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Arbeitsrecht aktuell: 11/183 Geschäftsführer: Diskriminierung durch Stellenausschreibung
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Eine Stellenausschreibung ("Geschäftsführer") ist diskriminierend, wenn sie nur männliche Bewerber anspricht
Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 13.09.2011, 17 U 99/10
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20.09.2011. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet die Diskrimierung von Arbeitnehmern wegen ihres Geschlechts (§§ 1, 7 Abs.1 AGG). Als Arbeitnehmer gelten dabei auch Stellenbewerber (§ 6 Abs. 1 AGG), und auch Geschäftsführer einer GmbH sind vom AGG geschützt. Wer eine Stellenausschreibung schaltet und einen Arbeitnehmer oder Geschäftsführer sucht, muss deshalb auf geschlechtsneutrale Formulierungen achten ("Geschäftsführer m/w", "Geschäftsführer oder Geschäftsführerin").
Obwohl das AGG nun schon seit Jahren gilt, gibt es immer noch geschlechtsbezogene Diskriminierungen bei Stellenausschreibungen. Das kann teuer werden. Zwar können Arbeitnehmer bzw. Geschäftsführer, die von einer solchen Diskriminierung bei der Stellenausschreibung betroffen sind, keinen Arbeitsvertrag bzw. Geschäftsführervertrag erzwingen (§ 15 Abs. 6 AGG). Eine Diskriminierung löst aber saftige Entschädigungsansprüche aus, die einige Monatsgehälter betragen können (§ 15 Abs.2 AGG).
von Rechtsanwältin Eva-Maria Reuter, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Stuttgart
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Stuttgart
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Diskriminierte Bewerber haben praktisch nie Einblick in die Auswahlentscheidung. Daher müssen sie vor Gericht nicht die Diskriminierung beweisen, sondern nur Tatsachen, die eine Diskriminierung vermuten lassen, d.h. Diskriminierungsindizien (§ 22 AGG). Gelingt das, muss der Arbeitgeber beweisen, dass die Auswahl diskriminierungsfrei war.
Das beste Indiz für eine Diskriminierung bei der Berwerberauswahl ist dabei eine diskriminierende Stellenausschreibung. Bewirbt sich eine Frau ohne Erfolg auf eine Stellenausschreibung, mit der ein "Geschäftsführer" gesucht wird, kann sie bis zum Beweis des Gegenteils davon ausgehen, dass die Ablehnung auf einer geschlechtsbezogenen Diskriminierung beruhte. Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe entschied kürzlich über einen derartigen Fall (Urteil vom 13.09.2011, 17 U 99/10).
Eine Rechtsanwaltskanzlei hatte im Jahr 2007 für ein Unternehmen nacheinander zwei Zeitungsannoncen aufgegeben. Sie lauteten:
"Geschäftsführer im Mandantenauftrag zum nächstmöglichen Eintrittstermin gesucht für mittelständisches ... Unternehmen mit Sitz im Raum Karlsruhe. Fähigkeiten in Akquisition sowie Finanz- und Rechnungswesen sind erforderlich, Erfahrungen in Führungsposition erwünscht. Frühere Tätigkeit in der Branche nicht notwendig...“
Eine Personalleiterin mit zwanzigjähriger Berufserfahrung, die zugleich auch als Rechtsanwältin zugelassen ist, bewarb sich vergeblich und machte anschließend einen Entschädigungsanspruch von rund zwei Monatsgehältern geltend - immerhin fast 25.000 Euro. Sie zwang die Kanzlei gerichtlich, ihr den Namen des Unternehmens zu geben. Anschließend klagte sie vor dem Landgericht Karlsruhe, blieb jedoch zunächst erfolglos. Das OLG hingegen sprach ihr ca. 13.000 EUR zu.
Das Gericht bemängelte, dass in der Anzeige nur der männliche Begriff verwendet wurde, obwohl in § 6 Abs. 3 AGG von „Geschäftsführern und Geschäftsführerinnen“ die Rede ist. Zudem durfte sich der Arbeitgeber nicht auf seine Rechtsanwälte verlassen. Die damit vermutete Diskriminierung konnte er nicht widerlegen, weil er seine Auswahlkriterien nicht offen legte. Es half ihm daher auch nicht, dass er auch eine Bewerberin zum Vorstellungsgespräch eingeladen hatte.
Fazit: Es ist einfacher, eine Stellenanzeige diskriminierungsfrei zu formulieren, als einen mit Indizien belegten Diskriminierungsvorwurf zu widerlegen. Letztlich kostete das Unternehmen die Überschrift „Geschäftsführer“ ein Monatsgehalt, das es sich nun vermutlich von der Kanzlei bzw. deren Haftpflichtversicherung zurückholen wird. Arbeitgeber sollten hier geschlechtsneutrale Formulierungen verwenden wie z.B. "Geschäftsführer m/w" oder "Geschäftsführer oder Geschäftsführerin". Andernfalls können abgelehnte Bewerber mit guten Erfolgsaussichten eine Entschädigung verlangen.
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Letzte Überarbeitung: 25. April 2012
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
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Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
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München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
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Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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