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ARBEITSRECHT AKTUELL // 09/064

Das Ar­beit­neh­mer­da­ten­schutz­ge­setz kommt (nicht)

Pla­nun­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit und So­zia­les (BMAS): Hand­lungs­be­darf beim Da­ten­schutz für Ar­beit­neh­mer
Toilette von oben mit stehendem Benutzer Wann und wie und wo dür­fen Ar­beit­neh­mer über­wacht wer­den?

Wie die in den letz­ten Mo­na­ten be­kannt ge­wor­de­nen Fäl­le ei­ner zum gro­ßen Teil rechts­wid­ri­gen Über­wa­chung von Ar­beit­neh­mern zeigt, be­ste­hen auf dem Ge­biet des Da­ten­schut­zes zu­guns­ten von Ar­beit­neh­mern an­schei­nend Schutz­lü­cken.

Für be­son­ders hef­ti­ge Auf­re­gung sorg­ten die weit­ge­hen­den Maß­nah­men der Durch­leuch­tung und Kon­trol­le von Mit­ar­bei­tern der Deut­schen Bahn AG bzw. ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaf­ten (wir be­rich­te­ten dar­über in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 09/025 Was darf die Bahn?), die zu­letzt den Vor­stands­chef Meh­dorn zur Auf­ga­be zwan­gen.

Frag­lich ist al­ler­dings, wo die­se Schutz­lü­cken lie­gen – im Be­reich des Rechts bzw. der ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen oder im Be­reich der Durch­set­zung der (mög­li­cher­wei­se aus­rei­chen­den) Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen. Die­se gel­ten ja be­reits nach der­zeit gel­ten­der Rechts­la­ge auch zu­guns­ten von Ar­beit­neh­mern.

Ei­ne Ant­wort auf die­se Fra­ge fin­det sich in ei­ner ak­tu­el­len Stel­lung­nah­me des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit und So­zia­les (BMAS), in der be­kannt ge­ge­ben wird, der Mi­nis­ter pla­ne ein ei­gen­stän­di­ges Ar­beit­neh­mer­da­ten­schutz­ge­setz, d.h. ein „Ge­set­zes­werk aus ei­nem Guss“.

Zur Be­grün­dung die­ser Pla­nun­gen wird auf die „Da­ten­schutz­skan­da­le in der Wirt­schaft“ ver­wie­sen. Sie hät­ten die Her­aus­for­de­run­gen der mo­der­nen In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­sell­schaft „auch im Ar­beits­le­ben“ deut­lich ge­macht.

Der ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Um­gang mit sen­si­blen Ar­beit­neh­mer­da­ten müs­se si­cher­ge­stellt wer­den. Es müss­ten kla­re Gren­zen für die be­trieb­li­che Pra­xis ge­zo­gen wer­den. Ei­ne To­tal­über­wa­chung von Ar­beit­neh­mern am Ar­beits­platz dür­fe es ge­nau­so we­nig ge­ben wie die Durch­leuch­tung und Se­lek­ti­on von Mit­ar­bei­tern. Hier ge­be es Re­ge­lungs­lü­cken, z.B. bei der Vi­deo­über­wa­chung, der Über­wa­chung von E-mails, der Kon­trol­le der In­ter­net­nut­zung am Ar­beits­platz, beim Ein­satz von De­tek­ti­ven ge­gen­über Mit­ar­bei­tern und beim In­for­man­ten­schutz (Whist­leb­lo­wer).

Ob es in den hier an­ge­spro­che­nen Be­rei­chen wirk­lich er­heb­li­che Re­ge­lungs­lü­cken gibt, wird man letzt­lich nur be­ur­tei­len kön­nen, wenn die Über­le­gun­gen des BMAS im De­tail be­kannt sind. Was als recht­li­che „Lü­cke“ emp­fun­den wird, zeigt sich im Ein­zel­nen erst dann, wenn der Ge­setz­ge­ber oder ein Ge­richt den Ver­such un­ter­nimmt, sie zu schlie­ßen.

Rich­tig ist, dass die be­ste­hen­den recht­li­chen Re­geln zum Schutz der Per­sön­lich­keit und der Da­ten von Ar­beit­neh­mern oft sehr va­ge sind und bei der Rechts­an­wen­dung ei­ne Ab­wä­gung zwi­schen den In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers und der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen. Ob man aber ge­ra­de auf die­sem Rechts­ge­biet „kna­ckig-kla­re“ Ge­set­zes­vor­schrif­ten über­haupt er­war­ten bzw. schaf­fen kann?

Je­den­falls sind die Pla­nun­gen des BMAS nicht dar­auf an­ge­legt, kurz­fris­tig in die Tat um­ge­setzt zu wer­den. „Da ein um­fas­sen­der Ge­setz­ent­wurf Zeit be­an­sprucht“, so das BMAS, sei es „hilf­reich, wenn in ak­tu­el­len Ge­set­zes­vor­ha­ben der Da­ten­schutz be­son­ders be­rück­sich­tigt wird.“ Vor dem Hin­ter­grund der be­vor­ste­hen­den Bun­des­tags­wahl liest sich das so, als wä­re mit ei­nem Ge­setz­ent­wurf vor der Wahl nicht zu rech­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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