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Arbeitsrecht aktuell: 10/214 Veröffentlichung von Arbeitnehmer-Fotos im Internet
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Ohne Widerruf gilt eine Einwilligung des Arbeitnehmers auch nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses fort
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 23.06.2010, 3 Sa 72/10
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Leitsatz der Redaktion: "Erklärt sich ein Arbeitnehmer damit einverstanden, dass der Arbeitgeber von ihm ein Foto aufnimmt und es auf seiner Homepage veröffentlicht, dann erlischt das Einverständnis nicht automatisch mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Es muss stattdessen ausdrücklich widerrufen werden. Dies gilt jedenfalls dann, wenn das Foto nur der Veranschaulichung dient und nicht auf die individuelle Person des Arbeitnehmers Bezug genommen wird."
von Rechtsanwalt Sebastian W. Kreuziger, Berlin
02.11.2010. Alle Menschen haben als Teil ihres allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz - GG) ein Recht am eigenen Bild. Grundsätzlich kann daher jeder selbst darüber bestimmen, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden. Die wichtigste einfachgesetzliche Grundlage ist insoweit § 22 des Gesetzes betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Fotografie (Kunsturheberrechtsgesetz - KunstUrhG). Nach dieser Vorschrift dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. "Bildnis" ist dabei jede erkennbare Wiedergabe einer Person, wobei die heutzutage praktisch bedeutsamsten Fälle Fotografien oder Filmaufnahmen sein dürften.
Möchte ein Arbeitgeber mit einem Bild seines Arbeitnehmers Werbung machen, muss er deshalb um dessen Einwilligung bitten. In der Regel wird das schlicht dadurch passieren, dass der Arbeitgeber um die Teilnahme des Arbeitnehmers an einer Werbemaßnahme bittet und dieser im Interesse eines ungetrübten Arbeitsverhältnisses mitmacht oder sich jedenfalls nicht wehrt. Endet das Arbeitsverhältnis dann aber im Streit, stellt sich die Frage, ob damit auch die Einwilligung endet oder ob der Arbeitnehmer sie ausdrücklich widerrufen muss.
Diese Frage stellte sich auch einem ehemaligen kaufmännischen Angestellten in einem vom Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig Holstein entschiedenen Fall (Urteil vom 23.06.2010, 3 Sa 72/10). Er hatte auf Wunsch seines Arbeitgebers an einem Fotoshooting teilgenommen, um die Kleidung des Unternehmens zu präsentieren. Außerdem hatte er auch bei der Veröffentlichung der Fotografien im Internet geholfen. Nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses und verschiedenen Rechtsstreitigkeiten stellte er sich auf den Standpunkt, von den Veröffentlichungen nichts gewusst zu haben und verlangte Schadensersatz. Damit blieb er jedoch in erster Instanz (Arbeitsgericht Elmshorn, Urteil vom 11.01.2010, 2 Ca 1402 d/09) und vor dem LAG erfolglos.
Fazit: Willigt ein Arbeitnehmer durch sein Verhalten in die Veröffentlichung seiner Fotos durch den Arbeitgeber ein, so erlischt diese Einwilligung auch dann nicht automatisch, wenn das Ende des Arbeitsverhältnisses zu gerichtlichen Streitigkeiten führt. Arbeitgeber brauchen daher nicht vorschnell Webseiten, Firmenbroschüren und andere werbliche Darstellungen ihres Betriebs danach zu durchforsten, ob sich nicht irgendwo ein Bildnis des ausgeschiedenen Mitarbeiters findet. Vielmehr können sie zunächst abwarten, ob der ausgeschiedene Arbeitnehmer die Entfernung des Bildes verlangt.
Arbeitnehmern ist zu raten, spätestens bei Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses ausdrücklich (und beweisbar) der weiteren Bildverwendung durch den Arbeitgeber zu widersprechen. Werden Bildnisse dann trotzdem (weiter) ohne Einwilligung des Arbeitnehmes verwendet, kann dieser je nach den Umständen des Einzelfalls Unterlassung, Schmerzensgeld oder Schadensersatz verlangen. Den Schadensersatz kann er dann z. B. berechnen, indem er nachweist, wie viel ein vergleichbarer "Dressman" für Fotoaufnahmen verlangt hätte (sog. fiktive Lizenzgebühr).
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Letzte Überarbeitung: 20. September 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Berlin, 05.04.2012 Unkündbarkeit:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 07.02.2012, 7 Sa 2164/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
Hamburg, 12.03.2012 Provision:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 06.12.2011, 1 Sa 13 a/11
Hannover, 11.03.2012 Befristung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 29.06.2011, 7 AZR 6/10
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