HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 07/09

Zu­gang zur Pri­vat­ver­si­che­rung er­schwert

Behandlungsgruppen DRG Ge­setz­lich oder pri­vat ver­si­chert - die­se Fra­ge stellt sich künf­tig für vie­le nicht mehr

10.05.2007. Das Fünf­te Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB V) de­fi­niert wie an­de­re Bü­cher des So­zi­al­ge­setz­bu­ches zu Be­ginn den Um­kreis der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Per­so­nen.

Dies sind ge­mäß § 5 Abs.1 Nr.1 SGB V vor al­lem die Ar­beit­neh­mer. Vor­aus­ge­setzt ist al­ler­dings, dass die Ar­beit­neh­mer nicht die lau­fend nach oben hin an­ge­pass­te Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze (JAE) in der Ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) über­schrei­ten.

Dann näm­lich sind auch Ar­beit­neh­mer ge­mäß der Aus­nah­me­vor­schrift des § 6 Abs.1 Nr.1 SGB V ver­si­che­rungs­frei. Die JAE be­trug in den ver­gan­gen Jah­ren:

  • 2005 (bun­des­ein­heit­lich): 46.800,00 EUR
  • 2006 (bun­des­ein­heit­lich): 47.250,00 EUR
  • 2007 (bun­des­ein­heit­lich): 47.750,00 EUR

Für die Ver­si­che­rungs­frei­heit von Ar­beit­neh­mern war nach bis­he­ri­gem Recht al­lein er­for­der­lich, dass das "re­gel­mä­ßi­ge Jah­res­ar­beits­ent­gelt" die Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze "über­steigt".

Nun­mehr wur­de § 6 Abs.1 Nr.1 SGB V ge­än­dert, und zwar durch das "Ge­setz zur Stär­kung des Wett­be­werbs in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-Wett­be­werbs­ver­stär­kungs­ge­setz - GKV-WSG).

Auf­grund des GKV-WSG wur­de die An­wen­dung der JAE da­hin­ge­hend ge­än­dert, dass der Ar­beit­neh­mer nun­mehr über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum von drei auf­ein­an­der fol­gen­den Ka­len­der­jah­ren ein über der JAE lie­gen­des Jah­res­ge­halt ha­ben muss. Ge­nau­er ge­sagt: Die Ver­si­che­rungs­frei­heit setzt erst dann ein, wenn das ak­tu­el­le (re­gel­mä­ßi­ge) Jah­res­ge­halt über der Gren­ze liegt und wenn dies zu­gleich (in der Rück­schau) wäh­rend der ver­gan­ge­nen drei Jah­re der Fall war. § 6 Abs.1 Nr.1 SGB V lau­tet in der Fas­sung des GKV-WSG wie folgt:

"(1) Ver­si­che­rungs­frei sind

1. Ar­bei­ter und An­ge­stell­te, de­ren re­gel­mä­ßi­ges Jah­res­ar­beits­ent­gelt die Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze nach den Ab­sät­zen 6 oder 7 über­steigt und in drei auf­ein­an­der fol­gen­den Ka­len­der­jah­ren über­stie­gen hat; dies gilt nicht für See­leu­te; Zu­schlä­ge, die mit Rück­sicht auf den Fa­mi­li­en­stand ge­zahlt wer­den, blei­ben un­be­rück­sich­tigt,

2. (…)"

Auf­grund die­ser Ge­set­zes­re­form er­gibt sich vor al­lem für Be­rufs­ein­stei­ger ei­ne gra­vie­ren­de Än­de­rung: Die­se kön­nen sich bei re­gel­mä­ßi­gem Über­stei­gen der JAE nicht mehr ab so­fort für ei­ne pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung ent­schei­den, son­dern ha­ben die­ses Recht frü­hes­tens nach ei­ner drei­jäh­ri­gen Be­schäf­ti­gungs­zeit.

Aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes sieht das GKV-WSG ei­ne Be­sitz­stands­wah­rung vor (§ 6 Abs.8 SGB V neue Fas­sung): Wer am 02.02.2007 we­gen Über­schrei­tens der JAE pri­vat ver­si­chert war, al­ler­dings die ver­schärf­ten Vor­aus­set­zun­gen der Neu­re­ge­lung für die Ver­si­che­rungs­frei­heit nicht er­füllt, bleibt wei­ter­hin ver­si­che­rungs­frei, so­lan­ge er kei­nen an­der­wei­ti­gen Tat­be­stand der Ver­si­che­rungs­pflicht er­füllt.

Das Ge­setz tritt am 01.04.2007 in Kraft. Auf­grund der Stich­tags­re­ge­lung (02.02.2007, Tag der ers­ten Le­sung) wer­den al­ler­dings die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer rück­wir­kend der ge­än­der­ten bzw. wei­ter­ge­hen­den Ver­si­che­rungs­pflicht un­ter­wor­fen, die am Stich­tag nicht die Vor­aus­set­zun­gen für die Be­sitz­stands­wah­rung er­fül­len.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. September 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche,
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-Mail: berlin@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de