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Arbeitsrecht aktuell: 10/044 Bußgeld wegen Verstoß gegen Datenschutz




Sammeln von Daten über Krankheiten der Beschäftigten hat Folgen

04.03.2010. In Arbeitsrecht aktuell 09/082 ("Krankheitsdaten auf dem Müll") berichteten wir darüber, dass die Drogeriekette Müller sowie Lidl in größerem Umfang Krankheitsdaten von Beschäftigten gesammelt hatten und damit gegen den Datenschutz verstießen.

Jetzt haben die Datenschutzbehörden deswegen Bußgelder verhängt.  

von Rechtsanwältin Svenja Sottorf, Berlin

Arbeitnehmer muss Krankheitsursache nicht preisgeben

Erkrankt ein Arbeitnehmer, ist er nur verpflichtet, dem Arbeitgeber mitzuteilen, dass er arbeitsunfähig ist und wie lange die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich andauert. Ist er länger als drei Tage arbeitsunfähig erkrankt, muss er dem Arbeitgeber zudem ein ärztliches Attest (Krankschreibung) hierüber überreichen. Das regelt § 5 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG).

Die Krankheitsursache geht den Arbeitgeber dagegen nichts an. Sie ist weder in der Krankschreibung an den Arbeitgeber enthalten, noch muss der Arbeitnehmer hierzu irgendwelche Angaben machen. Denn Angaben über den Gesundheitszustand sind als so genannte „sensitive Daten“ gemäß § 3 Abs. 9 i.V.m. § 13 Abs. 2 bzw. § 14 Abs. 5 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) besonders geschützt. Die einzige Ausnahme dürfte bei gefährlichen ansteckenden Krankheiten in seltenen Fällen zu machen sein, wenn die Preisgabe der Krankheit Voraussetzung dafür ist, dass sich Kollegen oder Kunden, die sich möglicherweise angesteckt haben, wirksam schützen können.

Ansonsten kann der Arbeitnehmer allenfalls freiwillig Auskunft über seine Krankheitsdaten geben, etwa dann, wenn ihm der Arbeitgeber krankheitsbedingt gekündigt hat und der Arbeitnehmer die Kündigung mit dem Argument angreift, in Zukunft sei mit einer Besserung seines Gesundheitszustandes zu rechnen.

Unzulässige Fragen nach Krankheitsursachen im Einzelhandel

Auf Arbeitgeberseite wird Datenschutz allerdings oft nicht ernst genommen.

Im Mai letzten Jahres wurde bekannt, dass u.a. sowohl bei der Drogeriekette Müller als auch bei Lidl in größerem Umfang von Beschäftigten Daten über Krankheitsursachen gesammelt wurden (Wir berichteten in Arbeitsrecht aktuell 09/082: Krankheitsdaten auf dem Müll).

Bei Lidl sollen alleine in Nordrhein-Westfalen mindestens vier Filialen betroffen und Krankheitsdaten teilweise ohne Wissen der Betroffenen gespeichert worden sein (Der Westen, 19.08.2009, „NRW-Datenschutzbehörde verhängt Bußgeld gegen Lidl“).

Bei der Drogeriekette Müller gab es sogar ein eigenes Formular „Krankenrückkehrgespräch“, in dem Krankheitsdaten der Beschäftigten festgehalten wurden. Beschäftigte sollen zudem über Jahre hinweg nach den Gründen ihrer Arbeitsausfälle befragt und diese Angaben an die Personalabteilung weitergeleitet und gespeichert worden sein. (Süddeutsche.de, 11.01.2010, „Wer schnüffelt, muss zahlen“). Schon damals waren sich Datenschützer über die Unzulässigkeit dieser Datensammelei einig.

Bußgeld gegen Lidl und Drogeriekette Müller verhängt

Mittlerweile haben diese Datenverstöße der Einzelhandelsketten zu Konsequenzen geführt.
Der nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte verhängte im August letzten Jahres gegen Lidl ein Bußgeld in Höhe von 36.000,00 EUR. Denn die Datenschutzbehörde wertete das Vorgehen von Lidl als mehrfachen groben Datenschutzrechtsverstoß (Der Westen, 19.08.2009, „NRW-Datenschutzbehörde verhängt Bußgeld gegen Lidl“).

Im Januar diesen Jahres entschied sich die baden-württembergische Datenschutzbehörde zu einem ähnlichen Vorgehen gegen die Drogeriekette Müller und verhängte ein Bußgeld in Höhe von insgesamt 137.500 EUR. Das Speichern und Weiterleiten der Krankheitsdaten sei rechtswidrig gewesen, zudem sei versäumt worden, einen Datenschutzbeauftragten zu bestellen. Die Drogeriekette hat gegen den Bußgeldbescheid keinen Widerspruch eingelegt und angekündigt zu zahlen. Zudem sicherte sie zu, sich künftig an den Datenschutz zu halten und die zu Unrecht gespeicherten Daten in den Personalakten zu löschen (Süddeutsche.de, 11.01.2010, „Wer schnüffelt, muss zahlen“).

Ein Bußgeld darf die Datenschutzbehörde immer dann verhängen, wenn schuldhaft gegen Datenschutzrecht verstoßen wird. Normalerweise wird dies von Datenschutzbehörden dann angenommen, wenn die Datenschutzrechtsverstöße bereits gerügt, von dem Unternehmen aber nicht innerhalb einer bestimmten Frist abgestellt wurden. Ob dies auch im vorliegenden Fall so war, lässt sich aus den Pressemitteilungen allerdings nicht entnehmen.

Ob die Bußgelder tatsächlich geeignet sind, zukünftige Datenverstöße zu verhindern, wird sich zeigen. Das allein bei den Datenschutzbehörden liegende Verfahren birgt aber noch ein anderes Problem: Die datenschutzrechtlichen Gesetzesvorschriften sind, um alle erdenklichen Datenverstöße abzudecken, so weit gefasst, dass aus ihnen kaum ersichtlich ist, wann im konkreten Fall gegen den Datenschutz verstoßen wird. In anderen Rechtsgebieten ist die Bedeutung derart weit gefasster Begriffe, wie etwa der des „wichtigen Grundes“ für eine außerordentliche Kündigung in § 626 Bürgerliches Gesetzbuch, durch die Rechtsprechung anhand einer Vielzahl von Fällen so konkretisiert worden, dass eine rechtliche Prognose für den Einzelfall möglich ist.

Da Datenschutzverstöße jedoch fast immer schon im behördlichen Verfahren abschließend geklärt werden, existiert hierzu so gut wie keine Rechtsprechung. Es fehlt damit an Beispielsfällen, die Anhaltspunkte dafür liefern, wann die Datenverarbeitung unzulässig ist. Dementsprechend ist Unternehmen das für ein Bußgeld erforderlich Verschulden schwer nachzuweisen.

Nähere Informationen finden Sie hier:

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Letzte Überarbeitung: 20. September 2011

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Arbeitsrecht aktuell:


Hannover, 08.02.2012
Chefarzt

Privatliquidationsrecht durch Schadensersatzanspruch gesichert

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09

Frankfurt, 07.02.2012
Fristlose Kündigung

Fristlose Kündigung trotz Freistellung

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11

Berlin, 03.02.2012
Kündigungsschutz:

Auslandsvertrag zählt bei Wartezeit mit

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10

München, 02.02.2012
Altersdiskriminierung:

Altersgrenze für Sachverständige gekippt

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11

Berlin, 31.01.2012
Betriebsrat:

Benachteiligung durch Verweigerung der Festanstellung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11

Berlin, 27.01.2012
Befristung:

Europarecht erlaubt Befristung zur Vertretung - auch jahrelang

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)

Berlin, 25.01.2012
Europarecht:

Anspruch auf vier Wochen Urlaub auch ohne jährliche Mindestarbeitszeit

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)

Frankfurt, 23.01.2012
Mobbingklage:

Oberarzt verklagt mobbenden Chefarzt auf 500.000 EUR Schadensersatz

Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10

Berlin, 20.01.2012
Geschäftsführer:

Geschäftsführer erhebt Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11

Hannover, 19.01.2012
Weihnachtsgeld

Kein Weihnachtsgeld nach Kündigung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10

Berlin, 17.01.2012
Bewerberdiskriminierung

Auskunftsanspruch des Stellenbewerbers über Auswahlentscheidung oder nicht?

Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister

Berlin, 13.01.2012
Betriebsratswahl:

Abbruch nur bei Nichtigkeit

Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10

Berlin, 11.01.2012
BAT Altersstufen:

Berlin und Hessen müssen für BAT-Altersstufen bluten

Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09

Berlin, 10.01.2012
CGZP-Tarifverträge:

Tarifverträge der CGZP waren auch 2004, 2006 und 2008 unwirksam

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11

München, 05.01.2012
Aufhebungsvertrag:

Aufhebungsvertrag ohne Abfindung, aber mit Ausgleichsklausel?

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10

Berlin, 03.01.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaub und Urlaubsabgeltung bei Krankheit - nur 15 Monate lang?

Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11

Berlin, 20.12.2011
Sozialauswahl:

Sozialauswahl und Altersdiskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10

Stuttgart, 05.12.2011
Kündigung:

Entschädigung für diskriminierende Kündigung

Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10

Berlin, 23.11.2011
Urlaub und Krankheit:

Krankheitsbedingt nicht genommener Urlaub kann nach 15 Monaten verfallen

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte

Berlin, 05.11.2011
Kündigungsschutzklage:

Arbeitsgericht Berlin großzügig bei Fristversäumung durch Anwalt

Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11

München, 02.11.2011
Fristlose Kündigung:

LAG München: Kündigung nach Betrug mit 20 EUR Schaden

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10

Frankfurt, 26.10.2011
Kündigung:

Kündigung wegen Alkohols am Steuer

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11

Frankfurt, 21.10.2011
Fristlose Kündigung:

Fristlose Kündigung wegen Diensthandy-Missbrauchs?

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10

Hamburg, 23.09.2011
Kündigung:

LAG Hamburg -
Kündigung bei Beschäftigungsmöglichkeit im Ausland

Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11

Berlin, 14.09.2011
BAT-TVöD:

Diskriminierung wegen des Alters durch BAT-Lebensaltersstufen

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)

Frankfurt, 13.09.2011
Altersgrenzen:

EuGH kippt Altersgrenze 60 für Lufthansa-Piloten

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)

Berlin, 12.09.2011
Chefarzt:

Kündigung eines Chefarztes wegen Wiederverheiratung?

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10

Hannover, 09.09.2011
Arbeitszeitbetrug:

Fristlose Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10

Berlin, 08.09.2011
Whistleblowing:

Verpfeifen / Whistleblowing ohne Risiko einer Kündigung?

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)

Berlin, 06.09.2011
Bonus - Kündigung:

Anspruch auf Bonus trotz Kündigung und Ausscheiden im Folgejahr

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09

Frankfurt, 05.09.2011
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Zwangsverwaltung eines Hotelgrundstücks

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10

Berlin, 02.09.2011
GlobeGround Berlin:

Betriebsratswahl bei GlobeGround in Berlin unwirksam

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11

Frankfurt, 31.08.2011
Kündigung:

Kündigung und Krankmeldung

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10

Hamburg, 25.08.2011
Probezeitkündigung:

Kündigung in der Probezeit wegen Heirat einer Chinesin

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11

Frankfurt, 23.08.2011
Kündigung und Vollmacht:

Kündigung mit Vollmacht, aber ohne Vollmachtsurkunde

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09