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ARBEITSRECHT AKTUELL // 10/017

Kurz­ar­bei­ter­geld 2010

Be­zugs­dau­er und Ent­las­tung der Ar­beit­ge­ber von So­zi­al­bei­trä­gen
Schreiben der Bundesagentur für Arbeit mit darauf liegenden Geldscheinen

26.01.2010. Zum Jah­res­wech­sel 2009/2010 sind die Vor­schrif­ten über das Kurz­ar­bei­ter­geld er­neut ge­än­dert wor­den, wo­bei die be­reits für 2008 und 2009 be­schlos­se­nen Ver­güns­ti­gun­gen im we­sent­li­chen fort­ge­schrie­ben wur­den.

Die ver­län­ger­te Be­zugs­dau­er wird zwar wei­ter fort­ge­führt, doch wird die höchst­zu­läs­si­ge Be­zugs­dau­er auf 18 Mo­na­te be­schränkt (für 2009 galt zu­letzt ei­ne Höchst­be­zugs­dau­er von 24 Mo­na­ten). Ar­beit­ge­ber wer­den bei Kurz­ar­beit wei­ter­hin in er­heb­li­chem Um­fang von den Lohn­ne­ben­kos­ten ent­las­tet.

Kurz­ar­bei­ter­geld - bis­he­ri­ge Re­ge­lung

In § 177 Abs. 1 Satz 3 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) ist fest­ge­legt, dass Kurz­ar­bei­ter­geld höchs­tens für die Dau­er von sechs Mo­na­ten be­zo­gen wer­den kann. Die­se ge­setz­li­che Re­ge­lung hat ver­schie­de­ne Verlänge­run­gen der höchst­zulässi­ge Be­zugs­dau­er, die seit En­de 2008 ent­schie­den wur­den, un­be­scha­det über­stan­den, da die Verände­run­gen je­weils im We­ge der ergänzen­den Rechts­ver­ord­nung durch­geführt wur­den.

Rechts­grund­la­ge hierfür ist § 182 Abs. 1 Nr.3 SGB III. Da­nach kann das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) durch Rechts­ver­ord­nung die Be­zugs­frist für das Kurz­ar­bei­ter­geld über die ge­setz­li­che Be­zugs­frist hin­aus bis zur Dau­er von zwölf Mo­na­ten verlängern, wenn in be­stimm­ten Wirt­schafts­zwei­gen oder Be­zir­ken außer­gewöhn­li­che Verhält­nis­se auf dem Ar­beits­markt vor­lie­gen, und darüber hin­aus so­gar bis zur Dau­er von 24 Mo­na­ten, wenn außer­gewöhn­li­che Verhält­nis­se auf dem ge­sam­ten Ar­beits­markt vor­lie­gen (§ 182 Abs. 1 Nr.3 b) SGB III). Auf die­se Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge wur­den die Verlänge­run­gen der letz­ten Zeit gestützt.

Die Be­zugs­frist wur­de zunächst En­de 2008 für Ar­beit­neh­mer, de­ren An­spruch auf Kurz­ar­bei­ter­geld bis zum 31.12.2009 ent­stan­den ist, auf 18 Mo­na­te verlängert (Ver­ord­nung über die Be­zugs­frist für das Kurz­ar­bei­ter­geld, vom 26.11.2008, BGBl I 2008, S. 2332). Die Ver­ord­nung trat zum 01.01.2009 in Kraft und galt so­mit ein Jahr, vom 01.01. bis zum 31.12.2009.

Bald schon sah sich die Bun­des­re­gie­rung un­ter dem Ein­druck der an­hal­ten­den Wirt­schafts­kri­se zu ei­ner noch wei­ter­ge­hen­den Verlänge­rung der Be­zugs­dau­er ge­zwun­gen. En­de Mai 2009 wur­de die Verlänge­rung von 18 Mo­na­ten um wei­te­re sechs Mo­na­te auf­ge­stockt, d.h. auf 24 Mo­na­te her­auf­ge­setzt (Ers­te Ver­ord­nung zur Ände­rung der Ver­ord­nung über die Be­zugs­frist für das Kurz­ar­bei­ter­geld, vom 29.05.2009, BGBl I 2009, S. 1223). Auch die­se Verlänge­rung galt nur für das Jah­re 2009, d.h. vom 01.01. bis zum 31.12.2009.

Höchst­gren­zen für den Be­zug von Kurz­ar­bei­ter­geld

Un­ter dem Ein­druck der ver­brei­te­ten Er­war­tung, dass sich die Aus­wir­kun­gen der Re­zes­si­on auf dem Ar­beits­markt viel­fach erst 2010 be­merk­bar ma­chen würden, wur­de die Verlänge­rung der Be­zugs­dau­er mit Wir­kung für das Jahr 2010 fort­ge­schrie­ben (Zwei­te Ver­ord­nung zur Ände­rung der Ver­ord­nung über die Be­zugs­frist für das Kurz­ar­bei­ter­geld, vom 08.12.2009, BGBl I 2009, S. 3855). Al­ler­dings wur­de die höchst­zulässi­ge Be­zugs­dau­er da­bei für Ar­beit­neh­mer, de­ren An­spruch auf Kurz­ar­bei­ter­geld erst in 2010 ent­steht, auf 18 Mo­na­te re­du­ziert, d.h. es gilt für 2010 ei­ne „verkürz­te Verlänge­rung“. Für Ar­beit­neh­mer, die sich be­reits En­de 2009 im Be­zug von Kurz­ar­bei­ter­geld be­fan­den, bleibt al­ler­dings die bis­he­ri­ge, güns­ti­ge­re Re­ge­lung maßgeb­lich.

Ei­ne über den 31.12.2010 hin­aus­ge­hen­de noch­ma­li­ge Verlänge­rung der erhöhten Be­zugs­dau­er ist mit der der­zei­ti­gen Fas­sung von § 182 Abs. 1 Nr.3 b) SGB III nicht zu ver­ein­ba­ren, da auf die­ser Grund­la­ge von der ge­setz­li­chen Höchst­gren­ze nur bis zur Dau­er von 24 Mo­na­ten ab­ge­wi­chen wer­den kann. Die­sen Zeit­rah­men hat die Po­li­tik mit den vom 01.01.2009 bis zum 31.12.2010 gel­ten­den Verlänge­run­gen der Höchst­be­zugs­dau­er aus­geschöpft.

Ent­las­tung der Ar­beit­ge­ber von So­zi­al­beiträgen

Mit dem Ge­setz zur Ände­rung des vier­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch, zur Er­rich­tung ei­ner Ver­sor­gungs­aus­gleichs­kas­se und zur Ände­rung an­de­rer Ge­set­ze, vom 15.07.2009 (BGBl I 2009, S. 1939) wur­den ei­ni­ge Ände­run­gen in das SGB III auf­ge­nom­men, mit de­nen Ar­beit­ge­ber von der Be­las­tung mit So­zi­al­ab­ga­ben, die sie während ei­ner Kurz­ar­beit tra­gen müssen, ent­las­tet wer­den soll­ten.

Hin­ter­grund die­ser Ent­las­tun­gen ist die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, auf der Grund­la­ge des Ar­beits­lohns, der we­gen Kurz­ar­beit aus­ge­fal­len ist, So­zi­al­beiträge zu ent­rich­ten, und zwar auf ei­ner nur ge­ringfügig klei­ne­ren Ba­sis von 80 Pro­zent der Aus­fall­stun­den bzw. des aus­ge­fal­le­nen Lohns. Entfällt z.B. ein Ar­beits­lohn von 3.000,00 EUR brut­to in­fol­ge von Kurz­ar­beit Null vollständig, so sind den­noch be­zo­gen auf 80 Pro­zent die­ses aus­ge­fal­le­nen Lohns, d.h. be­zo­gen auf 2.400,00 EUR brut­to So­zi­al­beiträge zu ent­rich­ten. Die­se hat der Ar­beit­ge­ber al­lein zu tra­gen, da der Ar­beit­neh­mer Kurz­ar­bei­ter­geld so­mit ei­ne steu­er- und ab­ga­ben­freie Lohn­er­satz­leis­tung be­zieht.

Die Ent­las­tung von So­zi­al­beiträgen setzt an drei Punk­ten an:

Ers­tens gibt es ei­ne ge­ne­rel­le Ent­las­tung von kurz­ar­beits­be­dingt al­lein zu tra­gen­den So­zi­al­beiträgen in Höhe von 50 Pro­zent (§ 421 t Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB III).

Darüber hin­aus wer­den dem Ar­beit­ge­ber für Kurz­ar­beit, die im Jah­re 2009 in min­des­tens ei­nem Be­trieb des Ar­beit­gerbers durch­geführt wird, ab dem sieb­ten Mo­nat des Be­zugs von Kurz­ar­bei­ter­geld in ei­nem Be­trieb auf An­trag 100 Pro­zent der kurz­ar­beits­be­dingt al­lein von ihm zu tra­gen­den So­zi­al­beiträge er­stat­tet, und zwar auch für al­le an­de­ren Be­trie­be des Ar­beit­ge­bers, in de­nen Kurz­ar­beit durch­geführt wird (§ 421 t Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB III). Führt ein Un­ter­neh­men mit meh­re­ren Be­trie­ben da­her in ei­nem Be­trieb be­reits mehr als sechs Mo­na­te Kurz­ar­beit durch, in an­de­ren da­ge­gen noch nicht so lan­ge, wer­den dem Un­ter­neh­men so­mit al­le kurz­ar­beits­be­dingt an­fal­len­den So­zi­al­beiträge in vol­lem Um­fang er­stat­tet, d.h. auch für die Be­trie­be, in de­nen die Kurz­ar­beit erst vor kur­zem ein­geführt wur­de.

Sch­ließlich woll­te der Ge­setz­ge­ber ei­nen An­reiz schaf­fen, die in Kurz­ar­beit be­find­li­chen Ar­beit­neh­mer be­ruf­lich wei­ter­zu­bil­den. Für den Fall der Teil­nah­me von kurz­ar­bei­ten­den Ar­beit­neh­mern an ei­ner be­ruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rungs­maßnah­me, bei der die Teil­nah­me nicht der Rück­kehr zur re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit oder der Erhöhung der Ar­beits­zeit ent­ge­gen­steht, wer­den dem Ar­beit­ge­ber da­her die von ihm kurz­ar­beits­be­dingt al­lein zu tra­gen­den Beiträge zur So­zi­al­ver­si­che­rung auf An­trag in vol­ler Höhe in pau­scha­lier­ter Form er­stat­tet, falls Um­fang der Qua­li­fi­zie­rungs­maßnah­me min­des­tens 50 Pro­zent der Aus­fall­zeit beträgt (§ 421t Abs. 1 Nr.2 SGB III). Die­se Er­stat­tungsmöglich­keit be­steht da­her schon vom ers­ten Tag der Kurz­ar­beit an.

Die Re­ge­lun­gen zur Ent­las­tung der Ar­beit­ge­ber von So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträgen bei Kurz­ar­beit gel­ten bis zum 31.12.2010.

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Letzte Überarbeitung: 15. September 2016

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