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LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 02.06.2010, 19 Sa 33/09

   
Schlagworte: Betriebsrente, Betriebliche Altersversorgung: Anpassung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Aktenzeichen: 19 Sa 33/09
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 02.06.2010
   
Leitsätze:

1. Der Arbeitgeber hat, wenn er eine betragsorientierte Leistungszusage erteilt hat, gem. § 1 Abs. 1 S. 3 BetrAVG für die Erfüllung der von ihm zugesagten Leistung einzustehen, wenn die Pensionskasse der Deutschen Wirtschaft VVaG von ihrer in der Satzung vorgesehenen Möglichkeit der Leistungsherabsetzung Gebrauch macht.

2. Die unterbliebene Erhöhung der Bruttolöhne im Unternehmen allein rechtfertigt die Ablehnung der Anpassung weder gem. § 16 Abs.2 Nr.2 BetrAVG noch im Rahmen der Interessenabwägung gem. § 315 Abs.3 BGB.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Mannheim, Urteil vom 18.03.2009, 11 Ca 416/08
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg

- Kam­mern Mann­heim -

 

Verkündet

am 02.06.2010

Ak­ten­zei­chen:

19 Sa 33/09

11 Ca 416/08 (ArbG Mann­heim) (Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Schleck
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In dem Rechts­streit

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Mann­heim - - 19. Kam­mer - durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Au­we­ter,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kai­ser
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Pa­e­seler auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 05.05.2010

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mann­heim vom 18.03.2009 - 11 Ca 416/08 - wird auf Kos­ten der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um die An­pas­sung der lau­fen­den Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters-ver­sor­gung des Klägers zum 01.11.2006, so­wie um die Ein­stands­pflicht der Be­klag­ten für Leis­tungskürzun­gen der Pen­si­ons­kas­se für die Deut­sche Wirt­schaft VVaG seit 01.07.2004.

Der Kläger war vom 01.09.1987 bis zum 31.10.2000 bei der Be­klag­ten bzw. bei de­ren Rechts­vorgänge­rin als Ent­wick­lungs­lei­ter beschäftigt. Der Ar­beits­ver­trag vom 28.08.1989 enthält un­ter Ziff. 5. d. (ABl. 54 der erst­in­stanzl. Ak­te) die fol­gen­de Ver­ein­ba­rung:

„D. gewährt ei­ne zusätz­li­che, un­ver­fall­ba­re Al­ters­ver­sor­gung der­ge­stalt, dass sie zu­guns­ten des An­ge­stell­ten an die Pen­si­ons­kas­se der Che­mi­schen In­dus­trie ei­nen Be­trag in Höhe von 300,-- DM pro Mo­nat abführt. Die in­so­weit an­fal­len­de Lohn- und Kir­chen­steu­er wird eben­falls von der D. über­nom­men.

Zusätz­lich fin­den die als An­la­ge zu die­sem An­stel­lungs­ver­trag bei­gefügten Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen der D. GmbH über

- die Gewährung ei­ner be­trieb­li­chen Pen­si­ons­zu­la­ge für Ar­beit­neh­mer, de­ren Ein­kom­men ober­halb der Ren­ten­ver­si­che­rungs­be­mes­sungs­gren­ze liegt, so­wie

- die Zah­lung ei­ner Weih­nachts­vergütung für Pen­si­onäre An­wen­dung.“

Seit 01.11.2003 be­zieht der Kläger mo­nat­li­che Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Die­se set­zen sich zu­sam­men aus ei­ner rechts­kräftig fest­ge­stell­ten be­trieb­li­chen Pen­si­ons­zu­la­ge der Be­klag­ten in Höhe von € 487,34 (12 Sa 42/04, LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Kam­mern Mann­heim), so­wie ei­ner im We­ge des Ver­gleichs er­strit­te­nen Pen­si­ons­kas­sen­leis­tung in Höhe von € 291,61 (12 Ca 487/04, ArbG Mann­heim, An­la­ge K 1 zur Klag­schrift, ABl. 10 ff. der erst­in­stanzl. Ak­te). Die Pen­si­ons­kas­sen­leis­tung be­ruht nach den Be­rech­nun­gen des Klägers zu 11,66 % (€ 34,00) auf Ei­gen­leis­tun­gen des Klägers, die die­ser nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses frei­wil­lig wei­ter­ge­zahlt hat (An­la­ge K 8 zum Schrift­satz vom 02.03.2009, ABl. 70 ff. der erst­in­stanzl. Ak­te). Seit 01.07.2004 wur­de die Pen­si­ons­kas­sen­ren­te auf­grund ei­nes Be­schlus­ses der Mit­glie­der­ver­samm­lung vom 27.06.2003 her­ab­ge­setzt, und zwar zum 01.07.2004, 01.07.2005 und 01.07.2006 um je­weils 1,4 %, so­wie zum 01.07.2007 um 1,37 % und zum 01.07.2008 um 1,34 % (vgl. die Auf­stel­lung des Klägers im Schrift­satz vom 02.03.2009, ABl. 67 der erst­in­stanzl. Ak­te). Die Le­bens­hal­tungs­kos­ten stie­gen vom 01.11.2003 bis zum 31.10.2006 um 5,55 %.

Mit sei­ner Kla­ge ver­folgt der Kläger des­halb zum ei­nen die An­he­bung der Pen­si­ons­zu­la­ge um € 27,05 auf € 514,39. Bis zum 28.02.2009 er­rech­net er hier­aus ei­nen Rück­stand in Höhe

 

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von € 757,40. Darüber hin­aus nimmt er die Be­klag­te gem. § 1 Abs. 1 S. 3 Be­trAVG in An-spruch in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen den gekürz­ten Leis­tun­gen der Pen­si­ons­kas­se und der ihm nach den all­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen (AVB) und Ta­rif­be­din­gun­gen (TaB) zu­ste­hen­den Leis­tun­gen ein­sch­ließlich der An­pas­sung seit 01.11.2006. Auf die Be­rech­nung im Schrift­satz vom 02.03.2009 (ABl. 67 ff. der erst­in­stanzl. Ak­te) wird Be­zug ge­nom­men. Der Kläger hat des­halb erst­in­stanz­lich be­an­tragt

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger € 1.687,44 nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten ober­halb des Ba­sis­zins­sat­zes aus € 168,40 seit dem 01.11.2006, aus je € 51,17 seit dem 01.12.2006, 01.01., 01.02., 01.03., 01.04., 01.05., 01.06., 01.07.2007, aus je € 54,28 seit dem 01.08., 01.09., 01.10., 01.11. und 01.12.2007, 01.01., 01.02., 01.03., 01.04., 01.05., 01.06., 01.07.2008 und aus je € 57,29 seit dem 01.08., 01.09., 01.10., 01.11. und 01.12.2008 und 01.01., 01.02. und 01.03.2009 zu zah­len.

2. an den Kläger zusätz­lich zu der ge­zahl­ten Fir­men­ren­te in Höhe von € 487,34 brut­to ab dem 01.03.2009 ei­nen mo­nat­li­chen Brut­to­be­trag in Höhe von € 57,29 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat Klag­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie wen­det ein, die wirt­schaft­li­che La­ge der Be-klag­ten ste­he ei­ner Ren­ten­an­pas­sung ent­ge­gen. Die Be­klag­te ha­be auch die Brut­tolöhne ih­rer Ar­beit­neh­mer nicht an­ge­ho­ben. Die Erhöhung der Be­triebs­ren­te sei des­halb im Be­trieb nicht zu ver­mit­teln, ins­be­son­de­re, weil die Ge­fahr be­ste­he, dass die ak­ti­ve Be­leg­schaft in­fol­ge ei­ner Ren­ten­an­pas­sung die vom Bi­lanz­ge­winn abhängi­ge Er­folgs­prämie ver­feh­le. Un­abhängig da­von ha­be der Kläger ei­ne Son­der­stel­lung ein­ge­nom­men, so dass es kei­ne ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer­grup­pe im Un­ter­neh­men im Sin­ne des § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG ge­be. In Be­zug auf die Ein­stands­pflicht hin­sicht­lich der Pen­si­ons­kas­sen­leis­tun­gen meint die Be­klag­te, sie ha­be kei­ne Leis­tungs­zu­sa­ge er­teilt, son­dern sich nur ver­pflich­tet, ei­nen be­stimm­ten Be­trag an die Pen­si­ons­kas­se der Che­mi­schen In­dus­trie ab­zuführen. Ei­ne wei­ter­ge­hen­de Ver­pflich­tung be­ste­he des­halb nicht.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Hin­sicht­lich des Tat­be­stands und der Ent-schei­dungs­gründe wird auf die Ent­schei­dung vom 18.03.2009 Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen das der Be­klag­ten am 22.06.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich de­ren am 17.07.2009 ein­ge­gan­ge­ne und mit bei Ge­richt am 24.08.2009 (Mon­tag) ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz aus-geführ­te Be­ru­fung. Sie be­ruft sich wei­ter dar­auf, dass kein Ar­beit­neh­mer und kei­ne Ar­beit-neh­mer­grup­pe im An­pas­sungs­zeit­raum ei­ne Ent­gel­terhöhung er­hal­ten ha­be. Es sei Sa­che des Klägers, ent­spre­chen­de Ar­beit­neh­mer zu be­nen­nen. Steu­er- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ent­las­tun­gen könn­ten dem Kläger da­bei nicht zu­gu­te­kom­men. Vor­sorg­lich führt die Be­klag­te aus, dass die al­len­falls mit dem Kläger ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer Dr. S.

 

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(Nach­fol­ger des Klägers) und D. (Pro­duk­ti­ons­lei­ter) le­dig­lich über ein um 1,58 % bzw. um 1,73 % höhe­res Net­to­ein­kom­men als zu Be­ginn des Ver­gleichs­zeit­raums verfügten. Hin­sicht­lich der Pen­si­ons­kas­sen­ren­te sei der Ver­gleich vor dem Ar­beits­ge­richt Mann­heim vom 09.10.2006 kei­ne An­spruchs­grund­la­ge. Im Ver­trag vom 28.08.1989 sei dem Kläger kei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­sagt, son­dern ei­ne rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge er­teilt wor­den. Die Leis­tungskürzun­gen der Pen­si­ons­kas­se gin­gen da­her zu Las­ten des Klägers. Un­ge­ach­tet des­sen ste­he die recht­li­che Struk­tur ei­ner Pen­si­ons­kas­se ei­ner Ein­stands­pflicht ent­ge­gen. Die Be­klag­te könne we­der Rück­stel­lun­gen bil­den, noch fin­de ei­ne In­sol­venz­si­che­rung durch den Pen­si­ons­si­che­rungs­ver­ein statt. Darüber hin­aus be­strei­tet die Be­klag­te, dass nur 11,66% der Ren­ten­leis­tung dar­auf be­ruh­ten, dass der Kläger nach sei­nem Aus­schei­den frei­wil­lig wei­te­re Beträge an die Pen­si­ons­kas­se ab­geführt ha­be. Sch­ließlich tritt sie aus oben ge­nann­ten Gründen und un­ter Hin­weis auf § 16 Abs. 3 Nr. 3 Be­trAVG dem Zah­lungs­an­spruch ent­ge­gen. Die Be­klag­te be­an­tragt des­halb,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mann­heim vom 06.05.2009, AZ: 11 Ca 416/08, ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Be­ru­fung.

Er ver­wahrt sich ge­gen die Dar­le­gungs- und Be­weis­last im Rah­men des § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG, da der Ar­beit­ge­ber für sämt­li­che die An­pas­sungs­ent­schei­dung be­ein­flus­sen­den Umstände dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig sei. Un­ge­ach­tet des­sen, dass der Kläger be­strei­te, dass es im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum kei­ne Brut­to­loh­nerhöhung ge­ge­ben ha­be, sei gem. § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG auf die Ent­wick­lung der Net­tolöhne ver­gleich­ba­rer Ar­beit-neh­mer­grup­pen ab­zu­stel­len. Die bei­den vom Ar­beit­ge­ber in­so­weit be­nann­ten Ar­beit­neh­mer sei­en mit dem Kläger aber we­der von der Tätig­keit her noch bezüglich der hier­ar­chi­schen Stel­lung im Un­ter­neh­men auch nur annähernd ver­gleich­bar. Herr Dr. S. ha­be im Ge­gen­satz zum Kläger kei­ne (Ge­samt-) Pro­ku­ra und sei Ta­rif­an­ge­stell­ter. Im Übri­gen ha­be sich sein Ein­kom­men aus­weis­lich der sei­tens der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten Ver­dienst­nach­wei­se (An­la­ge BK 1, BK 2 zum Schrift­satz vom 24.08.2009, ABl. 40 f.) um 3,31 % erhöht. Der Mit­ar­bei­ter D. sei eben­falls kein Pro­ku­rist und in ei­ner an­de­ren Ge­halts­klas­se tätig (deut­lich nied­ri­ge­res Ge­halt, statt Tan­tie­me­be­rech­ti­gung Teil­nah­me am Be­tei­li­gungs­sys­tem für nicht­lei­ten­de Ar­beit­neh­mer). Feh­le es aber an ei­ner ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer­grup­pe, grei­fe die Be­gren­zung des § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG auch von des­sen Zweck her nicht. Sch­ließlich sei nicht nach­voll­zieh­bar, dass der streit­ge­genständ­li­che Erhöhungs­be­trag zum Weg­fall der Er­folgs­prämie führen sol­le. Hin­sicht­lich der Pen­si­ons­kas­sen­ren­te er­ge­be sich der An­spruch be­reits aus § 6 des Ver­gleichs vom 09.10.2006: Ent­we­der sei die Leis­tungs­her­ab­set­zung der Pen­si­ons­kas­se nicht be­rech­tigt oder die Be­klag­te sei zur Auffüllung ver­pflich­tet. Da das LAG

 

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Düssel­dorf in­zwi­schen ent­schie­den ha­be, dass die Pen­si­ons­kas­se zur sat­zungsmäßigen Her­ab­set­zung ge­schul­de­ter Kas­sen­leis­tun­gen be­rech­tigt ge­we­sen sei, ha­be die Be­klag­te ein­zu­ste­hen. Die Be­klag­te ha­be auch ei­ne „zusätz­li­che un­ver­fall­ba­re Al­ters­ver­sor­gung“ ver-spro­chen und da­mit ei­ne Leis­tungs­zu­sa­ge er­teilt. Der Ei­gen­an­teil des Klägers an der Pen­si-ons­kas­sen­leis­tung er­ge­be sich, wenn man die sei­tens der Pen­si­ons­kas­se mit Schrei­ben vom 17.02.2009 mit­ge­teil­ten Pen­si­ons­an­wart­schaf­ten (An­la­ge K 8 zum Schrift­satz vom 02.03.2009, ABl. 70 ff. der erst­in­stanzl. Ak­te) un­ter Berück­sich­ti­gung des ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Ab­schlags in Höhe von 24 % ins Verhält­nis set­ze (vgl. Sei­te 10 des Schrift­sat­zes vom 29.10.2009, ABl. 60).

Ent­schei­dungs­gründe

Die gem. § 64 Abs. 2 b) ArbGG statt­haf­te und auch im Übri­gen zulässi­ge Be­ru­fung der Be-klag­ten ist nicht be­gründet. Die Be­klag­te ist zur An­pas­sung der lau­fen­den Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zum 01.11.2006 ver­pflich­tet (I.). Darüber hin­aus hat sie für die Erfüllung der von ihr zu­ge­sag­ten Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung durch die Pen­si­ons­kas­se der Che­mi­schen In­dus­trie ein­zu­ste­hen (II.).

I.

Die Be­klag­te ist gem. § 16 Abs. 1 Be­trAVG zum 01.11.2006 zur Erhöhung der ab 01.11.2003 in Höhe von € 487,34 be­zahl­ten be­trieb­li­chen Pen­si­ons­zu­la­ge um 5,55 % auf € 514,39 pro Mo­nat ver­pflich­tet.

1. Nach § 16 Abs. 1 Be­trAVG hat der Ar­beit­ge­ber al­le drei Jah­re ei­ne An­pas­sung der lau­fen­den Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu prüfen und hierüber nach bil­li­gem Er­mes­sen zu ent­schei­den. Da­bei sind ins­be­son­de­re die Be­lan­ge des Ver­sor­gungs­empfängers und die wirt­schaft­li­che La­ge des Ar­beit­ge­bers zu berück­sich­ti­gen. Die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen ha­ben in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 315 Abs. 1, Abs. 3 BGB zu über­prüfen, ob der Ar­beit­ge­ber bei sei­ner An­pas­sungs­ent­schei­dung den ihm ein­geräum­ten Er­mes­sens­spiel­raum über­schrit­ten hat (ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, z. B. Ur­teil vom 30.08.2005, 3 AZR 395/04, AP Nr. 56 zu § 16 Be­trAVG, DB 2006, 732). § 16 Be­trAVG soll ei­ner Ent­wer­tung der lau­fen­den Be­triebs-

 

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ren­ten be­geg­nen. Bei ge­ge­be­nen An­pas­sungs­be­darf und so­weit der Ver­sor­gungs­schuld­ner leis­tungsfähig ist, ist die An­pas­sung die Re­gel, die Nicht­an­pas­sung die Aus­nah­me (BAG, Ur­teil vom 26.05.2009, 3 AZR 369/07, AP Nr. 67 zu § 16 Be­trAVG, DB 2009, 2384).

2. Zwi­schen den Par­tei­en ist nicht im Streit, dass der An­pas­sungs­be­darf des Klägers ent-spre­chend dem An­stieg des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes für Deutsch­land im Zeit­raum vom 01.11.2003 bis zum 31.10.2006 5,55 %, al­so € 27,05 pro Mo­nat beträgt.

3. Die sei­tens der Be­klag­ten an­geführ­ten Be­lan­ge recht­fer­ti­gen kei­ne Her­ab­set­zung im Rah­men des § 315 Abs. 3 BGB.

a) Die Be­klag­te macht kei­ne Ausführun­gen da­zu, dass es ihr nicht möglich sei, den Teue­rungs­aus­gleich aus den Erträgen des Un­ter­neh­mens und des­sen Wert­zu­wachs in der Zeit bis zum nächs­ten An­pas­sungs­stich­tag auf­zu­brin­gen bzw. dass ins­be­son­de­re die Er­trags­kraft für ei­ne an­ge­mes­se­ne Ei­gen­ka­pi­tal­ver­zin­sung nicht aus­rei­che (ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. z. B. Ur­teil vom 18.02.2003, 3 AZR 172/02, AP Nr. 53 zu § 16 Be­trAVG, DB 2003, 2606). In der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 05.05.2010 hat die Be­klag­te ein­geräumt, dass sie ent­spre­chen­de Ausführun­gen auch nicht ma­chen könne.

b) § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG steht der An­pas­sung nicht ent­ge­gen. Nach § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG gilt die Ver­pflich­tung zur An­pas­sung als erfüllt, wenn die An­pas­sung nicht ge­rin­ger als der An­stieg der Net­tolöhne ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer­grup­pen des Un­ter­neh­mens im Prüfungs­zeit­raum ausfällt.

(1) Die Be­klag­te kann sich nicht dar­auf be­ru­fen, dass sie im Prüfungs­zeit­raum die Brut­to­ent­gel­te ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­neh­mer­grup­pen nicht erhöht ha­be. Die re­al­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze stellt auf den Teil des Ar­beits­ver­diens­tes ab, der den ak­ti­ven Beschäftig­ten nach Ab­zug von Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben übli­cher­wei­se ver­bleibt (BAG, Ur­teil vom 20.05.2003, 3 AZR 179/02, AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Aus­le­gung, Rd­nr. 81; Ur­teil vom 23.05.2000, 3 AZR 103/99, AP Nr. 44 zu § 16 Be­trAVG, DB 2001, 2506, Rd­nr. 18). Dies er­gibt sich nicht nur aus dem Wort­laut der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, son­dern auch aus dem auf das re­al verfügba­re Ein­kom­men ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer ab­stel­len­den Zweck der Vor­schrift. Des­halb wir­ken sich ins­be­son­de­re auch Steu­er­ent­las­tun­gen zu Guns­ten der Be­triebs­rent­ner

 

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aus. Da § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG die Lohn­ent­wick­lung ver­gleich­ba­rer Ar-beit­neh­mer­grup­pen im Blick hat, ob­liegt es dem Ar­beit­ge­ber, die maßgeb­li­che Ver­gleichs­grup­pe ak­ti­ver Ar­beit­neh­mer fest­zu­le­gen und da­mit in­di­vi­du­el­le Be­son­der­hei­ten bei der Be­steue­rung der Ar­beit­neh­mer­ein­kom­men aus­zu­blen­den oder zu ni­vel­lie­ren.

(2) So­weit die Be­klag­te sich dar­auf be­ruft, die Net­to­gehälter der Ar­beit­neh­mer Dr. S. und D. hätten sich nur um 1,58 % bzw. um 1,73 % erhöht, kann da­hin­ste­hen, ob die­se Ar­beit­neh­mer nach der Art der Tätig­keit bzw. ih­rer hier­ar­chi­schen Stel­lung im Be­trieb mit dem Kläger ver­gleich­bar sind. Sie stel­len kei­ne „Ar­beit­neh­mer­grup­pe“ im Sin­ne des § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG dar. Da­bei kann da­hin­ste­hen, wie vie­le Ar­beit­neh­mer ei­ne Ver­gleichs­grup­pe im Sin­ne des § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG ent­hal­ten muss. Le­dig­lich zwei Ar­beit­neh­mer, von de­nen ei­ner Ta­rif­an­ge­stell­ter ist, sind je­den­falls nicht hin­rei­chend re­präsen­ta­tiv, um die Ver­pflich­tung aus § 16 Abs. 1 Be­trAVG über 1,58 % bzw. 1,73 % hin­aus als erfüllt an­zu­se­hen.

c) Auch das Ar­gu­ment der Be­klag­ten, ei­ne An­pas­sung der Be­triebs­ren­te des Klägers sei im Be­trieb an­ge­sichts der nicht erhöhten Brut­to­gehälter nicht ver­mit­tel­bar, verfängt nicht. Zwar ist der Be­klag­ten dar­in zu­zu­stim­men, dass ihr im Rah­men des § 16 Abs. 1 Be­trAVG ein Er­mes­sens­spiel­raum zu­steht. Al­lein die un­ter­blie­be­ne Erhöhung der Brut­to­ein­kom­men im Un­ter­neh­men recht­fer­tigt es al­ler­dings nicht, die An­pas­sung der Be­triebs­ren­te ab­zu­leh­nen. Dies er­gibt sich dar­aus, dass der am Teue­rungs­aus­gleich ori­en­tier­te An­pas­sungs­be­darf sich auf das verfügba­re Ein­kom­men be­zieht, wie es in § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat. So­weit die Be­klag­te dar­auf ab­stellt, dass die Ren­ten­an­pas­sung ge­ge­be­nen­falls die am Ge­winn ori­en­tier­te Zah­lung ei­ner Er­folgs­prämie an die ak­ti­ven Ar­beit­neh­mer gefähr­de, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass al­lein ei­ne sol­che Möglich­keit nicht aus­reicht, um dem An­pas­sungs­be­darf zu ent­ge­gen zu tre­ten. Die Be­klag­te hätte in­so­weit je­den­falls an­hand kon­kre­ter Zah­len zur Ge­winn­erwar­tung un­ter Berück­sich­ti­gung der erhöhten Ren­ten pro­gnos­ti­zie­ren müssen, dass es zu ei­ner sol­chen In­ter­es­sen­kol­li­si­on kom­men würde.

 

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II.

Die Be­klag­te hat gem. § 1 Abs. 1 S. 3 Be­trAVG auch dafür ein­zu­ste­hen, dass die Leis­tun­gen der Pen­si­ons­kas­se für die Deut­sche Wirt­schaft VVaG mit ih­ren Leis­tun­gen die Zu­sa­ge der Be­klag­ten nicht erfüllt hat.

1. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers er­gibt sich dies nicht be­reits aus § 6 des Ver­gleichs vom 09.10.2006. Die­ser lau­tet:

„Die Aus­wir­kun­gen der mit Be­schluss der Mit­glie­der­ver­samm­lung der PK­DW vom 27.06.2003 be­schlos­se­nen Leis­tungs­her­ab­set­zung blei­ben so­wohl ge­genüber der Be­klag­ten zu 1. als auch der Be­klag­ten zu 2. un­berührt. Soll­te ein ge­gen die Be­klag­te zu 1. oder die Be­klag­te zu 2. ge­rich­te­tes Ver­fah­ren er­ge­ben, dass die von der Be­klag­ten zu 2. ab dem 01.07.2004 jähr­lich vor­ge­nom­me­nen Leis­tungs­her­ab­set­zun­gen um 1,4 % nicht rech­tens sind oder die Be­klag­te zu 1. zur Auffüllung ver­pflich­tet ist, wird ei­ne Neu­be­rech­nung der Ansprüche des Klägers ab dem 01.07.2004 vor­ge­nom­men. Da­bei wer­den die Par­tei­en von ei­ner Pen­si­ons­kas­sen­ren­te des Klägers in Höhe von € 291,61 brut­to per 30.06.2004 aus­ge­hen.

Zwar mag der Kläger da­von aus­ge­gan­gen sein, dass stets dann, wenn die Pen­si­ons­kas­se zur Leis­tungs­her­ab­set­zung be­rech­tigt ist, ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Auffüllung be­steht. Un­ge­ach­tet des­sen, dass das dem vom Kläger zi­tier­te Ur­teil des LAG Düssel­dorf vom 07.02.2007 (12 Sa 227/06) wohl nicht rechts­kräftig fest­stellt, dass die Pen­si­ons­kas­se auch ihm ge­genüber zur Leis­tungs­her­ab­set­zung be­rech­tigt war, er­gibt sich dies aus der ver­gleichs­wei­sen Re­ge­lung der Par­tei­en nicht. Viel­mehr ha­ben die Par­tei­en le­dig­lich ei­ne Neu­be­rech­nung der Ansprüche des Klägers ver­ein­bart, falls ei­ne der bei­den Al­ter­na­ti­ven (Leis­tungs­her­ab­set­zung nicht rech­tens oder Be­klag­te zur Auffüllung ver­pflich­tet) ein­tritt. Im Verhält­nis zum Kläger ist nicht fest­ge­stellt, dass die Leis­tungskürzung nicht rech­tens ist. Die Ver­pflich­tung zur Auffüllung durch die Be­klag­te muss sich des­halb aus an­de­ren Gründen er­ge­ben.

2. Die­se Ver­pflich­tung er­gibt sich im vor­lie­gen­den Fall aus § 1 Abs. 1 S. 3 Be­trAVG. Da­nach hat der Ar­beit­ge­ber für die Erfüllung der von ihm zu­ge­sag­ten Leis­tun­gen auch dann ein­zu­ste­hen, wenn die Durchführung nicht un­mit­tel­bar durch ihn er­folgt.

a) Die Be­klag­te be­ruft sich zu Un­recht dar­auf, sie ha­be nur ver­spro­chen, zu Guns­ten des Klägers Beiträge an die Pen­si­ons­kas­se ab­zuführen; die­se Bei­trags­zu­sa­ge ha­be sie erfüllt.

 

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(1) Zwar ist ei­ne sol­che Zu­sa­ge recht­lich grundsätz­lich möglich. Mit ihr wer­den kei­ne künf­ti­gen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen ver­spro­chen, wie dies § 1 Abs. 1 S. 1 Be­trAVG vor­sieht, son­dern nur zusätz­li­che Zah­lun­gen während des ak­ti­ven Ar­beits­le­bens, bei de­nen der Ar­beit­neh­mer das vol­le An­la­ge- und In­sol­venz­ri­si­ko trägt.

(2) Hier hat die Be­klag­te je­doch kei­ne rei­ne Bei­trags­zu­sa­ge er­teilt, son­dern gem. Ziff. 5. d. des Ar­beits­ver­tra­ges vom 28.08.1989 „ei­ne zusätz­li­che, un­ver­fall­ba­re Al­ters­ver­sor­gung der­ge­stalt“ gewährt, dass sie zu Guns­ten des Klägers ei­nen be­stimm­ten Be­trag an die Pen­si­ons­kas­se der Che­mi­schen In­dus­trie (heu­te: Pen­si­ons­kas­se der Deut­sche Wirt­schaft VVaG) abführ­te. Da­mit ver­bun­den war die An­mel­dung des Klägers bei der in Form ei­ner VVaG geführ­ten Pen­si­ons­kas­se, ge­gen die der Kläger die in den AVB und TaB ge­nann­ten Ansprüche er­lang­te. Dies stellt wie in dem der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 07.09.2004 (3 AZR 550/03, AP Nr. 15 zu § 1 Be­trAVG Gleich­be­rech­ti­gung, DB 2005, 507) zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­halt ei­ne bei­trags­ori­en­tier­te Leis­tungs­zu­sa­ge dar, auf­grund de­rer die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung durch die Pen­si­ons­kas­se zu ver­schaf­fen und für die sie ge­ge­be­nen­falls gem. § 1 Abs. 1 S. 3 Be­trAVG ein­zu­ste­hen hat.

b) Die in der Sat­zung der Pen­si­ons­kas­se der Deut­sche Wirt­schaft VVaG vor­ge­se­he­ne Möglich­keit der Leis­tungs­her­ab­set­zung schränkt die Leis­tungs­zu­sa­ge der Be­klag­ten nicht ein. Da­bei kann un­ter­stellt wer­den, dass die Pen­si­ons­kas­se der Deut­sche Wirt­schaft VVaG auf­grund des Be­schlus­ses der Mit­glie­der­ver­samm­lung vom 27.06.2003 im vor­lie­gen­den Fall be­rech­tigt war, Fehl­beträge durch das Her­ab­set­zung der Leis­tun­gen aus­zu­glei­chen. Die­ses im Ver­si­che­rungs­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Pen­si­ons­kas­se be­gründe­te Recht schlägt aber nicht durch auf die Ver­sor­gungs­zu­sa­ge des Ar­beit­ge­bers, wie sie sich aus den AVB und TaB er­gibt. Dies folgt letzt­lich aus dem Schutz­zweck des § 1 Abs. 1 S. 3 Be­trAVG. Der Ar­beit­ge­ber soll durch die Ein­schal­tung ei­nes Drit­ten nicht ent­las­tet wer­den, son­dern dafür ein­ste­hen, wenn die­ser nicht leis­tungsfähig ist (eben­so Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 03.03.2010, 8 Sa 187/09, Pres­se­mit­tei­lung 2/10). Ob und in­wie­weit da­durch der Be­darf nach ei­nem ge­setz­li­chen In­sol­venz­schutz aus­gelöst wird, ist eben so we­nig Ge­gen­stand die­ses Ver­fah­rens wie die Fra­ge der Bil­dung von Rück­stel­lun­gen.

 

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c) Der Kläger nimmt die Be­klag­te nicht in An­spruch, so­weit die Leis­tun­gen der Pen­si­ons­kas­se auf Beiträgen be­ru­hen, die er frei­wil­lig nach sei­nem Aus­schei­den wei­ter ent­rich­tet hat. Der Kläger hat mit Schrift­satz vom 02.03.2009 un­ter Be­zug auf die An­la­gen K 8 und K 9 (ABl. 67 ff. der erst­in­stanzl. Ak­te) nach­voll­zieh­bar er­rech­net, dass 11,66 % der Pen­si­ons­kas­sen­leis­tun­gen auf Ei­gen­leis­tun­gen des Klägers be­ru­hen und dies in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung wei­ter erläutert. Die Be­klag­te hat hier­ge­gen kei­ne sub­stan­ti­ier­ten Einwände er­ho­ben. Geht man mit dem Kläger an­hand von An­la­ge K 8 von ei­ner un­gekürz­ten Ge­samt­leis­tung un­ter Berück­sich­ti­gung des ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Ab­schlags (24 %) in Höhe von € 3.474,13 aus (ef­fek­tiv beträgt die un­gekürz­te Ge­samt­leis­tung bei ei­ner mo­nat­li­chen Leis­tung in Höhe von € 291,61 € 3.499,32), ent­fal­len auf € 408,02 die vom Kläger er­rech­ne­ten 11,66 % (vgl. Sei­te 10 des Schrift­sat­zes vom 29.10.2009, ABl. 60).

3. Die An­pas­sungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers nach § 16 Abs. 1 Be­trAVG um­fasst auch die Leis­tung der Pen­si­ons­kas­se (Bloh­mey­er, Be­triebs­ren­ten­ge­setz, 4. Aufl. 2006, § 1 Rd­nr. 278, § 16 Rd­nr. 58).

a) Hin­sicht­lich der Ver­pflich­tung zur An­pas­sung wird auf die Ausführun­gen zu I. ver­wie­sen. Maßgeb­lich für die An­pas­sungs­ent­schei­dung ist auch hier die wirt­schaft­li­che La­ge des Ar­beit­ge­bers.

b) Die Ver­pflich­tung entfällt nicht gem. § 16 Abs. 3 Be­trAVG. Die Be­klag­te hat kei­ne Bei­trags­zu­sa­ge mit Min­dest­leis­tung, son­dern ei­ne bei­trags­ori­en­tier­te Leis­tungs­zu­sa­ge (§ 1 Abs. 2 Nr. 1 Be­trAVG) er­teilt (§ 16 Abs. 3 Nr. 3). In­so­weit wird auf die Ausführun­gen zu II. 2. a), b) ver­wie­sen. Die Vor­aus­set­zun­gen nach § 16 Abs. 3 Nr. 2 Be­trAVG, der auch für bis zum 31.12.1998 er­teil­te Ver­sor­gungs­zu­sa­gen gilt, hat die Be­klag­te nicht dar­ge­legt.

III.

Dem Fest­stel­lungs­be­geh­ren des Klägers hat das Ar­beits­ge­richt des­halb eben­so wie dem Zah­lungs­be­geh­ren zu Recht statt­ge­ge­ben. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten war da­her zurück­zu-wei­sen. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Kam­mer hat we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der Rechts­sa­che für die Be­klag­te die Re­vi­si­on zum Bun­de­sar-beits­ge­richt zu­ge­las­sen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

 

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1. Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Bekl. schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuss-Platz 1

99084 Er­furt

ein­ge­hen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­on und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

a. Rechts­anwälte,
b. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.

In den Fällen der lit. b und c müssen die han­deln­den Per­so­nen die Befähi­gung zum Rich-ter­amt ha­ben.

2. Für d. Kläg. ist ge­gen die­ses Ur­teil ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf § 72a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

 

Dr. Au­we­ter

Pa­es­ler

Kai­ser

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