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ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/025

Kei­ne „Ver­län­ge­rung“ sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trä­ge bei Ver­trags­än­de­rung

Soll ein sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag ver­län­gert wer­den, darf die Ver­län­ge­rungs­ver­ein­ba­rung aus­schließ­lich den End­ter­min hin­aus­schie­ben: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2008, 7 AZR 603/06
Abrisskalender Zeit­ver­trä­ge soll­te man ent­we­der ver­län­gern oder in­halt­lich än­dern

18.02.2008. Ge­mäß § 14 Abs.2 Satz 1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) kön­nen Ar­beits­ver­trä­ge bei Neu­ein­stel­lun­gen oh­ne Vor­lie­gen ei­nes Sach­grun­des bis zu ei­ner Ge­samt­dau­er von höchs­tens zwei Jah­ren be­fris­tet wer­den.

Und in­ner­halb die­ses Zwei­jah­res­zeit­raums ist auch ei­ne ma­xi­mal drei­ma­li­ge Ver­län­ge­rung der Be­fris­tung mög­lich.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ver­langt an die­ser Stel­le seit Jah­ren in stän­di­ger Recht­spre­chung, dass ei­ne vom Ge­setz er­laub­te „Ver­län­ge­rung“ der Lauf­zeit ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­hält­nis­ses nicht zu­gleich wei­te­ren Ver­trags­ge­gen­stän­de än­dert.

Soll al­so ein sach­grund­los be­fris­te­ter Zeit­ver­trag ver­län­gert wer­den, darf die Ver­län­ge­rungs­ver­ein­ba­rung aus­schließ­lich und al­lein den End­ter­min hin­aus­schie­ben.

Wenn die Ver­län­ge­rungs­ver­ein­ba­rung gleich­zeit an­de­re Din­ge än­dert, al­so z.B. den Lohn er­höht oder die Ar­beits­zei­ten, liegt laut BAG ein neu­er Ar­beits­ver­trag vor, der aber nicht wirk­sam oh­ne Sach­grund be­fris­tet wer­den kann, weil ja kei­ne Neu­ein­stel­lung vor­liegt: Der Ar­beit­neh­mer, des­sen Ver­trag ver­län­gert und ge­än­dert wird, hat­te ja zu­vor be­reits ei­nen Ar­beits­ver­trag mit dem Ar­beit­ge­ber, näm­lich den, der ver­län­gert wer­den soll­te. Die­se Ver­län­ge­rung bzw. er­neu­te Be­fris­tung ist dann un­wirk­sam, d.h. der Ar­beit­neh­mer hat dann ei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag.

Al­ler­dings denkt auch das BAG in be­stimm­ten Aus­nah­me­fäl­len dar­über nach, ei­ne Kom­bi­na­ti­on von Ver­trags­ver­län­ge­rung und In­halts­än­de­rung zu­zu­las­sen, näm­lich dann, wenn die Än­de­run­gen vom Ar­beit­neh­mer ge­wünscht und für ihn aus­schließ­lich güns­tig sind. Über ei­nen Fall, in dem der Ar­beit­ge­ber das be­haup­te­te, hat­te das BAG mit Ur­teil vom 16.01.2008 (7 AZR 603/06) zu ent­schei­den.

In dem Streit­fall war ei­ne neu ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­me­rin auf Ba­sis ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ver­trags zu­nächst für ein Jahr tä­tig, näm­lich vom An­fang Sep­tem­ber 2004 bis En­de Au­gust 2005. Kurz vor Ab­lauf des Ein­jah­res­zeit­raums - im Ju­li 2005 - ver­ein­bar­ten die Par­tei­en schrift­lich ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung um ein wei­te­res Jahr. Zu­gleich setz­ten sie die Ar­beits­zeit von 20 auf 30 Wo­chen­stun­den her­auf.

Dar­auf­hin er­hob die Ar­beit­neh­me­rin Ent­fris­tungs­kla­ge und be­gehr­te die Fest­stel­lung, dass zwi­schen den Par­tei­en ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­ver­hält­nis be­ste­he. Die Kla­ge war in al­len drei In­stan­zen er­folg­reich.

Denn die Her­auf­set­zung der Ar­beits­zeit war ei­ne er­heb­li­che Än­de­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen, und zwar ei­ne sol­che, die für die Ar­beit­neh­me­rin nicht al­lein güns­tig war, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg in sei­ner Be­ru­fungs­ur­teil (Ur­teil vom 19.05.2006, 2 Sa 1/06).

Au­ßer­dem, so das BAG, hat­te die Ar­beit­neh­me­rin auch kei­ne Her­auf­set­zung ih­rer St­un­den­zahl un­ter Be­ru­fung auf § 9 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) ver­langt. In ei­nem sol­chen Fall wä­re ei­ne Lauf­zeit­ver­län­ge­rung in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Her­auf­set­zung der St­un­den­zahl recht­lich zu­läs­sig, so das BAG.

Fa­zit: Es bleibt da­bei, dass in al­len prak­tisch vor­kom­men­den Fäl­len die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nicht mit sons­ti­gen Än­de­run­gen des Ver­trags ver­bun­den wer­den kön­nen. Ei­ne sol­che Kom­bi­na­ti­on hat die Un­wirk­sam­keit der wei­te­ren (zeit­lich her­aus­ge­scho­be­nen) Be­fris­tung zur Fol­ge.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 9. Juni 2014

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