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Arbeitsrecht aktuell: 09/091 Bundesarbeitsgericht bestätigt Ablehnung eines männlichen Bewerbers für Erzieherinnenstelle in Mädcheninternat.
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Wird in einem Mädcheninternat auch im Nachtdienst gearbeitet, so steht es der Einrichtung frei, männliche Bewerber abzulehnen
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 28.05.2009, 8 AZR 536/08
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von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Über welche Rechtsfrage hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?
29.05.2009. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) untersagt Benachteiligungen im Berufsleben aus Gründen des Geschlechts (§ 1 AGG), insbesondere bei der Einstellung von Arbeitnehmern (§ 2 AGG, § 7 AGG). Daher müssen freie Stellen im allgemeinen geschlechtsneutral ausgeschrieben werden, d.h. der Arbeitgeber darf im allgemeinen bei der Stellenausschreibung nicht verlautbaren lassen, dass er nur Bewerber mit dem „passenden“ Geschlecht sucht (§ 11 AGG). Ein Verstoß gegen diese Pflicht stellt daher in der Regel eine rechtlich verbotene Diskriminierung dar.
Eine Ausnahme von dem Grundsatz der Gleichbehandlung der Geschlechter bei der Einstellung macht das Gesetz, wenn das Geschlecht wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Ausübung eine „wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung“ darstellt (§ 8 Abs.1 AGG). Fälle, die eindeutig unter diese Ausnahmevorschrift fallen (weibliche Opernrolle, Torwart einer Handball-Herrenmannschaft), sind selten - und noch seltener Gegenstand rechtlicher Streitigkeiten.
Umstritten sind dagegen die Fälle, in denen der Arbeitgeber bei der Stellenausschreibung ein Geschlecht offen bevorzugt und sich dabei zur Rechtfertigung auf „Vorlieben“ seiner Kunden („customer preferences“) oder Mitarbeiter beruft. Lässt man dieses Argument zu häufig gelten, besteht die Gefahr, dass die - vorhandenen oder nur behaupteten? - Kundenvorlieben zur Verfestigung geschlechtsbezogener Vorurteile führen, d.h. zu sachlich nicht gerechtfertigten Benachteiligungen, die das AGG gerade zurückdrängen möchte.
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hatte gestern über einen solchen Fall der vom Arbeitgeber behaupteten Kundenwünsche zu entscheiden (BAG, Urteil vom 28.05.2009, 8 AZR 536/08).
Welcher Sachverhalt lag dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts zugrunde?
Das Land Rheinland-Pfalz hatte für ein von ihm betriebenes Mädcheninternat im Wege einer Stellenausschreibung eine „Erzieherin/Sportlehrerin oder Sozialpädagogin“ gesucht, d.h. ausdrücklich nur eine weibliche Lehrkraft. Ein männlicher Bewerber, von Beruf Diplom-Sozialpädagoge, hatte sich vergeblich um diese Stelle beworben. In der Absage wurde ihm mitgeteilt, bei der Stellenbesetzung könnten ausschließlich weibliche Kandidaten berücksichtigt werden, da die Stelleninhaberin auch Nachtdienste im Mädcheninternat leisten müsse.
Der Bewerber sah sich wegen seines Geschlechts diskriminiert und zog vor Gericht. Dabei hatte er in der ersten Instanz Erfolg, d.h. das Arbeitsgericht Trier verurteilte das Land Rheinland-Pfalz zur Zahlung einer Geldentschädigung (Urteil vom 21.11.2007, 1 Ca 1288/07).
Dagegen hob das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz das Urteil auf und wies die Klage ab (LAG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 20.03.2008, 2 Sa 51/08). Zur Begründung verweist das LAG im wesentlichen darauf, dass zu den Pflichten der einzustellenden Lehrkraft auch die Betreuung von Mädchen während der Nacht, d.h. im Nachtdienst gehören würde. Hierbei müsse die Schule bzw. der Schulträger aber Rücksicht auf das Schamgefühl der im Pensionat wohnenden Schülerinnen nehmen.
Über die Einzelheiten dieses Falles und seiner Entscheidung durch das LAG Rheinland-Pfalz hatten wir bereits berichtet, als das Urteil des LAG bekannt worden war (Arbeitsrecht aktuell: 08/088 Männliche Erzieher im Mädcheninternat?).
Nunmehr hatte aufgrund der vom Bewerber eingelegten Revision das Bundesarbeitsgericht über den Fall zu entscheiden.
Wie hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?
Das Bundesarbeitsgericht bestätigte die Entscheidung des LAG und wies die Revision des Bewerbers zurück. Zur Begründung heißt es in der derzeit allein vorliegenden Pressemeldung des BAG:
Die zulasten des Klägers bei der Einstellungsentscheidung vorgenommene unterschiedliche Behandlung wegen des Geschlechts war zulässig. Für die Tätigkeit in einem Mädcheninternat, die auch mit Nachtdiensten verbunden ist, stellt das weibliche Geschlecht der Stelleninhaberin nach Ansicht des BAG eine wesentliche und entscheidende Anforderung im Sinne des § 8 Abs. 1 AGG dar.
Ausdrücklich wird festgehalten, dass es dem Arbeitgeber grundsätzlich freisteht festzulegen, welche Arbeiten auf einem zu besetzenden Arbeitsplatz zu erbringen sind. Damit weist das Bundesarbeitsgericht die vom Arbeitsgericht Trier angestellte Überlegung zurück, der Arbeitgeber hätte ja die Nachtdienste in dem Gymnasium, das neben dem Mädchenpensionat auch ein Jungenpensionat umfasste, so einteilen können, dass der Bewerber seine Nachtdienste nur im Jungenpensionat hätte verrichten können.
Der Kernsatz der Entscheidung lautet daher: Der Träger eines Gymnasiums darf bei der Besetzung einer Betreuerstelle für ein von ihm betriebenes Mädcheninternat die Bewerberauswahl auf Frauen beschränken, wenn die Tätigkeit auch Nachtdienste im Internat beinhalten soll.
Fazit: Kundenwünsche sind jedenfalls dann eine ausreichende Rechtfertigung für die Benachteiligung von Stellenbewerbern mit dem „falschen“ Geschlecht, wenn es um die Respektierung des Schamgefühls geht. Diese richtige Entscheidung des BAG lässt sich auf viele Arbeiten übertragen, so zum Beispiel auf Verkäufer von Unterwäsche und Badebekleidung oder auf Arbeitnehmer, zu deren Aufgaben die körperliche Kontrolle oder Untersuchung von "Kunden" gehört.
Nähere Informationen zu dem Vorgang finden Sie hier:
Hinweis: In der Zwischenzeit, d.h. nach Erstellung dieses Artikels, hat das Gericht seine Entscheidungsgründe schriftlich abgefasst und veröffentlicht. Die Entscheidungsgründe im Volltext finden Sie hier:

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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