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Arbeitsrecht aktuell: 07/68 Gleichbehandlung bei Sonderzahlungen
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Urteile des Bundesarbeitsgericht vom 26.09.2007, 10 AZR 568/06, 569/06 und 570/06
Rechtsanwältin Eva Hüttl, Hamburg
Über welche Rechtsfrage hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?
30.10.2007. In den vom BAG am 26.09.2007 entschiedenen drei Fällen ging es um den Grundsatz der Gleichbehandlung. Dieser untersagt es dem Arbeitgeber, einzelne Arbeitnehmer ohne Sachgrund schlechter bzw. „ungleich“ zu behandeln, falls er bestimmte arbeitsvertragliche Regelungen für den ganzen Betrieb oder zumindest für bestimmte Arbeitnehmergruppen einheitlich aufstellt.
Fraglich ist, inwieweit der Arbeitgeber an den Gleichbehandlungsgrundsatz gebunden ist, wenn er Arbeitnehmer von generellen Leistungen ausnimmt und dafür jedenfalls teilweise sachliche Gründe anführen kann.
Welche Sachverhalte lagen den Urteilen des Bundesarbeitsgerichts zugrunde?
In einem Automobilzulieferungsbetrieb wurde 2001 mit Zustimmung von etwa 400 Arbeitnehmern die Arbeitszeit verlängert und der Grundlohn in den Bereichen Spritzguss und Montage abgesenkt. Dadurch sollte ein Beitrag zur Sanierung des Unternehmens geleistet werden. Etwa 50 Arbeitnehmer, darunter die Kläger in den drei vom BAG entschiedenen Fällen, hatten diese für sie ungünstige Änderung ihrer Arbeitsverträge abgelehnt.
In der Folgezeit kündigte die Arbeitgeberin unter Verweis auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage eine Betriebsvereinbarung über zusätzliche Leistungen, u.a. über die Zahlung von Weihnachtsgeld. Dabei bot sie den Mitarbeitern, die der Arbeitsvertragsänderung (verlängerte Arbeitszeit bei Absenkung des Grundlohns) zugestimmt hatten, folgende Vereinbarung an: Sie sollten für das Jahr 2003 - und unter Widerrufsvorbehalt - auch für die folgenden Jahre Weihnachtsgeldzahlungen erhalten. Diese Zahlung sollte die vergangene Betriebstreue honorieren sowie einen Anreiz für das Verbleiben im Betrieb geben. Daneben sollte zugleich auch die Anwesenheit des Arbeitnehmers honoriert werden.
Drei der Mitarbeiter, die sich einer Gehaltsabsenkung bei gleichzeitiger Erhöhung der Arbeitszeit verweigert hatten und daher von dieser Vereinbarung über das Weihnachtsgeld ausgenommen wurden, klagten die Weihnachtsgeldzahlung vor dem Arbeitsgericht unter Berufung auf den Gleichbehandlungsgrundsatz ein. Das angerufene Arbeitsgericht und das Landesarbeitsgericht Hamm als Berufungsgericht (LAG Hamm, Urteile vom 02.02.2006, 8 Sa 472/05, 473/05 und 476/05) gaben den Klagen statt.
Wie hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?
Auch das BAG gab den Arbeitnehmern Recht. Die Revision der Arbeitgeberin blieb erfolglos. Das BAG hielt der Arbeitgeberin eine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes vor:
Ein sachlicher Grund für eine Ungleichbehandlung sei nicht zu erkennen. Die Beklagte verfolge mit der Weihnachtsgeldzusage nicht ausschließlich den Zweck, die finanziellen Einbußen der Arbeitnehmer auszugleichen, die einen Sanierungsbeitrag geleistet hätten. Wolle der Arbeiteber durch eine freiwillige Sonderzahlung ein unterschiedliches Lohnniveau ausgleichen, könne dies zwar sachlich gerechtfertigt sein. Dies sei aber dann nicht (mehr) der Fall, wenn er - wie hier – mit der Leistung auch andere Zwecke verfolge.
Anders gesagt: Die Weihnachtsgeldvereinbarung gleicht nicht nur die Gehaltseinbußen aus, die etwa 400 Arbeitnehmern durch die freiwillige Arbeitszeitverlängerung und Lohnabsenkung 2001 entstanden sind, sondern schafft einen allgemeinen Anreiz zur Vermeidung von Krankheitstagen und zur Betriebstreue. Diese allgemeinen Zwecksetzungen treffen auch auf solche Arbeitnehmer zu, die zuvor der für sie ungünstigen Vertragsänderung bzgl. der Arbeitszeit und der Gehaltsabsenkung nicht zugestimmt hatten. Sie können somit trotz Betriebstreue und gesundheitsbewusster Lebensführung eine Weihnachtsgeldzahlung nicht erlangen. Dies verletzt den arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz.

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Letzte Überarbeitung: 17. Juni 2010
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Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
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Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
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Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
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