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LAG Ber­lin: Kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Al­ters durch Stel­len­aus­schrei­bung „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“

Ei­ne Stel­len­aus­schrei­bung, mit der ein „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent“ ge­sucht wird, ist kei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung, da „Ju­ni­or“ nur die die Hier­ar­chie­ebe­ne be­schreibt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom an 20.07.2011, 5 Sa 847/11
Der "Ju­ni­or" ist nicht im­mer der jün­ge­re
26.09.2011. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bie­tet es, Ar­beit­neh­mer we­gen ih­res Al­ters un­be­grün­det schlech­ter als an­de­re, ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer zu be­han­deln, d.h. zu dis­kri­mi­nie­ren (§§ 1, 7 Abs.1 AGG). Ge­schützt sind da­bei nicht nur die, die schon ei­nen Job ha­ben, son­dern auch Be­wer­ber (§ 6 Abs.1 AGG).

Wer als (künf­ti­ger) Ar­beit­ge­ber ei­ne Stel­len­an­zei­ge auf­gibt, muss da­her auf al­ter­s­neu­tra­le For­mu­lie­run­gen ach­ten. Denn auch wenn dis­kri­mi­nier­te Be­wer­ber nach dem Ge­setz kei­nen An­spruch auf Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags ha­ben (vgl. § 15 Abs.6 AGG), sind Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che mög­lich (§ 15 Abs.2 AGG).

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat in ei­nem ak­tu­el­len Fall ent­schie­den, dass die Be­zeich­nung „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing“ in ei­ner Stel­len­aus­schrei­bung kein In­diz für ei­ne al­ters­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung äl­te­rer Be­wer­ber bei der Stel­len­be­set­zung ist (Ur­teil vom 21.07.2011, 5 Sa 847/11).

Dis­kri­mi­nie­rung bei der Be­wer­bung: Wie können Be­wer­ber das be­wei­sen?

Der Ge­setz­ge­ber hat be­dacht, dass man an­de­ren Men­schen nicht „in den Kopf gu­cken kann“. Ab­ge­lehn­te Stel­len­be­wer­ber müssen des­halb im Pro­zess nicht die Dis­kri­mi­nie­rung selbst be­wei­sen, son­dern nur In­di­ztat­sa­chen, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen (§ 22 AGG). Ge­lingt der Nach­weis sol­cher Dis­kri­mi­nie­rungs­in­di­zi­en, muss der Ar­beit­ge­ber die Ver­mu­tung wi­der­le­gen. Bei Fällen, in de­nen ein Be­wer­ber ab­ge­lehnt wur­de, müss­te er al­so be­wei­sen, dass sei­ne Aus­wahl dis­kri­mi­nie­rungs­frei war.

Er­folg­lo­se Be­wer­ber ver­su­chen meist, aus der Stel­len­aus­schrei­bung In­di­zi­en für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung her­zu­lei­ten. So kann es z.B. als al­ters­dis­kri­mi­nie­rend be­wer­tet wer­den, wenn ein „jun­ger“ Ju­rist ge­sucht wird, der über „ers­te Be­rufs­er­fah­rung (bis 2 Jah­re)“ verfügt (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/182). Auch die Be­schränkung des Be­wer­ber­krei­ses auf Be­rufs­anfänger kann ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters sein (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/158).

Grenz­wer­tig ist es, wenn ein „Jung­mak­ler“ für ein „jun­ges dy­na­mi­sches Team“ ge­sucht wird. Ein sol­cher von un­se­rer Kanz­lei ver­tre­te­ner Fall en­de­te vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg vor ei­ni­ger Zeit mit ei­nem Ver­gleich (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/109). Nun hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin die Ge­le­gen­heit, über ei­nen ähn­li­chen Fall zu ent­schei­den, in dem als In­diz die Be­zeich­nung „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing“ an­geführt wur­de (Ur­teil vom 21.07.2011, 5 Sa 847/11).

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg: Be­zeich­nung als „Ju­ni­or“ genügt nicht als Dis­kri­mi­nie­rungs­in­diz

Ein Un­ter­neh­men aus der Wer­be­bran­che hat­te ei­ne Stel­le als „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing (m/w)“ aus­ge­schrie­ben und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass für die Auf­ga­be ers­te ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­run­gen im Per­so­nal­we­sen ver­langt wer­den. Ein 41jähri­ger be­warb sich er­folg­los und for­der­te dann ei­ne Entschädi­gung von drei Mo­nats­gehältern, im­mer­hin knapp 10.000 Eu­ro.

Doch das Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 24.02.2011, 33 Ca 14979/10) wies sei­ne Kla­ge eben­so ab, eben­so wie das LAG Ber­lin-Bran­den­burg. In sei­ner Be­gründung folg­te es der Ar­gu­men­ta­ti­on des be­klag­ten Ar­beit­ge­bers. Das Wort „ju­ni­or“ be­deu­tet im Eng­li­schen zwar „jung“. Im Zu­sam­men­hang mit ei­ner be­ruf­li­chen bzw. be­trieb­li­chen Stel­lung wird es je­doch im Sin­ne von „von ge­rin­ge­rem Dienst­al­ter“ bzw. „von nied­ri­ge­rem Rang“ ver­wen­det. Die „ers­te ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung“ war eben­falls kein Dis­kri­mi­nie­rungs­in­diz, da sie auch älte­re Be­wer­ber mit ei­nem Zweit­stu­di­um ge­sam­melt ha­ben können.

Fa­zit: Die Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­mu­tung des § 22 AGG er­leich­tert ab­ge­lehn­ten Be­wer­bern zwar den Be­weis ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung, ist aber kein Frei­brief für Entschädi­gungs­ansprüche. In der recht­li­chen Grau­zo­ne soll­ten ab­ge­lehn­te Be­wer­ber kla­gen, denn es be­steht im­mer die Möglich­keit, dass sich der Ar­beit­ge­ber an­ge­sichts des Pro­zess­ri­si­kos im We­ge des Ver­gleichs zu ei­ner Geld­zah­lung be­reit erklärt.

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Letzte Überarbeitung: 1. Juni 2014

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