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Arbeitsrecht aktuell: 09/188 Einverständnis mit einer Kündigung und Kündigungsschutz
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Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 06.08.2009, 4 Sa 375/09
von Rechtsanwältin Eva Hüttl, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Hamburg, und Rechtsanwalt Benjamin Biere, München
Über welche Rechtsfrage hat das Landesarbeitsgericht München entschieden?
14.10.2009. Wenn der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ordentlich kündigt, kann dieser dagegen Kündigungsschutzklage erheben mit dem Ziel der gerichtlichen Feststellung, dass die Kündigung im Sinne des § 1 Abs. 2 Kündigungsschutzgesetz (KSChG) sozial ungerechtfertigt und damit unwirksam ist. Macht er dies nicht innerhalb der Dreiwochenfrist des § 4 KSchG, ist die Kündigung rechtlich in jedem Fall als wirksam anzusehen.
Eine solche Rechtskontrolle arbeitgeberseitig erklärter ordentlicher Kündigungen setzt voraus, dass der Arbeitnehmer Kündigungsschutz hat, d.h. dass er schon länger als sechs Monate bei dem Arbeitgeber beschäftigt ist und es in dessen Betrieb mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt sind (§ 1 Abs.1, § 23 KSchG).
Dem Arbeitnehmer steht es frei, bereits vor Einleitung gerichtlicher Schritte zu erklären, dass er auf die Erhebung einer Kündigungsschutzklage verzichtet, die Kündigung also akzeptiert. Praktisch kommt dies vor allem im Zusammenhang mit Zugeständnissen des Arbeitgebers vor, die als Abfindungsversprechen Bestandteil eines Aufhebungsvertrags oder eines Abwicklungsvertrags sein können.
Erhebt der Arbeitnehmer nach einer solchen Zusage dennoch Kündigungsschutzklage, kann der Arbeitgeber hiergegen einwenden, dass der Arbeitnehmer sich widersprüchlich verhalten habe und die Klage deshalb wegen eines Verstoßes gegen den Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 Bürgerliches Gesetzbuch – BGB) von vornherein abzuweisen sei.
Aus Sicht des Arbeitnehmers ist problematisch, dass ein solcher Klageverzicht formfrei, d.h. mündlich möglich ist. Als Arbeitnehmer kann man daher durch eine unbedachte Äußerung gegenüber dem Arbeitgeber den Kündigungsschutz verlieren. Die Einhaltung der Schriftform ist gesetzlich nur vorgeschrieben für Aufhebungsverträge (§ 623 Bürgerliches Gesetzbuch - BGB).
Aus Sicht des Arbeitgebers besteht das Problem darin, dass ein mündlicher Klageverzicht nur schwer nachzuweisen ist. Außerdem prüfen die Arbeitsgerichte ein solches Vorbringen aufgrund der einschneidenden Folgen eines Klageverzichts für den von einer Kündigung betroffenen Arbeitnehmer natürlich sehr genau.
Mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen ein mündlicher Klageverzicht wirksam sein kann, befasst sich ein aktuelles Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) München (Urteil vom 06.08.2009, 4 Sa 375/09).
Welcher Sachverhalt lag dem Urteil des Landesarbeitsgerichts München zugrunde?
Der klagende Arbeitnehmer war Serviceleiter in dem Restaurant des beklagten Arbeitgebers. Aufgrund längerer Krankheitszeiten verhandelte er Ende 2007 mit seinem Arbeitgeber über eine mögliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Diesbezüglich fand ein Gespräch zwischen dem Serviceleiter und seinem Arbeitgeber statt, zu dem der Rechtsanwalt des Arbeitgebers telefonisch zugeschaltet war.
Was dort besprochen wurde, ist zwischen den Parteien umstritten. Jedenfalls erhielt der Serviceleiter am nächsten Tag die ordentliche Kündigung. Hiergegen erhob er innerhalb der Dreiwochenfrist Kündigungsschutzklage und machte zugleich Vergütungsansprüche geltend.
Der Arbeitgeber wandte daraufhin ein, die Klage sei treuwidrig, weil die Kündigung auf Initiative des Serviceleiters ausgesprochen worden sei. Der Rechtsanwalt, der bei dem Gespräch zugeschaltet worden war, sagte als Zeuge aus, seinen Vorschlag, einen Aufhebungsvertrag zu schließen, habe der Serviceleiter abgelehnt. Der Rechtsanwalt habe daraufhin eine Kündigung vorgeschlagen und aus dem Hintergrund ein „okay“ gehört, ob von dem Serviceleiter oder dem Arbeitgeber konnte der Rechtsanwalt nicht sagen. Jedenfalls hatte der Serviceleiter der Kündigung nicht widersprochen.
Das Arbeitsgericht München (Urteil vom 26.03.2009, 3 Ca 16593/07) gab der Klage statt, da es das geschilderte Geschehen für einen Klageverzicht nicht für ausreichend hielt. Hiergegen ging der Arbeitgeber in Berufung.
Wie hat das Landesarbeitsgericht München entschieden?
Das LAG München wies die Berufung des Arbeitgebers zurück, gab also ebenfalls dem Serviceleiter recht.
In dem Verhalten des Serviceleiters lag weder die Erklärung eines Klageverzichts, noch der Abschluss eines Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrages, so das LAG.
Erforderlich für einen Klageverzicht ist nämlich ein unmissverständliches und endgültiges Einverständnis des Arbeitnehmers mit der Beendigung seines Arbeitsverhältnisses durch eine Kündigung. Das LAG spricht von einem „dezidierten“ und „aktiven“ Verhalten des Arbeitnehmers. Dafür reicht die bloße widerspruchslose Hinnahme der Kündigung nicht aus. Dass der Serviceleiter aktiv sein Einverständnis mit einer Kündigung zum Ausdruck brachte, konnte der Arbeitgeber nicht beweisen.
Zwar hat der Arbeitnehmer die Klage vorliegend gewonnen, aber der Fall macht deutlich, welches Risiko ein Arbeitnehmer eingeht, der „alleine“ zu einem Gespräch über eine Beendigung seines Arbeitsverhältnisses geht oder seine ablehnende Haltung gegenüber einer Kündigung dabei nicht deutlich macht. Und für Arbeitgeber besteht kein Grund, faire oder sogar aus Sicht des Arbeitnehmers attraktive Beendigungsvereinbarungen bloß mündlich zu vereinbaren.
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Letzte Überarbeitung: 17. September 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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