ge­biet und/oder sein Ho­me-Of­fice lie­gen.

Ei­ne sol­che Mög­lich­keit sieht die ZPO zwar im Prin­zip vor (§ 29 Zi­vil­pro­zess­ord­nung - ZPO), doch ist dann dar­zu­le­gen, dass die Ar­beits­pflicht ge­mäß Ver­trag al­lein oder zu­min­dest über­wie­gend am Ort des Heim­bü­ros zu er­brin­gen ist. Hier ha­ben die Ar­beits­ge­rich­te oft nicht „mit­ge­spielt“, d.h. den Pro­zess an das Ar­beits­ge­richt am Ge­schäfts­sitz des Ar­beit­ge­bers ver­wie­sen.

Nach ei­ner neu­en Spe­zi­al­vor­schrift, die in ei­nem neu­en § 48 Abs.1a Ar­beits­ge­richts­ge­setz (ArbGG) (Ent­wurf) auf­ge­nom­men wer­den soll, kann künf­tig in Ur­teils­ver­fah­ren „auch“ das Ar­beits­ge­richt zu­stän­dig sein, in des­sen Be­zirk der Ar­beit­neh­mer ge­wöhn­lich sei­ne Ar­beit ver­rich­tet oder ver­rich­tet hat (nicht: von Rechts we­gen ver­rich­ten muss!).

Ist ein sol­cher „ge­wöhn­li­cher Ar­beits­ort“ nicht fest­stell­bar (wie z.B. dann, wenn sich das Ver­triebs­ge­biet über das Ein­zugs­ge­biet meh­re­rer Ar­beits­ge­rich­te ver­teilt), ist das Ge­richt zu­stän­dig, „von des­sen Be­zirk aus“ der Ar­beit­neh­mer ge­wöhn­lich sei­ne Ar­beit ver­rich­tet bzw. ver­rich­tet hat. Ver­triebs­mit­ar­bei­ter mit gro­ßem Be­treu­ungs­ge­biet kön­nen da­her künf­tig bei dem Ge­richt kla­gen, das für das Heim­bü­ro ört­lich zu­stän­dig ist.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 3. Januar 2014

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