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Arbeitsrecht aktuell: 07/49 Jung genug zu arbeiten, aber zu alt für eine unbefristete Einstellung?
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Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 29.05.2007 - 11 Ca 8952/06
von Rechtsanwältin Melanie Kleiné, LL.M., Frankfurt am Main
Über welche Rechtsfrage hat das Arbeitsgericht Frankfurt am Main entschieden?
18.09.2007. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bestimmt in § 7 Abs.1 i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 1, dass Benachteiligungen aus Gründen des Alters in Bezug auf Bedingungen für den Zugang zu unselbständiger Erwerbstätigkeit, einschließlich der Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen, unzulässig sind. Eine Rechtfertigung der Benachteiligung kann sich nur aus den in § 10 AGG genannten Fallkonstellationen ergeben.
Bei einem ungerechtfertigten Verstoß gegen dieses Benachteiligungsverbot ist der Arbeitgeber nach § 15 Abs.1 AGG verpflichtet, den hierdurch entstandenen Schaden zu ersetzen.
Die Höhe des Entschädigungsanspruchs richtet sich im Falle der Nichteinstellung eines Bewerbers nach § 15 Abs.2 AGG, der die Zahlung einer angemessenen Entschädigung vorsieht. Als Höchstgrenze im Fall der Nichteinstellung sieht § 15 Abs.2 AGG drei Monatsgehälter vor, wenn der oder die Beschäftigte auch bei benachteiligungsfreier Auswahl nicht eingestellt worden wäre.
Ein Anspruch auf Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses besteht bei Verstoß gegen dieses Benachteiligungsverbot allerdings nicht (§ 15 Abs.6 AGG).
Zu der Frage der Höhe einer angemessenen Entschädigung bei Nichteinstellung wegen des Alters hat nun erstmals ein Arbeitsgericht entschieden, nämlich das Arbeitsgericht Frankfurt am Main mit Urteil vom 29.05.2007 (Aktenzeichen: 11 Ca 8952/06).
Welcher Sachverhalt lag der Entscheidung des Arbeitsgerichts Frankfurt am Main zugrunde?
In dem vom Arbeitsgericht Frankfurt am Main entschiedenen Fall ging es um die Ablehnung einer Stewardess. Eine bei der Lufthansa befristet beschäftigte Stewardess hatte sich auf eine unbefristete Stelle im Unternehmen beworben, wurde aber unter Hinweis auf ihr Alter von 46 Jahren abgelehnt. Die fachliche oder persönliche Eignung der Stewardess wurde nie in Frage gestellt.
Zur Begründung der Ablehnung der Stewardess führte das Unternehmen aus, dass der Grund der Ablehnung in der Systematik seiner Übergangsversorgung liege. Werde ein Flugbegleiter, der älter als 45 Jahre ist, dauerhaft flugdienstuntauglich, so erhalte er nach dieser Regelung bis zur gesetzlichen Regelaltersgrenze eine Übergangsversorgung.
Aus einer internen Analyse des Unternehmens ergebe sich, dass Flugbegleiter ab dem 45. Lebensjahr in erhöhtem Maße flugdienstuntauglich würden.
Das Unternehmen stelle daher keine Flugdienstbegleiter unbefristet ein, die älter als 40 Jahre und 364 Tage seien. Schließlich würden dem Unternehmen andernfalls erhöhte Kosten entstehen, die nicht zumutbar seien.
Die Stewardess klagte gegen die ablehnende Entscheidung des Unternehmens, d.h. sie verlangte eine Geldentschädigung wegen der aus ihrer Sicht erlittenen Diskriminierung.
Wie hat das Arbeitsgericht Frankfurt am Main entschieden?
Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main gab der Stewardess Recht und bestätigte das Vorliegen einer unzulässigen Benachteiligung wegen ihres Alters.
Dabei argumentierte das Gericht damit, dass die unterschiedliche Behandlung der Bewerberin wegen des Alters nicht objektiv angemessen und durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt sei. Allein das wirtschaftliche Risiko, eine Übergangsversorgung aufgrund Flugdienstuntauglichkeit an die Bewerberin zahlen zu müssen, oder die Notwendigkeit der Gewährleistung der Funktion eines Firmenrentenmodells seien keine legitimen Ziele, die eine Benachteiligung wegen des Alters rechtfertigten, sondern lediglich individuelle Unternehmerinteressen.
Bei der Ablehnung der Stewardess wegen ihres Alters handele es sich gerade um die nach dem AGG verbotene Benachteiligung, denn im vorliegenden Fall gäbe allein das Alter der Bewerberin aufgrund bloßer Wahrscheinlichkeiten den Ausschlag für die Ablehnung, völlig unabhängig von ihrer konkreten gesundheitlichen Situation.
Zwar hatte die abgelehnte Bewerberin wegen § 15 Abs.6 AGG keinen Anspruch auf Einstellung auf die von ihr begehrte unbefristete Stelle, das Arbeitsgericht Frankfurt am Main sprach ihr aber eine Entschädigung nach § 15 Abs.2 AGG zu, und zwar in voller Höhe von drei Nettomonatsgehältern. Das Gericht setzte damit eine Entschädigung für die Stewardess in Höhe von 4.050,00 EUR gegen die Lufthansa fest.
Das Gericht betonte die Angemessenheit der Entschädigung mit der Begründung, dass bei jedem Bewerber, der wegen einer diskriminierenden Auswahl nicht berücksichtigt worden sei, die Höchstgrenze des § 15 Abs.2 AGG zu beachten sei und die Entschädigungshöhe unter dem Aspekt der Generalprävention geeignet sein müsse, den Arbeitgeber generell von Diskriminierungen abzuhalten.
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Letzte Überarbeitung: 31. Januar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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