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LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 11.03.2016, 9 Sa 44/15

   
Schlagworte: Tarifvertrag, Tarifvertrag: Anerkennungstarifvertrag
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Aktenzeichen: 9 Sa 44/15
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 11.03.2016
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Karlsruhe, Urteil vom 07.10.2015, 5 Ca 231/15
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.03.2017, 4 AZR 462/16
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg
- Kam­mern Frei­burg -

Ak­ten­zei­chen:
9 Sa 44/15
______________________________
5 Ca 231/15 ArbG Karls­ru­he

Verkündet am 11.03.2016

Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In der Rechts­sa­che

- Kläger/Be­ru­fungskläger -

Proz.-Bev.: ge­gen

- Be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te -

Proz.-Bev.:

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Frei­burg - 9. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Till­manns, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Gol­ler und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Heu­er-Klug auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 11.03.2016

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung d. Kläg. ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Karls­ru­he vom 07.10.2015, Az. 5 Ca 231/15 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird für d. Kläg. zu­ge­las­sen.

- 2 -

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um ei­ne dy­na­mi­sche An­wend­bar­keit der Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie.

Die Klag­par­tei be­gründe­te das streit­ge­genständ­li­che Ar­beits­verhält­nis am 16. No­vem­ber 1981 mit der Fir­ma F. GmbH, die später in die F. Group GmbH um­fir­mier­te. Über de­ren Vermögen, so­wie die über die Vermögen der mit­ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men B. GmbH und S. GmbH wur­den am 00.00.2009 In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Mit no­ta­ri­el­lem Ver­trag vom 11. März 2010 ver­ein­bar­te die B. Group AG, die mitt­ler­wei­le zur Be­klag­ten um­fir­miert hat, mit den In­sol­venz­ver­wal­tern der ge­nann­ten In­sol­venz­ge­sell­schaf­ten den Er­werb und die Über­nah­me der Vermögen der In­sol­venz­ge­sell­schaf­ten, was mit Wir­kung zum 1. Au­gust 2010 ge­schah. Am 2. Au­gust 2010 schloss die B. Group AG rück­wir­kend mit Wir­kung zum 1. April 2010 mit der IG BCE ei­nen An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag (im Fol­gen­den: ATV; ABl. 13 ff. der erst­in­stanz­li­chen Ak­te), des­sen we­sent­li­che Be­stim­mun­gen lau­ten:

„Präam­bel
Über die Vermögen der F. Group GmbH, der B. GmbH so­wie der S. GmbH wur­de am 00.00.2009 das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Die B. Group AG hat durch no­ta­ri­el­len Ver­trag vom 11. März 2010 mit den In­sol­venz­ver­wal­tern der In­sol­venz­ge­sell­schaf­ten den Er­werb und die Über­nah­me des we­sent­li­chen Vermögens der In­sol­venz­ge­sell­schaf­ten ent­we­der durch die Fir­ma selbst oder durch ei­ne an­de­re Ge­sell­schaft der B.-Grup­pe ver­ein­bart.
...

§ 2 An­er­ken­nung
Es wer­den im Rah­men die­ses An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges al­le Ta­rif­verträge von der Fir­ma an­er­kannt und an­ge­wen­det, wel­che von der IG BCE im Be­reich der west­deut­schen che­mi­schen In­dus­trie ab­ge­schlos­sen wur­den bzw. wer­den.
Im Ein­zel­nen um­fasst dies fol­gen­de Ta­rif­verträge:... Bun­des­ent­gelt­ta­rif­ver­trag... . Die an­er­kann­ten Ta­rif­verträge gel­ten in ih­rer je­weils ak­tu­el­len Fas­sung.
Die An­er­ken­nung um­fasst aus­drück­lich auch die Ta­rif­verträge der west­deut­schen che­mi­schen In­dus­trie, die erst nach Ab­schluss die­ses An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges ab­ge­schlos­sen wer­den.

§ 3 Son­der­re­ge­lun­gen für das Jahr 2010
Für das Jahr 2010 gel­ten fol­gen­de Son­der­re­ge­lun­gen:
1. Aus dem Ta­rif­ver­trag über Ein­mal­zah­lung und Al­ters­vor­sor­ge fin­det der § 3 (Jah­res­leis­tung) im Jah­re 2010 kei­ne An­wen­dung.
2. Aus dem Ta­rif­ver­trag über Ein­mal­zah­lung und Al­ters­vor­sor­ge fin­det der § 10 (zusätz­li­ches Ur­laubs­geld) im Jah­re 2010 kei­ne An­wen­dung.

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3. Für den Zeit­raum ab dem 1. April 2010 bis zum 31. De­zem­ber 2010 wer­den die be­zirk­li­chen Ta­ri­fent­geltsätze um 5 % ab­ge­senkt.
4. Die im Rah­men des Ta­rif­ab­schlus­ses vom 21.04.2010 für den Be­reich der che­mi­schen In­dus­trie zu leis­ten­den Ein­mal­zah­lun­gen fin­den kei­ne An­wen­dung.
...

§ 4 Schluss­be­stim­mun­gen
1. Die­ser An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag tritt (rück­wir­kend) zum 1. April 2010 in Kraft.
2. Die­ser An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag ist künd­bar mit ei­ner Frist von sechs Mo­na­ten, frühes­tens zum 31. De­zem­ber 2011.
3. Hält bei un­gekündig­tem Ver­trag ei­ne der ta­rif­sch­ließen­den Par­tei­en ei­ne Ände­rung oder Ergänzung des An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges oder ein­zel­ner sei­ner Be­stim­mun­gen für not­wen­dig, so ist sie be­rech­tigt, bei der Ge­gen­par­tei die Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen zu be­an­tra­gen. “

Be­reits vor Ab­schluss die­ses ATV über­sand­ten die In­sol­venz­ver­wal­ter der drei Un­ter­neh­men der F. Grup­pe den Mit­ar­bei­tern ei­nen ar­beit­ge­ber­seits be­reits un­ter­zeich­ne­ten Ver­ein­ba­rungs­ent­wurf vom 14. Ju­li 2010 mit fol­gen­dem An­schrei­ben vom 13. Ju­li 2010:
"In­for­ma­ti­on an die Mit­ar­bei­ter der Un­ter­neh­men
...

Letz­te of­fe­ne Be­din­gung, dass es zum Be­triebsüber­gang kommt ist, dass die Be­leg­schaft der in­sol­ven­ten Un­ter­neh­men für das Jahr 2010 (nicht darüber hin­aus) ei­nen Ver­zicht auf 5 % des Brut­to­ge­halts ab dem 1. April 2010 so­wie auf das Ur­laubs – und Weih­nachts­geld erklärt.

Hier­auf ha­ben sich die In­sol­venz­ver­wal­ter der vor­ge­nann­ten Un­ter­neh­men be­reits mit der zuständi­gen Ge­werk­schaft, der Ta­rif­kom­mis­si­on und den Be­triebsräten verständigt. Ein Haus­ta­rif­ver­trag (An­er­kennt­nis­ta­rif­ver­trag ge­nannt) mit ent­spre­chen­dem In­halt ist fi­xiert und von al­len Par­tei­en bestätigt.

Man­gels bis­he­ri­ger Ein­be­zie­hung von Haus­ta­rif­verträgen in die Ar­beits­verträge der Mit­ar­bei­ter ist es er­for­der­lich, dass je­der Mit­ar­bei­ter bei­gefügte Ver­ein­ba­rung un­ter­schreibt, in der ge­re­gelt wird, dass die Re­geln des Haus­ta­rif­ver­tra­ges Be­stand­teil je­des Ar­beits­ver­tra­ges wer­den.
...

So­bald al­le un­ter­schrie­ben ha­ben, wird es um­ge­hend zum Be­triebsüber­gang auf die B. AG kom­men und das Ziel, auf das nun ein­ein­halb Jah­re hin­ge­ar­bei­tet wur­de, ist er­reicht. Da­durch si­chern Sie sich al­le bis­her in Ih­rem Ar­beits­verhält­nis vor­han­de­nen Vor­tei­le wie Kündi­gungs­schutz seit Ein­stel­lung etc.

An­bei fin­den Sie den Text des Haus­ta­rif­ver­tra­ges (An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag ge­nannt) und die Ver­ein­ba­rung zur Ein­be­zie­hung des Haus­ta­rif­ver­tra­ges (An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag ge­nannt) in Ihr Ar­beits­verhält­nis.“

Am 14. Ju­li 2010 tra­fen der da­ma­li­ge In­sol­venz­ver­wal­ter der F. GmbH und die Klag­par­tei fol­gen­de Ver­ein­ba­rung (ABl. 36 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te):

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„Zwi­schen Herrn F. als In­sol­venz­ver­wal­ter über das Vermögen der F. Group GmbH und dem un­ter­zeich­nen­den Mit­ar­bei­ter wird hier­mit ver­ein­bart, dass der zwi­schen der In­dus­trie­ge­werk­schaft Berg­bau, Che­mie, En­er­gie Lan­des­be­zirk Ba­den-Würt­tem­berg und der B. Group AG und Herrn F. als In­sol­venz­ver­wal­ter über das Vermögen der Schuld­ne­rin ge­schlos­se­ne An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag über die An­er­ken­nung der Gel­tung der von der IG BCE ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge der west­deut­schen che­mi­schen In­dus­trie und die für das Jahr 2010 gel­ten­den Son­der­re­ge­lun­gen ins­be­son­de­re Ge­halts­ver­zicht Be­stand­teil des zwi­schen der F. Group GmbH und dem un­ter­zeich­nen­den Mit­ar­bei­ter be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses ist und die Re­ge­lun­gen die­ses An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges (auch Haus­ta­rif­ver­trag ge­nannt) voll­umfäng­lich auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den.

Als An­la­ge zu die­ser Ver­ein­ba­rung wur­de mit über­ge­ben

- In­for­ma­ti­ons­schrei­ben zum An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag der In­sol­venz­ver­wal­ter und der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den
- Text des An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges (auch Haus­ta­rif­ver­trag ge­nannt).“

Die B. Group AG kündig­te den ATV mit Wir­kung zum 31. De­zem­ber 2011 und gab nach die­sem Zeit­punkt in der che­mi­schen In­dus­trie ver­ein­bar­te Ta­rif­erhöhun­gen nicht mehr an die Klag­par­tei wei­ter.

Mit ih­rer am 5. Ju­ni 2015 beim Ar­beits­ge­richt Karls­ru­he ein­ge­reich­ten Kla­ge hat die Klag­par­tei be­an­tragt, fest­zu­stel­len, dass auf das Ar­beits­verhält­nis die Ta­rif­verträge, die von der In­dus­trie­ge­werk­schaft Berg­bau, Che­mie, En­er­gie im Be­reich der west­deut­schen che­mi­schen In­dus­trie ab­ge­schlos­sen wur­den bzw. noch würden, in ih­rer je­weils ak­tu­el­len Fas­sung An­wen­dung fänden und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, Vergütungs­dif­fe­ren­zen für die Zeit von Au­gust 2012 bis ein­sch­ließlich Au­gust 2015 nach­zu­entrich­ten. Sie hat vor­ge­tra­gen, auf­grund der ver­ein­bar­ten in­di­vi­du­al­recht­li­chen Be­zug­nah­me auf den ATV gel­te die dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie auch noch nach Kündi­gung des ATV wei­ter fort.

Die Be­klag­te hat vor dem Ar­beits­ge­richt Klag­ab­wei­sung be­an­tragt und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es lie­ge kei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge vor, viel­mehr sei die Ver­wei­sung auf­grund der Kündi­gung des ATV zu ei­ner sta­ti­schen ge­wor­den.

Mit Ur­teil vom 7. Ok­to­ber 2015 – 5 Ca 231/15 – hat das Ar­beits­ge­richt Karls­ru­he die Kla­ge in vol­lem Um­fang als un­be­gründet ab­ge­wie­sen und aus­geführt, auf­grund der Kündi­gung des ATV zum Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2011 be­ste­he kei­ne beid­sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit. Ein An­spruch er­ge­be sich nicht aus § 2 Abs. 5 ATV iVm. § 4 Abs. 5 TVG und auch nicht aus be­trieb­li­cher Übung. Zu­dem er­ge­be sich die An­wend­bar­keit der Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie nicht auf­grund der in­di­vi­du­al­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en in Ver­bin­dung mit dem ATV. Bei der Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 han­de­le es sich um ei­ne sta­ti­sche Ver­wei­sungs­klau­sel auf den ATV. Der Wort­laut der Ver­ein­ba­rung sei ein­deu­tig. Die Klag­par­tei ha­be mit dem In­sol­venz-

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ver­wal­ter ver­ein­bart, dass die Re­ge­lun­gen des ATV voll­umfäng­lich auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fänden. Da­zu sei der Text des ATV der Ver­ein­ba­rung bei­gefügt wor­den. Die­se Ver­ein­ba­rung ha­be aus­sch­ließlich sta­ti­sche Wir­kung, oh­ne dass da­mit be­reits ei­ne Dy­na­mik ver­ein­bart sei. Sie ha­be le­dig­lich si­cher­stel­len sol­len, dass die Re­ge­lun­gen des Haus­ta­rif­ver­tra­ges auf sämt­li­che Ar­beits­verhält­nis­se An­wen­dung fänden. Da­mit sei­en der ATV und des­sen dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie als in­kor­po­rier­ter Teil des Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­tra­ges Be­stand­teil des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­wor­den. Der ver­wei­sen­de Ta­rif­ver­trag und der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag bil­de­ten ei­ne Ein­heit. Je­de Ände­rung, Ergänzung oder Er­set­zung des Ver­wei­sungs­ob­jek­tes sei gleich­zei­tig ei­ne des Ver­wei­sungs­sub­jekts. Die Kündi­gung des ATV be­en­de da­mit zu­gleich die dy­na­mi­sche Fort­gel­tung der Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie.

Ge­gen die­ses, der Klag­par­tei am 5. No­vem­ber 2015 zu­ge­stell­te Ur­teil wen­det sich die­se mit ih­rer am 24. No­vem­ber 2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­reich­ten und so­gleich aus­geführ­ten Be­ru­fung.

Die Klag­par­tei trägt vor, das Ur­teil sei feh­ler­haft er­gan­gen. Sie ha­be ih­re Kla­ge we­der auf ei­ne nor­ma­ti­ve Ta­rif­gel­tung noch auf be­trieb­li­che Übung gestützt. Die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts, dass mit der Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 der ATV und da­mit auf­grund des­sen dy­na­mi­scher Ver­wei­sung auch die Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie als in­kor­po­rier­ter Teil des Ver­wei­sungs­ta­rif­ver­tra­ges Be­stand­teil des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­wor­den sei­en, weil der ver­wei­sen­de ATV und das in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­werk ei­ne Ein­heit bil­de­ten, sei falsch. Es sei völlig ei­ner­lei, ob ein Ar­beits­ver­trag di­rekt dy­na­misch auf ein Ta­rif­werk ver­wei­se oder im We­ge ei­ner mehr­stu­fi­gen Ver­wei­sungs­tech­nik. Bei ei­ner zwei­stu­fi­gen Ver­wei­sungs­tech­nik sei für die Aus­le­gung der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel oh­ne Be­deu­tung, ob das Re­gel­werk, auf das ver­wie­sen wer­de, gekündigt oder be­en­det sei. Ent­schei­dend sei al­lein, wel­chen Rechtscha­rak­ter die im Re­gel­werk ent­hal­te­ne Ver­wei­sung ha­be. Die ver­trag­li­che Ver­wei­sung auf den ATV ent­hal­te ih­ren ma­te­ri­el­len In­halt erst durch des­sen dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die Ver­bands­ta­rif­verträge.

In­dem das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­wei­se, dass das „Ver­wei­sungs­sub­jekt“ – al­so der ATV – nur noch nach­gel­te, al­so auf § 5 Abs. 5 TVG ver­wei­se, ver­las­se es die Ebe­ne der Aus­le­gung der ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Klau­seln und be­gründe das Ent­schei­dungs­er­geb­nis mit Ka­te­go­ri­en der nor­ma­ti­ven Bin­dung an Ta­rif­verträge, wo­bei es die „neue“ Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, die be­reits mit Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005 (- 4 AZR 536/04 -) an­gekündigt wor­den sei, über­ge­he. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be mit Ur­teil vom 15. März 2006 (- 4 AZR 132/05) dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die al­te Recht­spre­chung zu den Gleich­stel­lungs­klau­seln

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nur noch für Alt­verträge gel­te, die bis zum 31. De­zem­ber 2001 ab­ge­schlos­sen wor­den sei­en. Nach der neue­ren Recht­spre­chung sei ei­ne ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf ei­nen be­stimm­ten Ta­rif­ver­trag je­den­falls dann, wenn ei­ne Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers an den im Ar­beits­ver­trag ge­nann­ten Ta­rif­ver­trag nicht für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar zur auflösen­den Be­din­gung der Ver­ein­ba­rung ge­macht wor­den sei, ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Ver­wei­sungs­klau­sel, die durch den Ver­bands­aus­tritt nicht berührt wer­de, mit­hin ei­ne un­be­ding­te zeit­dy­na­mi­sche Ver­wei­sung.

Dass der Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers in der Klau­sel vom 14. Ju­li 2010 für die Ar­beit­neh­mer in er­kenn­ba­rer Wei­se zur auflösen­den Be­din­gung der Ver­ein­ba­rung ge­macht wor­den sei, er­ge­be sich nicht.

Wenn das Ar­beits­ge­richt aus § 4 Nr. 2 ATV schließe, dass be­reits bei Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges bei der Be­klag­ten ein „nur vorüber­ge­hen­der Ta­rif­bin­dungs­wil­le er­kenn­bar“ ge­we­sen sei und es die­ser dar­um ge­gan­gen sei, die Son­der­re­ge­lun­gen des vorüber­ge­hen­den Ge­halts­ver­zichts durch­zu­set­zen, möge das das Mo­tiv ge­we­sen sein. Dass aber Ta­rif­verträge künd­bar sei­en, sei seit je­her an­er­kannt. Die Künd­bar­keit las­se bei ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me ge­nau­so we­nig wie ein mögli­cher Ver­bands­aus­tritt die ver­ein­bar­te Ta­rif­dy­na­mik ent­fal­len.

Et­was An­de­res er­ge­be sich auch nicht aus den sons­ti­gen Umständen um die Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010. Im In­for­ma­ti­ons­schrei­ben an die Mit­ar­bei­ter vom 13. Ju­li 2010 wer­de als Grund für die Not­wen­dig­keit der Un­ter­zeich­nung der Ver­ein­ba­rung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ar­beits­verträge nur auf die Flächen­ta­ri­fe ver­wie­sen, Haus­ta­rif­verträge aber nicht er­fasst sei­en. Es ge­he al­so nicht vor­ran­gig um die Gleich­stel­lung von Ge­werk­schafts- und Nicht­ge­werk­schafts­mit­glie­dern, son­dern um die Durch­set­zung ei­nes ein­heit­li­chen Ar­beits­ver­trags­re­gimes im gan­zen Be­trieb, mit dem ver­trag­lich der ATV ha­be durch­ge­setzt wer­den sol­len. Zu ei­ner Ver­ein­heit­li­chung der Be­zug­nah­me­klau­seln ha­be auch An­lass be­stan­den. Das spre­che ge­gen die Aus­le­gung des Ver­tra­ges vom 14. Ju­li 2010 als Gleich­stel­lungs­klau­sel.

Die mit der Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 ein­zel­ver­trag­lich wirk­sam ver­ein­bar­te dy­na­mi­sche Ver­wei­sung ha­be nicht durch die Kündi­gung des ATV be­sei­tigt wer­den können. Die­se ha­be le­dig­lich die nor­ma­ti­ve Bin­dung der Be­klag­ten ent­fal­len las­sen. Im Er­geb­nis ha­be das Ar­beits­ge­richt le­dig­lich an der frühe­ren Recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de fest­ge­hal­ten, oh­ne dies aus­zu­spre­chen. Es sei der Be­klag­ten möglich ge­we­sen, ei­ne Ver­trags­klau­sel zu for­mu­lie­ren, mit der sie ha­be ein­zel­ver­trag­lich si­cher­stel­len können, dass die ver­ein­bar­te Ta­rif­dy­na­mik mit Kündi­gung des ATV auch en­de.
Kla­ger­wei­ternd ma­che sie noch die Vergütungs­dif­fe­ren­zen bis ein­sch­ließlich Ja­nu­ar 2016 gel­tend.

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Die Klag­par­tei be­an­tragt:

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Karls­ru­he vom 7. Ok­to­ber 2015 – 5 Ca 231/15 –wird ab­geändert:

1. Es wird fest­ge­stellt, dass auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en die Ta­rif­verträge, die von der In­dus­trie­ge­werk­schaft Berg­bau, Che­mie, En­er­gie im Be­reich der west­deut­schen che­mi­schen In­dus­trie ab­ge­schlos­sen wur­den bzw. noch wer­den, in ih­rer je­weils ak­tu­el­len Fas­sung An­wen­dung fin­den.

2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Klag­par­tei Eu­ro 8.094,00 zu be­zah­len nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten aus
€ 109,00 seit 01.09.2012
€ 109,00 seit 01.10.2012
€ 109,00 seit 01.11.2012
€ 212,55 seit 01.12.2012
€ 109,00 seit 01.01.2013
€ 109,00 seit 01.02.2013
€ 109,00 seit 01.03.2013
€ 109,00 seit 01.04.2013
€ 109,00 seit 01.05.2013
€ 109,00 seit 01.06.2013
€ 109,00 seit 01.07.2013
€ 109,00 seit 01.08.2013
€ 109,00 seit 01.09.2013
€ 109,00 seit 01.10.2013
€ 109,00 seit 01.11.2013
€ 212,55 seit 01.12.2013
€ 109,00 seit 01.01.2014
€ 109,00 seit 01.02.2014
€ 109,00 seit 01.03.2014

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€ 204,00 seit 01.04.2014
€ 204,00 seit 01.05.2014
€ 204,00 seit 01.06.2014
€ 204,00 seit 01.07.2014
€ 204,00 seit 01.08.2014
€ 204,00 seit 01.09.2014
€ 204,00 seit 01.10.2014
€ 204,00 seit 01.11.2014
€ 397,80 seit 01.12.2014
€ 204,00 seit 01.01.2015
€ 204,00 seit 01.02.2015
€ 204,00 seit 01.03.2015
€ 204,00 seit 01.04.2015
€ 204,00 seit 01.05.2015
€ 278,00 seit 01.06.2015
€ 278,00 seit 01.07.2015
€ 278,00 seit 01.08.2015
€ 278,00 seit 01.09.2015
€ 278,00 seit 01.10.2015
€ 278,00 seit 01.11.2015
€ 542,10 seit 01.12.2015
€ 278,00 seit 01.01.2016
€ 278,00 seit 01.02.2016.

Die Be­klag­te be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung und führt aus, die Klag­par­tei un­ter­schei­de

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Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des ATV ver­ein­bart hätten. Sie mei­ne fälsch­li­cher­wei­se, es sei ei­ner­lei, ob die dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag oder im ATV ver­ein­bart wor­den sei. Fol­ge­rich­tig stütze sie sich auch auf nicht ein­schlägi­ge Ur­tei­le. So grif­fen die zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht im vor­lie­gen­den Fall, weil die Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 ge­ra­de kei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel, son­dern ei­ne sta­ti­sche ent­hal­te. Der Wort­laut sei ein­deu­tig. Die Be­zug­nah­me wer­de aus­drück­lich ein­ge­schränkt auf den ganz kon­kre­ten Ta­rif­ver­trag mit aus­drück­lich ge­nann­ten Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und auf ei­nen kon­kret be­nann­ten Ta­ri­fin­halt. Kon­kre­ter und ein­deu­ti­ger „sta­tisch“ könne ei­ne Be­zug­nah­me nicht for­mu­liert sein. Des­halb sei auch die zi­tier­te Recht­spre­chungsände­rung ir­re­le­vant. Denn die­se be­zie­he sich nur auf dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­seln. We­gen des ein­deu­ti­gen Wort­lauts der Ver­ein­ba­rung sei­en wei­te­re Aus­le­gungs­fak­to­ren nicht hin­zu­zu­zie­hen.

Zum wei­te­ren Vor­brin­gen der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze und ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen ver­wie­sen.

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Ent­schei­dungs­gründe

A.

Die Be­ru­fung der Klag­par­tei ist statt­haft und zulässig. Sie ist frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 64 Abs. 2 b), 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG i.V.m. §§ 519, 520 ZPO.

B.

Die Be­ru­fung ist aber un­be­gründet. Im Er­geb­nis zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Die Par­tei­en ha­ben in ih­rer Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 im Rah­men ei­ner zwei­stu­fi­gen Ver­wei­sung le­dig­lich ver­ein­bart, dass der ATV nur im Rah­men sei­ner ei­ge­nen – kol­lek­tiv­recht­li­chen Gel­tung – die Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie in das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en trans­por­tiert.

I.

An der Zulässig­keit der Fest­stel­lungs- und Zah­lungs­kla­ge be­ste­hen kei­ne Be­den­ken. Die Kla­ger­wei­te­rung hin­sicht­lich der bis zum Kam­mer­ter­min ers­ter In­stanz er­rech­ne­ten Dif­fe­renz­vergütungs­ansprüche ist gemäß §§ 64 Abs. 6 ArbGG, 533, 529 Abs. 1 ZPO sach­dien­lich und zulässig.

II.

1. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist un­be­gründet. Nach­dem we­der ei­ne beid­sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit vor­liegt, noch Grundsätze der be­trieb­li­chen Übung grei­fen, können die Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie al­len­falls dann für das Ar­beits­verhält­nis dy­na­misch gel­ten, wenn sich dies aus der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en vom 14. Ju­li 2010 in Ver­bin­dung mit dem ATV und des­sen Ver­wei­sung auf die streit­ge­genständ­li­chen Ta­rif­verträge er­gibt. Die­se Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 enthält je­doch ei­ne ein­deu­ti­ge, kei­nen Zwei­feln un­ter­lie­gen­de, sta­ti­sche Ver­wei­sung auf den kon­kre­ten ATV vom 2. Au­gust 2010, der im fer­ti­gen Ent­wurf der in­di­vi­du­al­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung auch als An­la­ge bei­gefügt war. Folg­lich konn­te al­lein die­ser, sta­tisch zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te ATV die Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie in das Ar­beits­verhält­nis trans­por­tie­ren. Wenn aber in­di­vi­dual­ar­beits­recht­lich nur ein kon­kret ver­ein­bar­ter An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen ei­ner Bran­che

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dy­na­misch in das kon­kre­te Ein­zel­ar­beits­verhält­nis trans­por­tie­ren kann, kann dies nur während des­sen Lauf­zeit der Fall sein. Des­halb kann es, ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klag­par­tei, nicht ei­ner­lei sein, ob ein Ar­beits­ver­trag di­rekt oder im We­ge ei­ner mehr­stu­fi­gen Ver­wei­sungs­tech­nik auf ein Ta­rif­werk ver­weist.

a) Die in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me auf ei­nen Ta­rif­ver­trag ist an­er­kannt und – un­abhängig von ei­ner kol­lek­tiv­recht­li­chen Gel­tung – stets kon­sti­tu­tiv (ErfK/Fran­zen, 16. Aufl. 2016, § 3 TVG Rn. 33; Preis/Preis, Der Ar­beits­ver­trag, 4. Aufl. 2011, II V Rz. 7). Durch sie wird der Ta­rif­ver­trag, auf den Be­zug ge­nom­men wird, zum In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges (all­gem. Auf­fas­sung, z.B. BAG 7. De­zem­ber 1977 – 4 AZR 474/76 -; ErfK/Fran­zen aaO. Rn. 32). Ei­ne sol­che in­di­vi­du­al­recht­li­che Be­zug­nah­me kann sta­tisch sein oder dy­na­misch, es kann sich um ei­ne Glo­bal­ver­wei­sung oder Teil­ver­wei­sung han­deln. Im Übri­gen kann der Ta­rif­ver­trag, der ein­zel­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­men wur­de, sei­ner­seits wei­ter – sta­tisch oder dy­na­misch – auf ei­nen an­de­ren Ta­rif­ver­trag oder so­gar auf meh­re­re Ta­rif­verträge ver­wei­sen (Dop­pel- oder Mehr­fach­ver­wei­sung; vgl. BAG 18. No­vem­ber 2009 – 4 AZR 493/08 – Rn. 26, 21. No­vem­ber 2012 - 4 AZR 85/11 – Rn. 36 ).

Zur Be­ant­wor­tung der Fra­ge, was nach Be­en­di­gung des be­zug­neh­men­den Ta­rif­ver­tra­ges gilt und in wel­chem Um­fang ei­ne AGB-Kon­trol­le statt­zu­fin­den hat, ist zwi­schen der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel und der ta­rif­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel zu dif­fe­ren­zie­ren. Es ist von der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel aus­zu­ge­hen und die­se, so­weit es sich wie hier un­strei­tig um ei­ne all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung han­delt, ei­ner AGB-Kon­trol­le zu un­ter­zie­hen. Zwei­fel bei der Aus­le­gung ge­hen nach § 305c Abs. 2 BGB zu­las­ten des Ver­wen­ders. Es ist ei­ne Trans­pa­renz­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB vor­zu­neh­men. Im Übri­gen fin­det bei der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel ei­ne In­halts­kon­trol­le nicht statt, weil die­se nach § 307 Abs. 3 BGB nur für Be­stim­mun­gen in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen in Be­tracht kommt, die von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de oder die­se ergänzen­de Re­ge­lun­gen enthält, was vor­lie­gend nicht der Fall ist, weil Ta­rif­verträge, und da­mit auch An­er­ken­nungs­ta­rif­verträge, nach § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB Rechts­vor­schrif­ten im Sin­ne von § 307 Abs. 3 BGB gleich­ste­hen (BT-Dr 14/6857, S. 54; Thüsing, NZA 2002, 1361, 1362). Der In­halt des An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges selbst un­ter­liegt da­ge­gen, ge­nau­so wie die In­hal­te der von die­sem in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge gem. § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB kei­ner AGB-Kon­trol­le.

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b) In An­wen­dung der dar­ge­stell­ten Grundsätze ist die in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel in der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en vom 14. Ju­li 2010 als sta­ti­sche Ver­wei­sung auf den am 2. Au­gust 2010 zwi­schen der B. Group AG, den In­sol­venz­ver­wal­tern und der IG BCE ab­ge­schlos­se­nen ATV aus­zu­le­gen.

aa) Der Wort­laut der Be­zug­nah­me­klau­sel spricht deut­lich für ei­ne sta­ti­sche Ver­wei­sung. Zwar wird das Da­tum des ATV nicht ge­nannt, was al­ler­dings zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses nicht möglich war, da die­ser erst später, nämlich am 2. Au­gust 2010 un­ter­zeich­net wur­de. Al­ler­dings ist der kon­kre­te Text des späte­ren (un­veränder­ten) ATV der Ver­ein­ba­rung bei­gefügt, wes­halb dies­bezüglich, an­ders als im Fall, den das Bun­des­ar­beits­ge­richt am 2. März 1988 zu ent­schei­den hat­te (BAG 2.3.1988 – 4 AZR 595/87 –; hier­zu: Preis/Preis, Der Ar­beits­ver­trag, 4. Aufl. 2011, II V 30) kein Trans­pa­renz­pro­blem vor­lie­gen kann. In der Be­zug­nah­me­klau­sel wird aus­drück­lich nur auf die­sen bei­gefügten und da­mit klar be­stimm­ten Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen. Es wird im Sin­gu­lar da­von ge­spro­chen, dass „der... ge­schlos­se­ne An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag... Be­stand­teil des... be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses ist“. Da­mit neh­men die Ver­trags­par­tei­en auf ein ein­ma­li­ges, ex­pli­zit ge­nann­tes Er­eig­nis – den Ab­schluss die­ses ATV – Be­zug, des­sen Wort­laut die Par­tei­en ken­nen und ih­rer Ver­ein­ba­rung zu­grun­de le­gen. Dies ma­chen die Par­tei­en in ih­rer Ver­ein­ba­rung auch da­durch be­son­ders deut­lich, dass nach dem Wort­laut „die Re­ge­lun­gen die­ses An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges“ im Ar­beits­verhält­nis voll umgäng­lich gel­ten sol­len und zwar nur der „zwi­schen der In­dus­trie­ge­werk­schaft Berg­bau, Che­mie, En­er­gie Lan­des­be­zirk Ba­den-Würt­tem­berg und der B. Group AG und Herrn F. als In­sol­venz­ver­wal­ter“ ab­ge­schlos­se­ne An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag. Nach ei­nem Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te wäre der In­sol­venz­ver­wal­ter aber nicht mehr an nach­fol­gen­den Ta­rif­ver­trags­ab­schlüssen be­tei­ligt ge­we­sen.

bb) Auch ei­ne Aus­le­gung der Be­zug­nah­me­klau­sel nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn führt zur An­nah­me ei­ner sta­ti­schen Ver­wei­sung. Aus der Sicht von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der re­gelmäßig be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ist die Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Berück­sich­ti­gung der Aus­le­gung des ATV da­hin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass sie im Zu­sam­men­spiel mit dem ATV ei­nen Ent­gelt­ver­zicht der Ar­beit­neh­mer aus­glei­chen und der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten ei­ne Loslösung von ih­rer mit­tel­ba-

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ren ta­rif­li­chen Bin­dung ermögli­chen soll­te. Nach dem Wort­laut und Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en soll­ten die Ar­beit­neh­mer durch ei­nen Ent­gelt­ver­zicht im Jahr 2010 ei­nen Sa­nie­rungs­bei­trag leis­ten. Im Ge­gen­zug für die in § 3 Nr. 3 ATV vor­ge­se­he­ne Ab­sen­kung der be­zirk­li­chen Ta­ri­fent­geltsätze um 5 % im Zeit­raum vom 1. April 2010 bis zum 31. De­zem­ber 2010 ver­weist § 2 ATV dy­na­misch auf die Ver­bands­ta­rif­verträge der IG BCE. Auf­grund der Dy­na­mi­sie­rungs­wir­kung von § 2 ATV par­ti­zi­pie­ren die Ar­beit­neh­mer der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten be­reits dann von den ta­rif­li­chen Loh­nerhöhun­gen auf Ver­bands­ebe­ne, wenn der ATV in ei­nem Ar­beits­ver­trag sta­tisch in Be­zug ge­nom­men wird.

Für das Vor­lie­gen ei­ner sta­ti­schen schuld­recht­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel spricht auch, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in § 4 Nr. 2 ATV ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit frühes­tens zum 31. De­zem­ber 2011 vor­ge­se­hen ha­ben. Ei­ne sol­che ent­spricht re­gelmäßig dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, die An­er­ken­nung auf die während der Lauf­zeit ei­nes An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges ab­ge­schlos­se­nen Ver­bands­ta­rif­verträge zu be­schränken (vgl. LAG Ba­den-Würt­tem­berg 29. Ja­nu­ar 2014 – 19 Sa 42/13 -). Bei ei­ner un­be­ding­ten dy­na­mi­schen Ver­wei­sung lie­fe ei­ne Kündi­gung der Ar­beit­ge­be­rin ins Lee­re, da über die schuld­recht­li­che Be­zug­nah­me ei­ne Bin­dung an später ab­ge­schlos­se­ne Ver­bands­ta­rif­verträge bestünde. Hätten die Kläge­rin und der In­sol­venz­ver­wal­ter ei­ne der­ar­ti­ge Bin­dung für die Ewig­keit zu­las­ten der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten ver­ein­ba­ren wol­len, wäre es zu­min­dest er­for­der­lich ge­we­sen, dies an­satz­wei­se in der schuld­recht­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel zum Aus­druck zu brin­gen. Hin­zu kommt, dass der in der Kündi­gungsmöglich­keit er­kenn­ba­re, nur vorüber­ge­hen­de Ta­rif­bin­dungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit dem be­reits dar­ge­stell­ten Aus­gleichs­zweck des ATV durch­aus im Ein­klang steht. Die Ar­beit­neh­mer par­ti­zi­pie­ren als Aus­gleich für ih­ren Ent­gelt­ver­zicht bis zu ei­ner Kündi­gung des ATV und da­mit zu­min­dest im Jahr 2011 an Ta­rif­loh­nerhöhun­gen auf Ver­bands­ebe­ne.

cc) Da nach dem dar­ge­stell­ten Aus­le­gungs­er­geb­nis kei­ne Zwei­fel an der Sta­tik der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel blei­ben, ist dies­bezüglich für die Un­klar­hei­ten­re­gel des § 305c Abs. 2 BGB kein Raum. Des­halb kann es auch of­fen­blei­ben, ob die Vor­schrift vor­lie­gend auch schon des­halb nicht an­wend­bar ist, weil sich die Fra­ge der Güns­tig­keit für den Ar­beit­neh­mer nicht ein­deu­tig be­ant­wor­ten lässt (vgl. hier­zu BAG 24. Sep­tem­ber 2008 – 6 AZR 76/97 – Rn. 27).

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dd) Die in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel ver­letzt auch das Trans­pa­renz­ge­bot gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht. Ei­ne Ver­wei­sung auf Vor­schrif­ten ei­nes an­de­ren Re­ge­lungs­wer­kes führt für sich ge­nom­men nicht zur In­trans­pa­renz, da die Be­zug­nah­me auf an­de­re Rechts­nor­men nicht fremd und des­halb nichts Un­gewöhn­li­ches ist. Die sta­ti­sche Be­zug­nah­me­klau­sel wird auch nicht durch die dy­na­mi­sche Wei­ter­ver­wei­sung auf die Ver­bands­ta­rif­verträge im ATV un­klar. Viel­mehr war durch die­se Tech­nik in Ver­bin­dung mit dem In­for­ma­ti­ons­schrei­ben an die Mit­ar­bei­ter vom 13. Ju­li 2010 für die Klag­par­tei deut­lich er­kenn­bar, dass die B. AG be­reit war, die in­sol­ven­ten Un­ter­neh­men zu über­neh­men und, dass da­mit die Ar­beitsplätze er­hal­ten wer­den, al­ler­dings nur um den Preis ei­nes ein­heit­li­chen, an­tei­li­gen An­spruchs­ver­zichts der Mit­ar­bei­ter für das Ka­len­der­jahr 2010 und um den wei­te­ren Preis, dass die Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie nicht für al­le Ewig­keit dy­na­misch gel­ten sol­len, son­dern die Dy­na­mik an die Lauf­zeit ei­nes mit der IG BCE aus­ge­han­del­ten Fir­men­ta­rif­ver­trags – des ATV – ein­heit­lich für al­le Ar­beit­neh­mer ge­knüpft ist. Dass den be­trof­fe­nen, von der DGB-Rechts­schutz GmbH ver­tre­te­nen Ar­beit­neh­mern dies klar war, zei­gen auch die im Kam­mer­ter­min der Be­ru­fungs­ver­hand­lung an­ge­spro­che­nen Ver­fah­ren vor der 19. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts (19 Sa 42 – 47/13), in de­nen sich nie­mand auf ei­ne auf­grund der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 ein­ge­tre­te­ne, auch nach Kündi­gung des ATV und Ab­lauf der Kündi­gungs­frist wei­ter gel­ten­de dy­na­mi­sche Gel­tung der Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie be­ru­fen hat.

ee) Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung da­hin­ge­hend, dass Ver­bands­ta­rif­verträge in ih­rer je­weils ak­tu­el­len Fas­sung An­wen­dung fin­den, ist nicht möglich. Vor­aus­set­zung ei­ner sol­chen ist, dass die Ver­ein­ba­rung ei­ne Re­ge­lungslücke im Sin­ne ei­ner plan­wid­ri­gen Un­vollständig­keit auf­weist (BAG 6. Ju­li 2011 – 4 AZR 501/09 –). Die Par­tei­en ha­ben hier vor­lie­gend kei­nen Punkt über­se­hen oder be­wusst of­fen ge­las­sen, weil sie den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses nicht für re­ge­lungs­bedürf­tig ge­hal­ten ha­ben. Viel­mehr lässt die Be­zug­nah­me­klau­sel im Zu­sam­men­spiel mit dem ATV, wie be­reits ge­zeigt, kei­ne Be­stim­mung ver­mis­sen, die er­for­der­lich ist, um das Re­ge­lungs­ziel der Par­tei­en an­ge­mes­sen und in­ter­es­sen­ge­recht zu re­geln.

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ff) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klag­par­tei führt das hier dar­ge­stell­te Er­geb­nis, dass sich die An­wend­bar­keit der Ver­bands­ta­rif­verträge in ih­rer je­weils ak­tu­el­len Fas­sung nicht aus der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen In­be­zug­nah­me in der Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 er­gibt, nicht zu ei­ner Fort­set­zung der Recht­spre­chung zur so­ge­nann­ten Gleich­stel­lungs­ab­re­de. Im vor­lie­gen­den Fall liegt kei­ne schuld­recht­lich, dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel vor, die durch ei­nen Ver­bands­aus­tritt des Ar­beit­ge­bers oder ei­nen sons­ti­gen Weg­fall der Ta­rif­ge­bun­den­heit „ein­ge­fro­ren“ wird. Viel­mehr ist ei­ne sta­ti­sche Be­zug­nah­me­klau­sel ge­ge­ben, wel­che über­haupt erst über ei­ne dy­na­mi­sche Wei­ter­ver­wei­sung im da­zwi­schen ge­schal­te­ten ATV da­zu geführt hat, dass die nach­fol­gen­den Ände­run­gen der Ver­bands­ta­rif­verträge für die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten bis zu der Kündi­gung des ATV bin­dend war.

gg) So­weit die Klag­par­tei meint, es hätte ihr ge­genüber vor oder bei Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung vom 14. Ju­li 2010 kla­rer ge­macht wer­den müssen, dass die dy­na­mi­sche Gel­tung der Ta­rif­verträge der che­mi­schen In­dus­trie mit Ab­lauf des ATV en­den wer­de, ver­langt sie ei­ne Be­leh­rung über die Aus­wir­kun­gen ei­ner Kündi­gung ei­nes An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges und Aufklärung über die Un­ter­schie­de der ver­schie­de­nen Ver­wei­sungsmöglich­kei­ten, al­so Di­rekt- und Dop­pel­ver­wei­sung. Ei­ne sol­che Be­leh­rungs­pflicht er­gibt sich je­doch nicht.

hh) Die von der Klag­par­tei im Kam­mer­ter­min der Be­ru­fungs­ver­hand­lung am 11. März 2016 her­an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14. De­zem­ber 2011 führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. In die­ser Ent­schei­dung ver­weist das Bun­des­ar­beits­ge­richt le­dig­lich dar­auf, dass die Recht­spre­chung zum „Ein­frie­ren“ im vor­lie­gen­den Fall nicht ein­schlägig sei, da im für die Ent­schei­dung re­le­van­ten Ta­rif­ver­trag selbst fest­ge­legt sei, dass sich die nor­ma­ti­ve Gel­tung des ver­wei­sen­den Ta­rif­ver­tra­ges und da­mit auch die in ihm ge­re­gel­te Dy­na­mik verlänge­re (BAG 14. De­zem­ber 2011 – 4 AZR 26/10 – Rn. 55). Ge­nau dies ist je­doch vor­lie­gend nicht der Fall.

2. Nach­dem al­lein der ATV im We­ge ei­ner dy­na­mi­schen Ver­wei­sung die je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge mit dem Trans­port­mit­tel der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung in die Ar­beits­verträge der Par­tei­en trans­por­tie­ren konn­te, hängt die „Dy­na­mik“ al­lein von des­sen nor­ma­ti­ver Gel­tung ab. Dies er­gibt sich vor­lie­gend be­reits aus § 2 Abs. 3 ATV, der die Dy­na­mik nur für die „an­er­kann­ten“ Ta­rif­verträge re­gelt und in § 2 Abs. 1 nur die ge­nann­ten Ta-

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rif­verträge „im Rah­men die­ses An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges“ an­er­kennt. Die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­nor­men der Ver­bands­ta­rif­verträge wur­den in den ATV in­kor­po­riert und ver­vollständig­ten die­sen (BAG 10. März 2004 – 4 AZR 140/03 –; 23. Fe­bru­ar 2012 – 4 AZR 8/10). Mit der Kündi­gung des ATV zum 31. De­zem­ber 2011 er­losch der übe­rein­stim­men­de Gel­tungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auch hin­sicht­lich des In­halts der Ver­bands­ta­rif­verträge (vgl. BAG 22. Fe­bru­ar 2012 – 4 AZR 8/10), wes­halb es zu ei­ner „Ent­dy­na­mi­sie­rung" der dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me auf die Ver­bands­ta­rif­verträge kam (Löwisch/Rieb­le, TVG, 3. Aufl. 2012, § 1 Rn. 36, § 4 Rn. 704; BAG 29. Ja­nu­ar 2008 – 3 AZR 426/06 – LAG Ba­den-Würt­tem­berg 29. Ja­nu­ar 2014 – 19 Sa 42/13 – Rn. 35).

Folg­lich konn­te der Fest­stel­lungs­an­trag der Klag­par­tei kei­nen Er­folg ha­ben.

3. Aus dem oben Dar­ge­stell­ten er­gibt sich, dass auch die Zah­lungs­kla­ge un­be­gründet ist. Da die Ver­bands­ta­rif­verträge in ih­rer je­weils ak­tu­el­len Fas­sung nach der Kündi­gung des ATV zum 31. De­zem­ber 2011 auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en kei­ne An­wen­dung mehr fin­den, ste­hen der Klag­par­tei auch kei­ne Zah­lungs­ansprüche we­gen ver­meint­lich nicht wei­ter­ge­ge­be­ner Ta­rif­loh­nerhöhun­gen zu.

Dem­gemäß war die Be­ru­fung der Klag­par­tei zurück­zu­wei­sen.

C.

Die Klag­par­tei hat gemäß § 97 ZPO die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen.

Die Kam­mer hat we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung die Re­vi­si­on für die Klag­par­tei gem. § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

Till­manns
Gol­ler
Heu­er-Klug

Quel­le: www.jus­tiz.ba­den-wu­erttem­berg.de

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