HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/014

AGG: Kaum Aus­wir­kun­gen in der Pra­xis?

Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) spielt in der be­trieb­li­chen und an­walt­li­chen Pra­xis wohl kei­ne gro­ße Rol­le: Um­fra­ge der Zeit­schrift „Per­so­nal­ma­ga­zin“ und des Deut­schen An­walts­ver­eins (DAV)
Gelbgekleidete Person im Vordergrund, acht von ihr abwandte rotgekleidete Personen im Hintergrund Dis­kri­mi­nie­rung ist kaum ein The­ma im Be­trieb

14.01.2008. Wie die Zeit­schrift „Per­so­nal­ma­ga­zin“ in ih­rer Aus­ga­be 2/2008 be­rich­tet, er­gab ei­ne Um­fra­ge, die das „Per­so­nal­ma­ga­zin“ zu­sam­men mit dem Deut­schen An­walt­ver­ein (DAV) in Auf­trag gab, dass das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) kaum Aus­wir­kun­gen auf die ar­beits­recht­li­che Pra­xis hat.

An der Um­fra­ge be­tei­lig­ten sich 1.062 Be­trie­be und 200 auf Ar­beits­recht spe­zia­li­sier­te Rechts­an­wäl­te. Um die Be­fra­gung der Rechts­an­wäl­te durch­zu­füh­ren, wand­te man sich an die­je­ni­gen An­wäl­te, die der Ar­beits­ge­mein­schaft Ar­beits­recht des DAV an­ge­hö­ren.

Aus den An­ga­ben der be­frag­ten An­wäl­te er­gab sich, dass sie in der Zeit vom In­kraft­tre­ten des AGG im Au­gust 2006 bis zum Zeit­punkt der Um­fra­ge im No­vem­ber 2007 ins­ge­samt et­wa 30.000 Be­ra­tungs­fäl­le be­ar­bei­tet hat­ten, von den le­dig­lich 398 Fäl­le, d.h. nur et­wa 1,3 Pro­zent das AGG be­tra­fen. Vie­le An­wäl­te ga­ben an, in den 16 Mo­na­ten seit In­kraft­tre­ten des AGG über­haupt nur mit ei­nem oder zwei „AGG-Fäl­len“ be­fasst ge­we­sen zu sein.

Die­se Um­fra­ge­er­geb­nis­se pas­sen zu der all­ge­mei­nen Ein­schät­zung, dass die von Geg­nern des Ge­set­zes be­fürch­te­te Kla­ge­wel­le in­fol­ge des AGG aus­ge­blie­ben ist (wir be­rich­te­ten dar­über in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 07/56 Ein Jahr All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG)).

Trotz­dem ist zwei­fel­haft, ob die jetzt vor­ge­stell­te Er­he­bung des „Per­so­nal­ma­ga­zins“ und des DAV zu ver­läss­li­chen Er­geb­nis­sen ge­führt hat. Die in der Stu­die be­fra­gen An­wäl­te sind näm­lich al­le­samt Mit­glie­der der Ar­beits­ge­mein­schaft Ar­beits­recht des DAV und bil­den da­mit nur ei­nen klei­nen Aus­schnitt der deut­schen An­walt­schaft.

Das wä­re an sich kein Pro­blem, wenn die Stich­pro­be, d.h. die be­frag­ten 200 An­wäl­te, für die Ge­samt­heit der deut­schen An­wäl­te re­prä­sen­ta­tiv wä­re. Das ge­nau ist aber nicht der Fall, da man da­zu ei­ne Zu­falls­aus­wahl hät­te vor­neh­men müs­sen, d.h. man hät­te die Be­fra­gung nicht von vorn­her­ein „ziel­ge­rich­tet“ auf DAV-Mit­glie­der ein­gren­zen dür­fen.

Aus die­sem Grun­de hat sich die Ar­beits­ge­mein­schaft Ar­beits­recht des DAV mitt­ler­wei­le von ih­rer ei­ge­nen Stu­die dis­tan­ziert.

Fa­zit: Wie ver­läss­lich die vom „Per­so­nal­ma­ga­zin“ vor­ge­stell­ten Er­geb­nis­se auch sein mö­gen, sie sind ein wei­te­rer An­halts­punkt da­für, dass die Aus­wir­kun­gen des AGG oft über­schätzt wer­den, vor al­lem in der po­li­ti­schen Dis­kus­si­on.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. September 2016

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