HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 10/216

Im mo­nat­li­chen "Durch­schnitt" fest­ge­leg­te Ar­beits­zeit­ver­ein­ba­rung ist un­wirk­sam

Ar­beits­zeit muss klar ge­re­gelt sein: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 21.06.2010, 5 Sa 1353/09
Wanduhr Lan­den häu­fig un­ter dem rich­ter­li­chen Ham­mer: AGB-Klau­seln
04.11.2010. Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer kön­nen die Ar­beits­zeit grund­sätz­lich ver­trag­lich frei re­geln. So­weit nicht aus­drück­lich ein Teil­zeit­ver­hält­nis ver­ein­bart wird, geht die Recht­spre­chung re­gel­mä­ßig von ei­nem Voll­zeit­ar­beits­ver­hält­nis aus (Bun­des­ar­beits­ge­richt - BAG, Ur­teil vom 08.10.2008, 5 AZR 715/07). Zu­meist wird die An­zahl der Ar­beits­stun­den vom Ar­beit­ge­ber im Ar­beits­ver­trag vor­ge­ge­ben wer­den. Da­bei han­delt es sich in al­ler Re­gel um All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB). Um den je­wei­li­gen Ver­trags­part­ner zu schüt­zen, müs­sen die­se be­son­de­re recht­li­che An­for­de­rung er­fül­len, um wirk­sam zu sein (ver­glei­che § 305 ff. BGB).

Die Ar­beits­zeit muss al­ler­dings nicht aus­drück­lich ver­ein­bart wer­den, son­dern kann sich im lau­fen­den Ar­beits­ver­hält­nis bei­spiels­wei­se durch ei­ne still­schwei­gen­de Ver­ein­ba­rung der Ver­trags­part­ner än­dern. Kommt dann noch ei­ne ta­rif­li­che Ar­beits­zeit­re­ge­lung hin­zu, kann schnell un­klar sein, in wel­chem zeit­li­chen Um­fang nun tat­säch­lich ge­ar­bei­tet wer­den muss.

Die­ses Pro­blem hat­te ein Flug­gast­kon­trol­leur, laut des­sen Ar­beits­ver­trag er ver­pflich­tet war, "im mo­nat­li­chen Durch­schnitt 150 St­un­den zu ar­bei­ten". In dem auf das Ar­beits­ver­hält­nis an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trag hin­ge­gen war von ei­ner Min­dest­ar­beits­zeit von mo­nat­lich 160 St­un­den die Re­de. Tat­säch­lich schwank­te sei­ne Ar­beits­zeit zwi­schen 40 und 190 St­un­den.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 21.06.2010, 5 Sa 1353/09) hielt eben­so wie die Vor­in­stanz, das Ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 20.09.2009, 14 Ca 2406/09), die ta­rif­li­che Ar­beits­zeit für maß­geb­lich. Die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung war un­wirk­sam, weil nicht klar war, auf wel­chen Ge­samt­zeit­raum sich die An­ga­be "im mo­nat­li­chen Durch­schnitt" be­zieht und da­mit ein Teil des wirt­schaft­li­chen Ri­si­kos auf den Ar­beit­neh­mer ab­ge­wälzt wer­den wird. Da die tat­säch­li­chen Ar­beits­zei­ten stark schwank­ten, konn­ten die Ge­rich­te auch nicht von ei­ner still­schwei­gen­den Ver­trags­än­de­rung aus­ge­hen.

Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. Juli 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Thomas Becker
Rechtsanwalt

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln
Telefon: 0221 - 70 90 718
Telefax: 0221 - 70 90 731
E-Mail: koeln@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de