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ARBEITSRECHT AKTUELL // 07/22

Bun­des­ar­beits­ge­richt schützt Da­ten­schutz­be­auf­trag­te.

Die Ab­be­ru­fung ei­nes Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten mit ein­sei­ti­gem schrift­li­chen Wi­der­ruf ist nicht mög­lich: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2007, 9 AZR 612/05
Steckverbindung an PC-Rückwand Ar­beit­ge­ber kön­nen un­be­que­me Be­auf­trag­te für den Da­ten­schutz nicht ein­fach ab­be­ru­fen

25.06.2007. Wird ein Ar­beit­neh­mer zum Be­auf­trag­ten für den be­trieb­li­chen Da­ten­schutz be­stellt, än­dern Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer da­durch den Ar­beits­ver­trag des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten ein­ver­nehm­lich ab.

Denn auf der Grund­la­ge die­ser Be­stel­lung über­nimmt der Ar­beit­neh­mer wei­te­re Auf­ga­ben, eben die des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten.

Aus die­sem Grun­de hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung klar­ge­stellt, dass ei­ne spä­te­re ein­sei­ti­ge "Ab­be­ru­fung" des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten durch den Ar­beit­ge­ber nicht mög­lich ist. Viel­mehr muss da­zu der Ar­beits­ver­trags ge­än­dert wer­den: BAG, Ur­teil vom 13.03.2007, 9 AZR 612/05.

Wie kann der Ar­beit­ge­ber die Be­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers zum Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten rückgängig ma­chen?

25.06.2007. Nach § 4 f Abs. 1 Satz 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz (BDSG) müssen Stel­len, die per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten au­to­ma­ti­siert er­he­ben, ver­ar­bei­ten oder nut­zen, ei­nen Be­auf­trag­ten für den Da­ten­schutz be­stel­len.

Da­her exis­tie­ren in vie­len Un­ter­neh­men Da­ten­schutz­be­auf­trag­te, die mit Zu­stim­mung des je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mers durch den Ar­beit­ge­ber be­stellt wur­den.

Frag­lich ist, auf wel­chem We­ge der Ar­beit­ge­ber die Ab­be­ru­fung ei­nes ein­mal be­stell­ten Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten be­werk­stel­li­gen kann. Aus Ar­beit­ge­ber­sicht bestünde der ein­fachs­te Weg dar­in, die Be­stel­lung zu wi­der­ru­fen. Dann aber stünde die Per­son des Be­auf­trag­ten für den Da­ten­schutz je­der­zeit zur Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers, was schlecht vor­stell­bar ist.

Zu die­ser Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) am 13.03.2007 Stel­lung ge­nom­men (BAG, Ur­teil vom 13.03.2007 - 9 AZR 612/05).

Der Streit­fall: Ar­beit­ge­ber wi­der­ruft die Be­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers zum Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten, der dar­auf­hin vor Ge­richt zieht

Der Kläger ist bei der Be­klag­ten als An­ge­stell­ter beschäftigt. Die Be­klag­te be­stell­te ihn zum Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten.

Später wi­der­rief sie die­se Be­stel­lung ein­sei­tig, d.h. oh­ne dass der Kläger da­mit ein­ver­stan­den ge­we­sen wäre.

Der An­ge­stellt zog dar­auf­hin vor das Ar­beits­ge­richt und be­gehr­te die Fest­stel­lung, dass er wei­ter­hin Da­ten­schutz­be­auf­trag­ter bei der Be­klag­ten sei.

BAG: Ab­be­ru­fung nur auf der Grund­la­ge ei­ner Ände­rung des Ar­beits­ver­trags

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schied, dass die Ab­be­ru­fung des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten mit­tels ein­sei­ti­gen schrift­li­chen Wi­der­rufs nicht wirk­sam war.

Denn wird ein Ar­beit­neh­mer vom Ar­beit­ge­ber mit sei­ner Zu­stim­mung gemäß § 4f Abs. 1 Satz 1 BDSG zum Be­auf­trag­ten für den Da­ten­schutz be­stellt, ändert sich da­mit re­gelmäßig der In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges, so dass das schuld­recht­li­che Grund­verhält­nis und die Be­stel­lung zum Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten nach dem BDSG un­trenn­bar mit­ein­an­der ver­knüpft sind.

Da­mit wird die Auf­ga­be des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten zur zusätz­li­chen Ar­beits­auf­ga­be, es er­folgt ei­ne übe­rein­stim­men­de Ver­tragsände­rung. Die Be­stel­lung zum Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten ist oh­ne ei­ne sol­che Ver­tragsände­rung nicht möglich. Denn ge­gen den Wil­len des Ar­beit­neh­mers ist ei­ne sol­che Be­stel­lung nicht möglich und da­her nicht vom Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers um­fasst.

Gehört die Tätig­keit des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten zum ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten­kreis des Ar­beit­neh­mers, so könn­te die Be­stel­lung nach § 4f Abs. 3 Satz 4 BDSG nur bei gleich­zei­ti­ger Teilkündi­gung der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Son­der­auf­ga­be wirk­sam wi­der­ru­fen wer­den.

Der Wi­der­ruf der Be­stel­lung gemäß § 4f Abs. 3 Satz 4, HS. 1 BDSG in Ver­bin­dung mit § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ist des­halb, wenn der Ar­beit­neh­mer mit der Ab­be­stel­lung nicht ein­ver­stan­den ist, re­gelmäßig un­wirk­sam.

Fa­zit: Die Be­stel­lung zum Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten stellt ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en dar und ge­ra­de kei­ne Ausübung des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts dar. Ei­ne "Ab­be­ru­fung" des Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten kann da­her nur im We­ge des Wi­der­rufs der Be­stel­lung und gleich­zei­ti­ger Teilkündi­gung der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Son­der­auf­ga­be er­fol­gen.

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2013

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