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LAG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 07.10.2015, 7 Sa 495/15

   
Schlagworte: Arbeitsvertrag, Kündigungsfristen, Probezeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Aktenzeichen: 7 Sa 495/15
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 07.10.2015
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.03.2015, 15 Ca 6024/14
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, 7 Sa 495/15

Te­nor:

I.Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 23.03.2015, 15 Ca 6024/14, ab­geändert:

Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung vom 05.09.2014 erst zum 31.10.2014 be­en­det wor­den ist.

II.Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Be­klag­te zu tra­gen.

III.Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

T A T B E S T A N D :

Die Par­tei­en strei­ten über den Zeit­punkt, zu dem das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en auf­grund ei­ner sei­tens der Be­klag­ten aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung in den ers­ten sechs Mo­na­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses sein En­de ge­fun­den hat.

Die Be­klag­te, die ei­ne Er­laub­nis zur ge­werbsmäßigen Ar­beit­neh­merüber­las­sung gemäß § 1 AÜG be­sitzt, ist ein bun­des­weit täti­ges Un­ter­neh­men der Per­so­nal­dienst­leis­tungs­bran­che.

Mit Ar­beits­ver­trag vom 10./13.03.2014 wur­de der Kläger mit Wir­kung zum 28.04.2014, be­fris­tet bis zum 31.12.2015, bei der Be­klag­ten an­ge­stellt. Der Kläger soll­te als Flug­be­glei­ter ein­ge­setzt wer­den. Aus­weis­lich der ein­lei­ten­den Ausführun­gen zum Ar­beits­ver­trag stand das Zu­stan­de­kom­men des Ar­beits­ver­tra­ges un­ter der auf­schie­ben­den Be­din­gung, dass der Kläger bis zum ver­ein­bar­ten Ein­tritts­ter­min die Schu­lung zum Flug­be­glei­ter und bis zum ver­ein­bar­ten Schu­lungs­be­ginn die flugärzt­li­che Un­ter­su­chung und die Zu­verlässig­keitsüber­prüfung nach den Luft­ver­kehrs­be­stim­mun­gen be­stan­den hat und bis zum Ein­tritts­da­tum wei­te­re, im Ein­zel­nen be­zeich­ne­te Be­schei­ni­gun­gen vor­le­gen kann. Die Schu­lung zum Flug­be­glei­ter er­folg­te über die Flug­ge­sell­schaft, die auch die Kos­ten für die Schu­lun­gen über­nahm. Darüber ha­ben die Par­tei­en - eben­falls un­ter dem Da­tum vom 10./13.03.2014 - ei­ne zusätz­li­che Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen, we­gen de­ren In­halt im Ein­zel­nen auf Bl. 13 bis 15 der Ak­te Be­zug ge­nom­men wird. Des Wei­te­ren ha­ben die Par­tei­en un­ter die­sem Da­tum ei­ne Zu­satz­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag bezüglich der Vergütung des Klägers ab­ge­schlos­sen, we­gen de­ren In­halt auf Bl. 16 bis 18 der Ak­te Be­zug ge­nom­men wird.

Nach § 1 des Ar­beits­ver­tra­ges sol­len sich die Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en nach den Ta­rif­verträgen für die Zeit­ar­beit rich­ten, die zwi­schen dem Bun­des­ver­band Zeit­ar­beit Per­so­nal-Dienst­leis­tung e.V. (BZA) und den Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten des DBG auf der an­de­ren Sei­te ge­schlos­sen wur­den.

§ 3 des Ar­beits­ver­tra­ges lau­tet wie folgt:

"§ 3 Be­ginn und Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses

1.Der Ar­beits­ver­trag wird im Rah­men ei­ner Neu­ein­stel­lung be­fris­tet ab­ge­schlos­sen gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG (sach­grund­lo­se Be­fris­tung) für die Zeit vom 28.04.2014 bis zum 31.12.2015. Für die höchst zulässi­ge Be­fris­tungs­dau­er so­wie die An­zahl der mögli­chen Verlänge­run­gen gel­ten die Be­stim­mun­gen des in § 1 Ziff. 1 ge­nann­ten MTV.

2.Der Mit­ar­bei­ter bestätigt mit sei­ner Un­ter­schrift, dass vor Ab­schluss die­ses Ar­beits­ver­tra­ges kein be­fris­te­tes oder un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis mit der H. be­stan­den hat.

3.Auch während ei­ner et­wai­gen Be­fris­tung kann das Ar­beits­verhält­nis von bei­den Par­tei­en nach Maßga­be der Be­stim­mun­gen des MTV und den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen gekündigt wer­den.

4.Nach Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Be­fris­tungs­zeit en­det das Ar­beits­verhält­nis, oh­ne dass es ei­ner ent­spre­chen­den Erklärung ei­ner der Par­tei­en be­darf, so­fern nicht zu­vor die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses schrift­lich ver­ein­bart wur­de.

4.Die ers­ten sechs Mo­na­te nach Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses wer­den als Pro­be­zeit ver­ein­bart."

Die Zif­fer "4." ist - wie vor­ste­hend wie­der­ge­ge­ben - in dem For­mu­lar­ver­trag dop­pelt ver­wen­det. Zur Klar­stel­lung wird die an zwei­ter Stel­le ste­hen­de Zif­fer 4 im Fol­gen­den mit dem Zu­satz "Pro­be­zeit" ver­se­hen.

So­dann wer­den in den §§ 4 bis 7 mit ei­ner Viel­zahl von Un­ter­punk­ten Re­ge­lun­gen über die Ar­beits­zeit, die Ein­grup­pie­rung und Vergütung, die Verpfändung und Ab­tre­tung so­wie über die Zei­ten des Nicht­ein­sat­zes dar­ge­stellt.

§ 8 Zif­fer 1. lau­tet wie folgt:

"§ 8 Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses

1. Für die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses gilt ei­ne Kündi­gungs­frist von 6 Wo­chen zum Mo­nats­en­de. Die nach den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen für den Ar­beit­ge­ber gel­ten­den länge­ren Kündi­gungs­fris­ten gel­ten auch für ei­ne Kündi­gung durch den Mit­ar­bei­ter. Die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor Ar­beits­an­tritt ist aus­ge­schlos­sen."

§ 9 des in § 1 des Ar­beits­ver­tra­ges in Be­zug ge­nom­me­nen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges (im Fol­gen­den: MTV) lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:

§ 9 Be­gründung/Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses

…………

9.3 Die ers­ten sechs Mo­na­te des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses gel­ten als Pro­be­zeit.

Während der Pro­be­zeit kann das Ar­beits­verhält­nis mit ei­ner Frist von ei­ner Wo­che in den ers­ten 3 Mo­na­ten gekündigt wer­den. Da­nach gel­ten die ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten während der Pro­be­zeit gemäß § 622 Abs. 3 BGB von zwei Wo­chen.

Bei Neu­ein­stel­lun­gen kann die Kündi­gungs­frist während der ers­ten zwei Wo­chen des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ar­beits­ver­trag­lich auf ei­nen Tag verkürzt wer­den. Als Neu­ein­stel­lun­gen gel­ten Ar­beits­verhält­nis­se mit Mit­ar­bei­tern, die min­des­tens drei Mo­na­te lang nicht in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber stan­den.

9.4 Im Übri­gen gel­ten für die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber oder den Mit­ar­bei­ter bei­der­seits die Fris­ten des § 622 Abs. 1 und 2 BGB.

Die Kündi­gung hat schrift­lich zu er­fol­gen.

…………"

Mit Schrei­ben vom 05.09.2014 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis zum 20.09.2014, hilfs­wei­se zum nächstmögli­chen Ter­min. Am 08.10.2014 hat der Kläger beim Ar­beits­ge­richt Duis­burg ge­gen die­se Kündi­gung ei­ne Kla­ge er­ho­ben.

Der Kläger hat gerügt, die Be­klag­te ha­be die Kündi­gungs­frist des § 8.1 des Ar­beits­ver­tra­ges nicht ein­ge­hal­ten und hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die­se Rüge nicht in­ner­halb der Kla­ge­frist des § 4 KSchG gel­tend ge­macht wer­den müsse. Die Kündi­gung sei als hilfs­wei­se zum nächstmögli­chen Ter­min aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung aus­zu­le­gen. Die Re­ge­lun­gen hin­sicht­lich der an­zu­wen­den­den Kündi­gungs­frist im Ar­beits­ver­trag sei­en un­klar und hiel­ten als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen ei­ner Recht­wirk­sam­keitsprüfung nicht stand.

Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 05.09.2014 erst zum 31.10.2014 be­en­det wor­den ist.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger ha­be es versäumt, die Kla­ge in­ner­halb der Drei-Wo­chen-Frist des § 4 KSchG zu er­he­ben. Ei­ne Aus­le­gung des Kündi­gungs­schrei­bens sei nicht möglich. Zu­dem sei für den Ar­beit­neh­mer aus § 3 Zif­fer 4 des Ar­beits­ver­tra­ges er­kenn­bar, dass ei­ne Pro­be­zeit ver­ein­bart wor­den sei, die ei­ne verkürz­te Kündi­gungs­frist zur Fol­ge ha­be. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit sei aus Ar­beit­neh­mer­sicht nicht über­ra­schend. Ei­ne AGB-Kon­trol­le könne nicht da­zu führen, dass ein Ar­beit­neh­mer sich nicht mit dem Ar­beits­ver­trag aus­ein­an­der­zu­set­zen ha­be. Ab­ge­se­hen da­von wäre bei ei­ner an­de­ren Sicht­wei­se die Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit voll­kom­men sinn­los.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt, der Kläger sei mit sei­ner Rüge, die Be­klag­te ha­be die Kündi­gungs­frist nicht ein­ge­hal­ten, zwar nicht aus­ge­schlos­sen, da die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung sich als Kündi­gung zum 31.10.2014 aus­le­gen las­se. Die von der Be­klag­ten gewähl­te Kündi­gungs­frist sei je­doch zu­tref­fend. Da die ein­zi­ge ge­setz­li­che Rechts­fol­ge der Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit dar­in lie­ge, dass ei­ne kürze­re Kündi­gungs­frist gel­te, müsse die Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit da­hin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass dies die Rechts­fol­ge des § 622 Abs. 3 BGB zur Fol­ge ha­be. Auf­grund der ge­setz­li­chen Re­ge­lung sei es nicht er­for­der­lich, im Ar­beits­ver­trag die ab­wei­chen­de Kündi­gungs­frist an­zu­ge­ben. Dies gel­te auch dann, wenn an ei­ner an­de­ren Stel­le des Ar­beits­ver­tra­ges an­de­re Kündi­gungs­fris­ten auf­geführt würden, oh­ne dass ein Hin­weis auf die zweiwöchi­ge Kündi­gungs­frist des § 622 Abs. 3 BGB er­fol­ge. Die Pro­be­zeit­klau­sel sei kei­ne über­ra­schen­de Klau­sel im Sin­ne des § 305 c Abs. 1 BGB. Der Kläger könne sich auch nicht auf die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung des § 305 c Abs. 2 BGB oder ei­ne Ver­let­zung des Trans­pa­renz­ge­bots nach § 307 Abs. 1 S. 2 BGB be­ru­fen. Die Sys­te­ma­tik des Ar­beits­ver­tra­ges spre­che da­ge­gen, § 8 Zif­fer 1. auch auf die Pro­be­zeit an­zu­wen­den, denn die Re­ge­lun­gen in § 3 Zif­fer 4. und § 8 Zif­fer 1. sei­en nicht nur in un­ter­schied­li­chen Pa­ra­gra­phen ge­re­gelt, son­dern sie lägen darüber hin­aus noch weit aus­ein­an­der. Zu­dem hätte § 3 Zif­fer 4. des Ar­beits­ver­tra­ges an­sons­ten kei­ner­lei recht­li­che Be­deu­tung mehr. Es sei nicht an­zu­neh­men, dass die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ei­ne Pro­be­zeit ver­ein­ba­ren würden, wenn sie kei­ne Rechts­fol­gen dar­an knüpfen woll­ten.

Ge­gen das ihm am 07.04.2015 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger mit ei­nem am 30.04.2015 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 07.07.2015 mit ei­nem am 07.07.2015 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Mit sei­ner Be­ru­fung rügt der Kläger un­ter Wie­der­ho­lung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens, das Ar­beits­ge­richt sei rechts­feh­ler­haft zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass sich nach Aus­le­gung und In­halts­kon­trol­le aus § 3 Zif­fer 4. des Ar­beits­ver­tra­ges die Ver­ein­ba­rung ei­ner zweiwöchi­gen Kündi­gungs­frist für die ers­ten sechs Mo­na­te nach Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses er­ge­be. Die­sem Aus­le­gungs­er­geb­nis könne nicht ge­folgt wer­den. Aus­weis­lich der Stel­lung des § 3 in­ner­halb der übri­gen Re­ge­lun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges und sei­ner Über­schrift "Be­ginn und Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses" so­wie der Tat­sa­che, dass in den an­de­ren vier Zif­fern des § 3 aus­sch­ließlich Re­ge­lun­gen zur Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­hal­ten sei­en, müsse aus Sicht des ei­nem Ver­brau­cher gleich­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers dort mit ei­ner für ihn nach­tei­li­gen Kündi­gungs­frist nicht ge­rech­net wer­den. Aus der sys­te­ma­ti­schen Stel­lung des § 3 Zif­fer 4. fol­ge, dass die Be­stim­mung nach § 305 c Abs. 1 BGB als über­ra­schen­de Klau­sel un­wirk­sam sei. Der Kläger ha­be dar­auf ver­trau­en können, dass in § 8 Zif­fer 1. die maßgeb­li­chen Vor­schrif­ten zur Kündi­gung ab­sch­ließend ent­hal­ten sei­en. Zu­dem ver­s­toße § 3 Zif­fer 4. ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB, denn sie ste­he in ei­nem Wi­der­spruch zu der in § 8 Zif­fer 1. ge­re­gel­ten Kündi­gungs­frist. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts sei die Re­ge­lung der Pro­be­zeit oh­ne verkürz­te Kündi­gungsmöglich­keit auch nicht sinn­ent­leert. Ihr kom­me zu­min­dest ei­ne Ap­pell­funk­ti­on zu. Ab­ge­se­hen da­von las­se es der Um­stand, dass ei­ne sechswöchi­ge Schu­lung vor­leis­tend zu er­brin­gen sei, als nicht in­ter­es­sen­ge­recht er­schei­nen, wenn an­sch­ließend die Möglich­keit be­ste­hen sol­le, das Beschäfti­gungs­verhält­nis mit ei­ner verkürz­ten Kündi­gungs­frist lösen zu können.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 23.03.2015, 15 Ca 6024/14, ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 05.09.2014 erst zum 31.10.2014 be­en­det wur­de.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts un­ter Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens. Ergänzend weist sie dar­auf hin, der Kläger ver­ken­ne, dass der Ar­beits­ver­trag in § 1 Zif­fer 1. aus­drück­lich auf die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge Be­zug neh­me, mit­hin auch auf § 9.3 des MTV mit der Fol­ge, dass auch oh­ne ei­ne aus­drück­li­che Erwähnung im Ar­beits­ver­trag ei­ne Pro­be­zeit be­stan­den ha­be. In­so­weit kom­me es auf die Wirk­sam­keit der Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung in § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges gar nicht an. Ab­ge­se­hen da­von müsse ein Ar­beit­neh­mer auch un­ter der Über­schrift "Be­ginn und Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses" Re­ge­lun­gen zur Kündi­gung er­war­ten. Ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot lie­ge nicht vor, denn aus § 8 Zif­fer 1. des Ar­beits­ver­tra­ges er­ge­be sich un­miss­verständ­lich, dass die dort ge­re­gel­te Kündi­gungs­frist erst für den Zeit­raum nach der ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit gel­ten sol­le.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend Be­zug ge­nom­men auf die in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen.

E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :

I.

Die statt­haf­te (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässi­ge (§ 64 Abs. 2 ArbGG), form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung (§§ 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. §§ 519, 520 Abs. 3 ZPO) ist zulässig.

II.

Die Be­ru­fung des Klägers ist auch be­gründet. Die Be­ru­fungs­kam­mer ist im Ge­gen­satz zum Ar­beits­ge­richt der Auf­fas­sung, dass auch für die ers­ten sechs Mo­na­te des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en die verlänger­te Kündi­gungs­frist des § 8 Zif­fer 1. des Ar­beits­ver­tra­ges ge­gol­ten hat. Die Be­klag­te kann sich auf § 3 Zif­fer 3. und 4. (Pro­be­zeit) des Ar­beits­ver­tra­ges nicht be­ru­fen, weil die Re­ge­lung in­trans­pa­rent im Sin­ne von § 307 Abs. 1 S. 2 BGB ist. Da­nach be­trug die von der Be­klag­ten ein­zu­hal­ten­de Kündi­gungs­frist sechs Wo­chen zum Mo­nats­en­de. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en wur­de da­her durch die Kündi­gung vom 05.09.2014 nicht be­reits zum 20.09.2014, son­dern erst zum 31.10.2014 be­en­det. Die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts war so­mit ab­zuändern.

1.

Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt zunächst fest­ge­stellt, dass der Kläger mit sei­nem Vor­trag, die Be­klag­te ha­be die Kündi­gungs­frist nicht ein­ge­hal­ten, nicht nach §§ 4, 7 KSchG aus­ge­schlos­sen ist.

Der Kläger muss­te die Nicht­ein­hal­tung der ob­jek­tiv rich­ti­gen Kündi­gungs­frist nicht mit der frist­ge­bun­de­nen Kla­ge nach § 4 S. 1 KSchG gel­tend ma­chen, denn vor­lie­gend führt die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist nicht zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung. Die Kündi­gung lässt sich in ei­ne sol­che mit der recht­lich ge­bo­te­nen Kündi­gungs­frist aus­le­gen und be­darf des­halb kei­ner Um­deu­tung. Dies hat das Ar­beits­ge­richt un­ter Be­ach­tung der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. BAG, Ur­teil vom 01.09.2010, 5 AZR 700/09, zi­tiert nach ju­ris) zu­tref­fend aus­geführt. Die Be­ru­fungs­kam­mer macht sich die dies­bezügli­chen Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts, die von kei­ner Par­tei an­ge­grif­fen wor­den sind, - auch zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen - aus­drück­lich zu Ei­gen.

2.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts hat die Be­klag­te die Kündi­gung al­ler­dings nicht mit der zu­tref­fen­den Kündi­gungs­frist aus­ge­spro­chen. § 3 Zif­fer 3. i.V.m. Zif­fer 4. (Pro­be­zeit) und § 8 Zif­fer 1. des Ar­beits­ver­tra­ges wi­der­spre­chen sich und ver­s­toßen ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB. Die §§ 305 ff BGB und da­mit auch das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB fin­den auf den vor­lie­gen­den For­mu­lar­ar­beits­ver­trag An­wen­dung, weil es sich bei den dar­in ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen zwei­fel­los um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen han­delt, denn der For­mu­lar­ver­trag wird von der Be­klag­ten für ei­ne Viel­zahl von Verträgen gleich­lau­tend ver­wen­det und wur­de dem Kläger bei Ver­trags­ab­schluss ge­stellt (§ 305 Abs. 1 S. 1 und S. 2 BGB). Dies ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig.

Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt zunächst dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung nach § 305 c Abs. 2 BGB nur dann zur An­wen­dung kommt, wenn die Aus­le­gung ei­ner ein­zel­nen Klau­sel in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen min­des­tens zwei Er­geb­nis­se als ver­tret­bar er­schei­nen lässt und kei­nes den kla­ren Vor­zug ver­dient. Wi­der­spre­chen sich hin­ge­gen meh­re­re Klau­seln in­halt­lich, ist § 305 c Abs. 2 BGB un­an­wend­bar und das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB greift ein (vgl. BAG, Ur­teil vom 20.01.2010, 10 AZR 914/08, m.w.N., zi­tiert nach ju­ris).

Nach dem Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB sind Ver­wen­der von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen gemäß den Grundsätzen von Treu und Glau­ben ver­pflich­tet, Rech­te und Pflich­ten ih­rer Ver­trags­part­ner möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen müssen wirt­schaft­li­che Nach­tei­le und Be­las­tun­gen so­weit er­ken­nen las­sen, wie dies nach den Umständen ge­for­dert wer­den kann (vgl. BAG, Ur­teil vom 03.04.2007, 9 AZR 867/06, zi­tiert nach ju­ris). Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen der Ver­trags­re­geln müssen so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Ei­ne Klau­sel ver­letzt das Be­stimmt­heits­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB, wenn sie - im Rah­men des recht­lich und tatsächlich Zu­mut­ba­ren - ver­meid­ba­re Un­klar­hei­ten und Spielräume enthält. Da­bei ist nicht auf den flüch­ti­gen Be­trach­ter, son­dern auf den auf­merk­sa­men und sorgfälti­gen Teil­neh­mer am Wirt­schafts­ver­kehr ab­zu­stel­len. Sinn des Trans­pa­renz­ge­bots ist es, der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird. Ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot liegt des­halb nicht schon dann vor, wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur ei­ne er­schwer­te Möglich­keit hat, die be­tref­fen­de Re­ge­lung zu ver­ste­hen. Erst in der Ge­fahr, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen un­klar ab­ge­fass­ter All­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 307 Abs. 1 BGB (vgl. BAG, Ur­teil vom 10.12.2008, 10 AZR 1/08, zi­tiert nach ju­ris).

Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen verstößt die in § 3 Zif­fer 3. i.V.m. Zif­fer 4. (Pro­be­zeit) ent­hal­te­ne Re­ge­lung der verkürz­ten Kündi­gungs­frist in der Pro­be­zeit ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot und ist un­wirk­sam. Der Wort­laut die­ser Ab­re­de ist für sich ge­nom­men zwar ein­deu­tig. § 3 Zif­fer 3. des Ar­beits­ver­tra­ges re­gelt, dass auch während ei­ner "et­wai­gen Be­fris­tung", die vor­lie­gend ver­ein­bart war, "das Ar­beits­verhält­nis von bei­den Par­tei­en nach Maßga­be der Be­stim­mun­gen des MTV und den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen gekündigt wer­den" kann. § 9.3 des MTV sieht vor, dass die ers­ten sechs Mo­na­te des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses als Pro­be­zeit gel­ten, das Ar­beits­verhält­nis in den ers­ten drei Mo­na­ten mit ei­ner Frist von ei­ner Wo­che gekündigt wer­den kann und da­nach die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist gemäß § 622 Abs. 3 BGB von zwei Wo­chen gilt. In § 9.4 MTV ist ge­re­gelt, dass "im Übri­gen" für die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber oder den Mit­ar­bei­ter bei­der­seits die Fris­ten des § 622 Abs. 1 und Abs. 2 BGB gel­ten. In der zwei­ten Zif­fer 4. (Pro­be­zeit) des § 3 wird - trotz der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung - aus­drück­lich ei­ne Pro­be­zeit von sechs Mo­na­ten ver­ein­bart. Un­ter­stellt, dass der MTV wirk­sam in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zo­gen ist, ist da­mit ex­pli­zit ge­re­gelt, dass ei­ne Pro­be­zeit be­steht, für die - ge­staf­felt nach Zeit­ab­lauf - die ta­rif­ver­trag­lich verkürz­ten bzw. die ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten gel­ten und für die Zeit nach Ab­lauf der Pro­be­zeit die ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten an­zu­wen­den sind. Die Re­ge­lung ist ein­deu­tig und nicht aus­le­gungs­bedürf­tig.

Die­se Re­ge­lung ist je­doch des­halb nicht klar und verständ­lich im Sin­ne von § 307 Abs. 1 S. 2 BGB, weil sie zu der eben­falls im An­stel­lungs­ver­trag un­ter § 8 Zif­fer 1. ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung in Wi­der­spruch steht, die re­gelt, dass "für die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses…ei­ne Kündi­gungs­frist von 6 Wo­chen zum Mo­nats­en­de" gilt. Auch die­se Re­ge­lung ist zwar für sich ge­nom­men ein­deu­tig und da­her nicht aus­le­gungs­bedürf­tig. Sie be­deu­tet vom Wort­laut aus­ge­hend, dass we­der für die ers­ten sechs Mo­na­te des Ar­beits­verhält­nis­ses noch für den Zeit­raum da­nach die ta­rif­ver­trag­li­chen oder die ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten gel­ten sol­len, son­dern da­von ab­wei­chend ei­ne Kündi­gungs­frist von sechs Wo­chen zum Mo­nats­en­de, und zwar - man­gels ei­ner ent­spre­chen­den Ein­schränkung - von Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses an. Bei Ge­genüber­stel­lung der bei­den Ver­trags­klau­seln wird mit­hin er­sicht­lich, dass sie in ei­nem Wi­der­spruch zu­ein­an­der ste­hen. Während § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges für "das Ar­beits­verhält­nis" un­ter Be­zug­nah­me auf den MTV kürze­re bzw. die ge­setz­li­chen Fris­ten zum Ver­trags­in­halt ma­chen will, er­gibt sich aus § 8 Zif­fer 1. ei­ne so­wohl von den ta­rif­ver­trag­li­chen als auch den ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten gänz­lich ab­wei­chen­de, länge­re Kündi­gungs­frist, und zwar oh­ne ei­ne ir­gend­wie ge­ar­te­te Ein­schränkung auf den Zeit­raum nach Ab­lauf der Pro­be­zeit.

Die in § 3 Zif­fer 3. i.V.m. Zif­fer 4. (Pro­be­zeit) ent­hal­te­ne Kündi­gungs­frist fällt da­nach er­satz­los weg. Sie kann nicht et­wa hin­sicht­lich der für die Pro­be­zeit ta­rif­ver­trag­lich bzw. ge­setz­lich ge­re­gel­ten kürze­ren Kündi­gungs­frist auf­recht er­hal­ten blei­ben, denn § 8 Zif­fer 1. des Ar­beits­ver­tra­ges enthält kei­ne Ein­schränkung - et­wa durch Einfügen des Wort­lau­tes "im Übri­gen" oder "nach Ab­lauf der Pro­be­zeit" - die es ermögli­chen könn­te, je­den­falls für den Zeit­raum der Pro­be­zeit auf die ta­rif­ver­trag­li­che bzw. ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist ab­zu­stel­len. In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch die äußere Ge­stal­tung des For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges zu berück­sich­ti­gen. Zwi­schen der - zu­dem dop­pelt ver­ge­be­nen - Zif­fer 4. des § 3 und dem § 8 Zif­fer 1. des Ar­beits­ver­tra­ges sind vier wei­te­re Pa­ra­gra­phen mit ei­ner Viel­zahl un­ter­schied­li­cher, klein­ge­druck­ter und ins­ge­samt unüber­sicht­li­cher Re­ge­lun­gen auf­geführt, die den Blick von den we­sent­li­chen Ver­ein­ba­run­gen ei­nes Ver­tra­ges ab­len­ken und das Verständ­nis des Ver­tra­ges er­heb­lich er­schwe­ren. Wie be­reits aus­geführt, ver­pflich­tet das Trans­pa­renz­ge­bot den Ver­wen­der, Rech­te und Pflich­ten sei­nes Ver­trags­part­ners in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen möglichst klar, ein­fach und präzi­se dar­zu­stel­len. Nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer ist die­ses Ge­bot auch dann ver­letzt, wenn - wie vor­lie­gend - ei­ne Viel­zahl un­ter­schied­li­cher Re­ge­lun­gen auf­ge­stellt wer­den, die es dem durch­schnitt­li­chen Ar­beit­neh­mer - zu­dem un­ter Berück­sich­ti­gung des Schrift­bil­des - nicht ermögli­chen, die­se Re­ge­lun­gen zu über­schau­en und da­mit zu ver­ste­hen. Zu­min­dest wird die In­trans­pa­renz ei­nes Ver­tra­ges da­durch gefördert. Auch für den auf­merk­sa­men und sorgfälti­gen Teil­neh­mer am Wirt­schafts­ver­kehr ist un­ter Berück­sich­ti­gung vor­ste­hend dar­ge­leg­ter Umstände nicht er­kenn­bar, wel­che Kündi­gungs­frist letzt­end­lich An­wen­dung fin­den soll.

Im Fall wi­dersprüch­li­cher Re­ge­lun­gen muss es der Ver­fas­ser All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ge­gen sich gel­ten las­sen, dass nur die sei­nem Ver­trags­part­ner güns­ti­ge Klau­sel wirk­sam ist. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­det da­her § 8 Zif­fer 1. des Ar­beits­ver­tra­ges An­wen­dung mit der Fol­ge, dass ei­ne Kündi­gungs­frist von sechs Wo­chen zum Mo­nats­en­de ein­zu­hal­ten war, und zwar auch während der Pro­be­zeit. Ei­ne in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung länge­rer Kündi­gungs­fris­ten als der in § 622 Abs. 1 bis 3 BGB vor­ge­se­he­nen ist gemäß § 622 Abs. 5 S. 3 BGB zulässig (vgl. BAG, Ur­teil vom 29.01.2015, 2 AZR 280/14, zi­tiert nach ju­ris). Das gilt auch für die Kündi­gungs­frist während der Pro­be­zeit, und zwar auch in vom Ar­beit­ge­ber ge­stell­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (vgl. BAG, Ur­teil vom 28.05.2009, 8 AZR 896/07, zi­tiert nach ju­ris).

Die Be­klag­te muss da­nach ge­gen sich gel­ten las­sen, dass auch für die Pro­be­zeit ei­ne länge­re Kündi­gungs­frist als zwei Wo­chen ver­ein­bart wor­den ist.

Die Be­ru­fungs­kam­mer ver­kennt nicht, dass bei die­ser Wer­tung der Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung mehr zu­kommt und ei­ne Erwähnung im Ar­beits­ver­trag überflüssig ge­we­sen wäre. Al­lein der Um­stand, dass die Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit ent­behr­lich ge­we­sen wäre, weil für das Ar­beits­verhält­nis von An­fang an die in § 8 Zif­fer 1. des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bar­te Kündi­gungs­frist galt, ist - je­den­falls be­zo­gen auf das vor­lie­gend zu be­ur­tei­len­de Ar­beits­ver­trags­for­mu­lar - nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer je­doch nicht ge­eig­net, die Wi­dersprüchlich­keit der Klau­seln zu be­sei­ti­gen. Auch in die­sem Zu­sam­men­hang ist der sys­te­ma­ti­sche Auf­bau des Ar­beits­ver­tra­ges zu berück­sich­ti­gen. § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges ist mit "Be­ginn und Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses" über­schrie­ben. Nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer ist die Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit un­ter die­ser Über­schrift zu­min­dest un­sys­te­ma­tisch, denn sie hat be­griff­lich we­der et­was mit dem "Be­ginn" noch mit der "Dau­er" des Ar­beits­verhält­nis­ses zu tun. Das wäre al­len­falls der Fall ge­we­sen, wenn das Ar­beits­verhält­nis nach Ab­lauf der Pro­be­zeit zunächst sein En­de ge­fun­den hätte, was je­doch nicht der Fall ist. In den §§ 4 bis 7 des Ar­beits­ver­tra­ges fol­gen so­dann Re­ge­lun­gen über die Ar­beits­zeit, die Ein­grup­pie­rung und Vergütung mit An­rech­nungs- und Wi­der­rufs­vor­be­halt, Verpfändung und Ab­tre­tung so­wie die Re­ge­lung von Zei­ten des Nicht­ein­sat­zes mit um­fang­rei­chen Un­ter­punk­ten, in de­nen sämt­li­che Even­tua­litäten ge­gen­sei­ti­ger Rech­te, Pflich­ten und Ansprüche ge­re­gelt sind. Da­nach folgt so­dann un­ter der Über­schrift "Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses" oh­ne wei­te­re Ein­schränkung ei­ne für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten­de, vom Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Kündi­gungs­frist. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner Pro­be­zeit in ei­nem Ver­trags­text, der vier­ein­halb eng be­druck­te Sei­ten um­fasst und ei­ne Viel­zahl unüber­sicht­li­cher Re­ge­lun­gen enthält, in ei­ner dop­pelt ver­ge­be­nen Un­ter­zif­fer ei­nes Pa­ra­gra­phen auf­geführt ist, und zu­dem in Wi­der­spruch zu ei­nem wei­te­ren Pa­ra­gra­phen des Ver­tra­ges steht, reicht nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer auch für den sorgfälti­gen Be­trach­ter nicht aus, um den recht­li­chen Schluss zu zie­hen, dass für die Pro­be­zeit ei­ne verkürz­te Kündi­gungs­frist gel­ten soll. Dies gilt auch - bzw. ins­be­son­de­re - un­ter Berück­sich­ti­gung der Ein­be­zie­hung des MTV, weil die­ser zur Klar­heit der ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen nicht beiträgt. Ge­ra­de durch die Be­zug­nah­me in § 3 Zif­fer 3. auf den MTV er­gibt sich hin­sicht­lich der Länge der an­zu­wen­den­den Kündi­gungs­fris­ten ein Wi­der­spruch. Maßge­bend bei der Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen sind die Verständ­nismöglich­kei­ten des ty­pi­scher­wei­se bei Verträgen der ge­re­gel­ten Art zu er­war­ten­den nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ners, vor­lie­gend des "nicht rechts­kun­di­gen Durch­schnitts­ar­beit­neh­mers" (vgl. BAG, Ur­teil vom 19.03.2008, 5 AZR 429/07, zi­tiert nach ju­ris). Es ist nicht Auf­ga­be des Ar­beit­neh­mers, bei wi­dersprüchli­chen Re­ge­lun­gen recht­li­che Schluss­fol­ge­run­gen auf den wirk­li­chen Wil­len des Ar­beit­ge­bers zu zie­hen, son­dern Auf­ga­be des Ar­beit­ge­bers, der All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen ver­wen­det, sich klar und verständ­lich aus­zu­drücken, was vor­lie­gend auch un­schwer möglich ge­we­sen wäre. Zu­tref­fend hat der Kläger zu­dem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es im Hin­blick auf die vor­ab zu ab­sol­vie­ren­den Schu­lun­gen, die im­mer­hin der Kun­de der Be­klag­ten be­zahlt, auch durch­aus in­ter­es­sen­ge­recht er­scheint, dass auch während der Pro­be­zeit ei­ne länge­re Kündi­gungs­frist ein­zu­hal­ten sein soll. Dar­aus, dass die Be­klag­te die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist verlängert hat - statt vier Wo­chen zum Fünf­zehn­ten oder zum En­de ei­nes Ka­len­der­mo­nats auf sechs Wo­chen zum Mo­nats­en­de - ist in­so­weit auch er­sicht­lich, dass der Be­klag­ten dar­an ge­le­gen war, den Ar­beit­neh­mer für ei­nen länge­ren Zeit­raum an das Ar­beits­verhält­nis zu bin­den, wo­bei vor­lie­gend da­hin­ste­hen kann, ob die von der Be­klag­ten vor­ge­ge­be­ne Kündi­gungs­frist recht­lich zulässig ist. Für den Kläger muss­te es sich da­mit auch im Hin­blick auf die In­ter­es­sen­la­ge kei­nes­wegs auf­drängen, dass die Be­klag­te während der Pro­be­zeit von der ta­rif­ver­trag­lich bzw. ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen verkürz­ten Kündi­gungsmöglich­keit Ge­brauch ma­chen woll­te. Dies gilt ins­be­son­de­re im Hin­blick dar­auf, dass - wie be­reits aus­geführt - ei­ne Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung und ei­ne Verlänge­rung der Kündi­gungs­fris­ten sich nicht aus­sch­ließt, weil auch die Verlänge­rung der Kündi­gungs­frist in der Pro­be­zeit recht­lich zulässig ist. Un­ter den vor­ste­hend dar­ge­leg­ten Ge­ge­ben­hei­ten muss­te der Kläger nicht zwin­gend da­von aus­ge­hen, dass auf­grund der ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit für das Ar­beits­verhält­nis verkürz­te Kündi­gungs­fris­ten gel­ten soll­ten.

Es war mit­hin für den Kläger nicht nur er­schwert fest­stell­bar, son­dern un­klar, wel­che Re­ge­lun­gen auf das kon­kre­te Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den sol­len. Ins­be­son­de­re ist nicht fest­stell­bar, in wel­cher Trag­wei­te die Ta­rif­verträge An­wen­dung fin­den sol­len. Für die Be­klag­te be­steht da­mit ein un­ge­recht­fer­tig­ter Be­ur­tei­lungs­spiel­raum.

In Übe­rein­stim­mung mit dem Bun­des­ge­richts­hof (vgl. BGH, Ur­teil vom 24.05.2006, IV ZR 263/03, zi­tiert nach ju­ris) ist die Be­ru­fungs­kam­mer der Auf­fas­sung, dass be­reits die Un­klar­heit selbst zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung führt, so dass es ei­ner wei­te­ren, ge­son­der­ten Prüfung nicht be­darf.

Auf die Be­ru­fung des Klägers war die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts da­her ab­zuändern.

III.

Als un­ter­lie­gen­de Par­tei hat die Be­klag­te die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen (§§ 64 Abs. 6 ArbGG, 525, 91 ZPO).

IV.

Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

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