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ARBEITSRECHT AKTUELL // 08/058

Um­set­zung der Ent­sen­de­richt­li­nie in na­tio­na­les Recht

Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on mahnt er­neut ei­ne ver­bes­ser­te Um­set­zung der Ent­sen­de­richt­li­nie an: Pres­se­mit­tei­lung der Eu­ro­pä­si­schen Kom­mis­si­on vom 03.04.2008
Europafahne EU-Kom­mis­si­on for­dert bes­se­re In­for­ma­tio­nen für ent­sand­te Ar­beit­neh­mer

30.05.2008. Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on hat am 03.04.2008 er­neut die Re­gie­run­gen der Mit­glied­staa­ten da­zu auf­ge­ru­fen, bei der Um­set­zung der Richt­li­nie 96/71/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 16.12.1996 über die Ent­sen­dung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen (Richt­li­nie 96/71/EG – so ge­nann­te „Ent­sen­de­richt­li­nie“) bes­ser zu ko­ope­rie­ren.

Die Ent­sen­de­richt­li­nie bin­det die Re­gie­run­gen der Mit­glied­staa­ten der EU und ver­pflich­tet die­se, de­ren Re­ge­lungs­ge­halt in na­tio­na­les Recht zu trans­fe­rie­ren. Die Ent­sen­de­richt­li­nie soll der Her­stel­lung des EU-Bin­nen­mark­tes die­nen und fußt da­mit auf Ar­ti­keln 47 Abs. 2 und 55 des Ver­tra­ges zur Grün­dung der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft (EGV).

Die Richt­li­nie will ge­währ­leis­ten, dass die Ar­beit­neh­mer, die tat­säch­lich län­ge­re Zeit in ei­nem an­de­ren EU-Mit­glied­staat für ih­re Ar­beit­ge­ber tä­tig wer­den, nicht zu schlech­te­ren Kon­di­tio­nen ar­bei­ten müs­sen als ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer des Ziel­lan­des. Re­ge­lungs­in­halt ist al­so die grenz­über­schrei­ten­de Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen in­ner­halb der EU.

Grund­sätz­lich gilt näm­lich, dass das (Ar­beits-)Recht des Mit­glied­staa­tes An­wen­dung fin­det, in dem das Ar­beits­ver­hält­nis be­grün­det wur­de

Hat der Ar­beit­ge­ber z. B. sei­nen Sitz in Ru­mä­ni­en und ist auch die Be­triebs­stät­te, von der aus die Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht wer­den sol­len, in Ru­mä­ni­en, dann wä­re oh­ne die Ent­sen­dungs­richt­li­nie auch dann aus­schließ­lich ru­mä­ni­sches Ar­beits­recht an­zu­wen­den, wenn der Ar­beit­neh­mer von sei­nem Ar­beit­ge­ber für lan­ge Zeit Ar­beits­leis­tun­gen bei ei­nem Kun­den in Deutsch­land er­brin­gen muss.

Dreh- und An­gel­punkt der Ent­sen­de­richt­li­nie ist vor die­sem Hin­ter­grund die ar­beits­recht­li­che Gleich­stel­lung der in ei­nen Staat ent­sand­ten Ar­beits­kräf­te mit den dort be­schäf­tig­ten (in­län­di­schen) Ar­beit­neh­mern in Be­zug auf be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­be­din­gun­gen. Das be­trifft vor al­lem Min­dest­löh­ne, Min­des­t­ur­laub und Höchst­ar­beits­zei­ten. Hier gilt dann in­fol­ge der Ent­sen­de­richt­li­nie das „Be­stim­mungs­land­prin­zip“, wäh­rend sonst im EU-Ar­beits­recht das „Her­kunfts­land­prin­zip“ gilt.

Art. 3 Abs. (1) der Ent­sen­dungs­richt­li­nie lis­tet die Schutz­be­rei­che auf, in de­nen auch auf ent­sand­te Ar­beit­neh­mer das Recht des Be­stim­mungs­lan­des an­zu­wen­den ist. Die­se sind:

  1. Höchst­ar­beits­zei­ten und Min­destru­he­zei­ten;
  2. be­zahl­ter Min­dest­jah­res­ur­laub
  3. Min­dest­lohn­sät­ze ein­schließ­lich der Über­stun­den­sät­ze; dies gilt je­doch nicht für (zu­sätz­li­che) be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gungs­sys­te­me;
  4. Be­din­gun­gen für die ge­werb­li­che Über­las­sung von Ar­beits­kräf­ten, ins­be­son­de­re durch Leih­ar­beits­un­ter­neh­men;
  5. Ar­beits­si­cher­heit, Ge­sund­heits­schutz und Hy­gie­ne am Ar­beits­platz;
  6. Schutz­maß­nah­men im Zu­sam­men­hang mit den Ar­beits- und Be­schäf­ti­gungs­be­din­gun­gen von Schwan­ge­ren und Wöch­ne­rin­nen, Kin­dern und Ju­gend­li­chen so­wie
  7. die Gleich­be­hand­lung von Män­nern und Frau­en so­wie an­de­re An­ti-Dis­kri­mi­nie­rungs­be­stim­mun­gen.

Aus­nah­me­re­geln macht die Richt­li­nie je­doch für Ar­beit­neh­mer, die nur für we­ni­ge Ta­ge zur Mon­ta­ge ei­nes von ih­rem Ar­beit­ge­ber ge­lie­fer­ten Wer­kes oder Werks­teils ent­sandt wer­den (Art. 3 Abs. (2)). oder für sol­che Ar­beit­neh­mer, die für nicht län­ger als ei­nen Mo­nat ent­sandt wer­den, wo­bei letz­te­re Aus­nah­me nicht für Ar­beit­ge­ber gilt, die Ar­beit­neh­mer grenz­über­schrei­tend im Rah­men ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer­über­las­sung / Zeit­ar­beit an Kun­den über­las­sen (Art. 3 Abs. (3)).

Es ist im Ein­zel­nen sehr um­strit­ten, ob die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die­sen An­for­de­run­gen durch das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) ge­nügt.

Die EU-Kom­mis­si­on hat­te be­reits im Ju­ni 2007 in dem Schrift­stück „Ent­sen­dung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen - Vor­tei­le und Po­ten­tia­le best­mög­lich nut­zen und da­bei den Schutz der Ar­beit­neh­mer ge­währ­leis­ten.“ Un­zu­läng­lich­kei­ten bei der Durch­füh­rung, An­wen­dung und Um­set­zung der be­ste­hen­den EU-Rechts­vor­schrif­ten fest­ge­stellt und es sich zur Auf­ga­be ge­macht, die­se zu be­sei­ti­gen. Der neu­er­li­che Ap­pell der Kom­mis­si­on nimmt hier­auf Be­zug.

Pro­ble­me der Um­set­zung der Richt­li­nie wer­den da­bei vor al­lem bei der Zu­sam­men­ar­beit der zu­stän­di­gen Be­hör­den zwi­schen den von der Ent­sen­dung be­trof­fe­nen Mit­glied­staa­ten aus­ge­macht.

Die dies­be­züg­li­che Ver­wal­tungs­ar­beit müs­se ins­be­son­de­re durch In­for­ma­ti­ons­aus­tausch ver­bes­sert wer­den. Hier­zu soll nun­mehr auch das Bin­nen­markt­in­for­ma­ti­ons­sys­tem (In­ter­nal Mar­ket In­for­ma­ti­on Sys­tem, IMI) die­nen. Auch sei der Zu­gang hier­zu für die ent­sand­ten Ar­beit­neh­mer si­cher­zu­stel­len, die schließ­lich zur Durch­set­zung ih­rer Rech­te auf leicht zu­gäng­li­che, ver­läss­li­che und ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen zu den Be­schäf­ti­gungs­be­din­gun­gen des Ziel­lan­des an­ge­wie­sen sei­en.

Letzt­end­lich soll der Aus­tausch von In­for­ma­tio­nen und von be­währ­ten Ver­fah­ren un­ter den Mit­glied­staa­ten durch ei­nen in der EU zu bil­den­den„hoch­ran­gig be­setz­ten Aus­schuss“ er­mög­licht wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 3. Januar 2014

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