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ARBEITSRECHT AKTUELL // 07/05

Al­ters­be­fris­tung wie­der ein­ge­führt

Die sach­grund­lo­se Be­fris­tung von Ar­beits­ver­trä­gen mit Ar­beit­neh­mern ab 52 Jah­ren ("52er-Re­ge­lung") ist wie­der mög­lich: Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Be­schäf­ti­gungs­chan­cen äl­te­rer Men­schen, vom 19.04.2007
52er-Re­ge­lung: Vor­ent­hal­tung von Kün­di­gungs­schutz oder Hil­fe bei der Job­su­che?

25.04.2007. Das "Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Be­schäf­ti­gungs­chan­cen äl­te­rer Men­schen, vom 19.04.2007" er­mög­licht er­neut die sach­grund­lo­se Be­fris­tung von Ar­beits­ver­trä­gen mit Ar­beit­neh­mern ab 52 Jah­ren.

Von die­ser Än­de­rung des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes (Tz­B­fG) ver­spricht sich der Ge­setz­ge­ber, dass äl­te­re Ar­beit­neh­mer leich­ter ei­ne neue Be­schäf­ti­gung fin­den.

Die Neu­re­ge­lung war er­for­der­lich ge­wor­den, weil der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) die Vor­gän­ger­re­ge­lung im Jah­re 2005 für eu­ro­pa­rechts­wid­rig er­klärt hat­te (EuGH, Ur­teil vom 22.11.2005, C-144/04 - Man­gold).

Wie­der­be­le­bung der bis zum 31.12.2006 be­fris­te­ten und zu­vor als eu­ro­pa­rechts­wid­rig be­an­stan­de­ten 52er-Re­ge­lung

Mit dem "Ers­ten Ge­setz für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt", vom 23.12.2002, wur­de un­ter der Re­gie­rung Schröder der Spiel­raum für ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit älte­ren Ar­beit­neh­mern er­heb­lich er­wei­tert, und zwar durch ei­ne am 01.01.2003 in Kraft tre­ten­de und "pro­be­hal­ber" bis zum 31.12.2006 gel­ten­de Ergänzung von § 14 Abs.3 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG).

Nach die­ser Fas­sung des Tz­B­fG (§ 14 Abs.3, Satz 1 und 4) be­durf­te die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges kei­nes sach­li­chen Grun­des, wenn der Ar­beit­neh­mer bei Be­ginn des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses das 58. Le­bens­jahr voll­endet hat (Satz 1), wo­bei die­se Re­ge­lung bis zum 31.12.2006 mit der Maßga­be an­zu­wen­den war, dass an die Stel­le des 58. Le­bens­jah­res das 52. Le­bens­jahr tritt (Satz 4).

Der EuGH stell­te dann aber wie erwähnt im Jah­re 2005 mit Ur­teil vom 22.11.2005, C-144/04 ("Man­gold") klar, dass der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen eu­ro­pa­rechts­wid­rig sind. Dar­aus zog das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) im letz­ten Jahr den Schluss, dass § 14 Abs.3 Satz 4 Tz­B­fG ge­ne­rell nicht mehr an­zu­wen­den ist, und zwar oh­ne Gewährung von Ver­trau­ens­schutz in Altfällen (BAG, Ur­teil vom 26.04.2006, 7 AZR 500/04).

Durch das Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Beschäfti­gungs­chan­cen älte­rer Men­schen wird die 52er-Re­ge­lung wie­der ein­geführt, al­ler­dings ein we­nig entschärft.

Die Kri­tik des EuGH wird in dem Punkt auf­ge­grif­fen, dass die recht­li­che Möglich­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit älte­ren Men­schen jetzt nicht mehr al­lein vom Al­ter des Ar­beit­neh­mers abhängt. Denn das war vom EuGH als Ver­s­toß ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters be­an­stan­det wor­den.

Da­her ist die sach­grund­lo­se Be­fris­tung mit Ar­beit­neh­mern ab dem 52. Le­bens­jahr jetzt von ei­ner wei­te­ren Vor­aus­set­zung abhängig:

Der Be­tref­fen­de muss nicht nur das 52. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, son­dern "un­mit­tel­bar vor Be­ginn des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses min­des­tens vier Mo­na­te beschäfti­gungs­los im Sin­ne des § 119 Abs.1 Nr.1 des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch ge­we­sen..., Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld be­zo­gen oder an ei­ner öffent­lich geförder­ten Beschäfti­gungs­maßnah­me nach dem Zwei­ten oder Drit­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch teil­ge­nom­men" ha­ben.

Ins­ge­samt hat § 14 Abs.3 Tz­B­fG in der Fas­sung des Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der Beschäfti­gungs­chan­cen älte­rer Men­schen fol­gen­den Wort­laut:

"(3) Die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges be­darf kei­nes sach­li­chen Grun­des und ist bis zu ei­ner Dau­er von fünf Jah­ren zulässig, wenn der Ar­beit­neh­mer bei Be­ginn des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses das 52. Le­bens­jahr voll­endet hat und un­mit­tel­bar vor Be­ginn des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses min­des­tens vier Mo­na­te beschäfti­gungs­los im Sin­ne des § 119 Abs.1 Nr.1 des Drit­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch ge­we­sen ist, Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld be­zo­gen oder an ei­ner öffent­lich geförder­ten Beschäfti­gungs­maßnah­me nach dem Zwei­ten oder Drit­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch teil­ge­nom­men hat. Bis zu der Ge­samt­dau­er von fünf Jah­ren ist auch die mehr­fa­che Verlänge­rung des Ar­beits­ver­tra­ges zulässig."

Förde­rung der Fort­bil­dung älte­rer Ar­beit­neh­mer

Nach der bis­he­ri­gen Fas­sung von § 417 Abs.1 SGB III, der die sog. Bil­dungs­gut­schei­ne be­trifft, können Ar­beit­neh­mer bei Teil­nah­me an ei­ner für die Wei­ter­bil­dungsförde­rung an­er­kann­ten Maßnah­me durch Über­nah­me der Wei­ter­bil­dungs­kos­ten gefördert wer­den, wenn (ne­ben an­de­ren Vor­aus­set­zun­gen)der Geförder­te bei Be­ginn der Teil­nah­me das 50. Le­bens­jahr voll­endet hat und wenn der Be­trieb, dem er an­gehört, nicht mehr als 100 Ar­beit­neh­mer beschäftigt.

Nach der geänder­ten Fas­sung von § 417 SGB III können die Wei­ter­bil­dungs­kos­ten be­reits dann über­nom­men wer­den, wenn der geförder­te Ar­beit­neh­mer das 45. Le­bens­jahr voll­endet hat und wenn der Be­trieb nicht mehr als 250 Ar­beit­neh­mer beschäftigt.

Die übri­gen Förde­rungs­vor­aus­set­zun­gen blei­ben im We­sent­li­chen un­verändert. Der geförder­te Ar­beit­neh­mer muss da­her im Rah­men ei­nes be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses während der Dau­er der Bil­dungs­maßnah­me An­spruch auf Ar­beits­ent­gelt ha­ben und die Maßnah­me darf kei­ne rein ar­beits­platz­be­zo­ge­ne kurz­fris­ti­ge An­pas­sungs­fort­bil­dung sein. Die Förde­rungsmöglich­keit ist wie das bis­he­ri­ge Recht be­fris­tet, und zwar dies­mal bis zum 31.12.2010, d.h. bis da­hin (bis­her: bis zum 31.12.2006) muss die förde­rungsfähi­ge Maßnah­me be­gon­nen ha­ben.

Ände­run­gen beim Ein­glie­de­rungs­zu­schuss

Der Ein­glie­de­rungs­zu­schuss, der bis­her Ar­beit­ge­bern zum Zwe­cke der Ein­glie­de­rung von Ar­beit­neh­mern mit "Ver­mitt­lungs­hemm­nis­sen" als Er­mes­sens­leis­tung gewährt wer­den konn­te, wenn die Ver­mitt­lung der geförder­ten Ar­beit­neh­mer "we­gen in ih­rer Per­son lie­gen­der Umstände er­schwert" war (§ 217 SGB III), kann nun­mehr ein Ein­glie­de­rungs­zu­schuss bei älte­ren Ver­si­cher­ten schon dann be­wil­ligt wer­den, wenn die­se

  • vor Be­ginn der geförder­ten Beschäfti­gung min­des­tens sechs Mo­na­te ar­beits­los wa­ren oder
  • Ar­beits­lo­sen­geld un­ter er­leich­ter­ten Vor­aus­set­zun­gen oder
  • Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld be­zo­gen ha­ben oder
  • an ei­ner Maßnah­me der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung oder der öffent­lich geförder­ten Beschäfti­gung nach dem SGB III teil­ge­nom­men ha­ben (§ 421 f Abs.1 Nr.1 SGB III).

Da­ne­ben kann wie nach bis­he­ri­gem Recht auch dann ein Ein­glie­de­rungs­zu­schuss gewährt wer­den, wenn die Ver­mitt­lung des geförder­ten Ar­beit­neh­mers we­gen in sei­ner Per­son lie­gen­der Umstände er­schwert ist (§ 421 f Abs.1 Nr.2 SGB III).

Der Ein­glie­de­rungs­zu­schuss für älte­re Ar­beit­neh­mer setzt die Be­gründung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses für min­des­tens ein Jahr vor­aus. Die Förde­rung muss bis zum 31.12.2009 be­gon­nen ha­ben.

Kom­bi­lohn ("Ent­gelt­si­che­rung") für älte­re Ar­beit­neh­mer

Schon nach bis­he­ri­gem Recht (§ 421j SGB III) be­stand ge­genüber der Ar­beits­ver­wal­tung ein ge­setz­li­cher An­spruch auf Leis­tun­gen der sog. Ent­gelt­si­che­rung, d.h. auf Zu­zah­lung zum Ar­beits­ent­gelt, falls der Ver­si­cher­te ei­ne ge­genüber der bis­he­ri­gen Beschäfti­gung schlech­ter be­zahl­te neue Beschäfti­gung auf­nahm.

Die Ent­gelt­si­che­rung war bis­her auf die Dau­er des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld, der vor Auf­nah­me der Beschäfti­gung be­stan­den hat oder be­stan­den hätte, be­grenzt (§ 421j Abs.4 SGB III) und wird aus­ge­baut, d.h. sie nun­mehr ge­ne­rell für die Dau­er von zwei Jah­ren gewährt (§ 421j Abs.2n SGB III). Wei­ter­hin wer­den die Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug der Leis­tung ver­ein­facht.

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2013

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