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Arbeitsrecht aktuell: 07/20 Neun Monate Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
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Erste Erfahrungen seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes
von Dr. Sandra Flämig und Dr. Martin Hensche, Rechtsanwälte, Stuttgart und Berlin
Nachdem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) mittlerweile seit einem Dreivierteljahr in Kraft ist, mehren sich die - überwiegend kritischen - Stellungnahmen. Als Beispiel sei hier eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen an die Bundesregierung vom 27.04.2007 genannt (BT Drs. 16/5204).
In dieser Anfrage wird unter anderem darüber berichtet, dass auf dem "Seminarmarkt" Verbände, Bildungseinrichtungen und einige Juristen versuchten, mit Kursen über das AGG "Geld zu verdienen", indem sie insbesondere im Bereich des Arbeitsrechtes "ungerechtfertigte Ängste" schürten. In diesem Zusammenhang wird die Bundesregierung danach befragt, ob sie Kenntnis darüber habe, dass Fehlinformationen über das AGG verbreitet würden, "um das AGG zu diskreditieren oder Geld mit Kursen über das AGG zu verdienen".
In ihrer Antwort vom 18.05.2007 (BT Drs. 16/5382) teilte die Bundesregierung mit, ihr sei über gezielte Fehlinformationen nichts bekannt. Es gebe wie bei jedem anderen Gesetz so auch beim AGG unterschiedliche Ansichten über die Auslegung einzelnen Vorschriften. Im übrigen sei es Sache der neu geschaffenen Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), über das AGG zu informieren.
Die ADS nehme diese Aufgabe auf unabhängige Weise wahr. Die Regierung gehe davon aus, dass die Öffentlichkeitsarbeit der ADS auch allgemeine Informationen von Bürgern zu Inhalt und Anwendungsbereich des AGG umfasse. Die ADS befinde sich noch in der Aufbauphase, die voraussichtlich erst im Sommer 2007 endgültig abgeschossen sein werde.
Die hier in der Kleinen Anfrage kolportierte Geschäftemacherei mit dem AGG ist ein verbreitetes Negativklischee, das in Einzelfällen sogar berechtigt sein mag. Nicht zu übersehen ist allerdings auch, dass viele Einzelregelungen des AGG - etwa zum Thema der geschlechtsbezogenen Diskriminierung oder der Diskriminierung behinderter Menschen - bereits lange vor Inkrafttreten des Gesetzes galten, so dass das AGG in diesen wichtigen Bereichen nicht substantiell neu ist.
Unsere Kanzlei hat seit Inkrafttreten des AGG zahlreiche Informationsveranstaltungen für Unternehmen unterschiedlicher Größe durchgeführt. Der Kenntnisstand vieler Arbeitgeber ist unabhängig von der Größe des Unternehmens oft unzureichend. Besonders bei Stellenausschreibungen und bei der Gestaltung von Fragen in Bewerbungsverfahren herrscht vielfach noch Gedankenlosigkeit. Weitgehend unbekannt ist, in welchem Umfang und warum überhaupt Mitarbeiter geschult werden sollten.
Was die "Geschäftemacherei" angeht, so haben vielleicht weniger Anwälte und dubiose Akteure auf dem "Seminarmarkt" als vielmehr Versicherungen Anlass, sich an die Nase zu fassen: Mittlerweile werben nämlich einige Rechtsschutzversicherungen mit AGG-Policen für Unternehmen; diese sollen sämtliche mit dem AGG verbundene Risiken abdecken, wobei das AGG fälschlich als unkalkulierbares Risiko für Unternehmen dargestellt wird.
Eine solche Angstmacherei ist unbegründet. Unternehmen, die sich - insbesondere im Rahmen von Schulungen - mit dem AGG auseinandergesetzt haben, tragen keine unkalkulierbaren Risiken.
Bei der Geltendmachung von Schadensersatz- und Geldentschädigungsansprüchen stehen nicht neutrale Stellenausschreibungen und offensichtlich diskriminierende Fragen im Vorstellungsgespräch, etwa nach der Staatsangehörigkeit, nach wie vor im Vordergrund. Auch Alterskorridore oder Formulierungen wie "junges Team" sind immer noch in Stellenanzeigen zu finden und führen dann zu Problemen.
Im Übrigen treten die Arbeitsgerichte Versuchen eines "AGG-Hopping" zurecht energisch entgegen: Die missbräuchliche Berufung auf das AGG zu dem alleinigen Zweck des "Abkassierens" einer Entschädigung, vor allem mit Hilfe von Scheinbewerbungen auf Stellenanzeigen, die in diskriminierender Weise ein bestimmtes Geschlecht des Bewerbers oder ein bestimmtes erwünschtes Alter voraussetzen, wird besonders kritisch geprüft.

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Letzte Überarbeitung: 3. März 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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