HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/069

Vor­ver­ur­tei­lung durch Vor­ge­setz­ten: Schmer­zens­geld we­gen Ver­let­zung des Per­sön­lich­keits­rechts

Schmer­zens­geld we­gen Vor­ver­ur­tei­lung in ei­ner Dienst­be­spre­chung: Land­ge­richt Frank­furt, Ur­teil vom 07.03.2011, 2-04 O 584/09
Gelbgekleidete Person im Vordergrund, acht von ihr abwandte rotgekleidete Personen im Hintergrund Vor­sicht mit vor­ei­li­gen Schlüs­sen ...
07.04.2011. Ar­beit­ge­ber und Dienst­her­ren sind zur Für­sor­ge ver­pflich­tet. Sie müs­sen Rück­sicht auf die Rech­te, Rechts­gü­ter und In­ter­es­sen ih­rer An­ge­stell­ten und Be­am­ten neh­men. Zu die­sen Rech­ten ge­hört auch das ver­fas­sungs­recht­lich ge­schütz­te all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Grund­ge­setz - GG). Die­ses Recht ver­bie­tet z.B. öf­fent­li­che her­ab­set­zen­de Be­mer­kun­gen oder "Mob­bing". Bei schwe­ren Ver­let­zun­gen des Per­sön­lich­keits­rechts sind Gel­dent­schä­di­gun­gen zu zah­len.

Der ge­naue Be­trag hängt von den Um­stän­den des Fal­les ab und liegt im Er­mes­sen des Ge­richts. Ho­he Be­trä­ge wer­den sel­ten aus­ge­ur­teilt. Da­her ist ein ak­tu­el­les Ur­teil des Land­ge­rich­tes (LG) Frank­furt am Main in­ter­es­sant. Es muss­te be­wer­ten, wie schwer­wie­gend es ist, wenn in ei­ner Dienst­be­spre­chung ei­nem ab­we­sen­den lei­ten­den Po­li­zei­be­am­ten von der Be­hör­den­spit­ze "kri­mi­nel­le Ma­chen­schaf­ten" un­ter­stellt wer­den, ob­wohl ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren noch am An­fang steht (Ur­teil vom 07.03.2011, 2-04 O 584/09).

In dem Fall hat­te ein Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar von sei­nem Dienst­herrn, dem Land Hes­sen, 30.000 EUR Schmer­zens­geld we­gen her­ab­set­zen­der Be­mer­kun­gen durch ei­nen Vor­ge­setz­ten wäh­rend ei­ner Dienst­be­spre­chung und we­gen Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen ver­langt. Das LG sprach ihm al­lein we­gen der Dienst­be­spre­chung 8.000 EUR zu, weil die Si­tua­ti­on dort völ­lig un­sach­lich und wer­tend dar­ge­stellt wor­den war. Ge­gen­über der Pres­se hat­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen hin­ge­gen nur eher zu­rück­hal­tend ge­äu­ßert.

Fa­zit: Das Ge­richt hat in die­ser sorg­fäl­tig be­grün­de­ten Ent­schei­dung dem Be­am­ten ei­ne recht ho­he Gel­dent­schä­di­gung zu­ge­spro­chen. Da­mit hat das Ur­teil ei­ne er­freu­li­che Sank­ti­ons- und Si­gnal­wir­kung für Dienst­vor­ge­setz­te. Da­bei spiel­te auch ei­ne Rol­le, dass das Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­stellt wur­de und der Dienst­herr sich bis heu­te nicht ent­schul­digt hat. Wer sich un­ge­recht be­han­delt oder ge­mobbt fühlt, soll­te beim The­ma Gel­dent­schä­di­gung (so wie hier im Streit­fall) rea­lis­ti­sche Be­trä­ge auf­ru­fen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. September 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Dr. Simone Wernicke
Rechtsanwältin, Fachanwältin für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27, 60325 Frankfurt a. M.
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05
E-Mail: frankfurt@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de