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BAG, Ur­teil vom 22.09.2016, 2 AZR 276/16

   
Schlagworte: Massenentlassung, Betriebsrat
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 2 AZR 276/16
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 22.09.2016
   
Leitsätze: Die Unterrichtung des Arbeitgebers nach § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 Nr. 1 bis Nr. 6 KSchG kann in Textform (§ 126b BGB) erfolgen.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 01.10.2015, 57 Ca 3172/15
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 24.02.2016, 15 Sa 1953/15
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 276/16
15 Sa 1953/15
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ber­lin-Bran­den­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
22. Sep­tem­ber 2016

UR­TEIL

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Sep­tem­ber 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Koch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Ra­chor,

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den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Nie­mann so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Nie­b­ler und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Alex für Recht er­kannt:

1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird - un­ter Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on im Übri­gen - das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 24. Fe­bru­ar 2016 - 15 Sa 1953/15 - teil­wei­se auf­ge­ho­ben.

2. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 1. Ok­to­ber 2015 - 57 Ca 3172/15 - wird zurück­ge­wie­sen, so­weit sie sich ge­gen die Ab­wei­sung des Kündi­gungs­schutz­an­trags zu 2. und des An­trags auf Zah­lung ei­nes Nach­teils­aus­gleichs rich­tet.

3. Die Kos­ten des Rechts­streits ha­ben die Kläge­rin zu 5/6 und die Be­klag­te zu 1/6 zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit zwei­er Kündi­gun­gen und hilfs­wei­se um ei­nen Nach­teils­aus­gleich.

Die ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen gleich­ge­stell­te Kläge­rin war bei der Be­klag­ten als An­ge­stell­te im Be­reich Check-In auf dem Flug­ha­fen B beschäftigt. Als Er­satz­mit­glied nahm sie im Au­gust 2014 Be­triebs­ratstätig­keit wahr.

In der Ver­gan­gen­heit hat­te die G GmbH & Co. KG (GGB) sämt­li­che Vor­feld- und Pas­sa­ge­dienst­leis­tun­gen an den Flughäfen T und S er­bracht. Im Zu­ge ge­sell­schafts­recht­li­cher Um­or­ga­ni­sa­tio­nen glie­der­te sie den Geschäfts­be­reich Pas­sa­ge aus. Die be­tref­fen­den Ar­beits­verhält­nis­se - dar­un­ter das der Kläge­rin - gin­gen im Mai 2012 im We­ge des Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te über. Die­se spal­te­te ih­ren Be­trieb im Jahr 2014 in die Be­triebs­tei­le T und S auf und über­trug den Be­reich der Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gung des Be­triebs­teils S auf ei­ne neu ge­gründe­te Ge­sell­schaft. Die Ar­beits­verhält­nis­se der am Flug­ha­fen T be-

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schäftig­ten Ar­beit­neh­mer ver­blie­ben über­wie­gend bei der Be­klag­ten, die zu­letzt et­wa 190 Ar­beit­neh­mer beschäftig­te.

Ein­zi­ge Auf­trag­ge­be­rin so­wie ein­zi­ge Kom­man­di­tis­tin und in der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung al­lein stimm­be­rech­tig­te Ge­sell­schaf­te­rin der Be­klag­ten ist die GGB. De­ren Kom­man­dit­an­tei­le wur­den von ei­nem Un­ter­neh­men der sog. W-Grup­pe ge­hal­ten.

Auf die Ar­beits­verhält­nis­se mit der GGB fan­den zunächst de­ren Vergütungs­ta­rif­verträge An­wen­dung. Im Sep­tem­ber 2013 tra­ten all­ge­mein­ver­bind­li­che Ta­rif­verträge für Bo­den­ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen an Flughäfen in Ber­lin und Bran­den­burg in Kraft, die deut­lich nied­ri­ge­re Ent­gel­te vor­sa­hen. Für die von der GGB über­nom­me­nen Alt­beschäftig­ten ver­ein­bar­te die Be­klag­te ei­nen Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag, der ei­nen Aus­gleich der Dif­fe­renz­vergütung über ei­ne Be­sitz­stands­zu­la­ge vor­sieht.

Im Sep­tem­ber 2014 kündig­te die GGB sämt­li­che der Be­klag­ten er­teil­ten Auf­träge spätes­tens zum 31. März 2015. Die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung der Be­klag­ten wies dar­auf­hin den Geschäftsführer der Kom­ple­mentärin an, al­le zur Vor­be­rei­tung ei­ner Be­triebs­still­le­gung er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen. Die GGB ver­gab die gekündig­ten Auf­träge, so sie wei­ter aus­geführt wur­den, an an­de­re, über­wie­gend der sog. W-Grup­pe zu­gehöri­ge Ge­sell­schaf­ten.

Die Be­klag­te un­ter­rich­te­te den Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 22. Sep­tem­ber 2014 über die ge­plan­te Be­triebs­still­le­gung. Nach er­geb­nis­lo­sen Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ver­ein­bar­ten die Be­triebs­par­tei­en in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich die Ein­set­zung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le über den Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs und ei­nes So­zi­al­plans. Wei­ter ka­men sie übe­rein, zu ei­ner der ers­ten bei­den Sit­zun­gen der Ei­ni­gungs­stel­le sol­le ein Ver­tre­ter der Bun­des­agen­tur für Ar­beit „ein­ge­la­den“ wer­den.

Die Ei­ni­gungs­stel­le tag­te im No­vem­ber und De­zem­ber 2014 an vier Ter­mi­nen. In ei­nem an den Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den ge­rich­te­ten An­walts­schrei­ben vom 15. De­zem­ber 2014 be­an­stan­de­te der Be­triebs­rat das Feh­len von In­for­ma­tio­nen zu den wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Gründen für die be­ab­sich­tig­te Be­triebsände­rung. Ins­be­son­de­re müsse die Be­klag­te an­hand von Un-

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ter­la­gen die „kon­zern­in­ter­ne Kal­ku­la­ti­on“ ge­genüber den von den Flug­ge­sell­schaf­ten ver­ge­be­nen Auf­trägen of­fen­le­gen. Die Be­klag­te er­teil­te die ver­lang­ten Auskünf­te nicht. In der Ei­ni­gungs­stel­len­sit­zung am 18. De­zem­ber 2014 erklärten ih­re Ver­tre­ter die In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen für ge­schei­tert. Ein Mit­ar­bei­ter der Bun­des­agen­tur für Ar­beit war zu die­sen nicht hin­zu­ge­zo­gen wor­den.

In ei­nem mit „In­for­ma­ti­on nach § 17 Abs. 2 KSchG“ be­zeich­ne­ten Schrei­ben der Be­klag­ten an den Be­triebs­rat vom 2. Ja­nu­ar 2015 heißt es ua.:

„Im Rah­men der Ver­hand­lun­gen und ins­be­son­de­re im Rah­men der Ei­ni­gungs­stel­le ha­ben wir ja be­reits über die Möglich­kei­ten zur Ver­mei­dung von Ent­las­sun­gen mit Ih­nen be­ra­ten, ins­be­son­de­re die Möglich­keit der Er­rich­tung ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft. (...) Wir freu­en uns, die Be­ra­tun­gen über die Ver­mei­dung von Ent­las­sun­gen an die­ser Stel­le fort­set­zen zu können. Ger­ne ste­he ich natürlich auch für Be­ra­tun­gen außer­halb der Ei­ni­gungs­stel­le zur Verfügung.“

Der Be­triebs­rat ant­wor­te­te mit Schrei­ben vom 14. Ja­nu­ar 2015: „... die Fol­gen für die Be­leg­schaft wer­den noch in der Ei­ni­gungs­stel­le be­ra­ten, so dass wir Sie bit­ten, von der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge zunächst ab­zu­se­hen. Außer­dem ver­wei­sen wir auf die Stel­lung­nah­me von RA (...) vom 15.12.2014 an den Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den, die wir vor­sorg­lich noch­mals beifügen. ...“

Nach wei­te­ren Ver­hand­lun­gen be­schloss die Ei­ni­gungs­stel­le am 21. Ja­nu­ar 2015 mit Stim­men­mehr­heit ei­nen So­zi­al­plan so­wie die Ein­rich­tung ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft.

Die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung der Be­klag­ten ent­schied am 20. Ja­nu­ar 2015, den Be­trieb zum 31. März 2015 still­zu­le­gen. Die Be­klag­te er­stat­te­te am 28. Ja­nu­ar 2015 in­halts­glei­che Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­gen bei den Agen­tu­ren für Ar­beit in C und B. Die­sen wa­ren we­der das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 14. Ja­nu­ar 2015 noch das sei­nes an­walt­li­chen Be­ra­ters vom 15. De­zem­ber 2014 bei­gefügt. Zur „Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats“ führ­te die Be­klag­te aus:

„Mit dem bei der A ge­bil­de­ten Be­triebs­rat wur­den In­ter­es­sens­aus­gleichs- und So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen geführt.

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Wei­ter­hin wur­de der Be­triebs­rat noch ein­mal ge­son­dert mit dem bei­gefügten Schrei­ben vom 2. Ja­nu­ar 2015 gemäß § 17 Abs. 2 KSchG un­ter­rich­tet. ...

Ei­ne ge­son­der­te Stel­lung­nah­me hat der Be­triebs­rat nicht ab­ge­ge­ben. Im Rah­men der So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen wur­de je­doch mit dem Be­triebs­rat am 13., 16. und 21. Ja­nu­ar 2015 über die Ein­rich­tung ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft iSd. § 111 SGB III ver­han­delt. Das Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren wur­de am 21. Ja­nu­ar 2015 be­en­det (...). Wei­te­re, ge­son­der­te Be­ra­tun­gen hat der Be­triebs­rat nicht ver­langt.“

Die Be­klag­te erklärte an­sch­ließend im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2015 nach Anhörung des Be­triebs­rats die or­dent­li­che Kündi­gung al­ler Ar­beits­verhält­nis­se. Das­je­ni­ge der Kläge­rin kündig­te sie nach Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts mit Schrei­ben vom 13. Fe­bru­ar 2015 zum 31. Ju­li 2015.

Nach­dem meh­re­re Kam­mern des Ar­beits­ge­richts die Kündi­gun­gen die­ser ers­ten „Wel­le“ un­ter Hin­weis auf Mängel im Ver­fah­ren nach § 17 KSchG für nich­tig erklärt hat­ten, be­schloss die Be­klag­te, vor­sorg­lich er­neut Kündi­gun­gen aus­zu­spre­chen. Sie un­ter­rich­te­te den Be­triebs­rat mit ei­nem durch Te­le­fax über­mit­tel­ten Schrei­ben vom 10. Ju­ni 2015 gemäß § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG. Am 12. Ju­ni 2015 lei­te­te sie ge­genüber dem Be­triebs­rat die Ver­fah­ren nach § 102 Abs. 1 Be­trVG ein. Da­bei teil­te sie je­weils mit, dass es bei der Be­triebs­still­le­gung ver­blei­ben sol­le. Der Be­triebs­rat dank­te mit Te­le­fax vom 12. Ju­ni 2015 für die In­for­ma­ti­on nach § 17 Abs. 2 KSchG und un­ter­brei­te­te am 17. Ju­ni 2015 Vor­schläge zur Ver­mei­dung von Ent­las­sun­gen. Hier­zu er­stell­te die Be­klag­te ei­ne Präsen­ta­ti­on, auf de­ren Grund­la­ge am 24. Ju­ni 2015 Be­ra­tun­gen mit ei­ner vom Be­triebs­rat ent­sand­ten „Ver­hand­lungs­kom­mis­si­on“ statt­fan­den. Ei­ne Ei­ni­gung über die „Wie­de­reröff­nung“ des Be­triebs wur­de nicht er­zielt. Die Be­klag­te über­mit­tel­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den auf de­ren Wunsch noch am glei­chen Tag die Präsen­ta­ti­on und gab Ge­le­gen­heit, sich bis um 18:00 Uhr des Fol­ge­tags zu erklären. Die Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de er­wi­der­te mit Schrei­ben vom 25. Ju­ni 2015, das Gre­mi­um wer­de auf der Grund­la­ge der Erörte­run­gen in sei­ner nächs­ter Sit­zung am 30. Ju­ni 2015 un­verzüglich und ab­sch­ließend Stel­lung neh­men. Die Mit­glie­der der Ver­hand­lungs­kom­mis­si­on hätten nichts zu ergän-

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zen und hoff­ten, auf der Ba­sis ih­rer am Vor­tag geäußer­ten In­for­ma­ti­onswünsche, in ei­nem neu­en Ter­min „in­halt­lich wei­ter­zu­kom­men“. Die Be­klag­te ant­wor­te­te mit Schrei­ben vom 26. Ju­ni 2015, sie se­he kei­ne Grund­la­ge für ernst­haf­te Gespräche über die Wie­de­reröff­nung des Be­triebs und ha­be sich des­halb ent­schlos­sen, die Kündi­gun­gen zu wie­der­ho­len. Am glei­chen Tag reich­te sie übe­rein­stim­men­de Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­gen bei den Agen­tu­ren für Ar­beit in C und B ein. Dar­in teil­te sie mit, dass sich der „of­fi­zi­el­le Be­triebs­sitz“ in S be­fun­den ha­be, während der über­wie­gen­de Teil der Ar­beit­neh­mer vor der Be­triebs­still­le­gung am Flug­ha­fen T beschäftigt ge­we­sen sei. Nach ei­ner in­ter­nen Ab­stim­mung der Agen­tu­ren für Ar­beit traf wie­der­um die­je­ni­ge in C die Ent­schei­dung gemäß §§ 18, 20 KSchG.

Die Be­klag­te kündig­te mit Schrei­ben vom 15. Ju­li 2015 nach er­neu­ter Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin zum 31. Ja­nu­ar 2016.

Die Kläge­rin hat sich mit der vor­lie­gen­den Kla­ge recht­zei­tig ge­gen die Kündi­gun­gen vom 13. Fe­bru­ar und 15. Ju­li 2015 ge­wandt. Bei­de Kündi­gun­gen sei­en so­zi­al nicht ge­recht­fer­tigt. Die Ent­schei­dung, den Be­trieb still­zu­le­gen, sei rechts­miss­bräuch­lich. Die Still­le­gung ha­be den von lan­ger Hand ge­plan­ten Ver­such dar­ge­stellt, sich der „teu­ren“ Alt­beschäftig­ten zu ent­le­di­gen. Die Auf­träge der Flug­ge­sell­schaf­ten sei­en le­dig­lich in­ner­halb der „W-Grup­pe“ ver­scho­ben wor­den. Die Be­klag­te ha­be vor Aus­spruch der Kündi­gung vom 13. Fe­bru­ar 2015 kei­ne ord­nungs­gemäße Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge er­stat­tet. Der Kündi­gung vom 15. Ju­li 2015 sei­en we­der ei­ne kor­rek­te Anhörung nach § 102 Abs. 1 Be­trVG noch ein ge­setzmäßiges Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 Abs. 2 KSchG vor­aus­ge­gan­gen. Der Be­triebs­rat sei zu kei­ner Zeit aus­rei­chend über die Gründe für die ge­plan­ten Ent­las­sun­gen un­ter­rich­tet wor­den. Die in der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ent­hal­te­nen An­ga­ben zum Be­triebs­sitz sei­en un­zu­tref­fend. Falls sich ei­ne der Kündi­gun­gen als wirk­sam er­wei­sen soll­te, ha­be sie - die Kläge­rin - zu­min­dest An­spruch auf ei­nen Nach­teils­aus­gleich. Die Be­klag­te ha­be den Be­triebs­rat nicht recht­zei­tig und nur un­zu­rei­chend in­for­miert, sich ent­ge­gen dem ge­schlos­se­nen Ver­gleich nicht auf ei­nen Ver­mitt­lungs­ver­such

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durch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit ein­ge­las­sen und die Ver­hand­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs vor­zei­tig ab­ge­bro­chen.

Die Kläge­rin hat zu­letzt sinn­gemäß be­an­tragt, 

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 13. Fe­bru­ar 2015 nicht auf­gelöst wor­den ist;

2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 15. Ju­li 2015 nicht auf­gelöst wor­den ist;

3. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit ei­nem der Kündi­gungs­schutz­anträge die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie - die Kläge­rin - als Scha­dens­er­satz gemäß § 113 Abs. 3 Be­trVG, §§ 9, 10 KSchG ei­nen Be­trag zu zah­len, der in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, je­doch 27.600,00 Eu­ro nicht un­ter­schrei­ten soll­te.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Bei­de Kündi­gun­gen sei­en so­zi­al ge­recht­fer­tigt und auch sonst wirk­sam. Die Kläge­rin ha­be kei­nen An­spruch auf ei­nen Nach­teils­aus­gleich.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt bei­den Kündi­gungs­schutz­anträgen statt­ge­ge­ben. Mit ih­rer Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist teil­wei­se be­gründet. Zwar hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kündi­gung vom 13. Fe­bru­ar 2015 im Er­geb­nis zu Recht für nich­tig er­ach­tet (A.). Rechts­feh­ler­haft hat es je­doch auch die Kündi­gung vom 15. Ju­li 2015 als un­wirk­sam an­ge­se­hen (B.). Da die­se Kündi­gung wirk­sam ist, fällt der An­trag auf Zah­lung ei­nes Nach­teils­aus­gleichs zur Ent­schei­dung an. Ein sol­cher An­spruch be­steht nicht (C.). Ei­ner Vor­la­ge an den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on be­durf­te es nicht (D.).

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A. Der Kündi­gungs­schutz­an­trag zu 1. ist be­gründet. Die Kündi­gung vom 13. Fe­bru­ar 2015 hat das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin nicht auf­gelöst. Die Be­klag­te hat vor Aus­spruch die­ser Kündi­gung kei­ne den An­for­de­run­gen aus § 17 Abs. 3 KSchG genügen­de Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge er­stat­tet. Das führt zur Nich­tig­keit der Kündi­gung gemäß § 134 BGB. Des­halb stellt sich die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts über den Kündi­gungs­schutz­an­trag zu 1. zu­min­dest im Er­geb­nis als rich­tig dar (§ 561 ZPO). Ob wei­te­re Un­wirk­sam­keits­gründe vor­la­gen, be­darf kei­ner Ent­schei­dung.

I. Die von der Be­klag­ten be­ab­sich­tig­ten Ent­las­sun­gen wa­ren gemäß § 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KSchG an­zei­ge­pflich­tig. Es soll­ten die Ar­beits­verhält­nis­se al­ler ver­blie­be­nen 188 Ar­beit­neh­mer in­ner­halb von 30 Ka­len­der­ta­gen gekündigt wer­den. Die Pflicht zur Durchführung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens und zur Er­stat­tung ei­ner Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge be­steht auch dann, wenn der Ar­beit­ge­ber be­ab­sich­tigt, den Be­trieb still­zu­le­gen (BAG 26. Fe­bru­ar 2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 14, BA­GE 151, 83).

II. Nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG hat der Ar­beit­ge­ber, der nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG ver­pflich­tet ist, der Agen­tur für Ar­beit Ent­las­sun­gen an­zu­zei­gen, sei­ner schrift­li­chen An­zei­ge die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats „zu den Ent­las­sun­gen“ bei­zufügen. Gemäß § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG ist die Mas­sen-ent­las­sungs­an­zei­ge auch dann wirk­sam er­folgt, wenn zwar kei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats vor­liegt, der Ar­beit­ge­ber aber glaub­haft macht, dass er das Gre­mi­um min­des­tens zwei Wo­chen vor Er­stat­tung der An­zei­ge nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG un­ter­rich­tet hat, und er gleich­zei­tig den Stand der Be­ra­tun­gen dar­legt.

III. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge soll es der Agen­tur für Ar­beit ermögli­chen, recht­zei­tig Maßnah­men zur Ver­mei­dung oder we­nigs­tens zum Auf­schub von Be­las­tun­gen des Ar­beits­markts ein­zu­lei­ten und für an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung der Be­trof­fe­nen zu sor­gen. Zu die­sem Zweck soll durch die Beifügung der Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats oder - er­satz­wei­se - die Dar­le­gung des Be­ra­tungs­stands die Durchführung und ggf. das Er­geb­nis des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens do­ku­men­tiert wer­den. Die Ar­beits­ver­wal­tung soll be­ur­tei­len können, ob die

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Be­triebs­par­tei­en auf der Grund­la­ge aus­rei­chen­der In­for­ma­tio­nen tatsächlich über die ge­plan­ten Mas­sen­ent­las­sun­gen und ins­be­son­de­re de­ren Ver­mei­dung be­ra­ten ha­ben (BAG 28. Ju­ni 2012 - 6 AZR 780/10 - Rn. 53, BA­GE 142, 202). Da­ne­ben soll sie Kennt­nis von ei­ner - even­tu­ell dem Ar­beit­ge­ber ungüns­ti­gen - Sicht­wei­se des Be­triebs­rats er­lan­gen (BAG 21. März 2013 - 2 AZR 60/12 - Rn. 44, BA­GE 144, 366; 21. März 2012 - 6 AZR 596/10 - Rn. 21 f.). Dem­ent­spre­chend ist ei­ne Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge un­wirk­sam, wenn der Ar­beit­ge­ber ihr ei­ne Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats nicht beifügt (§ 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG) bzw. er Dar­le­gun­gen gemäß § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG un­terlässt oder doch den Stand der Be­ra­tun­gen mit dem Be­triebs­rat in ei­ner Wei­se ir­reführend dar­stellt, die ge­eig­net ist, ei­ne für ihn - den Ar­beit­ge­ber - güns­ti­ge Ent­schei­dung der Behörde zu er­wir­ken.

IV. Die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge der Be­klag­ten genügt we­der den An­for­de­run­gen des § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG noch de­nen des § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG.

1. Die Be­klag­te konn­te ih­rer Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge kei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG beifügen. Die­ser hat mit sei­nem Schrei­ben vom 14. Ja­nu­ar 2015 nebst An­la­ge ge­ra­de nicht erklärt, er be­trach­te sei­nen Be­ra­tungs­an­spruch als erfüllt.

2. Auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG la­gen nicht vor.

a) Zwar war die Be­klag­te nach die­ser Vor­schrift nicht ge­hal­ten, der Agen­tur für Ar­beit das Schrei­ben des Be­triebs­rats vom 14. Ja­nu­ar 2015 nebst An­la­ge vor­zu­le­gen. Der Stand der Be­ra­tun­gen ist le­dig­lich dar­zu­le­gen. Das kann auch in ei­ge­nen Wor­ten ge­sche­hen. Ge­ge­be­nen­falls muss so­gar ei­ne ei­ge­ne Dar­stel­lung durch den Ar­beit­ge­ber er­fol­gen, et­wa wenn der Be­triebs­rat sich gar nicht geäußert hat oder die Agen­tur für Ar­beit mit ei­nem unüber­sicht­li­chen Kon­glo­me­rat von Un­ter­la­gen kon­fron­tiert wird und ver­su­chen müss­te, hier­aus den letz­ten Be­ra­tungs­stand ab­zu­lei­ten.

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b) Die Be­klag­te hat durch ih­re Dar­le­gun­gen zum Stand der Be­ra­tun­gen ei­nen fal­schen - po­ten­zi­ell für sie güns­ti­gen - Ein­druck von der Einschätzung des Be­triebs­rats ver­mit­telt.

aa) Ih­re Be­haup­tung, der Be­triebs­rat ha­be auf die Un­ter­rich­tung nach § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG kei­ne „ge­son­der­te Stel­lung­nah­me“ ab­ge­ge­ben, traf nicht zu. Das Gre­mi­um hat­te mit Schrei­ben vom 14. Ja­nu­ar 2015 ge­ant­wor­tet und da­bei auf das Schrei­ben sei­nes an­walt­li­chen Ver­tre­ters vom 15. De­zem­ber 2014 ver­wie­sen. Zwar hat­te je­ner dar­in ge­genüber dem Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le mo­niert, die Be­klag­te ha­be die - ver­meint­lich - für Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich nach §§ 111, 112 Be­trVG er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen nicht er­teilt. Je­doch hat der Be­triebs­rat die­sen Ein­wand durch die er­neu­te Vor­la­ge des Schrei­bens gleich­sam ak­tua­li­siert und ihn auf die aus sei­ner Sicht un­erläss­li­chen Grund­la­gen für ein nun­mehr durch­zuführen­des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 Abs. 2 KSchG be­zo­gen. Er hat die Be­klag­te wis­sen las­sen, dass er nach wie vor die Grund­vor­aus­set­zun­gen für zielführen­de Ver­hand­lun­gen über die Ver­mei­dung oder doch Ein­schränkung von Ent­las­sun­gen nicht als erfüllt an­se­he, weil ihm aus sei­ner Sicht un­ver­zicht­ba­re In­for­ma­tio­nen fehl­ten. Während der Be­triebs­rat da­mit Be­ra­tun­gen über die Ver­mei­dung oder Ein­schränkung von Ent­las­sun­gen ge­ra­de an­ge­strebt, sol­che aber an­ge­sichts ei­nes Man­gels an In­for­ma­tio­nen für unmöglich er­ach­tet hat, hat die Be­klag­te der Agen­tur für Ar­beit mit­ge­teilt, der Be­triebs­rat ha­be „wei­te­re, ge­son­der­te Be­ra­tun­gen“ über die Ver­mei­dung oder Ein­schränkun­gen von Ent­las­sun­gen „nicht ver­langt“. Da­nach muss­te die Ar­beits­ver­wal­tung an­neh­men, auch der Be­triebs­rat hal­te es für aus­ge­schlos­sen, Ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder zu­min­dest ein­zu­schränken, und mei­ne eben­falls, es könne al­lein um die für die Agen­tur für Ar­beit al­ler­dings nicht be­deut­sa­me (§ 17 Abs. 3 Satz 1 und Satz 4 KSchG) Mil­de­rung ih­rer Fol­gen ge­hen.

bb) Die in sei­nem Schrei­ben vom 14. Ja­nu­ar 2015 nebst An­la­ge geäußer­te An­sicht des Be­triebs­rats kenn­zeich­ne­te, was das von § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG vor­ran­gig ver­folg­te Ziel der Ver­mei­dung oder zu­min­dest der Ein­schränkung von Ent­las­sun­gen an­be­langt, ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on auch

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noch den „letz­ten“ Stand der Be­ra­tun­gen. Über bei­de Primärzie­le wur­de - bis ul­ti­mo - des­halb über­haupt nicht ver­han­delt, weil der Be­triebs­rat mein­te, hierfür feh­le es schon an den für ihn er­for­der­li­chen In­for­ma­ti­ons­grund­la­gen.

cc) Ir­re­le­vant ist, ob das Aus­kunfts­ver­lan­gen des Be­triebs­rats aus Sicht der Be­klag­ten be­rech­tigt war oder ob das Gre­mi­um die be­tref­fen­den In­for­ma­tio­nen tatsächlich be­an­spru­chen durf­te. Es wi­derspräche dem Ge­set­zes­zweck, dem Ar­beit­ge­ber das Recht zu­zu­bil­li­gen, vor­weg zu be­wer­ten, ob ei­ne Äußerung des Be­triebs­rats für die Prüfung der Ar­beits­ver­wal­tung re­le­vant ist. Zu­dem bleibt es re­gelmäßig - so auch hier - Spe­ku­la­ti­on, ob die Agen­tur für Ar­beit in Kennt­nis der Sicht­wei­se des Be­triebs­rats an­de­re ar­beits­markt­po­li­ti­sche Maßnah­men ein­ge­lei­tet hätte (BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 64). Die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers sind da­durch aus­rei­chend ge­wahrt, dass er der Ar­beits­ver­wal­tung sei­ne ge­gen­tei­li­ge Rechts­auf­fas­sung mit­tei­len kann.

3. Der in dem Ver­s­toß ge­gen § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG lie­gen­de Man­gel ist durch den - die wirk­sa­me Er­stat­tung der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge bestäti­gen­den - Be­scheid der Agen­tur für Ar­beit C vom 10. Fe­bru­ar 2015 nicht ge­heilt wor­den (BAG 26. Fe­bru­ar 2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 42, BA­GE 151, 83). Der Feh­ler in der An­zei­ge führt nach § 134 BGB zur Nich­tig­keit der Kündi­gung vom 13. Fe­bru­ar 2015.

V. Nach al­le­dem be­darf es kei­ner Ent­schei­dung, ob die Be­klag­te vor Aus­spruch der Kündi­gung vom 13. Fe­bru­ar 2015 das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 Abs. 2 KSchG ord­nungs­gemäß durch­lau­fen hat. Ins­be­son­de­re muss nicht der Fra­ge nach­ge­gan­gen wer­den, ob und ggf. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Kon­sul­ta­ti­ons­an­spruch des Be­triebs­rats durch Ver­hand­lun­gen in ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le erfüllt wer­den kann.

B. Der Kündi­gungs­schutz­an­trag zu 2. ist un­be­gründet. Die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 15. Ju­li 2015 hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nach § 26 Abs. 2 des maßgeb­li­chen MTV mit Ab­lauf des 31. Ja­nu­ar 2016 auf­gelöst.

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I. Mit der von ihm ge­ge­be­nen Be­gründung durf­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kündi­gung vom 15. Ju­li 2015 nicht für nach § 134 BGB nich­tig er­ach­ten. Die Be­klag­te hat das gemäß § 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KSchG er­neut er­for­der­li­che Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren nach § 17 Abs. 2 KSchG kor­rekt durch­lau­fen.

1. Das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren ist vor Fol­gekündi­gun­gen ua. dann noch 37 ein­mal durch­zuführen, wenn - wie hier - aber­mals ein Mas­sen­ent­las­sungs­tat­be­stand vor­liegt und (noch) ei­ne be­tei­li­gungsfähi­ge Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung be­steht (BAG 22. April 2010 - 6 AZR 948/08 - Rn. 20, BA­GE 134, 176). Der bei der Be­klag­ten er­rich­te­te Be­triebs­rat hat­te nach der zum 31. März 2015 er­folg­ten Be­triebs­still­le­gung ein Rest­man­dat gemäß § 21b Be­trVG. Die­ses er­streck­te sich auf al­le mit der Still­le­gung in funk­tio­na­lem Zu­sam­men­hang ste­hen­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Mit­be­stim­mungs- und Mit­wir­kungs­rech­te (BAG 24. Sep­tem­ber 2015 - 2 AZR 562/14 - Rn. 64, BA­GE 152, 345). Zu die­sen gehören auch die Be­tei­li­gungs­rech­te aus § 17 Abs. 2 KSchG. Das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren stellt trotz sei­ner nor­ma­ti­ven Ver­or­tung im Kündi­gungs­schutz­ge­setz ein be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich ge­prägtes Ver­fah­ren dar (ErfK/Kiel 16. Aufl. § 17 KSchG Rn. 9).

2. Die Be­klag­te hat das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren recht­zei­tig ein­ge­lei­tet. Den 38 vor­sorg­lich ins Au­ge ge­fass­ten Kündi­gun­gen der zwei­ten „Wel­le“ lag ih­re Ab­sicht zu­grun­de, es bei der zum 31. März 2015 er­folg­ten Be­triebs­still­le­gung zu be­las­sen. In die­sem Pla­nungs­sta­di­um genügte es, das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren vor Aus­spruch der das Fest­hal­ten an dem Still­le­gungs­ent­schluss exe­ku­tie­ren­den - zwei­ten - Kündi­gun­gen ein­zu­lei­ten (EuGH 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Kes­kus­liit­to] Rn. 38, 41 und 49, Slg. 2009, I-8163). Die Be­klag­te muss­te nicht et­wa zunächst den Be­trieb „wie­der eröff­nen“. Die auf die Still­le­gungs­ent­schei­dung zurück­ge­hen­den Kündi­gun­gen der ers­ten „Wel­le“ wa­ren auf­grund der Feh­ler­haf­tig­keit der dies­bezügli­chen Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge nich­tig. Den Zwe­cken des § 17 KSchG und der Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20. Ju­li 1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen (- MERL -, ABl. EG L 225 vom 12. Au­gust 1998 S. 16) war in­so­weit genügt.

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3. Die Be­klag­te hat das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren ord­nungs­gemäß ein­ge­lei­tet.

a) Sie hat den Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 10. Ju­ni 2015 vollständig nach § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 Nr. 1 bis 6 KSchG un­ter­rich­tet und ihn zu Be­ra­tun­gen gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG auf­ge­for­dert. Die Be­klag­te hat dem Be­triebs­rat ins­be­son­de­re die „Gründe für die ge­plan­ten Ent­las­sun­gen“ mit­ge­teilt. Dafür genügte die An­ga­be, dass nicht be­ab­sich­tigt sei, den still­ge­leg­ten Be­trieb wie­der auf­zu­neh­men. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat bei sei­ner ge­gen­tei­li­gen Ent­schei­dung zum ei­nen nicht auf den maßgeb­li­chen Pla­nungs­stand vor Aus­spruch der Kündi­gun­gen der zwei­ten „Wel­le“ ab­ge­stellt. Zum an­de­ren hat es nicht zwi­schen der Un­ter­rich­tung über die „Gründe für die ge­plan­ten Ent­las­sun­gen“ iSv. § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 Nr. 1 KSchG (Art. 2 Abs. 3 Un­terabs. 1 Buchst. b MERL) und der Er­tei­lung von „zweck­dien­li­chen Auskünf­ten“ iSv. § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 1 KSchG (Art. 2 Abs. 3 Un­terabs. 1 Buchst. a MERL) un­ter­schie­den.

b) Die Über­mitt­lung des Schrei­bens vom 10. Ju­ni 2015 durch Te­le­fax genügt den in § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG be­stimm­ten An­for­de­run­gen.

aa) Der Ar­beit­ge­ber hat dem Be­triebs­rat die Auskünf­te nach § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 Nr. 1 bis 6 KSchG „schrift­lich“ zu er­tei­len. Die Un­ter­rich­tung muss ent­ge­gen ei­ner im Schrift­tum - weit­ge­hend be­gründungs­los - ver­tre­te­nen Auf­fas­sung (APS/Moll 4. Aufl. § 17 KSchG Rn. 70; AR/Le­schnig 7. Aufl. § 17 KSchG Rn. 29; BDDH/Bo­em­ke § 17 KSchG Rn. 82; DHSW/Bufa­li­ca/Braun 3. Aufl. § 17 KSchG Rn. 7; ErfK/Kiel 16. Aufl. § 17 KSchG Rn. 23; Ha­Ko/Pfeif­fer 5. Aufl. § 17 KSchG Rn. 49; LSW/Wert­hei­mer 10. Aufl. § 17 KSchG Rn. 48; MüKoBGB/Her­genröder 6. Aufl. § 17 KSchG Rn. 38; SES/Schra­der § 17 KSchG Rn. 52; v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne in vHH/L 15. Aufl. § 17 KSchG Rn. 63) nicht den An­for­de­run­gen des § 126 BGB genügen. Die Wah­rung der Text­form ent­spre­chend § 126b BGB reicht aus (EUArbR/Spel­ge RL 98/59/EG Art. 2 Rn. 11; Krie­ger/Lud­wig NZA 2010, 919, 922; Schaub/Linck 16. Aufl. § 142 Rn. 15; TLL/Lembke/Ober­win­ter § 17 KSchG Rn. 84; of­fen­ge­las­sen zu­letzt von

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BAG 9. Ju­ni 2016 - 6 AZR 405/15 - Rn. 27; 20. Sep­tem­ber 2012 - 6 AZR 155/11 - Rn. 55 ff., BA­GE 143, 150).

bb) Die sich aus § 126 BGB er­ge­ben­den for­mel­len An­for­de­run­gen können auf die Un­ter­rich­tung nach § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 KSchG schon des­halb kei­ne di­rek­te An­wen­dung fin­den, weil § 126 BGB nicht un­mit­tel­bar für geschäftsähn­li­che Erklärun­gen gilt (BAG 10. Mai 2016 - 9 AZR 145/15 - Rn. 17). Um ei­ne sol­che han­delt es sich aber bei der Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats über die in § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 Nr. 1 bis 6 KSchG be­zeich­ne­ten Tat­sa­chen. Die­se ist nicht auf die Her­beiführung ei­ner Rechts­fol­ge kraft rechts­geschäft­li­chen Wil­lens ge­rich­tet (BAG 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 530/09 - Rn. 44).

cc) Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung von § 126 BGB ist nicht ge­bo­ten. Der Zweck des § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 KSchG und die In­ter­es­sen­la­ge der Be­tei­lig­ten ver­lan­gen nicht die Über­mitt­lung ei­nes vom Ar­beit­ge­ber ei­genhändig un­ter­zeich­ne­ten Schriftstücks an den Be­triebs­rat.

(1) Die Un­ter­rich­tung nach § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 KSchG soll es der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ermögli­chen, kon­struk­ti­ve Vor­schläge zu un­ter­brei­ten, um die ge­plan­te Mas­sen­ent­las­sung zu ver­hin­dern oder ein­zu­schränken (EuGH 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Kes­kus­liit­to] Rn. 51 und 64, Slg. 2009, I-8163). Der Be­triebs­rat muss die ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen An­ga­ben auf Vollständig­keit, in­halt­li­chen Ab­schluss und Ur­he­ber­schaft prüfen können. Da­ne­ben müssen die über­mit­tel­ten In­for­ma­tio­nen für ihn dau­er­haft verfügbar sein. Die­se Möglich­kei­ten wer­den durch ei­ne Über­mitt­lung in Text­form ent­spre­chend § 126b BGB gewähr­leis­tet (BAG 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 530/09 - Rn. 46). Da­mit wird auch die Ein­hal­tung der dem Ar­beit­ge­ber ob­lie­gen­den Pflicht, der Agen­tur für Ar­beit ei­ne Ab­schrift der Mit­tei­lung zu­zu­lei­ten (§ 17 Abs. 3 Satz 1 KSchG), nicht be­ein­träch­tigt.

(2) Dem­ge­genüber be­deu­te­te das Er­for­der­nis ei­ner Über­mitt­lung des Un­ter­rich­tungs­schrei­bens mit Ori­gi­nal­un­ter­schrift kei­ner­lei funk­tio­na­len, norm-zweck­be­zo­ge­nen Mehr­wert, son­dern stell­te sich viel­mehr als un­an­ge­mes­sen und ver­kehrs­er­schwe­rend dar. Der Ar­beit­ge­ber muss nicht vor den Fol­gen ei­ner

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„über­has­te­ten“ Ver­fah­rens­ein­lei­tung ge­warnt wer­den. Kein Be­tei­lig­ter oder Drit­ter hat ein ernst­haf­tes In­ter­es­se an ei­ner Fälschung des Un­ter­rich­tungs­schrei­bens (hier­zu Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur An­pas­sung der Form­vor­schrif­ten des Pri­vat­rechts und an­de­rer Vor­schrif­ten an den mo­der­nen Rechts­geschäfts­ver­kehr BT-Drs. 14/4987 S. 18 f.). Die Wah­rung der Schrift­form ana­log § 126 BGB ist auch nicht er­for­der­lich, da­mit der Be­triebs­rat oder die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ein zu­verlässi­ges Be­weis­mit­tel er­hal­ten. Im Streit­fall muss der Ar­beit­ge­ber be­wei­sen, dass die Un­ter­rich­tung mit ei­nem be­stimm­ten In­halt dem Be­triebs­rat zu­ge­gan­gen ist.

dd) Das Uni­ons­recht gibt in Art. 2 Abs. 3 Un­terabs. 1 Buchst. b MERL kei­ne stren­ge­ren For­man­for­de­run­gen vor. Dies kann der Se­nat oh­ne Vor­la­ge an den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on nach Art. 267 AEUV ent­schei­den. In der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs ist geklärt, dass der Be­deu­tungs­ge­halt des Be­griffs „schrift­lich“ in Rechts­ak­ten der Uni­on - wie im na­tio­na­len Recht - in Be­zug auf die Zwe­cke der be­tref­fen­den Vor­schrift zu be­stim­men ist (EuGH 29. April 1982 - C-66/81 - Rn. 19 ff. [Pom­mer­ehn­ke]) und die Über­sen­dung ei­nes Schriftstücks per Te­le­fax aus­reicht, wenn es - wie hier - vor­ran­gig um ei­ne verkörper­te Do­ku­men­ta­ti­on für den Empfänger geht (EuGH 24. Ja­nu­ar 2002 - C-170/00 - Rn. 29 und 34, Slg. 2002, I-1007).

ee) Hier­nach kann da­hin­ste­hen, ob der Be­triebs­rat, dem al­lein die Rech­te auf In­for­ma­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on aus Art. 2 MERL zu­ste­hen (EuGH 16. Ju­li 2009 - C-12/08 - [Mo­no Car Sty­ling] Rn. 38, Slg. 2009, I-6653), auf den Zu­gang ei­nes Un­ter­rich­tungs­schrei­bens mit Ori­gi­nal­un­ter­schrift ver­zich­ten könn­te und ob er dies vor­lie­gend durch sein Schrei­ben vom 12. Ju­ni 2015 ge­tan hat.

4. Die Be­klag­te hat mit dem Be­triebs­rat aus­rei­chend gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 KSchG be­ra­ten.

a) Der Ar­beit­ge­ber un­ter­liegt im Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren kei­nem Ei­ni­gungs­zwang. Es reicht aus, wenn er mit dem ernst­li­chen Wil­len zur Ei­ni­gung in die Ver­hand­lun­gen mit dem Be­triebs­rat geht (BAG 28. Ju­ni 2012 - 6 AZR 780/10 - Rn. 57, BA­GE 142, 202) und ggf. be­reit ist, des­sen ab­wei­chen­de Vor-

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schläge ins Kalkül zu zie­hen und sich mit ih­nen aus­ein­an­der­zu­set­zen (EU-ArbR/Spel­ge RL 98/59/EG Art. 2 Rn. 22). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Ar­beit­ge­ber die Ver­mei­dung oder Ein­schränkung von Ent­las­sun­gen von be­stimm­ten Be­din­gun­gen abhängig macht. Auch ei­ne ab­so­lu­te Ver­hand­lungs(min­dest)dau­er ist we­der nach na­tio­na­lem noch nach Uni­ons­recht vor­ge­schrie­ben (BAG 16. Mai 2007 - 8 AZR 693/06 - Rn. 42). Die Kon­sul­ta­tio­nen sind oh­ne Ei­ni­gung der Be­triebs­par­tei­en be­en­det, wenn der Ar­beit­ge­ber an­neh­men darf, es be­ste­he kein An­satz für wei­te­re, zielführen­de Ver­hand­lun­gen (BAG 26. Fe­bru­ar 2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 29, BA­GE 151, 83). Dem Ar­beit­ge­ber kommt in die­sem Rah­men ei­ne Be­ur­tei­lungs­kom­pe­tenz zu, wann er den Be­ra­tungs­an­spruch des Be­triebs­rats als erfüllt an­sieht. Das setzt in­des vor­aus, dass er dem Be­triebs­rat zu­vor al­le zweck­dien­li­chen Auskünf­te iSd. § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 1 KSchG er­teilt hat, wo­bei es sich nach dem Ver­lauf der Be­ra­tun­gen rich­tet, wel­che An­ga­ben des Ar­beit­ge­bers - noch oder nun­mehr - als zweck­dien­lich an­zu­se­hen sind (EuGH 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Kes­kus-liit­to] Rn. 53, Slg. 2009, I-8163).

b) Hier­nach hat die Be­klag­te in ei­ner den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen genügen­den Wei­se mit dem Be­triebs­rat be­ra­ten.

aa) Es ist nicht er­sicht­lich, dass sie nicht mit dem ernst­li­chen Wil­len zur Ei­ni­gung in die Ver­hand­lun­gen ge­gan­gen wäre. Dar­aus, dass es schon ei­ne ers­te „Kündi­gungs­wel­le“ ge­ge­ben hat­te und be­reits ein So­zi­al­plan in Be­zug auf die be­tref­fen­de Be­triebsände­rung auf­ge­stellt wor­den war, folgt nicht, ei­ne „Wie­de­reröff­nung“ des Be­triebs sei un­ter al­len Umständen aus­ge­schlos­sen und die kon­kre­ten Kündi­gun­gen sei­en oh­ne­hin be­schlos­se­ne Sa­che ge­we­sen, die es nur­mehr ab­zu­wi­ckeln galt (BAG 21. März 2013 - 2 AZR 60/12 - Rn. 18, BA­GE 144, 366). Der - zu­mal vom Be­triebs­rat an­ge­foch­te­ne - Ei­ni­gungs­stel­len­spruch über den So­zi­al­plan wäre bei gänz­li­cher Ver­mei­dung von Ent­las­sun­gen hinfällig ge­we­sen und im Um­fang ei­ner Ein­schränkung der Ent­las­sun­gen nicht zum Zu­ge ge­kom­men.

bb) Die Be­klag­te durf­te die Möglich­keit ei­ner Wie­de­reröff­nung des Be­triebs von der zeit­na­hen und rechts­si­che­ren Ab­sen­kung der Vergütung ih­rer Beschäf-

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tig­ten auf das Ni­veau des Flächen­ta­rif­ver­trags abhängig ma­chen. Die­se „Grund­be­din­gung“ hat­te sie dem Be­triebs­rat be­reits in ih­rem Un­ter­rich­tungs­schrei­ben vom 10. Ju­ni 2015 mit­ge­teilt und ihm da­mit zu­gleich al­le sei­ner­zeit zweck­dien­li­chen Auskünf­te iSv. § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 1 KSchG er­teilt. Wei­te­rer In­for­ma­tio­nen be­durf­te es so­lan­ge nicht, wie der Be­triebs­rat nicht si­gna­li­siert hat­te, dass er sich für die Erfüllung die­ser Be­din­gung ein­set­zen wer­de. Der Geschäfts­be­trieb der Be­klag­ten war zum Zeit­punkt der Ein­lei­tung des (zwei­ten) Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens im Ju­ni 2015 be­reits still­ge­legt; al­le Auf­träge wa­ren spätes­tens zum 31. März 2015 gekündigt wor­den. Ge­gen­stand der durch den Be­triebs­rat in­iti­ier­ten Über­le­gun­gen der Be­klag­ten konn­te vor die­sem Hin­ter­grund nur sein, ob es ihr ge­lin­gen könn­te, kurz­fris­tig neue Auf­träge zu er­hal­ten. Die­ses Ziel war von der Ent­wick­lung ih­rer Per­so­nal­kos­ten abhängig. De­ren Höhe hat­te maßgeb­li­chen Ein­fluss auf den Preis, zu dem sie künf­tig ih­re Dienst­leis­tun­gen im Wett­be­werb mit an­de­ren Ge­sell­schaf­ten in­ner­halb und außer­halb der sog. W-Grup­pe hätte an­bie­ten können.

cc) Die Be­klag­te muss­te dem Be­triebs­rat we­der bei der Ein­lei­tung des Ver­fah­rens nach § 17 Abs. 2 KSchG noch in des­sen wei­te­rem Ver­lauf An­ga­ben zur „kon­zern­in­ter­nen Kal­ku­la­ti­on“ der zum 31. März 2015 gekündig­ten Auf­träge über­mit­teln. Da­bei kann - wo­zu es an Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts fehlt - zu­guns­ten der Kläge­rin un­ter­stellt wer­den, dass zu­min­dest ein an­de­res Un­ter­neh­men un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar ei­nen be­herr­schen­den Ein­fluss auf die Be­klag­te ausüben konn­te und die­se - un­abhängig da­von, ob es des­sen be­durf­te - so­gar ei­ne ge­sell­schafts­recht­lich ab­ge­si­cher­te Möglich­keit hat­te, die be­tref­fen­den In­for­ma­tio­nen von dem an­de­ren Un­ter­neh­men zu er­lan­gen. Je­den­falls ist - was Vor­aus­set­zung für die An­wen­dung von Art. 2 Abs. 4 MERL bzw. § 17 Abs. 3a KSchG wäre (EuGH 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Kes­kus­liit­to] Rn. 43, Slg. 2009, I-8163) - we­der fest­ge­stellt noch sonst er­sicht­lich, dass die Be­klag­te nicht al­lein darüber ent­schei­den konn­te, ob sie sich - auf der Grund­la­ge ih­res ge­genwärti­gen Per­so­nal­kos­ten­ni­veaus - an wei­te­ren Aus­schrei­bun­gen von Flug­ge­sell­schaf­ten oder an­de­ren Auf­trag­neh­mern be­tei­li­gen, ei­ne (Un­ter-)Ver­ga­be von be­reits er­teil­ten Auf­trägen durch Un­ter­neh­men der sog. W-Grup­pe er­war­ten oder - an­ge­sichts der nach der Be­triebs­still­le­gung schon

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auf­ge­lau­fe­nen Per­so­nal­kos­ten - von ei­ner Wie­de­reröff­nung ih­res Geschäfts­be­triebs ab­se­hen woll­te. Eben­so feh­len An­halts­punk­te, aus de­nen auf ei­ne die Be­klag­te bin­den­de Vor­ga­be für die Durchführung der vor­sorg­li­chen Kündi­gun­gen ge­schlos­sen wer­den könn­te. Vor die­sem Hin­ter­grund wa­ren die vom Be­triebs­rat als Vor­be­din­gung für wei­te­re Ver­hand­lun­gen ge­for­der­ten An­ga­ben zur „kon­zern­in­ter­nen Kal­ku­la­ti­on“ im Streit­fall nicht zweck­dien­lich iSd. § 17 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 1 KSchG (Art. 2 Abs. 3 Un­terabs. 1 Buchst. a MERL).

dd) Die Be­ra­tun­gen sind nicht des­halb un­zu­rei­chend ge­we­sen, weil die Be­triebs­par­tei­en le­dig­lich am 24. Ju­ni 2015 Ver­hand­lun­gen geführt ha­ben. Die Be­klag­te muss­te auch nicht die in Aus­sicht ge­stell­te Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats­gre­mi­ums ab­war­ten und ggf. an­sch­ließend die Be­ra­tun­gen in ei­nem wei­te­ren Ter­min fort­set­zen.

(1) Die Be­klag­te hat sich - auf der Grund­la­ge ih­rer Präsen­ta­ti­on vom 23. Ju­ni 2015 - in dem Be­ra­tungs­ter­min ein­ge­hend mit den Vor­schlägen des Be­triebs­rats aus­ein­an­der­ge­setzt. Da die­ser un­verändert die Über­mitt­lung von „kon­zern­in­ter­nen Kal­ku­la­tio­nen“ als Vor­be­din­gung für wei­te­re Ver­hand­lun­gen ver­lang­te, durf­te sie da­von aus­ge­hen, dass kei­ne wei­te­ren Ansätze für zielführen­de Ver­hand­lun­gen be­stan­den.

(2) An die­ser Einschätzung konn­te die Be­klag­te nach dem Schrei­ben der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vom 25. Ju­ni 2015 fest­hal­ten. Die­ses bot der Be­klag­ten kei­nen An­halt dafür, dass ih­re Grund­be­din­gung doch noch zeit­nah erfüllt wer­den könn­te. Ei­ne Ände­rung des bis­her vom Be­triebs­rat ein­ge­nom­me­nen Stand­punkts ist aus dem Schrei­ben nicht an­satz­wei­se er­sicht­lich. Viel­mehr wird dar­in ua. auf der Erfüllung der gel­tend ge­mach­ten In­for­ma­ti­ons­ansprüche be­harrt.

(3) Die Be­klag­te muss­te die ihr für den 30. Ju­ni 2015 in Aus­sicht ge­stell­te Sit­zung des ge­sam­ten Be­triebs­rats­gre­mi­ums nicht ab­war­ten.

(a) Die Be­klag­te hat­te den Be­triebs­rat mit ih­rem Schrei­ben vom 10. Ju­ni 2015 über die ge­plan­ten Maßnah­men un­ter­rich­tet. Die am 24. Ju­ni 2015 er­folg-

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ten Ver­hand­lun­gen sind mit den vom Be­triebs­rat ent­sand­ten Ver­tre­tern geführt wor­den. Die­se ha­ben an den zu­vor geäußer­ten Grund­be­din­gun­gen für wei­te­re Ver­hand­lun­gen nach § 17 Abs. 2 KSchG fest­ge­hal­ten. Ih­re Erklärun­gen durf­te die Be­klag­te als die Po­si­ti­on des Be­triebs­rats an­se­hen. Dass die­ser nach der Kon­zep­ti­on des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes als Kol­le­gi­al­or­gan ver­fasst ist, be­deu­tet nicht, er müsse die ihm zu­ste­hen­den Be­tei­li­gungs­rech­te stets in sei­ner Ge­samt­heit wahr­neh­men. Viel­mehr wird er nach § 26 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG im Rah­men der von ihm ge­fass­ten Be­schlüsse von dem Vor­sit­zen­den ver­tre­ten (BAG 25. Mai 2016 - 2 AZR 345/15 - Rn. 23 für das Anhörungs­ver­fah­ren nach § 102 Be­trVG). An des­sen Erklärun­gen ist das Gre­mi­um grundsätz­lich ge­bun­den. Et­was an­de­res gilt nur, wenn es sich er­sicht­lich nicht um Äußerun­gen für den Be­triebs­rat, son­dern um persönli­che Äußerun­gen han­delt (zu die­sem hier nicht vor­lie­gen­den Son­der­fall BAG 26. Fe­bru­ar 2015 - 2 AZR 955/13 - Rn. 21, BA­GE 151, 83). Zwar mag ei­ne Un­ter­bre­chung des Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens zur er­neu­ten Be­ra­tung sei­ner Ver­tre­ter mit dem Gre­mi­um er­for­der­lich sein, wenn sich die Sach­la­ge auf­grund der Erörte­run­gen in den Kon­sul­ta­tio­nen mit dem Ar­beit­ge­ber grund­le­gend ändert, et­wa weil die­ser erst­mals re­le­van­te Auskünf­te er­teilt. Das war hier je­doch nicht der Fall. Des­halb wäre es Sa­che der Vor­sit­zen­den ge­we­sen, die Be­triebs­rats­mit­glie­der par­al­lel zu den Ver­hand­lun­gen oder je­den­falls am Fol­ge­tag zu ei­ner Sit­zung ein­zu­be­ru­fen, so­fern sie ei­ne Be­fas­sung des Gre­mi­ums für tun­lich er­ach­tet hätte.

(b) Oh­ne Be­deu­tung ist, ob die vom Be­triebs­rat ent­sand­ten Ver­tre­ter zur Durchführung der Kon­sul­ta­tio­nen be­vollmäch­tigt wa­ren. Es gilt - wie im Ver­fah­ren nach § 102 Be­trVG - die Sphären­theo­rie, nach der sich Mängel im Zuständig­keits- und Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Be­triebs­rats grundsätz­lich nicht zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers aus­wir­ken (BAG 6. Ok­to­ber 2005 - 2 AZR 316/04 - Rn. 21). Viel­mehr muss die­ser über­haupt kei­ne Be­ra­tun­gen nach § 17 Abs. 2 KSchG durchführen, wenn der Be­triebs­rat sich nicht in­ner­halb an­ge­mes­se­ner Frist auf Be­ra­tun­gen einlässt. In­so­fern macht es kei­nen Un­ter­schied, ob er nie­man­den zu ei­nem ver­ein­bar­ten Ver­hand­lungs­ter­min ent­sen­det oder sei­ne Ver­tre­ter nicht aus­rei­chend be­vollmäch­tigt.

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II. Der Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts zwingt nicht zu ei­ner Zurück­ver­wei­sung. Der Se­nat kann auf­grund des fest­ge­stell­ten Sach­verhält­nis­ses ab­sch­ließend über die Wirk­sam­keit der Kündi­gung vom 15. Ju­li 2015 ent­schei­den (§ 563 Abs. 3 ZPO). Die­se ist we­der so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt iSd. § 1 Abs. 2 KSchG noch aus an­de­ren Gründen un­wirk­sam.

1. Die Kündi­gungs­erklärung war hin­rei­chend be­stimmt. In­so­fern genügte die An­ga­be „zum nächstmögli­chen Ter­min“ ergänzt um den Zu­satz „dies ist nach un­se­rer Be­rech­nung der 31. Ja­nu­ar 2016“ (BAG 20. Ja­nu­ar 2016 - 6 AZR 782/14 - Rn. 16).

2. Die or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin, die Er­satz­mit­glied des Be­triebs­rats und in die­ser Funk­ti­on zu­letzt im Au­gust 2014 nach­gerückt war, ist so­zi­al ge­recht­fer­tigt und auch sonst zulässig iSv. § 1 Abs. 2 und Abs. 3 iVm. § 15 Abs. 4 KSchG. Sie ist auch nicht nach § 613a Abs. 4 Satz 1 BGB un­wirk­sam.

a) Die Still­le­gung ei­nes Be­triebs zählt zu den drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen iSv. § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG (BAG 24. Sep­tem­ber 2015 - 2 AZR 3/14 - Rn. 13, BA­GE 152, 337). Wird ein Be­trieb still­ge­legt, ist nach § 15 Abs. 4 KSchG die or­dent­li­che Kündi­gung der Ar­beits­verhält­nis­se der in § 15 Abs. 1 bis Abs. 3 KSchG ge­nann­ten Per­so­nen zum Zeit­punkt der Still­le­gung zulässig. Die Be­klag­te hat­te die dem Be­triebs­zweck die­nen­de Or­ga­ni­sa­ti­on zum 31. März 2015 vollständig auf­gelöst. Seit dem 1. April 2015 ent­fal­te­te sie kei­ne Geschäftstätig­keit mehr. Für den Weg­fall des Beschäfti­gungs­be­darfs bei der Be­klag­ten spielt es kei­ne Rol­le, ob ei­ni­ge der von der GGB gekündig­ten Auf­träge seit­her durch an­de­re Ge­sell­schaf­ten ei­nes Kon­zerns aus­geführt wur­den (BAG 23. März 2006 - 2 AZR 162/05 - Rn. 18). Un­strei­tig ist es we­der zu ei­nem Be­triebs­teilüber­gang iSv. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ge­kom­men noch war ein sol­cher auch nur be­ab­sich­tigt. Des­halb ist die Kündi­gung auch nicht nach § 613a Abs. 4 Satz 1 BGB un­wirk­sam. Auf­grund der Still­le­gung des ein­zi­gen Be­triebs wa­ren im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten kei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten gemäß § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b KSchG vor­han­den. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl nach § 1 Abs. 3 KSchG war ent­behr­lich, weil al­le Ar-

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beits­verhält­nis­se so früh wie möglich mit der je­weils maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den soll­ten.

b) Zu­tref­fend hat be­reits das Ar­beits­ge­richt die zum Weg­fall des Beschäfti­gungs­be­darfs führen­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen der Be­klag­ten (Auf­spal­tung des Be­triebs in zwei Tei­le, Über­tra­gung des Be­reichs Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gung in S auf ei­ne an­de­re Ge­sell­schaft, Still­le­gung des ver­blie­be­nen Be­triebs) nicht als recht­miss­bräuch­lich an­ge­se­hen. Es lässt sich nicht fest­stel­len, dass sie al­lein dar­auf ab­ge­zielt hätten, die Beschäftig­ten mit Be­sitzständen - dar­un­ter die Kläge­rin - zu iso­lie­ren und sie un­ter dem Deck­man­tel un­ter­neh­me­ri­scher Ent­schei­dungs­frei­heit oh­ne das Ein­grei­fen ei­nes nen­nens­wer­ten Kündi­gungs­schut­zes „los­zu­wer­den“ (BAG 24. Sep­tem­ber 2015 - 2 AZR 562/14 - Rn. 47, BA­GE 152, 345). Die Auf­spal­tung des von der GGB über­nom­me­nen Be­triebs er­scheint kei­nes­wegs sach­fremd. Die Be­triebs­tei­le in T und S la­gen räum­lich er­heb­lich von­ein­an­der ent­fernt. Zu­dem er­brach­ten sie ih­re Dienst­leis­tun­gen an ver­schie­de­nen Flughäfen. Von dem an­sch­ließen­den Über­gang des Be­reichs Pas­sa­gier­ab­fer­ti­gung im Be­triebs­teil S wur­den auch zahl­rei­che Ar­beits­verhält­nis­se von Alt­beschäftig­ten er­fasst. Dies spricht da­ge­gen, dass es aus­sch­ließlich dar­um ge­gan­gen wäre, „bil­li­ge“ Neu­beschäftig­te zu­las­ten „teu­rer“ Alt­beschäftig­ter vor ei­ner Kündi­gung zu be­wah­ren. Un­er­heb­lich ist, ob die Be­klag­te, nach­dem al­le Auf­träge gekündigt wor­den wa­ren, den ver­blie­be­nen Be­trieb schließen muss­te. Sie hätte den Be­trieb selbst bei vol­lem Auf­trags­be­stand still­le­gen dürfen.

c) Die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung führen­den kon­zern­di­men­sio­na­len Kündi­gungs­schut­zes sind schon des­halb nicht erfüllt, weil die nach dem ei­ge­nen Vor­trag der Kläge­rin fremd­be­herrsch­te Be­klag­te ge­ra­de kei­nen be­stim­men­den Ein­fluss auf ei­nen Wech­sel zu ei­ner an­de­ren „Kon­zern­ge­sell­schaft“ hat­te (zu die­ser Vor­aus­set­zung BAG 24. Sep­tem­ber 2015 - 2 AZR 562/14 - Rn. 44, BA­GE 152, 345). Ob und ggf. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sich ein An­spruch auf Ab­schluss (§ 894 ZPO) oder Ver­schaf-fung (§ 888 ZPO) ei­nes „Er­satz­ar­beits­ver­trags“ ge­gen ei­ne be­herr­schen­de Ge­sell­schaft er­ge­ben kann (dafür - sehr weit­ge­hend - Tem­ming Der ver­trags­be-

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herr­schen­de Drit­te S. 1105 ff.) be­darf in dem vor­lie­gen­den, aus­sch­ließlich ge­gen die Be­klag­te als Ver­trags­ar­beit­ge­be­rin der Kläge­rin ge­rich­te­ten Rechts­streit kei­ner Ent­schei­dung.

3. Die Be­klag­te muss­te nicht nach § 103 Abs. 1 Be­trVG die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung ein­ho­len, weil sie ei­ne gemäß § 15 Abs. 4 KSchG zulässi­ge or­dent­li­che Kündi­gung erklären woll­te. Die er­for­der­li­che Anhörung des Gre­mi­ums nach § 102 Abs. 1 Be­trVG iVm. § 21b Be­trVG war ord­nungs­gemäß. Die Be­klag­te hat den Be­triebs­rat aus­rei­chend über den Kündi­gungs­grund in­for­miert. Den ge­nau­en Zu­gangs­zeit­punkt der Kündi­gung konn­te und muss­te sie nicht an­ge­ben (BAG 25. April 2013 - 6 AZR 49/12 - Rn. 142 ff.).

4. Die Kündi­gung vom 15. Ju­li 2015 ist nicht nach § 17 Abs. 3 KSchG iVm. § 134 BGB un­wirk­sam.

a) Die Be­klag­te hat am 26. Ju­ni 2015 ei­ne ord­nungs­gemäße Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge bei den Agen­tu­ren für Ar­beit C und B er­stat­tet. Sie hat durch Vor­la­ge des Sen­de­be­richts (BGH 17. Ja­nu­ar 2006 - XI ZB 4/05 - Rn. 16) und der Emp­fangs­bestäti­gung glaub­haft ge­macht, dass sie den Be­triebs­rat mehr als zwei Wo­chen vor­her - nämlich am 10. Ju­ni 2015 - gemäß § 17 Abs. 2 Satz 1 KSchG un­ter­rich­tet hat­te. In der An­zei­ge hat die Be­klag­te auch den Stand der Be­ra­tun­gen mit dem Be­triebs­rat zu­tref­fend dar­ge­legt (§ 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG).

b) Der Ein­wand der Kläge­rin, die Be­klag­te ha­be durch Falsch­an­ga­ben be­wirkt, dass die für den Be­triebs­sitz nicht zuständi­ge Agen­tur für Ar­beit C nach §§ 18, 20 KSchG ent­schie­den ha­be, geht je­den­falls bezüglich der zwei­ten „Kündi­gungs­wel­le“ fehl. Es kann da­hin­ste­hen, nach wel­chen Kri­te­ri­en sich die ört­li­che Zuständig­keit ei­ner Agen­tur be­stimmt, wenn ei­ne Mas­sen­ent­las­sung in ei­nem Be­trieb mit zwei un­selbständi­gen Be­triebs­tei­len be­ab­sich­tigt ist. Auf die in­ner­be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren kommt es je­den­falls dann nicht mehr an, wenn ei­ne be­trieb­li­che Ein­heit bei Er­stat­tung der be­tref­fen­den Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge be­reits durch Still­le­gung un­ter­ge­gan­gen ist und die in Fra­ge

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ste­hen­den Kündi­gun­gen nur vor­sorg­lich aus­ge­spro­chen wer­den sol­len. Zu­min­dest un­ter die­sen Umständen kann der Ar­beit­ge­ber die An­zei­ge zu­gleich und mit so­for­ti­ger Wirk­sam­keit bei sämt­li­chen für die frühe­re Be­triebsstätte mögli­cher­wei­se zuständi­gen Ar­beits­agen­tu­ren ein­rei­chen, wenn er - wie die Be­klag­te es ge­tan hat - auf die schon um­ge­setz­te Be­triebs­still­le­gung - und da­mit den Weg­fall ei­nes Be­triebs­sit­zes - hin­weist und zu­tref­fend mit­teilt, im Zuständig­keits­be­reich wel­cher Agen­tur zu­letzt die meis­ten der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer beschäftigt wa­ren. Dann ist es Sa­che der an­ge­gan­ge­nen Behörden, sich über die ört­li­che Zuständig­keit für die Ent­schei­dung nach §§ 18, 20 KSchG ab­zu­stim­men. Wenn der Ar­beit­ge­ber kor­rek­te An­ga­ben ge­macht hat, kann das Er­geb­nis die­ser Ab­stim­mung in kei­nem Fall zu sei­nen Las­ten ge­hen. Es be­darf kei­ner Ent­schei­dung, ob die zeit­glei­che Ein­rei­chung ei­ner An­zei­ge bei al­len für ei­nen Teil des - frühe­ren - Be­triebs als ört­lich zuständig in Be­tracht kom­men­den Dienst­stel­len der Ar­beits­ver­wal­tung selbst im Fall un­zu­tref­fen­der An­ga­ben le­dig­lich dann zur Nich­tig­keit (§ 134 BGB) ei­ner nach­fol­gend erklärten Kündi­gung führen kann, wenn es dem Ar­beit­ge­ber - wofür hier we­der et­was vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich ist - ge­ra­de dar­um ging, durch die fal­schen An­ga­ben ei­ne für ihn vor­teil­haf­te Ent­schei­dung der Agen­tur für Ar­beit zu er­rei­chen.

5. Die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der ei­nem schwer­be­hin­der­ten Men­schen gleich­ge­stell­ten Kläge­rin ist nicht nach §§ 68, 85 SGB IX iVm. § 134 BGB nich­tig. Die Be­klag­te hat die Kündi­gung erst nach der Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts in­ner­halb der Frist des § 88 Abs. 3 SGB IX erklärt.

6. Wei­te­re Un­wirk­sam­keits­gründe sind nicht er­sicht­lich.

C. Mit der Ab­wei­sung des Kündi­gungs­schutz­an­trags zu 2. ist der auch oh­ne An­schluss­rechts­mit­tel der Kläge­rin in die Re­vi­si­on ge­lang­te (BAG 16. März 2010 - 3 AZR 594/09 - Rn. 75, BA­GE 133, 289) Hilfs­an­trag auf Zah­lung ei­nes Nach­teils­aus­gleichs nach § 113 Abs. 3 iVm. Abs. 1 Be­trVG zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len. Die­ser er­weist sich als un­be­gründet. Zwar hat die Be­klag­te mit der Be­triebs­still­le­gung ei­ne Be­triebsände­rung iSd. § 111 Satz 3 Nr. 1 Be­trVG ge­plant. Sie hat sich je­doch vor de­ren Durchführung aus­rei­chend um ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich mit dem Be­triebs­rat bemüht.

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I. Nach § 113 Abs. 3 iVm. Abs. 1 Be­trVG kann ein Ar­beit­neh­mer vom Un­ter­neh­mer die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ver­lan­gen, wenn die­ser ei­ne Be­triebsände­rung durchführt, oh­ne über sie zu­vor ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich mit dem Be­triebs­rat ver­sucht zu ha­ben, und der Ar­beit­neh­mer in­fol­ge der Maßnah­me ent­las­sen wird oder an­de­re wirt­schaft­li­che Nach­tei­le er­lei­det. Der An­spruch aus § 113 Abs. 3 Be­trVG dient vor­nehm­lich der Si­che­rung des sich aus § 111 Satz 1 Be­trVG er­ge­ben­den Ver­hand­lungs­an­spruchs des Be­triebs­rats und schützt da­bei mit­tel­bar die In­ter­es­sen der von ei­ner Be­triebsände­rung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer. Er ent­steht, so­bald der Un­ter­neh­mer mit der Durchführung der Be­triebsände­rung be­gon­nen hat, oh­ne bis da­hin ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich mit dem Be­triebs­rat ver­sucht zu ha­ben (BAG 14. April 2015 - 1 AZR 794/13 - Rn. 12). Der Ar­beit­ge­ber muss den Be­triebs­rat recht­zei­tig und um­fas­send un­ter­rich­ten und mit ihm mit dem ernst­haf­ten Wil­len zu ei­ner Verständi­gung über die ge­plan­te Be­triebs­stil­le­gung be­ra­ten. Da­zu muss er sich mit den vom Be­triebs­rat vor­ge­schla­ge­nen Al­ter­na­ti­ven zu der ge­plan­ten Be­triebsände­rung be­fas­sen und ar­gu­men­ta­tiv aus­ein­an­der­set­zen. Können sich die Be­triebs­par­tei­en nicht auf ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich verständi­gen, ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, die Ei­ni­gungs­stel­le an­zu­ru­fen. Ein An­spruch auf Nach­teils­aus­gleich be­steht nicht, wenn die Be­triebs­par­tei­en vor Be­ginn der Be­triebsände­rung ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ver­ein­ba­ren oder der Ver­hand­lungs­an­spruch des Be­triebs­rats in dem Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren erfüllt wird. Letz­te­res setzt nicht vor­aus, dass die Ei­ni­gungs­stel­le das Schei­tern der In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen durch ei­nen förm­li­chen Be­schluss fest­stellt (BAG 16. Au­gust 2011 - 1 AZR 44/10 - Rn. 11 ff.).

II. Nach die­sen Grundsätzen steht der Kläge­rin kein Nach­teils­aus­gleich zu.

1. Die Be­klag­te hat die Ver­hand­lun­gen mit dem Be­triebs­rat über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich recht­zei­tig ein­ge­lei­tet. Sie hat den Be­triebs­rat un­mit­tel­bar nach den Auf­tragskündi­gun­gen von die­sen und der be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­still­le­gung un­ter­rich­tet. De­ren Be­ginn lag nicht be­reits in der Kündi­gung al­ler Auf­träge durch die GGB. Die­se Maßnah­me müss­te die Be­klag­te sich selbst dann

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nicht auf­grund ei­ner ver­meint­li­chen „Kon­zern­ver­bun­den­heit“ zu­rech­nen las­sen, wenn man die Vor­ga­ben von Art. 2 Abs. 4 MERL auf § 111 Satz 1 Be­trVG über­tra­gen woll­te (in die­sem Sin­ne BAG 14. April 2015 - 1 AZR 794/13 - Rn. 19 f.). Zwar setzt die Pflicht zu Ver­hand­lun­gen mit der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung nach die­ser Vor­schrift schon dann ein, wenn stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen oder Ände­run­gen der Geschäftstätig­keit er­las­sen wer­den, die den Ver­trags­ar­beit­ge­ber zwin­gen, Mas­sen­ent­las­sun­gen ins Au­ge zu fas­sen oder zu pla­nen (EuGH 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Kes­kus­liit­to] Rn. 49, Slg. 2009, I-8163). Je­doch ist nicht er­sicht­lich, dass die Be­klag­te auf­grund der Kündi­gung der Auf­träge durch die GGB da­zu ge­zwun­gen ge­we­sen wäre, ei­ne Be­triebs­still­le­gung - und aus die­sem Grund Mas­sen­ent­las­sun­gen - durch­zuführen. Des­halb kann da­hin­ste­hen, ob Art. 2 Abs. 4 MERL über­haupt Sach­ver­hal­te er­fasst, in de­nen sich kein ty­pi­sches Be­herr­schungs­ri­si­ko ver­wirk­licht, weil ein - mögli­cher­wei­se - herr­schen­des Un­ter­neh­men nicht in die­ser Funk­ti­on, son­dern in sei­ner Ei­gen­schaft als Auf­trag­ge­be­rin des Ver­trags­ar­beit­ge­bers agiert.

2. Die Be­klag­te hat sich nach den Auf­tragskündi­gun­gen auf der Grund­la­ge ei­ner ord­nungs­gemäßen Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats ernst­haft um den Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs bemüht, be­vor sie mit der Um­set­zung der Be­triebs­still­le­gung durch Aus­spruch der Kündi­gun­gen der ers­ten „Wel­le“ be­gon­nen hat.

a) Die Be­klag­te hat den Be­triebs­rat um­fas­send über die ge­plan­te Be­triebsände­rung un­ter­rich­tet. Sie hat ihm mit­ge­teilt, der Be­trieb sol­le zum 31. März 2015 still­ge­legt wer­den. Die Still­le­gungs­ab­sicht be­ruh­te auf dem Ent­schluss, sich nicht um neue Auf­träge zu be­wer­ben. Hierfür war die „kon­zern­in­ter­ne Kal­ku­la­ti­on“ der gekündig­ten Auf­träge oh­ne Be­deu­tung. Ob - wie der Be­triebs­rat mein­te - „kon­zern­in­ter­ne Ge­winn­ver­tei­lun­gen“ bei der Be­mes­sung ei­nes So­zi­al­plan­vo­lu­mens re­le­vant wa­ren, be­darf kei­ner Ent­schei­dung. Für die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung über die be­ab­sich­tig­te Be­triebs­still­le­gung und ih­re Um­set­zung ist die­se Fra­ge ir­re­le­vant.

b) Die Be­klag­te hat nach er­geb­nis­lo­sen Ver­hand­lun­gen mit dem Be­triebs­rat die Ei­ni­gungs­stel­le an­ge­ru­fen. Die­se hat drei­mal ge­tagt, be­vor die Ver­tre­ter

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der Be­klag­ten die Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich in der vier­ten Sit­zung am 18. De­zem­ber 2014 für ge­schei­tert erklärt ha­ben. Den von den Vor­in­stan­zen ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen, ge­gen die die Kläge­rin kei­ne ver­fah­rens­recht­li­che Ge­genrüge geführt hat, lässt sich nicht ent­neh­men, dass der Ver­hand­lungs­an­spruch des Be­triebs­rats durch die Erörte­run­gen in der Ei­ni­gungs­stel­le nicht erfüllt wor­den wäre.

c) Ein An­spruch auf Nach­teils­aus­gleich be­steht auch nicht des­halb, weil an den Sit­zun­gen der Ei­ni­gungs­stel­le kein Ver­tre­ter der Ar­beits­ver­wal­tung teil­ge­nom­men hat. Nach dem zwi­schen der Be­klag­ten und dem Be­triebs­rat ab­ge­schlos­se­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich soll­te zu ei­ner der ers­ten bei­den Sit­zun­gen der Ei­ni­gungs­stel­le ein Ver­tre­ter der Bun­des­agen­tur für Ar­beit „ein­ge­la­den“ wer­den. Da­mit ha­ben die Be­triebs­par­tei­en kei­ne wech­sel­sei­ti­ge Ver­pflich­tung be­gründet, sich zunächst an den Vor­stand der Bun­des­agen­tur für Ar­beit zur Durchführung ei­ner Ver­mitt­lung zu wen­den (§ 112 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG), der sich die Be­klag­te ent­zo­gen hätte. Viel­mehr soll­ten ua. die Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich in der Ei­ni­gungs­stel­le fort­ge­setzt wer­den. Die Hin­zu­zie­hung ei­nes Ver­tre­ters der Ar­beits­ver­wal­tung zu den Be­ra­tun­gen der Ei­ni­gungs­stel­le ob­lag da­bei als ver­fah­rens­lei­ten­de Maßnah­me al­lein dem Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den (§ 112 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG).

3. Die Be­klag­te muss­te vor der zwei­ten „Kündi­gungs­wel­le“ kei­ne neu­en In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen führen. Die Ab­sicht, es bei der er­folg­ten Be­triebs­still­le­gung zu be­las­sen, be­deu­te­te nicht die Pla­nung ei­ner neu­en Be­triebsände­rung. In­so­fern lau­fen die Ver­fah­ren nach § 17 Abs. 2 KSchG und §§ 111 ff. Be­trVG aus­ein­an­der.

D. Der Durchführung ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV zur Aus­le­gung der MERL be­darf es - so­weit nicht be­reits vor­ste­hend erörtert - nicht.

I. Die Kläge­rin hat mit der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung ein vom Vor­sit­zen­den der 10. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg un­ter dem 19. Au­gust 2016 ver­fass­tes Hin­weis­schrei­ben zu den Ak­ten ge­reicht. In die­sem

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hat der Kam­mer­vor­sit­zen­de fünf aus sei­ner Sicht klärungs­bedürf­ti­ge Fra­gen zur „Aus­le­gung“ der MERL for­mu­liert und die dor­ti­gen Par­tei­en zur Not­wen­dig­keit ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens an­gehört. Die Kläge­rin hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat ih­ren dar­auf be­zo­ge­nen schriftsätz­li­chen Vor­trag ver­tieft und ge­meint, ei­ne Ent­schei­dung zu ih­ren Las­ten könne nicht oh­ne ei­ne sol­che An­fra­ge an den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on zur Aus­le­gung der MERL er­ge­hen.

II. Ei­ner von der Kläge­rin als not­wen­dig an­ge­se­he­nen Vor­la­ge an den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on nach Art. 267 AEUV be­darf es hin­sicht­lich der in dem Schrei­ben des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg an­geführ­ten „Fra­gen“ zur Zweck­dien­lich­keit von Auskünf­ten über „Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­gen und Prei­se“ (Fra­ge 4) so­wie des Ab­schlus­ses ei­nes Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­rens (Fra­ge 5) schon des­halb nicht, weil die­se fall­be­zo­gen for­mu­liert sind. Sie be­tref­fen die Be­ur­tei­lung ei­nes Sach­ver­halts, die nach der kla­ren Auf­ga­ben­tren­nung zwi­schen den na­tio­na­len Ge­rich­ten und dem Ge­richts­hof in die Zuständig­keit des vor­le­gen­den Ge­richts fällt und für die der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on dem vor­le­gen­den Ge­richt nur Hin­wei­se ge­ben darf (EuGH 15. April 2010 - C-433/05 - [Sand­ström] Rn. 35, Slg. 2010, I-2885). Auch die Kläge­rin hat kei­ne dar­auf be­zo­ge­nen Fra­gen for­mu­liert, die Ge­gen­stand ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens sein könn­ten.

III. Die auf die Klärung, ob Erörte­run­gen im Rah­men ei­nes be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens als ei­ne Kon­sul­ta­ti­on mit Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern an­zu­se­hen sein können, ge­rich­te­te Fra­ge 1 ist nach dem vor­ste­hen­den Be­gründungs­weg für die Ab­wei­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge in Be­zug auf die un­ter dem 15. Ju­li 2015 aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung oh­ne Be­deu­tung. Ein Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren ist vor der Kündi­gung vom 15. Ju­li 2015 nicht durch­geführt wor­den. An der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit fehlt es glei­cher­maßen für die Fra­ge, ob ein ver­ant­wort­li­ches Un­ter­neh­men nach Art. 2 Abs. 4 MERL mit ei­ner ei­ne Mas­sen­ent­las­sung durchführen­den Ar­beit­ge­be­rin ge­sell­schafts­recht­lich ver­bun­den sein und ob ggf. das ver­ant­wort­li­che Un­ter­neh­men kon­kret be­stimmt wer­den muss (Fra­gen 2 und 3). Der Se­nat hat zu­guns­ten der

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Kläge­rin un­ter­stellt, dass zu­min­dest ein an­de­res Un­ter­neh­men un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar ei­nen be­herr­schen­den Ein­fluss auf die Be­klag­te ausüben konn­te. Er hat je­doch auf der Grund­la­ge der ihn re­vi­si­ons­recht­lich bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts kei­ne An­halts­punk­te dafür ge­se­hen, dass ein an­de­res Un­ter­neh­men stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen oder Ände­run­gen der Geschäftstätig­keit ge­trof­fen hat, auf­grund de­rer die Be­klag­te ge­zwun­gen ge­we­sen wäre, Mas­sen­ent­las­sun­gen ins Au­ge zu fas­sen oder zu pla­nen (EuGH 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Kes­kus­liit­to] Rn. 49, Slg. 2009, I-8163 so­wie oben Rn. 54).

E. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 92 Abs. 1 ZPO. 

Koch
Ra­chor
Nie­mann
Koch
Nie­b­ler
Die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Alex ist we­gen Dienst­unfähig­keit ge­hin­dert, ih­re Un­ter­schrift bei­zufügen.

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