HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

ArbG Lin­gen, Ur­teil vom 23.10.2014, 3 Ca 18/14

   
Schlagworte: Massenentlassung, Betriebsrat, Interessenausgleich
   
Gericht: Arbeitsgericht Lingen
Aktenzeichen: 3 Ca 18/14
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 23.10.2014
   
Leitsätze:
Vorinstanzen:
   

Wübbels, Ge­richts­an­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

 

AR­BEITS­GERICHT LIN­GEN

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

3 Ca 18/14

 

In dem Rechts­streit

A., A-Straße, A-Stadt 

Kläge­rin,

Proz.-Bev.: Rechts­anwälte B., B-Straße, B-Stadt

ge­gen

Rechts­an­walt D. , D-Straße, D-Stadt

Be­klag­ter,

Proz.-Bev.: Rechts­anwälte E., D-Straße, D-Stadt

hat die 3. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Lin­gen auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom
23. Ok­to­ber 2014 durch
den Di­rek­tor des Ar­beits­ge­richts Schmedt als Vor­sit­zen­den,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Spek­kers,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Schütte als Bei­sit­zer

für Recht er­kannt:

1. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

2. Die Kos­ten des Rechts­streits hat die kla­gen­de Par­tei zu tra­gen.

3. Der Streit­wert wird auf 8.100,00 € fest­ge­setzt.

4. Die Be­ru­fung wird nicht be­son­ders zu­ge­las­sen.

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung.

Die kläge­ri­sche Par­tei war seit dem 01.07.1992 in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis, zu­letzt mit ei­nem Brut­to­mo­nats­ein­kom­men von 2.700,-- €.

Über das Vermögen der DTF Deut­sche Tex­til­fa­brik GmbH Co. KG wur­de mit Be­schluss des In­sol­venz­ge­richts vom 01.12.2013 das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Der Be­klag­te wur­de zum In­sol­venz­ver­wal­ter be­stellt.

Mit Da­tum vom 23.12.2013 schlos­sen der Be­triebs­rat und der Be­klag­te ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich, nach­dem am 04.12.2013, 12.12.2013 und 19.12.2013 Ver­hand­lun­gen zu dem In­ter­es­sen­aus­gleich statt­ge­fun­den hat­ten. In dem In­ter­es­sen­aus­gleich heißt es aus­zugs­wei­se:

Präam­bel

Ei­ne Auf­recht­er­hal­tung der Pro­duk­ti­on ist an­ge­sichts der Umsätze und der not­wen­di­gen Umsätze von le­dig­lich 1.300.000 € han­delnd und ei­ner mo­nat­li­chen Voll­kos­ten­be­las­tung von 2.000.000 € nicht möglich. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der In­sol­venz­ver­wal­ter mit Zu­stim­mung des vorläufi­gen Gläubi­ger­aus­schus­ses am 01.12.2013 die Be­triebs­stil­le­gung des Un­te­meh­mensträgers DTF im Gan­zen be­schlos­sen.

§ 1 Gel­tungs­be­reich

(1) Die­ser In­ter­es­sen­aus­gleich gilt für al­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter (zukünf­tig aus Gründen der Les­bar­keit zu­sam­men Mit­ar­bei­ter) des Be­trie­bes, so­weit sie von Maßnah­men nach §§ 2,3 die­ses In­ter­es­sen­aus­gleichs be­trof­fen sind und dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz un­ter­lie­gen. Lei­ten­de An­ge­stell­te gern. § 5 Abs. 2 Be­trVG sind aus­drück­lich vom Gel­tungs­be­reich die­ses In­ter­es­sen­aus­gleichs aus­ge­nom­men.

(2) Die ln­sol­venz­schuld­nenn, die DTF Deut­sche Tex­til­fa­brik GmbH & Co. KG, die Bo­thom GmbH, die Ma­ri­do GmbH & Co. KG so­wie die Heim­tex Lo­gis­tik und Ser­vice GmbH und Ri­le­ta GmbH ha­ben ei­nen ge­mein­schaft­li­chen Be­trieb im Sin­ne des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ge­bil­det. Die­ses ha­ben die Fir­men und die Ge­sell­schaf­ten u. a. auch im Ta­rif­ver­trag vom 21.01.2013 und 14.02.2013 ver­ein­bart...
§ 2 Un­ter­neh­me­ri­sche Maßnah­men

(1) Ge­gen­stand des In­ter­es­sen­aus­glei­ches ist die Still­le­gungs­ent­schei­dung des In­sol­venz­ver­wal­ters am 01.12.2013, den Be­trieb des Un­te­meh­mensträgers DTF am Stand­ort in Aschen­dorf zu schließen.

(2) Durch die Be­triebs­still­le­gung ent­fal­len al­le Ar­beitsplätze in sämt­li­chen Be­triebs­tei­len spätes­tens zum 28.02.2014.0b un­te­meh­mensüberg­rei­fen­de Ar­beitsplätze bei den Un­ter­neh­men Ma­ri­do, HLuS und Bo­thom GmbH ent­fal­len, ist nicht Ge­gen­stand die­ses In­ter­es­sen­aus­gleichs.
Die Aus­lauf­pro­duk­ti­on- und Ab­wick­lungs­ar­bei­ten, die bis spätes­tens zum 28 Fe­bru­ar 2014 ab­ge­schlos­sen sein wer­den, wer­den mit Aus­lauf der Pro­duk­ti­on von zur­zeit 90 Mit­ar­bei­tern und 20 Aus­zu­bil­den­den durch­geführt.

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Sämt­li­che übri­gen Mit­ar­bei­ter von ins­ge­samt 257 der DTF sind vom ln­sol­venz­ver­wal­ter be­reits frei­ge­stellt wor­den. Die Ab­wick­lungs­ar­bei­ten er­fol­gen in der Aus­lauf­pro­duk­ti­on, den Be­rei­chen Buch­hal­tung, Per­so­nal und Ver­kauf

(3) Dem­ent­spre­chend wird der ln­sol­venz­ver­wal­ter sämt­li­chen Mit­ar­bei­tern des Be­trie­bes
der DTF be­triebs­be­dingt kündi­gen.

§ 3 Durchführung des Per­so­nal­ab­baus

(1) Der ln­sol­venz­ver­wal­ter wird sämt­li­che bei der DTF beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen ent­las­sen. Die Ent­las­sun­gen wer­den un­ter Ein­hal­tung der je­weils gel­ten­den Kündi­gungs­fris­ten i. V. m. § 113 Ins° durch­geführt. So­mit gilt ei­ne Höchstkündi­gungs­frist von drei Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de, so­fern sich nicht aus den Ein­zel­verträgen oder dem Ta­rif­ver­trag ei­ne kürze­re Kündi­gungs­frist er­gibt.

(2) Die Par­tei­en die­ses In­ter­es­sen­aus­gleichs sind sich darüber ei­nig, dass die Kündi­gun­gen erst ab der 52. Ka­len­der­wo­che 2013, ab dem 27.12.2013 zu­ge­stellt wer­den sol­len.

(3) Al­le Mit­ar­bei­ter, für die ei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit nicht mehr be­steht, können bis zum recht­li­chen En­de ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter An­rech­nung be­ste­hen­der Rest­ur­laubs- und sons­ti­ger Frei­zeit­aus­gleichs­ansprüche frei­ge­stellt wer­den. Ein An­spruch auf Frei­stel­lung be­steht nicht.

§ 4 Kündi­gung der Ar­beits­verhält­nis­se

4. 1. Na­mens­lis­te gem.§ § 1 Abs. 5 KSchG, 125 In­sO, 111 Be­trVG
Die zu kündi­gen­den Mit­ar­bei­ter der DTF wer­den in der die­sem In­ter­es­sen­aus­gleich als An­la­ge 1 bei­gefügten Na­mens­lis­te, die voll­in­halt­lich Be­stand­teil des In­ter­es­sen­aus­gleichs ist, na­ment­lich be­nannt. Die So­zi­al­da­ten sämt­li­cher Mit­ar­bei­ter so­wie Kündi­gungs­fris­ten sind in der Na­mens­lis­te ent­hal­ten. Der Be­triebs­rat bestätigt die Vollständig­keit der Na­mens­lis­te. Soll­te wi­der Er­war­ten ein Mit­ar­bei­ter des Be­triebs DTF nicht auf der Na­mens­lis­te ver­merkt sein, so be­steht Ei­nig­keit, dass auch sol­che Mit­ar­bei­ter der DTF vom In­ter­es­sen­aus­gleich er­fasst sind und auch sol­chen Mit­ar­bei­tern mit Wir­kung zu dem im § 2 des In­ter­es­sen­aus­gleichs ge­nann­ten Da­tum gekündigt wer­den kann.
Die Be­triebs­par­tei­en ge­hen auch da­von aus, dass für Mit­ar­bei­ter, die sich be­reits in der Frei­stel­lungs­pha­se der Al­ters­teil­zeit be­fin­den, ei­ne or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung we­gen Be­triebs­sch­ließung aus Rechts­gründen nicht mehr möglich ist (Ver­glei­che: BAG, Ur­teil vom 05.12.2002, Az: 2 AZR 571/01). Es be­fin­den sich der­zeit vier Mit­ar­bei­ter in der Frei­stel­lungs­pha­se in der Al­ters­teil­zeit. Die­se sind so­mit von der Kündi­gung nicht be­trof­fen. Im Zu­ge der Be­triebsände­rung wer­den die be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­se nach Ab­schluss des In­ter­es­sen­aus¬gleichs zum in §§ 2,3 vor­her ge­nann­ten Zeit­punkt un­verzüglich un­ter Be­ach­tung der je­weils ein­zu­hal­ten­den Kündi¬gungs­fris­ten aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründen gekündigt. So­weit für den Aus­spruch der Kündi­gung Zu­stim¬mung von Behörden ein­ge­holt wer­den muss (z. 8, nach SGB IX, BEEG, MuSchG) wer­den die­se vor Aus­spruch der Kündi­gung vom In­sol­venz­ver­wal­ter ein­ge­holt.

4.2 So­zi­al­aus­wahl
Da es sich um ei­ne ein­heit­li­che Sch­ließung des Be­trie­bes der DTF zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt han­delt und al­le Mit­ar­bei­ter des Be­triebs ein­heit­lich be­trof­fen sind, ist ei­ne So­zi­al­aus­wahl nicht er­for­der­lich.

§ 5 So­zi­al­plan
Zum Aus­gleich bzw. zur Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le, die den Mit­ar­bei­tern durch Be­triebs­still­le­gung ent­ste­hen, wird ein So­zi­al­plan ab­ge­schlos­sen. Die­ser So­zi­al­plan ist in der Da­tie­rungshöhe nicht ab­sch­ließend. Dies er­gibt sich aus den Ver­ein­ba­run­gen aus dem Ta­rif­ver­trag vom 21.01.2013 zwi­schen der Bo­t­horn GmbH, der DTF Deut­sche Tex­til­fa­brik GmbH & Co. KG; der Ma­ri­do GmbH & Co. KG; der Heim­tex und Lo­gis­tik Ser­vice GmbH und der IG Me­tall Be­zirk Küste Be­zirks­lei­tung Ham­burg so­wie dem An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag mit der Ri­le­ta GmbH vom 14.02.2013 (An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag).

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Der Be­triebs­rat wird da­her mit den ge­nann­ten wei­te­ren Un­ter­neh­men, mit Aus­nah­me der DTF, ei­nen wei­te­ren, ergänzen­den In­ter­es­sens­aus­gleich und So­zi­al­plan bezüglich der wei­te­ren Be­triebs­tei­le, der Er­rich­tung ei­ner Trans¬fer­ge­sell­schaft oder der Erhöhun­gen der Ab­fin­dun­gen die­ses So­zi­al­plans im Rah­men ei­nes wei­te­ren So­zi­al­plans ver­ein­ba­ren.
Der hier ge­schlos­se­ne ln­ter­es­sens­aus­gleich und der da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hen­de zwi­schen den Par­tei­en In­sol­venz­ver­wal­ter und Be­triebs­rat ab­zu­sch­ließen­de So­zi­al­plan sind aus­sch­ließlich zwi­schen dem In­sol­venz­ver­wal­ter und dem Be­triebs­rat ab­sch­ließend, nicht je­doch ge­genüber den an­de­ren in Ab­satz 1 ge­nann­ten Un­ter­neh¬men mit Aus­nah­me der DTF Deut­sche Tex­til­fa­brik GmbH & Co. KG.

§ 8 Anhörung des Be­triebs­ra­tes gern. § 102 Be­trVG
Im Hin­blick auf die be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen der Mit­ar­bei­ter be­steht Ei­nig­keit
zwi­schen den Par­tei­en darüber, dass der Be­triebs­rat im Rah­men der In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen gern. § 102 Be­trVG un­ter­rich­tet und be­tei­ligt wor­den ist. Ihm sind ins­be­son­de­re die Na­men der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter, die Ge­burts­da­ten, die Dau­er
der Be­triebs­zu­gehörig­keit, die Tätig­keit, die Fa­mi­li­enstände, die Un­ter­halts­pflich­ten, die Schwer­be­hin­de­rung, ei­ne Gleich­stel­lung, be­son­de­rer Kündi­gungs­schutz so­wie die je­wei­li­gen Kündi­gungs­fris­ten und -ter­mi­ne mit­ge­teilt wor­den. Fer­ner wur­den dem Be­triebs­rat sämt­li­che Mit­ar­bei­ter ge­nannt, die laut Ta­rif­ver­trag, Ar­beits­ver­trag or­dent­lich unkünd­bar sind oder an­der­wei­tig Son­derkündi­gungs­schutz ge­nießen.
Der Be­triebs­rat nimmt die Be­triebs­sch­ließung und den da­mit ein­her­ge­hen­den
Per­so­nal­ab­bau mit Be­dau­ern zur Kennt­nis.
Nach Erörte­rung und Anhörung folg­te ei­ne Sit­zung des be­schlussfähi­gen Be­triebs­ra­tes. Die Be­schlüsse er­folg­ten in Ab­we­sen­heit der Ar­beit­ge­ber­sei­te.
Der Be­triebs­rat bestätigt, im Rah­men der Erörte­rung und zur Er­stel­lung der Na­mens­lis­te, An­la­ge 1 zu die­sem In­ter­es­sen­aus­gleich, zu al­len Kündi­gun­gen ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den zu sein.
Er erklärt, dass da­mit das Ver­fah­ren gern. § 102 Be­trVG ab­ge­schlos­sen ist.

§ 10 Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 Kündi­gungs­schutz­ge­setz
Der Be­triebs­rat wur­de im Rah­men der Ver­hand­lun­gen zu die­sem In­ter­es­sen­aus­gleich am 04.12.2013 recht­zei­tig und vollständig nach § 17 Abs. 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz un­ter­rich­tet. So­dann ha­ben In­sol­venz­ver­wal­ter und Be­triebs­rat am 12.12.2013 noch­mals die Möglich­keit be­ra­ten, Ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder ein­zu­schränken und ih­re Fol­gen zu min­dern. Die Be­triebs­par­tei­en sind sich ei­nig, dass den in der An­la­ge 1 zu die­sem In­ter­es­sen¬aus­gleich auf­geführ­ten Mit­ar­bei­tern be­triebs­be­dingt zu kündi­gen ist. Dies ist kein Präju­diz für die in § 9 die­ses In­ter­es­sen­aus­gleichs fest­ge­hal­te­ne un­ter­schied­li­che Rechts­auf­fas­sung zur Kündi­gung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern. Der Be­triebs­rat bestätigt die Be­en­di­gung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens und er­teilt sei­ne Zu­stim­mung zu den gemäß § 17 ff. Kündi­gungs­schutz­ge­setz ab­zu­ge­ben Der In­sol­venz­ver­wal­ter wird der zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit sei­ne An­zei­ge gemäß § 17 Kündi­gungs­schutz­ge­setz i. V. m. § 125 Abs. 2 ln­sO die­sem In­ter­es­sen­aus­gleich vor­le­gen.

Mit Schrei­ben vom 17.01.2014 er­teil­te die Agen­tur für Ar­beit die Zu­stim­mung zu den in der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge an­ge­zeig­ten 257 Ent­las­sun­gen.
Der Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 27.12.2013 zum 31.03.2014.

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Die kläge­ri­sche Par­tei be­strei­tet das Vor­lie­gen von Kündi­gungs­gründen.

Die kläge­ri­sche Par­tei be­an­tragt,

es wird fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en ab­ge­schlos­se­ne Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 27.12.2013 nicht auf­gelöst wor­den ist.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te be­haup­tet, es lie­ge ein ord­nungs­gemäßer In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te vor. Der In­ter­es­sen­aus­gleich sei ins­ge­samt vor der Un­ter­zeich­nung ein­sch­ließlich der Na­mens­lis­te geäst und von den Be­tei­lig­ten pa­ra­phiert und un­ter­zeich­net wor­den. Text und Na­mens­lis­te sei­en körper­lich fest mit­ein­an­der ver­bun­den wor­den. Dies gel­te für al­le Aus­fer­ti­gun­gen.
Es sei­en al­le Ar­beit­neh­mer in der Na­mens­lis­te auf­ge­nom­men wor­den, in je­dem Fal­le aber die Kla­ge­par­tei. Auf­grund des ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te würde das Vor­lie­gen drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe nach § 125 Abs. 1 Satz 1 Zif­fer 1 In­sO ver­mu­tet.

Die Be­klag­te be­haup­tet wei­ter, er ha­be den ernst­li­chen und endgülti­gen Be­schluss ge­fasst, den schuld­ne­ri­schen Geschäfts­be­trieb dau­er­haft ein­zu­stel­len. Der Gläubi­ger­aus­schuss ha­be nach § 158 Ab­satz 1 In­sO zu­ge­stimmt. Sämt­li­chen Mit­ar­bei­tern/-in­nen sei gekündigt wor­den. Es ha­be le­dig­lich während der noch lau­fen­den Kündi­gungs­fris­ten bis En­de Fe­bru­ar 2014 ei­ne Aus­pro­duk­ti­on statt­ge­fun­den.

Die ge­trof­fe­ne Still­le­gungs­ent­schei­dung ha­be auch greif­ba­re For­men an­ge­nom­men.
Die Ay­rus Han­del- und Un­ter­neh­mens­be­ra­tung GmbH sei mit der Ver­wer­tung des ge­sam­ten An­la­ge- und Um­lauf­vermögens nach Be­en­di­gung der Aus­lauf­pro­duk­ti­on be­auf­tragt wor­den. Ei­ne Viel­zahl von Ma­schi­nen sei im Rah­men ei­ner Ein­zel­ver­wer­tung veräußert wor­den. Der auf ein Jahr be­fris­tet ge­schlos­se­ne Gas­lie­fe­rungs­ver­trag sei En­de März 2014 aus­ge­lau­fen. Ei­ne Pro­duk­ti­on sei des­halb - auch auf­grund der Ma­schi­nen­veräußerun­gen - tech­nisch gar nicht mehr möglich.

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Seit März 2014 würden nur noch Ab­wick­lungs­ar­bei­ten vor­ge­nom­men durch Beschäftig­te des Ver­wer­tungs­un­ter­neh­mens.

Auf­grund der Kündi­gung sämt­li­cher Ar­beit­neh­mer sei ei­ne So­zi­al­aus­wahl ent­behr­lich ge­we­sen. Ein et­waig be­ste­hen­der Ge­mein­schafts­be­trieb sei auf­grund der Still­le­gungs­ent­schei­dung auf­gelöst wor­den.

Der Be­triebs­rat sei vor Aus­spruch der Kündi­gung im Rah­men der um­fang­rei­chen Ver­hand­lun­gen zu dem In­ter­es­sen­aus­gleich an­gehört wor­den.
Dem Be­triebs­rat sei­en je­weils die So­zi­al­da­ten der Mit­ar­bei­ter/-in­nen mit­ge­teilt wor­den mit den ent­spre­chen­den Kündi­gungs­ter­mi­nen. Dies er­ge­be sich im Übri­gen auch aus dem In­halt des In­ter­es­sen­aus­gleichs und der Na­mens­lis­te. Ein sub­stan­ti­ier­tes Be­strei­ten der kläge­ri­schen Par­tei lie­ge nicht vor.
Zu­dem ha­be der Be­triebs­rat vor Un­ter­zeich­nung des In­ter­es­sen­aus­gleichs am 23.12.2013 ein Anhörungs­schrei­ben er­hal­ten. In­so­fern ha­be der Be­klag­te auch nicht die Wo­chen­frist ab­war¬ten müssen, da dies we­gen der Erklärung des Be­triebs­ra­tes in § 8 des In­ter­es­sen­aus­gleichs ei­ne bloße Förme­lei ge­we­sen wäre.

Am 27.12.2013 um 11.45 Uhr ha­be der Be­klag­te ge­genüber der Agen­tur für Ar­beit die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge gemäß § 17 KSchG er­stat­tet.
Herr Rechts­an­walt Brandt ha­be die­se persönlich bei der Agen­tur für Ar­beit in Nord­horn vor­bei­ge­bracht. Ins­be­son­de­re ha­be auch ein Ori­gi­nal der Be­triebs­ver­ein­ba­rung über ei­nen In­te-res­sen­aus­gleich der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge bei­ge­le­gen.
Da­nach sei Herr Brandt ins Büro ge­fah­ren und ha­be die Fer­tig­stel­lung und Ver­sen­dung der Kündi­gungs­schrei­ben ver­an­lasst.
Der Be­triebs­rat sei vollständig nach § 17 Ab­satz 2 KSchG in­for­miert wor­den, was er auch in § 10 des In­ter­es­sen­aus­gleichs bestätigt ha­be.

Bei ei­ner ord­nungs­gemäßen Durchführung des Ver­fah­rens nach den §§ 111 ff Be­trVG sei auch den An­for­de­run­gen des § 17 Ab­satz 2 KSchG genüge ge­tan.
Auf­grund der Un­ter­zeich­nung des In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te sei nach § 125 Ab­satz 2 In­sO die ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me im Sin­ne des § 17 Ab­satz 3 Satz 2 KSchG er-setzt.

Die kläge­ri­sche Par­tei be­strei­tet ei­ne Be­triebs­still­le­gung, ins­be­son­de­re sei­en Ar­beit­neh­mer über den 28.02.14 bzw. 31.03.14 wei­ter beschäftigt wor­den.

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Die Schuld­ne­rin gehöre der sog. „Bo­t­horn-Grup­pe" an. Die­se sei für ei­ne Spar­te, nämlich für die Pro­duk­ti­on und Ver­ede­lung von Tex­ti­li­en, zuständig ge­we­sen. Der Ge­mein­schafts­be­trieb sei zum Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung noch nicht auf­gelöst ge­we­sen. Ein Ge­mein­schafts­be­trieb sei im In­ter­es­sen­aus­gleich so­gar aus­drück­lich bestätigt wor­den und fol­ge auch aus ei­nem mit der IG Me­tall ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag zur Führung ei­nes Ge­mein­schafts­be­trie­bes vom 21.01.2013. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die­sen Ta­rif­ver­trag Be­zug ge­nom­men.

Die übri­gen Be­trie­be beschäftig­ten di­ver­se mit der Kla­ge­par­tei ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer, die deut­lich we­ni­ger so­zi­al schutz­bedürf­tig sei­en.
Die Na­mens­lis­te sei als An­la­ge 1 zum In­ter­es­sen­aus­gleich mit die­sem nicht fest ver­bun­den ge­we­sen im Sin­ne ei­ner ein­heit­li­chen Ur­kun­de, als die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Frau Wes­sels un­ter­zeich­net ha­be.
Es sei­en auch nicht sämt­li­che Ar­beit­neh­mer in die Na­mens­lis­te auf­ge­nom­men wor­den.

Es lie­ge kei­ne ord­nungs­gemäße Be­triebs­rats­anhörung vor. Dem Be­triebs­rat sei­en we­sent­li­che In­for­ma­tio­nen vor­ent­hal­ten ge­blie­ben. Der Be­triebs­rat ha­be kei­ne Kennt­nis von den Kündi­gungs­ter­mi­nen er­hal­ten.
Das Anhörungs­schrei­ben sei von Rechts­an­walt Brandt un­ter­zeich­net. Ei­ne Be­vollmäch­ti­gung wer­de mit Nicht­wis­sen be­strit­ten.

Ei­ne ord­nungs­gemäße Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge lie­ge nicht vor. Die Be­klag­te ha­be nur Sei­te 1 vor­ge­legt. Tatsächlich sei die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge erst um 14.45 Uhr er­stat­tet wor­den. Die Kündi­gung sei noch vor Ein­gang der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge zur Post ge­ge­ben wor­den. Das Vor­brin­gen des Be­klag­ten sei un­sub­stan­ti­iert.

Trotz § 10 des In­ter­es­sen­aus­gleichs ha­be ei­ne not­wen­di­ge schrift­li­che Un­ter­rich­tung des Be­triebs­ra­tes gemäß § 17 Ab­satz 2 Satz 1 KSchG nicht statt­ge­fun­den. Am 04.12. und 12.12.2014 hätten le­dig­lich ln­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen statt­ge­fun­den, oh­ne dass von Mas­sen­ent­las­sun­gen die Re­de ge­we­sen sei. Ein Schriftstück, das die An­ga­ben des § 17 Ab­satz 2 Satz 1 KSchG ent­hal­te sei dem Be­triebs­rat nicht vor­ge­legt wor­den; dies sei ein Schrift­form­ver­s­toß. § 17 Ab­satz 2 Satz 1 KSchG ver­lan­ge die ge­setz­li­che Schrift­form nach § 126 BGB.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze und die zu den Ak­ten ge­reich­ten An­la­gen ver­wie­sen.

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Ent­schei­dungs­gründe

 

Die Kündi­gung des be­klag­ten In­sol­venz­ver­wal­ters vom 27.12.2013 be­en­de­te das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zum aus­ge­spro­che­nen Ter­min.

Die Kündi­gung ist nicht so­zi­al­wid­rig im Sin­ne von § 1 Abs. 2 und Abs. 3 KSchG. Sie ist durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se iSv. § 1 Abs. 2 Satz 1 Var. 3 KSchG be­dingt, die ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung der kläge­ri­schen Par­tei ent­ge­gen­ste­hen. Die Ver­mu­tung des § 125 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Ins° ist nicht wi­der­legt.

1.
Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 125 Abs. 1 Satz 1 ln­sO sind erfüllt.

a)
Dass ei­ne Be­triebsände­rung nach § 111 Be­trVG vor­liegt, die für die Kündi­gung des Ar­beit­neh­mers kau­sal ist, und der Ar­beit­neh­mer in dem In­ter­es­sen­aus­gleich ord­nungs­gemäß be-nannt wur­de, hat der Ar­beit­ge­ber sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen und ggf. zu be­wei­sen (BAG vom 12.05.2010 - 2 AZR 551/08).

b)
Die Kündi­gung be­ruht auf ei­ner Be­triebsände­rung iSv. § 111 Satz 3 Nr. 1 Be­trVG.
Um ei­ne Be­triebsände­rung han­delt es sich auch bei ei­nem bloßen Per­so­nal­ab­bau, wenn die Zah­len und Pro­zent­an­ga­ben des § 17 Abs. 1 KSchG er­reicht sind (vgl. die ständi­ge Rspr. des BAG 20. Sep­tem­ber 2012 - 6 AZR 253/11 - Rn. 46 mwN). Aus­schlag­ge­bend ist die Zahl der in ei­nem Be­trieb er­fol­gen­den Kündi­gun­gen im Verhält­nis zur Zahl der in der Re­gel in die­sem Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer.
Der Per­so­nal­ab­bau über­schritt die Zah­len­wer­te des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG, da al­le 257 Mit­ar­bei­ter der Ge­mein­schuld­ne­rin ent­las­sen wor­den sind und da­mit der Schwel­len­wert des § 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KSchG von mehr als 25 zu Kündi­gen­den er­reicht ist.

c)
Es liegt ein form­ge­rech­ter In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te vor.

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aa)
Die Na­mens­lis­te weist den Na­men der kla­gen­den Par­tei aus, was von ihr auch nicht näher be­strit­ten wor­den ist.

bb)
Na­mens­lis­te und In­ter­es­sen­aus­gleich wa­ren vor der Un­ter­zeich­nung durch den In­sol­venz­ver­wal­ter und die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Frau Wes­sels fest mit­ein­an­der ver­bun­den. Dies steht zur Über­zeu­gung der Kam­mer nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me fest.

Sind bei ei­ner Be­triebsände­rung nach § 111 Be­trVG die Ar­beit­neh­mer, de­nen gekündigt wer­den soll, in ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat na­ment­lich be­zeich­net, so wird nach § 125 I In­sO zum ei­nen ver­mu­tet, dass die Kündi­gung durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se iSv. § 1 Abs. 2 KSchG be­dingt ist. Zum an­de­ren kann die so­zia­le Aus­wahl nur noch auf gro­be Feh­ler­haf­tig­keit über­prüft wer­den.
Nach § 112 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ist ein In­ter­es­sen­aus­gleich über ei­ne ge­plan­te Be­triebsände­rung schrift­lich nie­der­zu­le­gen und vom Un­ter­neh­mer und vom Be­triebs­rat zu un­ter­schrei­ben. Auf das ge­setz­li­che Schrift­for­mer­for­der­nis sind die §§ 125, 126 BGB an­wend­bar. Nach § 126 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 BGB muss bei ei­nem Ver­trag die Un­ter­zeich­nung der Par­tei­en ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift auf der­sel­ben Ur­kun­de er­fol­gen. Da § 125 In­sO ver­langt, dass die zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer „in ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich na­ment­lich be­zeich­net" wer­den, er­streckt sich das Schrift­for­mer­for­der­nis auch auf die Na­mens­lis­te. Ihm wird oh­ne wei­te­res Genüge ge­tan, wenn die Na­mens­lis­te zwar nicht im In­ter­es­sen­aus­gleich selbst, son­dern in ei­ner An­la­ge ent­hal­ten ist, und In­ter­es­sen­aus­gleich und Na­mens­lis­te ei­ne ein­heit­li¬che Ur­kun­de bil­den (st. Rspr., BAG vom 6. Ju­li 2006 - 2 AZR 520/05 - Rn. 33; 7. Mai 1998 - 2 AZR 55/88 -).

Ei­ne ein­heit­li­che Ur­kun­de liegt un­zwei­fel­haft vor, wenn so­wohl In­ter­es­sen­aus­gleich als auch Na­mens­lis­te un­ter­schrie­ben und von An­fang an körper­lich mit­ein­an­der ver­bun­den sind.
Ei­ne ein­heit­li­che Ur­kun­de kann aber selbst dann vor­lie­gen, wenn die Na­mens­lis­te ge­trennt vom In­ter­es­sen­aus­gleich er­stellt wor­den ist. Vor­aus­set­zung ist, dass im In­ter­es­sen­aus­gleich auf die zu er­stel­len­de Na­mens­lis­te ver­wie­sen wird, die er­stell­te Na­mens­lis­te - eben­so wie zu­vor der In­ter­es­sen­aus­gleich - von den Be­triebs­par­tei­en un­ter­schrie­ben wor­den ist und die Lis­te ih­rer­seits ein­deu­tig auf den In­ter­es­sen­aus­gleich Be­zug nimmt (vgl. BAG vom 22. Ja­nu­ar 2004 - 2 AZR 111/02 - AP Be­trVG 1972 § 112 Na­mens­lis­te Nr. 1 = EzA KSchG § 1 In­te­res¬sen­aus­gleich Nr. 11; 6. Ju­li 2006 - 2 AZR 520/05 - aaO).

Das BAG hat fer­ner an­ge­nom­men, dass auch ei­ne nicht un­ter­schrie­be­ne Na­mens­lis­te als An­la­ge die Schrift­form noch wahrt, wenn die Un­ter­schrift un­ter dem In­ter­es­sen­aus­gleich sie

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als des­sen Teil noch deckt. Das ist der Fall, wenn der In­ter­es­sen­aus­gleich selbst un­ter­schrie­ben ist, in ihm auf die An­la­ge aus­drück­lich Be­zug ge­nom­men wird und In­ter­es­sen­aus­gleich und An­la­ge schon bei des­sen Un­ter­zeich­nung mit ei­ner Heft­ma­schi­ne körper­lich der­art mit­ein­an­der ver­bun­den wa­ren, dass ei­ne Lösung nur durch Ge­walt­an­wen­dung (Lösen der Heft¬klam­mer) möglich war (BAG vom 6. Ju­li 2006 - 2 AZR 520/05 - ; 6. De­zem­ber 2001 - 2 AZR 422/00 -).

Nach die­sen Grundsätzen lag ein form­ge­rech­ter In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te vor Un­ter­zeich­nung des­sel­ben vor.
§ 4 des In­ter­es­sen­aus­gleichs nimmt aus­drück­lich auf die An­la­ge 1 zum In­ter­es­sen­aus­gleich, al­so der „bei­gefügten Na­mens­lis­te" Be­zug.
Der Zeu­ge Brandt hat in sich wi­der­spruchs­frei und de­tail­liert den Ab­lauf der Un­ter­zeich­nung des In­ter­es­sen­aus­gleichs und de­ren fes­te Ösung mit der Na­mens­lis­te be­schrie­ben und erläu¬tert, dass er vor der Un­ter­zeich­nung selbst die fes­te Ver­bin­dung zwi­schen dem Text des In­ter­es­sen­aus­gleichs und der Na­mens­lis­te her­bei­geführt hat und dann nach Un­ter­zeich­nung durch den In­sol­venz­ver­wal­ter die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Frau Wes­sels am 23.12.2014 den mit der Na­mens­lis­te fest ver­bun­de­nen In­ter­es­sen­aus­gleich un­ter­zeich­net hat. In­so­weit kann die Kam­mer da­hin­ste­hen las­sen, ob nicht be­reits die er­folg­te Pa­ra­phie­rung der ein­zel­nen Sei­ten der Na­mens­lis­te aus­rei­chend sein kann, je­den­falls steht im Sin­ne der zu­vor zi­tier­ten Recht­spre­chung des BAG da­mit fest, dass In­ter­es­sen­aus­gleich und Na­mens­lis­te vor der Un­ter­zeich­nung körper­lich fest ver­bun­den wa­ren. An­zei­chen für ein nicht glaubwürdi­ges Aus­sa­ge­ver­hal­ten des Zeu­gen Brandt sind nicht er­sicht­lich.

Die Aus­sa­gen der ge­gen­be­weis­lich be­nann­ten Zeu­gen Mi­chels (stellv. Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der) und Wes­sels (Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de) wa­ren da­ge­gen nicht er­gie­big. Bei­de Zeu­gen konn­ten sich an den Ge­sche­hens­ab­lauf kaum noch er­in­nern und ga­ben dies in ih­rer Aus­sa­ge auch freimütig zu. Sie stell­ten aus ih­rer Er­in­ne­rung nur noch va­ge Ver­mu­tun­gen an, oh­ne dass die Kam­mer aus ih­ren Aus­sa­gen ver­wert­ba­re De­tails ent­neh­men konn­te, wo­bei die Zeu­gin Wes­sels letzt­lich den Vor­trag des Be­klag­ten so­gar bestätigt hat, oh­ne je­doch die ein­zel­nen Abläufe im De­tail wie­der­ge­ben zu können.

Da­mit hat die Kam­mer von ei­nem form­ge­rech­ten In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te aus­zu­ge­hen.

2.
Die kla­gen­de Par­tei hat die Ver­mu­tung des § 125 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Ins° nicht wi­der­legt.

a)
Liegt - wie im vor­lie­gen­den Rechts­streit - ein wirk­sa­mer In­ter­es­sen­aus­gleich im Sin­ne des § 111 Be­trVG vor, wirkt die Ver­mu­tung nach § 292 ZPO für den Be­klag­ten. Er braucht die Be­triebs­be­dingt­heit der Kündi­gung nicht im Ein­zel­nen vor­zu­tra­gen. Für den Ar­beit­neh­mer bzw. die Ar­beit­neh­me­rin genügt es dann nicht, nur den ge­setz­lich ver­mu­te­ten Um­stand in Zwei­fel zu zie­hen. Viel­mehr ist sub­stan­ti­ier­ter Tat­sa­chen­vor­trag er­for­der­lich, der die Ver­mu­tung aus­sch­ließt. Die Par­tei muss vor­tra­gen, wes­halb der Ar­beits­platz trotz der Be­triebsände­rung noch vor­han­den ist oder wo er sonst im Be­trieb im bis­he­ri­gen Um­fang beschäftigt wer­den kann (Ascheid/Preis/Schmidt, Kündi­gungs­recht, 4. Auf­la­ge, § 1 KSchG Rn. 809).

b)
Zu den drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen gehört die Still­le­gung des ge­sam­ten Be­triebs durch den Ar­beit­ge­ber. Un­ter Be­triebs­still­le­gung ist die Auflösung der zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer be­ste­hen­den Be­triebs- und Pro­duk­ti­ons­ge­mein­schaft zu ver­ste­hen, die ih­re Ver­an­las­sung und zu­gleich ih­ren un­mit­tel­ba­ren Aus­druck dar­in fin­det, dass der Un­ter­neh­mer die bis­he­ri­ge wirt­schaft­li­che Betäti­gung in der ernst­li­chen Ab­sicht ein­stellt, die Ver­fol­gung des bis­he­ri­gen Be­triebs­zwecks dau­ernd oder für ei­ne ih­rer Dau­er nach un­be­stimm­te, wirt­schaft­lich nicht un­er­heb­li­che Zeit­span­ne nicht wei­ter zu ver­fol­gen. Der Ar­beit­ge­ber ist al­ler­dings nicht ge­hal­ten, ei­ne Kündi­gung erst nach Durchführung der Still­le­gung aus­zu­spre­chen. Es kommt auch ei­ne Kündi­gung we­gen be­ab­sich­tig­ter Still­le­gung in Be­tracht. Wird die Kündi­gung auf die künf­ti­ge Ent­wick­lung der be­trieb­li­chen Verhält­nis­se gestützt, so kann sie aus­ge­spro­chen wer­den, wenn die be­tref­fen­den be­trieb­li­chen Umstände greif­ba­re For­men an­ge­nom­men ha­ben. Sol­che greif­ba­ren For­men lie­gen vor, wenn im Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung auf Grund ei­ner vernünf­ti­gen, be­triebs­wirt­schaft­li­chen Be­trach­tung da­von aus­zu­ge­hen ist, zum Zeit­punkt des Kündi­gungs­ter­mins sei mit ei­ni­ger Si­cher­heit der Ein­tritt ei­nes die Ent­las­sung er­for­der­lich ma­chen­den be­trieb­li­chen Grun­des ge­ge­ben (BAG vom 24.02.2005 - 2 AZR 214/04 -).
Der Ernst­haf­tig­keit der Still­le­gungs­ab­sicht steht nicht ent­ge­gen, dass sich der Ar­beit­ge­ber ent­schlos­sen hat, die gekündig­ten Ar­beit­neh­mer in ih­rer je­wei­li­gen Kündi­gungs­frist noch für die Ab­ar­bei­tung vor­han­de­ner Auf­träge ein­zu­set­zen, statt die frag­li­chen Ar­bei­ten so­fort ein­zu­stel­len. Der Ar­beit­ge­ber erfüllt da­mit ge­genüber den tatsächlich ein­ge­setz­ten Ar­beit­neh­mern le­dig­lich sei­ne auch im be­reits gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis be­ste­hen­de Beschäfti­gungs­pflicht. Durch ei­nen sol­chen Still­le­gungs­be­schluss, wenn er im Zeit­punkt der Kündi­gung be­reits greif­ba­re For­men an­ge­nom­men hat, entfällt das Beschäfti­gungs­bedürf­nis für die Ar­beit­neh­mer des Be­triebs je­weils mit dem Ab­lauf der für sie ein­schlägi­gen Kündi­gungs­frist. Bei ei­nem der­ar­ti­gen un­ter­neh­me­ri­schen Still­le­gungs­kon­zept mit der so­for­ti­gen und gleich­zei­ti­gen Kündi­gung al­ler Ar­beits­verhält­nis­se entfällt auch das Er­for­der­nis ei­ner so­zia­len Aus­wahl gern. § 1 Abs. 3 KSchG. Würde man die noch zu er­le­di­gen­den Rest­auf­ga­ben nicht nach der Dau­er

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der je­wei­li­gen Kündi­gungs­frist, son­dern nach so­zia­len Ge­sichts­punk­ten ver­tei­len, so würde die Verlänge­rung der Kündi­gungs­frist bei so­zi­al schutzwürdi­ge­ren Ar­beit­neh­mern ge­mes­sen an den die Ar­beits­ge­rich­te bin­den­den un­ter­neh­me­ri­schen Vor­ga­ben zu ei­nem Ar­beits­kräfteüber­hang führen (BAG vom 07.07.2005 - 2 AZR 447/04 -).

Nach die­sen zu § 1 III KSchG auf­ge­stell­ten Grundsätzen hat der Be­klag­te vor­lie­gend so­gar über­ob­li­ga­to­risch im Hin­blick auf die Ver­mu­tungs­wir­kung nach § 125 In­sO dar­ge­legt, dass er den ernst­li­chen und endgülti­gen Be­schluss ge­fasst ha­be, den schuld­ne­ri­schen Geschäfts­be­trieb dau­er­haft ein­zu­stel­len. Der Gläubi­ger­aus­schuss ha­be nach § 158 Ab­satz 1 In­sO zu­ge­stimmt. Sämt­li­chen Mit­ar­bei­tern/-in­nen sei gekündigt wor­den. Es ha­be le­dig­lich während der noch lau­fen­den Kündi­gungs­fris­ten bis En­de Fe­bru­ar 2014 ei­ne Aus­pro­duk­ti­on statt­ge­fun­den. Zu­dem ha­be die ge­trof­fe­ne Still­le­gungs­ent­schei­dung auch greif­ba­re For­men an­ge­nom­men. Die Ay­rus Han­del- und Un­ter­neh­mens­be­ra­tung GmbH sei mit der Ver­wer­tung des ge­sam­ten An­la­ge- und Um­lauf­vermögens nach Be­en­di­gung der Aus­lauf­pro­duk­ti­on be­auf­tragt wor­den. Ei­ne Viel­zahl von Ma­schi­nen sei im Rah­men ei­ner Ein­zel­ver­wer­tung veräußert wor­den. Der auf ein Jahr be­fris­tet ge­schlos­se­ne Gas­lie­fe­rungs­ver­trag sei En­de März 2014 aus­ge­lau­fen. Ei­ne Pro­duk­ti­on sei des­halb - auch auf­grund der Ma­schi­nen­veräußerun­gen - tech­nisch gar nicht mehr möglich. Seit März 2014 würden nur noch Ab­wick­lungs­ar­bei­ten vor­ge­nom­men durch Beschäftig­te des Ver­wer­tungs­un­ter­neh­mens.
Die­sen Vor­trag hat die kla­gen­de Par­tei le­dig­lich be­strit­ten, oh­ne die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 125 In­sO da­mit wi­der­le­gen zu können. Es ist ein kein sub­stan­ti­ier­ter Tat­sa­chen­vor­trag er­kenn­bar, der die nach der ge­setz­li­chen Re­ge­lung zu ver­mu­ten­de Be­triebs­still­le­gung aus­sch­ließt oder deut­lich macht, dass wei­ter­hin kon­kre­te Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten über den Ab­lauf der Kündi­gungs­frist be­ste­hen würden.

c)
Die so­zia­le Aus­wahl kann nach § 125 12 In­sO nur auf gro­be Feh­ler­haf­tig­keit über­prüft wer­den. Der ein­ge­schränk­te Prüfungs­maßstab gilt für die so­zia­len In­di­ka­to­ren und de­ren Ge­wich­tung selbst, so­wie für die Ver­gleich­bar­keit der in die so­zia­le Aus­wahl ein­zu­be­zie­hen­den Ar­beit­neh­mer (Ascheid/Preis/Schmidt, Kündi­gungs­recht, 4. Auf­la­ge, § 1 KSchG Rn. 801). Grob feh­ler­haft ist ei­ne So­zi­al­aus­wahl dann, wenn ihr ein evi­den­ter, ins Au­ge sprin­gen­der Feh­ler an­haf­tet und sie je­de Aus­ge­wo­gen­heit ver­mis­sen lässt (Ascheid/Preis/Schmidt, Kündi­gungs­recht, 4. Auf­la­ge, § 1 KSchG Rn. 804 m.w.N.).

Nach die­sem Maßstab kann die ge­trof­fe­ne So­zi­al­aus­wahl nicht als grob feh­ler­haft an­ge­se­hen wer­den. Grundsätz­lich wäre bei ei­ner Be­triebs­still­le­gung gar kei­ne So­zi­al­aus­wahl durch­zuführen, wenn al­le Beschäftig­ten des Be­trie­bes ent­las­sen wor­den sind. An­ge­sichts der Kündi­gung

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sämt­li­cher Ar­beit­neh­mer der DTF be­steht in­so­weit be­reits kein An­satz für ei­ne gro­be Feh­ler­haf­tig­keit.

Dar­an ändert auch die Auf­fas­sung der kläge­ri­schen Par­tei nichts, wenn sie auf ei­nen be­ste­hen­den Ge­mein­schafts­be­trieb mit der „Bo­t­horn-Un­ter­neh­mens­grup­pe" ver­weist und meint, dass die So­zi­al­aus­wahl auch auf die Beschäftig­ten die­ser Fir­men zu er­stre­cken ge­we­sen wäre, ins­be­son­de­re un­ter Berück­sich­ti­gung des Ta­rif­ver­tra­ges vom 21.01.2013.

Zu Recht hat der Be­klag­te in die­sem Zu­sam­men­hang auf die Recht­spre­chung des BAG hin­ge­wie­sen. Da­nach gilt: Bil­den meh­re­re Un­ter­neh­men ei­nen ge­mein­schaft­li­chen Be­trieb, so ist die So­zi­al­aus­wahl bis zu ei­ner et­wai­gen Auflösung des Ge­mein­schafts­be­triebs auf den ge­sam­ten Be­trieb zu er­stre­cken. Ei­ne un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­de So­zi­al­aus­wahl ist dann nicht vor­zu­neh­men, wenn der Ge­mein­schafts­be­trieb im Zeit­punkt der Kündi­gung nicht mehr be­steht. Ist im Zeit­punkt der Kündi­gung ei­ner der Be­trie­be, die ei­nen Ge­mein­schafts­be­trieb ge­bil­det ha­ben, still­ge­legt, so sind da­mit i.d.R. die Ar­beit­ge­ber­funk­tio­nen im Be­reich der so­zia­len und per­so­nel­len An­ge­le­gen­hei­ten so­wie die un­ter­neh­me­ri­schen Funk­tio­nen im Be­reich der wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten dem vor­mals ein­heit­li­chen Lei­tungs­ap­pa­rat der be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men ent­zo­gen, der Ge­mein­schafts­be­trieb auf­gelöst. In die­sem Fall ist die "ge­mein­sa­me Klam­mer", die ei­ne un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­de So­zi­al­aus­wahl ver­an­lasst hat, ent­fal­len (BAG vom 24.02.2005 - 2 AZR 214/04 -).
Glei­ches gilt, wenn im Zeit­punkt der Kündi­gung der ei­ne der Be­trie­be, die zu­sam­men ei­nen Ge­mein­schafts­be­trieb ge­bil­det ha­ben, zwar noch nicht still­ge­legt ist, auf Grund ei­ner un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung, die be­reits greif­ba­re For­men an­ge­nom­men hat, aber fest­steht, dass er bei Ab­lauf der Kündi­gungs­frist des Ar­beit­neh­mers still­ge­legt sein wird. Kündi­gungs¬grund ist in ei­nem sol­chen Fall das drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis, das ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers in dem still­zu­le­gen­den Be­trieb nach Ab­lauf sei­ner Kündi­gungs­frist ent­ge­gen­steht. Ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers in dem bis zur Still­le­gung des ei­nen Be­triebs­teils zwi­schen bei­den Un­ter­neh­men ge­bil­de­ten Ge­mein­schafts­be­trieb kommt da­mit nicht mehr in Be­tracht. Wird, wie dies re­gelmäßig ge­schieht, mit der Still­le­gung des ei­nen Be­triebs auch die ge­mein­sa­me Lei­tungs­struk­tur be­sei­tigt, so be­steht ab dem Still­le­gungs­zeit­punkt nur noch ein Be­trieb fort, in des­sen Führung durch den Un­ter­neh­mer, des­sen Be­trieb still­ge­legt wor­den ist, nicht mehr ein­ge­grif­fen wer­den kann. Der In­ha­ber des still­zu­le­gen­den Be­triebs ist da­mit nicht mehr in der La­ge, ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung sei­ner Ar­beit­neh­mer, de­nen we­gen der Still­le­gung be­triebs­be­dingt zu kündi­gen ist, in dem fort­geführ­ten Be­trieb des an­de­ren Un­ter­neh­mers recht­lich durch­zu­set­zen (vgl. BAG 18. Sep­tem­ber 2003 - 2 AZR 139/03 - AP KSchG 1969 Kon­zern § 1 Nr. 12) . Da­mit fehlt es für ei­ne So­zi­al­aus­wahl zwi­schen den Ar­beit­neh­mern des ursprüng­li­chen Ge­mein­schafts­be­triebs an der Ver­gleich­bar­keit.

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Be­reits dar­aus folgt, dass re­gelmäßig bei ei­ner Be­triebs­still­le­gung von ei­ner Auflösung des Ge­mein­schafts­be­trie­bes aus­zu­ge­hen ist und ei­ne be­triebsüberg­rei­fen­de So­zi­al­aus­wahl nicht vor­zu­neh­men ist. Wenn hier der In­sol­venz­ver­wal­ter ent­spre­chend der Recht­spre­chung des BAG ge­han­delt hat, kann dar­in erst Recht nicht ein evi­den­ter, so­fort und klar her­aus­ste­chen¬der recht­li­cher Aus­wahl­feh­ler ge­se­hen wer­den. Zu­mal auch die kläge­ri­sche Par­tei nicht näher dar­ge­legt hat, dass der In­sol­venz­ver­wal­ter über­haupt in der La­ge ge­we­sen wäre, ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung in dem fort­geführ­ten Be­trieb des an­de­ren Un­ter­neh­mens recht­lich durch­zu­set­zen.
Ge­gen die­se An­nah­me spricht auch nicht der am 21.01.2013 mit der IG Me­tall ab­ge­schlos­se­ne Ta­rif­ver­trag zum Ge­mein­schafts­be­trieb. An­ge­sichts des an­zu­wen­den­den Prüfungs­ma߬sta­bes ist die Kam­mer nicht ge­hal­ten, den Ta­rif­ver­trag im Ein­zel­nen aus­zu­le­gen. Je­den­falls enthält der Ta­rif­ver­trag kei­ne der zu­vor zi­tier­ten Recht­spre­chung des BAG ent­ge­gen­ste­hen­de Rechts­fol­gen­ver­ein­ba­rung. Der Ta­rif­ver­trag beschäftigt sich mit der Fra­ge der Be­gründung ei­nes Ge­mein­schafts­be­trie­bes und de­ren kol­lek­tiv­recht­li­chen Aus­wir­kun­gen, ein­sch­ließlich ei­ner Ein­stands­pflicht für So­zi­al­plan­ansprüche in § 6. Er enthält aber kei­ne Re­ge­lun­gen, wie zu ver­fah­ren ist, wenn ei­nes der Un­ter­neh­men des Ge­mein­schafts­be­trie­bes still­ge­legt wird und wel­che Rechts­fol­gen dar­aus für ei­ne in­di­vi­du­al­recht­li­che So­zi­al­aus­wahl fol­gen. Ent­spre­chend kann aus dem Ta­rif­ver­trag eben­falls nicht ge­fol­gert wer­den, der Be­klag­te hätte bei der So­zi­al­aus­wahl grob feh­ler­haft ge­han­delt im Sin­ne des Vor­lie­gens ei­nes evi­den­ten Feh­lers.

Die Anhörung des Be­triebs­ra­tes nach § 102 Be­trVG ist nicht zu be­an­stan­den.

1
Zu­tref­fend ist, dass auch bei Vor­lie­gen ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te i.S.d. § 125 Abs. 1 Ins° die Be­triebs­rats­anhörung nach § 102 Be­trVG kei­nen er­leich­ter­ten An­for­de­run­gen un­ter­liegt.
Al­ler­dings braucht der Kündi­gungs­sach­ver­halt dem Be­triebs­rat nicht er­neut mit­ge­teilt zu wer­den, wenn die­ser schon aus den Ver­hand­lun­gen über den In­ter­es­sen­aus­gleich be­kannt ist (BAG 20. Mai 1999 - 2 AZR 532/98 - BA­GE 91, 341).
Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG be­darf es kei­ner wei­te­ren Dar­le­gung der Kündi­gungs­gründe durch den Ar­beit­ge­ber nach § 102 Be­trVG, wenn der Be­triebs­rat bei Ein­lei­tung des Anhörungs­ver­fah­rens be­reits über den er­for­der­li­chen Kennt­nis­stand verfügt, um zu der kon­kret be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung ei­ne sach­ge­rech­te Stel­lung­nah­me ab­ge­ben zu können (BAG vom 28. März 1974 - 2 AZR 472/73 - BA­GE 26, 102; BAG vom 27. Ju­ni 1985 - 2 AZR 412/84 - BA­GE 49, 136). Hat der Be­triebs­rat den er­for­der­li­chen Kennt­nis­stand, um sich über

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die Stich­hal­tig­keit der Kündi­gungs­gründe ein Bild zu ma­chen und ei­ne Stel­lung­nah­me hier­zu ab­ge­ben zu können, und weiß dies der Ar­beit­ge­ber oder kann er dies nach den ge­ge­be­nen Umständen je­den­falls als si­cher an­neh­men, so würde es dem Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit gemäß § 2 Abs. 1 Be­trVG wi­der­spre­chen und es wäre ei­ne kaum verständ­li­che Förme­lei, vom Ar­beit­ge­ber dann gleich­wohl noch ei­ne de­tail­lier­te Be­gründung zu ver­lan-gen (BAG vom 27. Ju­ni 1985 - 2 AZR 412/84 - aaO mwN).

Re­gelmäßig - und so war es auch hier - ge­hen dem Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs, der mit ei­ner Na­mens­lis­te der zu kündi­gen­den Ar­beit­neh­mer ver­bun­den ist, länge­re Ver­hand­lun­gen vor­an, auf Grund de­rer beim Be­triebs­rat er­heb­li­che Vor­kennt­nis­se über die vom Ar­beit­ge­ber gel­tend ge­mach­ten Kündi­gungs­gründe und auch die viel­leicht mit dem Be­triebs­rat zu­sam­men vor­ge­nom­me­ne So­zi­al­aus­wahl vor­han­den sein können. Die dem Be­triebs­rat aus die­sen Ver­hand­lun­gen be­kann­ten Tat­sa­chen muss der Ar­beit­ge­ber im Anhörungs­ver­fah­ren nicht er­neut vor­tra­gen. (BAG vom 20. Mai 1999 - 2 AZR 532/98 - BA­GE 91, 341).
Im In­ter­es­sen­aus­gleich selbst sind in der Präam­bel und ins­be­son­de­re in den fol­gen­den §§ 2 und 3 die ge­plan­ten un­ter­neh­me­ri­schen Maßnah­men, der be­ab­sich­tig­te Kündi­gungs­zeit­raum, die Kündi­gungs­frist von 3 Mo­na­ten dar­ge­stellt, so­wie sämt­li­che Na­men und So­zi­al­da­ten der zu kündi­gen­den Beschäftig­ten in der Na­mens­lis­te. Eben­so wird in § 4 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass we­gen der kom­plet­ten Be­triebs­stil­le­gung ei­ne So­zi­al­aus­wahl nicht not­wen­dig ist. Der Be­triebs­rat hat­te da­nach - auch un­abhängig von den münd­li­chen Erklärun­gen in den Ver­hand­lun­gen - al­lein auf­grund der Ab­fas­sung und des In­halts des In­ter­es­sen­aus­gleichs er­heb­li­che Vor­kennt­nis­se über die vom Ar­beit­ge­ber gel­tend ge­mach­ten Kündi­gungs­gründe ein­sch­ließlich der So­zi­al­aus­wahl. Zu­dem ist der Be­triebs­rat noch­mals mit den vom Be­klag­ten je­weils vor­ge­leg­ten Anhörungs­schrei­ben, iso­liert be­zo­gen auf die kläge­ri­sche Par­tei, zur be-ab­sich­tig­ten Kündi­gung vor Aus­spruch der­sel­ben an­gehört wor­den.
An­ge­sichts des­sen, wäre es Auf­ga­be der kläge­ri­schen Par­tei ge­we­sen, kon­kret dar­zu­le­gen, war­um den­noch nicht von ei­ner ord­nungs­gemäßen Anhörung des Be­triebs­ra­tes vor Aus­spruch der Kündi­gung aus­zu­ge­hen ist.
In­so­fern reicht es nicht aus, le­dig­lich pau­schal und un­sub­stan­ti­iert dar­auf zu ver­wei­sen, dass dem Be­triebs­rat we­sent­li­che In­for­ma­tio­nen vor­ent­hal­ten ge­blie­ben sei­en.
2.

Die Be­triebs­rats­anhörung ist auch nicht des­halb un­wirk­sam, weil der Be­klag­te nach Vor­la­ge des Anhörungs­schrei­bens vor Un­ter­zeich­nung des In­ter­es­sen­aus­gleichs am 23.12.2013 bis zum Aus­spruch der Kündi­gung am 27.12.2013 nicht die Wo­chen­frist des § 102 Ab­satz 2 Satz 1 Be­trVG ab­ge­war­tet hat.

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Kann der Ar­beit­ge­ber aus der Mit­tei­lung des Be­triebs­rats ent­neh­men, der Be­triebs­rat wünsche kei­ne wei­te­re Erörte­rung des Fal­les, sei­ne Stel­lung­nah­me sol­le al­so ab­sch­ließend sein, dann ist das Anhörungs­ver­fah­ren be­en­det und der Ar­beit­ge­ber kann die Kündi­gung wirk­sam aus­spre­chen. Vom Ar­beit­ge­ber in ei­nem sol­chen Fall noch ein Ab­war­ten bis zum Ab­lauf der Frist des § 102 Abs. 2 Be­trVG zu ver­lan­gen, wäre ein überflüssi­ger For­ma­lis­mus. Der Ar­beit­ge­ber kann und muss hier nicht mehr da­mit rech­nen, der Be­triebs­rat wer­de mehr als ge­sche­hen tun. Der Ar­beit­ge­ber kann dem­nach vor Frist­ab­lauf des § 102 Abs. 2 Be­trVG auf Grund ei­ner Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats re­gelmäßig die Kündi­gung zulässi­ger­wei­se erklären. So­lan­ge der Ar­beit­ge­ber nicht mehr mit der Möglich­keit rech­nen muss, der Be­triebs­rat wer­de noch ei­ne wei­te­re Stel­lung­nah­me ab­ge­ben, muss er die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung - längs­tens bis zum Ab­lauf der Frist des § 102 Abs. 2 Be­trVG - nicht zurück­stel­len (BAG vom 24.06.2004 ¬2 AZR 461/03 -).
Ei­ne ent­spre­chen­de ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­ra­tes er­gibt sich aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich, un­strei­tig un­ter­schrie­ben am 23.12.2013 nach Vor­la­ge der Anhörungs­schrei­ben. Dort hat der Be­triebs­rat in § 8 erklärt, dass „das Ver­fah­ren gern. § 102 Be­trVG ab­ge­schlos­sen ist".

3.
So­weit noch die Be­vollmäch­ti­gung von Rechts­an­walt Brandt im Hin­blick auf das schrift­li­che Anhörungs­schrei­ben be­strit­ten wird, ist die­ser Ein­wand un­er­heb­lich. Denn dem Zweck des Anhörungs­ver­fah­rens nach § 102 Be­trVG ist auch genügt, wenn der Bo­te oder Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers kei­nen Nach­weis sei­ner Bo­ten­macht oder kei­ne Voll­macht vor­legt (BAG vom 13.12.2012 - 6 AZR 348/11 -). Der Be­triebs­rat ist auch in ei­nem sol­chen Fall nicht ge­hin­dert, sei­ne Auf­fas­sung zu der Kündi­gung zu äußern und Ein­fluss auf den Wil­lens­bil­dungs­pro­zess des Ar­beit­ge­bers zu neh­men. Hat er Zwei­fel an der Bo­ten- oder Ver­tre­ter­stel­lung des­je­ni­gen, der ihm ge­genüber bei der Anhörung auf­ge­tre­ten ist, oder be­zwei­felt er, dass die­ser sei­ne Einwände zur Kennt­nis nimmt und/oder an den Ar­beit­ge­ber wei­ter­lei­tet, kann er sei­ne Ein¬wände dem Ar­beit­ge­ber un­mit­tel­bar mit­tei­len und den (be­triebs­frem­den) Drit­ten um­ge­hen. Ein abs­trakt schützens­wer­tes In­ter­es­se dar­an, kla­re Verhält­nis­se zu schaf­fen und si­cher zu sein, dass die Stel­lung­nah­me­frist des § 102 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG zu lau­fen be­ginnt oder be­gon­nen hat, hat der Be­triebs­rat vor dem Hin­ter­grund des Zwecks des § 102 Be­trVG nicht.

III.

Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nach § 17 KSchG ist ord­nungs­gemäß er­folgt.

1.

- 17 -

Un­strei­tig be­stand ei­ne An­zei­ge­pflicht nach § 17 1 KSchG (vgl. auch die Ent­schei­dungs­gründe zu I.1.b).

2.
Be­ab­sich­tig­te an­zei­ge­pflich­ti­ge Ent­las­sun­gen im Sin­ne des § 17 I KSchG muss der Ar­beit­ge­ber vor Aus­spruch der Kündi­gung ge­genüber der Agen­tur für Ar­beit ord­nungs­gemäß an­zei­gen.
Dies steht zur Über­zeu­gung der Kam­mer nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me auf­grund der Ver­neh­mung des Zeu­gen Brandt fest. Die­ser hat im Ein­zel­nen be­kun­det, dass er sich am 27.12.2013 ge­gen 10.00 Uhr mit der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ein­sch­ließlich dem In­ter­es­sen­aus­gleich im Ori­gi­nal zur Agen­tur für Ar­beit be­ge­ben und dort die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nebst In­ter­es­sen­aus­gleich ge­gen 11.45 Uhr ab­ge­ge­ben hat. Auf dem Rück­weg ha­be er mit sei­nem Se­kre­ta­ri­at te­le­fo­niert und dar­um ge­be­ten, dass die elek­tro­nisch vor-be­rei­te­ten Kündi­gun­gen aus­ge­druckt wer­den und bei sei­ner Rück­kehr dem Be­klag­ten zur Un­ter­schrift vor­ge­legt wer­den. Am sel­ben Tag sei­en dann die Kündi­gun­gen zu den übli­chen Post­lauf­zei­ten ca. 16.00 Uhr / 17.00 Uhr zur Post ge­ge­ben wor­den.
An­zei­chen, die ge­gen die Glaubwürdig­keit des Zeu­gen Brandt spre­chen, sind nicht er­kenn­bar. Zwei­fel er­ge­ben sich auch nicht da­durch, dass der Zeu­ge zunächst die Ört­lich­keit der Agen­tur für Ar­beit in Nord­horn mit Lin­gen ver­tauscht hat.

3.
Eben­so steht da­mit fest, dass der Agen­tur für Ar­beit nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats zu den Ent­las­sun­gen beifügt war. In­so­weit hat der Zeu­ge Brandt das Ori­gi­nal des In­ter­es­sen­aus­gleichs samt Na­mens­lis­te am 27.12.2013 bei der Agen­tur für Ar­beit vor­ge­legt. Die­ser er­setz­te nach § 125 Abs. 2 In­sO die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats i.S.v. § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG (BAG vom 20.09.2012 - 6 AZR 155/11 -).

4.
Der Be­klag­te hat auch nicht sei­ne Pflich­ten aus § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG ver­letzt.
Be­ab­sich­tigt der Ar­beit­ge­ber, nach § 17 Abs. 1 KSchG an­zei­ge­pflich­ti­ge Ent­las­sun­gen vor­zu­neh­men, hat er dem Be­triebs­rat recht­zei­tig die zweck­dien­li­chen Auskünf­te zu er­tei­len und ihn schrift­lich ins­be­son­de­re zu un­ter­rich­ten über die Gründe für die ge­plan­ten Ent­las­sun­gen, die Zahl und die Be­rufs­grup­pen der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer, die Zahl und die Be­rufs­grup­pen der in der Re­gel beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, den Zeit­raum, in dem die Ent­las­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den sol­len, und die vor­ge­se­he­nen Kri­te­ri­en für die Be­rech­nung et­wai­ger Ab­fin­dun­gen.

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Mit § 10 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 23.12.2013 erklärte der Be­triebs­rat, recht­zei­tig und vollständig über die an­zei­ge­pflich­ti­gen Ent­las­sun­gen un­ter­rich­tet wor­den zu sein. Das al­lein genügt je­doch zum Nach­weis der Erfüllung der Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht aus § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG noch nicht. Die Vor­la­ge des In­ter­es­sen­aus­gleichs mit Na­mens­lis­te er­setzt nur die Stel-lung­nah­me des Be­triebs­rats oder Ge­samt­be­triebs­rats ge­genüber der Agen­tur für Ar­beit. Er­for­der­lich ist da­ne­ben noch die vor­he­ri­ge schrift­li­che Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG (vgl. BAG 18. Ja­nu­ar 2012 - 6 AZR 407/10 - Rn. 33 und 39 mwN, EzA KSchG § 6 Nr. 4).

Ei­ne der­ar­ti­ge schrift­li­che Un­ter­rich­tung in den Ver­hand­lun­gen zum In­ter­es­sen­aus­gleich vor dem 23.12.2013 ist auch nach dem Vor­trag des Be­klag­ten nicht er­sicht­lich. Nach der Recht­spre­chung des BAG (Ur­teil vom 20.09.2012 - 6 AZR 155/11 -) kann der In­sol­venz­ver­wal­ter al­ler­dings sei­ner Un­ter­rich­tungs­pflicht aus § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG auch mit­hil­fe der An­ga-ben im In­ter­es­sen­aus­gleich ge­recht wer­den.

In­so­weit stellt das BAG klar, dass die Ver­bin­dung des ln­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­fah­rens mit der Erfüllung der Un­ter­rich­tungs­pflicht nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG zulässig ist.
Das BAG lässt es zu­dem auf sich be­ru­hen, ob § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG die ge­setz­li­che Schrift­form i.S.v. § 126 Abs. 1 BGB ver­langt. Soll­te das zu­tref­fen, wäre ein et­wai­ger Schrift­form­ver­s­toß durch die ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats in § 10 des In­ter­es­sen­aus­gleichs ge­heilt. Denn der Be­triebs­rat hat mit sei­ner ab­sch­ließen­den Stel­lung­nah­me, in­dem er in § 10 des In­ter­es­sen­aus­gleichs die Be­en­di­gung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens bestätigt hat, deut­lich ge­macht, dass er sich für aus­rei­chend un­ter­rich­tet hielt und die Zwei­wo­chen­frist des § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG nicht ausschöpfen woll­te.
In die­sem Fal­le, wenn die von § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG ver­lang­ten An­ga­ben ge­genüber dem Be­triebs­rat in ei­nem schrift­li­chen Text, wie dem noch nicht un­ter­schrie­be­nen In­ter­es­sen­aus­gleich, do­ku­men­tiert wer­den, genügt die ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats, um ei­nen even­tu­el­len Schrift­form­ver­s­toß zu hei­len (wei­ter ge­hend LAG Hamm 6. Ju­ni 1986 - 16 Sa 2188/86 - LA­GE KSchG § 17 Nr. 2; Ha­Ko/Pfeif­fer 4. Aufl. § 17 KSchG Rn. 54; KR/Wei­gand 10. Aufl. § 17 KSchG Rn. 65, die ei­ne münd­li­che Un­ter­rich­tung bei ab­sch­ließen­der Stel­lung¬nah­me des Be­triebs­rats für aus­rei­chend hal­ten; of­fen­ge­las­sen von APS/Moll 4. Aufl. § 17 KSchG Rn. 76). Dafür spricht der Zweck des Un­ter­rich­tungs­er­for­der­nis­ses. Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung soll kon­struk­ti­ve Vor­schläge un­ter­brei­ten können, um die Mas­sen­ent­las­sung zu ver­hin­dern oder ein­zu­schränken. Bringt das Gre­mi­um, dem die An­ga­ben nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG in ei­nem schrift­lich ab­ge­fass­ten Text deut­lich vor Au­gen geführt wur­den, selbst zum Aus­druck, dass es sich für aus­rei­chend un­ter­rich­tet hält, drückt es da­mit zu­gleich aus, dass es kei­ne wei­te­ren Vor­schläge un­ter­brei­ten kann oder will (vgl. BAG 21. März 2012 - 6

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AZR 596/10 - Rn. 23, EzA KSchG § 17 Nr. 25). Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung will in ei­nem sol­chen Fall ge­ra­de nicht die Zwei­wo­chen­frist des § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG ausschöpfen.

Im In­ter­es­sen­aus­gleich nebst der Na­mens­lis­te sind auch die nach § 17 Ab­satz 2 Nr. 1-6 KSchG ge­for­der­ten An­ga­ben ent­hal­ten. So­wohl die Gründe für die Ent­las­sun­gen, die Zahl der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer, der Zeit­raum der Ent­las­sun­gen, die feh­len­de Not­wen­dig­keit ei­ner So­zi­al­aus­wahl und der Hin­weis auf ei­nen So­zi­al­plan sind ge­nannt.

Im Übri­gen hat die kläge­ri­sche Par­tei Verstöße ge­gen den gemäß § 17 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis Nr. 6 KSchG er­for­der­li­chen In­halt der Un­ter­rich­tung nicht hin­rei­chend gerügt.
Sie ist viel­mehr kon­kret nur dar­auf ein­ge­gan­gen, dass es an der er­for­der­li­chen Schrift­form man­ge­le. Zu­dem wäre an­ge­sichts der An­ga­ben im In­ter­es­sen­aus­gleich auch nur zwei­fel­haft, ob der Be­klag­te dem Be­triebs­rat mit­ge­teilt hat, wel­che Be­rufs­grup­pen von der Maßnah­me er­fasst wären. Ei­ne sol­che feh­ler­haf­te Un­ter­rich­tung in Fällen wie dem vor­lie­gen­den, bei de¬nen oh­ne­hin al­le Ar­beit­neh­mer ent­las­sen wer­den sol­len, könn­te für den Ar­beit­ge­ber je­doch kei­ne nach­tei­li­gen Rechts­fol­gen nach sich zie­hen. Die Un­ter­rich­tungs­pflicht nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG soll es dem Be­triebs­rat ermögli­chen, „kon­struk­ti­ve Vor­schläge" zu un­ter­brei­ten. Un­ter­rich­tet der Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat nicht über die Be­rufs­grup­pen der zu ent­las­sen¬den Ar­beit­neh­mer, kann dies bei der Ent­las­sung al­ler Ar­beit­neh­mer kei­ne Fol­gen für die­se Prüfung durch den Be­triebs­rat ha­ben und sich der Feh­ler nicht zu Las­ten der be­trof­fe­nen Ar¬beit­neh­mer aus­wir­ken (sie­he auch BAG vom 20.09.2012 - 6 AZR 155/11 -).

IV.
Da­mit ist das Ar­beits­verhält­nis durch die aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung des In­sol­venz­ver­wal­ters be­en­det wor­den. Ein­wen­dun­gen hin­sicht­lich der Kündi­gungs­frist nach § 113 In­sO wur­den nicht er­ho­ben.

V.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 I ZPO. Die Streit­wert­fest­set­zung be­ruht auf § 61 I ArbGG i.V.m. § 42 Ab­satz 2 GKG.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den,

a) wenn sie in dem Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu­ge­las­sen wor­den ist oder
b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 EUR über­steigt oder
c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.

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So­weit die Vor­aus­set­zun­gen zu a), b) oder c) nicht vor­lie­gen, ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein; an sei­ner Stel­le können Ver­tre­ter der Ge­werk­schaf­ten oder von Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern oder von Zu­sam­men­schlüssen sol­cher Verbände tre­ten, wenn sie kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt sind und der Zu­sam­men­schluss, der Ver­band oder de­ren Mit­glied Par­tei sind.

Die Be­ru­fungs­schrift muss bin­nen ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat nach Zu­stel­lung des Ur­teils bei dem

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Sie­mens­s­traße 10, 30173 Han­no­ver

ein­ge­gan­gen sein. Die Be­ru­fungs­schrift muss das Ur­teil be­zeich­nen, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de. Ihr soll fer­ner ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils bei­gefügt wer­den.

Die Be­ru­fung ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung des Ur­teils in glei­cher Form zu be­gründen.

Da­bei ist bei nicht zu­ge­las­se­ner Be­ru­fung der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des glaub­haft zu ma­chen; die Ver­si­che­rung an Ei­des Statt ist in­so­weit nicht zulässig.

Die für die Zu­stel­lung an die Ge­gen­sei­te er­for­der­li­che Zahl von be­glau­big­ten Ab­schrif­ten soll mit der Be­ru­fungs- bzw. Be­gründungs­schrift ein­ge­reicht wer­den.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen bit­tet dar­um, die Be­ru­fungs­be­gründung und die Be­ru­fungs­er­wi­de­rung in 5-fa­cher Aus­fer­ti­gung, für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr, ein­zu­rei­chen.

 

Schmedt

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