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ARBEITSRECHT AKTUELL // 21/003

Der Ar­beits­markt im Co­ro­na-Jahr 2020

Ent­wick­lun­gen des Ar­beits- und Aus­bil­dungs­mark­tes wäh­rend der Co­ro­na-Kri­se: Jah­res­be­richt der Bun­des­agen­tur für Ar­beit
Logo der Bundesagentur für Arbeit, weißes Dreieck auf rotem Hintergrund

07.01.2020. Die Co­ro­na-Kri­se hat die Ent­wick­lung des Ar­beits­mark­tes des letz­ten Jah­res sehr in­ten­siv be­stimmt, ih­re Aus­wir­kun­gen sind deut­lich sicht­bar. Nun hat die Bun­des­agen­tur für Ar­beit ih­ren Jah­res­be­richt für das Jahr 2020 ver­öf­fent­licht: Die Zahl der Kurz­ar­bei­ter, der ar­beits­lo­sen und un­ter­be­schäf­tig­ten Per­so­nen ist stark ge­stie­gen. Auch der Aus­bil­dungs­markt litt, je­doch nicht nur auf­grund des Co­ro­na­vi­rus.

Er­werbs­tä­tig­keit und Ar­beits­lo­sig­keit in der Co­ro­na-Kri­se

Die Er­werbs­tä­tig­keit hat im Jah­res­durch­schnitt um 477.000 auf 44,79 ab­ge­nom­men, das ent­spricht ei­nem Rück­gang von 1,1 Pro­zent. So­mit be­sie­gel­te das Co­ro­na-Jahr dem über meh­re­re Jah­re an­dau­ern­den Wachs­tums­kurs ein En­de. Be­son­ders hart be­trof­fen wa­ren ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­te und Selbst­stän­di­ge, die den größ­ten An­teil der Rück­gän­ge aus­mach­ten. Die Zahl der Mi­ni­job­ber fiel um 386.000, was ei­nem Mi­nus von 8,3 Pro­zent ent­spricht. We­ni­ger stark sank die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­schäf­tig­ten um 0,3 Pro­zent. Haupt­ur­sa­che für die­sen Rück­gang war die sin­ken­de Zahl der Voll­be­schäf­tig­ten, die um 0,7 Pro­zent auf 23,69 Mio. ab­ge­nom­men hat.

Durch die Co­ro­na-Kri­se ist auch die durch­schnitt­li­che Ar­beits­zeit der Er­werbs­tä­ti­gen ge­sun­ken: Für Ar­beit­neh­mer lag die Pro-Kopf-Ar­beits­zeit bei 1.289 St­un­den, was in et­wa 24,5 h pro Wo­che ent­spricht, für Selbst­stän­di­ge lag die Zeit bei 1.864 St­un­den, was in et­wa 35,5 h pro Wo­che ent­spricht. Da­mit la­gen die Pro-Kopf-Zei­ten um 3,1 bzw. 2,2 Pro­zent nied­ri­ger als im Vor­jahr.

Haupt­ur­sa­che da­für ist die Kurz­ar­beit, die ei­nen Re­kord­wert von 2,9 Mio. Kurz­ar­bei­tern er­reicht hat und so­mit et­wa 20mal so viel wie vor­he­ri­ges Jahr. Ins­ge­samt wa­ren 8,7 Pro­zent al­ler so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten im letz­ten Jahr von der Kurz­ar­beit be­trof­fen. Be­son­ders hoch la­gen die Kurz­ar­bei­ter­zah­len im April und Mai mit 6 und 5,71 Mio.

Auch die Ar­beits­lo­sig­keit hat deut­lich zu­ge­nom­men: Im Schnitt wa­ren 2.695.000 Men­schen ar­beits­los ge­mel­det und so­mit 19 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit schätzt, dass für 420.000 der 429.000 der neu­en Ar­beits­lo­sen die Co­ro­na-Kri­se ver­ant­wort­lich ist. Auch hier lag der Höchst­wert in den Früh­lings­mo­na­ten, im Ju­ni lag um 29 Pro­zent über dem Vor­jah­res­wert. Am stärks­ten be­trof­fen wa­ren Ba­den-Würt­tem­berg und Bay­ern mit 32 bzw. 30 Pro­zent, am mil­des­ten hat es Sa­chen-An­halt und Bran­den­burg mit 7 Pro­zent ge­trof­fen.

Die Ar­beits­lo­sen­quo­te stieg so­mit 2020 um 0,9 Pro­zent auf 5,9 Pro­zent. Un­ter­schie­de be­ste­hen hier zwi­schen Ost- und West­deutsch­land: in den neu­en Bun­des­län­dern lag die Quo­te bei 7,3 Pro­zent, in den al­ten bei 5,6 Pro­zent. Den Co­ro­na-Ef­fekt schätzt die Bun­des­agen­tur für Ar­beit auf 1,2 Pro­zent­punk­te für Ost­deutsch­land und 0,9 Pro­zent­punk­te für West­deutsch­land.

Auch die Zahl der un­ter­be­schäf­tig­ten Per­so­nen stieg um 319.000 auf 3.519.000. Die­se Zahl ist laut Bun­des­agen­tur für Ar­beit na­he­zu al­lein auf die Co­ro­na-Kri­se rück­führ­bar. Zu den un­ter­be­schäf­ti­gen Per­so­nen zäh­len ins­be­son­de­re Men­schen, die an Maß­nah­men der Ar­beits­markt­po­li­tik teil­neh­men oder kurz­zei­tig ar­beits­un­fä­hig sind.

Auf­grund der er­höh­ten Ar­beits­lo­sig­keit stieg auch die Zahl der Leis­tungs­be­rech­tig­ten für die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung. Ins­ge­samt ha­ben 1.011.000 Men­schen Ar­beits­lo­sen­geld nach dem SGB III er­hal­ten, das sind 267.000 mehr als im Vor­jahr; Leis­tun­gen nach dem SGB II (Ar­beits­lo­sen­geld II) ha­ben im Schnitt 3.887.000 Men­schen be­zo­gen, so­mit sank die Zahl im Ver­gleich zum Vor­jahr um 0,2 Pro­zent.

Aus­bil­dungs­markt in der Co­ro­na-Kri­se

Auch der Aus­bil­dungs­markt hat im letz­ten Jahr ge­lit­ten. So­wohl die Zahl der Aus­bil­dungs­stel­len als auch die der Be­wer­be­rin­nen und Be­wer­ber ist deut­lich ge­sun­ken.

Im Ver­gleich zum Vor­jahr wur­den der Bun­des­agen­tur für Ar­beit und den Job­cen­tern 41.700 und so­mit 7 Pro­zent we­ni­ger Be­rufs­aus­bil­dungs­stel­len ge­mel­det. Im Zeit­raum vom Ok­to­ber 2019 bis Sep­tem­ber 2020 lag die Zahl der Stel­len bei 514.600.

Der Rück­gang be­ruht je­doch nicht al­lein auf der Co­ro­na-Kri­se. Be­reits in den Vor­jah­ren konn­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit ei­nen Rück­gang in den Aus­bil­dungs­stel­len be­ob­ach­ten (Da­zu Ar­beits­recht ak­tu­ell 20/010 Rück­gang an Aus­zu­bil­den­den 2019). Die Ver­schlech­te­run­gen zum Vor­jahr kön­nen laut Bun­des­agen­tur zu Drei­vier­teln auf die schwa­che Kon­junk­tur und auf die Tat­sa­che zu­rück­zu­füh­ren, dass Be­trie­be we­ni­ger Aus­bil­dungs­stel­len mel­de­ten, da sie in den vor­he­ri­gen Jah­ren kei­ne für sie pas­sen­den po­ten­ti­el­len Aus­zu­bil­den­den fin­den konn­ten. Die Co­ro­na-Kri­se ist da­ge­gen für ein Vier­tel und so­mit knapp 10.000 der feh­len­den Aus­bil­dungs­stel­len ver­ant­wort­lich.

 

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Letzte Überarbeitung: 5. Juni 2021

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