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ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/015

Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­lo­sen­zah­len per Ge­setz

Ar­beits­lo­sen­sta­tis­tik im Dienst po­li­ti­scher Er­folgs­mel­dun­gen?: Über 58jährige Ar­beits­lo­se sol­len nach ein­jäh­ri­gem Be­zug von Hartz IV nicht mehr als "ar­beits­los" ge­zählt wer­den, auch wenn sie ei­nen Job su­chen
Aus der Sta­tis­tik, aus dem Sinn?

25.01.2007. Mit der Agen­da 2010 hat­te sich die Re­gie­rung Schrö­der nicht nur Freun­de ge­macht.

Da­her kann man mit spä­te­rer Wie­der­gut­ma­chung po­li­tisch punk­ten. Das be­wies vor kur­zem der SPD-Par­tei­vor­sit­zen­de Kurt Beck, der sich ge­gen sei­nen Par­tei­kol­le­gen Mün­te­fe­ring mit der For­de­rung nach teil­wei­sen Rück­nah­me von Maß­nah­men des um­strit­te­nen Re­form­pa­kets durch­setz­te.

Mit ih­rem Ge­setz­ent­wurf des Sieb­ten Ge­set­zes zur Än­de­rung des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch und an­de­rer Ge­set­ze vom 11.12.2007 wol­len die Ko­ali­ti­ons­par­tei­en jetzt die Be­zugs­dau­er des Ar­beits­lo­sen­gel­des für äl­te­re Ar­beit­neh­mer wie­der ver­län­gern (wir be­rich­te­te dar­über in Ar­beits­recht Ak­tu­ell 8/07: Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Jah­res­wech­sel 2007 / 2008).

Auf ei­nen Ne­ben­ef­fekt der Ge­set­zes­re­form mach­te vor kur­zem Joa­chim Möl­ler, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung, in ei­nem In­ter­view mit der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“ auf­merk­sam. Denn die Ge­set­zes­än­de­rung wird auch Kon­se­quen­zen für die Füh­rung der Ar­beits­lo­sen­sta­tis­tik ha­ben.

Nach § 53a SGB II in Ar­ti­kel 2 des Ge­setz­ent­wurfs sol­len künf­tig Per­so­nen, die das 58. Le­bens­jahr be­en­det ha­ben und min­des­tens ein Jahr lang als Ar­beits­su­chen­de Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung be­zo­gen ha­ben, oh­ne dass ih­nen ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­ti­gung an­ge­bo­ten wur­de, künf­tig nicht mehr als ar­beits­los gel­ten.

Da­bei spielt es kei­ne Rol­le, ob sich die­se Per­so­nen auch noch wei­ter­hin um ei­nen Ar­beits­platz be­mü­hen. Ih­re ein­jäh­ri­ge Er­folg­lo­sig­keit er­hält ei­ne Art Eti­kett „aus­sichts­lo­ser Fall“ und wird da­mit qua Ge­setz künf­tig nicht mehr als ar­beits­los be­zeich­net wer­den.

So­mit de­fi­niert künf­tig nicht die Su­che nach Ar­beit den er­werbs­fä­hi­gen ar­beits­lo­sen Men­schen, son­dern sei­ne Er­folgs­aus­sich­ten auf dem Ar­beits­markt. Nach die­ser Lo­gik wa­ren frü­her be­reits die So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ger aus der Sta­tis­tik ver­bannt wor­den, bis sie mit den Hartz IV-Ge­set­zen wie­der auf­ge­nom­men wur­den.

Man ist ver­sucht, den al­ten Ka­lau­er zu be­mü­hen, dem zu­fol­ge man nur der Sta­tis­tik trau­en kann, die man selbst ge­fälscht hat. Was auf den ers­ten Blick po­li­tisch kle­ver er­schei­nen mag, ist aber lang­fris­tig un­klug, denn das po­li­tisch mo­ti­vier­te Um­de­fi­nie­ren von zen­tra­len Be­grif­fen der Ar­beits­lo­sen­sta­tis­tik macht die­se für län­ge­re Pe­ri­oden­ver­glei­che prak­tisch un­brauch­bar.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 3. Januar 2014

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