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Arbeitsrecht aktuell: 07/82 Mobbing durch Chefarzt
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Oberarzt verklagt Chefarzt wegen Mobbings und obsiegt vor dem BAG
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25.10.2007, 8 AZR 593/06
23.11.2007. Sieht ein Vorgesetzter, der einen Untergebenen "mobbt", die gesundheitsschädigenden Folgen seines Verhaltens nicht voraus, so besteht trotzdem eine Schadensersatzpflicht, falls diese Gesundheitsschäden kausal auf das Mobbing zurückzuführen sind. Im vorliegenden Fall musste sich das ein Krankenhausträger anhören, der wegen systematischen, von einem Chefarztes begangenen Mobbings von dem Mobbingbetroffenen, einem Oberarzt, verklagt worden war. Da der Arbeitgeber für das (Fehl)Verhalten seiner leitenden Angestellter rechtlich gemäß § 278 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) einzustehen hat, trifft den Arbeitgeber eine Schadensersatzpflicht für krankheitsbedingte Erwerbsausfallschäden: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25.10.2007, 8 AZR 593/06.
von Rechtsanwältin Nina Lüking, Fachanwältin für Arbeitsrecht
Hensche Rechtsanwälte, Büro Hannover
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Arbeitnehmer, die von ihren Vorgesetzten „gemobbt“ werden, können nicht die Entlassung des Vorgesetzten verlangen. Ein Anspruch gegen den Arbeitgeber, einen anderen, gleichwertigen Arbeitsplatz anzubieten, besteht nur dann, wenn ein solcher Arbeitsplatz tatsächlich vorhanden ist.
Demgegenüber kann der von einem Vorgesetzten gemobbte Arbeitnehmer auch dann Schmerzensgeld von seinem Arbeitgeber beanspruchen, wenn der Vorgesetzte nicht erkennen konnte, dass der gemobbte Arbeitnehmer aufgrund des Mobbings psychisch erkranken würde.
Der Kläger ist Arzt und seit 1987 in der Klinik der Beklagten als Neurochirurg beschäftigt. Seit 1992 übt er die Tätigkeit des ersten Oberarztes aus. Im Oktober 2001 übernahm ein externer Bewerber die Position des Chefarztes und wurde damit Vorgesetzter des Klägers.
Seit Mai 2002 sah sich der Kläger Mobbing-Handlungen seitens des Chefarztes ausgesetzt. Die Beklagte leitete daraufhin im Juni 2003 ein „Konfliktlösungsverfahren“ ein, das ohne Erfolg blieb. In der Zeit von November 2003 bis Juli 2004 war der Kläger wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig. Im Oktober 2004 erkrankte er erneut.
Der Kläger beansprucht im Wege der arbeitsgerichtlichen Klage von dem beklagten Krankenhausträger die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Chefarzt. Hilfsweise verlangt er die Zuweisung eines Arbeitsplatzes, der seiner Leistungsfähigkeit und Stellung bei gleichwertiger Vergütung entspreche, auf dem er jedoch den Weisungen des Chefarztes nicht ausgesetzt wäre. Darüber hinaus begehrt er die Zahlung eines Schmerzensgeldes.
Das Arbeitsgericht Dortmund und das Landesarbeitgericht (LAG) Hamm wiesen die Klage insgesamt ab.
Das LAG hatte dabei – immerhin! - festgestellt, dass der Chefarzt „mobbingtypische Verhaltensweisen“ gezeigt und diese die Erkrankung des Klägers hervorgerufen habe.
Dennoch wies es den Schmerzensgeldanspruch mit der Begründung zurück, dass den Chefarzt subjektiv kein Verschulden an der Gesundheitsschädigung des Klägers treffe, da dieser den Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht habe vorhersehen können.
Das BAG bestätigte die Entscheidungen der Vorinstanzen insoweit, als es einen Anspruch des Klägers auf Kündigung des Chefarztes sowie auf Zuweisung eines Arbeitsplatzes ohne Weisungsabhängigkeit vom Chefarzt (ein solcher war faktisch nicht vorhanden) verneinte.
Anders als das LAG gab das BAG dem Schmerzensgeldantrag dem Grunde nach statt, da der Chefarzt die psychische Erkrankung des Klägers schuldhaft herbeigeführt habe. Da der Chefarzt Erfüllungsgehilfe des Krankenhausträgers sei, müsse sich dieser das schuldhafte Verhalten des Chefarztes zurechnen lassen und hafte daher. Im Übrigen hat das BAG den Rechtsstreit an das LAG zurückverwiesen, u.a. zum Zwecke der Entscheidung über die Höhe des Schmerzensgeldanspruchs.
Die Entscheidung des BAG ist richtig, da das LAG bereits die Verletzung von vertraglichen Nebenpflichten durch den Chefarzt („mobbing-typische Verhaltensweisen“) sowie die Ursächlichkeit dieser Nebenpflichtverletzung für die Gesundheitsschädigung des Klägers festgestellt hatte. Die von dem LAG weiterhin geforderte Vorhersehbarkeit des Eintretens gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch den Chefarzt ist demgegenüber rechtlich nicht erforderlich, d.h. das Verschulden des Chefarztes (Vorsatz oder Fahrlässigkeit) muss sich nur auf die Nebenpflichtverletzung als solche, nicht aber auf die daraus kausal erwachsenen Folgen beziehen.
Fazit: Wer gegenüber den gesundheitsschädigenden Folgen des von ihm verübten Mobbings blind ist, hat für diese Folgen dennoch rechtlich einzustehen. Wird das Mobbing durch Vorgesetzte verübt, haftet der Arbeitgeber hierfür im Rahmen der Einstandspflicht für den Erfüllungsgehilfen.

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Letzte Überarbeitung: 23. Januar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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